Mittwoch, 31. Dezember 2008

Thor - der Film

Silvester - Zeit für einen Blick in die Zukunft.
Ausnahmsweise berichte ich in dieser Rubrik deshalb einmal nicht von einem existierenden "gut-doofen" Film, sondern einem Film, der (wenn alles gut geht) gute Aussichten hat, ein "gut-doofer" Film zu werden.

Bekanntlich diente der Donnergott Thor, der Sohn der Erde, bekannt und beliebt als Beschützer der Menschen vor Naturgewalten, u. A. zuständig für Regen und Fruchtbarkeit - als Vorbild für einen von Stan Lee erdachten und von
Jack Kirby
zeichnerisch realisierten Comic-Superhelden: The Mighty Thor.
Thor-272

In Zeiten wie diesen liegt die Frage nicht fern, ob nicht die heutigen Freunde / Verehrer dieses Gottes (zu denen ich mich zähle) die Comic-Version als "Blasphemie" betrachten. Von den mir bekannten Ásatrúar wüsste ich keinen, der das so sieht - auch wenn längst nicht alle den Comic-Thor mögen. Ich kenne zwar einen gewissen Allsherjargoden, der nach katholischem Vorbild gerne mal mit dem Begriff "Blasphemie" operiert, kann aber nicht sagen, wie dieser Herr zu Comics im Allgemeinen und "Thor" im Besonderen steht. Wenn "Thor" ihm persönlich nicht gefällt, wird er automatisch "blasphemisch" sein - so einfach ist das beim GGGoden!

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Nazitrus, z. B. der Marke Artgemeinschaft, "Thor" verabscheuen - wenn auch hauptsächlich deshalb, weil amerikanische Superheldencomics schon mal aus Prinzip "undeutsch" und "kulturzersetzend" sind, und selbstverständlich auch, weil Stan Lee und Jack Kirby Juden sind.
Was Thor angeht, weiß ich nicht, was er persönlich davon hält. Er hat allerdings Humor. Wie die meisten seiner Fans (außer den falschen).

Zum Filmprojekt: Der Film wird von Paramount produziert. Das Drehbuch für den Thor-Spielfilm wurde von Mark Protosevich ("I Am Legend") geschrieben (Joseph Michael Straczynski ("Babylon 5"), der für die "Thor"-Comic-Serie schreibt, soll das Scipt überarbeitet haben). Protosevich beschrieb im Dezember 2007 seinen Entwurf als eine Superhelden-Ursprungs-Story, allerdings nicht (wie im "normalen" Superhelden-Film) über einen Menschen, der Superkräfte entwickelt, sondern über einen Gott, der seine wirklichen Fähigkeiten entdeckt. Etwas rätselhaft ist seine Bemerkung, es sei die Geschichte eines alttestamentarischen Gottes, der ein Gott des neuen Testaments wird. (Ich war bisher der Ansicht, dass es in der Bibel nur einen Gott gäbe und das Thor - sowohl der Gott wie auch der Comic-Held - mit der Bibel herzlich wenig zu tun hätte.)
Lange Zeit war unsicher, ob das Filmprojekt je realisiert werden würde, und wenn, in welcher Form. Erst in diesem Monat (Dezember 2008) bestätigte Kenneth Branagh, dass er Regie führen wird. Wenn alles wie geplant läuft, wird der Film im Juli 2010 in die Kinos kommen.
Wer den "Mächtigen Thor" spielen wird, ist mir noch nicht bekannt, das Casting müsste theoretisch längst im Gange sein.

SFF-media: Branagh breaks silence about Thor movie
rottentomatoes:
Another superhero movie and "Thor" is coming

Weshalb ich bestenfalls mit einem "gut-doofen", aber nicht wirklich mit einen guten Film rechne, liegt daran, dass "The Mighty Thor" als Superheld vergleichsweise albern wirkt - jedenfalls im Vergleich mit seinen Marvel-Kollegen Spiderman, den X-Men, Ironman, Daredevil usw. - oder auch Batman (von DC). "Thor" hat, darin "Superman" ähnlich, einfach zu viele zu starke "Superkräfte", um für ein "erwachsenes" Publikum wirklich überzeugend zu sein.

Nicht zu verwechseln mit der Comic-Verfilmung ist ein isländisches Filmprojekt, das ebenfalls für 2010 angekündigt ist: eddische Mythen als computeranimierten Film - Thor the Movie. Die graphische Gestaltung der Helden lässt mich befürchten, dass der Film - egal, wie das Drehbuch mit den alte Mythen umgeht - Gefahr läuft, "doof" zu werden.

Wie man aus eddischen Texten einen charmanten, unterhaltsamen und der Mythologie inhaltlich gerecht werdenden Zeichentrickfilm macht, zeigte schon 1986 eine dänische Comicverfilmung: Valhalla nach den gleichnamigen Comicalben von
Peter Madsen.

filmplakat

Dienstag, 30. Dezember 2008

Plastikschamanen?

