Medien, Lobby & PR

Donnerstag, 27. März 2008

Eine technische Lösung, für die kein passendes Problem gefunden wurde

Wieder einmal werde ich selbstreferenziell - was ja auch legitim ist, wenn man recht behält:
So lange sich an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nichts ändert, hat der Transrapid keine Zukunft.
Das Ende eines Verkehrsmittels.

Da sich seitdem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht, die Kostenvoranschläge für das Projekt "in zehn Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen" sich aber sehr stark geändert haben, und zwar nach oben, kommentiere ich diese Nachricht: Aus für den Transrapid mit einem leicht verwunderten "Jetzt erst?"
Auch diese Reaktionen sind nicht wirklich überraschend: Aus für Münchner Transrapid -Strecke: Stoiber verwundert - Maget hämisch.

Freitag, 14. März 2008

Woran erkennt man zuverlässig einen Ideologen?

Ganz einfach: an seiner Behauptung, es gäbe "keine Alternative".

Schon das Denken in Alternativen - in Begriffen von "entweder / oder" - wird der Wirklichkeit nur äußerst selten gerecht. Im Falle einer wirtschaftspolitischen Agenda (ich denke da an z. B. die "Agenda 2010") ist diese Argumentation besonders absurd, denn eine Agenda ist eine "Tagesordnung" oder eine "Zielsetzung". Eine grobe Vorgabe, wo es lang gehen soll. Zu behaupten, es gäbe ein nur ein allgemeingültiges Ziel (etwa: "Europa muss zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Region der Welt werden" - Lissabon-Agenda) - und ferner nur einen Weg dorthin (etwa: "ohne Senkung der betrieblichen Lohnnebenkosten geht es nicht") - ist ideologisches Denken pur.

Mittwoch, 5. März 2008

Eine gute Ergänzung

zu meinem vorherigen Beitrag ist dieser Artikel in der (des Antikapitalismus unverdächtigen) Financial Times Deutschland: Reise in die Twilight Zone. (Gefunden bei Jens.)

Die wahre Parallelgesellschaft, das ist nicht die Welt, in der die Kinder schlecht intergrierter Einwanderer aufwachsen, sondern die Welt der elitären Bildungseinrichtungen, auf die wohlhabende Eltern ihre Kinder schicken.
Die Bosse von morgen verlassen ihre hermetische Welt kaum. Vom Kindergarten werden sie in die internationale Grundschule, von Schloss Salem an die EBS und weiter zu McKinsey und Siemens gereicht. Bald halten sie deren Moral und Maßstäbe - oder den Mangel an beidem - für normal. "Den obersten 3,5 Prozent wird vermittelt, dass sie Regeln geben und nicht empfangen", sagt Elitenforscher Hartmann. "Die Elite macht die Regeln, die Elite bricht die Regeln wie es ihr gerade passt."
Überträgt man den Mechanismus, mit dem die durch Macht und Geld definierte deutsche Oberschicht über ihre Kinder ihren Status halten oder ausbauen will, auf die Mittelschicht, dann ist es, denke nicht, nicht weiter erstaunlich, dass in keinem anderen europäischen Land die Bildungschancen der Kinder so sehr vom Status der Eltern abhängen wie in Deutschland.

Hierzu auch: Unsichtbare Sprachbarrieren und die Türsteher der Eliten

Montag, 3. März 2008

Ein im Prinzip guter SpOn-Artikel

Auf Udos Law Blog fand ich einen Hinweis auf den SpOn-Artikel Deutschlands Mitte schrumpft dramatisch - Top-Verdiener legen zu.
Udo Vetter fasste das deprimierende Fazit des Artikel in einem Satz zusammen: "Stabil ist die Lage nur ganz unten".
Wer einmal aus der Mittelschicht "abgestürzt" ist, der hat es schwer, wieder "nach oben" zu kommen. Und es wird immer schwieriger: 66 Prozent der Menschen aus der Unterschicht sind auch vier Jahre später noch "ganz unten". Vor einigen Jahren blieben "nur" 54 Prozent "unten hängen".

Der desillusionierende Artikel hat einen, in meinen Augen, entscheidenden Fehler - nämlich diesen Satz:
Unter dem Druck der Globalisierung hat sich die soziale Lage der Republik sehr viel unvorteilhafter entwickelt als bislang bekannt.
Was mich stört, ist, dass wieder einmal der "Druck der Globalisierung" wie etwas schicksalhaft-unabwendbares von außen kommt. Tatsächlich sind die deutschen Verhältnisse größtenteils "hausgemacht".
Nein, ich will nicht in die Litanei jener einstimmen, die für alles die "Neoliberalen" verantwortlich machen - auch wenn Albrecht Müllers Diagnosen in seinem Bestseller "Die Reformlüge" einiges für sich haben - die Diagnosen, denn seiner Therapie, einer Rückkehr zur keynesianischen Interventionspolitik, traue ich auch nicht über den Weg, weil sie genauso von den Interessen einer Elite gelenkt ist, wie die Rezepte z. B. der INSM.
Egal, ob "staatsgläubig" oder "marktgläubig" - der Weg in die Unfreiheit erscheint vorgezeichnet, aber anders, als ihn sich Hayek seinerzeit vorstellte (obwohl, bei anderer Konstellation, als wir sie z. Z. bei uns haben, seine Befürchtungen immer noch aktuell sind) - in die Unfreiheit eines Neofeudalismus, in dem eine kleine "Elite" und ihre Interessen identisch mit der "Staatsraison" sind.

