Persönliches

Montag, 12. Mai 2008

Macht's gut - und Danke für den Fisch!

Ich mache endlich Nägel mit Köpfen und mache nicht länger beim "B.L.O.G." mit. Nachdem in schon seit Dezember keinen Beitrag mehr dort veröffentlicht habe, war dieser Schritt, denke ich, überfällig.

Einer der Gründe dafür, dass ich dort auch vorher nur selten schrieb, ist der, dass mir, unter den Beiträgen, die mir “bloggenswert” erscheinen, ziemlich wenige sind, die auch für B.L.O.G. und - vielleicht noch wichtiger - zum B.L.O.G. passen. Das B.L.O.G. hat zwar keine "Parteilinie", aber sehr wohl ein Profil und wird auf eine bestimmte Art und Weise von außen wahrgenommen. Es ist diese "Außensicht", die mir das Gefühl gibt, beim B.L.O.G. fehl am Platze zu sein.

Das B.L.O.G. besteht ja nicht nur aus den Autoren, die mir persönlich nach wie vor sympathisch sind, sondern auch aus dem dort mitlesenden Publikum. Einer der Gründe, weshalb ich mich seinerzeit entschied, bei den B.L.O.G. mitzumachen, war die geringe Resonanz , die ich auf meine Beiträge hier auf meinem kleine Senfblog bekommen. Nun ja - es gibt Formen der Resonanz, die mir den Kaffee hochkommen lassen.
Ich wähle mal ein Beispiel, dass nicht das B.L.O.G. direkt, aber sehr wohl die Mechanismen in der "liberalen Bloggosphäre" betrifft:
Statler schrieb beim "Antibürokratieteam" einen sehr lesenswerten Beitrag über rechtsextreme Gewalt in Deutschland: Die Befindlichkeit des Landes. Statler diskutiert die 136 von gewaltätigen Rechtsextremisten getöteten Menschen - und in den Kommentaren wurde mal wieder eine eine Diskussion über "Migranten-Gewalt" und die Gewalt "von Links" daraus. Und das ist leider kein Einzelfall; ich habe ähnliches auch schon bei Beiträgen auf dem "B.L.O.G", auch bei meinen Beiträgen, erlebt.

Es ist offensichtlich gar nicht mehr möglich, in “liberalen” Blogs den politischen Dumpfbacken zu entgehen und den Blick dahin zu lenken, wo die wirklichen Probleme, aus der Sicht eines "Bürgerrechts"-orientierten Menschen, sind. Egal, wie differenziert man in so einem Blog schreibt - angesichts der Kommentare wird einem klar, dass die “Leserschaft” offensichtlich ihre liebgewonnenen Klischees bedient haben will: Kapitalismus wird - zu Unrecht! - mit Marktwirtschaft gleichgesetzt, und Marktwirtschaft - in verkürzter Weise - mit Demokratie und persönlicher Freiheit. Was bleibt, ist ein dumpfer "Pro-Kapitalismus", der mich beinahe so annervt, wie der dumpfe Antikapitalismus von "linker" wie von "völkischer" Seite.
Der Impuls, keine Perlen vor die Säue zu werfen, mag arrogant sein; aber die Säue mit ihren immer gleichen Klischees können einem schon den Spaß am Bloggen nehmen.

Das ist zwar nicht der einzige Grund, aber einer der Gründe, weshalb ich nicht mehr beim B.L.O.G. schreibe. Ein anderer Grund ist der, dass ich nicht wüsste, wie ich mich im B.L.O.G. von Beiträgen wie dem zu den “bulgarischen Arbeitern” distanzieren könnte, auch wenn boche, wie ich ihn einschätze, da absichtlich dick aufgetragen hatte - und ich, weil ich mich nicht wirksam distanzieren kann, von der werten Leserschaft in eine Schublade gepresst werde, in die ich beim besten Willen nicht passe.

Es gibt noch einige weitere Gründe, die vermutlich niemanden interessieren. Und ein paar, die sicherlich den einen oder anderen interessieren würden, über die ich es aber vorziehe, zu schweigen.

Wie auch immer: Macht's gut - und Danke für den Fisch!

Freitag, 25. April 2008

Märchenhaft

Manchmal liegt das Märchenland gleich nebenan ...
fruehling-08-09
Arbeiterwohnungen in Hamburg-Lohbrügge, Reformarchitektur, frühes 20. Jahrhundert.
... wer genau hinsieht, kann sehen, wie zwischen den Häusern der Wald anfängt.
Es war einmal ...

Mittwoch, 16. April 2008

Stockfang

Ich habe nach langer Zeit mal wieder ein Stöckchen zugeworfen bekommen, und weil es so lange her ist ... - na, gut, ich mach mit!

1. Setze einen Link zu der Person, welche dir das Stöckchen zugeworfen hat.
Distel.

2. Erwähne die dazugehörigen Regeln in deinem Blog.
Fragen beantworten, Link setzen und Stöckchen weitergeben.

3. Erzähle von dir 6 unwichtige Dinge/Gewohnheiten/Macken.

3.1. Ich brauche niemanden, der mich besucht, zu erklären, dass ich Science Fiction- und Fantasy-Fan bin - dafür sprechen nicht nur zahlreiche Regalmeter voller entsprechender Literatur oder die Thematik der an den Wänden hängenden Bildern, sondern auch Raumschiffsmodelle, Drachenfiguren und allerlei "utopischer", "fantastischer" oder "exotischer" Nippes. Der Vorteil dabei: Kein Mensch wundert sich über mein Trinkhorn, Runen, Pentagramme, Thorshämmer oder schamanisches Zubehör. Es gibt allerdings Menschen, die das bei einen Mann "meines Alters" für "ein Zeichen der Unreife" halten. Ich frage mich, wie es um die geistige Reife von Menschen bestellt sein muss, die auf die Idee kommen, ihre Reife ausgerechnet durch Wohnungsdekoration demonstrieren zu wollen.

3.2. Ich habe zwar keine Telefonallergie, aber ich bin - relativ - "anruffaul".

3.3. "Koffeinsucht". Aber nicht um jeden Preis: "mein" Kaffee oder der Tee muss stark und aromatisch sein. (Nieder mit Plörrkaff und Tee-Erinnerungs-Wasser!)