Ich gebe ohne Weiteres zu, dass ich Heide (und schlimmer noch: Neuheide der bösen, bösen "germanischen Richtung") bin. Ich gebe ferner zu, dass ich ab und an schamanisch "unterwegs" bin.
An und für sich erfordert so ein "Bekenntnis" keinen sonderlichen Mut. Jedenfalls für einen Menschen, der wie ich, nicht in einer kirchlichen Einrichtung arbeitet, oder z. B. im sensiblen Bereich der Erziehung / Sozialpädagogik tätig ist. Eine "Heidenverfolgung" existiert nur in der paranoiden Phantasie einiger Neuheiden, die sich offensichtlich in einer Opferrolle wohl fühlen - und in den Behauptungen rassistischer Vereinigungen wie der "Artgemeinschaft", die ungern zugeben, dass sie nicht wegen ihres Heidentums, sondern wegen ihres Rassismus im Verfassungsschutzbericht auftauchen.

Die meisten Vorwürfe gegen mein "Neuheidentum" lassen mich kalt. Aber nicht alle. Derzeit hadere ich - Julfrieden hin, Rauhnächte her - schwer mit dem Vorwurf, esoterischen "Plastikschamanismus" zu praktizieren. Denn diese Vorwürfen haben Substanz. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Zur Erläuterung, was ich mit "Substanz" eines Vorwurfes meine, greife ich auf ein älteres Beispiel zum Thema "Neuheidentum" zurück, das nicht so ohne weiteres vom Tisch zu wischen ist:
Es gab zu keinem Zeitpunkt ein ›Neuheidentum‹, das emanzipatorisch gewesen wäre. Anders als die ›Öko-, Jugend- und Musikbewegung‹ ist das Wesen des ›Neuheidentums‹ mit seiner Irrationalität, seinen antihumanen Naturmythen, seinem germanischen Rassismus, seiner völkischen Schwärmerei, seinem Antisemitismus usw. per se antiemanzipatorisch und objektiv ein Baustein für faschistische Ideologien und Konzepte.
Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei - Esoterik, (Öko-) Faschismus und Biozentrismus (Konkret Literatur Verlag, 3. Auflage, 1996) S. 173

Dazu ist es vielleicht ganz wichtig zu wissen, dass Jutta Ditfurths Buch nicht nur einen heftigen Rundumschlag gegen die gesamte "Esoterik-Szene" und weite Teile der "Alternativ-Szene" enthält. Zwar ist Jutta Ditfurth äußerst polemisch und polarisierend, pauschalisiert stark, und eine gewisse ideologische Verbohrtheit ist ihr nicht abzusprechen. Aber Substanz haben ihre Urteile schon.
Sie warnte schon damals davor, dass eine faschistoide Bewegung, die in Deutschland regierungsfähig wäre, nicht von den offen auftretenden Neonazis und auch nicht von der Neuen Rechten getragen würde, sondern von der "verbürgerlichten" früheren Alternativ-Szene. Im Licht der seitdem erfolgten Entwicklung muss ich einräumen: wahrscheinlich hat sie damit recht. Ich fürchte auch, dass sie mit ihre Annahme, dass der nicht mehr selbstverantwortliche Mensch – geführt durch Natur, Götter, Führer oder inneres "Selbst" - die herrschenden (Ausbeutungs-)Verhältnisse akzeptiert oder sogar verstärkt, recht hat.
Gehe ich davon aus, wie sich die deutsche "Heidenszene" bis Mitte der 1990er Jahre nach außen präsentierte - und stelle ich in Rechnung, dass Jutta Ditfurth sich intensiv mit dem Problemkreis "Theosophie - Ariosophie" auseinandergesetzt hat, dann überrascht ihr harsches Urteil nicht. Es gibt und gab zwar Neuheiden, auf die es nicht zutrift - wahrscheinlich trifft ihre Aussage im vollem Umfang nur auf eine Minderheit der Neuheiden zu - aber diese Minderheit ist, anders als die relativ vielen "Blümchenheiden" und "Lamettahexen" politisch relevant. Organisationen wie der Armanenorden und erst recht die Artgemeinschaft sind gefährlich - und die Schanierfunktion jener "Unpolitischen", die unter dem gefährlichen Motto "Wir sind doch alle Heiden" rechtsextremen Personen und Positionen die Tür öffnen, ist nicht zu unterschätzen.
(Ich sehe die "Nornirs Ætt" durchaus als einen Versuch, Jutta Ditfurths Ansichten über das Neuheidentum in jedem Punkt Lügen zu strafen und dabei, trotz geringer Größe, so "politisch relevant" wie möglich zu sein.)