Dienstag, 26. Februar 2008

Weggelassen

Die Macht der Zeitungen besteht im Weglassen.
Arthur Schopenhauer

Recht hat er, der Schopenhauer, und zwar auch für Nachrichtenmedien, die er noch gar nicht kannte!

ZAF nahm sich des Themas der angeblichen Staatsferne der öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehanstalten an. Über den EU-Reformvertrag bzw. dem Vertrag von Lissabon erfährt man dort z. B. herzlich wenig und vor allem wenig Kritisches. Wobei, nebenbei bemerkt, auch die "Privaten" nicht weniger staatstragend sind, wenn es darum geht, dem Medienkonsumenten wichtige Informationen vorzuenthalten.

Ohne Internetzugang wüsste ich z. B. gar nicht, dass, damit der Vertrag von Lissabon von Deutschland ratifiziert werden kann, der Artikel 23 des Grundgesetzes geändert werden muss. Vielleicht wüsste ich nicht einmal, dass der Reformvertrag im Großen und Ganzen der in Frankreich und den Niederlanden im Volksentscheid gescheiterten Verfassung entspricht.

Näheres zu einigen vernachlässigten und relevanten Themen findet man auf der Website: Der blinde Fleck der "Initiative Nachrichtenaufklärung. Allerdings sollte man auch den Meldungen, die dort behandelt werden, gegenüber kritisch sein.

Der Vollständigkeit halber:
Auf Platz eins der vernachlässigten und relevanten Themen wählte die Jury der "Initiative Nachrichtenaufklärung" das Thema: Absprachen über Terminierungsentgelte im deutschen Handynetz. (Ein Problem, das von der intensiven Mediendebatten über zu hohe Roaminggebühren überdeckt wurde.)
2. - Politiker behindern Ombudsstellen
3. - Qualitätsverluste im Journalismus.
4. - Chemikalien gefährden die Fruchtbarkeit - eine "tickende Zeitbombe"?
5. - Städte kippen den Baumschutz
6. - Die Schweiz beschließt neue Atomkraftwerke
7. - Fragwürdige Geschäfte der WestLB
8. - Bundestag debattiert erstmals über Entschädigung für deutsche Kolonialverbrechen - und keiner berichtet
Wobei einiger dieser Themen inzwischen nicht mehr verschwiegen werden - z. B. die fragwürdigen Geschäfte der WestLB.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Ein gerapter Kommentar zur Musikindustrie

Rap gehört zu den wenigen Musikrichtungen, bei denen fast alles vom Text abhängt. Jedenfalls früher und jedenfalls beim deutschsprachigen Rap. Tatsächlich verdanken Bands wie die "Fantastischen Vier" oder "Fettes Brot" ihren Einstieg in den "kulturellen Mainstream" der Qualität ihrer Texte. Im Rap gab es etwas, was im Deutschland der Nach-Kohl-Ära eher selten ist: Lieder mit sozialkritischen Texten und kommerziellem Erfolg. (Bekanntes Beispiel: "Weck Mich ..." von Sammy De Luxe.)

Seit einiger Zeit sieht das anders aus. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass deutschsprachiger Rap am Ende ist. Dass Möchtegern-Gangster-Rapper mit primitiven und oft hasserfüllten Texten die Charts dominieren. Wobei ich mich oft frage, was mich mehr ankotzt: der angeblich "authentische" Hass auf Schwule, Juden und andere Minderheiten, die ebenso "authentische" Frauenfeindlichkeit - oder doch das garantiert authentische Interesse am großen Abkassieren. Okay, ist bestimmt auch ein Generationenproblem, und Martin Reichert von der "taz" hat sicher auch recht, wenn er schreibt:
Doch unterdessen hat sich unter deutschen Jugendlichen ein Klima entwickelt, das Menschen, die sich dem Mittelschichts-Verdikt der Political Correctness verpflichtet fühlen, den Atem nimmt: Die Jugend von heute, gleich welcher sozialen Herkunft, macht Witze über Juden, Schwule und "Blondinen", also frauenfeindliche Witze. Im wesentlichen ist sie also genauso beschaffen, wie die Jugend von gestern: Sie möchte sich von der älteren Generation abgrenzen und springt daher auf deren Nervenkostüm herum, wie auf einem Trampolin.
Rap gegen Homos - Tourette-Selbsthilfegruppe im Tonstudio

Aber irgendwie fällt es doch auf: Warum setzten die sonst eher konservativen Major-Labels seit einer Weile auf Aggro-Rap? Klar, das Zeugs verkauft sich gut, aber irgendwie fällt schon auf, dass das "Wertesystem" der Aggro-Rapper voll kompatibel zu einen unverhüllt egoistischen und sozialdarwinistischen Brutal-Kapitalismus ist, der in linken Kreisen gerne (und meist zu Unrecht) "Neoliberalismus" genannt wird. Besonders massiv fällt das bei dem stark gehypten Rapper "Massiv" auf. Warum?

