Umwelt

Freitag, 18. April 2008

Warum mir "Tierrechte" suspekt sind

Obwohl ich mich dem Motto: "Die Frage ist nicht: können sie denken? oder: können sie sprechen? sondern: können sie leiden?" des Vereins "Menschen für Tierrechte" anschließen kann, gilt das sicher nicht für das Konzept "Tierrechte".

Ich schrieb vor gut zwei Jahren über Tierschutz und Tierrechte und die Organisation PeTA:
Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden: Engagement für mehr Tierschutz ist bitter notwendig. Nach wie vor bestehen (grade in der deutschen Landwirtschaft) Tierhaltungsmethoden, die jeder Moral und jedem Mitgefühl Hohn sprechen. Engagement für die Erhaltung wildlebender Tiere und ihrer Lebensräume ist auch kein sentimentales Hobby, sondern Kernbestandteil des Umweltschutzes.
PETA geht es nach eigenen Angaben nicht um Tierschutz, sondern um Tierrechte. Womit nicht etwa das "Recht" auf nicht-quälerische Haltung gemeint ist. ("Recht" in Anführung, da Tiere keine Rechtssubjekte sind. Auch wenn meine Katze gerne auf "ihre Rechte" pocht.) PETA-Sprecher verkünden eine fragwürdige Ideologie, die Menschen und Tieren gleiche Rechte zubilligt. "Es gibt keinen Grund zu glauben, dass ein menschliches Wesen besondere Rechte hat," erklärte PETA-Gründerin und Vorsitzende Ingrid Newkirk. Von ihr stammt die Aussage: "Die Menschheit ist wie ein Krebsgeschwür gewachsen. Wir sind der größte Pesthauch auf diesem Planeten." Meiner Ansicht nach zeugt das mehr von Menschenhass als von Tierliebe.
Dieser Einschätzung bin ich treu geblieben - auch wenn ich heute den Link auf die "Achse des Guten" nicht mehr so leichthin setzen würde und meine Katze nicht mehr lebt. (Ich habe sie töten lassen, als sie an einem offensichtlich schmerzhaften und auf Antibiotika nicht ansprechendem schweren Abszess litt. Wohl gemerkt, ich vermeide den Euphemismus "einschläfern lassen". Als mein Bruder und ich sie im Wald beerdigt hatten, meinte mein Bruder, dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach kein so schönes und würdevolles Grab erhalten würden. Ein seltsamer und paradoxer Gedanke.)

Nun ist "Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V." nicht PeTA und von der Überspanntheit, dem Fanatismus und der Heuchelei, den diese Organisation meiner Ansicht nach auszeichnet, offensichtlich ein gutes Stück weit entfernt.
Dennoch ist mir nicht ganz wohl bei dem Gedanken, welche Konsequenzen die "Tierrechts"-Ideologie hätte, würde sie jemals in die Tat umgesetzt. Das hat zum Teil ganz lebenspraktische Gründe: ich weiß, dass wichtige Gebiete der medizinischen Forschung auf Tierversuche angewiesen sind. Und obwohl ich weiß, dass um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, rechnerisch sieben Kilo Getreide benötigt werden, halte ich von einer veganen Lebensweise, die auch von "Menschen für Tierrechte" propagiert wird, nichts. Denn diese Betrachtung unterstellt, dass das Tierfutter alternativ für die menschliche Ernährung hätte genutzt werden können, was auf Getreide oder Soja zutrifft, nicht jedoch z. B. auf Gras.

Jeremy Bentham, von dem das Motto: "Die Frage ist nicht: können sie denken? oder: können sie sprechen? sondern: können sie leiden?" stammt, und der als einer der frühesten Tierrechtler gilt, ist meiner Ansicht nach ein Musterbeispiel dafür, wie "Aufklärung" tatsächlich dialektisch in "Barbarei" umkippen kann. (Frei nach "Horkdorno".) Jedenfalls denkt man bei seinem Namen heute weniger an Tierrechte, auch nicht an die Menschenrechte, deren unermüdlicher Anwalt er zeitlebens war, sondern an das Konzept des Panopticons. Dieses Gefängnis, in dem im Prinzip jeder Gefangene zu jeder Zeit unbemerkt beobachtet werden könnte, war von Bentham als Schritt zur Humanisierung des Strafvollzuges gedacht. Er hoffte, dass sich zu jeder Zeit alle Insassen regelkonform verhalten würden, da sie jederzeit davon ausgehen müssten, beobachtet zu werden. Das Verlockende am Panopticon ist, dass es zu einer massiven Kostensenkung im Gefängnis- und Fabrikwesen führt, denn das Verhältnis zwischen effektiv geleisteter Überwachungsarbeit und erzeugter Angst, beobachtet zu werden, ist sehr effizient. Auch für von Ängsten gebeutelte Sicherheitsexperten und Innenpolitiker stellt das Prinzip "tugendhaftes Verhalten und totale Sicherheit durch permanente Angst, bei Regelverstoß erwischt zu werden" eine "süße Droge" dar, die sie alle Menschen- und Bürgerrechte missachten lässt.

