Samstag, 13. Dezember 2008

Worauf manche Leute stolz sind ...

Burkhard Schröder, mitlerweile besser bekannt als Bomben-Burks (obwohl weder eine Bombe gebaut noch böse Bombenbauanleitungen ins böse, böse Internet gestellt hat), ist stolz auf das Ergebnis, das er im Welt-online-Quiz über das alte Rom erzielte:
Da bin ich doch mal richtig stolz - weil ganz ohne Google und andere Hilfsmittel geschaft! Nachmachen - aber nicht schummeln!
- Burks kam, wie man hier sieht: Aufstieg und Fall des römischen Reiches auf immerhin 28 richtige Antworten.

Mein Testergebnis - natürlich auch ohne Google und andere Hilfsmittel erzielt - kann man hier nachsehen. (Ich war bisher der Ansicht, mich in altrömischer Geschichte so halbwegs auszukennen.)

Weitere interessante - und viel relevantere - neue Beiträge bei Burks:
Beugehaft, Zwangsgeld, Hausdurchsuchungen
Der Datenschutz ist ein Käse

Und nicht ganz neu, aber sehr wichtig, ist das: Keine VDS für Tor-Nodes

Wann ist ein "psychisch Kranker" krank?

bzw. "Was ist normal?"

Diese Frage geht dieses sehr interessante Interview auf Zeit.de nach:
Psychiatrie: "Manche Leute hören Engel" Der niederländische Psychiater Jim van Os beklagt darin, wie willkürlich die Zuordnung von psychischen Krankheiten getroffen wird. Für ihn bestimmt der Leidensdruck den Therapiebedarf.
Ein pragmatischer und praxisnaher Ansatz: mit einer milden Form des Asperger-Syndroms ist in der Regel weder ein Leidensdruck für den Betroffenen verbunden, noch beeinträchtigt oder gefährdet er seine Mitmenschen. Tatsächlich müssen viele Genies, vor allem solche auf künstlerischem oder mathematischen Gebiet, als "Aspergis" gelten - gesamtgesellschaftlich ist diese "psychische Anomalität" wahrscheinlich nützlich. Das schreibe ich ausdrücklich, weil es leider üblich ist, "Krankheiten" oder auch nur bestimmte Syndrome sozusagen nach Euro und Cent aufzurechnen: "Allein in Deutschland verursachen (z. B. Depressionen) jedes Jahr einen gesamtwirtschaftliche Schaden von (n) Millionen Euro." - Was ich wieder als "gesellschaftliche Syndrom eines ins rein Ökonomische gewendeten Utilitarismus" umschreiben könnte: "Nützlich ist, was materielle Werte schafft."
Oder was im Alltag heißt, dass Krankheit mit "Arbeitsunfähigkeit" gleichgesetzt wird - wer sich durch acht Stunden am Arbeitsplatz irgendwie durchquält, ist eben "gesund", unabhängig vom Leidensdruck.
Man muss nicht Psychiatrie-Kritiker im Sinne Michel Foucault sein, um zu erkennen, dass "psychische Krankheiten" gesellschaftlich konstruiert" sind. Es hängt vom gesellschaftlichem Umfeld ab, ob jemand, der "Stimmen hört", ohne darunter zu leiden, dennoch respektiert (wie die "Stimmenhörer" Sokrates und Goethe), als "Spinner" ausgegrenzt, als "Kranker" zwangstherapiert, als "Besessener" verfolgt, oder als "Medium" verehrt wird.
Eine weiteres gesellschaftliches Phänomen, das van Os erwähnt, schließt unmittelbar daran an:
Dass Menschen wegen psychischer Probleme den Arzt aufsuchen, ist nicht sehr häufig. Aber ich gebe zu, dass es eine Tendenz gibt, normale menschliche Erfahrungen zu psychiatrisieren. Es geht immer darum, eine Diagnose aufzuschreiben. Aber eine Diagnose zu haben heißt nicht unbedingt, dass man eine Behandlung braucht. Die meisten Krankheiten im
ICD-10
verschwinden von selbst.
Klassisches Beispiel ist der gewöhnliche Schnupfen, der ohne ärztliche Behandlung 14 Tage und mit Arzt zwei Wochen dauert. Auf psychiatrischem Gebiet wäre die "saisonale depressive Verstimmung" das Gegenstück zum Schnupfen - erst wenn die Beschwerden über längere Zeit anhalten, wird eine behandlungsbedürftige Krankheit daraus. (Allerdings darf nicht verschwiegen werden, was an im Grunde überflüssigen Medikamenten gegen den einfachen Schnupfen verdient wird - und wie viele Antidepressiva nur aufgrund vorübergehender "Tiefs" verordnet werden.)
Ein anderes Problem besteht darin, dass "normale" Verhaltensweisen pathologisiert werden. Ein Beispiel: es ist völlig normal, dass jemand, der sich längere Zeit überarbeitet hat oder der am Arbeitsplatz dauernd überfordert wird, oder auch jemand, der aus Ehrgeiz oder Verantwortungsgefühl Selbstausbeutung betreibt "zusammenklappt", "fix und fertig" oder "ausgebrannt" ist. Macht man ein "Burn-Out-Syndrom" daraus, was ja im Wortsinn nicht anderes bedeutet, verschiebt sich Wahrnehmung ins "Medizinisch-Therapeutische", weg von den Arbeitsbedingungen, hin zum "kranken" Betroffenen. Nicht selten helfen dann Medikamente dabei, "durchzuhalten". Es gibt sogar Unternehmen, die eine "Burn-Out-Prophylaxe" betreiben - wozu in der Regel nicht "weniger Stress am Arbeitsplatz", sondern z. B. das (an sich sinnvolle) Erlernen von Entspannungstechniken gehört. In der Tendenz wird also der arbeitende Mensch an die Arbeit angepasst, und nicht umgekehrt.
Beim Wort "Prophylaxe" sind wir bei den Befürwortern eines Präventionsstaates - ein Staat, welcher die ihm zur Verfügung stehenden Informationen, die nicht zuletzt durch permanente Überwachung der Bürger gewonnen werden, massiv einsetzt, um unerwünschtes Verhalten der Bürger von vornherein zu verhindern. Die Unschuldsvermutung ist im Präventionsstaat ausgehebelt, einfach, weil ein "Gefährder" ja noch nicht schuldhaft oder auch nur fahrlässig gehandelt hat - es besteht lediglich die Gefahr, dass er gefährlich werden könnte - weshalb der Gefährder präventiv "ausgeschaltet" werden muss.