3.4. Ich rede gern und viel und falle sicherlich auch dem Einen oder der Anderen ins Wort oder mische mich in Gespräche ein, die mich eigentlich nichts angehen.

3.5. Ich bin (oder halte mich für) kreativ, spontan, einigermaßen gebildet und neugierig auf alles, was ich noch nicht weiß. Und ich lasse das jede(n) wissen, egal, ob sie / er das wissen will oder nicht.

3.6. Ich neige - paradoxerweise - dennoch dazu, meine Werke zu unterschätzen.

4. Gib das Stöckchen am Ende deiner Antworten an 6 Leute durch Verlinkung weiter.

Na gut, hier meine Opfer (in der Hoffnung, dass ihnen nicht jemand anders schon dieses Stöckchen zugeworfen hat):

Karan
Cynx
Hellblazer
Volkmar
Hunty
Stefanolix

Samstag, 22. März 2008

Wo liegt was in Tolkiens "Mittelerde"?

Es wird unter Tolkien-Fans schon lange darüber spekuliert, wie sich Mittelerde und Europa in Übereinstimmung bringen lassen.

Ein besonders interessanter Ansatz ist der Versuch eines anderen Professors, des Geologen Peter Bird aus Los Angeles, Mittelerde als das "Europa nach der Eiszeit" zu deuten - ein Europa, in dem der Meeresspiegel tiefer lag und die Küstenlinien deshalb noch anders verliefen: Where on earth was Middle-earth?.

Völlig abwegig ist diese Idee nicht, jedenfalls, wenn man sie spielerisch aufgreift und immer im Hinterkopf behält, dass Tolkien seine Mittelerde-Romane ausdrücklich nicht als Allegorie verstanden haben wollte - und deshalb Deutungen wie "Isengard ist das Ruhrgebiet in seiner Funktion als Waffenschmiede des deutschen Militarismus" oder "das Auenland ist das ländliche England vor dem 1. Weltkrieg" ins Leere laufen.

Tolkien selbst verglich seine "Alte Welt" ausdrücklich mit Europa - allerdings einem Europa, das man im Schulatlas vergeblich sucht:
The action of the story takes place in the North-West of ‘Middle-earth’, equivalent in latitude to the coastlands of Europe and the north shores of the Mediterranean (…) If Hobbiton and Rivendell are taken (as intended) to be about the latitude of Oxford, then Minas Tirith, 600 miles south, is at about the latitude of Florence. The Mouths of Anduin and the ancient city of Pelargir are at about the latitude of ancient Troy.
Die Geschichte handelt im Nordwesten "Mittelerdes", das in der geographische Breite den Küstenländern Europas und den Nordufern des Mittelmeers entspricht (...) Wenn man (wie beabsichtigt) davon ausgeht, dass Hobbingen und Wasserau ungefähr auf dem Breitengrad von Oxford liegen, dann liegt Minas Tirith, 600 Meilen südlich, etwa auf der Breite von Florenz. Die Mündungen des Anduin und die alte Stadt Pelagir liegen etwa auf dem Breitengrad des alten Troja.

Aber Tolkien schrieb im Vorwort "Der Herr der Ringe", dass es nichts einbringen würde, nach geographischen Übereinstimmungen zu suchen, denn das 3. Zeitalter von Mittelerde wäre schon lange vorbei und die Gestalt aller Länder hätte sich verändert.

Genau das ist es, was Prof. Peter Bird mit seiner Karte versucht hat. Bird ist Professor für Geophysik und Geologie an der UCLA (University of California in Los Angeles) und legte die Karte von Mittelerde über die Europas etwa zur Zeit des Weichselspätgazials am Ende der vorerst letzten Eiszeit, vor ca. 11500 Jahren.
(Wobei er allerdings die klimatischen Verhältnisse der Gegenwart voraussetzt, und unterschlägt, dass zum Beispiel das nördliche Skandinavien noch unter Gletschern begraben lag - was ja auch die Ursache für den niedrigen Meeresspiegel war.)
Im Grunde macht Prof. Bird mit Tolkiens Welt dasselbe, was auch Lyon Sprague de Camp tat, als er Robert E. Howards "Conan" überarbeitete und erweiterte und dabei das "Hyborische Zeitalter" Conans, das Howard vor "etwa 12000 Jahren" angesiedelt hatte, augenzwinkernd in die reale Geographie dieser Zeit verlegte - jedenfalls in groben Zügen. Conans Heimatland Cimmerien setzte de Camp dabei mit Kimbrien, der Urheimat der Kimbern, gleich, bzw. mit den damals trockenen Boden der Nordsee, der an das mit Kimbrien identifizierte Jütland grenzt.

Wenn ich mit die Karte Prof. Birds ansehe, dann fällt mir auf, dass auch er Einiges verschieben musste, damit aus Europa am Ende der Eiszeit "Mittelerde" wird. Abgesehen vom Fehlen des restlichen skandinavischen und alpiden Inlandeises fällt auf, dass es keinen Fluss gibt, der dem "großen Strom" Anduin entspräche. Streckenweise wird er auf der Bird-Karte mit der Oder, der Elbe und der Donau gleichgesetzt, was aber nicht wirklich befriedigt. Außerdem hat Bird, ganz wie Sprague de Camp, Gebirgszüge nach Bedarf "verlängert" oder "erhöht". Die Nord-Süd-Ausrichtung von Mittelerde und Europa stimmt auch nicht überein. Anders ausgedrückt: was nicht passte, wurde passend gemacht.

Wie oben erwähnt, muss man bei jeder "Ortsbestimmung" im Auge behalten, dass Tolkien keine allegorischen oder aktuellen Gleichsetzungen vornahm. Damit lassen sich die Orte in Mittelerde nur auf dem Wege der persönlichen gefühlsmäßigen Assoziation finden - etwa: "diese Landschaft erinnert mich an ... " oder "diese Berge erwecken in mir das Gefühl, sie könnten ... sein". Es geht um "gefühlte Ähnlichkeiten", wobei die Landschaftsbilder noch am ehesten zwischen Mittelerde und Europa übereinstimmen könnten.