Dem klassischen Utililtarismus Benthams und seines wichtigsten Schülers, John Stuart Mill, liegt eine Ethik zugrunde, die allzu leicht ins "barbarische" umkippen kann: das "Prinzip des größten Glücks“ ("Maximum-Happiness-Principle"), vor allem in seine mathematisierten Form: Um zu beurteilen, ob eine Handlung Leid oder Glück nach sich zieht, wird sozusagen alles entstehende Einzelglück addiert, und davon das entstehende Einzelleid abgezogen, der Saldo ergibt den Gesamtnutzen der Handlung. Das Glück und Leid jedes Menschen besitzt gemäß dieser Ethik das gleiche Gewicht - was regelmäßig zu ethisch-logischen Kurzschlüssen wie: "das Leben eines Einzelnen hat gegenüber dem Leben der Vielen kein Gewicht" führt. Kein Wunder, dass massenmordende Diktatoren wie Mao oder Stalin gern utilitaristisch argumentierten - bzw. utilitaristische Motive für Massenmorde vorschoben.
Eine weitere Gefahren liegt darin, dass Glück (oder auch nur Zufriedenheit) und Leid sich nicht messen lassen - die Gefahr liegt u. A. in der Zwangsbeglückung. Bezieht man, wie es Bentham tat, auch nichtmenschliche Lebewesen in das "Prinzip des größten Glücks“ ein, dann sind die Konsequenzen nicht selten "unmenschlich" - die meisten Tiere wären über das Aussterben der Menschheit vermutlich glücklich. Meines Wissens gehen aber nur wenige Tierrechtler so weit, dass sie Menschenrechte auf Tiere - und zwar alle Tiere übertragen würden.
Aber selbst die moralische Forderung, dass das Leben aller Tiere zu respektieren sei, würde zum Tod unzähliger Menschen führen: Nagetiere, vor allem Ratten und Mäuse, sowie Heuschrecken und andere Insekten sind buchstäblich Nahrungskonkurrenten des Menschen, ohne jede "Schädlingsbekämpfung" würde ein großer Teil der Ernten ausfallen. Abgesehen davon halte ich ethische/moralische Debatten darum, ob man z. B. Katzen gezielt gegen Hausmäuse einsetzen dürfe, für einigermaßen hirnrissig.

Die Erfahrung lehrt, dass Menschen, die versuchen, neue moralische Maßstäbe zu setzen, dabei oft die alten vergessen und unversehens bei einer eiskalten Unmoral landen.
In den Normen eine tierrechtsorientierten Moral ist beispielsweise ein Wissenschaftler, der lebensrettende Medikamente an Tieren testet, ein Verbrecher. Ob diese Haltung, wie bei PeTA, in menschenfeindlichen Fanatismus umschlägt, hängt allein von der Integrität und dem Gewissen der einzelnen Tierrechtler ab.

Samstag, 1. Dezember 2007

Es wird finster in Deutschland

Aber nur, wenn es nach "Greepeace Deutschland" zusammen mit der BILD-"Zeitung", BUND, WWF, Google und ProSieben geht - und auch nur für fünf Minuten, am 8. Dezember. Danach dürfen die kitschigen Weihnachtsbeleuchtungen wieder die Einkaufstraßen mit altertümlichen Glühlampen beheizen, werden Gebäude, vor allem Kirchen, angestrahlt, und Leuchtreklamen sorgen für das, was man in Provinzstädten immer noch "weltstädtisches Flair" nennt.

Stefan Niggemeier kann ich nur zustimmen: Greenpeace geht ein Licht aus.

Sinnvoller als mal kurz das Licht auszumachen, ist es allemal, bis zum 27. 12. 2007 diese Online-Petition gegen Lichtverschmutzung an den Deutschen Bundestag zu unterzeichnen. Angestoßen wurde sie von den astronomischen Vereinigungen und Tierschützern. Eine gesetzliche Reduzierung der Lichtverschmutzung durch unnötige und unzweckmäßige (nicht gezielt nach unten, z. B. zur Straßen, sondern in alle Richtungen strahlende) Lichtquellen würde nicht nur den Blick auf den Sternenhimmel verbessern und die Tiere schonen, sondern auch noch Energie sparen (und somit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn man das Umweltschutz-Motto "nicht ohne meinen Klimawandel" berücksichtigen will). Slowenien hat bereits Ende August 2007 als Vorreiter in der EU ein solches Gesetz beschlossen.

Donnerstag, 29. November 2007

... nicht weil es einfach wäre, sondern gerade weil es schwierig ist!