Eine mögliche Antwort, passenderweise in gut anhörbaren Rap gegossen, gibt die Band "Pan" - MASSIV Gegendarstellung".


Die wahre Geschichte von "Massiv", der angeblichen "deutschen Antwort auf 50 Cent". Mag sein, dass der Brückenschlag vom Medienkonzern Sony-BMG (BMG steht für "Bertelsmann Music Group) zur Bertelsmann-Stiftung etwas gewagt ist, mag sein, dass Pan den Einfluss dieses "Think Tanks" auf politische Entscheidungen überschätzt - aber wie sie selber rappen: "das ist keine Verschwörungstheorie". Es geht nicht darum, die "Bertelsmänner" als finstere Drahtzieher im Hintergrund zu zeigen, sondern um ein System gegenseitiger Abhängigkeiten, das etwa so transparent wie Milchglas ist, und in dem Demokratie, Liberalismus oder soziale Marktwirtschaft nicht viel mehr als Worthülsen sind.

Immerhin zeigt die Beliebtheit des "Pan"-Videos (in etwa zwei Wochen 75000 mal angesehen und etwa 1000 mal kommentiert), was "wir" machen können: Selber machen! Ohne die mediale Großindustrie. Heute haben wir, anders als noch vor 15 Jahren, die Mittel dazu.

(Gefunden bei zappi: Massiv Kritik und die Bertelsmänner)

Sonntag, 9. Dezember 2007

Himbeertoni

Seit einiger Zeit stoße ich in "Public Relation"-kritischen Blogs wie z. B. Indiskretion Ehrensache oder Sargnagelschmiede immer wieder auf den Begriff "Himbeertoni" - wobei Himbeertonis vorwiegend in der PR-Branche, aber auch in Journalismus, Werbung und Politik anzutreffen sind.

Internet-Recherchen in Richtung des Kindermusicals "Schmackofatz und Himbeertoni" blieben frucht(!)los.
Deshalb versuchte ich mich zu erinnern, wo ich zum ersten Mal vom Himbeertoni gehört habe.

Wenn ich es richtig zusammenbekomme, dann gibt es den Himbeertoni in zwei Ausführungen, der österreichischen und der hamburgischen.

In der österreichischen Variante ist Himbeertoni jemand, der sich alles gefallen lässt, sich nie wehrt, nie widerspricht, feige ist - und zwar aus Dummheit. Dieser Himbeertoni tritt vor allem in der Negation auf, z. B. "ich bin doch kein Himbeertoni", "ich bin doch nicht dein Himbeertoni" oder "ich lass mich doch nicht zum Himbeertoni machen!"

In der hamburgische Variante, die aus dem St. Pauli-Milieu stammt, und unter Umständen von den Redensarten Wiener Zuhälter beeinflusst wurde, ist "Himbeertoni" ein mehr oder weniger legendäres "Kiezoriginal", dessen Spitzname allerdings nicht auf einen - sagen wir mal - rückgratlosen Mann hindeutet, sondern auf eine alte Geschichte anspielt, die sich mutmaßlich Anfang der 70er Jahre zugetragen haben soll, und die mit einer von besagter Person auf Ex getrunkenen ganzen Flasche Himbeergeist und einer anschließenden Volltrunkenheitsfahrt im Oberklasse-Mercedes zu tun hat. Details weichen, wie bei mündlich überlieferten Legenden üblich, stark ab.

Beide Varianten scheinen mir aber mit besagtem PR-Himbeertoni, der sich vor allem durch schamlose Verlogenheit und mangelnde Fähigkeit im Umgang mit Kritik auszeichnet, wenig gemein zu haben.

Mir ist allerdings ein Trailer für die auf St. Pauli spielende Polizei-Fernsehserie "Großstadtrevier" bekannt, in dem Hauptwachtmeister Matthies (Jan Feder) Kleinkriminelle "die auch nur Menschen sind", beschreibt. Einer, "der alle topt" ist "Himbeertoni" der, wenn er beim Verhör lügt, rot anläuft "wie so'n Schulmädchen". (Also eine kreative Neudeutung der hamburgischen Himbeertoni-Variante.)

"Himbeertoni" wäre nach dieser Lesart ein notorischer Lügner, bei dem stets offensichtlich ist, dass er lügt. Nimmt man den "kein Rückrat"-Aspekt des österreichischen Himbeertonis in abgewandelter Form, nämlich "äußere Arroganz aus innerer Unsicherheit" hinzu, dann sind "Himbeertonis", die beide Eigenschaften vereinen, in der PR-Branche mindestens so häufig anzutreffen wie Anja-Tanjas. (Und in Journalismus, Werbung, Politik auch nicht eben selten.)

Samstag, 17. November 2007

Unverlangte Buchbesprechung eines Buches aus dem "Arndt"-Verlag

Ich bekomme des öfteren Büchersendungen. Fast immer, weil ich das Buch bestellt hatte, hin und wieder erhalte ich auch Renzensionsexemplare oder Buchgeschenke. Nun erhielt ich zum ersten Mal eine unverlangte Büchersendung.

