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Wirtschaft

Mittwoch, 8. April 2009

Vogelgrippe: Massentötung von Puten war überflüssig

Aus medizinischer Sicht war die Massenkeulung von 610.000 Puten auf Kosten der Steuerzahler überflüssig.
Wissenschaftler und Tierärzte vermuten, dass hinter der Massenkeulung eine Marktbereinigung zum bestehenden Überangebot gesteckt habe, eine Art Konjunkturprogramm für die Putenwirtschaft.

Die nach dem Ausbruch der Vogelgrippe im Landkreis Cloppenburg im Dezember 2008 vorgenommene Massenkeulung von 610.000 Puten war nach Meinung von Experten überzogen und unnötig. Die Tiere seien kurz vor Weihnachten zu einem großen Teil schlachtreif gewesen und hätten laut der bundesweit geltenden Geflügelpestverordnung für den Verbraucher ohne Bedenken auf den Markt gebracht werden können. Das bei Tests festgestellte H5N3-Virus sei für die Tiere harmlos und vergleichbar mit einem Schnupfen, sagten unabhängig voneinander die Vogelgrippe-Experten Sievert Lorenzen von der Universität Kiel und Johan Mooij vom Wissenschaftsforum Aviäre Influenza dem Informations-Radioprogramm NDR Info.

Der Verlust für die Putenproduzenten hielt sich dank der Tierseuchenkasse Niedersachsen in Grenzen. Sie glich die durch die Keulung entstandenen Verluste größtenteils aus - die Kasse zahlte erstmals seit dem Aufkommen der Vogelgrippe: 14 Millionen Euro insgesamt. Das Geld aus der Kasse stammt zur einen Hälfte von den Beiträgen der Geflügelhalter. Die andere Hälfte kommt vom Land - also vom Steuerzahler. Kritiker sprechen deshalb auch von einem Konjunkturprogramm für die Branche.

Meiner Ansicht nach ist der Fall "Massenkeulung" typisch für verdeckte Subventionen und den damit verbundenen Etikettenschwindel. Auch die Abwrackprämie, auf immerhin 5 Milliarden "gedeckelt", ist offiziell ja eine Umweltprämie, aber in diesem Falle glaubt es ohnehin niemand. Und es stört nur wenige, denn es geht ja um eine (angebliche) "Schlüsselindustrie".
In Fällen wie der Putenkeulung lässt sich der Subventionscharakter der Maßnahme besser verschleiern.

Außerdem ist der Fall "Putenkeulung" ein "schönes" Beispiel davor, wie mit Panikstichworten Politik gemacht wird. Es geht angeblich um nichts weniger als die Abwehr einer Millionen Menschenleben gefährdenden Vogelgrippepandemie, da kommt es auf "ein paar Puten" nicht an.
Mit einem hinreichend großen Bedrohungsszenario lässt sich offensichtlich alles durchbringen.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Es ist irgendwie schade, dass Märklin Insolvent ist

Warum die Märklin-Eisenbahn aus der Spur geriet - damit zerschlägt sich möglicherweise eine Zukunftsperspektive des Noch-Bahnchefs Mehdorn. Aber es gibt zum Glück noch andere Modellbahn-Hersteller, deren Erzeugnisse Mehdorn auch künftig das Gefühl geben könnten, Bahnchef zu sein - er könnte damit sogar die Bahn gegen die Wand fahren lassen, ohne dass es jemanden außer vielleicht seiner Frau stört.
Übrigens weist der Fall Märklin (sozusagen im Maßstab 1:85) einige Parallelen zum Fall Deutsche Bahn AG auf ("Sanierung ist schief gelaufen") - hoffentlich endet mit der Ära Mehdorn auch die Vorbildtreue.

Nachtrag: Allerdings wird auf der Modellbahn nicht bespitzelt. Ich finde es auch nicht ganz unerfreulich, dass der Führungsetage der Deutschen Bahn nicht zuletzt eine Veröffentlichung in einem Medium zu schaffen macht, das von der Mehrheit der deutschen Entscheider in Wirtschaft, Politik und Medien bislang etwa so ernst genommen wird wie eine Modellbahn: "Blogger? Schick denen 'ne Abmahnung und die Sache ist gegessen!" - Von wegen! Die Welle nach der Abmahnung.