Der Eindruck, die Befürworter des Präventionsstaates verhielten sich paranoid, mag naheliegend sein, es ist aber falsch, Politiker oder Sicherheitsexperten, die sich, mehr oder weniger verbrämt, euphemistisch umschrieben oder demonstrativ panisch für mehr Prävention durch mehr Überwachung einsetzen, "Paranoiker" zu nennen.
Abgesehen davon, dass diese "Diagnose" in den meisten Fälle nicht zutreffen dürfte, trägt das zum achselzuckenden Fatalismus bei: "Die sind halt so, da kann man nichts machen." - Was ein ähnlich kontraproduktiver resignierender Spruch wie das berüchtigte "die da oben machen ja doch, was sie wollen" ist. Resignation stärkt unbeabsichtigt die autoritären Strukturen, unter denen der Resignierende leidet.

Noch eine Feststellung van Os ist bemerkenswert:
Wir Psychiater werden als die schlechten Kerle angesehen, weil wir bedrohliche Dinge mit Menschen anstellen, die wunderbar romantische Krankheiten haben.
Damit spiel er auf die problematische Neigung vieler Psychiatriekritiker an, Zustände wie Depression oder auch bestimmte Formen der Schizophrenie nicht nur verharmlosen, sondern regelrecht verherrlichen, ohne Rücksicht auf den Leidensdruck oder auch konkrete Gefahren für Mitmenschen.

Freitag, 12. Dezember 2008

Stoibers Vision wird Wirklichkeit - allerdings nicht in München ...

Wenn Sie vom S-Bahnhof in Barmbek mit zehn Minuten ohne daß Sie am Flughafen noch einchecken müssen dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am … am S-Bahnhof in Barmbek starten Sie ihren Flug zehn Minuten — schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an wenn Sie in Heathrow in London oder sonstwo meines Charles de Gaulle in äh Frankreich oder in äh in … in Rom wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen dann werden Sie feststellen daß zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen um ihr Gate zu finden — Wenn Sie vom Flug — äh vom S-Bahnhof starten Sie steigen in den S-Bahnhof Barmbek ein Sie fahren mit der S-Bahn in zehn Minuten an den Flughafen in an den Flughafen Hamburg-Airport dann starten Sie praktisch hier am S-Bahnhof in Barmbek — das bedeutet natürlich daß der S-Bahnhof im Grunde genommen näher an Hamburg an die hamburgischen Stadtteile heranwächst weil das ja klar ist weil aus dem S-Bahnhof viele Linien aus Hamburg zusammenlaufen.
Gefunden auf dem Barmblog Nord aus dem Hamburger Stadtteil Barmbek-Nord (dem Geburtsort von so bedeutenden Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt, Hans Apel, Ralph Giordano, Andreas Brehme, Lotto King Karl und Martin Marheinecke).