Zurück zum an mich gerichteten Vorwurf des "Plastikschamanismus". Der zentrale Punkt des an mich gerichteten Vorwurfes ist der, mich am "kulturellen Diebstahl" an traditionellen Stammeskulturen zu beteiligen - und das mittels einer "historischen Fiktion" zu bemänteln.
Ein “Plastikschamane” ist jemand, der zu Unrecht behauptet, in das schamanische Wissen einer Stammeskultur eingeweiht zu sein und aus dieser Amtsanmaßung Kapital schlägt.
So gesehen träfe der Vorwurf, ich würde "Plastikschamanismus" praktizieren, nicht zu. Zumal ich mich selbst nie "Schamane" nennen würde - und diejenigen, von denen ich schamanischen Praktiken erlerne, sich auch nicht "Schamanen" nennen.

Allerdings wird der Neoschamanismus oft als "plastikschamanisch" beargwöhnt - was angesichts dessen, was so alles in der Eso-Szene als "schamanisch" verkauft wird, nicht weiter erstaunlich ist. Auch der "Core Shamanism", auf den ich mich durchaus berufe, der auf gesichtetem ethnologischem Wissen beruht, und der sich nicht anmaßt, traditionelles "Stammeswissen" zu verbreiten, gilt manchen Kritikern als "plastikschamanisch".

Der Vorwurf des "kulturellen Diebstahls" mag in Einzelfällen zutreffen. Ganz gewiss im Falle jener "Natives", die sich die Naivität ihres Klientels zunutze machen und Traditionen verkaufen. Im Falle jener, die keine "Natives" sind, und auch nicht einen Teil dieser Kultur erlernten, sich aber als "Schamanen" ausgeben, sich in manchen Fällen sogar eine erfundene Biographie zulegen, um Geld auf Kosten einer fremden Kultur zu verdienen, halte ich die Bezeichnung "kultureller Betrug" für angemessener.

Im Falle des Neoschamanismus geht es nicht um "kulturellen Diebstahl" (oder auch "kulturelle Urheberrechtsverletzung"), sondern um "Kulturtransfer". Aus meiner Sicht sind auch Meditationstechniken, Schwitzhütten etc. kulturelle Errungenschaften. Und in der Geschichte der Menschheit ist es völlig normal, dass eine Kultur von einer anderen solche Errungenschaften übernimmt.
Hinter dem Vorwurf des "kulturellen Diebstahls" bzw. der "spirituellen Ausbeutung" steht die Vorstellung, dass schamanische Techniken nur den Angehörigen indigener Volksgruppen zukommt, verbunden mit Kritik an der "weißen Gesellschaft", die neben der jahrzehntelangen kolonialistischen und post-kolonialistischen Ausbeutung nun auch eine spirituelle Ausbeutung indigener Völker begonnen habe. Die Vorstellung einer "spirituellen Beraubung" mach meiner Ansicht nur dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass kulturelle Errungenschaften nur einem Volk oder Stamm zustehen. Tendenziell geht das schon in Richtung "völkisches Denken".

Der zweite Teil des Vorwurfs bezieht sich darauf, dass Seiðr von "uns" als "germanischer Schamanismus" dargestellt würde. Mit der Behauptung, dass "schon die alten Germanen" schamanisiert hätten, würden wir schamanistische Praktiken auch dort festzustellen, wo es sie nicht gäbe. Die Ausdehnung des Schamanismus auf die Germanen solle den Nachweis bewerkstelligen, dass man sich ja nur auf traditionellen Pfaden bewege und sich nicht etwa das Kulturgut anderer Völker aneigne.

Zu der Frage, ob es bei "den Germanen" Schamanismus gab, oder ob Seiðr schamanische Praktiken umfasste, kann ich nur sagen: ich weiß es nicht. Es gibt zwar typische schamanische Elemente in Mythologie, etwa den Weltenbaum Yggrasil, allerdings reicht das nicht für pauschale Aussagen wie "bei den Germanen (in welcher Region? Zu welcher Zeit?) gab es Schamanen" oder "von Schmanismus bei den Germanen kann keine Rede sein" aus.

Die Frage ist, in Hinblick auf die von mir praktizierte Form des "schamanischen Reisens" irrelevant - mir ist es egal, ob irgendwelche "Germanen" vor 1500 oder 2000 Jahren dergleichen praktizierten. Schon gar nicht benötige ich den Rückgriff auf "uralte eigene Traditionen", um meine schamanischen Praktiken zu rechtfertigen.

Das heißt, dass die Vorwürfe an mich zwar nicht aus der Luft gegriffen, also substanzlos, sind, aber auf mich - und Menschen, die auf die gleiche Weise mit dem Schamanismus umgehen wie ich - nicht zutreffen.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Zwischen den Zeilen der Zeitungen steht die Panik

In Deutschland von der Mitte aus betrachtet, herrschen nun oben die Heuschrecken und unten die Sozialschmarotzer, der Kleinbürger sieht oben und unten Gefahren, er sieht die ganze Welt als Feinde.
Cordt Schnibben, "Der seufzende Kleinbürger".