Die Masche, unverlangte Warensendungen mit beiliegender Zahlkarte zu versenden, ist aus der Mode gekommen, seitdem sich herumgesprochen hat, dass eine unverlangte Warensendung weder zur Zahlung noch zur Rücksendung verpflichtet - diese Form der "offensiven Kundenwerbung" wurde schlicht zu teuer. Deshalb war ich auch etwas erstaunt, dass ich eine Büchersendung eines Buches aus dem "Arndt-Verlag" nebst "pro forma Rechnung" erhielt.
Die "Lesen & Schenken GmbH" kannte meine Adresse, weil ich vor Jahren zu Recherchezwecken einen Katalog dort angefordert hatte. Ich hatte gehört, dass einige Bücher des "Arun"-Verlags, von denen ich vermute, dass sie "deutschvölkischen" bzw. "braun-esoterischen" Inhalt haben, die bei "Arun" nicht mehr im Programm waren, bei "Lesen & Schenken" angeboten würden. Ich wollte gerne wissen, ob das stimmte - und auch, wo "Lesen & Schenken" politisch in etwa zu verorten sei.

Bei dem Buch, das ich erhielt, handelt es sich um den Bildband "Kampfgruppe Scherer - 105 Tage im Kessel von Cholm" von Richard Muck, erschienen bei "Arndt", Kiel (nicht zu verwechseln mit dem auf Bücher über Papageien spezialisierten "Arndt-Verlag").
Also ein militärhistorisches Buch über ein Ereignis an der "Ostfront", im Jahre 1942. Allerdings kamen mir schon beim ersten Durchblättern Zweifel an der historischen Genauigkeit der Darstellung.

Zum historischen Hintergrund: Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die UdSSR drang sie innerhalb weniger Monate bis kurz vor Moskau und Leningrad vor. Ende 1941 kam der der "Blitzfeldzug" aus mehreren Gründen zum Stehen - die überrumpelte UdSSR hatte inzwischen ihre Gegenwehr besser organisiert, die deutschen Nachschublinien waren überdehnt, der harte russische Winter machten den leichtsinnigerweise nicht wintermäßig ausgerüsteten deutschen Truppen zu schaffen. Im Januar 1942 begann Stalin eine Gegenoffensive, zum Teil mit frischen Truppen, die bisher in Sibirien gestanden hatten, um eine von ihm befürchtete Invasion der japanischen Armee abzuwehren. Um die Verbindung zwischen den deutschen Heeresgruppen "Nord" und "Mitte" zu sprengen, griffen zwei sowjetische Armeen die rechte Flanke der deutschen 16. Armee an. Ihnen gelang es, die Front der Wehrmacht an mehrere Stellen zu durchbrechen, tief nach Westen vorzudringen und zahlreiche deutsche Verbände einzuschließen. Cholm, gelegen am Zusammenfluss des Lowat und der Kunja, war das letzte deutsche Widerstandsnest. Die 3. sowjetische Stoßarmee schloss Ende Januar Cholm ein, die 105-tägige Belagerung des "Kessels von Cholm" begann.
Die an sich strategisch eher nebensächliche Belagerung wurde wegen des zähen Widerstands der eingeschlossenen Truppen unter Generalmajor Scherer von der deutschen Propaganda groß herausgestellt, vor allem, da es gelang, trotz sowjetischer Gegenwehr eine Luftbrücke zur Versorgung einzurichten. Schließlich schaffte es ein deutsches Panzerkorps den Belagerungsring zu durchbrechen. Die sowjetische Truppen zogen sich zurück, es gelang ihnen erst 1944 Cholm wieder zu befreien. Auf deutscher Seite verloren rund 1.500 Mann ihr Leben, 1.500 weitere wurden z. T. schwer verletzt. Über die Verluste der Roten Armee fand ich keine Angaben, angeblich waren sie gut drei mal so hoch wie die deutschen, von den Opfern unter der Zivilbevölkerung gar nicht zu reden.
Diese dürren Worte geben von der wahren Brutalität der Kämpfe keinen Eindruck, die deutschen Invasoren gingen äußerst rücksichtslos vor, die sowjetischen Verteidiger antworteten entsprechend.
Auch "Kampfgruppe Scherer" gibt nach meinem Eindruck, trotz einige drastischer Worte und Bilder, den wahren Charakter des Kampfes nur sehr unzulänglich wieder.