Treffend geriet "Telepolis" diese Überschrift: Apollo 2.0. Der aussagekräftige Vergleich stammt aus dem Weißbuch Clean Power from Deserts vom "Club of Rome". Solarkraftwerke in der Sahara können den Energiebedarf Afrikas, Europas und des Nahen Ostens decken. Solarthermische Kraftwerke sollen nicht nur Strom liefern (der über Gleichstrom-Höchstpannungsleitungen verlustarm in die Metropolen geschickt werden kann), sondern auch noch Prozesswärme und Süßwasser - etwa für die Bewässerung der Felder des Mittelmeerraums.
Auch wenn ich über den Club of Rome durchaus gemischte Ansichten habe, ist die u. A. von ihm angestoßene Trans-Mediterranean Renewable Energie Cooperation eines jener Projekte, mit dem ein ehrgeiziges - aber erreichbares - Ziel näher rückt: Eine von fossilen Brennstoffen unabhängige Energieversorgung, und zwar dergestalt, dass auch der sich absehbar steigernde Energiebedarf der heutige "Entwicklungsländer" gedeckt werden kann - und am Ende ein Versorgungsniveau steht, das "Wohlstand für alle" statt lediglich "gerecht verteilten Mangel" bedeutet.

Der Vergleich mit "Apollo" ist passend. Als US-Präsident John F. Kennedy 1961 ein Projekt ankündigte, dass noch vor 1970 einen Menschen zum Mond und heil wieder zur Erde zurückbringen sollte, da gab es weder eine Trägerrakete, die für diesen Zweck auch nur annähernd stark genug wäre, noch war bekannt, ob Menschen überhaupt in der die Schwerelosigkeit arbeiten könnten, es gab keinen Computer, der in die Raumkapsel hätte eingebaut werden können, die Frage, ob eine weiche Mondlandung überhaupt möglich wäre, war ungeklärt - kurz: bei "realistischer" Planung auf dem Stand des Jahres 1961 erschien Apollo ein unmögliches Unterfangen zu sein. Und doch - es gelang! Der Kontrast zu anderen technischen Unternehmen ist so krass, dass heute wissenschaftlich unhaltbare, aber "irgendwie" plausibel klingende Verschwörungstheorien, die behaupten, die Mondlandungen seien fingiert worden, ihre Anhänger finden.
Auch wenn man am Sinn des Mondfluges Zweifel anmeldet und die ausgegebenen Geldmittel (die etwa zwei Monaten Vietnamkrieg entsprachen) für verschwendet hält Ich halte es nicht: "Apollo" zeigte, dass wenn etwas technisch möglich ist und die Intention (politisch, aber auch gesamtgesellschaftlich) es trotz aller Hindernisse und Probleme zu schaffen, groß genug ist, auch das anscheinend Unmögliche machbar ist.

Da passt es, dass es das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) war, das in diesem Jahr verschiedene Studien dazu veröffentlicht, die unter anderem vom Bundesumweltministerium (das offensichtlich doch zu mehr als zur Klimaschutz-PR zu gebrauchen ist) in Auftrag gegeben wurden.
Now, the rest is up to us, and there's a future to be won. We must turn our faces outward, we will do what must be done.

Donnerstag, 9. August 2007

Franz Alt entpuppt sich wieder mal als alter naiver Alternativer

Franz Alt behauptet in seinem Artikel Keine Angst vor Biosprit.
Was in die Tanks der Auto fließt, können wir nicht essen.
und zeichnet auch sonst ein recht rosiges Bild vom Einsatz von Agrar-Diesel und Agrar-Alkohol als Treibstoffe.

Nun, leider wird Agrar-Alkohol zumeist (noch) aus Pflanzen gewonnen, die bisher in erster Linie als Nahrungsmittel angebaut wurden. Angeblich wird bereites rund ein Viertel der US-Maisproduktion für die Treibstoffgewinnung genutzt (Wirtschaftswoche: Steigende Lebensmittel-Preise erzürnen die Amerikaner). Ob die Preissteigerungen für Mais in erster Linie darauf zurückzuführen sind, ist zwar fraglich, ohne Preisseffekt bleibt die "Maisverspritung" aber sicher nicht. Und überhaupt nicht fraglich ist, dass gestiegene Maispreise vor allem für das benachbarte Mexiko ein soziales Problem ersten Ranges sind.

Noch größer ist das Problem im Agrarsprit-Vorreiterland Brasilien. Die Energiepflanzen - vor allem Zuckerrohr - werden in riesigen Monokulturen angepflanzt, mit allen bekannte ökologischen Nachteilen. Hinzu kommt, so kritisiert der internationale Kleinbauernverband La via Campesina, dass nicht die Kleinbauern, sondern Großgrundbesitzer vom Energiepflanzenboom profitieren – auf Kosten von vielen Millionen Kleinbauern, die gerade in in Brasilien schon lange buchstäblich ums Überleben kämpfen.

Beim "Biodiesel" gibt es ein Problem, über das ich schon vor über eineinhalb Jahren bloggte - nämlich, dass für seine Herstellung im großen Umfang importiertes Palmöl eingesetzt wird, und dass für neue Palmöl-Plantagen Regenwald abgeholzt wird: Biokraftstoff ist schlecht für den Regenwald und Den Teufel mit dem Belzebub ... .