Ich gebe Schnibben recht. Allerdings kommen die "spießigen" Ängste und Vorurteile der sozialen "Mitte" nicht von ungefähr.

Die Abstiegsängste des "Kleinbürgers" sind nachvollziehbar. Seid den Hartz-Reformen steht zwischen der gut bezahlten, angesehenen Stellung und dem Sozialhilfeniveau gerade mal ein Jahr Arbeitslosigkeit. Oder was passiert, wenn ein Kleinunternehmer in Konkurs geht? Es gibt Länder, in denen das halb so wild ist, allerdings gehört Deutschland nicht dazu.

Zu dieses berechtigten ökonomischen Ängsten kommen Ängste, die mutwillig geschürt werden.
Besonders auffällig ist dieser Mutwillen, wenn beispielsweise dieselben Experten, die uns noch vor einigen Monaten von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum und einem DAX von mehr als 10000 erzählten, sich heute im Pessimismus überbieten. Immerhin eines bleibt konstant, ob Hochkonjunktur oder Rezession: sie sehen durch zu hohe Lohnkosten den Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr. (Man kann das natürlich auch völlig anders sehen. Als Nicht-Volkswirtschaftler kann ich zwar nicht beurteilen, wie seriös das ist, allerdings wirkt das, was die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik schreibt, auf mich weitaus plausibler, als die Analysen und Ratschläge etwa des Ifo-Institutes, von Lobbybuden wie der INSM gar nicht zu reden ... )

Die "kleinbürgerliche" Angst vor der "Bedrohung durch Sozialschmarotzer" ist das - vielleicht in vielen Fällen gar nicht so unwillkommene - Nebenprodukt der Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre, insbesondere der Hartz IV-Regelungen, mit der Grundlinie: "mehr Druck auf auf die Arbeitslosen", die sich in "mehr Druck auf die von Arbeitslosigkeit bedrohten" fortsetzt. Dass gerade Boulevardmedien die Angst vor Sozialschmarotzern gerne bedienen, ist meiner Ansicht nach Symptom, aber nicht Ursache, dieser Angst. Allerdings sind die Medien starke Angstverstärker.
Ich bin der Ansicht, dass eine berechtigte Angst medial so kanalisiert wird, dass sie für die Machtelite "ungefährlich" wird - die Angst treibt die Menschen nicht etwa auf die Straße, sondern zu verstärkten Anpassungsleistungen an den Arbeitsmarkt an.

Auch die Angst vor den "Heuschrecken" und "Ausbeutern" ist nicht in erster Linie Produkt profilierungssüchtiger Politiker, geschweige denn das Resultat der Demagogie politischer Extremisten.
Viele der vermeintlichen kleinbürgerlichen Spießer erkennen, dass es nicht nur ein "Unterschichtenproblem", sondern auch ein "Oberschichtenproblem" gibt. Die Angst vor den "Heuschrecken" resultiert aus der Erfahrung kaltschnäuzige Vernichtung Zehntausender von Arbeitsplätzen heraus, aus der desillusionierenden Erkenntnis, dass auch (und gerade) in deutschen Spitzenunternehmen eine Kombination von Größenwahn und Gier, von Korruption und Vorteilsnahme herrscht. Die Integrität und Kompetenz des wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Führungspersonals der Bundesrepublik steht in Frage. Aber auch diese Angst - die Angst vor unfähigen und hemmungslos egoistischen "Wirtschaftsführerern" - wird medial kanalisiert. Das Bild der "Heuschrecken" und der "Abzocker" wird sowohl von "links" wie von "rechts" bedient - im Falle von "rechts" und manchmal leider auch von "links" mit fremdenfeindlichen und strukturell antisemitischen Untertönen. Aber auch die Welle der Diskussionen über "Moral in der Wirtschaft" ist meiner Ansicht nach eine Kanalisierung - denn an und für sich ist Eigennutz ja im Wirtschaftsleben eher eine nützliche Eigenschaft.

So nachvollziehbar es auch ist, dass "der Kleinbürger", die "Mittelschicht", sich in einer Welt von Feinden sieht, so politisch gefährlich ist es. Eine wesentliche Ursache des "Rechtsextremismus" sehe ich darin, dass die rechtsextreme Ideologien (ja, es gibt mehrere) für komplexe und schwer durchschaubare Problematiken einfache Modelle anbietet - und für die Ängste identifizierbare "Sündenböcke" zu liefern.

Zwischen den Zeilen der Zeitungen steht die Panik und kriecht dir ins Hirn.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Jahresend-Moralinsäure

Die "Aktion 3.Welt Saar" fordert Hilfsorganisationen auf, den Appell 'Brot statt Böller' einzustellen.

"Der Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau. Mit seinem Appell an das schlechte Gewissen richtet er zudem politischen Flurschaden an", so Roland Röder, Geschäftsführer der "Aktion 3. Welt Saar".

