Medien, Lobby & PR

Sonntag, 20. Juni 2010

"Werbung, die nicht mehr geht" - nicht immer aus gutem Grund

Wer sie noch nicht kennen sollte, sollte sie sich einmal ansehen - alte (US-amerikanische) Werbeanzeigen, die heute nicht mehr funktionieren würden.
Ad’s That Just Don’t Work Anymore.
Zusammengefasst: aus heutiger Sicht sind viele der Werbeanzeigen unglaublich sexistisch, konkret: frauenverachtend. Erstaunlich auch, mit welcher Frechheit Produkte, die auch damals schon im berechtigte Ruf standen, ungesund zu sein, beworben wurden. ("More Doctors smoke Camels than any other cigarette.")

Nach einigen amüsierten, erstaunten und manchmal entsetzten Momenten drängte sich mir ein Gedankengang auf, den Antje Schrupp auf twitter in einem Satz zusammenfasste:
Ich frage mich bei sowas immer, was wir wohl heute für völlig normal halten und in 30 Jahren alle facepalmen.
Ich würde mich freuen, wenn z. B. "Greenwashing" künftig genau so lächerlich und unverschämt wirkt, wie heute z. B. die damaligen Versuche der Tabakindustrie, die Gesundheitsgefahren des Rauchens herunterzuspielen. (Lesetipp dazu: Das Märchen vom grünen Riesen (spon) und die Greenwash-Studie (pdf) von LobbyControl.)

Allerdings enthält die kleine Sammlung der Werbeunglaublichkeiten eine Anzeige - und zwar ist es ausgerechnet die erste - die ich gar nicht schlimm finde: "Why did we put our heads together? To save money! Bradley Group Showers"
Ich könnte mir vorstellen, dass diese Werbung für Gruppenduschen noch heute funktionieren könnte - allerdings nicht in den USA.

Der Wandel der gesellschaftlichen Normen, der aus dieser alten Werbung spricht, ist meiner Ansicht nach ambivalent.

Noch deutlicher wird das anhand einer alten deutschen Werbung, die ich vor längerer Zeit schon einmal vorstellte - eine "Höhensonnen"-Werbung aus dem Jahr 1966.
hoehensonne

Sie wäre heute aus einem guten und einem schlechten Grunde kaum noch denkbar.
Der gute Grund ist der, dass UV-Bestrahlung von Kindern gesundheitlich bedenklich ist und kein Solarienhersteller mehr auf die Idee käme, seine Produkte für die Gesundheitsvorsorge für Kinder zu empfehlen. (Allerdings ist auch dieser "gute Grund" etwas ambivalent: die Hautkrebsprävention kippte in eine "Sonnenpanik" um, die wohl eine Ursache des dramatischen Anstieg des Vitamin D-Mangels sein dürfte. An dem sollen über die Hälfte der Kinder leiden - jedenfalls, wenn man den Herstellern von Vitamin-D-Präparaten glaubt.)
Der schlechte Grund ist der, dass es seit Anfang der 1990er Jahre üblich geworden ist, bei Kinderfotos sofort mitzudenken, wie diese wohl auf "Pädophile" wirken könnten. Was an sich nicht falsch wäre, wenn die Besorgnis nicht längst in Hysterie umgeschlagen wäre, und wenn es nicht ziemlich gefährliche Vorstellungen darüber gäbe, wie "Kinderschänder" "ticken". Ich nenne nur die "Anfixhypothese", die in der Debatte um die Internetsperren eine unrühmliche Rolle spielte, und in der Nacktfotos von Kindern die Rolle einer "Einstiegsdroge" in die "harte Kinderpornographie" einnehmen.
Um es noch einmal zu sagen: "Kinderpornographie" ist keine Pornographie, sondern die Darstellung einer tatsächlich stattgefundenen sexualisierten Misshandlung eines Kindes.
Was bei Fotos wie dem auf der alten "Höhensonnen"-Werbung nicht der Fall ist.

Um auf Antjes Frage zurückzukommen: Ich fürchte, dass es nicht nur einen positiven Wandel in Richtung weniger Diskriminierung und mehr Verbraucherschutz in der Werbung gibt.
Ich fürchte einen Wandel hin zu sehr konservativen und sehr repressiven Moralvorstellungen, der von der stets opportunistischen Werbung flankiert wird.
Vielleicht "funktioniert" Werbung mit religiösen Anspielungen in einigen Jahren nicht mehr - und zwar aus Angst vor Fundi-Christen und Fundi-Moslems? Oder es wird es umgekehrt bald "ganz normal" sein, sich in der Werbung über "Unterschichtler" und "Sozialschmarotzer" lustig zu machen? Sind ja eh keine kaufkräftige Zielgruppe!

Freitag, 7. Mai 2010

"Wissenschaftliche" Studien ohne Wert - warum werden sie geglaubt?

Im Beitrag Marginalie zu Kopp etc. - Wer glaubt "so einen Unsinn"? machte ich mir Gedanken darüber, wieso haarsträubende "Weltverschwörungstheorien", durchsichtige pseudowissenschaftliche Behauptungen und plumpe Sensationsmeldungen geglaubt werden.

Ein besonders problematischer Sonderfall sind obskure "wissenschaftliche Studien", die an und für sich ohne große Mühe als manipulative Junk Science oder als Pseudowissenschaft entlarvt werden könnten - aber nicht entlarvt werden.

Ein aktuelles Beispiel:
Nicht nur die Tagespresse samt dazugehörigen online-Medien, sonder selbst an sich seriöse Wissenschaftsportale wie wissenschaft.de brachten vor einigen Tagen die Meldung: Lachen als Therapie gegen Appetitlosigkeit. Lachen sollt die Konzentration von appetitfördernden Hormonen im Blut auf ähnliche Weise wie körperliche Übungen steigern. Das hätten US-Forscher der Loma Linda Universität in einer Studie herausgefunden, in der sie den Teilnehmern lustige Filmausschnitte zeigten. Nicht nur das: Lachen soll Stress reduzieren, das Immunsystem stärken, den Cholesterinspiegel senken und den Blutdruck reduzieren.

Die Pressemitteilung des "Experimental Biology Meeting" in Anaheim, Kalifornien, auf der der Hype beruht, verrät beim genaueren Hinsehen einige ernüchternde Fakten: Study Finds Body’s Response to Repetitive Laughter is Similar to The Effect of Repetitive Exercise.
Die sensationellen Erkenntnisse basieren nämlich auf einer Studie mit gerade einmal 14 Probanden, die sich über drei Wochen Ausschnitte aus lustigen oder dramatischen Filmen ansahen, und deren körperliche Reaktionen anschließend gemessen wurden.
Der wissenschaftliche Wert dieser Mini-Studie dürfte gering sein. Selbst wenn ihre Ergebnisse zuträfen, wären sie alles andere als sensationell, denn dass Lachen das körperliche Wohlbefinden verbessert, ist seit dem Altertum bekannt.