Alt jubelt:
Jetzt bekommen die Bauern endlich höhere Preise für ihre wertvollen Produkte. Sie haben eine Alternative zur bisherigen Lebensmittelproduktion. Bald könnte Schluss sein mit der Überproduktion und dem Vernichtungswahnsinn am Lebensmittelmarkt.
Ja, es könnte sinnvoll sein - da die EU-Landwirtschaft tatsächlich Überschüsse produziert. Aber: In der Europäischen Union sollen bis 2020 insgesamt zehn Prozent des Treibstoffes durch Agrar-Alkohol bzw. -Diesel ersetzt werden. Selbst für dieses vergleichsweise bescheidene Ziel reicht die Anbaufläche innerhalb der EU-Grenzen nicht aus, wenn man bei der herkömmlichen "Verspritung" bzw. Ölveresterung bleibt.
Aber statt das nahende Ende des Wahnsinns zu begrüßen, wird in Deutschland schon wieder gejammert: Die Flächen reichen nicht aus, um alle Autos mit Biosprit zu betanken!
Sie reichen nicht einmal für 10 % der Autos aus!
Wer will das denn? Biosprit ist selbstverständlich nur ein Teil der Lösung. Elektroautos, Wasserstoffautos, Hybridautos und vor allem kleinere, sparsamere Autos kommen hinzu.
Stimmt. Und auch der von Alt angesprochene Ausbau der öffentlichen Verkehrmittel dürfte sinnvoll sein.

Das Grundproblem bleibt aber, dass "Biotreibstoff" fast ausschließlich aus primären Agrarrohstoffen gewonnen wird - aus dem "Hauptprodukt" der angebauten Pflanze, das zugleich Nahrungmittel ist: Rapsöl, Maiskörner, Rohrzucker, Palmöl usw. . Sinnvoller ist es, die Biotreibstoffe aus sekundären Argarrohstoffen (z. B. Maisstroh) oder gar aus Abfällen zu gewinnen. Technisch machbar ist es, z. B. berichtete "nano" vor einiger Zeit über Treibstoff aus Müll.

Sehr lesenswert was im amerikanischen "Rolling Stone" online zu "Biosprit" steht: Ethanol Scam: Ethanol Hurts the Environment And Is One of America's Biggest Political Boondoggles

Freitag, 20. Juli 2007

Doch erhöhtes Leukämierisiko in der Nähe von Kernkraftwerken?

Ich las folgende Nachricht mit einiger Spannung:
In der Nähe von Kernkraftwerken erkranken mehr Kinder und Jugendliche an Leukämie. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus einer Studie, in der sie die Ergebnisse von 17 verschiedenen Untersuchungen zum Einfluss von Kernkraftwerken auf das Krebsrisiko zusammengefasst haben. (Auf "wissenschaft.de": Mehr Leukämien in der Nähe von Kernkraftwerken.)
Damit wäre die Vermutung, dass z. B. der "Leukämiecluster" in der Elbmarsch östlich von Hamburg auf den Einfluss des Kernkraftwerks Krümmel und der Forschungsreaktoren der GKSS zurückzuführen wäre, deutlich erhärtet worden. (Nebenbei wäre die - umstrittene und meine Ansicht nach nicht haltbare - Hypothese eines vertuschten Großunfalls bei der GKSS damit unnötig geworden: der Normalbetrieb von Reaktoren würde als Risikofaktor ausreichen.)

Beim näheren Hinsehen war ich allerdings enttäuscht: Es handelt sich bei dieser Studie um eine Meta-Analyse mehrerer statistischer Erhebungen. Das statistische Grundproblem, dass kindliche Leukämie so selten ist, dass schon einige wenige Fälle zu beachtlichen Abweichungen vom landesweiten Durchschnittswert führen, bleibt bestehen. Auch ein anderes Problem bleibt: warum gibt es bei einigen Reaktoren "Leukämiecluster", bei anderen hingegen nicht? (Aus diesem Dilemma resultiert die These, dass die Kombination von Strahlung und bestimmten anderen Umweltbedingungen das Leukämierisiko bei Kindern erhöhen könnte.)

Sonntag, 10. Juni 2007

Eine Schneise im Tropenwaldschutz

Die Weltartenschutzkonferenz CITES soll den Raubbau an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten verhindern. Im CITES-Anhang II sind z. B. Arten gelistet, bei denen der internationale Handel nur unter strengen Kontrollen möglich ist. Es bleiben aber breite Schneisen im Artenschutz. Denn wenn die Regierungen in den Ursprungsländern mit dem Raubbau einverstanden sind, dann kann eine Art nicht auf den CITES-Anhang II gesetzt werden.
So geschehen bei der Tropenholzart Cedro: auf auf der Weltartenschutzkonferenz CITES in Den Haag wurde der von Deutschland als Ratsvorsitzender für die EU gestellt Antrag zurückgezogen. Sämtliche Verbreitungsstaaten in Süd- und Lateinamerika hatten zuvor erklärt, gegen den Antrag zu stimmen.

Das in Europa und Nordamerika sehr beliebte Tropenholz Cedro, auch "Spanische Zeder" genannt, gehört zur Famlie Mahagonigewächse, erzielt hohe Preise und wird vor allem zu hochwertigen Möbeln verarbeitet. Nach Angaben des WWF wird zu viel Cedro geschlagen, auch illegal und sogar in Schutzgebieten. Die verschiedenen Arten der Gattung Cedro werden auf der Roten Liste der Weltnaturschutzbehörde IUCN als gefährdet und stark gefährdet geführt.