Ich stehe der Silvesterknallerei mit gemischten Gefühlen gegenüber, und kann Menschen verstehen, die sie z. B. aus Gründen des Unweltschutzes völlig ablehnen. Trotzdem ärgere ich mich über diesen Slogan schon seitdem die Aktion vor über 20 Jahren von der evangelischen Kirchengemeinde in Bargteheide (Kleinstadt in Schleswig-Holstein, zwischen Hamburg und Lübeck) erfunden und wenig später von Brot für die Welt übernommen wurde. Ein Grund für meine Ablehnung ist der auch von Röder erwähnte fehlende Zusammenhang zwischen "überflüssigen Geldausgaben für Silvesterknaller" und dem Hunger in der Welt. Eben so gut könnte man eine Aktion "Brot statt Weihnachtsbäume", "Brot statt Fußball-Bundesliga" oder auch "Brot statt Kirchentage" ausrufen: Weder kausal noch moralisch ist das Eine mit dem Anderen verbunden. Der Slogan "Brot statt Böller" ist kein Deut logischer, moralischer oder hilfreicher, als die Mahnung einer Mutter an ihre Kinder, denen das Essen nicht schmeckt, doch an die armen hungernden Kinder in Afrika zu denken.

Röder folge ich auch darin, dass Hunger ist kein Schicksal ist, sondern gemacht wird. Hunger ist in erster Linie ein Verteilungsproblem, die Nahrungsmittelproduktion der Erde reicht (theoretisch) für alle (Weltagrarbericht).

In seiner Forderung nach Abkehr "von der viel gepriesenen Liberalisierung des Welthandels" mag ich ihm nicht ganz folgen - denn viele, wenn nicht die meisten, Probleme, die er zu recht anprangert, resultieren darin, dass auf dem Agrarsektor von "freien", ganz zu schweigen von "fairem" Welthandel keine Rede sein kann. Es stimmt, die EU-Subventionen für Agrarexporte und der Zwang zur Öffnung der Agrarmärkte vernichten in der 3. Welt jeden Tag Existenzen und sorgen dafür, dass Menschen verhungern. Wobei zu ergänzen wäre: die einseitige Öffnung der Agrarmärkte, denn der EU-Markt ist gegen Agrarimporte gut "geschützt".

Der Erfolg der Kampagne "Brot statt Böller" beruht, wie die Mahnung der Mutter an ihre essunwilligen Kinder, auf einem Appell ans schlechte Gewissen. Was vielleicht das Portemonnaie potenzieller Spender öffnet, jedoch den Blick für Problemlösungen und Verantwortlichkeiten verschleiert. Der Zweck - eintreiben von Spenden - heiligt keineswegs das fragwürdige, an einen "Sündenablass gegen milde Gabe" erinnernde, Mittel.
In ihren Projekten ist "Brot für die Welt" schon lange vom mehr schadenden als nützenden, aber das Gewissen beruhigenden, Almosengeben abgerückt. Schon aus diesem Grund wirkte die Böller-Kampagne von Anfang an wie ein Versatzstück aus dem 19. Jahrhundert.

Es ist meiner Ansicht nach kein Zufall, dass die Aktion von einer evangelischen Gemeinde ausging. Katholiken sind, was Appelle ans schlechte Gewissen angeht, zwar keineswegs zurückhaltender, aber ihre "Lieblingstodsünde" ist der Sex (außer zu Vermehrungszwecken innerhalb einer unauflösbaren heterosexuellen Einehe). Der geflissentliche Verzicht auf alles "Überflüssige" ist in der Tat sehr protestantisch. Beiden großen Konfessionen gemeinsam ist dann wieder der moralinsaure Unterton - die Weihnachtsbotschaften sind dieses Jahr, vom Papst an abwärts, anscheinend wieder besonders moralinsauer geraten.

Aus der evangelischen Kirchenpolitik ergeben sich z. B. für Silvester paradoxe Konsequenzen: Einerseits wird den evangelischen Christen geraten, von ganzen Herzen Silvester zu feiern - schließlich sind mit beiden Beinen im Leben stehende Lutheraner ja keine säuertöpferischen Puritaner. Aber bitte ohne Geld für Feuerwerk und Luftschlangen zu verschwenden, möglichst auch ohne unangemessenen Lärm, ohne Alkohol und ohne üppiges Essen. Abergläubisches Tun wie Bleigiessen, Neujahrshoroskope oder das Lichtorakel sind ebenfalls zu unterlassen.
Das Erstaunliche dabei ist nicht, dass kaum jemand an so einer "moralisch korrekten" Feier Spaß hat. Erstaunlich ist auch nicht das schlechte Gewissen vieler evangelischer Christen, die "unkorrekt" feiern.
Erstaunlich ist eher, dass evangelische Kirchenfunktionäre anscheinend den Eindruck haben, keineswegs lustfeindlich oder hypermoralisch zu sein.
Die katholische Kirche ist traditionell weit weniger feier- und ritualfeindlich. Dafür hat sie, gewissermaßen als Ausgleich, ein ausgeklügeltes System von Sünden und Absolution im Angebot - und vertritt weitaus energischer ihren Anspruch darauf, die höchste Instanz in allen Moralfragen zu sein.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Na ja, war nicht anders zu erwarten ...