Stimmen die geographischen Orte auf der Europakarte, die Bird Orten aus Mittelerde zuordnet, wenigsten "vom Gefühl her" mit ihren tolkienschen Gegenstücke überein? Da ich die Gefühle und Gedanken Tolkiens nicht wirklich kennen kann, bleibt das zwar Spekulation, aber spaßeshalber kann ich die "birdschen Ortsbestimmungen" darauf abklopfen, wie plausibel sie für mich sind.
  • The Shire (Das Auenland) liegt im Südwesten Englands. Und da liegt es ohne Zweifel richtig, denn Tolkien selbst hat es dort angesiedelt.
  • Der Alte Wald liegt in Yorkshire. Das erscheint mir persönlich wenig plausibel, denn mit "Yorkshire" verbinde ich nicht unbedingt große, unberührte Wälder. Die "Yorkshire Dales" mögen landschaftlich reizvoll sein, sind aber nicht wirklich waldreich. Mir fällt beim Stichwort "Old Forest" schon eher der Sherwood Forest ein, und zwar nicht der heutige klägliche Überrest, sondern der ausgedehnte Wald zu Robin Hoods Zeiten. Immerhin grenzt Nottinghamshire an das südliche Yorkshire, so das wenigstens die Richtung stimmt. Der "Old Forrest" könnte auch der einstige "große Birkenwald", der Bearroc, in Berkshire, sein, weil Tolkien Tom Bombadil, den Hüter des Alten Waldes, einmal als Geist der Landschaft von Oxford- und Berkshire bezeichnet hatte.
  • The Barrow Downs (die Hügelgräberhöhen) liegen in Nordengland. Keine Einwände, außer, dass sie "eigentlich" östlich, und nicht nördlich des Alten Waldes liegen müssten.
  • Bree liegt bei Newcastle-upon-Tyne - was sich mir nicht unbedingt aufdrängt.
  • Amon Sûl, die Wetterspitze, liegt im schottischen Hochland. Das kann ich mir schon wieder gut vorstellen.
  • The Grey Havens (die Grauen Anfuhrten) liegen in Irland. Da könnten sie tatsächlich liegen, auch wenn ich sie mir eher wie den Trondheim-Fjord, als großer Naturhafen, vorstelle.
  • Eriador entspricht Brittanien. Keine Einwände.
  • Hithaegelir, das Nebelgebirge, ist die skandinavische Gebirgskette, in Schweden meist kurz "Fjäll" und in Norwegen "Kjølen" genannt. Damit bin ich einverstanden, denn schon Tolkiens Namenswahl weist nach Skandinavien. Die landschaftliche Übereinstimmung ist groß, vor allem im Hochgebirge Jotunheim in Norwegen. Im Winter war die Gebirgskette früher nahezu unüberwindlich und ist in Volkssagen als Heimat von Zwergen, Riesen und Trollen bekannt.
  • Der Mirkwood (Düsterwald) bedeckt fast ganz Finnland und einen großen Teil des Ostseegrundes. Da ich bei schier endlosen, unwegsamen Wäldern tatsächlich an Finnland denke, habe ich keine Einwände. Vielleicht sehen die Finnen das anders.
  • Der Elbenwald Lothlórien liegt in Dalarna, Mittelschweden. Ob das plausibel ist, kann ich nicht sagen, da das Elbenland sowieso nicht ganz zur Alltäglichen Welt gehört.
  • Helm’s Deep (Helms Klamm) liegt nahe dem Dreiländereck zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz, nicht weit von Basel. Ich könnte mir diese Schlucht durchaus im Südschwarzwald vorstellen, aber wirklich überzeugend ist das nicht. Vielleicht kann man bei Basel an die durch eine "Schlucht" (den Oberrheingraben und die Burgundische Pforte) führenden "lebenswichtigen" Handelswege denken, aber das wäre nach meiner Tolkien-Auffassung viel zu allegorisch gedacht.
  • Die Gebirgskette von Ered Nimrais, das "weiße Gebirge", sind die Alpen. Damit bin ich einverstanden.
  • Gondor entspricht Norditalien, dass sich in Richtung der trocken liegenden Adria fortsetzt. Das entspricht in etwa auch Tolkiens Angaben, Klima und Geographie stimmen in etwa auch.
  • Mordor liegt, glaubt man Bird, auf dem Balkan. Das Kerngebiet um den Schicksalsberg, die Hochebene von Gorgoroth, liegt in Siebenbürgen (Transylvanien) in Rumänien, während Minas Morgul etwa in Ungarn und Minas Tirith irgendwo in Österreich läge. Damit bin ich nicht einverstanden, auch wenn man vielleicht auf den Gedanken kommen könnte, Tolkien hätte an das Transsilvanien aus Bram Stockers "Dracula" gedacht. Ich sehe Mordor als geographischen Fremdkörper, als ein Land, das sich in das "alte Europa" buchstäblich nicht einfügen lässt. Ein höllisches, unwirtliches, "verdorbenes" Land, das nicht wirklich zu Mittelerde gehört.
  • Rohan liegt im südlichen Deutschland, wobei Edoras am Fuße der bayrischen Alpen läge. Nun gut, ich habe Rohan eher als weite Ebene in Erinnerung, vergleichbar vielleicht mit der ungarischen Puszta. Edoras könnte ich mir aber gut im Voralpenland vorstellen.
  • Isengard liegt bei Hamburg. Ich kann keine landschaftliche Ähnlichkeit erkennen, und auch über die Sagen und Legenden, die sich mit Hamburg oder allgemein Norddeutschland verbinden, gibt es keinen direkten Weg in diesen Talkessel (oder Krater).
  • Der Wald von Fangorn läge nicht weit entfernt, etwa in Wagrien (Ostholstein). Auch diese Ortswahl überzeugt mich nicht.
  • Östlich des Düsterwaldes liegt Rhovanion und das Ödland von Rhûn - beides liegt auf Birds Karte in Russland, was allenfalls von der geographischen Lage "im Osten" her übereinstimmt. Die Iron Hills (Eisenberge) wären ein Teil des Urals, was schon plausibler wäre.
  • Die Sea of Rhûn (das Rhûnenmeer) entspricht dem Schwarzen Meer. Da das Schwarze Meer von über 11000 Jahren tatsächlich ein Binnensee war, könnte das stimmen. Aber eher denke ich doch an das Kaspische Meer, das immer noch ein Binnensee ist.
  • Khand liegt in der Türkei. Könnte sein.
  • Haradwaith ist der östliche Teil Nordafrikas, Umbar entspricht dem Maghreb, dem westlichen Teil Nordafrikas. Von der geographischen Lage her ist das nicht ganz stimmig, umso mehr von der "inneren Geographie" der Legenden und Klischees - Umbar ist das Land der Korsaren, so wie das vorkoloniale Algerien als Land der Korsaren galt.
  • Die Buch von Belfalas ist der Westteil des Mittelmeeres. Das könnte sein.
  • Der beste Beleg dafür, dass die Geographie Mittelerdes eher auf einer "inneren Landkarte" als auf einer direkten Analogie zur Geographie Europas beruht, ist Rivendell, das Bruchtal. Nach Bird müsste dieser Ort in Norwegen liegen. Tolkien selbst fertigte aber eine Zeichnung des Bruchtals, das sehr an das schweizerische Lauterbrunnental, das Tolkien 1911 zu Fuß durchwanderte, erinnert.
Wie dem auch sei, Mittelerde ist unsere Welt, wie Tolkien schrieb. Kein ferner Planet, kein fiktives Universum, sondern ein Teil Ardas, der Erde. Mittelerde ist ein Land, das es nicht im Sinne der Alltäglichen Wirklichkeit einst gab, sondern eines, dass es hätte geben können, und das nach den selben "Spielregeln" funktioniert, wie die Länder und Reiche "echter" alter Sagen und Märchen. Deren Orte man auch nicht auf der Landkarte, sondern in der Seele findet.

Nun gibt es gewiss Schlaumeier, die behaupten werden, Mittelerde sei mit Neuseeland identisch. Obwohl Peter Jackson die Drehorte der Verfilmung durchweg gut wählte, gibt es eine bezeichnende Ausnahme: den Großen Strom. In Neuseeland gibt es einfach keinen Fluss, der breit genug wäre, um als archetypischer Großer Strom glaubwürdig zu sein. Der Große Strom ist Rhein, Rhône, Elbe, Donau und Wolga zugleich, rückt man von "Mittelerde als Europa" ab, ist er auch Nil, Euphrat, Tigres, Indus, Ganges, Mekong, Jangtse, Huang He, Mississippi, vielleicht auch Amazonas und Kongo.
Neuseeland, als Inselstaat, ist einfach zu klein für einen Großen Strom - es wird deshalb nicht Mittelerde sein.

Samstag, 15. März 2008

Contentklau?

Mir wurde in einem (von mir gelöschten) Kommentar vorgeworfen, ich hätte einen Artikel plagiiert, und das Plagiat sei offensichtlich kein Einzelfall. Der Kommentator benutzte allerdings erheblich drastischere Formulierungen, die ich mir nicht bieten lasse.
Das nehme ich zum Anlass, meine Haltung zu diesem heiklen Thema darzulegen.

Ein weiterer Anlass ist dieser Beitrag von der "Blogbar":Mashup-Blogs: Wir klauen uns die Welt, wie sie uns gefällt und dieser, sehr viel mehr ins Detail gehende, in der "Medienlese": Wer plagiiert, ist doch nur doof.

Im konkreten Fall bin ich mir keiner juristischen Schuld bewusst. Es stimmt allerdings, dass ich den Artikel, den ich plagiiert haben soll, kannte. Und beide Artikel handeln von dem selben Thema, was gewisse Ähnlichkeiten unvermeidlich macht. Allerdings hat mein Artikel einen anderen Schwerpunkt, ist länger und übernimmt keine Formulierungen des "Vorbildes".

Allerdings: Dieser Vorwurf hat mich ins Grübeln darüber gebracht, wo dann der "Contentklau" eigentlich anfängt. Vor allem aber, ob der Anteil meiner "schöpferischen Eigenleistung" immer hoch genug ist.

Ich gehe nicht so weit, mein "Senfblog", dass ich in erster Linie als persönliches Kommentarblog betrachte, zu den vom Don leicht angeekelt so genannten "Mashup-Blogs" zu zählen. Allerdings muss ich selbstkritisch einräumen, dass ich ziemlich oft ziemlich eifrig fremde Inhalte zitiere bzw. paraphrasiere - mich also zu wenig um "Eigenleistung" kümmere, und vielleicht zu viele Inhalte aus Mainstream-Medien und anderen Blogs übernehmen. Nachträglicher Einschub: ein ach so toll 2.0-iges Mashup-Blog ist nichts anderes als eine Fremdcontent-Collage, typischerweise mit minimalem oder völlig fehlendem Kommentar. Kann man machen, wenn es einem Spaß bringt. Braucht aber meines Erachtens kein Mensch, weil jedes "News-Portal" mehr bietet. Dann schon lieber Katzenbilder und Urlaubsberichte, wenn einem als Blogger partout nichts einfällt.

Dons Reaktion auf die Abmahn-Welle gegen Blogger, die Brötchenbilder und ähnlich banales "übernommen" haben sollen, ist bekanntlich: "Selber machen" - d. h. auf einem Blog sollten nur selbst gemachte Fotos stehen, denn nur bei Fotos, deren Rechte man selbst innehat, kann man vor Abmahnungen sicher sein. Zwar klingt das ziemlich arrogant, aber so ganz falsch liegt der Don nicht.
Und ich muss einräumen, dass ich manchmal ganz schön leichtsinnig war, wenn es um unter "CC"-stehende Bildinhalte geht.

Es ist zwar unmöglich, eine CC-Lizenz auf deutsches Urheberrecht zu übertragen, aber ich sehe sie ohnehin eher als Vertrag, mit dem Nutzungsrechte vergeben werden. Also in meinem Falle "share alike, not commercial": Weiterveröffentlichung für nichtkommerzielle Zwecke frei. Quellenangabe oder Verlinkung erbeten. Wobei ich die kommerzielle Weiterveröffentlichung nicht grundsätzlich verbiete - ich möchte nur vorher gefragt werden und eventuell Tantiemen für die Nutzung sehen.
Allerdings: sollte ich sterben, kann ich nicht dafür garantieren, dass meine Erben das genau so sehen. Ich kann nur nach bestem Wissen und Gewissen versichern, dass keiner meiner potenziellen Erben so übel drauf ist, dass er serienweise Blogger abmahnen lassen würde.
Ich finde übrigens, dass "freie" Bilddatenbanken gar keine schlechte Idee sind, auch um "Brötchenbildabmahnern" das Geschäftsmodell zu verderben. In dieser Hinsicht geben ich dem Don also nicht recht.

Was also tun? Als "Contentdieb" im Sinne von "Plagiator" sehe ich mich nicht. Deshalb war ich auf den Kommentator auch so sauer.

Aber als jemand, dessen Eigenleistung sich vielleicht zu oft auf das bei Journalisten so beliebte "anverwandeln" eines Textes beschränkt ist. Dessen Artikel zu oft aus viel zitiertem Text und wenig Eigenleistung bestehen.

Denn es wäre wirklich schade, wenn Blogs im Schnitt genau so unkreativ, unoriginell und beliebig wären, wie z. B. das Programm eines Dudelfunksenders. Mashup-Blogs, die noch nicht einmal die zusammengesammelten Inhalte und Links anständig kommentieren, braucht die Welt nicht. Sie braucht Blogger, die kreativ, kritisch, ehrlich und mutig sind.
Da hat der Don ganz recht.

Montag, 18. Februar 2008

Mal etwas Selbstreferenzielles (gemalt).

Hallo,

ich habe meiner Bildersammlung auf "Ipernity" vervollständigt: mmssenf. Jetzt sind es immerhin 10 Gemälde und 105 Zeichnungen. (Wenn ich endlich eine brauchbare Digitalknipse habe, werden es noch mehr werden ;) .)

Hier ein paar kleine Kostproben:
galliot
(Mit einem kleinem Gruß an Karan und Duke: "Kommt ein Boot (sieben rote Segel) ... " - Auch wenn die Galiot schon eher ein Schiff ist.)

nirvana2

... und hier ein Gemälde (Acryl und Tempara):
interstellar overdrive1a

Viel Spaß!

Martin

Donnerstag, 24. Januar 2008

Ich bin nun stolzer Besitzer eines Wikingerschiffs

Leider keines echten, sondern eines Modellbausatzes, den ich heute gekauft habe.

Unmittelbarer Kaufanlass waren Studien für ein Gemälde, das ich demnächst malen möchte. Die perspektivische Darstellung von Wikingerschiffen erwies sich wegen der vielen geschwungenen Linien wieder einmal als sehr schwierig - da kam ich auf die Idee, dass ein plastisches Anschauungsobjekt nicht schlecht wäre. (Genau so, wie anatomisch korrekte Puppen beim Zeichnen von Menschen hilfreich sind.)
Hier zur Verdeutlichung eine meiner älteren Zeichnungen eines Wikingerschiffs - für das ich ein Foto als Vorbild nahm, was allerdings die freie Gestaltungsmöglichkeit einschränkt:
schiff01
Der andere Grund: Ich habe vor, irgendwann mal ein schönes, großes Segelschiffsmodell zu bauen. Da ich seit über 15 Jahre kein Segelschiffsmodell mehr gebaut habe, und auch meine damaligen Versuche nicht unbedingt überzeugend waren, dachte ich mir, es könnte hilfreich sein, erst mal ein Modell mit einfacher Takelage zum Üben zu bauen, dann ein mittelschweres, und dann erst mein "Traumschiff". Außerdem habe ich es sowieso mit den Wikingern.

Zum Kauf musste ich erst einen gewissen inneren Widerstand überwinden, denn die Illustration auf dem Karton ist einfach grauenhaft, ebenso die Kurzbeschreibung. Da aber alle anderen Wikingerschiffs-Modellbausätze entweder für meine Zwecke zu teuer sind oder erhebliche historische Fehler aufwiesen, griff ich, nach einem kurzen Blick in den Karton, zum Revell-Bausatz. Dieser Blick zeigte mir nämlich, dass das Modell weitaus vorbildgetreuer ist, als die Verpackung befürchten ließ. Für die 13 Euronen, die ich hinblättern musste, ein halbwegs faires Preis-Leistungsverhältnis. (Anderswo kostet der Bausatz 15 Euro, Preise vergleichen lohnt sich also bei längerer Anfahrt nicht unbedingt.)
Modellbausatz Wikingerschiff

Zuhause, bei näheren Betrachten des Bausatzes, erlebte ich eine angenehme Überraschung: Da Revell das Modell einfach als "Wikingerschiff" bezeichnet, habe ich kaum zu hoffen gewagt, dass das Modell wirklich vorbildgetreu sein könnte.

Ich sah mir die Bauteile gründlich an - und erkannte: es ist ein Modell des Gokstad-Schiffes! Da ich das originale, 1880 auf dem Gokstadhof bei Oslo in einem Grabhügel gefundene, Schiff im Osloer Museum selbst gesehen habe, und ich den Bausatz mit Abbildungen in Büchern vergleichen kann, schätze ich die Vorbildtreue als "gut" ein. Zur Note "sehr gut" fehlen einige kleine Details, dazu später mehr.

Anhand der bekannten Abmessungen des Gokstadschiffs 23,24 m lang, 5,20 m breit und eine Höhe mittschiffs von 2,02 m - und denen des ziemlich genau 38,7 cm langen Modells stellte ich erst einmal fest, dass das Modell entgegen der Packungsangabe nicht den Maßstab 1: 50, sondern 1 : 60 hat. Dann stellte ich fest, dass auch die Breite und Höhe und die Größe der Schilde und des Ankers exakt maßstabsgetreu sind. Ich wunderte mich - nicht zum letzten Mal - über die Diskrepanz zwischen der Qualität des Modells und der des "Drumherums".

Mit seinen 16 Riemenpaaren ("rúm" oder "sesser") ist das Gokstadschiff ein Karfi oder eine Snjekka - für beide Schiffstypen sind Schiffe mit 16 "sesser" überliefert. Damit galt es bereits als "langskip" (Langschiff, ab 14 "sesser"), aber noch nicht als "storskip" (Großschiff, ab 20 "sesser"). Ein Dreki (Drachen) hatte 30 - 60 Riemenpaare, die größten Drekis müssen an die 70 m lang gewesen sein - was an die Grenzen des technisch Machbaren ging. Deshalb wurden wahrscheinlich nur wenige Drekis auf Kiel gelegt, auch die kleineren Skeiths werden wohl nicht allzu häufig gebaut worden sein. Die Masse der Wikinger-Kriegsschiffe waren Snjekkas (was nicht etwa "Schnecken", sondern "Schlangen" bedeutet haben soll) oder Karfis - die noch kleineren Skutas (erhalten z. B. im deutschen Wort "Schute") dienten als Zubringer- und Landungsboote. Von den bekannten Schiffsfunden ist Skudelev 5 eine Skuta, das Oseberg-Schiff eine Karfi, das Schiff von Haithabu wohl eine Karfi, die Schiffe von Gokstad und Ladby waren entweder große Karfis oder kleine Sjekkas, Skudelev 2 ist eine Snjekka - Skudelev 6 ist ein Fähr- oder Fischerboot, Skudelev 3 ein kleines Handelsschiff, Skudelev 1 eine Knorr - einer jener stabile Handelssegler, mit denen die Fahrten nach Island, Grönland und Vinland unternommen wurden.

Obwohl das Gokstad-Schiff nicht allzu groß war und verglichen mit der reich verzierten "Luxusjacht" von Oseberg schmucklos war (aber selbst für Wikinger-Standards sorgfältig gebaut), war es das Schiff eines Königs, denn für die Bestattung einer weniger wichtigen Persönlichkeit hätte man kein gutes seetüchtiges Kriegsschiff geopfert.

Zurück zum Bausatz: die Darstellung der geklinkerten Planken ist gut, wenn auch etwas vereinfacht. Mich überrascht, dass eine schöne Holzgravur angebracht wurde, jedoch die Klinknägel bzw. Nieten fehlen - es wäre durchaus machbar gewesen, wie andere Details des Bausatzes zeigen.
Die Befestigung der Schilde - wie beim Original 64 Stück - ist nicht vorbildgetreu, aber eine vorbildgetreue Anbringung wäre in diesem Maßstab wohl wenig haltbar ausgefallen. Wenn die Schilde montiert sind, sind die nicht vorbildgetreuen Befestigungspunkte aber nicht mehr zu sehen.
Die Schilde sind vorbildgetreu. Das gilt auch für die Decksplanken, den Mastfisch und andere Details binnenbords. Erfreulich: auch die Breitassen, Spieren, mit deren Hilfe die Wikingerschiffe trotz Rahtakelung hoch an den Wind gehen konnten (für Landratten: sie konnten bei Wind schräg von vorne segeln), sind vorhanden. Sogar bei einigen originalgroßen Wikingerschiffs-Nachbauten fehlen sie.

Beim originalen Gokstad-Schiff sind die Stevenfiguren nicht mehr erhalten. Als Kriegsschiff und wahrscheinlich Königsschiff wird es sicherlich eine Tierfigur als Bugzier getragen haben. Wie sie ausgesehen haben könnte ist reine Spekulation.
Für das Modell ist ein stilisierter Schlangenkopf als Bugzier und ein zur Spirale aufgewickelter Schlangenschwanz als Heckzier vorgesehen. Sie passen stilistisch und größenmäßig besser zum Schiff, als es die Karton-Illustration vermuten ließe. (Gerade bei den Bug- und Heckverzierungen sind manche Wikinger-Schiffsmodelle völlig unhistorisch.)
Einige Kleinteile, z. B. die Riemen, haben Grate, die erst mühsam weggeschliffen werden müssen, aber das ist man nicht nur von Revell leider gewöhnt ...

Zum Bausatz gehört außerdem ein tiefgezogenes Segel aus dünnem Plastik, ein Bogen mit Decals (Schiebeaufklebern) für die Schilde und das Segel, sowie Takelgarn und eine Schnur für die Ankertrosse.

Die Decals hinterlassen bei mir gemischte Gefühle. Diejenigen für die Schilde sind zwar meines Erachtens für die dargestellte Epoche etwas zu "bunt" geraten - es gab nur verhältnismäßig wenige gute Farbstoffe - aber immerhin plausibel. Sogar die bei einigen Schild-Decals verwendeten Runen passen von der Form her in die Zeit um 900 (jüngeres Futhark).
Im scharfen Kontrast dazu: Das Segel-Decal entspricht leider ziemlich genau dem auf dem Karton und ist einfach grausam. (Noch mal zum Mitschreiben: die Helme der Wikinger hatten keine Hörner!)

Die Bauanleitung enthält auf Seite 1 allgemeine Informationen zum Vorbild (auf Deutsch und Englisch), die wenig vorbildlich sind. Offensichtlich wussten die Autoren nicht einmal, dass das Modell im Gokstad-Schiff ein reales Vorbild hat.
Die restliche Bauanleitung ist gut - mit genauen und instruktiven Zeichnungen zu jedem Schritt. (IKEA könnte sich da noch eine Scheibe abschneiden.) Auch die Farbangaben erscheinen brauchbar.
Geteilter Meinung kann man zu der vorgeschlagenen Takelage sein. Einerseits berücksichtigt sie die Breitassen - wie beim Vorbild ist bei Kursen mit achterlichem Wind nur ein Breitass gesetzt - andererseits erstaunt es mich, dass gar keine Wanten vorgesehen sind. Ich vermute, dass da eine etwas exzentrische Rekonstruktion verwendet wurde, die davon ausging, dass das Segel beim Segeln am Wind längsschiffs gestanden haben muss, und dass Wanten (Taue, die dem Mast seitlichen Halt verleihen) das nicht zugelassen hätten. Allerdings wäre der Mast, der umlegbar war und deshalb nur mit einem Keil gesichert im Mastschuh (oder Mastfisch) stand, dabei wahrscheinlich außenbords gegangen - wäre er fest verankert gewesen, wäre er bei dieser Kraftverteilung gebrochen. Ich halte mich lieber an einen "konventionelleren" und experimentell erprobten Takelplan.

Ich habe den Eindruck, dass die Gussformen schon älter sind oder vielleicht sogar aus den Beständen eines anderen Herstellers stammen. Bei Revell kannte man nicht einmal mehr den richtigen Maßstab des Modells ...

Schade finde ich auch, dass es außer den Riemen und den Breitassen keine weiteren "losen" Zubehörteile gibt - etwa Schiffskisten (auf denen die Ruderer saßen), Modelle der hervorragend erhaltenen Beiboote, oder ein Zelt, wie es auf Deck aufstellt werden konnte. Damit ließen sich auch verschiedene Versionen des Schiffes - unter Segeln, unter Riemen oder im Hafen - darstellen. Und irgendwie habe ich die Idee, dass Wikinger-Figuren im passenden Maßstab eine gute Ergänzung wären.

Mehr zu meinem Wikingerschiff, wenn das Modell fertiggestellt ist. Womit ich es nicht eilig habe, denn als "Malvorlage" taugt es schon im halbfertigen Zustand.

(Übrigen: einige meiner Zeichnungen und Gemälde habe ich in meinen Ipernity-Account gestellt.)

Donnerstag, 17. Januar 2008

Zitat des Tages

Ich mag auch keine Romane, in denen der Held ein Journalist und Chefredakteur ist. Journalisten eignen sich nicht für literarische Plots.
(Aus Burks' Blog - Tomás Eloy Martínez: Der Flug der Königin.)

Da ist etwas dran, sogar wenn es um Literatur ohne hohen "literarischen Anspruch" geht. Ich habe vor kurzem ein angefangenes Romanskript - das irgendwann einmal ein Kriminalroman werden sollte - in die berühmte Tonne getreten. Meine Zentralfigur sollte, anstelle des obligatorischen Kripo-Beamten oder Detektivs, ein investigativ arbeitender Journalist sein. Es haut einfach nicht hin, jedenfalls nicht dann, wenn ich die Arbeit des Journalisten einigermaßen realistisch beschreibe. (Wenn der Journalist nicht Ermittler, sondern Opfer oder Täter wäre, ginge es schon. Aber in diesem Fall würde der Journalist nicht den Plot tragen, sein Beruf wäre nur eine Facette im Opfer- bzw. Täterprofil.)

Um es kurz zu machen: die Ergebnisse einer investigativen Recherchen können spannend sein, die Recherche selbst ist es eher weniger.

Auch neu von Burks, auch sehr zu empfehlen: Drill für Dumpfbacken. (Interessant, was sogar bei der "jungle world" gestrichen wird.)

Donnerstag, 3. Januar 2008

The Professor!

The Professor: J. R. R. Tolkien

Ich hebe mein Horn auf den Professor, John R. R. Tolkien.
The 2008 birthday toast

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Dietrich Thor Steinars „Ring des Nibelungen“

Wagners monumentaler Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ gehört – trotz oder gerade wegen seiner Sperrigkeit – zu den meistinszenierten Opernzyklen der deutschen Musikliteratur. Ein Grund, weshalb der „Ring“ sich allzu gefälligen Interpretationen versagt, und anderseits immer wieder Regisseure zu neuen Interpretationen des Zyklus reizt, liegt in Wagners Germanenbild, das stark von nationalromantischen und „deutsch-völkischem“ Gedankengut beeinflusst wurde. Obwohl Wagner trotzt seines Antisemitismus kein Rechtsextremist, etwa im Sinne der späteren NSDAP, war, schätzten Nazi-„Größen“, allen voran Hitler, Wagners Opern über alle Maßen. Erwähnt werden müssen auch der „Flirt“ vieler Nachkommen und Verwandten Wagners mit den Nazis, und die Vorliebe einiger „kultivierterer“ Neonazis, die Wagner (verständlicherweise) primitivem Rechts-Rock oder rechten Liedermachern vom Schlage eines Frank „Troubadix“ Rennike vorziehen.

Darüber geriet eine andere musikalische Bearbeitung des alten Sagenstoffes völlig in Vergessenheit, die dem „deutsch-völkischen“ Germanenbild noch weitaus näher kommt als Wagners „Ring“ und die sich bei Rechtextremisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einiger Beliebtheit erfreute: Dietrich Thor Steinars „Ring des Nibelungen“, unter Opernkennern meist kurz "Thor Steinar Ring" genannt.

Dietrich Steinar, der sich wegen seiner Vorliebe für alles „nordisch-germanische“ auch in der Öffentlichkeit gerne „Thor“ nannte, wurde am 1. 4. 1888 als 3. von 8. Kindern des Preussischen Unteroffiziers und späteren Zollbeamten Jürgen Steinar und der Klavierlehrerin Trude Steinar (geb. Ackermann) im damals zur Preussischen Provinz Schleswig-Holstein gehörenden Dorf Sande geboren. Nach absolvierter Volksschule und anschließender Lehre im Einzelhandel komponierte Dietrich, dessen musikalisches Talent schon von seiner Mutter gefördert worden war, erste Lieder, die sich bei ländlichen Festen großer Beliebtheit erfreuten. Bei einem Besuch in Hamburg kam er 1910 zum ersten Mal in Kontakt mit der Musik seines großen Vorbildes, Richard Wagner: er wohnte einer Aufführung des „Fliegenden Holländers“ an der hamburgischen Staatsoper bei. Zu dieser Zeit entdeckte der junge Komponist die Schriften der Ariosophen Jörg Lanz „von Liebenfels“ und Guido „von“ List. Begeistert von den Rasse-, Elite- und Germanenphantasien der Ariosophen schloss er sich noch im selben Jahr einer kleinen völkisch-germanischen Sekte an, der „Groß-Germanischen Goden Gesellschaft“ (G.G.G.G.), die ihren Hauptsitz in Berlin hatte. 1912 regte das Sektenoberhaupt der G.G.G.G., Georg von Nehmwanich , Thor Steinar zu seinem Opernzyklus an. Von Nehmwanich glaubte durch intensive Textüberinterpretationen den einzig wahren und wissenschaftlich zweifelslosen Glauben „unserer slavischen Urväter“ gefunden zu haben (er meinte herausgefunden zu haben, dass Slawen, Germanen, Kelten, Finnen und Samojeden „im Grunde das selbe Volk“ seien). Er ergänzte die ältere isländische Edda durch Fragmente der neueren Edda, des Beowulfs, des Nibelungenliedes, der Odyssee, der Fabeln Äsops, des Alten Testaments, des tibetischen Totenbuches, des „Liber al“ Crowleys, der „Deutschen Mythologie“ Jakob Grimms, der Märchen der Gebrüder Grimm, der Märchen aus 1001er Nacht, des Gilgamesch-Epos, H. G. Wells „Zeitmaschine“, Petras Klöppers Kinderbuch „Der wilde Wikinger“ und zahlreicher anderer „unzweifelhaften Primärquellen“ zur „Traditionell Germanischen Edda“, auch „Heidenbibel“ genannt.
Da ihn störte, dass das, was Wagner in seinen Opern über die alten Germanen und ihre Götter dichtete nicht mit der historischen Wahrheit (sprich: seiner „Traditionell Germanischen Edda“) übereinstimmte, bat er seinen Freund Thor Steinar, den „Wahren Ring des Nibelungen“ zu schreiben.
Steinar stürzte sich in die Arbeit. Schon 1913 wurden die beiden ersten Opern des Zyklus, „Das Rheingold“ und „Die Wahlkürre“ (die ungewöhnliche Schreibweise geht auf Von Nehmwanich zurück) im Musikpavillion der Kurpromenade des vorpommerschen Ostseebades Steinwerder uraufgeführt. 1914 folgten „Der Wer-Wolf“, „Siegmunds Sieg“, „Hagens Holmgang“ und „Kriemhilds Krache“ (nicht, wie fälschlich oft geschrieben wird: „Rache“). Die abschließende Oper des Zyklus, „Das göttliche Gelage“ (wie von Nehmwanich „Ragnarök“ übersetzte) bliebt wegen des frühen Todes Steinars ein Fragment.

Seine Opern halten rein kompositorisch dem Vergleich mit Wagner in keiner Weise stand. Immerhin zeichnen sich seine Arien durch eine gewisse Originalität und unfreiwillig groteske Texte aus, und stellen selbst für ungeübte Sänger keine stimmliche Herausforderung dar. (Ein zeitgenössischer Kritiker meinte: “Ein Glück, dass das Orchester so laut krawallt, dass man die Sänger nicht hören muss.“)
Kompositorisch bediente sich Steinar einer Technik, die als „Klepto-Kreativität“ bekannt wurde. Er nahm Fragmente aus erfolgreichen Opern, aber auch Operetten, Musicals und Schlagern, montierte sie neu und modifizierte die so entstandenen Stücke so, dass die Urheberrechtsverletzung nicht sofort auffiel.
Die Texte bedienen sich ausgiebig des Stabreims; wenn etwas sich nicht auf Anhieb stabte, schreckte Steinar auch nicht vor orthographischen Anpassungen wie „Kriemhilds Krache“, „durch diese dohle Dasse duss der dommen“, oder „Heiliger Hohsack“ nicht zurück.
Inhaltlich war Thor Steinar völlig den völkischen und ariosophischen Idealen verpflichtet. Da nach ariosophischer Auffassung die zahlreichen Götter, wie sie aus der germanischen Volksreligion bekannt sind, für die ariogermanische Führerschicht, die Armanen, in Wirklichkeit ein Gott sind, werden alle Götterrollen von einem einzigen Sänger übernommen. Das setzt die Fähigkeit zum schnellen Kostümwechsel voraus, in den meisten Inszenierungen wechseln die Sänger nur das Attibut (Wotans Speer, Donars Hammer, Freijas goldenes Halsband, Lokes brennendes Feuerzeug ). Helden erkennt man bei Steinar äußerlich daran, dass sie hellhäutig sind, blaue Augen haben und hohe Schnürstiefel tragen. Blond müssen sie, wegen des extremen Kurzhaarschnittes, nicht unbedingt sein. Die Bösen sind stets Juden, Freimauer, christliche Geistliche, Kommunisten, Ausländer oder Sektenbeauftragte – meistens alles zusammen.

Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete sich Dietrich Steinar freiwillig zum Kriegsdienst. Nach der Grundausbildung wurde er zum 88. westfälischen Infanteriebattalion an die nordfranzösische Front versetzt. Er fiel beim schon beim ersten Einsatz. Sein „Spieß“, Hauptfeldwebel Alfred E. Neumann, erinnerte sich in seinen „Kriegstagebüchern“: „Steinar robbte sich bis auf 30 Meter an den französischen Schützengraben `ran. Dann stand der Idiot doch tatsächlich auf und stürmte mit „Hurrah!“ auf die Franzosen vor. Keine zwei Sekunden später war der Kerl ein Kugelsieb.“
Die Gebeine Steinars konnten später aufgrund der zahlreichen Einschussspuren eindeutig identifiziert werden.
Dietrich Thor Steinar und seine Opern erfreuten sich in den 20er Jahren bei jungen Nazis einiger Beliebtheit. 1935 verbot Hitler die Steinar-Verehrung „weil der Spinner deutschen Soldaten das denkbar schlechteste Vorbild gab.“
Im Soldatenjargon des 2. Weltkriegs nannte man Kleidungsstücke mit Einschusslöchern „Thor-Steinar-Mode“.

Heutzutage wird der "Thor Steinar Ring" kaum noch aufgeführt.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Literarisierung von Suchergebnissen, vor allem denen, die bisher mit unangenehmen Dingen, wie dem Nazi nahen Modelabel Thor Steinar verbunden sind. Es ist Teil der Aktion: “Thor Steinar’s Ring, ein Blog born hoax”.

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