Hintergrund: Heute, am 12. 12. 2008, wird die neue S-Bahn-Strecke zum Hamburger Flughafen eröffnet.
Vom Hamburger Hauptbahnhof bis zum Flughafen braucht die S-Bahn nur 25 Minuten - was im Vergleich zu anderen Städten sehr schnell ist. (Und ganz ohne Transrapid.)

Dienstag, 9. Dezember 2008

Eine Erfindung, die die Welt verändert

Vielleicht wird durch einen technischen Durchbruch der Alptraum aller Geheimdienste bald wahr: eine Verbindung, die aus physikalischen Gründen nicht unbemerkt abgehört werden kann:
Durchbruch in der Quantenkommunikation. Die Quantenkommunikation ermöglicht es, vertrauliche Informationen, z. B. Kreditkartennummern, mit absoluter Sicherheit zu übermitteln. (Genauer gesagt bedient man sich hierzu der Quantenkryptographie.) Will man mithilfe der Quantenmechanik verschlüsselten Daten über große Entfernungen übertragen, muss man der unvermeidbaren Abschwächung des übermittelten Signals entgegenwirken. Deswegen werden zur Herstellung einer Verbindung Zwischenstationen, so genannte Quanten-Repeater, benötigt, die einen speziellen Speicher besitzen. Die bisher mögliche Speicherzeit begrenzte die Kommunikationsdistanz auf wenige Kilometer.

Nun haben Physiker um Professor Jian-Wei Pan von der Universität Heidelberg zusammen mit Kollegen der University of Science and Technology of China und der Technischen Universität (TU) Wien diesen Quantenspeicher so verbessert, dass eine Quantenkommunikation auch über größere Distanzen möglich ist. Die Wissenschaftler erwarten, dass durch die weitere Verbesserung ihres Speichers in den kommenden Jahren die maximalen Übertragungsdistanzen so weit gesteigert werden, dass ein sicheres Kommunikationsnetz mit Quanten-Repeatern für ganz Europa möglich wird.

Welche Konsequenzen ein überall verfügbares, absolut abhörsicheres Kommunikationsnetz haben wird, kann man heute nur vermuten. Schon die allgemein verfügbare, sehr sichere "starke Kryptographie", die Programmen wie PGP zugrundeliegt, bereitet den Behörden Sorgen.
Eine Reaktion auf verschlüsselte Kommunikation ist die
Quellen-Telekommunikations-Überwachung, bei der ein auf dem Computer, mit dem z. B. über Skype telefoniert wird, heimlich ein Programm installiert, welches die Kommunikation vor der Verschlüsselung mitschneidet. Auch der viel diskutierte (und wahrscheinlich technisch nicht realisierbare) "Bundestrojaner" entspringt dem Wunsch, die (praktisch nicht brechbare) Verschlüsselung zu umgehen.
Letzten Endes beruht auch die Quantenkryptographie auf herkömmlichen starken Schlüsselverfahren, beseitigt aber die Schwachstelle: den Schlüsseltausch. Die Sicherheit der verschiedenen Verfahren der Quantenkryptografie entsteht dadurch, dass ein Angreifer, der die Schlüsselübertragung abhört, bemerkt wird. Stellt man fest, dass die Übertragung belauscht wurde, verwirft man den übertragenen Schlüssel und beginnt die Schlüsselerzeugung und -übertragung neu. Auch Man-in-The-Middle-Angriffe, die z. B. beim Online-Banking mittels TAN ein Risiko darstellen, und die - vielleicht - eine Möglichkeit darstellen könnten, Software zur "Online-Überwachung" ohne Wohnungseinbruch zu installieren, können in der Quantenkryptografie ausgeschlossen werden.