Netzpolitik: Vermittlungsausschuss winkt BKA-Gesetz durch wobei es nur Kosmetische Korrekturen gegenüber dem aus bürgerrechtlicher Sicht katastrophalen Entwurf gibt. Es bleibt dabei: das BKA-Gesetz hebelt wichtige Grundrechte aus.

Zu einer anderen heute getroffenen Entscheidung fällt mir ein: die deutsche Regierung ist die Vorhaut der Klimapolitik - wenn's ernst wird, zieht sie sich zurück.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Weg mit den Hamburger Autonummernschildern!

Daran, dass immer wieder angebliche oder tatsächliche "Nazi-Codes" enthüllt werden - und ab und an auch mal symbolträchtig ein Symbol verboten wird, daran habe ich mich gewöhnt. Es passt zum moraltheologisch motivierten, an Symbolen und symbolischen Aktionen orientierten, aber politisch unwirksamen "Kampf gegen Rechts".

Der Brandenburgische Verfassungsschutz betritt in Sachen Symbolhysterie Neuland:
Warnung vor Nazi-Codes auf Nummernschildern
Es ist leider kein schlechter Scherz, wovon man sich auf der Website des Verfassungsschutz Brandenburg überzeugen kann.

Der Brandenburgische Verfassungsschutz warnt demnach vor Nummernschildern mit bestimmten Buchstaben- und Zahlenkombinationen, mit denen Rechtsextreme bevorzugt herumfahren.
Schließlich würden sich Rechtsradikale mit solchen Kombinationen unter Gleichgesinnten zu erkennen geben und ihre antidemokratische Gesinnung nach außen dokumentieren.
Nicht unverdächtig seien Buchstabenkombinationen wie NS, SS, SA oder Zahlenfolgen, die wiederum verdächtige Buchstabenkombinationen kodieren könnten, wie etwa 18 als Rangfolge der Buchstaben im Alphabet für "A" und "H" und damit die Initialen Adolf Hitlers.
Aber der Logik der Behörde zufolge läuft man auch Gefahr, mit vermeintlich unverfänglichen Kombinationen in die falsche Ecke gestellt zu werden. So stehe die „28“ für die verbotene Skinheadorganisation „Blood & Honour“ oder die „14“ für eine aus 14 Wörtern bestehende Parole des US-Neonazi-Führers David Lane.
Wenn sogar die "88" verdächtig ist, was ist dann mit den Hamburger Kennzeichen? Die beginnen bekanntlich alle mit "HH"!

Tatsächlich ist der Brandenburger VS damit fast auf dem Niveau jeder "Helden" angelangt, die während der "1. Mai Krawalle" in Hamburg-Barmbek meinten, besonders toll antifaschistisch zu handeln, indem sie Autos mit "nazi-verdächtigen" Kennzeichen demolierten oder anzündeten.
Die "Kollateralschäden" unter nicht Nazis gehörenden Autos, die nur zufällig "verdächtige" Autonummern hatten, sollen beachtlich gewesen sein. Was nicht überraschend ist, denn auch laut Brandenburger Innenministerium fahren "weniger als 10 Prozent" der landesweit bekannten 1300 Rechtsradikalen mit verfänglichen Kennzeichen herum.

Es geht nicht darum, gegen den braunen Dreck symbolträchtig "hart durchzugreifen", sondern darum effektiv zu sein. Und geradezu besessene Beschäftigung mit "Nazi-Codes" ist nicht effektiv!

Übrigens: Das Logo des VS Brandenburg zeigt einen fliegenden Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Adler? Ausgebreitete Schwingen? Da war doch was ...

Montag, 15. Dezember 2008

"Evolution ist Überall"

2009 wird in zweifacher Hinsicht ein Darwin-Jahr sein: Im Februar 2009 jährt sich Charles Darwins Geburtstag zum 200. Mal und vor 150 Jahren erschien sein Hauptwerk "On the Origin of Species".
Darwin

Aus diesem Anlass haben die Giordano Bruno Stiftung und die AG Evolutionsbiologie des Verbandes der deutschen Biologen ein Internetportal eröffnet: www.Darwin-Jahr.de. Schwerpunkt ist, außer dem obligatorischen Terminkalender mit den wichtigsten Veranstaltungen des Darwin-Jahrs, das "Evo-Magazin", dass die neuesten Erkenntnisse der Evolutionsbiologie, neue Bücher und Interviews präsentiert.

Die schon jetzt sehr informative Website soll in den nächsten Wochen und Monaten kontinuierlich ausgebaut werden.

