Medien, Lobby & PR

Freitag, 14. August 2009

Hysterie um Kinderfotos

Der Anlass war diese kleine Notiz beim "Che" Textil und undersexed?, aber im Zuge meiner Recherchen hat sich der thematische Schwerpunkt stark geändert. Denn ob erwachsene Frauen, im Unterschied zu den ´80ern und ´90en, nichts mehr von "oben ohne" oder FKK halten, ist allein ihr Ding.
Anders sieht es mit dem Verhältnis zur "kindlichen Nacktheit" aus.
Da gab mir dieser Aufsatz auf "telepolis" neulich zu denken: Ab wann braucht mein Kind ein Feigenblatt?

Ich kann zwar bis zu einem gewissen Grad die Besorgnis einiger Eltern verstehen, die Angst vor Spannern mit Handykameras haben, aber meines Erachtens schlägt die Sorge oft in Hysterie um. Denn die reale Gefahr der sexualisierten Kindesmisshandlung droht eher innerhalb der Familien. Oder von Vertrauenspersonen, die das in sie gesetzte Vertrauen missbrauchen - in einem aktuellen Fall war es ein Sportlehrer. Laut BKA werden fast drei Viertel der sexuell motivierten Übergriffe auf Kinder von Tätern aus dem unmittelbaren, familiären Umfeld begangen.

Glücklicherweise geht der reale "sexuelle Missbrauch" (sexualisierte Kindesmisshandlung) seit Jahren zurück. Aber offensichtlich nimmt zur gleichen Zeit nicht nur die Angst zu, sondern sie verlagert sich auch - weg aus dem tatsächlich gefährlichen "Nahbereich", hin zum "bösen Fremden". Ich traf neulich eine junge Mutter, die sich nur schreckliche Angst vor "den kranken Hirnen, die überall lauern" äußerte, sondern auch alarmiert war, dass manche Kameras automatisch die geographischen Koordinaten ermitteln und in der Bilddatei ablegen. Ihr Alptraum, über den ich mich hier ausdrücklich nicht lächerlich machen will, ist die Vorstellung, dass jemand ihre kleine Tochter nicht nur heimlich fotografieren, sondern auch sofort ins Internet stellen würde, mit der automatischen Angabe, wo "andere Triebtäter" ihre Tochter finden könnten. Sexualverbrechen sozusagen nach "Online-Katalog".
Die Frau tut mir wirklich leid. Denn die panische Angst ist nicht auf ihrem Mist gewachsen. Sie ist Opfer einer völlig schiefen Darstellung des Problems in den (sensationsgeilen) Medien - und auch von politischer Seite.
Ich vermute, dass unsere - auch meine - Wahrnehmung von Nacktheit, durch die Medien, insbesondere auch die Werbung, ("Sex sells") sexuell aufgeladen wird.
In Zeitschriften, auf Internet-Klickstrecken, im Fernsehen und Kino ist der Großteil von Nacktszenen mit sexuellen Handlungen oder Gefühlen verbunden. Gerade junge Menschen sind deshalb chronisch übersext (- und, wie ich vermute, zugleich chronisch untervögelt).
Was m. E. zu der von Che aufgegriffenen "neuen Verklemmtheit" beiträgt: welche Frau legt sich schon "oben ohne" in die Sonne, wenn sie ständig darauf gestoßen wird, dass unzählige Männer sie dann auf ein Lustobjekt reduzieren?
Es ist meiner Ansicht nach vor allem auf diese verkürzte Wahrnehmung "Nacktheit - Sex" zurückzuführen, wenn Bilder von nackten Kinder automatisch mit "Kinderpornographie" gleichgesetzt werden. In dieser Hinsicht stimme ich unserer sonst nicht immer durch Sachkenntnis überzeugenden Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen voll und ganz zu: Bei Kinderpornographie geht es nicht um nackte Kinder, sondern um die Misshandlung von Kindern vor der Kamera.

Die Berichte in den Medien suggerieren, dass jederzeit und überall Pädophilie auf ihre Opfer lauern. Wobei es ja schon ein populäres Missverständnis ist, Pädophile und "Kinderschänder" gleichzusetzen. Die meisten sexualisierten Gewalttaten gegen Kinder werden von Nicht-Pädophilen verübt. Zum Beispiel, weil ein kindliches Vergewaltigungsopfer (um ein Extrembeispiel zu nennen) sich nicht wie ein erwachsenes Opfer wehren kann. Weil viele Sexualstraftäter mindestens ebenso sehr vom "Rausch", Gewalt gegen ein hilfloses Opfer auszuüben, motiviert sind, wie von sexuellem Verlangen. Ein "Pädo" kann gefährlich sein, ist es - muss aber nicht. Ein wesentlicher, aber sträflich vernachlässigter, Punkt bei der Vorbeugung von Sexualverbrechen ist es, potenzielle Täter nicht zum Täter werden zu lassen. Aber Präventionsarbeit mit Pädophilen ist weniger populär als Forderungen nach drakonischen Strafen. Die erst dann greifen, wenn es schon zu spät ist.
Mit Blick auf das konkrete sexuelle Verhalten gelingt es einem Teil der betroffenen Männer, seine sexuellen Impulse lebenslang auf der Fantasieebene zu belassen. Auf keinen Fall ist daher die Diagnose Pädophilie oder Hebephile mit sexuellem Kindesmissbrauch oder sexueller Ausbeutung durch Kinderpornografienutzen gleichzusetzen.
(Zitiert aus Charité Berlin - Kein Täter werden - auch nicht im Netz)
Damit will ich reale Gefahren nicht verharmlosen - im Zweifel ist es richtig, einen "spannerverdächtigen" Mann (sehr viel seltener: Frau) mal laut und deutlich zu fragen, was er da macht. Was gegen echte Spanner übrigens sehr wirksam ist ...
Etwas Besorgnis ist gut - ständige Angst hingegen gefährlich. Man male sich einmal aus, wie Kinder aufwachsen, deren Eltern hinter jedem Busch einen Spanner mit Digitalkamera vermuten, der die heimlich geknipsten Bilder von den Kleinen ins böse Internet lädt.

