Wissenschaft & Technik

Freitag, 24. Juli 2009

Die echte "Mondlandungslüge": Warum sie geglaubt wurde

(Teil 1: Das Wettrennen zum Mond)
Das langsame Ende des sowjetischen Mondflugprogramms
Die UdSSR hatte 1969 den "Wettlauf zum Mond" verloren. Das hieß aber noch lange nicht, dass sie ihre Mondprogramme aufgegeben hätte. Zwar konzentrierte sie sich nun verstärkt auf den Bereich der Langzeitflüge und der bemannten Raumstationen, aber vorerst wurde die für das bemannte Mondlandeprojekt N1-L3 vorgesehene Rakete N1 weiterentwickelt. Am 26. Juni 1971 startete die dritte N1. Sie geriet in unkontrollierbares Rollen und wurde nach 51 s gesprengt. Der vierte Start einer verbesserten N1-7L am 23. November 1972 lief bis zum Brennschluss der sechs zentralen Erststufentriebwerke problemlos ab. Dann explodierte ein Triebwerk, die Rakete stürzte ab.
Fehlstarts sind bei neuentwickelten Raketen das "täglich Brot" der Raufahrtingenieure, zumal bei so komplizierten Geräten wie der N1 mit ihren 30 Triebwerken. (Die "Saturn"-Familie, in deren Geschichte es keinen einzigen Totalausfall gab, ist die große, glänzende Ausnahme.) Die Pläne für eine bemannte sowjetische Mondlandung wurden mit jeden Fehlstart (und mutmaßlich wachsenden Finanzierungsschwierigkeiten) Schritt um Schritt weiter verschoben und erst 1974 - zwei Jahre nach Ende des "Apollo"-Programms - endgültig abgesagt.
Selbst das Mondumkreisungsprogramm wurde eine Weile fortgesetzt: Sond 7, gestartet am 7. August 1969, umrundete erfolgreich unbemannt den Mond - Kosmonauten hätten den Flug überlebt. Aber nachdem man "abgehängt" war, wurden keine so großen Risiken mehr eingegangen. Sond 8, am 20. Oktober 1970 gestartet, war ein Erprobungsflug im Rahmen des N1-L3-Mondlandeprogramms.
Das erwähnte Langzeitflug- und Raumstationsprogramm diente Anfangs erkennbar auch dem Ziel, Erfahrungen des US-Raumfahrtsprogramms nachzuholen - auch wenn es nach außen nicht offensichtlich war, war die UdSSR gerade weil sie ihr Raumfahrtprogramm unter Chruschtschow stark auf sensationelle Erstleistungen ausgelegt hatte, nach dem spektakulären ersten Raumflug eines Menschen 1961 zuerst langsam, ab dem "Gemini"-Programm der USA 1965 spürbar technisch ins Hintertreffen geraten. Paradoxerweise tat es der sowjetischen Raumfahrt gut, dass der "Generalsekretär der Stagnation" Breschnew, anders als sein Vorgänger, kein "Raumfahrt-Fan" war: Es konnte nun, ohne ständige Einmischungen von "oben", sorgfältiger geplant und konstruiert werden.

Bei der Verbundmission von Sojus 6, Sojus 7 und Sojus 8 im Oktober 1969 wurde die Mondlandeausrüstung getestet. Offensichtlich nicht zur vollen Zufriedenheit: die Rendezvoussysteme aller drei Raumschiffe hatten Probleme. Zwar hieß es später in den offiziellen Verlautbarungen, dass gar keine Kopplung geplant gewesen wäre, doch das ist höchst unwahrscheinlich, da alle Raumschiffe mit Kopplungsadaptern ausgerüstet waren. Sojus 9, gestartet am 1. Juni 1970, war fast 17 Tagen im Orbit und nahm den USA den Langzeitrekord für bemannte Raumflüge wieder ab - allerdings war dieser Flug, anders als manche Flüge der Chruschtschow-Ära, kein Rekord des Rekordes willen, sondern diente der Vorbereitung auf eine bemannte Raumstation. Die Station Saljut 1 wurde im April 1971 von einer "Proton"-Rakete in die Umlaufbahn gebracht. (Eigentlich war es die zivile Version der militärischen Raumstation Almaz, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht einsatzbereit war, weshalb eine vereinfachte Version mit der Bezeichnung DOS gebaut wurde. Aus Tarnungsgründen erhielten sowohl die zivilen DOS- wie die militärischen Almaz-Stationen den Namen Saljut.)
Die Besatzung von Sojus 11 verbrachte die neue Rekordzeit von über 23 Tagen im All, davon 22 Tage an Bord der ersten Raumstation - und endete tragisch mit dem Tod der drei Kosmonauten Georgi Timofejewitsch Dobrowolski, Viktor Iwanowitsch Pazajew und Wladislaw Nikolajewitsch Wolkow. (Encyclopedia Astronautica: Sojuz 11 ) Durch eine technische Fehlfunktion während der Landephase, ein undichtes Ventil, entwich die Kabinenluft, die Raumfahrer, die keine Raumanzüge trugen, starben an Sauerstoffmangel.