Trotzdem haben viele große Medien darüber berichtet. Warum?
Ich vermute, außer mangelhafter Recherche (in diesem Falle hätte es genügt, sich die Pressemeldung aufmerksam durchzulesen), liegt das daran, dass diese triviale Studie an einer der größten medizinischen Hochschulen der USA stattfand und die Ergebnisse, gerade weil sie eher banal sind, plausibel wirken.
Dass die Loma Linda University eine Einrichtung der Seventh day Adventists spricht zwar nicht unbedingt gegen die Seriosität der dort betriebene Forschung. Religionsausübung und Heilkunde gehören aber bei den Adventisten unmittelbar zusammen, was schon bei Fragen der gesunden Lebensführung dazu führen könnte, dass "religiös unpassende" Forschungsergebnisse unter den Tisch fallen könnten. Als Fundamentalisten lehnen sie z. B. die Evolutionstheorie strikt ab, was bei der medizinischen Grundlagenforschung durchaus von Bedeutung sein kann.

Ein weitere aktuelles Beispiel: die Widerlegung des "Mozart-Effektes" - der Hypothese, dass sich das räumliche Vorstellungsvermögen durch das Hören klassischer Musik, insbesondere der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, verbessert.
Mozart-Musik macht doch nicht schlauer
Das Erstaunliche ist nicht, dass diese Hypothese jetzt widerlegt wurde, sondern, dass sie so lange von so vielen, auch sachkundigen, Menschen geglaubt wurde - und auch in erheblichem Maße kommerziell ausgeschlachtet werden konnte.
Hier kommt meiner Ansicht nach ein weiterer Faktor ins Spiel: Wunschdenken. Mozarts Musik als Wundermittel zur Steigerung des IQ von Kindern - so "einfach" ist das.

Weitaus bedeutsamer als nachlässige oder pseudowissenschaftliche "Studien" sind allerdings nicht offensichtliche wirtschaftliche Interessen hinter scheinbar unabhängigen Studien Arzneimittelstudien: Manipulierte Ergebnisse durch Pharma-Sponsoring (Forschung & Lehre), Medizin am langen Arm der Krankheitsindustrie (faz.net). Der weitgehend unkritische Umgang der Medien schon mit leicht durchschaubaren "Schrottstudien" lässt hinsichtlich lancierter manipulierter Studien Schlimmes befürchten.

Samstag, 24. April 2010

"Da fass' ich mir doch an 'n KOPP!"

Jutta Ditfurth warnte schon vor gut 15 Jahre, dass eine faschistoide Bewegung, die in Deutschland regierungsfähig wäre, nicht von den offen auftretenden Neonazis und auch nicht von der Neuen Rechten getragen würde, sondern von der "verbürgerlichten" früheren Alternativ-Szene. Als Bindeglied zwischen nach eigenen Verständnis "eher linken" Alternativlern und "rechten" Ideen von Ungleichheit, Führerprinzip, Sozialdarwinismus, Ausgrenzung von Minderheiten, Auserwähltheitsdenken, Elitenkult, Selbstoptimierung usw. sah sie die "Esoterik-Szene" an.
Ich bin - das wissen die Götter - nicht in vielen Dingen einer Meinung mit Frau Ditfurth, und teile ihre sehr negative Einschätzung von allem, was mit "Esoterik" auch nur entfernt zu tun hat, nicht. In Hinblick auf das Verlagswesen muss ich ihr allerdings recht geben. Nicht ausgesprochene Rechtsextremisten-Verlage sind das Problem, auch wenn sie - wie z. B. der Arndt-Verlag (deutlich erkennbare Zielgruppe: NS-Nostalgiker) auch scheinbar seriöse Schwesterverlage wie z. B. Orion-Heimreiter unterhalten. (Hierzu: Unverlangte Buchbesprechung eines Buches aus dem "Arndt"-Verlag.)
Auch ausgesprochene Esoterik-Verlage erreichen nur "ihre" Szene. In der vielziertierten "Mitte der Gesellschaft" dürften die meisten dort erschienenen Bücher und Videos als "Spinnereien" abgetan werden.
Für wirklich bedenklich halte ich Verlage wie den KOPP-Verlag, den ich, als bei weitem größten der Szene, herausgreife. Die Bücher, die bei Kopp erscheinen, sind, weil sie an die Vorstellungswelt "normaler" Leser, Zuhörer und Zuschauer anknüpfen, deutlich wirksamer als z. B. die erzrassistischen Schriften von Ariosophen wie Guido von List oder Jörg Lanz "von Liebenfels" (die leider auch in unkommentierter Neuauflage und begleitet von sensationsheischender Werbung zu haben sind).
Kopp ist - oberflächlich gesehen - nicht einer bestimmten Weltanschauung zuzuordnen. Bei Kopp erscheinen sowohl Bücher, deren Autoren christlich-fundamentalistische Positionen vertreten, wie solche, in denen alles Übel der Welt von den "Wüstenreligionen" (Christentum, Islam, Judentum) stammt. Bücher, deren Autoren "beweisen", dass die Mondlandung 1969 technisch nicht möglich gewesen wäre, finden sich neben solchen, in denen "bewiesen" wird, dass die "Reichsdeutschen" schon so um 1945 zum Mond – und weiter – fliegen konnten.

Ich rechne den Kopp-Verlag zur "Esoterik"-Szene, weil der überwiegende Teil des Sortiments aus grenzwissenschaftlichen (bis pseudowissenschaftlichen) Sachbüchern und "Esoterik" besteht. Auch die Bücher und Medien, die Kopp als Versandbuchhandlung vertreibt, gehören überwiegend in diese Richtung. Für seriöse Sachbuchautoren kann es eine unangenehme Überraschung sein, ihre Bücher auf einmal im Kopp-Katalog etwa an der Seite des meines Erachtens ebenso paranoiden wie antisemitischen Verschwörungstheoretikers "Jan van Helsing" wiederzufinden. Wer allerdings bei Kopp selbst veröffentlicht, dürfte wissen, was sie oder er da tut.

Meine Einschätzung, der Verlag sei "braunstichig", ist wegen der scheinbaren Vielfalt der weltanschaulichen Ansätze nicht ganz so leicht zu belegen. Eine auffällige Gemeinsamkeit vieler bei Kopp erschienenen Bücher ist der behauptete "Tabubruch" - wobei das angebliche "Tabu" meistens ein Strohmann ist, denn es fehlt ja z. B. weder an seriösen israelkritischen Bücher, Sendungen und Artikeln, noch an solchen, in denen die z. B. die Gefahr des Islamismus beschrieben oder auf Unzulänglichkeiten des Weltfinanzsystem hingewiesen wird. Das gebrochene "Tabu" besteht meines Erachtens oft darin, ungehemmt z. B. antisemitische, antiislamische oder nationalistische Behauptungen zu verbreiten.