Ob die Quantenkryptographie das faktische Ende des Überwachungsstaats bedeutet, oder im Gegenteil die Entwicklung hin zum Polizeistaat beschleunigt, lässt sich leider nicht sagen.

Eines ist aber gewiss: es wird unsere Welt verändern. (Und die Schäubles dieser Welt noch mehr verwirren.)

Noch etwas - nicht die Welt, aber unseren Alltag veränderte diese "kleine" große Erfindung: Vor genau 40 Jahren wurde die
X-Y-Positionsanzeigesteuerung für die Bewegung per Hand über eine beliebige Oberfläche zur Verschiebung eines Positionsanzeigers auf dem Bildschirm
vorgestellt.

Da sage noch einer, Juraprofessoren hätten keinen Humor

Internetrechtler: Vorratsdatenspeicherung dient dem Schutz der Menschenwürde.
Guter Witz, schön trocken serviert.

Dachte ich, bis ich merkte: der Mann meint es ernst.
Und klar, was mit Kinderpornographie ist natürlich auch dabei:
Zur Begründung seiner These verwies Heckmann, der auf dem Wissenschaftsforum "Vertraue niemand" der Wochenzeitung Die Zeit in Berlin sprach, auf ein jüngst veröffentlichtes Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieses kritisiert die finnische Regierung in einem Fall mit kinderpornographischen Hintergrund, dass sie nicht schon 1999 ein Rahmenwerk zur Aufdeckung der Nutzer hinter einer IP-Adresse in Kraft gesetzt habe.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Nein, ich habe es nicht vergessen!

Wie schon letztes und vorletztes Jahr:
Mal sehen, ob er noch da ist, der Jul-Bock von Gävle.

Kein Wunder, dass es "immer mehr Kinderpornos" gibt ...

... wenn z. B. in Großbritannien sogar schon Wikipedia-Artikel gesperrt werden - heise: Britische Provider sperren Wikipedia-Artikel - wikinews: UK ISPs erect 'Great Firewall of Britain' to censor Wikimedia sites

Übrigens handelt es sich bei dem kinderpornographieverdächtigen Bild um ein Plattencover der deutschen Hard-Rock-Band "Scorpions", das alte Cover von Virgin Killer.
Wenn man den Maßstab, was "sperrungswürdige" KiPo auf diesem Niveau ansetzt, braucht man nicht mehr über die "gewaltige Zunahme von Kinderpornografie im Netz" wundern.

Wundern kann man sich dagegen, wieso so viele Befürworter der Seitensperrung (darunter bekanntlich Bundesfamilienministerin von der Leyen) glauben, dass diese Form der Netzzensur überhaupt wirksam ist. Die Frage, ob sie dann auch gegen KiPo sinnvoll sei, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Außerdem zeugt die britische Sperraktion von einem - vorsichtig formuliert - lückenhaftem Verständnis der Funktionsweise des WorldWideWeb:
Doch anstatt das beanstandete Bild selbst zu blockieren, haben die Verantwortlichen offenbar nur den Artikel über das Album auf die Filter-Liste gesetzt. Wer den Artikel direkt aufrufen will, bekommt entweder eine nichtssagende Fehlermeldung oder eine leere Seite angezeigt. Das beanstandete Bild ist weiterhin abrufbar – jedoch ohne den erläuternden Kontext des Wikipedia-Artikels.
(heise).

Warum das Ganze? Mir fallen mehrere mögliche Gründe ein:
  • Purer Aktionismus - "wir tun was" - gegen etwas, das fast vom der ganzen Bevölkerung - zurecht - entschieden abgelehnt wird.
  • Technische Ignoranz, verbunden mit Technikgläubigkeit: Die für solche Aktionen Verantwortlichen verstehen einerseits "das Internet" nicht (wahrscheinlich ist es ihnen sogar unheimlich), anderseits vertrauen sie Experten, die ihnen versprechen, das Problem durch ein paar technische Maßnahmen aus der Welt schaffen zu können.
  • Wahltaktik: Zuerst dem Wahlvolk Angst einjagen - "immer mehr Kinderpornos im Internet" - und sich dann durch die Bekämpfung einer Stohpuppe profilieren (ohne dass auch nur ein echter Fall von sexualisierter Kindesmisshandlung - wozu "echte" Kinderpornographie fraglos gehört - aufgeklärt oder verhindert würde).
  • Ein Vorwand, um weitreichende Zensurgesetze und -techniken zu rechtfertigen und zu installieren. "Wenn selbst Seitensperrung nicht hilft ..."
Ich vermute übrigens auf der Seite der politisch Verantwortlichen eine Mischung aus Naivität (hinsichtlich der Technik) einerseits und machtpolitischer Abgebrühtheit andererseits. Und natürlich Angst. Sehr viel Angst. Auch und gerade vor dem eigenen Volk.