Übrigens, noch etwas zum von mir gern zitierten Spruch: "Früher gab es auch nicht weniger Pädophile - aber kein Privatfernsehen":
Mitte der 1990er Jahre gab es eine Debatte um sogenannte FKK-Hefte, die damals offen im Zeitschriftenhandel verkauft wurden, in denen überwiegend Nacktfotos von Kindern und Jugendlichen gezeigt wurden, jedoch ohne Informationen oder sonst erkennbaren Bezug zur Freikörperkultur - was bedeutet, dass "FKK" ein Euphemismus war. Es ist zu vermuten, dass viele dieser Hefte als "Wichsvorlagen" dienten. Obwohl sich einige der Fotos im Graubereich der Posing-Fotos bewegt haben sollen, handelte es dabei durchweg nicht um Kinderpornographie im gesetzlichen Sinne - weshalb diese Hefte auch nicht schlicht verboten, eingesammelt und eingestampft, sondern als "jugendgefährdend" indiziert wurden. In der damaligen öffentlichen Debatte wurde das aber nicht immer klar.
An dieser Stelle kommt das Privatfernsehen ins Spiel, konkret der Moderator der damals populärsten RTL-Talkshow, Hans Meiser. In einer Sendung, die ich 1995 selbst sah. Ja, ich gebe zu, damals sah ich ab und an noch nach Feierabend Seicht-TV - habe ich mir inzwischen erfolgreich abgewöhnt, was bei einem Programmniveau zum Abgewöhnen auch nicht weiter schwer war. In dieser Sendung zeigte Meiser eine Broschüre des DFK, auf dessen Titelbild ein kleines nacktes Mädchen beim Baden im Meer abgebildet war. Dabei fragte er, ob solche Bilder nicht fehlgeleitete Menschen den Weg in die FKK-Vereine weisen könnten. Selbst wenn ich davor ausgehe, dass Meiser es gut gemeint haben könnte, und die FKK-Vereine nur vor Formen der Werbung, die auch Pädophile ansprechen könnte, warnen wollte, war ich erst einmal baff.
Wie ich später erfuhr, war der DFK auch reichlich und zurecht sauer, denn damit geriet auch ein völlig seriöser Verein in den Verdacht, Teil der "kinderpornographischen Grauzone" zu sein - auch wenn Meiser das natürlich niemals so gesagt hatte.
Ich weiß nicht, ob es noch weitere Fälle in der Art der Meiser-Talkshow gab, ich könnte es mir aber sehr gut vorstellen.

Ich vermute, dass die Hysterie nicht zufällig zugenommen hat, aber auch nicht, dass sie zentral geschürt wird. Es überwiegt meiner Ansicht nach bei Politikern der Typus des ängstlichen Angstmachers, des unsicheren Sicherheitsverkäufers, in den Medien hingegen die des Sensationsverkäufers - nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, und Sex & Crime gehen immer. Dass ängstliche Menschen sich leichter beherrschen lassen, wissen Politiker und "Sicherheitsexperten" sowieso.
Terrorismus ist überall, an der Schweinegrippe-Pandemie sterben die Menschen wie Fliegen, und in den Parks lauern zehntausende Kinderschänder ihren Opfern auf. Da muss doch knallhart und rücksichtlos durchgegriffen werden!

Donnerstag, 11. Juni 2009

... und wieder so ein tolles Städteranking

Nach einer Studie, über die die Zeitschrift "The Economist" berichtete, ist die kanadische Westküstenmetropole Vancouver die lebenswerteste Stadt unter
140 untersuchten Metropolen. In Europa schnitt Wien mit Platz zwei am besten ab. Beste deutsche Stadt ist Hamburg (Platz 14, gleichauf mit Stockholm), und auch Frankfurt am Main (Platz 19, gleichauf mit Tokio) zählt dieser Studie zufolge zu den 20 lebenswertesten Städten der Welt. Schlusslicht bildet, nicht wirklich überraschend, Harare, die Hauptstadt von Simbabwe.

In die Rangliste flossen 39 Faktoren aus den fünf Bereichen Gesundheitswesen, Stabilität, Kultur und Umwelt, Erziehung und Infrastruktur ein. Studie zur Lebensqualität - Frankfurt gehört zur Weltspitze (hr-online)

Was ich von solchen Städterankinks halte, schrieb ich bereits. Rankings: Wie bastel ich mir eine Spitzenposition?. Zugegeben, Rankings sind amüsant. Etwa so wie Zeitungshoroskope. Wer so was allerdings ernst nimmt, ist aber reichlich naiv - oder, im Falle der Rankings, PR-Mensch oder Politiker.