Das Bindeglied zwischen den "tabubrechenden Enthüllungsbüchern" mit Anschluss an gerade unter sich für kritisch haltenden Menschen weit verbreiteten Vorstellungen aus der "Mitte der Gesellschaft" und dem Bereich für Esoteriker und UFO-Gläubige liegt im bei Kopp auffällig gut vertretene Bereich der "Nazi-Esoterik", wo über "Reichsflugscheiben", außerirdische "Arier" und anderen unterirdischen Unfug schwadroniert wird.

Der Kopp-Verlag unterhält auf seiner Website ein Nachrichtenblog dessen enthüllungsjournalistischer Anspruch einem schon aus der Titelzeile Informationen, die Ihnen die Augen öffnen! in die Augen sticht.
Hierfür schreiben Autoren, die meistens auch schon bei Kopp Bücher veröffentlichten, und unter denen einige früher einmal als seriöse Journalisten galten, z. B. Eva Hermann, Udo Ulfkotte, Gerhard Wisnewski und hin und wieder auch Jürgen Elsässer.
Wisnewski, Autor erfolgreicher Weltverschwörungsbücher (z. B. "Lügen im Weltraum") veröffentlichte bei Kopp das Buch "Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?", das vor allem unter österreichischen und deutschen Rechtsextremisten auf breite Zustimmung stieß, woraus sich schließen lässt, dass der ehemalige ehemals angesehene Fernsehjournalist ziemlich weit "rechts" angekommen ist.
Dagegen ist Jürgen Elsässer ein "Linker", der früher für "konkret" und das "Neue Deutschland" schrieb, bis ihm Populismus, Nationalismus und Homophobie vorgeworfen wurde (meines Erachtens zurecht) und er eine "Volksinitiative gegen das Finanzkapital" gründete, die in meinem Augen unangenehm nach "Querfront" mit "völkisch" denkenden "Antikapitalisten" / "nationalen Sozialisten" aussieht.
Udo Ulfkotte, bis Ende 2003 außenpolitischer Redakteur der FAZ und bis zu seinem im selben Jahr erschienenen Buch "Der Krieg in unseren Städten" ein geschätzter Fachjournalist für Sicherheitsfragen und gefragter Islamexperte, ist eher im christlich-konservativen Feld zuhause - ein selbst ernannter "Verteidiger des christlichen Abendlandes". Ebenfalls deutlich christlich konservativ ist die Kopp-Autorin und ehemalige Tageschausprecherin, Talkshow-Moderatorin und Fernsehjournalistin Eva Herman.

Gemeinsam ist diesen so verschiedenen Autoren, dass sie nach einem Fauxpas ihr bisheriges journalistisches Wirkungsfeld verloren. Ihre weiteren Gemeinsamkeiten sind eine (verkürzte) Kapitalismuskritik, ein Hang zum "Sündenbockdenken" und ein Weltbild, das am ehesten als "antiliberal" umschrieben werden kann. Und ganz entschieden: Angst. Es sind, da bin ich mir ziemlich sicher, Menschen, die selbst von Ängsten geplagt werden, die aber auch ganz bewusst Angst schüren. Und die - wie der Kopp-Verlag - mit Angst Geld verdienen.

Was die von mir genannten Autoren noch gemeinsam haben, ist ihr Hang zu "(Welt-)Verschwörungstheorien".
Nicht Verschwörungen (die es in begrenzte Umfang sehr wohl gibt), sondern eher "gegenseitige Instrumentalisierung", Klüngeln, Günstlingswirtschaft, "Eliten", die "unter sich bleiben" (über die Häfte des deutschen Top-Managements stammt aus dem winzigen 0,5 % Segment der reichsten deutschen Familien), Schmalspurdenken / TINA-Denken ("There Is No Alternative!") und vor allem utopisches Wunschdenken / Realitätsblindheit, sind unabhängig von der jeweiligen konkreten Ideologie (die kann marktradikal-"neoliberal", konservativ, religiös, fallweise sogar "sozialistisch" sein), die Gefahren für eine offene, demokratische und halbwegs gerechte Gesellschaft.
Statt auf hypothetische Verschwörungen (etwa in dem Sinne, dass die "Bilderberger" die "wirkliche Regierung" wären) sollte der aufklärerische Fokus eher auf den (keineswegs hypothetischen) Kampagnien liegen. Die angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak, die den Angriff der "Koalition der Willigen" rechtfertigten, existierten bekanntlich nur in der Propaganda - irgendwelche "Inside-Jobs", "false flag operations" oder "Inszenierungen" waren dazu nicht nötig - ein paar geschickt lancierte Lügen und etliche unkritische Journalisten reichten aus. Und die Bertelsmann-Stiftung übt ihren problematischen Einfluss nicht etwa im Mafia-Stil aus - wozu heimlich Fäden ziehen, wenn man ganz offen beraten kann?

Der Kopp-Verlag ist ein Bindeglied zwischen verschiedenen, aber in entscheidenden Fragen übereinstimmenden Szenen. Kritische, unabhängige und unbequeme, unterdrückte Informationen sind wichtig, sogar überlebenswichtig für die gefährdete Demokratie. Allerdings ist Kopp eine denkbar schlechte Quelle für Aufklärung und Enthüllungen.

Übrigens habe ich mich mal an einer Parodie auf einen rechtsesoterischen und verschwörungsorientierten Verlag versucht - versucht, denn es ist praktisch unmöglich, das Angebot so eines Verlages satirisch zu überhöhen.
ARIO-Verlag.