Der 16 in großer Schrift bedruckte Seiten umfassende Einleitungsteil mutet so an, als ob er direkt aus der Frontberichterstattung der deutschen Wehrmacht übernommen worden wäre - einschließlich Wortwahl ("der Bolschewist", "bewaffnete Banditen" statt "Partisanen"), viel Pathos und gnadenloser Parteilichkeit.
Den Hauptteil des Buches, etwa 100 Seiten, nehmen die Fotos des Kriegsberichters Richard Munck ein, der Anfang März auf dem Luftweg nach Cholm kam. Technisch sind die Schwarzweiß-Fotos gut, inhaltlich gibt es keine Überraschung: Bilder von der "Ostfront", wie es sie zu Tausenden gibt, Soldaten in Dreck, Schnee, Trümmern, unrasierte, hohlwangige Gesichter, die gequält in die Kamera grinsen, schlammige Schützengräben, ausgebrannte Panzer. Alles trotz der Bildmotive nicht sonderlich schockierend - und alles irgendwo schon mal gesehen. Was auffällt: der Krieg erscheint auf diesen Fotos erstaunlich "sauber" und ästhetisch, manchmal geradezu romantisch, als ob sich die Herausgeber noch heute an die Vorgaben der Nazi-Zensur halten müssten und nur "schöne", den "Wehrwillen fördernde" Bilder abdruckten.

Der "Hammer" sind aber die Bildunterschriften. Was sich im Einleitungsteil ankündigt, setzt sich hier verschärft fort. Die Formulierungen scheinen "Original Wehrmachtsbericht 1942" zu sein: "Nach den harten Kämpfen des Februars verleiht der Führer Generalmajor das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz" (S. 35)"Der Führer denkt an uns! Dieser Gedanke, das Wissen, der Führer sorgt sich um die Männer von Cholm, gibt allen Verteidigern neue Zuversicht und stärkt ihren Widerstandswillen" (S. 48). Krönender Abschluss: General Scherer beim Händedruck mit Hitler und der Bildunterschrift "Der Dank des Führers" (S. 126). Die reichliche Verwendung "heroisierenden" Vokabulars wirkt manchmal unfreiwillig komisch z. B. heißt es unter einem Foto, das ein Zugpferd zeigt: "Willig geben die Tiere ihre letzte Kraft her in treuer Pflichterfüllung" (S. 54). (Als ob sich die Gäule freiwillig gemeldet hätten - vielleicht waren es sogar erbeutete russische Pferde.)
Wie es für Kriegspropaganda typisch ist, die weder die ganze Wahrheit zeigen noch offen lügen kann (weil zu viele Augenzeugen dabeigewesen sind), steht das wahre Geschehen oft "zwischen den Zeilen". So erfährt man beiläufig, dass die sowjetischen Truppen sich in Gängen bis auf 30 m an die deutschen Schützengräben heranwühlten - und: "Im Morgengrauen stürmten sie mit "Hurrä" gegen die Stellungen". Man kann daraus schließen: die Sowjetsoldaten waren nur unzureichend für einen modernen Stellungskrieg ausgebildet, denn diese Taktik ist gegen einen Gegner mit MGs glatter Selbstmord. Oder wenn unter dem Bild eines notgelandeten, schon 1942 altertümlichen, Doppeldeckers steht: "Sowjetbomber abgeschossen!" (S. 44) - wobei aus dem weiteren Kommentar hervorgeht, dass der "Bomber" von der Truppe "Lahme Ente" oder "Kollektivtrecker" genannt wurde.
Damit bestätigt das Buch die Auffassung, dass die Deutschen von hastig "zusammengekratzten" Truppen der Roten Armee belagert wurden - was angesichts der eher geringen strategischen Bedeutung von Cholm nicht weiter überrascht, über die auch einig markige Stalin-Worte an die belagernden Truppen nicht hinwegtäuschen. Vielleicht verführte der "Sieg von Cholm" das Oberkommando der Wehrmacht dazu, z. B. die Kampfkraft der sowjetischen Streitkräfte bei Stalingrad zu unterschätzen.

Das Buch dürfte wegen seiner Faktenarmut und parteiischen Haltung für den an Zeit- und Militärgeschichte interessierten Leser eine glatte Enttäuschung sein. (Ich wäre jedenfalls enttäuscht gewesen, wenn ich das Buch gekauft hätte.) Auch Freunde "spannender Fronterlebnisse" im Sinne der "Landser"-Hefte kommen schwerlich auf ihre Kosten - das Buch ist dafür schlicht zu öde.
Kurz und knapp - ich kann mir nur eine Zielgruppe für dieses Buch vorstellen: NS-Nostalgiker.

Die Titel anderer "Bildbände für Zeitgeschichte" passen zu dem den durch "Kampfgruppe Scherer" gewonnenen Eindruck - genauer gesagt, gehört es offenbar zu den meines Erachtens "harmloseren" Titeln des Kieler "Arndt"-Verlages. Einige Beispiele: "SS-Kavallerie im Osten", "Reichsparteitag 1938 Großdeutschland", "Frontsoldat Hitler - der Freiwillige des Ersten Weltkrieges", "Hitlers Berghof".
Außer NS-verherrlichenden Bildbänder gibt der Arndt-Verlag etliche meiner Ansicht nach revisionistische Schriften heraus, z. B. die Goering-Biographie des Militärhistorikers und Holocaustleugners David Irving.