Bemerkenswert erscheint mir weniger das gute Abschneiden Wiens, als dass München, der Dauerspitzenreiter deutscher Städterankings, weit abgeschlagen auf Platz 28 liegt. Das verrät weniger über die Qualitäten Münchens, als über die Gewichtungen in deutschen Städterankings, mit denen ja durchaus Politik gemacht wird. "Lebenqualität" ist ein sehr schwammiger Begriff, der sehr unterschiedlich mit Inhalt gefüllt werden kann.
(Die Top 10 sind Vancouver, Wien, Melbourne, Toronto, Perth, Calgary, Helsinki - Genf, Sydney und Zürich teilten sich punktgleich den 8. Platz.)

Ein Fan der Stadt Seattle (USA, Westküste, Bundesstaat Washington) hat einmal eine Rangliste aufgestellt, die Städte nach der Ähnlichkeit mit der Heimat von Boeing und Microsoft sortiert. Ich habe sie nicht im Gedächtnis und finde sie auch nicht per Internet-Recherche, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch auf dieser Liste Vancouver ganz vorne läge. Ich vermute aber, dass im "Seattle-likeness-ranking" nicht Wien, sondern Hamburg gleich hinter Vancouver läge. Der Aussagewert für politische oder wirtschaftliche Entscheidungen, sogar der für die Auswahl als Tourismus-Ziel wäre jedenfalls beim "Seattle-likeness-ranking" nicht wesentlich schlechter, als bei der von "The Economist" veröffentlichten Studie.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Warum ich lieber blogge als für die Lokalpresse zu schreiben

Neulich wurde ich von einem Leser meines Blogs gefragt, warum ich denn nicht auch mal was für die Zeitung schreiben würde. Ich schriebe doch so gut.
Nun, wer sich einigermaßen mit Journalismus beschäftigt hat, der weiß, dass meine Schreibe hier nicht professionellen Maßstäben entspricht. Davon abgesehen: ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, "mal was für die Zeitung" zu schreiben: Viel Ärger, wenig Geld.

Es ist schon einige Jahre her, da bezog ich Arbeitslosenhilfe und verdiente als "freier Mitarbeiter" für Zeitungen und ab und an Zeitschriften ein paar Mark nebenher. Was ich auch brav als "Nebenverdienst" angab.
Das handelte mir Ärger mit dem Arbeitsamt ein. Ich geriet in den Verdacht, das Arbeitsamt zu beschummeln. Eine Sachbearbeiterin bei der Zahlungsabteilung hielt die von mir angegebenen Honorare für zu niedrig, um plausibel zu sein.

Ich habe nie erfahren, was die Sachbearbeiterin unter "plausiblen" Honoraren verstand. Ich vermute, sie ging von den Honorarvereinbarungen etwa des Deutschen Journalisten-Verbandes aus. Diese Honorare sind zwar auch nicht üppig (alter Kalauer: "Honorar" käme von "rar"), lagen aber deutlich über dem, was ich mit meiner Schreiberei verdiente.

Nun ist es nichts Neues, dass die Artikel in Lokalblättern vor allem von Studenten, Hausfrauen, Rentnern, Arbeitslosen (wie mir) oder anderen nicht-hauptberuflichen Journalisten geschrieben werden. Daraus, aus Pressemitteilungen der Vereine und der örtlichen Unternehmen sowie aus Agenturmeldungen besteht fast der ganze "redaktionelle Inhalt" einer typischen Lokalzeitung. Auch bei der "Yellow Press" (den "Klatschblättern") und bei vielen Spezialzeitschriften ist der Anteil von Nebenerwerbs-Journalisten traditionell groß.
Einige Lokalblätter zahlen Zeilenhonorare von nur 10 Cent pro Zeile. Das glaubt einem ein Branchenfremder nicht so ohne Weiteres. Nun gut, mag mancher denken, für Schreibe auf meinem Niveau ist das vielleicht angemessen. Es gibt aber auch einige hauptberufliche Journalisten, die solche Hungerlöhne erhalten. Oftmals parallel zu Arbeitslosengeld II.

Interessante Einblicke in die Honorarsituation der freien Lokal-Reporter und die Gründe dieser Misere geben zwei Artikel auf Meedia, einem Medien-Portal:
Honorare 2009: Leben mit 10 Cent pro Zeile
und
„Honorare sind unterirdisch niedrig“.
Letzter ist besonders interessant, weil der "Nordkurier"-Chefredakteurs Michael Seidel in einem offenen Brief diese sonst von den Verlagen eher verschleierte Tatsache offen anspricht.

Gestoßen bin ich auf diese Artikel übrigens durch einen Blogbeitrag Thomas Knüwers: Real existierender Bürgerjournalismus.

Warum ist das so?
Aus Sicht der kleinen Lokalblätter und auflagenschwachen Spezialzeitschriften sind die raren Honorare oft ein aus finanziellen Zwängen geborenes Übel: sie können oft nicht besser zahlen, selbst wenn sie es wollen.
Das ist sozusagen ein traditioneller Missstand. Ein anderer, neuerer Grund liegt meines Erachtens darin, dass, egal ob auf "totem Baum" oder Online, zwar sehr viel von "Qualitätsjournalismus" die Rede ist, aber in der Praxis möglichst preiswerter "Content", Seitenfüllstoff, gefragt ist. Entsprechend sehen dann auch die Honorarverhandlungen aus: im Zweifel schreibt die Praktikantin billiger. Und Pressemeldungen sind umsonst.