Montag, 19. April 2010

Wie im Katastrophenfilm - von Vulkanen und Airlines

Die Aschenwolke des Vulkans unter dem Eyarfjallajökull und die Reaktionen mancher Fluglinien-Manager auf die Flugverbote erinnern lebhaft an einen typischen, klischeehaften Katastrophenfilm. (Da gebe ich Sven Scholz recht, bei dem ich das irgendwo auf seiner facebook-"Wand" fand:
... weil da ja nichts ist, wie schon wieder manche "Entscheider" zu glauben wissen (Wozu gibts denn bitte seit den 70gern regelmäßig Katastrophenfilme, die stets damit beginnen, dass irgendwelche Geld-Denker irgendwas völlig unterschätzen und deshalb tausende Leute in die Scheiße reiten)
Wie im klassischen Katastrophenfilm regiert auch bei der Aschewolke des Vulkans unter dem Eyjafjallagletscher "Murphies Law": Was schiefgehen kann, geht schief. Denn offensichtlich hat der Vulkanausbruch Europa mit heruntergelassenen Hosen erwischt - auf so ein Ereignis war man offensichtlich nicht im Mindesten eingestellt. Das gilt auch und vor allem in Deutschland: bis hinreichend zuverlässige Informationen über die Aschenverteilung vorliegen, werden wohl noch einige Tage vergehen. Heute startet ein Testflug der DLR - eher ging es nicht, da in die Maschine erst die notwendigen Geräte installiert werden mussten. Die stationären Messstationen des Deutsche Wetterdiensten werden ebenfalls erst umgerüstet. Die Idee "die müssen doch nur ein paar Wetterballons steigen lassen, um Bescheid zu wissen" krankt daran, dass sie auch erst mit geeigneten Instrumenten ausgerüstet werden müssen. Es scheint so, dass in Europa allenfalls die italienischen Vulkane, nicht aber die isländischen "auf der Rechnung" waren. Ganz so wie im Katastrophenfilm: zuerst wird die Gefahr völlig übersehen.
Forscher bereiten Flug in die Aschewolke vor (Spon).
Es ist kein Katastrophenfilmklischee, sondern die Lebenserfahrung, die lehrt, in Situationen, in denen offensichtlich "Murphy" das Sagen hat, also in denen schon viel schief gegangen ist, auf keinen Fall irgendwelche unnötigen Risiken einzugehen: "Wird schon schiefgehen" bedeutet in solchen Lagen oft: "Es wird schief gehen".
Das ist in solchen Ausnahmesituationen kein finsterer Pessimismus, sondern einfach nur realistisch: auf unzureichender Grundlage gefällte Entscheidungen neigen nun einmal dazu, falsch zu sein. Aber die Flugsicherung hat recht, wenn sie im wesentlichen aufgrund einer - vielleicht unzutreffenden - Computersimulation den Luftraum sperrt.
Die Aschenwolken sind kaum zu sehen und können durch das Bordradar nicht geortet werden. Daher entschied die Flugsicherung völlig zurecht: in Gebieten und Flughöhen, in denen auch nur theoretisch gefährliche Aschenkonzentrationen herrschen könnten, hat ein Passagierflugzeug nichts verloren. Diese unbefriedigende Lage, in der man besser übervorsichtig ist, wird sich, wenn bessere Daten vorliegen, ändern, aber erst dann.
Wer von den Verantwortlichen will das Risiko eingehen, den Luftverkehr freizugeben, und dann passiert doch ein Unglück?
Bisher ist noch kein Mensch durch die Aschenwolke umgekommen. Aber das könnte sich ändern, wenn die Airlines, die aus finanziellen Gründen (in einige Fällen geht es um die Existenz des Unternehmens) bereit sind, etwas mehr zu riskieren, sich politisch durchsetzen.

Die Gefahren durch die Vulkanasche sind, entgegen einiger vollmundiger Behauptungen, nicht aus der Luft gegriffen. Untersuchungen an Jets der finnischen Luftwaffe, die durch die verdünnte und kaum zu sehende Aschenwolke flogen, zeigen erhebliche Triebwerksschäden: Finnish F-18 engine check reveals effects of volcanic dust (flightglobal).
Auch bei mehreren Kampflugzeugen der NATO vom Typ F-16 wurden Triebwerksschäden durch Vulkanasche entdeckt: NATO: F-16 fighters damaged by volcanic ash (ap).
Die US-Airforce bestätigte, dass bei auch bei einer US-amerikanischen F-18 Glas an den Turbinenschaufeln gefunden wurde, das auf die Vulkanasche zurückzuführen sei. Der Jet habe sich zuvor auf einem Testflug über Europa befunden. Dabei sei die Asche in das heiße Triebwerk gelangt. Man könne fliegen, aber es sei sehr gefährlich.
Auch Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich bestätigten nach Messungen, dass die Vulkanasche gefährlich ist:
Forscher bestätigen Gefahr für Flugzeug-Triebwerke (tagesschau.de).

Obwohl es bisher so ablief wie im Katastrophenfilm, hoffe ich doch sehr, dass es nicht wie im Kino weitergeht.

Übrigens, an die Fluggesellschaften, die fürchten, dass das Flugverbot an ihre finanzielle Substanz geht: Eine "risikofreudige" Airline, der ein Flugzeug wegen der Vulkanasche abstürzen würde, könnte einpacken. (Man denke z. B. an den Fall der Crossair.)

(Dank auch an Karan Troubadoura.)

Donnerstag, 11. März 2010

Die Unmoral der moralischen Verpflichtung

Vorab möchte ich mich bei meine Lesern um Entschuldigung bitten, dass ich in diesem Beitrag einige drastische und ordinären Formulierungen gebrauchen werde. Mir ist danach. Oder genauer gesagt: mir ist zum Kotzen zumute.
Mir gehen zwei Meldungen nicht aus dem Kopf, die sich wie Mehltau auf meine Laune legen.
Sie haben beide mit moralischen Verpflichtungen zu tun. Genauer gesagt: mit dem Missbrauch moralischer Appelle.

Gisela Mayer ist die Mutter eines der Opfer des "Amokschützen Tim K." Sie macht sich, als Betroffene, ihre Gedanken über "Killerspiele", die sie für ein der Ursachen des Massakers hält, ungeachtet dessen, dass Tim K. kein intensiver Computerspieler war. (Auf seinem PC gab es gerade einmal zwei Actionspiele. Das ist stark unterdurchschnittlich, nicht nur bei Jugendlichen.) Das ist für mich nachvollziehbar, ihre Tochter ist brutal ermordet worden, und sie sucht, wenn es schon nicht möglich ist, die Gründe zu erfahren (die hat Tim K. mit ins Grab genommen), wenigstens nach Ursachen. Dies heißt jedoch nicht, dass sie durch ihren Opferstatus zur Expertin geworden wäre, und mit all ihren Vermutungen und Schuldzuweisungen recht hätte. Diese Schuldzuweisungen sind gut und hilfreich für sie, und sie hat alles Recht der Welt, ihre Wut und Trauer auf die "Killerspiele" zu projizieren (oder, meines Erachtens mit mehr Berechtigung, auf die Schützenvereine) - aber dadurch werden ihre Vermutungen nicht wahr!
Besser kann man es nicht sagen. Wer auch gegen Gisela Mayer noch protestieren will, der trete vor und schweige!
Aus Winnenden und die Killerspiel-Lobby, einem Kommentar von Malte Lehming für den "Tagesspiegel".
Über diesen Kommentar hat Thomas Knüwer schon das Nötige geschrieben, und was er vielleicht noch versäumte, haben die Kommentatoren schon nachgeholt. Also kann ich es mir ersparen, auseinander zu nehmen, wieso es Hirndurchfall ist, bei Amokläufen zuerst an Killerspiele als Ursachen zu denken, und riesiger stinkende Bullshit, die (angebliche) "Killerspiel-Lobby" mit dem Militärisch-Industriellen Komplex gleichzusetzen. Und wieso das auch dann Bockmist wäre, wenn Lehming eine Glosse oder vielleicht sogar eine Satire geschrieben hätte.