Samstag, 6. Dezember 2008

Mobiltelefone beeinträchtigen im Tierversuch das Gedächtnis

Kann die Mikrowellen-Strahlung von Handys das Gedächtnis beeinflussen? Ja, zumindest deuten Versuche an Ratten, die in der neurochirurgischen Abteilung der Universität von Lund, Schweden, darauf hin. Henrietta Nittby untersuchte Ratten, die der Mobiltelefon-Strahlung für jeweils zwei Stunden täglich ein Jahr lang ausgesetzt waren. Diese Ratten erzielten bei einem Gedächtnis-Test schlechtere Ergebnisse als Ratten, die keiner Strahlung ausgesetzt waren.

Ausführliche Meldung (in englischer Sprache): Mobile phones affect memory in laboratory animals.

Studien über die Gefährlichkeit und Ungefährlichkeit von "Handy-Strahlung" gibt es viele, der Aussagewert der meisten ist eher fragwürdig.
Das interessante an den Erkenntnissen der Uni Lund ist, dass sie möglicherweise mit früheren Erkenntnissen, nach denen Mikrowellen die Blut-Hirnschranke beeinflussen kann, zusammenhängen. Diese Schranke bewahrt normalerweise das Gehirn vor nervenschädigenden Substanzen, die im Blut zirkulieren.
Ein Team unter Leif Salford hatte ebenfalls an der Uni Lund herausgefunden, dass Albumin, ein Protein, dass als als Transportmolekül im Blut fungiert, in das Gehirngeweben eindringt, wenn Versuchstiers der Strahlung von Mobiletelefonen ausgesetzt sind.

Die Ergebnisse sind kein Anlass zur Panik - allerdings einer zur Vorsicht. Es ist sicher nicht verkehrt, beim Kauf eines Handys auf die Strahlungsstärke (SAR-Wert) und die Antennencharakteristik des Telefons zu achten. (Die meisten modernen Handys strahlen z. B. "vom Kopf weg".) Vieltelefonierer sollten vielleicht besser mit Headset oder Freisprechanlage telefonieren.

Alle Handys im SAR-Ranking (xonio.com)

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Schwerverbrecher, hinter jeder Ecke Schwerverbrecher

Bekanntlich werden In Großbritannien sogar Müllsünder auf Grundlage eines Anti-Terror-Gesetzes von Kommunen ausspioniert.
Wenn man schon so tolle Gesetze und so tolle teure Überwachungstechnik hat, dann wendet man sie auch an. Terroristen gibt es wenige. Müllsünder viele. Ist zwar ein wenig so, wie Mückenjagd mit dem Vorschlaghammer, Blattlausvernichtung mit dem Flammenwerfer oder Stadttauben-Bekämpfung mit einer 35 mm-Flak - aber wenn man das Zeugs schon mal hat ...

Das gilt natürlich auch für die Vorratsdatenspeicherung. Wir erinnern uns: Das Bundesverfassungsgericht hat per einstweiliger Anordnung den Zugriff ausdrücklich auf Fälle beschränkt, in denen Gegenstand des Ermittlungsverfahrens eine schwere Straftat im Sinne des § 100a Abs. 2 StPO ist, die auch im Einzelfall schwer wiegt, der Verdacht durch bestimmte Tatsachen begründet ist und die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise wesentlich erschwert oder aussichtslos wäre. (Info via Udos Law Blog).
Innerhalb von drei Monaten sollen Ermittlungsbehörden (mit richterlicher Erlaubnis) schon fast 2200-mal auf Vorratsdaten zugegriffen haben. Diese Zahl ergibt sich laut SpOn aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Fraktion.