Mit etwas gemischten Gefühlen sehe ich dabei der noch nicht implementierten Rubrik "Neues aus dem Kreationisten-Urwald" entgegen - auch wenn meine Sympatie für den Kreationismus und seine pseudowissenschaftlich verbrämte Light-Version "Intelligent Design" streng gegen Null geht. Auf dem Portal soll es auch "erheiternde Einblicke in die diversen Schöpfungsmythen geben, die homo sapiens im Zuge seiner kulturellen Evolution hervorgebracht hat". Meine etwas gemischte Gefühle rühren daher, dass Schöpfungsmythen eben Mythen sind. Mythen können Gleichnise, Metaphern oder Gedankenexperiment sein, oft sind sie Projektionen menschlicher Probleme und Erfahrungen, immer sind sie erzählerische Aufarbeitungen menschlicher Urängste und Urhoffnungen. Mythen machen Unanschauliches begreifbar - so gesehen ist auch etwa der "Urknall" als anschauliche erzählerische Metapher für die den "gesunden Menschenverstand" übersteigenden Erkenntnisse der modernen Physik ein "kosmologischer Mythos", unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt.

Meiner Ansicht nach alle(!) Kreationisten und sehr viele Kritiker der Kreationisten vergessen, verdrängen oder wissen nicht, dass etwa die beiden (!) Schöpfungsberichte der Bibel Mythen sind, und nicht etwa wörtlich zu nehmende historische Wahrheiten (Kreationisten) oder hilflose Versuche einer vor-wissenschaftlichen Theoriebildung (Anti-Kreationisten).

Ergänzung: Sehr lesenswert, dieser Beitrag zum Darwin-Jahr auf FAZ.net: Darwin-Jahr 2009 - Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie. Michael Ende - ein moderner Mythendichter ...

Die Stunde der Heuchler und Aktionisten

Ja, der Jo Herrmann:
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kündigte an, er wolle Argumente für ein NPD-Verbotsverfahren sammeln. Wenn es Bezüge zwischen Tat und NPD gebe, könnten diese sicherlich neue Argumente für ein Verbotsverfahren bringen. Noch im Wahlkampf im September 2008 hatte die CSU die Anhänger der NPD mit den Wählern der Linkspartei gleichgesetzt. Ein von der SPD angestrebtes Verbotsverfahren gegen die NPD hatten die Unions-Innenminister, mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern, im Frühjahr 2008 abgelehnt. Es war Hermann, der bei der Innenministerkonferenz seinen Kollegen empfahl, sich auf andere Maßnahmen gegen die NPD zu konzentrieren.
npd-blog: Mutmaßliches Neonazi-Attentat in Passau: Erneute Debatte um NPD-Verbot
Der bayrische Innenminister ist kein Einzelfall - bei weitem nicht. Mit dem Attentat auf einen beherzten Polizeidirektor sind sie wieder da, die Heuchler und Aktionisten. Alois Mannich tat das, was andere verantwortliche Polizisten gerne versäumen: entschieden gegen die "braune Szene" vorgehen. Ob auch alles, was er tat, auch sinnvoll war? Die spektakuläre Öffnung des Grabes des Neonazis Friedhelm Busse, um eine Hakenkreuzfahne zu entfernen, die sein ebenfalls kackbrauner Kamerad Thomas Wulff dort hineingelegt hatte, halte ich für albern. Was sollte sie bewirken? Zur Beweisstücksicherung war das überflüssig - und der symbolisch Akt Wulffs wurde durch diese vielleicht ebenfalls symbolisch motivierte Aktion erst überall bekannt. Das soll keine Kritik an der entschlossen Haltung des Passauer Polizeichef Alois Mannich sein, sondern daran, wie fragwürdig in Deutschland ganz allgemein die Prioritäten im Kampf "gegen rechts" gesetzt werden. (Das Grab wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Passau geöffnet.)
Zur Eindämmung der rechtsextremistischen Gewalttaten und zur Verhinderung strafbarer rechtsextremistischer Propagandaaktivitäten wurde eine Vielzahl staatlicher Maßnahmen gegen den Rechtsextremismus ergriffen (insbesondere Vereins- und Versammlungsverbote).
heißt es auf der Website des Verfassungsschutzes. Und so klingen auch die meisten jetzt wieder erhobenen Forderungen: "verbieten" und "härtere Strafen". Nur, dass Verbote im Neonazi-Umfeld erfahrungsgemäß nur dazu führen, dass dann eben Ersatz-Organisationen gegründet und Ersatz-Symbole verwendet werden. Und dass die abschreckende Wirkung von harten Strafen bei Überzeugungstätern umstritten ist. Abgesehen davon wäre ein Sonderstrafrecht für politische motivierte Kriminelle eine "Medizin", die für die Demokratie noch gefährlicher wäre, als die "Krankheit".