Aber der "schwarze Peter" der versäumten Chance liegt nicht allein in Südamerika: "Die EU hätte sich vorab ausführlicher mit den Verbreitungsstaaten zusammensetzen müssen", kritisiert die kolumbianische WWF-Expertin Ximena Barrera. "Diese Chance ist vertan worden. Die süd- und lateinamerikanischen Regierungen setzen für wirtschaftliche Interessen die Zukunft weiterer Baumarten aufs Spiel." Die Cedro-Wälder seien Lebensraum für zahlreiche Tierarten, die durch den exzessiven Holzhandel bedroht würden.
Umweltjournal: Teures Tropenholz bleibt ungeschützt

Mittwoch, 30. Mai 2007

Die Rätsel der "Grönland-Wikinger"

Ich gebe zu, ich bin voreingenommen gegen jemandem, der schreibt: In ihrer eigenen Sprache, dem Altnordischen, bedeutet das Wort vikingär nichts anderes als "Räuber"

(Auf "Wiking gehen" hieß soviel wie sich auf Handelsreise / Raubzug / Kriegsfahrt / Forschungsexpedition begeben. (Die Übergänge waren fließend.) Oder, um es mit Hägar dem Schrecklichen zu sagen: "Wikinger heißt Geschäftsreisender". Nur in kirchlichen Chroniken bedeutete "viking" nichts als "Räuber", ansonsten war der Begriff ambivalent besetzt.)

Wäre das aber der einzige Kritikpunkt, könnte ich Jared Diamond Buch "Kollaps" nur empfehlen. Das Thema des Geografen und Evolutionsbiologen ist nichts weniger als die Suche nach den Ursachen des Untergangs von Gesellschaften. Er stellt die Frage, warum sich angesichts schwieriger Umweltbedingungen manche Gesellschaften als stabil erwiesen - und andere buchstäblich ausstarben. Eine Frage, die Diamond anhand von fünf Parametern (Umweltschäden, Klimaveränderungen, feindliche Nachbarn, Unterstützung durch Nachbarn und Planung und Gestaltung der Zukunft) untersucht. Angenehm ist, dass Diamond kein weiteres "Weltuntergangsbuch" schrieb und auf die gängigen apokalyptisch-metaphysischen Abgesänge entweder auf "unsere Zivilisation" oder gleich die Menschheit als Ganzes verzichtet. Diamond ist Warner, als solcher durchaus Optimist, kein Apokalyptiker.
Das Buch ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Deshalb wurde seine Schwäche, nämlich die, dass die Beispiele bei genauerer historischer Betrachtung manchmal nicht so recht zu Diamonds Prämissen stammen, schon einige Male thematisiert. Besonders oft geriet das schon lange vor dem Buch zum Öko-Mythos gewordene Beispiel der Osterinsel, deren Einwohner mit dem Abholzen der Palmenwälder angeblich ihren Untergang besiegelten, in den Fokus der Kritik.

Sehr viel breiteren Raum nehmen in Diamonds Buch die normannischen Siedler in Grönland ein. Ende des 10. Jahrhunderts gründete Erich der Rote mit einer Handvoll Siedler aus Island, Norwegen und anderen nordeuropäischen Ländern im Südosten Grönlands eine kleine Kolonie. Die Grönland-Normannen betrieben erfolgreich Viehzucht und etwas Ackerbau, sie exportierten Pelze und Walross-Elfenbein, sie gründeten sogar eine Tochterkolonie in Nordamerika. Das Gemeinwesen der normannischen Grönlander war eine blühende kleine Republik. Ihre Lebensweise entsprachen ganz und gar der in ihrer skandinavischen Heimat. Insgesamt bestand das von Erich dem Roten gegründete Gemeinwesen fast 500 Jahre - und verschwand dann anscheinend plötzlich. 1261 musste Grönland seine Selbstständigkeit aufgeben - vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen. 1350 berichtete der isländische Kirchenmann Ivar Bardarsson, dass die Vesterbygd, die "westliche Siedlung" (die in Wirklichkeit nördlich der Hauptsiedlung lag) aufgegeben sei.
Um 1408 wurde die letzte christliche Hochzeit in Grönland beurkundet. Spätestens um 1550 erlosch die letzte normannische Siedlung in Grönland.
Der Hauptgrund des Niedergangs ist offensichtlich das rauer werdende Klima. Spätestens ab dem 13. Jahrhundert verschlechterten sich die klimatischen Bedingungen in Grönland. Hatte dort um 1000 ein milderes Klima geherrscht als heute, lagen die Temperaturen um das 1400 weit tiefer, auch wenn der Tiefpunkt der "kleinen Eiszeit" erst im 17. Jahrhundert erreicht wurde.