Nein, es geht mir jetzt darum, was Lehming da auf der Ebene des moralischen Appells abzieht.
Er instrumentalisiert die zornig-trauernde Mutter eines Opfers, versteckt sich sozusagen hinter ihr - und stellt den Leser mit dem theatralische Schlusssatz vor ein echtes moralisches Dilemma. Denn ihr kann man wirklich nichts Böses wollen oder unterstellen, und ein an sie gerichteter Protest wäre in der Tat infam.
Lehming erzeugt schlechtes Gewissen. In diesem Falle ist das so durchsichtig, dass es nur bei wenigen Lesern funktionieren dürfte. In anderen Fällen funktioniert das - übrigens auch bei mir, ich weiß, dass ich manipulierbar bin. (Am leichtesten sind übrigens jene zu manipulieren, die sich für immun gegen Manipulation halten.)

Mich kotzen Menschen an, die mir ein schlechtes Gewissen machen wollen, vor allem, wenn ich verdammt nochmal keinen Grund habe, ein schlechtes Gewissen zu haben!

So, und nun ein Fall, in dem mir erfolgreich ein schlechtes Gewissen gemacht worden ist, in dem ich mir per Spende ein "gutes Gewissen" gekauft habe - und in dem mir noch nicht mal der Trost bleibt, auf diejenigen, die mir damals ein schlechtes Gewissen einredeten, wütend zu sein, denn auch sie sind Betrogene.

Ja, es geht um Bob Geldof und sein Projekt Band Aid. Hilfsgeld für Waffen (tagesspiegel). Er ist ein von mir sehr geschätzten Musiker, der übrigens mit "I don't like Mondays" einen wirklich guten Song über ein "School Shooting" schrob. Bekanntlich sammelte Band Aid in den 1980er Jahren Millionen Dollar Spenden, um den Hungernden in Äthiopien zu helfen. Jetzt sagen zwei Ex-Offiziere einer damaligen Rebellenarmee, dass mehr als 90 Prozent der Hilfsgelder für den Kauf von Waffen und den Aufbau ihrer Truppe verwendet worden seien. Und sieht leider nicht so aus, als ob die beiden Lügen würden. Ethiopia famine aid 'spent on weapons' (bbc).

Es ist ein Alptraum, aus dem es kein Erwachen gibt. Die Realität ist schlimmer, als ich es mir auch nur vorstellen konnte. Objektiv gesehen klebt an meine Händen Blut, denn mit meinem Geld (wenn es auch nicht allzu viel war) wurden Menschen ermordet!
Klar, mich trifft keine Schuld, und auch Bob Geldorf und seinen Mitstreitern trifft keine Schuld (außer vielleicht einer zu großen Naivität) - aber: gut fühle ich mich bei dem Gedanken daran nicht. Ganz und gar nicht. Und die Angehörigen der von Söldnern abgeschlachteten Äthiopier haben alles Recht der Welt, auf mich und meinesgleichen wütend zu sein.
Ideologischer Super-Gau (freitag.de).
Ich hatte damals das Gefühl gehabt, ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn ich mich von der Welle der Hilfsbereitschaft nicht anstecken ließe. Ich hätte ohne schlechtes Gewissen keinen Pfennig an "Band Aid" gespendet - und mich, wenn ich überhaupt gespendet hätte, an eine etablierte und erfahrene Hilfsorganisation gewandt. (Das ist generell ein guter Tipp, bei jeder Spende.)
Ich bin wütend auf mich selbst, weil ich durch einen simplen moralischen Appell manipulierbar war.

Samstag, 27. Februar 2010

Alternativweltromane mit Tücken

Der "Alternativweltroman" gilt zurecht als die "hohe Schule" der Science Fiction bzw. hier wohl besser: Speculative Fiction. Spekulationen, wie die Welt hätte sein können, wenn es z. B. 1917 in Russland keine Oktoberrevolution gegeben hätte, wenn Abraham Lincoln nicht ermordet oder Adolf Hitler doch ermordet worden wäre, sind nicht nur reizvoll, sondern erfordern sehr viel historisches Wissen und noch mehr Gespür dafür, wie eine "alternative Realität" glaubwürdig gestaltet werden kann.

Verlagstexte gelten zurecht als wenig aussagekräftig für einen Roman - vor allem, wenn es um so ein anspruchsvolles Genre wie den Alternativweltroman geht.
Dennoch vermute ich, dass eine alternativhistorische Romanreihe, deren Prämisse auf der Verlagswebsite so vorgestellt wird, nichts taugt - zumindest nicht als Alternativhistorie:
Im Jahre 1918 schlägt „Die Schwarze Macht“ mit nie da gewesener Härte die Arbeiter- und Soldatenaufstände in Deutschland nieder. Das unterversorgte deutsche Heer entscheidet im Frühjahr 1919 mit der Eroberung von Paris den ersten Weltkrieg für sich.
Nach drei Jahrzehnten des Friedens entdecken deutsche Satelliten im Jahre 1949, dass die USA Anreicherungsanlagen für Uran bauen, um Atomwaffen herzustellen. Kaiser Friedrich IV. entschließt sich zur Bombardierung. Der Zweite Weltkrieg beginnt… und damit eine neue Zeitrechnung in der Geschichtsschreibung der Alternativweltromane.
Ausgangspunkt ist, dass Deutschland den ersten Weltkrieg gewonnen hätte. Das ist eine nicht ganz einfache Annahme angesichts der Tatsache, dass der Stabschef Erich von Falkenhayn den deutschen Reichskanzler Bethmann-Hollweg schon im Dezember 1914, also kein halbes Jahr nach Kriegsausbruch, darüber informierte, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen wäre. Die Regierung Bethmann-Hollweg (und wahrscheinlich auch der Kaiser) lehnten einen Verhandlungsfrieden trotzdem als "unannehmbar" ab. Das war das Todesurteil für einige hunderttausend Menschen. Es wurde nämlich nach 1914 nicht besser: je länger der Krieg sich hinzog, desto unwahrscheinlicher wurde ein deutscher Sieg. Spätestens ab 1917 war es dann praktisch unmöglich, auch nur halbwegs glimpflich aus dem Krieg herauszukommen. Schließlich musste auch die Oberste Heeresleitung zugeben, dass der Krieg verloren war, wobei die de facto Militärdiktatoren Ludendorf und Hindenburg sich aus der Verantwortung stahlen.
Alles in allem: wer das Deutsche Kaiserreich im Ersten Weltkrieg siegen lassen will, muss sich etwas einfallen lassen.
Der Autor, der unter dem bezeichnende Namen "Heinrich von Stahl" schreibt, macht es sich hingegen offensichtlich einfach. Die Annahme, der Krieg hätte doch noch gewonnen werden können, wenn nur die Aufstände im Jahr 1918 energisch niedergeschlagen worden wären, ist nur dann plausibel, wenn man die "Dolchstoßlegende" zumindest für teilweise wahr hält. (Das deutsche Heer sei "im Felde unbesiegt" geblieben und habe erst durch oppositionelle "vaterlandslose Gesellen" aus der Heimat einen "Dolchstoß von hinten" erhalten.)
Zwar räumt "von Stahl" ein, dass das deutsche Heer "unterversorgt" war (die Nachschubsituation war in Wirklichkeit im Oktober 1918 so verzweifelt, dass das Heer praktisch kampfunfähig war), aber dass das abgekämpfte Heer trotzdem irgendwie in der Lage gewesen wäre, Paris einzunehmen, riecht verdächtig nach nationalistischem Wunschdenken.
Noch mehr nach Wunschdenken riecht die Handlung 1949. Wie aus der Verlagswebsite hervorgeht, unterstellt "von Stahl", dass das Deutsche Kaiserreich zu diesem Zeitpunkt etwa ein technisches Niveau hätte, das dem der USA 1969 entspräche (es wird gerade ein bemannter Mondflug vorbereitet). Wichtiger ist aber für einen nationalen Wunschdenker, dass es einen "anderen" 2. Weltkrieg gibt, und dass es dieses Mal ein "gerechter Krieg" ist - schließlich basteln die Amerikaner an der Atombombe.