Warum sprechen Politiker, auch solche in der Bundesregierung, von "neuen Dimension der Gewalt"? Über die Tatsache, dass Neonazis in diesem Jahr bereits drei Menschen ermordet haben, wurde wenig berichtet.
Warum also diese Aufgeregtheit? Ich werde den Verdacht nicht los, dass es nur darum geht, sich in der Innenpolitik zu profilieren, ganz gleich, mit welchem Inhalt. Vorgestern "abstrakt erhöhte" Terrorgefahr, gestern "immer mehr" Kinderpornos, heute Neonazis, morgen vielleicht "linke Chaoten" und übermorgen wieder die Terrorgefahr.
Ich kann dieses Politikergewäsch einfach nicht mehr hören. Und auch nicht die seit Jahrzehnten immer gleichen Textbausteine zum Rechtsextremismus:
"Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Rechtsextremismus bekämpfen", "die Rechten werden immer gewalttätiger", "neue Qualität rechter Gewalt".
Mein Eindruck: die Situation war schlimm und ist schlimm. Dauerzustand. Was auch bedeutet: alle diese tollen Symbolverbote und symbolischen Aktionen, als auch das, oft gut gemeinte, "Engagement gegen Rechts" war vergeblich.
Ja, und klar: Mal wieder muss die NPD verboten werden. Es ist ärgerlich, wenn eine offen demokratiefeindliche Partei de facto vom demokratischen Staat subventioniert wird. Aber sonst?
Die NPD ist keine politische Gefahr für den Bestand der Demokratie und wird das in absehbarer Zeit auch nicht werden. Also gibt es keinen Grund zum Aktionismus - der, wie die Blamage des letzten Verbotsversuches zeigt, mehr schadet als nützt. Ob die NPD ohne V-Leute überhaupt noch arbeiten kann? Es käme auch einen Versuch an!

Neonazis und "Neue Rechte" sind ein übles Symptom, nicht die Ursache - Rassismus und Antisemitismus haben ihre stärksten Wurzeln nicht am Rande, sondern mittendrin in Deutschland. Gewalttätige Nazischläger führen meistens "nur" das aus, was sie am Küchentisch oder am Kneipentisch gehört haben. Ich verweise auf die aufsehen erregende Studie der Friedrich-Ebert-Gesellschaft aus dem Jahr 2006 Von Rechts zur Mitte und aktuelle Fogestudie aus diesem Jahr: Bewegung in der Mitte.
Nicht nur die "Metapolitiker" der Neuen Rechten und Rechtsintellektuelle bilden ein "Schanier" von der bürgerlichen zur extremen Rechten:
Weite Teile der CDU und vor allem der CSU haben doch nach wie vor ein völkisches Verständnis der Nation, begrüßen die rassistische Asyl- und Ausländergesetzgebung und wissen nicht - oder wollen nicht wissen - wie denn der Antisemitismus in die Köpfe hineinkommt. Eine "rechtspopulistische" Partei vom Zuschnitt der FPÖ hätte auch in Deutschland ein Wählerpotenzial von gut 20 % - wie 2001 Schills "PRO" in Hamburg zeigte, einer Stadt, die keineswegs als "rechte Hochburg" einzuschätzen ist, und fände Koalitionspartner - auch siehe "PRO".

Was nicht heißt, dass man die Nazis nicht entschieden bekämpfen soll. Aber nicht mit jedem Mittel. Die Gefahr, dass die Demokratie "zu Tode geschützt" wird, war selten so groß wie heute.

Gegendemos und die meisten Antifa-Aktionen halte ich für sinnvoll, da sie nicht auf den "starken Staat" setzen und den kackbraunen "Kameraden" zeigen, auch notfalls auf handgreifliche Art, dass ihnen nicht "die Straße" gehört. Eine "machtvolle Großkundgebung" von 30 - 40 Nazihanseln und nebenan 3000 bis 4000 Gegendemonstranten - das zeigt, wie "wehrhafte Demokratie" wirklich aussieht. Und nicht Forderungen nach "Überwachen, Verbieten, Strafen".
Sinnvoll sind auch Aktionen wie Meldeformular gegen Nazi-Propaganda im Internet und »Mit hundert Seiten gegen eine Naziseite« beides Initiativen von haGalil.com. Leider wird ausgerechnet haGalil im Rahmen der Bundesmittel zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Antisemitismus, trotz mehrfacher leitlinien-konformer und fristgerechter Antragstellung, in keiner Weise unterstützt und ist auf private Spenden angewiesen.

Neonazis werden erfahrungsgemäß dann gefährlich, wenn sie regional agieren und keine Konkurrenz haben - wie auf dem "flachen Land" in Mecklenburg-Vorpommern. Sie füllen dort gewissermaßen eine Marktlücke, etwa mit Angeboten an Jugendliche zur Freizeitgestaltung. Die Erfahrung lehrt auch, dass die Attitude des "Underdogs", die die eher schlicht gestrickten Neonazis erst "sexy" macht, durch Verbote verstärkt wird.

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