Ein Problem bei den von Gewerkschaften aushandelten Honorarsätzen liegt darin, dass ein echter "freier Journalist" für mehrere Auftraggeber arbeitet und deshalb niemals als "fester Freier" in Kategorie "arbeitnehmerähnlich" fällt. Für die meisten Nebenerwerbs-Journalisten ist das, was VerDi oder DJV aushandeln, ohnehin schlicht irrelevant. Und der gern von gewerkschaftlicher Seite gegebene Hinweis, freie Journalisten müssten eben auf die vereinbarten Honorarsätze pochen, ist in der Praxis nicht durchsetzbar.

Ein sehr wichtiger Grund dafür, warum Hungerhonorare auch außerhalb der Lokalpresse üblich geworden sind, ist: Der Markt für freie Journalisten - für Journalisten insgesamt - ist überbesetzt. Nachdem viele Verlage ihre Redaktionen drastisch verkleinert haben, schlagen sich viele professionelle Journalisten auf dem Markt der "Freien" durch.

Deshalb verzichte ich heutzutage darauf, für Lokalzeitungen zu schreiben.
Es lohnt sich nur dann, wenn man Idealist ist. Dieser Idealismus vergeht einem aber schnell, wenn man merkt, wie stark die Rücksichtnahme auf Anzeigenkunden, auf die örtlichen Politiker und auf "Lokalgrößen" in Behörden, Wirtschaft und Vereinswesen in Lokalredaktionen ist. Der einzige andere Grund für die Lokalpresse zu schreiben, wäre der, z. B. als Pressesprecher eines Unternehmens oder Vereins, "PR im Kleinen" zu betreiben.
Mir ist auch bewusst, dass ich als "Amateurjournalist" faktisch "Honorardrücker" für die "Profis" bin.

Um mich "selbst schreibend zu verwirklichen", ist ein Blog sowieso das geeignetere Medium. Denn zum "Modeberuf Journalist" oder dazu, unbedingt "irgendwas mit Medien" zu machen, hat es mich nie gedrängt. Auch meine Zeitungs- und Zeitschriftenartikel damals waren Nebenprodukte meiner Hobbys.

Dienstag, 12. Mai 2009

Goldene Worte - bleierne Realität

Ja, da hat Miriam Meckel Recht:
Wir brauchen Menschen, die von ihrem Schreibtisch aufstehen und sich von ihrem Computer lösen, um zu beobachten, was in der Welt geschieht. Wir brauchen Menschen, die unter Recherche mehr als die Eingabe eines Begriffs in eine Suchmaschine verstehen. Die mit anderen Menschen sprechen, um zu verstehen, was sie bewegt und ihr Leben bestimmt. Wir brauchen Menschen, die diese Geschichten so erzählen können, dass andere sich für sie interessieren.
Was, so sehe ich es, auf einige andere Aussagen in ihrem Artikel Qualitätsjournalismus: In der Grotte der Erinnerung nicht zutreffen dürfte.

Lassen wir mal die wohldokomentierte Tasache beiseite, dass Frau Meckel Partnerin der Brunswick Group, eines international tätigen Unternehmens für Strategieberatung ist. Wobei die Brunswick Group ja auch den "Journalistenschreck" David Montgomery, den Medien-Finanzinvestor, berät, einen knallharten Kostenminimierer und Redaktions-Einschrumpfer. Ich vermute zwar, dass sie damit mehr Geld verdient, als als "Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen", und damit keineswegs eine neutrale Expertin ist, aber da heißt noch lange nicht zwangläufig, dass der Artikel verlogen ist. Schließlich ist sie nicht die persönliche Beraterin Montgomerys, eines der real existierenden "Totengräber des Qualitätsjournalismus".
Ich nehme sogar an, dass die Frau Professorin ehrlich glaubt, was sie da schreibt.

Ich bin zwar kein berufsmäßiger Journalist, aber ich weiß aus Gesprächen mit "Profis" in etwa, wie der reale Redaktionsalltag im Jahre 2009 so aussieht. Nämlich trübe. Wenn ich z. B. erfahre, dass in einer Online-Redaktion der einzige Mitarbeiter, der überhaupt Zeit und Energie hat, mal den Schreibtisch zu verlassen und für Recherchen nach draußen zu gehen, die Praktikantin ist, dann ist das, nach allem was ich weiß, nicht untypisch. Ebenso wenig, wie dass Zeitungsredaktionen heutzutage hauptsächlich mit dem Umschreiben von Pressemeldungen und dem Aufbereiten von Agenturtexten beschäftigt sind. Oder dass die meisten Texte von Volontären und Praktikanten verfasst werden, während erfahrenere Journalisten, etwa als Chefredakteure, sich mehr denn je mit betriebswirtschaftlichen und administrativen Tätigkeiten, mit Produktmanagement, herumschlagen müssen. Für investigative Recherchen fehlen meistens schlicht die Mittel.
Näheres überlasse ich einem Bloggerkollegen, der selbst Journalist ist, und uns Blogger keineswegs schont (im Gegenteil); und einem bloggendem Journalisten.