Sicherheitsfanatikerexperten werden das möglicherweise als Indiz dafür halten, wie schrecklich viele Schwerverbrecher es doch gäbe, und wie leistungsfähig das Werkzeug Vorratsdatenspeicherung doch in der Kriminalitätsbekämpfung sei. Meiner Ansicht nach zeigen die Zahlen nur, wie gleichgültig Entscheidungen des Verfassungsgerichts genommen werden - und wie "wirksam" der viel beschworene Richtervorbehalt ist.
Außerdem gäbe es es noch die gern genutzte Möglichkeit der kreativen Gesetzesinterpretation, nach der z. B. ein Blogbeitrag über Sprengstoffchemie ganz schnell zur "Bombenbauanleitung im Internet" mutieren kann - und diese angebliche Bauanleitung wiederum schnell zum Verstoß gegen § 40 Waffengesetz ("Verbotene Waffen").

Damit dürfte auch klar sein, wieso die CDU ein Bekenntnis zur deutschen Sprache ins Grundgesetz aufnehmen will. Damit in Zukunft die Verfassung wenigsten in einem Punkt mit der gesellschaftlichen Realität übereinstimmt.

Übrigens: "Man kann das Grundgesetz auch dann mit den Füßen treten, wenn man im Rollstuhl sitzt."

Innovationspreis: Herzklappen und Herzlosigkeit

Als die Kandidaten für den Deutschen Zukunftspreis 2008 nominiert wurden, da hatte ich einen eindeutigen Favoriten (Deutscher Zukunftspreis: die Kandidaten stehen fest):
Das Team um Professor Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde für die "mitwachsende Herzklappe" zunächst für den Zukunftspreis 2008 nominiert, und dann wieder ausgeladen - wegen patentrechtlicher Unklarheiten.

Nach eigenen Angaben hatten die Forscher herzkranken Kindern die Klappen weltweit. Doch Mediziner der Berliner Charité sahen das anders, denn die Klinik für Herzchirurgie hatte bereits im Jahr 2000 ein Biotechnologieunternehmen ausgegründet, das Patente für mitwachsende Klappen anmeldete.
Nun sollen Patentanwälte den Streit klären.

Bei "rein wissenschaftlichen" Prioritätsstreitigkeiten ist es nicht unüblich, die Preise einfach zu teilen. Zumal das Team in Berlin offenbar zuerst die Idee hatte, während das Team in Hannover sie als erste praktisch anwendetet.
Eine derartige "solomonische" Entscheidung ist angesichts der Tatsache, dass es um Patentrechte - und damit möglicherweise um viel Geld - geht, nicht möglich. Es kann sogar sein, dass die chirurgische Pionierleistung in Hannover mit lizenzrechtlichen Sanktionen geahndet wird. Geschenkt wird da nichts.

Das Erfinden und das patentrechtliche Aufwerten von Erfindungen ist nun einmal ein knallhartes Geschäft und der Bereich der Medizin ist leider keine Ausnahme. (Man denke z. B. an patent-geschützte AIDS-Medikamente, die aufgrund der Lizenzsabgaben an den Patentinhaber - der entgegen eine weit verbreiteten Vorstellung nicht immer das "forschende Pharmaunternehmen" ist - zu teuer für den Einsatz etwa im südlichen Afrika sind. Patentschutz behindert nach wie vor die Behandlung von HIV/Aids-Patienten in Entwicklungsländern.)

Das ist besonders schade, denn das Projekt hätte m. E. den Preis wirklich verdient: Bisher war Herzklappen-Ersatz bei Kindern wegen des Wachstums ein riesiges Problem. Sehr oft muss man so lange warten, bis das Kind ausgewachsen ist, um dann eine künstliche Klappe einzusetzen - wobei das "Abwarten" oft mit Folgeschäden und fast immer mit verminderter Lebensqualität einhergeht. Hinzu kommt, dass die "mitwachsende Herzklappe" ein biologisch vollwertiger Ersatz einer natürlichen Herzklappe mit nahezu unbegrenzter Haltbarkeit ist - während bei künstlichen Herzklappen lebenslang blutgerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden müssen.

Die übrigen drei Vorschläge sind solide Ingenieurskunst, aber eben keine "großen Erfindungen" mit ermutigender Signalwirkung. Wahrschein hat der Patentstreit um die mitwachsenden Herzklappen eine negative Signalwirkung über den "Forschungsstandort Deutschland" hinaus: "Probiere bloß nicht Neues aus, es könnten irgendwo Patentrechte drauf liegen!"