Zur "Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH" gehören die Verlage ARNDT, Orion-Heimreiter, Bonus und Pour le Merite. Die Verlagsgruppe veröffentlicht nach eigenen Angaben jährlich ca. 50 Bücher, Kalender, Poster, CDs und DVDs.
Der inhaltliche Schwerpunkt aller Verlage liegt, wieder nach eigenen Angeben, bei Veröffentlichungen im Bereich der Zeitgeschichte und der Politik. Außer Büchern über die Zeit des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges nehmen auch "ostpolitische Schriften" sowie Bücher über Flucht und Vertreibung 1945 aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland breiten Raum ein. Politische Bücher befassen sich mit Themen wie Kulturverfall, Überfremdung und Entnationalisierung.

Dennoch gibt es erkennbare Unterschiede im Programm und Auftritt der Verlage. Ich vermute, dass das verkaufstaktische Gründe hat. Der "Arndt-Verlag" ist nach meinem Eindruck der Verlag für NS-Nostalgiker. Hingegen fehlten beim "Orion-Heimreiter-Verlag" solche deutlich rechtsextremen Titel, statt dessen findet man hier durchaus Titel angesehener Sachbuchautoren, wie dem Verhaltensforscher Irenäus Eibel-Eibesfeld, dessen "Der vorprogrammierte Mensch" vor über 20 Jahren hier erschien. Auch Romane z. T. sehr bekannter Autoren findet man hier. Allerdings gibt es auch bei "Orion-Heimreiter" Bücher zum Thema Vertreibung. Erwähnenswert ist das "Hausbuch Deutsche Weihnacht", das sich bei genauerer Betrachtung als eine Reprint-Sammlung von Texten und Illustrationen aus den Jahren 1933 - 1945, die fast ausnahmslos mit der nationalsozialistischen "Weihnachtsideologie" in Verbindung stehen, entpuppt. Dennoch macht das Programm von "Orion-Heimreiter" Alles in Allem den Eindruck eines national-konservativen, aber nicht rechtsextremen Verlages. Ich vermute, dass viele "Orion-Heimreiter"-Kunden von vielen Titeln des "Arndt-Verlages" abgeschreckt wären.
Zwischen den beiden Extremen steht meines Erachtens der "Pour le Merite"-Verlag, der auf Militärisches und Militär-Geschichte spezialisiert ist. Einer breitere Öffentlichkeit bekannt wurde der "Pour le Merite"-Verlag, als er als Reaktion auf die Ausstellung "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht" den Titel "Verbrechen an der Wehrmacht. Kriegsgreuel der Roten Armee 1941/42" von Prof. Franz W. Seidler veröffentlichte.

Einen regelrechten Skandal verursachte der "Arndt-Verlag", als er 1996 ein Buch mit dem Titel "Dokumente polnischer Grausamkeiten" herausbrachte, für das in verschiedenen Vertriebenenzeitungen, so z.B. in "Der Schlesier", geworben wurde.
Der Untertitel des Buchs, eines Nachdrucks eines 1940 erschienenen Titels, lautete "Im Auftrage des Auswärtigen Amtes aufgrund urkundlichen Beweismaterials herausgegeben". Auftraggeber war das Auswärtige Amt des Großdeutschen Reiches, das mit diesem Werk die brutale Politik Deutschlands gegenüber Polen zu rechtfertigen versuchte. Nach der Meinung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland konnte durch den Untertitel der Eindruck entstehen, es würde sich bei dem Herausgeber der Dokumentensammlung um das derzeitige Auswärtige Amt unter dem damaligen Bundesminister Klaus Kinkel handeln. Einen vom Auswärtigen Amt angestrengten Prozess gegen den Arndt-Verlag auf Unterlassung der Nennung des Untertitels gewann das Amt. Einen weiteren, in dem es die Urheberrechte für den Text des Buches beanspruchte, womit es die weitere Verbreitung diese antipolnischen Buches hätte verhindern können, verlor es.

Bericht über ein "Lesertreffen" der "Lesen & Schenken GmbH", einer Veranstaltung, deren Vortragsredner zwischen Rechtskonservatismus und Rechtsextremismus standen: Zusammenkunft "unter Gleichgesinnten".

Samstag, 18. August 2007

Hartz IV Empfänger: Nicht nur passiv vor dem Fernseher

Für eine Studie der Universität Leipzig wurden 199 Menschen über 40, die im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB II) als "hilfebedürftig" eingestuft worden sind, nach ihren alltäglichen Arbeitstätigkeiten befragt.
Entgegen dem geläufigen Vorurteil verbringen die meisten der Befragten keineswegs ihre gesamte Zeit passiv vor dem Fernseher: Viele führen einen eigenen Haushalt, sorgen für Kinder und ältere Angehörige, einige gehen einer geringfügig bezahlten Erwerbsarbeit oder Nebenjob nach und/oder engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen, Initiativen, in einer Kirchengemeinde, Partei oder Gewerkschaft.
idw: Wird Arbeit von Hartz IV-Empfängern anerkannt?
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass gesellschaftliche Anerkennung nicht ausschließlich davon abhängt, ob jemand auf dem "ersten Arbeitsmarkt", also nach landläufiger Vorstellung "richtig", arbeitet. Interessant ist auch, dass "Hartz-IV"-EmpfängerInnen, die angeben, dass sie selbst über ihre Arbeit entscheiden können, durch ihr gesellschaftliches Umfeld besser anerkannt werden, als diejenigen, die angeben fremdbestimmt zu handeln.
Dr. Göttling folgert daraus: "Erstens erscheint es aus arbeitspsychologischer Sicht grundsätzlich nicht sinnvoll, Bezieher staatlicher Leistungen unter Androhung von Sanktionen in beliebige 'Maßnahmen' zu vermitteln. Zweitens sollten Mitarbeiter, ob bezahlt oder unbezahlt, die Möglichkeit haben, Arbeitsaufgaben und -beziehungen ihren eigenen Bedürfnissen entsprechend mitzugestalten. Den Einzelnen stellt sich dabei natürlich immer die Aufgabe, die eigenen Interessen auch zu äußern und entsprechende Handlungsspielräume einzufordern."