Ich habe den Eindruck, dass Meckel im "Entweder-Oder"-Denken gefangen ist. Entweder, das bisherige Geschäftsmodell der Medienunternehmen finanziert weiterhin den Journalismus - oder der recherchierende und reflektierende Qualitätsjournalismus verschwindet. Bis auf das von ihr als unzureichend beschriebenen Stiftungsmodell Huffingtons erwähnt - oder kennt? - die Medienwissenschaftlerin keine anderen Modelle. (Das ist etwa so, als würde ich behaupten, ein Musiker könne nur mit einem Plattenvertrag mit einen "Major Label" Geld verdienen, abgesehen von einer Handvoll Musikern in öffentlichen oder durch Stiftungen finanzierten Einrichtungen.)

Wie sieht es bei mir persönlich, einem Blogger und Gelegenheitsjournalisten (manche sagen: Möchtegernjournalisten) aus?
Frau Meckel hat natürlich recht, ein Großteil der Inhalte, die in Weblogs präsentiert und diskutiert werden, stammen aus der Recherche und Publikation der traditionellen Medien. Dass trifft auch auf mein Senfblog zu.
Allerdings kommt auch der Inhalt "tradioneller Medien", siehe oben, größtenteils aus zweiter Hand.
Ich behaupte mal ganz frech: Auf einige Gebieten traue ich mir ohne Weiteres zu, kundiger als die meisten Journalisten zu sein. Das trifft auf viele Blogger in noch größerem Maße als mich zu. Was, zusammen mit der Tatsache, dass "Amateure" selten unter Zeitdruck stehen, dazu führt, dass nicht nur die "Kommentare", sondern auch die "Hintergrundartikel" auf Blogs oft qualitativ besser sind, als die in den "traditionellen Medien".
In meinem Fall kommt noch hinzu, dass ich, vor allem auf den Seiten von "Nornirs Ætt", gern Nachrichten aufgreife, die im "Mainstream", aus welchen Gründe auch immer, untergehen. Auch dieses "Heben versunkenen Schätze" betreiben viele Blogger. Und nicht wenige von ihnen machen das weitaus besser, als die unter Auflagen- und Quotendruck, eventuell auch noch unter dem Druck der Agenda ihres Verlages oder ihres Senders, stehenden klassischen Medien.

Außerdem hätte sie sogar bei meinen wenig ambitionierten Blog Unrecht, wenn sie meint, dass (abgesehen von persönlichen Befindlichkeiten und Alltagsgeschichten) nichts wirklich Neues darin stünde.
Erst recht gilt das für die Blogs von Experten und politisch engagierten Bürgern, deren Inhalten mitunter später von den klassischen Medien aufgegriffen werden. (Aktuelles Beispiel: Zensursula. Denn zuerst jubelte die Maistream-Medien fast unisono über den "Stoppschild"-Gesetzentwurf, die sachkundige Kritik kam "aus dem Internet".)

Sonntag, 3. Mai 2009

Gute Nachrichten - die nicht geglaubt werden

Eine alte Redakteursweisheit lautet bekanntlich: "Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten". Gut für die verkaufte Auflage und die Einschaltquote.

Trotzdem gibt es gute Nachrichten, bei denen ich mich erst einmal wundere, dass sie es nicht in die Schlagzeilen schaffen. Zum Beispiel diese:
Die Anzahl der Straften schwerer sexueller Kindesmissbrauch zur Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften hat sich in diesem Zeitraum von 206 auf 103 Fälle halbiert, zudem hat sich dabei die Opferzahl von 256 im Jahr 2002 auf 120 im Jahr 2007 sogar mehr als halbiert!

Dabei ist zudem auch noch die Aufklärungsquote von 80 auf 89 Prozent gestiegen!

Alleine schon dies sollte deutlich zeigen, dass konventionelle Polizeiarbeit und eine konsequente Ächtung dieser Inhalte wirkt!
MissbrauchsOpfer gegen Internetsperren nach Auswertung der polizeilichen Kriminalstastik. In diesem Zusammenhang sehr wichtig: Wovon reden wir in dieser Debatte eigentlich?
Ähnlichkeiten mit dem Terrorismus-Diskurs sind unzufällig.

Es gab im Jahr 2008 nach Angaben von Europol in Europa 515 terroristische Anschläge - größtenteils Brandstiftungen oder kleinere Explosionen ohne Tote. Insgesamt verzeichnet der Bericht gegenüber 2007 einen Rückgang von Terroranschlägen in der EU um 23 Prozent.
Von der Anschlägen gingen die meisten, nämlich 397, auf das Konto separatistischer Organisationen wie der ETA - und ein einziger Anschlag war islamistisch motiviert.

Wie aber lautet aber die Überschrift der Meldung, aus der ich diese Zahlen habe?

Ja, richtig: Islamistischer Terror blieb die größte Gefahr.

Damit man mich nicht (absichtlich) missversteht: ich halte selbstverständlich den islamistischen Terrorismus nicht für "harmlos". Im Gegenteil: islamistisch motivierte Anschläge sind, wohl wegen ihres teilweise religiösen Charakters, jeder für sich, brutaler als rein politisch motivierte. Aber sie sind glücklicherweise in Europa sehr selten.
Übrigens durfte ein wohl obligatorischer Satz nicht fehlen:
Das Internet spielt für Terrorgruppen eine immer wichtigere Rolle: "Es ermöglicht Anonymität beim Austausch von Informationen und es macht es diesen Organisationen leicht, zu kommunizieren und Propaganda zu verbreiten."
Das klingt fast so, als ob Terroristen in der Vor-Internet-Zeit nicht miteinander konspirativ kommuniziert hätten. Es fällt auf, dass wieder einmal die (angebliche) Anonymität des Internets angeführt wird. Was nebenbei verrät, wovor manche Angstmacher wirklich Angst haben.