Gewonnen hat übrigens:

Smarte Sensoren erobern Konsumelektronik, Industrie und Medizin
Dr. Jiri Marek (Sprecher)
Dr. Michael Offenberg
Dr. Frank Melzer
Robert Bosch GmbH, Reutlingen
Bosch Sensortec GmbH, Reutlingen

Montag, 1. Dezember 2008

Bundesregierung zieht Konsequenzen aus den Anschlägen in Mumbai (Satire)

Offensichtlich kamen in die Attentäter vom Meer her mit Schlauchbooten nach Mumbai: MUMBAI-ANSCHLÄGE: Polizei verhört überlebenden Terroristen.(SpOn)
Angriff auf Bombay: Der Terror kam mit dem Schlauchboot (Bild.de)

Der Frisurenbeauftragte innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, wies in einer eilig anberaumten Pressekonferenz auf die alarmierende Tatsache hin, dass es allein in Deutschland fast 2 Millionen Schlauchboote gäbe - "und keiner kann sagen, wem sie gehören und was ihre Besitzer damit vorhaben". Er unterstützt den Vorschlag des BKA-Präsidenten Zirke, der ein zentrales Schlauchbootbesitzer-Register beim BKA fordert.
Bundesinnenminister Schäuble (CDU) sagte, er sei erschüttert, dass man potenzielle Werkzeuge des Terrorismus "einfach so" im Einzelhandel erwerben könne. "Bei jeder Flasche Bier wird vom Verkäufer verlangt, dass er sich den Ausweis des Kunden vorlegen lässt. Aber ein Schlauchboot kann man kaufen, ohne auch nur ausweisen zu müssen!" Jeder minderjährige Killerspielerkonsument, jeder islamischer Fanatiker, jeder Neonazi und jeder linksautonome Chaot könne in Deutschland einfach an ein Schlauchboot kommen. Schlauchboote würden sogar über das Internet verkauft werden, und es gäbe nach Angaben von "Leuten, die es wissen müssen" zehntausende Schlauchboot-Foren im Internet. Er wies darauf hin, dass einer der Bombenbauer der "Sauerlandgruppe" Mitglied in einem Wassersportverein gewesen sein soll, "wo er auch den Umgang mit Schlauchbooten erlernte, sowohl solchen, die mit Außenbordmotoren wie solchen, die von den besonders heimtückischen, weil fast lautlosen, Rudern angetrieben werden". Er forderte, dass der bislang sträflich vernachlässigte Bereich des organisierten Schlauchboothandels in das neue BKA-Gesetz aufgenommen werden muss. Er will nicht daran schuld sein, wenn demnächst Schlauchbootterroristen in Westerland auf Sylt Luxushotels überfallen. "Und stellen Sie sich vor, was so ein Schlauchboot im Hamburger Hafen anrichten könnte!"
Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte, dass Freizeit-Schlauchbootfahrerei in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden solle, damit es spürbare Strafen gäbe. Er warnte davor, dass man sich im küstenfernen München nicht in Sicherheit wiegen dürfe, "denn die Isar ist sogar bei Niedrigwasser mit Schlauchbooten befahrbar".
Dr. Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wies die Vorwürfe der "Grünen", der gesetzgeberische Aktionismus sei Folge einer Schlauchboothysterie, empört zurück: Viele prominente "Grüne" seien früher "Greenpeace"-Aktivisten gewesen und hätten zum Beispiel "die ordnungsgemäße Endlagerung von verbrauchten Chemikalien durch Einlagerung in Salzwasser" durch "brutale Schlauchbootaktionen" verhindert. Sie sollten sich erst einmal um ihre eigene Schlauchboot-Terror-Vergangenheit kümmern, anstatt die dringend nötigen Anti-Schlauchboot-Gesetze zu blockieren.
Bundeskanzlerin Merkel (CDU) empörte sich über die Kritik der "Linken". Damals in der DDR wäre der Besitz von Schlauchbooten streng von der Stasi kontrolliert worden. Es sei heuchlerisch, wenn heute Politiker sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen verhindern wollen, die damals genau solche Sicherheitsmaßnahmen in der DDR mitgetragen hätten.
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wies darauf hin, dass auch die somalischen Piraten Schlauchboote verwenden würden. Zwar seien die Schiffe der deutschen Marine ausreichend mit eigenen Schlauchbooten und Anti-Schlauchboot-Waffen ausgerüstet, aber der internationalen Proliferation von Schlauchbooten und ähnlichen Kleinwaffenträgern müsse dringend ein Riegel vorgeschoben werden.

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