Für Diamond ist klar: die Normannen verstanden es nicht, sich den geänderten Lebensverhältnissen anzupassen und verhungerten dort, wo die Eskimos / Inuit mit ihre an die Umwert angepassten Kultur gut überlebten.
Diamond zeigt, dass der Versuch der Normannen, in Grönland nach von ihren in ihrer Heimat üblichen Verhältnissen zu leben, die Umwelt ihrer Siedlungen veränderte (Bodenerosion) und das diese Veränderungen ihnen als das Klima im 14. und 15. Jahrhundert kälter wurde, schwer zu schaffen machte. So weit, so unstrittig.

Allerdings steht Diamonds zentrale These, die Nordländer hätten sich nicht den geänderten Verhältnissen angepasst, auf wackligen Beinen. Er behauptet z. B., dass sie sich geweigert hätten, sich vorwiegend aus dem Meer zu ernähren (wie die Eskimos) und auf "europäischen" Ernährungsgewohnheiten beharrt hätten. Kurz gesagt: die Wikingernachkommen hielten aus irgend einem Grunde nichts vom Fischessen. Wenn in einer normannischen Siedlung 70% der gefundenen Knochen Seehundknochen waren, so entspricht das ziemlich genau den Verhältnissen bei den Grönländern eskimoischer Abkunft. Diamond deutet den Fund aber so, dass die Normannen lieber Robbenfleisch als Fisch gegessen hätten. Für die Annahme einer so starken kulturelle Abneigung gegen Fisch, dass sogar das Schlachten der Hunde als bessere Alternative erschien, spricht gar nichts. Die Färinger, ebenfalls isoliert lebenden Wikingernachfahren,
lebten bis ins 20. Jahrhundert hinnein fast nur von Fisch und Meeressäugern.

Aus archäologischen Funden ergibt sich, dass die normannischen Grönländer die Bauweise ihrer Häuser dem veränderten Klima anpassten. Sie konstruierten außerdem kälteisolierte Ställe, in denen sogar Rinder und Schweine überwintern konnten. Wichtigste Hausstiere waren aber genügsame Schafe, deren besonders dichte Wolle sogar exportiert wurde. Es spricht vieles dafür, dass jene Grönlandsiedler, die das harte Klima nicht länger ertragen wollten, schlicht ausgewandert sind - denn es gab nach wie vor eine regelmäßige Schiffsverbindung.
Die 3500 Grönländer, die nach der Aufgabe von Vesterbygd ausharrten, ging es wirtschaftlich offensichtlich gut. In den Gräbern von Herjolfsnes wurden aufwändige Kleidungsstücke nach der Mode des späten 15. Jahrhunderts gefunden. Wer ständig den Hungertod vor Augen hat - und das müsste, wenn Diamond recht hat, zu dieser Zeit der Fall gewesen sein - hat normalerweise andere Sorgen als modische Kleider. Es im mittelalterlichen Grönland immerhin 36 Kirchen, viele davon mit teuren Glasfenstern. Der portugiesische Seefahrer João Vaz Corte-Real erreichte im Jahr 1473 Grönland. Nach dem leider nur fragmentarisch erhaltenen Bericht Didrik Pinings existierte dort noch eine kleine europäische Siedlung.
Dennoch - als 1530 vom Kurs abgekommene norwegische Seefahrer Grönland besuchten, fanden sie nur einen toten Normannen. Die Kolonie gab es nicht mehr.
Gegen Diamond und die "Klimatheorie" spricht, dass ausgerechnet die kritische Zeit zwischen etwa 1480 und etwa 1530 eine eher mildere Periode war.

Der klimabedingt dickere Eisgürtel und die kürzere Navigationsperiode behinderten wahrscheinlich die regelmäßige Schiffsverbindung nach Europa. Das Leben in Grönland wurde härter. Während der großen Pest um 1350 könnte die Verbindung sogar völlig abgerissen sein. Allerdings führte das nicht zum Aussterben der Kolonie.
Die Neigung zur Flucht in mildere Gegenden wird allerdings gewachsen sein. Ich nehme an, dass viele Grönländer einfach nach Europa zurückwanderten. Die Möglichkeit, dass einige Grönländer nach Nordamerika ausgewandert seien, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Allerdings müßten diese Siedler vor etwa 1550 ausgewandert sein, weil spätensten nach dieser Zeit die Grönländer keine eigene seetüchtigen Schiffe mehr hatten.
Auch wurde diskutiert, dass die Pest auf Grönland selbst gewütet hätte. Dafür gibt es aber keine positiven Hinweise.

Dagegen, dass sich die normannischen Grönländer mit den Eskimos / Inuit / Skraelingen vermischt hätten, sprechen anatomische Untersuchungen an den auf den Friedhöfen der Normannen gefundenen Skeletten. Dennoch ist es möglich, dass sich einzelne Europäer den Einheimischen angeschlossen und deren Lebensstil angenommen haben. Eine schwer zu verifizierende Hypothese, denn schon mit den Walfangflotten des 17. Jahrhunderts setzte in Südwestgrönland eine "Rassenmischung" ein.
Dass die europäischen Grönländer durch die Inuit ausgrottet wurden, ist auch eine schwer verifizierbare Hypothese. Ein regelrechter Krieg ist schwer vorstellbar. Dass es Plünderungen gab, zeigen Funde von europäischem Hausrat und zerschlagene Glockenteilen in Eskimogräbern. Fragt sich, ob vor oder nach dem Ableben der Normanen.
Eine Außenseitertheorie ist die, dass die letzten normannischen Grönlander von portugisischen Sklavenjägern in die Zwangsarbeit verschleppt wurden. Auch diese Hypothese dürfte nur schwer zu erhärten sein.