Die Themen "Kinderpornographie" und "Terrorismus" haben Einiges gemeinsam: Die Thematik ist komplex, die Täter sind nur sehr schwer einzuschätzen und nach üblichen Maßstäben skrupellos - und vor allem: beide Themen sind mit elementarer Angst besetzt.
Auch ohne das sich "interessierte Seiten" einmischen, bleibt es nicht aus, dass die Angst in Panik und Hysterie umschlägt, und die Hysterie zu groben Fehleinschätzungen und Überreaktionen führt. Bei beiden Themen kann es meiner Ansicht nach schon spontan, ohne das irgend jemand Desinformation betreibt, dazu kommen, dass sehr viele Menschen sehr fest von Annahmen überzeugt sind, die einfach nicht stimmen und beim näheren Hinsehen nicht einmal plausibel sind.
Erst recht gilt das, wenn aus vielleicht ganz banalen Gründen (mehr Auflage, mehr Wählerstimmen) manipuliert wird.

Der Hauptgrund, Angst zu verbreiten, ist selbst Angst zu haben. Angst, die blind gegenüber auch guten Nachrichten macht.

Das dürfte der Grund sein, weshalb an sich gute Nachrichten nicht mehr öffentlich wahrgenommen werden: sie passen weder in das angstbestimmte Weltbild des "Normalbürgers" noch in die Agenda der ängstlichen Angstmacher.

Dienstag, 14. April 2009

Man kann es nicht oft genug wiederholen ...

Es sind immer wieder die gleichen drei Lügen, um die jede Diskussion über die Probleme unseres Gesundheitswesens kreist:
  • Lüge 1: Es gibt eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen.
  • Lüge 2: Deutschland hat zu hohe Lohnnebenkosten.
  • Lüge 3: Die Überalterung unserer Gesellschaft macht das Gesundheitswesen zunehmend unbezahlbar
In der FR-online, von Dr. med. Bernd Hontschik:
Diagnose: Propaganda

Donnerstag, 9. April 2009

1969 - "Perry Rhodan - der Hitler des planetarischen Zeitalters"

Ja, das waren noch Zeiten, damals, vor 40 Jahren, als noch Schundhefte unsere Jugend verdarben! (Heute würden einige Politiker vielleicht von "Killerheften" reden):

Gefunden bei Nyarla.

Die in Rede stehende Perry-Rhodan-Heftserie erscheint noch heute. Allerdings käme heute sicher kaum noch jemand auf die Idee, die Serie in die Nähe faschistischen oder nationalsozialistischen Gedankenguts zu rücken.

Der Gerechtigkeit halber sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass "Perry Rhodan" in seinen Anfangsjahren deutlich "militaristischer" war als später.
Der damalige Exposé-Autor und "Chef" der Serie, Karl Herbert Scheer hatte eine Vorliebe dafür, Konflikte in seinen Romanen militärisch zu lösen, was ihm nach Initialen seiner Vornamen den Spitznamen "Kanonen-Herbert" eintrug; seine Vorliebe für die Schilderungen von militärischen oder geheimdienstlichen "Kommandounternehmen" zog den Spitznamen "Handgranaten-Herbert" nach sich. In etwa war "Perry Rhodan" damals ähnlich kriegerisch wie die "Star Wars"-Filme. Obwohl sich die Autoren seinerzeit (zu) wenig Gedanken über die politischen Strukturen der Zukunft machten, erforderte es allerdings schon einigen bösen Willens oder einige Ignoranz, in Perry Rhodan einen Diktator, gar einen "Hitler des planetarischen Zeitalters" zu sehen.