Montag, 4. Juni 2007

Die Tücken der virtuellen Realität

Zur Einstimmung ein Screenshoot aus einem "Killerspiel" aus dem Jahr 1984, das bis 2002 als "jugendgefährdendes Medium" indiziert war (seitdem ohne Einschränkungen):
RiverRaid-Gif-Animation
RiverRaid war das erste Videospiel, das von der BPjS (heute BPjM) indiziert wurde.
In der Begründung des Indizierungsbeschlusses vom 19. Dezember 1984 hieß es unter anderem: "Jugendliche sollen sich in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken (...). Hier findet im Kindesalter eine paramilitärische Ausbildung statt (...). Bei älteren Jugendlichen führt das Bespielen (...) zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken (...) und Kopfschmerzen." (BPjS-Aktuell Heft 2/84)
Eine kostenlose PC-Version des ehemaligen "Killerspiels", zum Downloaden: RetroRiver

Für ein Verbot sogenannter Killerspiele haben sich erwartungsgemäß die deutschen Innenminister bei ihrer turnusmäßigen Konferenz ausgesprochen. Aus meiner Sicht ein klassisches Beispiel für "Unpolitik", also eine bloße Inszenierung, die politisches Handeln vortäuschen soll - die Innenminister handeln ähnlich, wie der Betrunkene in dem alten Witz, der das verlorenen Schlüsselbund bei der Straßenlaterne such, weil es da am hellsten ist. Der "verlorene Schlüssel" - das sind die seltenen, aber tragischen Amokläufe vor allem jugendlicher Täter und die (angeblich) alarmierend steigende Gewaltkriminalität von Jugendlichen. Der "Betrunkene" - das sind Politiker, die behaupten, sie könnten wirksam etwas unternehmen, um die Schlüssel zu finden - während andere dafür sind, so ehrlich zu sein, die Suche als zwecklos aufzugeben (und bei Tageslicht noch einmal aufzunehmen). Und der Lichtkreis der Straßenlaterne auf dem Pflaster - das ist der "Handlungsspielraum" der Innenpolitiker, die paar Quadratmeter, in denen sie wirklich so etwas wie "Macht" haben. "Killerspiele" können per Gesetz verboten werden - also haben "Killerspiele" bis auf weiteres (nämlich weitere Amokläufe nach erfolgtem Verbot) die Hauptursache dafür zu sein, dass Jugendlich gewalttätig werden. (Obwohl es zahlreiche einleuchtende Gründe für dieses Verhalten gibt - die aber nicht im Lichtkreis der Politik liegen.)

Zur gleichen Zeit trafen sich Psychologen und Mediensoziologen auf der Halbinsel Hermannswerder, um über den Zusammenhang von Mediengewalt und aggressivem Verhalten zu diskutieren. In einer Abschlusserklärung postulierten die Wissenschaftler genau das, was ihre Auftraggeber hören wollen die These, dass interaktive Mediengewalt stärker wirke als passive. (Was selbst für einen lernpsychologischen Beinahe-Laien wie eine Trivialität ist: durch "Mitmachen" im Spiel, lernt man besser als durch "nur Zuhören". Für diese Erkenntnis braucht man keine Psychologen-Konferenz.) Zudem würden Killerspiele wie Ego-Shooter aggressiv machen und Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen unterdrücken, sagten die Teilnehmer am Ende des international besetzten Symposiums.
Hier die Meldung der "Märkischen Allgemeinen" mit eingebettetem Video des Interviews mit der Tagungs-Organisatorin, Barbara Krahé, Psychologin an der Universität Potsdam.
Killerspieler verlernen Mitgefühl -
MAZvideo trifft eine Mediengewalt-Expertin
.
Frau Krahé bringt ein interessantes Beispiel, um ihre Hypothese zu stützen: Man hat Testpersonen in einer "virtuellen Realität" an einen schroffen Abhang geführt. Obwohl die Testpersonen jederzeit genau wussten, dass das, was sie sehen, nur eine Computer-Simulation ist, waren sie unfähig, den Schritt in den simulierten Abhang zu tun. Sie behauptete daraufhin, der Versuch zeige, wie leicht Realität und Scheinrealität verwechselt werden könnten, also auch im Computerspiel gelernte Verhaltensweisen in die Wirklichkeit übertragen werden können.