Ich habe mich dafür entscheiden, die Website des in Rede stehenden Verlages nicht zu verlinken, und auch seinen Namen und den der Romanserie nicht zu nennen, weil ich für ihn nicht noch mehr Werbung machen möchte.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Murphys Gesetz und olympische Schadenfreude

Als kleiner Kontrast, und damit das Abendessen wieder schmeckt, ein eher harmloser Fall von "Murphys Gesetz":
Überall hervorragende Pistenbedingungen (t-online vom 17.02.2010).
In den USA meldeten am Valentinstag 50 Staaten Schnee auf ihrem Terrain – eine solche Schneedecke gab es dort zuletzt 1977. Auch Europa kann sich nicht über zu wenig Schnee beklagen. In den meisten Skigebieten der Alpen sind die Bedingungen hervorragend. Sogar im südlichsten Skigebiet Europas, der Sierra Nevada an der spanischen Mittelmeerküste, wurde eine Schneehöhe von vier Metern gemeldet.
Es gibt aber ein Wintersportgebiet, in dem frühlingshafte Temperaturen herrschen, und wo es in niedrigeren Lagen regnet - richtig: Vancouver. Was den Organisatoren der Olympischen Winterspiele einiges Kopfzerbrechen und mir klammheimliche Freude bereitet.
Wieso ich mich ob dieser für Wintersportfans ungünstigen Nachrichten klammheimlich freue, obwohl ich mich durchaus für Wintersport interessiere, wird vielleicht klar, wenn man einen längeren Blick in dieses sehr empfehlenswerte Blog wirft: Annett Vancouver. Darin berichtet eine junge deutsche Autorin und Journalistin über ihr Leben in der westkanadischen Metropole. Und man erfährt interessante Dinge, die es nicht bis in die internationalen Medien schaffen.
Eine kleine Kostprobe:
Montag, 15. Februar 2010 Ich chatte mit einem Bekannten aus Deutschland. Er schaut zeitgleich die Originalübertragung der Wettkämpfe der Snowboarder im deutschen Fernsehen an. Ich überlege einen kurzen Moment, ihm zu erzählen, dass allein dafür, dass der KUNSTSCHNEE im Fernsehen so schön echt aussieht, eine Menge Geld ausgegeben wurde: Man hat ihn für unglaubliche 10 Mio Dollar BLAU färben lassen. Und wie viel hat der Transport bzw. die Erzeugung gekostet? Der Berg Cypress ist seit Mitte Januar wegen Schneemangels gesperrt – der Regen hat vor Wochen schon alles weggewaschen, jetzt sind locker 7 Grad plus und die Osterglocken blühen. Er will, glaub ich, davon nichts hören, sondern guckt nur auf die Loopings der Jungs. Der Chat wird recht schweigsam für eine Weile.
Währenddessen laufen vor dem Fenster der Bibliothek wieder Demonstranten vorbei. Eine weitere Anti-Olympics-Demonstration.
Aber davon wird im Fernsehen sicher nichts berichtet werden …
Oder:
Samstag, 13. Februar Ich wache auf, weil über der Stadt Kampfhubschrauber kreisen. Dazu immer wieder, wie auch in den letzten Tagen, Kampfflugzeuge.
Zu wissen, dass für die Sicherheitsvorkehrungen während der Olympischen Spiele über 100 Mio Dollar ausgegeben werden, verdirbt mir die Laune. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kulturfonds für die nächsten Jahre um 90 % gekürzt werden, Schulgelder etc. ebenfalls gestrichen. Für diese Spiele wird das Land bitter bezahlen.

Im Fernsehen wird über die ersten Ausschreitungen berichtet. Ich erkenne die Reggaemusiker von der Granvillestreet wieder (und gucke neugierig, ob ich auch auf den Fernsehbildern zu sehen bin). Offensichtlich gehörten sie doch zu den Protestanten. (Hey Jungs, schaut euch mal Kreuzberger Randale an!). Außerdem scheinen ein paar Scheiben bei einem der großen Souvenirläden (Hudson Bay, eine große Kaufhauskette) eingeschlagen worden zu sein. Dafür all die Aufregung?

Mein buddhistischer Freund erzählt mir, dass er zwar auch gegen die Spiele ist und die Protestierenden verstehen kann, aber man darf keinen Groll im Herzen hegen. Man soll gütig und nachsichtig sein … sagt Buddha.
Ich versuche, zu verstehen.
Natürlich ist das sehr subjektiv, und ob es immer den Tatsachen entspricht, kann ich nicht nachprüfen. Es ist aber ein netter - und dabei auch noch gut zu lesender - Kontrast zu der Olympia-Jubel-Berichterstattung; zu einer künstlich befeuerte Euphorie, die weder durch einen tödlichen Unfall noch durch zahlreiche Doping-Skandale gebremst wird.

Sonntag, 31. Januar 2010

... und wieder mal: Die Top 10 der vernachlässigten Nachrichten

Die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung hat am Samstag, 30.1.2010, die TOP 10 der vernachlässigten Themen 2009 gewählt:
  1. Notstand im Krankenhaus: Pflegebedürftige allein gelassen
  2. Psychiatrie: Bundesregierung biegt UN-Konvention zurecht
  3. Kriegsberichterstattung lenkt von zivilen Friedensstrategien ab
  4. Rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt
  5. Lücken der Finanzaufsicht bei Kirchen
  6. Mangelhafte Deklarierung von Jodzusatz in Lebensmitteln
  7. Patente auf menschliche Gene und Gensequenzen
  8. Schulen für Gehörlose unterrichten keine Gebärdensprache
  9. Mangelnde Kontrolle deutscher Rüstungsexporte
  10. Sondermüll beim Bauen und Sanieren
Die Pressmitteilung der INA 2010 (als PDF) - Details zu den "Top 10" gibt es auch bei KoopTech - Die Top 10 der vernachlässigten Nachrichten 2009.

Nachtrag: die Juryberichte neuen "Top 10" sind online.