Die Parallelen zur Berichterstattung über Computerspiele ist auffällig. Der Unterschied von "damals" zu "heute" besteht in erster Linie darin, dass das Interview mit K. H. Scheer brav, geduldig und nicht durch eingeschnittene "Kampfszenen" oder ähnliches "aufgelockert" gesendet wurde. Dieser zivilisierte Zug ist vermutlich allein den damaligen Sehgewohnheiten geschuldet, denn ansonsten wird "Perry Rhodan" nach allen Regeln des Skandaljournalismus verhackstückt. Vom geduldigen "Scheer"-Interview abgesehen, arbeitet der alte "Monitor"-Bericht mit genau den gleichen Mitteln wie heutige Berichte über "gefährliche Computerspiele". Dazu gehören ein entrüsteter Kommentator, unterlegt mit suggestiven Bildern und Geräuschen, und Äußerungen von Lesern / Spielern, bei denen ein Kontext suggeriert wird, der, würden die Äußerungen für sich stehen, nicht unbedingt nahe liegt. (Einen versilberten Fan-Ansteckbutton als "Verdienstorden" zu bezeichnen, ist schon dreist!) Typisch für solche Berichte ist auch der "Blick hinter die Kulissen". Im Falle des "Perry Rhodan"-Berichts filmte das "Monitor"-Team nach Aussagen Scheers eine mehrstündige Redaktionssitzung mit. Der gezeigte Ausschnitt, in dem es um die Transformkanonen des Raumschiffs INTERSOLAR ging, war offensichtlich das brisanteste, was diese Geduldsprobe hergab. Unmittelbar vorangegangen war eine Diskussion über die Freizeiteinrichtungen auf der INTERSOLAR - allerdings wäre ein Ausschnitt über Schwimmbäder nicht annähernd so wirkungsvoll gewesen, wie einer über Waffensysteme.
Bemerkenswert war die Frechheit der "Monitor"-Redaktion: Scheer wies ausdrücklich darauf hin, dass man den PR-Autoren etwas in den Mund legt, was diese niemals beabsichtigt hätten - und "Monitor"drehte gleich im Anschluss Scheer das Wort im Mund herum. Das Interview endet mit folgenden Sätzen Scheers:
Es ist niemals gesagt worden, in keinem einzigen Perry Rhodan-Roman, dass sich der Terraner, der Mensch, als übergeordnet über Alles betrachtet und sich demnach benimmt. Selbstverständlich trifft Rhodan auf Völkerschaften - den Begriff Rassen will ich gar nicht gebrauchen, denn es sind Völker, egal wie sie körperlich aussehen, wie sie denken und handeln, wie sie geistig eingestellt sind. Es gibt welche darunter, die nun der Menschheit nicht sehr wohlgesonnen sind, die auf alle politischen Verhandlungsversuche eben so reagieren, wie man an und für sich nicht reagieren sollte, die letzte Entscheidung ist dann naturgemäß im Romanzyklus die bewaffnete Auseinandersetzung.
Unmittelbar darauf der Sprecher:
Die bewaffnete Auseinandersetzung! Zweifel sind ihm fremd. Die Eroberung des Weltraums á la Rhodan ist gerecht und gut. Die Monster fremder Planeten lassen sich nur selten ohne Widerstand dem Reich des unsterblichen Menschheitsführers einverleiben - (elektronische Geräuschuntermalung) - und das alles, die bewaffnete Auseinandersetzung, das große Weltraumwürgen, findet in Deutschland millionenfachen Beifall.
Es fehlte auch nicht der obligatorische "Experte" - der damals sehr populäre und noch heute angesehene Zukunftsforscher Robert Jungk. Das Dumme war nur, dass Jungk kein Fachmann für Science-Fiction-Literatur war, wahrscheinlich niemals einen "Perry Rhodan"-Roman gelesen hatte und sich offensichtlich mit der Popkultur wenig auskannte:
Die Perry Rhodan-Serie in Deutschland ist eigentlich ein Zeichen für eine gewisse mentale Rückständigkeit in Deutschland. In Amerika hat es auch den Superman gegeben, aber der Superman ist heute durch bessere Formen von Science Fiction abgelöst. Man lacht nur noch über Superman, während man in Deutschland leider Gottes Perry Rhodan noch sehr ernst nimmt. Und ich frage mich, ob hier nicht eben eine heimliche Führersehnsucht immer noch schlummert. Ob nicht der deutsche Mensch sich nach einem Perry Rhodan sehnt.
Das Prinzip, alles, was nicht ins Konzept passt, zu ignorieren, trifft auch auf die Bildauswahl zu: Überwiegend sind es tatsächlich Titelbilder von "Perry Rhodan"-Heften, allerdings hätten Bilder etwa des freundliche Mausbibers Gucky oder Seite an Seite zusammen arbeitender (und auch kämpfender) Menschen und "Monstren" den suggerierte Eindruck, es ginge um die Vernichtung von "Monster fremder Planeten", gestört.

Man darf bei all dem den zeitgeschichtlichen Hintergrund nicht vergessen: Damals war die NPD in sieben (von damals 11) Landesparlamenten der Bundesrepublik Deutschland vertreten, mit Wahlergebnissen, von denen ein Udo Voigt heute nur noch feucht träumen kann - bei der baden-württembergische Landtagswahl 1968 lag die NPD bei 9,8 %. Es ist sicher auch der Aufklärungsarbeit von Journalisten zu verdanken, dass sie schon bei der Bundestagswahl 1969 den Sprung über die 5 %-Hürde verfehlten.
Kurz vor den Bundestagswahlen 1969 konnten die damaligen "Monitor"-Reporter Erich Potthast und Ulrich Wickert enthüllen, dass die NPD eine SA-ähnliche Schlägertruppe mit Kampfausbildung und -ausrüstung hatte. Schon bei der Gründungsversammlung der Aktion Widerstand waren sie mit ihren Kamerateams dabei, später entdeckten sie Trainingslager der Wiking-Jugend in der Rhön (und wurden von den Rechtsradikalen tätlich angegriffen).
Dass die "Monitor"-Redakteure einen besonderen "Antifa-Eifer" entwickelten, verwundert angesichts dessen wenig.
Wieso aber ausgerechnet "Perry Rhodan" ins Visier geriet, kann aber nur durch eine ähnliche "Logik" erklärt werden, wie sie der heute in der "Killerspiel"-Debatte entspricht: irgendwo müssen die jungen Leute ja ihre Vorlieben für Nazi-Ideologie her haben. Die populärste Antwort, damals wie heute: "Aus den Medien". Ein Medium mit schlechtem Ruf war der damals bei jungen Menschen ungeheuer populäre Heftroman. Ein beliebtes Negativbeispiel war die (auch heute noch erscheinende), als kriegsverherrlichend und NS-verharmlosend geltende Heftreihe
"Der Landser"
. Aber da gab es noch eine Serie, weitaus populärer als "Der Landser", die dazu noch im selben Verlag erschien: Perry Rhodan.

Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Jahres 1969 ist auch der heute etwas seltsam klingende Ausspruch eines der Fans von der "friedlichen Eroberung des Weltraums" zu verstehen. Heute würden viele einwenden: "Hat man je von einer friedlichen Eroberung gehört?" - Damals, wenige Monate, bevor erstmals Menschen auf dem Mond landeten, war das eine Phrase, die buchstäblich in aller Munde war.

Mittwoch, 25. März 2009

Nur die allerdümmsten Kälber ... und viele "Qualitätsjournalisten"

Über die Sache, nämlich die von unser erfrischend naiven Bundesfamilienministerin und der teils ahnungslosen, teils vermutlich ahnungslos sein wollenden Bundesregierung beschlossenen Sperrlisten für Kinderporno-Internetseiten, bloggte ich bereits hier: Demnächst Gesetz: Aus den Augen, aus dem Sinn.
So weit, so schlecht. Und es gibt ja auch tatsächlich kritische Pressestimmen zu diesen Vorhaben (z. B. hier, hier, hier, hier oder hier).

Was mich allerdings richtig ankotzt, sind jene Kommentatoren, die wie z. B. in der Lausitzer Rundschau ihre Ahnungslosigkeit und ihren Vorurteilen freien Lauf lassen: "Es ist kein aussichtloser Kampf, wie gerne von irgendwelchen Internetfreaks und Dauersurfern suggeriert wird." Stimmt, es ist nicht aussichtslos. Hat aber auch niemand, der sich mit dem Internetzdingens auskennt, ernsthaft behauptet. Es geht darum, dass Internetsperren nicht das richtige Mittel sind. Und die Erfahrungen in Skandinavien und Großbritannien zeigen, dass die Sperren zwar "Zeichen setzen", aber dass es effektiver ist, direkt die Provider anzusprechen, als mit großen Aufwand Sperrlisten anzulegen: Internetzensur: CareChild-Versuch blamiert Deutsche Politiker..

Hier, zum Gruseln, einige nette Jubelkommentare: Neue OZ, Westfalen-Blatt, Weser-Kurier.

Nachtrag: besonders traurig - dieser ZEIT-Kommentar.

Die "Tagesthemen" und "heute Nacht" waren völlig auf dem von der Leyen-Kurs. Kritischer Journalismus sieht anders aus ...

Nachtrag vom 26.März
Dem kann ich voll und ganz zustimmen: Kinderpornographie: Gesellschaftspolitische Anmerkungen

Montag, 16. März 2009

Was ist "typisch deutsche Denke"?

Zum Beispiel das:
Groß vertreten sind die Schulbuchverlage. An einem Stand entwickelt sich folgender Dialog:

„Haben sie Leseexemplare für Schulen?“

„Nein, denn sonst kopieren sie die und dann können wir sie nicht mehr verkaufen.“

Dank dieser interessanten Logik dürfte es wohl bald einen Verlag weniger geben. Selten kann sich jemand lange im Markt halten, der dem Markt seine Ware vorenthält.
Gefunden in Gideon Böss' böser Betrachtung über die Leipziger Buchmesse: Buchmesse Leipzig - schlechter als ihr Ruf

Nachtrag: da wir gerade beim Thema "Bücher" sind: dem, was Finkeldey über das Schreiben seines Romans bloggt, kann ich Wort für Wort zustimmen ...

Dienstag, 25. November 2008

In der Kürze ...

"Es ist nicht schwer, zu komponieren, aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen."
Johannes Brahms spricht mir aus der Seele. Als Schreiber kommt mir der Vorgang sehr bekannt vor: ich verbringe regelmäßig mehr Zeit damit, meine Texte zu kürzen, als darauf, sie zu schreiben.

So schwierig das Kürzen auch ist - es ist relativ einfach, unnötig lange Worte zu vermeiden. Überflüssige Silben machen Texte schwerfällig und halten den Lesefluss auf. Das gilt vor allem für das umständliche Bürokratendeutsch, das leider sogar auf journalistische Texte abfärbt.
Warum oft z. B. vom "Gefahrenpotenzial" statt von "Gefahr" die Rede ist, kann ich noch nachvollziehen: Es klingt einfach "gehobener". Schwulst, Angebersprache, wenn man so will.
Aber warum "eine Überweisung tätigen", wo man einfach "überweisen" kann? Warum "Stillschweigen bewahren" - wo man einfach schweigen kann? "Ich bejahe diese Fragen ganz entschieden mit Ja".

Nicht nur überflüssig, sondern falsch sind "Rückantwort" statt "Antwort" oder "Unkosten" statt "Kosten". Von der üblichen Bedeutung der Vorsilbe "un-" her müssten "Unkosten" das Gegenteil von "Kosten" sein.

Aber vielleicht würde bei einer klaren, knappen und einfachen Sprache auffallen, wie wenig viele Journalisten, "Experten" und vor allem Politiker wirklich zu sagen haben.

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