Und wieso verschwanden die normannischen Grönländer dann?
Man darf bei all dem nie vergessen, wie klein die euroäische Kolonie in Grönland war - nach der Aufgabe von Vesterbygd waren es etwa 3500 Menschen. So wenige Menschen können auch aus unspektakulären Gründen "verschwinden". Vermutlich trugen alle oben genannten Gründe mehr oder weniger zum "Verschwinden" der Grönlandsiedlungen bei.

Nehmen wir aber einfach an, die Grönland-Normannen hätten alle "ökologisch vernünftig" in Sinne Diamonds gehandelt und sich dem Land so gut wie möglich angepaßt, also die Lebensweise der Eskimos übernommen. Bei so wenigen Menschen - und den nachweislich zahlreich in das Siedlungsgebiet der Normannen einwandernden Eskimos - hätte das kurz über lang dazu geführt, dass die Normannen kulturelll assimiliert worden wären. Allenfalls körperlich wären sie als Nachkommen von Europäern auszumachen gewesen. Sie wären aus historischer Sicht ebenfalls "verschwunden".

(2. Teil: Leif Eriksons Vinlandfahrt - ein einmaliges Unternehmen?)

Samstag, 21. April 2007

Erfolgreicher Artenschutz: wieder mehr Berggorillas

Die Bestände der Berggorillas im Osten Afrikas scheinen sich nach zehn Jahren Naturschutzbemühungen zu erholen.
Die Untersuchung im Bwindi Park wurde vom WWF und weiteren Naturschutzorganisationen durchgeführt. Um Doppelzählungen zu vermeiden, wurden Kotproben der einzelnen Gruppen genetisch analysiert. Obwohl die Zunahme nur etwa ein Prozent pro Jahr beträgt, zeigt sie an, dass der Bestand gesund und gut geschützt ist.
Dennoch: Mit nur 720 Berggorillas weltweit sind die Tiere nach wie vor vom Aussterben bedroht.
umweltjournal: Rückkehr der Silberrücken

Mittwoch, 18. April 2007

Umwelttechnik als neue deutsche Leitindustrie

Trotz einem gerüttelt Maß "Marketingsprech" lesenswert:
umweltschutz-news: Ein grünes Wirtschaftwunder
Schon jetzt kommt jede dritte Solarzelle und jedes zweite Windrad weltweit aus Deutschland, wie es in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" heißt. Komisch nur, dass man davon so wenig mitbekommt - im Gegensatz zur deutschen Autoindustrie.

Und was die bösen Subventionen angeht: besser in Technologien mit Zukunft als Fossilien wie den Steinkohlebergbau.
Ich bin optimistisch: 100 % Versorgung aus regenerativen Energiequellen ist technisch möglich - weltweit und bei deutlich verbessertem Lebensstandard. Es muß "nur" noch ökonomisch möglich werden.

Siehe auch, bei telepolis: Sonnige Aussichten

Mittwoch, 14. März 2007

Die Katastrophen-Konstante

Neulich kramte eine Bekannte aus Schultagen, mit dem ich mich über eben jene Schultage unterhielt, die Erinnerung an einen halb vergessenen Sachbuch-Bestseller der 1970er Jahre hervor: Herbert Gruhls "Ein Planet wird geplündert – Die Schreckensbilanz unserer Politik". Wir waren uns schnell einig, dass Gruhl politisch ein - gelinde gesagt - erzkonservativer Knochen war. Zu autoritär für unseren Geschmack.
Dass er sich später ziemlich unverhohlen gegen Einwanderung aussprach, stieß uns genau so übel auf, wie seine drastischen Beschreibungen der von ihm befürchteten Übervölkerung der Erde, ("Menschenflut" oder "Menschenlawinen").
Nicht zustimmen konnte ich ihr, was die Beurteilung des Ökonomen und Ökologen Gruhls anging. Seine Kritik an der Wachtumgläubigkeit der meisten (damaligen) ökonomischen Ansätze, und an der Nicht-Einrechnung der auf die Allgemeinheit abgewälzten Kosten von Unweltverschmutzung in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung war nicht neu, allerdings für einen CDU-Mann, der er damals war, bemerkenswert. Im Detail richtig waren sie meiner Ansicht damit noch lange nicht - Gruhl war ein "Wecker", aber kein "Aufklärer".