Die meisten der von den Medien vernachlässigten Nachrichten betreffen wieder einmal die "üblichen" Zensur- und Schönfärb-Felder - die "rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt" und die "mangelnde Kontrolle deutscher Rüstungsexporte" sind leider sogar echte "Evergreens". Ich habe das dumme Gefühl - wohlgemerkt ohne eine Verschwörungstheorie entwickeln zu wollen - dass die Propaganda und die damit einhergehende Selbstzensur und andere Manipulationsvorgänge koordiniert gesteuert werden. Diesen Verdacht haben auch die "NachDenkSeiten": Gibt es die zentrale Planungseinheit der neoliberalen Propaganda und Lobbyarbeit?

Wenn ich mich auf Rundfunk, Fernsehen und die üblichen Tageszeitungen verlassen würde, würde ich von den "Top 10 der vernachlässigten Nachrichten" allenfalls zwei oder drei überhaupt kennen. Zum Glück gibt es ja das Internet, und darin auch die gern von interessierten Seite (Verleger, Politiker, arrivierte Journalisten) als "irrelevant" gescholtenen Blogs.

Eine der Nachrichten hat mich dann doch überrascht.
8. Schulen für Gehörlose unterrichten keine Gebärdensprache

In den meisten deutschen Gehörlosenschulen wird den Schülern keine Gebärdensprache beigebracht. In Deutschland leben rund 80.000 Gehörlose. Wissenschaftler streiten seit Jahrzehnten darüber, ob sie die Gebärdensprache erlernen sollten. Häufigstes Gegenargument: Dadurch würden die Betroffenen aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Stattdessen sollten die Schüler die Lautsprache lernen. Kritiker wenden ein, dass nur 30 Prozent der gesprochenen Sprache von den Lippen abgelesen werden kann. In den Medien wird das Thema bestenfalls als fachpädagogische Debatte behandelt.
Ich hätte es einfach nicht für möglich gehalten - bzw. ich war überzeugt, dass dieser Missstand ein Übel von gestern wäre.

Allerdings habe ich ein klein wenig Kritik am Text der Meldung
"Sondermüll beim Bauen und Sanieren". Als Beispiel für einen für Mensch und Umwelt problematischen Baustoff wird ausgerechnet Styropor, also aufgeschäumtes Polystyrol genannt. Nun ist Polystyrol physiologisch unbedenklich und sogar für Lebensmittelverpackungen uneingeschränkt zugelassen. Völlig problemfrei ist die Entsorgung von Styropor zwar nicht - es entstehen bei der Verbrennung Ruß und gesundheitschädliche Gase, vor allem monomeres Styrol - aber insgesamt ist dieser Dämmstoff eher unproblematisch. Ein wirklich problematischer Baustoff kann z. B. Steinwolle sein - denn Fasern können durch Einatmen in den Körper gelangen und zu Gesundheitsschäden führen. Andere Problemfälle sind imprägniertes Holz (abhängig vom Imprägniermittel), Teppiche und Wandverkleidungen, aus denen Lösungsmittel ausgasen und natürlich die unzähligen "Altlasten" wie PCB-haltige Lacke und Dichtmassen.

Nachtrag, 03. Februar: Da es offensichtlich Missverständnisse um den Charakter dieser "Top 10" gibt:

Ziel der
Initiative Nachrichtenaufklärung ist es nach eigenen Angaben, wichtige Nachrichten und Themen (hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum), die in den Medien nicht genügend berücksichtigt wurden, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Die Kriterien für die Nominierung sind, dass sie:
  • der Bevölkerung in Deutschland (und Europa) bekannt sein sollten, zu denen sie aber nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang hat
  • für einen Großteil der Bevölkerung relevant sind
  • eindeutig konzipiert sind und auf zuverlässigen, überprüfbaren Quellen basieren
  • trotz ihrer Bedeutung noch nicht von den Medien (Tageszeitungen, Zeitschriften, Nachrichtenbriefe, Rundfunk, Fernsehen, Internet u.a.) aufgegriffen, bzw. recherchiert und veröffentlicht wurden
  • die in deutscher oder in einer anderen europäischen Sprache verfasst sind.

Samstag, 9. Januar 2010

Winterliche Mediengedanken

Es ist mittlerweile eine Binsenwahrheit: im handelsüblichen Journalismus, und zwar längst nicht mehr nur im Boulevardbereich, werden Skandale bagatellisiert und Bagatellen skandalisiert.
Aktuelles Beispiel: die "DSDS-Schummelei" schafft es in die Schlagzeilen, die ARD bringt eine Sondersendung darüber, dass tatsächlich im Januar Winter ist, hingegen wüsste ich z. B. über die Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland oder die Abschiebepraxis ohne "das Internet" wahrscheinlich herzlich wenig.

Nun mag man sich darüber aufregen, dass der Katastrophenschutz Panik schürt, anstatt ruhig und ohne Aufsehen dafür zu sorgen, dass aus etwas mehr Schnee als gewohnt eben keine Katastrophe wird, aber wenn er keine Panik schüren würde, würden die Öffentlichkeit vielleicht gar nicht mitbekommen, dass es den Katastrophenschutz gibt und dass Katastrophenschutz wichtig ist. Zwar stimmt es, dass "Klappern" (sprich: Public Relations) zum "Handwerk" gehört, aber mittlerweile haben sich Strukturen etabliert, in denen das "Klappern" alles und das "Handwerk" praktisch nichts ist. Denn wenn man von einem Amt, einem Institut oder einer Organisation trotz guter Arbeit nichts hört, dann käme womöglich jemand auf die Idee, dass diese gute Arbeit überflüssig sei - eben, weil sie geräuschlos abläuft. Und in Zeiten extremer Sparzwänge wird jemandem, der als überflüssig wahrgenommmen wird, ungeachtet der tatsächlichen Nützlichkeit, ganz schnell das Geld gestrichen. Also: lautes Klappern ist wirtschaftlich vernünftiger, als gut zu arbeiten. Im den von mir gewählten Beispielen "rechtextreme Gewalt" und "Abschiebungen" kommt noch hinzu, dass es einflussreiche Politiker, Unternehmer, Funktionäre, Berater, Lobbyisten und Öchsperten gibt, die auch ein dezentes Klappern über besagte Missstände für schlimmer halten, als die Missstände selbst. Alles in Ordnung, solange man den Dreck noch diskret unter den Teppich kehren kann. Dass es Nazischläger und menschenrechtsverletzende Behörden gibt, ist offensichtlich so lange in Ordnung, solange es niemand merkt.

Die Winterwetterlage ist auch ein schönes Beispiel für ein weit verbreitetes Phänomen: das der gefühlten Gefahr, wo gar bei Licht betrachtet keine Gefahr ist. Köln gehörte am Freitag zu den wenigen Regionen Deutschlands, die auf der Unwetterwarnkarte im grünen Bereich lagen - kein Schneesturm weit und breit. Aber wo war die mediale Panik über die "Schneehölle" besonders groß? Richtig, in Köln!

