Sonntag, 31. Januar 2010

... und wieder mal: Die Top 10 der vernachlässigten Nachrichten

Die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung hat am Samstag, 30.1.2010, die TOP 10 der vernachlässigten Themen 2009 gewählt:
  1. Notstand im Krankenhaus: Pflegebedürftige allein gelassen
  2. Psychiatrie: Bundesregierung biegt UN-Konvention zurecht
  3. Kriegsberichterstattung lenkt von zivilen Friedensstrategien ab
  4. Rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt
  5. Lücken der Finanzaufsicht bei Kirchen
  6. Mangelhafte Deklarierung von Jodzusatz in Lebensmitteln
  7. Patente auf menschliche Gene und Gensequenzen
  8. Schulen für Gehörlose unterrichten keine Gebärdensprache
  9. Mangelnde Kontrolle deutscher Rüstungsexporte
  10. Sondermüll beim Bauen und Sanieren
Die Pressmitteilung der INA 2010 (als PDF) - Details zu den "Top 10" gibt es auch bei KoopTech - Die Top 10 der vernachlässigten Nachrichten 2009.

Nachtrag: die Juryberichte neuen "Top 10" sind online.

Die meisten der von den Medien vernachlässigten Nachrichten betreffen wieder einmal die "üblichen" Zensur- und Schönfärb-Felder - die "rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt" und die "mangelnde Kontrolle deutscher Rüstungsexporte" sind leider sogar echte "Evergreens". Ich habe das dumme Gefühl - wohlgemerkt ohne eine Verschwörungstheorie entwickeln zu wollen - dass die Propaganda und die damit einhergehende Selbstzensur und andere Manipulationsvorgänge koordiniert gesteuert werden. Diesen Verdacht haben auch die "NachDenkSeiten": Gibt es die zentrale Planungseinheit der neoliberalen Propaganda und Lobbyarbeit?

Wenn ich mich auf Rundfunk, Fernsehen und die üblichen Tageszeitungen verlassen würde, würde ich von den "Top 10 der vernachlässigten Nachrichten" allenfalls zwei oder drei überhaupt kennen. Zum Glück gibt es ja das Internet, und darin auch die gern von interessierten Seite (Verleger, Politiker, arrivierte Journalisten) als "irrelevant" gescholtenen Blogs.

Eine der Nachrichten hat mich dann doch überrascht.
8. Schulen für Gehörlose unterrichten keine Gebärdensprache

In den meisten deutschen Gehörlosenschulen wird den Schülern keine Gebärdensprache beigebracht. In Deutschland leben rund 80.000 Gehörlose. Wissenschaftler streiten seit Jahrzehnten darüber, ob sie die Gebärdensprache erlernen sollten. Häufigstes Gegenargument: Dadurch würden die Betroffenen aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Stattdessen sollten die Schüler die Lautsprache lernen. Kritiker wenden ein, dass nur 30 Prozent der gesprochenen Sprache von den Lippen abgelesen werden kann. In den Medien wird das Thema bestenfalls als fachpädagogische Debatte behandelt.
Ich hätte es einfach nicht für möglich gehalten - bzw. ich war überzeugt, dass dieser Missstand ein Übel von gestern wäre.

Allerdings habe ich ein klein wenig Kritik am Text der Meldung
"Sondermüll beim Bauen und Sanieren". Als Beispiel für einen für Mensch und Umwelt problematischen Baustoff wird ausgerechnet Styropor, also aufgeschäumtes Polystyrol genannt. Nun ist Polystyrol physiologisch unbedenklich und sogar für Lebensmittelverpackungen uneingeschränkt zugelassen. Völlig problemfrei ist die Entsorgung von Styropor zwar nicht - es entstehen bei der Verbrennung Ruß und gesundheitschädliche Gase, vor allem monomeres Styrol - aber insgesamt ist dieser Dämmstoff eher unproblematisch. Ein wirklich problematischer Baustoff kann z. B. Steinwolle sein - denn Fasern können durch Einatmen in den Körper gelangen und zu Gesundheitsschäden führen. Andere Problemfälle sind imprägniertes Holz (abhängig vom Imprägniermittel), Teppiche und Wandverkleidungen, aus denen Lösungsmittel ausgasen und natürlich die unzähligen "Altlasten" wie PCB-haltige Lacke und Dichtmassen.

Nachtrag, 03. Februar: Da es offensichtlich Missverständnisse um den Charakter dieser "Top 10" gibt:

Ziel der
Initiative Nachrichtenaufklärung ist es nach eigenen Angaben, wichtige Nachrichten und Themen (hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum), die in den Medien nicht genügend berücksichtigt wurden, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Die Kriterien für die Nominierung sind, dass sie:
  • der Bevölkerung in Deutschland (und Europa) bekannt sein sollten, zu denen sie aber nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang hat
  • für einen Großteil der Bevölkerung relevant sind
  • eindeutig konzipiert sind und auf zuverlässigen, überprüfbaren Quellen basieren
  • trotz ihrer Bedeutung noch nicht von den Medien (Tageszeitungen, Zeitschriften, Nachrichtenbriefe, Rundfunk, Fernsehen, Internet u.a.) aufgegriffen, bzw. recherchiert und veröffentlicht wurden
  • die in deutscher oder in einer anderen europäischen Sprache verfasst sind.

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