Geradezu grotesk fand ich allerdings die Behauptung, Gruhl hätte als einer der Ersten schon damals das CO2 / Klimaproblem richtig erfasst.
Ich schlug im meinem zerfledderten Exemplar des "Geplünderten Planeten" nach, und fand zu diesem Thema fast gar nichts. Dafür fand ich diese bemerkenswerte Aufstellung:
Wir haben die Umweltelemente in der obigen Aufstellung nach der Dringlichkeit geordnet:
1. Fehlende Luft führt zum Tod nach Sekunden.
2. Fehlendes Wasser führt zum Tod nach Tagen.
3. Fehlende Nahrung führt zum Tod nach Wochen.
4. Lärm führt zur Schlaflosigkeit und steigert sich bis zur Krankheit, möglicherweise zum Wahnsinn.
5. Die chemische Vergiftung von Ökosystemen führt zum Tod nach Jahren. Radioaktive Vergiftung kann allerdings auch zur sofortigen Vernichtung des Lebens und der Natur führen.
6. Die langsame Zerstörung der Natur entzieht allen Lebewesen die Lebensgrundlage in Jahrzehnten.
7. Die Abwärme führt zu klimatischen Veranderungen des Planeten, zum Abschmelzen der polaren Eiskappen und damit zu einer Überflutung riesiger Landmassen.
8. Die Raumüberfüllung kann nach der jetzigen Bevölkerungszunahme schon in wenigen Jahrzehnten eintreten.
Die Punkte 7 und 8 beinhalten Möglichkeiten, zu denen es wahrscheinlich gar nicht kommen wird, weil längst vorher die anderen Faktoren die Entwicklung stoppen werden.
(...)
Übrig bleiben schließlich die beiden Faktoren, die kaum eintreten werden, weil längst vorher die anderen Kräfte zur Katastrophe geführt haben. Die Abwärme wäre sicher dann irreversibel, wenn man die Energieproduktion rücksichtlsos soweit vorantriebe, bis die praktischen Folgen nicht mehr zu stoppen wären. Der absolute Höhepunkt der Veränderung des Weltklimas würde namlich erst mit einigen Jahren Verzögerung eintreten. Die unerträgliche Raumenge würde sich wahrscheinlich in unablässigen Ausrottungskriegen äussern und wäre damit prinzipiell reversibel. Mit grösserer Wahrscheinlichkeit käme es aber längst vorher zu Zusammenbrüchen der Nahrungsversorgung als Folge der Punkte 1 und 2.
Auffällig, auf der rein sachlichen Ebene: er schreibt von "der Abwärme",die zu klimatischen Veranderungen usw. führt. Von CO2, Treibhauseffekt usw. ist überraschenderweise gar nicht die Rede. Was ziemlich bemerkenswert ist, da dieser Mechanismus Mitte der 1970er Jahre schon längst unter Umweltschützern diskutiert wurde. Mein Eindruck: Gruhl hatte irgend etwas "aufgeschnappt" und (noch) nicht weiter recherchiert. (Später sollte sich das ändern.) Überhaupt wirkt sein Buch heute sehr oberflächlich.

Auffällig auch, dass Gruhl diesen Klimaeffekt damals als nachgeordnetes Problem ansah - bevor es akut würde, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Auffällig auch, dass "Lärm" immerhin an 4. Stelle liegt. Das könnte daran liegen, dass damals der Lärm als Umweltproblem gerade "entdeckt" wurde.
Später verschoben sich die Einschätzungen Gruhls. In "Himmelfahrt ins Nichts – Der geplünderte Planet vor dem Ende" (1992) nahm die Klimakatastrophe einen weitaus höheren Rang ein - wie auch die Überbevölkerung. Dass heißt, obwohl er es nicht so sah: die beiden "unwichtigsten" Öko-Katastrophen von 1975 rückten 1992 in den Mittelpunkt, weil die "vorrangigen" Bedrohungen sich als weniger bedrohlich bzw. als lösbare Probleme erwiesen hatten.
Dennoch war Gruhls Weltbild 1992 noch genau so öko-apokalyptisch wies in seinem früheren Buch.

Das fällt mir auch bei anderen, neueren, Öko-Alarmisten (und übrigens auch bei Öko-Optimisten) auf: die jeweilige pessimistische bzw. optimistische Einstellung bleibt, egal was geschieht, über die Jahre hinweg in etwa konstant. Für Gruhl hieße das: Gäbe es "Entwarnung" beim Weltklima (bei der Bevölkerungsentwicklung ist schon jetzt absehbar, dass Gruhl falsch lag) - er würde einen anderen apokalyptische Reiter nachrücken lassen.

Diese Einstellung des "flexiblem Bedrohungszenarios" kennt man auch von Militärs, Geheimdienstlern und "Sicherheitsexperten".

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Aktuelle Beiträge

ich muss gestehen..
..daß ich deinen Artikel nicht durchgelesen habe,...
distelfliege - 18. Mai, 11:34
Ein sehr guter Beitrag
Du hast dich sowohl gegen Islamophobie (zumal die Tat...
Londo (anonym) - 18. Mai, 11:01
Der Deutlichkeit halber...
Georg, ich bin mir völlig darüber im Klaren,...
MMarheinecke - 17. Mai, 18:09
Was ist Ehre? Ist das...
Die Ehre ist, objektiv, die Meinung anderer von unserem...
MMarheinecke - 17. Mai, 17:48
Zwei halbe Arbeitlose...
Wer war das noch gleich... unser Alt-Bimbeskanzler...
Aurisa - 17. Mai, 16:32

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