Donnerstag, 27. März 2008

Eine technische Lösung, für die kein passendes Problem gefunden wurde

Wieder einmal werde ich selbstreferenziell - was ja auch legitim ist, wenn man recht behält:
So lange sich an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nichts ändert, hat der Transrapid keine Zukunft.
Das Ende eines Verkehrsmittels.

Da sich seitdem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht, die Kostenvoranschläge für das Projekt "in zehn Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen" sich aber sehr stark geändert haben, und zwar nach oben, kommentiere ich diese Nachricht: Aus für den Transrapid mit einem leicht verwunderten "Jetzt erst?"
Auch diese Reaktionen sind nicht wirklich überraschend: Aus für Münchner Transrapid -Strecke: Stoiber verwundert - Maget hämisch.

Freitag, 14. März 2008

Woran erkennt man zuverlässig einen Ideologen?

Ganz einfach: an seiner Behauptung, es gäbe "keine Alternative".

Schon das Denken in Alternativen - in Begriffen von "entweder / oder" - wird der Wirklichkeit nur äußerst selten gerecht. Im Falle einer wirtschaftspolitischen Agenda (ich denke da an z. B. die "Agenda 2010") ist diese Argumentation besonders absurd, denn eine Agenda ist eine "Tagesordnung" oder eine "Zielsetzung". Eine grobe Vorgabe, wo es lang gehen soll. Zu behaupten, es gäbe ein nur ein allgemeingültiges Ziel (etwa: "Europa muss zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Region der Welt werden" - Lissabon-Agenda) - und ferner nur einen Weg dorthin (etwa: "ohne Senkung der betrieblichen Lohnnebenkosten geht es nicht") - ist ideologisches Denken pur.

Montag, 3. März 2008

Ein im Prinzip guter SpOn-Artikel

Auf Udos Law Blog fand ich einen Hinweis auf den SpOn-Artikel Deutschlands Mitte schrumpft dramatisch - Top-Verdiener legen zu.
Udo Vetter fasste das deprimierende Fazit des Artikel in einem Satz zusammen: "Stabil ist die Lage nur ganz unten".
Wer einmal aus der Mittelschicht "abgestürzt" ist, der hat es schwer, wieder "nach oben" zu kommen. Und es wird immer schwieriger: 66 Prozent der Menschen aus der Unterschicht sind auch vier Jahre später noch "ganz unten". Vor einigen Jahren blieben "nur" 54 Prozent "unten hängen".

Der desillusionierende Artikel hat einen, in meinen Augen, entscheidenden Fehler - nämlich diesen Satz:
Unter dem Druck der Globalisierung hat sich die soziale Lage der Republik sehr viel unvorteilhafter entwickelt als bislang bekannt.
Was mich stört, ist, dass wieder einmal der "Druck der Globalisierung" wie etwas schicksalhaft-unabwendbares von außen kommt. Tatsächlich sind die deutschen Verhältnisse größtenteils "hausgemacht".
Nein, ich will nicht in die Litanei jener einstimmen, die für alles die "Neoliberalen" verantwortlich machen - auch wenn Albrecht Müllers Diagnosen in seinem Bestseller "Die Reformlüge" einiges für sich haben - die Diagnosen, denn seiner Therapie, einer Rückkehr zur keynesianischen Interventionspolitik, traue ich auch nicht über den Weg, weil sie genauso von den Interessen einer Elite gelenkt ist, wie die Rezepte z. B. der INSM.
Egal, ob "staatsgläubig" oder "marktgläubig" - der Weg in die Unfreiheit erscheint vorgezeichnet, aber anders, als ihn sich Hayek seinerzeit vorstellte (obwohl, bei anderer Konstellation, als wir sie z. Z. bei uns haben, seine Befürchtungen immer noch aktuell sind) - in die Unfreiheit eines Neofeudalismus, in dem eine kleine "Elite" und ihre Interessen identisch mit der "Staatsraison" sind.

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Auch wenn ich in vielem sehr anderer Ansicht bin, als...
MMarheinecke - 21. Nov, 19:09
Ich gebe dir Recht, aber...
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MMarheinecke - 18. Nov, 12:13
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http://www.svenscholz.de/i ndex.php/links-for-2009-11 -17/ Mit...
Wirr-Licht - 18. Nov, 10:22
das mit dem taschenmesser...
das mit dem taschenmesser finde ich maßlos übertrieben....
Wirr-Licht - 18. Nov, 09:03
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