Solche Versuche gibt es schon lange, ich erinnere mich daran, dass Hoimar von Dithfurth einen entsprechenden Versuch Anfang der 80er Jahre im Fernsehen zeigte. Obwohl die Simulation - damals noch ohne Computer, nur mit den Mitteln der Filmprojektion - mehr als kläglich und die "Illusion" völlig durchschaubar war, schreckten die Versuchspersonen vor dem "Abgrund" zurück. Dann wurde eine Filmsequenz gezeigt, in der zuerst Kinder zu sehen waren, wie sie vor einer Bluescreen-Wand über auf dem Boden liegende Bretter balancierten - und dann die selben Kinder, in der selben Szene, nur aber scheinbar über einen - einkopierten - gähnende Abgrund herumklettern. Alles Wissen, dass es ein Trick ist, nützt nichts: Im ersten Moment erschrickt man gewaltig.

Das zeigt, dass das "Virtueller-Abgrund"-Beispiel ausgesprochen schlecht gewählt ist (oder geschickt, je nachdem). Denn das wir vor einem Abgrund zurückschrecken und nicht einfach weitergehen, das müssen wir nicht lernen. Lernen, und zwar gegen starken inneren Widerstand, müssen wir, dass wir in Ausnahmesituationen doch in die Tiefe springen können: beim Fallschirmspringen, Bungee-Jumping, Sprung vom Sprungturm im Schwimmbad.

Das Beispiel der Frau Krahé wäre aussagekräftig, wenn die Versuchspersonen in der - als solche durchschaubaren - virtuellen Realität gelernt hätten, in den Abgrund zu "springen" - und dann, in der tatsächlichen Realität, das auch ohne zu zögern täten. Alle Erfahrungen mit Fallschirmspringern, Bungee-Jumpern und Turmspringern sprechen dagegen, dass so ein Experiment "erfolgreich" wäre.

Es stimmt zwar, dass Ego-Shooter ähnliche Simulatoren zur Ausbildung von US-Marines benutzt werden. Mit ihnen wird tatsächlich eine gefährliche Fähigkeit trainiert: zu schießen und zu treffen, ohne erst zu überlegen. (Ähnlich den schon seit langem bekannten mechanisch arbeitenden "Schießtheatern".) Allerdings - die Behauptung, diese Simulatoren dienten dazu, die "Tötungshemmung abzutrainieren", stimmt nicht, denn in den Szenarien sind "Ziele" eingebaut, auf die auf keinen Fall geschossen werden darf (z. B. auf die eigenen Kameraden). - Spektakuläre Fälle von "friendly fire" sollen ein Grund gewesen sein, weshalb die Soldaten verstärkt im Simulator gedrillt werden.
Damit sind wir bei einen wichtigen Punkt - Drill. Der klassische "Millitärschliff" beruht darauf, den Willen des Rekruten erst zu zerstören und dann, im Sinne der militärischen Disziplin wieder aufzubauen. Ein vergleichbarer Prozess läuft selbst bei den realistischten "Killerspielen" nicht ab. Davon abgesehen, dass man am Egoshooter nicht lernen kann, eine echte Waffe zu bedienen, die einiges wiegt, auf eine bestimmte Weise gehalten werden muss und einen (gerade bei Pistolen für Anfänger unerwartet starken) Rückstoß hat.
Ich will damit nicht sagen, dass Egoshooter ein prolemloser Zeitvertreib für Jung und Alt wären. Aber man sollte die "Kirche im Dorf" bzw. die "Schießbude auf der Dorfkirmes" lassen. Wobei die Schießbude in Sachen "Schießen" sogar noch "realistischer" ist als der beste Egoshooter. (Wann werden die Dinger endlich verboten?!?)

(Mal abgesehen davon: was ist ein "gewaltätiges Videospiel"? Eines, bei dem der Joystick wild um sich schlägt?)

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

ich muss gestehen..
..daß ich deinen Artikel nicht durchgelesen habe,...
distelfliege - 18. Mai, 11:34
Ein sehr guter Beitrag
Du hast dich sowohl gegen Islamophobie (zumal die Tat...
Londo (anonym) - 18. Mai, 11:01
Der Deutlichkeit halber...
Georg, ich bin mir völlig darüber im Klaren,...
MMarheinecke - 17. Mai, 18:09
Was ist Ehre? Ist das...
Die Ehre ist, objektiv, die Meinung anderer von unserem...
MMarheinecke - 17. Mai, 17:48
Zwei halbe Arbeitlose...
Wer war das noch gleich... unser Alt-Bimbeskanzler...
Aurisa - 17. Mai, 16:32

Suche

 

auch wichtig:



Ein Grundgesetz für Schäuble


abmahnung-blog
Keine Zielgruppe
Wir haben bezahlt!


Weiterveröffentlichung
für nichtkommerzielle
Zwecke frei.
Quellenangabe oder
Verlinkung erbeten.

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

twoday.net AGB

Status

Online seit 900 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 18. Mai, 11:34

Gedankenfutter
Geschichte & Archäologie
Kulturelles
Medien, Lobby & PR
Persönliches
Politisches
Religion, Magie, Mythen
Überwachungsgesellschaft
Umwelt
Wissenschaft, Technik, Medizin
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: