Samstag, 27. Februar 2010

Alternativweltromane mit Tücken

Der "Alternativweltroman" gilt zurecht als die "hohe Schule" der Science Fiction bzw. hier wohl besser: Speculative Fiction. Spekulationen, wie die Welt hätte sein können, wenn es z. B. 1917 in Russland keine Oktoberrevolution gegeben hätte, wenn Abraham Lincoln nicht ermordet oder Adolf Hitler doch ermordet worden wäre, sind nicht nur reizvoll, sondern erfordern sehr viel historisches Wissen und noch mehr Gespür dafür, wie eine "alternative Realität" glaubwürdig gestaltet werden kann.

Verlagstexte gelten zurecht als wenig aussagekräftig für einen Roman - vor allem, wenn es um so ein anspruchsvolles Genre wie den Alternativweltroman geht.
Dennoch vermute ich, dass eine alternativhistorische Romanreihe, deren Prämisse auf der Verlagswebsite so vorgestellt wird, nichts taugt - zumindest nicht als Alternativhistorie:
Im Jahre 1918 schlägt „Die Schwarze Macht“ mit nie da gewesener Härte die Arbeiter- und Soldatenaufstände in Deutschland nieder. Das unterversorgte deutsche Heer entscheidet im Frühjahr 1919 mit der Eroberung von Paris den ersten Weltkrieg für sich.
Nach drei Jahrzehnten des Friedens entdecken deutsche Satelliten im Jahre 1949, dass die USA Anreicherungsanlagen für Uran bauen, um Atomwaffen herzustellen. Kaiser Friedrich IV. entschließt sich zur Bombardierung. Der Zweite Weltkrieg beginnt… und damit eine neue Zeitrechnung in der Geschichtsschreibung der Alternativweltromane.
Ausgangspunkt ist, dass Deutschland den ersten Weltkrieg gewonnen hätte. Das ist eine nicht ganz einfache Annahme angesichts der Tatsache, dass der Stabschef Erich von Falkenhayn den deutschen Reichskanzler Bethmann-Hollweg schon im Dezember 1914, also kein halbes Jahr nach Kriegsausbruch, darüber informierte, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen wäre. Die Regierung Bethmann-Hollweg (und wahrscheinlich auch der Kaiser) lehnten einen Verhandlungsfrieden trotzdem als "unannehmbar" ab. Das war das Todesurteil für einige hunderttausend Menschen. Es wurde nämlich nach 1914 nicht besser: je länger der Krieg sich hinzog, desto unwahrscheinlicher wurde ein deutscher Sieg. Spätestens ab 1917 war es dann praktisch unmöglich, auch nur halbwegs glimpflich aus dem Krieg herauszukommen. Schließlich musste auch die Oberste Heeresleitung zugeben, dass der Krieg verloren war, wobei die de facto Militärdiktatoren Ludendorf und Hindenburg sich aus der Verantwortung stahlen.
Alles in allem: wer das Deutsche Kaiserreich im Ersten Weltkrieg siegen lassen will, muss sich etwas einfallen lassen.
Der Autor, der unter dem bezeichnende Namen "Heinrich von Stahl" schreibt, macht es sich hingegen offensichtlich einfach. Die Annahme, der Krieg hätte doch noch gewonnen werden können, wenn nur die Aufstände im Jahr 1918 energisch niedergeschlagen worden wären, ist nur dann plausibel, wenn man die "Dolchstoßlegende" zumindest für teilweise wahr hält. (Das deutsche Heer sei "im Felde unbesiegt" geblieben und habe erst durch oppositionelle "vaterlandslose Gesellen" aus der Heimat einen "Dolchstoß von hinten" erhalten.)
Zwar räumt "von Stahl" ein, dass das deutsche Heer "unterversorgt" war (die Nachschubsituation war in Wirklichkeit im Oktober 1918 so verzweifelt, dass das Heer praktisch kampfunfähig war), aber dass das abgekämpfte Heer trotzdem irgendwie in der Lage gewesen wäre, Paris einzunehmen, riecht verdächtig nach nationalistischem Wunschdenken.
Noch mehr nach Wunschdenken riecht die Handlung 1949. Wie aus der Verlagswebsite hervorgeht, unterstellt "von Stahl", dass das Deutsche Kaiserreich zu diesem Zeitpunkt etwa ein technisches Niveau hätte, das dem der USA 1969 entspräche (es wird gerade ein bemannter Mondflug vorbereitet). Wichtiger ist aber für einen nationalen Wunschdenker, dass es einen "anderen" 2. Weltkrieg gibt, und dass es dieses Mal ein "gerechter Krieg" ist - schließlich basteln die Amerikaner an der Atombombe.

Ich habe mich dafür entscheiden, die Website des in Rede stehenden Verlages nicht zu verlinken, und auch seinen Namen und den der Romanserie nicht zu nennen, weil ich für ihn nicht noch mehr Werbung machen möchte.

"Das Monster ist da" - Angst frisst Freiheit auf!

Ein beängstigende Beobachtung vom Forum zur
Petion: Aufhebung des elektronischen Entgeltnachweises (ELENA) (via svenscholz.)
Habe versucht auf meiner Arbeitsstelle, auf das Problem ELENA aufmerksam zu machen, leider erfolglos.
Das Problem ist Angst hier zu zeichnen.
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Bei mir war das Gleiche ich hatte in mehreren Firmen versucht das zu verbreiten (selbst über den Betriebsrat). Es war als rede ich mit Wachsfiguren. Ich habe hunderte e-Mails geschrieben um die Leute zu mobilisieren - alles was ich erntete ist 5 Mitzeichner 5 Leute die sich um ihre Zukuft gedanken machen. Was mir aufgefallen ist, alle die ich angesprochen habe, haben Angst. Das Monster - Blos nichts falsches machen - ist schon da. Es ist nicht Lichtjahre entfernt, es ist bereits eingeführt!
Ich habe alles angeschrieben, was mir in den Sinn gekommen ist - Jede Radiostation - das TV - alle Zeitungen - NICHTS wirklich NICHTS nichtmal eine Antwort, dass da was angekommen ist.
ELENA - der "Elektronische Entgelt-Nachweis", ist schlimm für Demokratie und offene Gesellschaft- wie schlimm, erfährt man beim AK Vorratsdatenspeicherung ELENA

Noch schlimmer ist aber die Angst, sich "verdächtig" zu machen. Der Effekt war schon beim Protest gegen das "Zugangserschwernisgesetz" ("KiPo-Stopp-Schild" und die "Zensursula"-Kampagne dagegen) spürbar. Die Menschen haben Angst vor Repressionen, Angst vor dem Staat und vor allem Angst um den Arbeitsplatz und vor sozialen Abstieg. Massive Drohungen sind dabei gar nicht nötig.

Die Reaktion der Menschen bestätigt, dass ELENA - wie übrigens auch die Vorratsdatenspeicherung, das Zugangserschwernisgesetz oder die ständige Präsenz von Überwachungskameras - schon durch ihr bloßes Vorhandensein Verhaltensänderungen bewirkt - und zwar nicht "nur" am Arbeitsplatz.
Das Prinzip ist das des "Panopticon" des englischen Philosophen Jeremy Bentham, das "perfekten Gefängniss" in dem die Gefangenen zwar nicht ständig beobachtet werden, aber sich nie sicher sein können, im Moment nicht überwacht zu werden. Jederzeit könnten sie beobachtet und für als falsch gewertete Handlungen bestraft werden. Sie werden sich immer so verhalten, als ob sie genau beobachtet würden, auch wenn die Überwachung in der Praxis nicht allumfassend sein kann.

Und warum sind die Leute so "feige"? Leider oft aus Erfahrung. Mit der Kontrollmentalität in Unternehmen und Behörden hat wahrscheinlich jeder schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht - oder wenigstens von Menschen gehört, die aufgrund "aufmüpfigen" Verhaltens sanktioniert wurden. (Frei nach Mao : "Strafe einen, erziehe hundert!")
Es wäre naiv, darauf zu vertrauen, dass gesammelte Daten nicht missbraucht würden. Unter diesen Umständen - das muss man leider sagen - erfordert Widerspruch Mut. Noch nicht so viel wie in eine Diktatur, aber weitaus mehr, als noch vor wenigen Jahren.
Und genau das zeigt, wie sehr unsere Demokratie schon auf den Hund gekommen ist.

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