Dieses erstaunliche Phänomen kennt man auch z. B. aus dem Umweltschutz. Bei Umfragen, wie sie die Umweltsituation in ihrem unmittelbaren Umfeld einschätzen, dann finden die meisten Deutschen sie im großen und ganzen in Ordnung. Hingegen zeigen Umfragen nach der deutschen Umweltsituation, dass die meisten Befragten überzeugt sind, dass es ziemlich finster aussieht und immer schlimmer wird. Ich kenne zwar keine Umfragen, in denen nach der Umweltsituation z. B. in Ostgrönland gefragt wird, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie ziemlich finster bewertet würde - und zwar gerade weil kaum einer der Befragten wüsste, wie die Verhältnisse in Ostgrönland tatsächlich sind.
Das selbe Phänomen gibt es auch bei der Kriminalität: in der unmittelbaren Umgebung ist die Welt in Ordnung, aber im Großen und Ganzen wird es (egal, was die Kriminalstatistik über sinkende Fallzahlen ausweist) "immer schlimmer", die Verbrechen "immer brutaler" und die Polizei, trotz gestiegener Aufklärungsquoten "immer hilfsloser".
Diese bemerkenswerte Diskrepanz ist auf die Wirkung der Medien zurückzuführen. Während der persönliche Bereich durch Augenschein beurteilt wird, kommt das große Bild vom medialen Hören und Sagen. Wobei sich lautstarkes Klappern gegenüber einer sachliches Berichterstattung mühelos durchsetzt, weshalb die politische Arbeit mancher Politiker fast nur noch aus Klappern besteht. Wenn mit Public Relation nicht mehr Politik "verkauft", sondern die Politik durch PR bzw. Propaganda ersetzt wird.
Richtig unheimlich wird die Diskrepanz zwischen aus fehlender und tendenziöser massenmedialer Information gebildeter Weltsicht und persönlicher Erfahrung dann, wenn z. B. diejenigen, die am wenigsten von den geplanten Steuersenkungen profitieren werden, am meisten dafür sind.

So, nach so viel realem Medienhorror und virtuellem Horrorwinter zum echten Winter:
Hier ein Blick auf die (momentan, am 9. Januar 2010, zufrierende) Alster und hier das absolut ultimative Winterlied und dort Blicke auf die schönen Seiten des Winters.

Samstag, 29. August 2009

Prognosen: Prinzip "Astro-TV"

Eine der wenigen Fragen, bei denen ernsthafte Esoteriker und noch ernsthaftere Skeptiker einer Meinung sind, ist die nach der Seriosität von Astro-TV (hier die herrliche Parodie von Harald Schmidt). (Wobei diese Beraterin keine Parodistin ist.)
Astro TV ist ein Fernsehprogramm für "esoterische Telefon-Beratung" und wäre meiner Meinung nach ganz amüsant, wenn ich nicht das dumme Gefühl hätte, dass dort naive Ratsucher über den Tisch gezogen würden. Schadenfreude über Naivität (nicht Dummheit!) ist nicht mein Ding. Weshalb ich auch Schmidts Autoquartett-Tarot oder seine "essbaren Runen" umso amüsanter finde.

Sieben sprachliche Tricks stellte ich in diesem Beitrag vor: Wie man "irgendwie immer" stimmende Zeitungshoroskope schreibt. Schon damals hatte ich den Eindruck, dass diese 7 Regeln auch bei "seriösen" Prognosen angewendet werden, egal, ob sie die Börsenkurse in der nächsten Woche, die Konjunktur im nächsten Jahr, die demographische Entwicklung der nächsten 20 Jahre oder das Weltklima der nächsten 100 Jahre vorhersagen.

Über die rein sprachlichen Tricks hinaus erinnern mich vor allem Wahlprognosen lebhaft an Astro-TV. Die bei Wahrsagern beliebte Methode, sich selbst erfüllende Prophezeihungen zu machen, ist laut dieser Pressemiteilung der "Piratenpartei" (Wahlumfragen wertlos) auch bei "Emnid" Gang und Gebe.

"Nicht nur die Zahlen sind wichtig, sondern die beabsichtigte Wirkung und der Mechanismus" meint Prof. Dr. Gerd Bosbach, Spezialist für Statistikmissbrauch. Einige der Beispiele aus einem Vortrag, den er an der VHS Köln hielt (Die verschaukelte Bevölkerung) scheinen eher aus dem Umfeld der Jahrmarkts-Wahrsager, Zeitungsastrologen und des Telefon-Tarot zu stammen, als aus dem, was man als naiver Bürger für "seriöse Wissenschaft" halten würde - ginge es nicht um so ernste Thema wie Arbeitslosenzahlen, Gesundheitsausgaben oder die Sicherheit der Renten. Dabei kommt ein auch von TV-Wahrsagern gern benutztes Prinzip zum Tragen, das Voltaire so auf den Punkt brachte:
Je häufiger eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein von Klugheit.
(Die daraus von Robert A. Heinlein abgeleitete Faustregel lautet: "Was jeder weiß, stimmt garantiert nicht!")
Ein aktuelles Beispiel einer Täuschung mit Statistik, die gelingt, weil "jeder weiß", dass Geld etwa Reales sein soll, hat die Sargnagelschmiede aufgespießt.

Manchmal wird sogar auf Spon deutlich, wie sehr Wirtschaftsprognosen den Ereignissen hinterherhecheln. Oder wie es Euckens Erbe ausdrückt:
Die Schätzung des Wirtschaftswachstums weist genau das selbe Phänomen auf. Ständig muß korrigiert werden, weil die Erwartungen nicht eintreffen. Die Vorhersagen für das Jahr 2009 wechselten um satte sieben Prozent zwischen 1 Prozent Wachstum im vergangenen Sommer und minus sechs im Frühjahr. Mittlerweile wird schon wieder angehoben: Muster ohne Wert und Verlässlichkeit.
Auch wenn er speziell den Spezialdemokraten Peer Steinbrück auf's Korn nimmt - mir fällt bei Prognosen, deren Urheber nach deren Fehlschlagen immer noch geglaubt wird, zuerst Professor Sinn ein, was Steinbrücks selektives Erinnerungsvermögen keineswegs entschuldigt - er hat darin recht, dass etwa für die Schätzung der Staatseinnahmen oder das prognostizierte Wirtschaftswachstums eines gewiss ist: Die genannten Zahlen treffen nicht ein.
Dass den "Öchsperten", wie Chat Atkins sie nennt, dennoch immer wieder geglaubt wird, hat wohl ähnliche Ursachen wie die, aus denen es Astro-TV-Stammanrufer gibt, oder die, aus denen nach einer repräsentativen Allensbach-Umfrage rund 80 % der Bevölkerung in Deutschland über 16 Jahren regelmäßig oder manchmal in Zeitungen und Zeitschriften ihr Horoskop lesen. Wobei ich dieser Allensbach-Umfrage auch nicht über den Weg traue ...

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