Nach dem aufsehenerregende Unglück von Sojus 11 forderte Breschnew, dass keine bemannte Mission unternommen werden sollten, solange die gleiche Mission nicht erfolgreich von einem vollständig automatischen Raumfahrzeug durchgeführt worden war. Die bemannte sowjetische Raumfahrt kam deshalb für zwei Jahre zu einem kompletten Stillstand. Dies war wahrscheinlich der Todesstoß für den sowjetischen Plan einer bemannten Mondlandung: Während die Sojus-Raumschiffe in der Erdumlaufbahn für Testflüge ferngesteuert werden konnten, hätte die Mondlandeeinheit für einen unbemannten Flug vollständig automatisiert werden müssen.
In dieser Zeit teilten die Sowjets erstmals offiziell mit, sie hätten kein Programm, einen Menschen auf dem Mond zu landen.

Immerhin erzielte die Sowjetunion mit unbemannten Probenrückholsonden und den ferngesteuerten Mondrovern vom Typ Lunochod beachtliche Erfolge, die aber im Schatten der amerikanischen bemannten Mondlandungen standen.
N1 und Saturn V
Montage der startenden N1 "Herkules" (links) und Saturn V (rechts)

Die Lüge wird geschluckt
Ab 1973 verständigten sich die UdSSR und die USA auf das Apollo-Sojus-Test-Projekt. Sein Ziel erreichte es, als am 17. Juli 1975 ein Apollo- und ein Sojus-Raumschiff in der Erdumlaufbahn aneinander ankoppelten, so dass die Raumfahrer von einem Raumschiff ins andere umsteigen konnten. Für dieses Projekt erhielten auch NASA-Mitarbeiter Zugang zu den bisher streng geheim gehaltenen sowjetischen Raumfahrteinrichtungen. Im Zuge dieser Zusammenarbeit kam zu einem Art stillschweigenden Schweigeabkommen: obwohl man bei der NASA wusste, dass die UdSSR ein bemannten Mondprogramm hatte, und man auf sowjetischer Seite wusste, dass die USA es wussten, wurde über die bemannten Mondprogramme der UdSSR einfach nicht mehr öffentlich gesprochen. (Allerdings war der Kommandant der Sojus, Alexej Leonow, am Mondprogramm beteiligt gewesen- und wegen seiner unbedachten Äußerungen gegenüber der internationalen Presse, aus denen ziemlich klar hervorging, dass die UdSSR zum Mond wollte, zeitweilig in Ungnade gefallen.)
Auch die Seite der USA hatte einen Grund, über das sowjetische Mondprogramm zu schweigen: ihr Ruf war nach dem "schmutzigen Krieg" in Vietnam und Kambodscha und der Watergate-Affäre, die 1973 zum Sturz des Präsidenten Richard Nixon führte, lädiert. Es wäre für die brüchigen Beziehungen schädlich gewesen, die Misserfolge der UdSSR sozusagen öffentlich bloßzustellen. Außerdem war es der CIA peinlich, dass ihr der britische Geheimdienst SIS bzw. MI6 beim Ausspionieren der sowjetischen Raumfahrt weit voraus war.
Hinzu kam. das die CIA "dank" ihrer mit Drogenschmuggel finanzierten Geheimoperationen in Südostasien, der vom Journalisten Seymour Hersh aufgedeckten "Operation CHAOS", der Bespitzelung von rund 7.000 Personen und 1.000 Organisationen in den USA, die in Opposition zum Vietnamkrieg standen oder der Bürgerrechtsbewegung angehörten, und nicht zuletzt wegen der Unterminierung der demokratisch gewählten linksgerichteten Allende-Regierung in Chile und der Unterstützung des Militärputsches von General Pinochet einen katastrophalen Ruf hatte. Selbst konservative Medien trautem der CIA damals buchstäblich alles zu - außer wahrheitsgemäßen Berichten.

Da der "Wettlauf zum Mond" 1969 entschieden war, ließ das Interesse der US-amerikanischen Öffentlichkeit an den Apollo-Missionen rasch nach. Zur Enttäuschung der NASA sahen viele US-Bürger, darunter der schon erwähnte Fernsehjournalist Walter
Cronkite, den Sinn des Apollo-Programms ausschließlich darin, "die Russen zu schlagen". Wenn nun "die Russen" gar nicht im Rennen waren, dann war in dieser schlichten "Kalte-Kriegs-Logik" das Geld für das "Apollo-Programm" verschwendet gewesen.
Dass die eigentlichen Protagonisten, die Wissenschaftler, Ingenieure und vor allem die Astronauten / Kosmonauten das besser wussten und anders, entspannter, man kann auch sagen: sportlich, sahen, ist vielfach bezeugt. Auf dieser Ebene war der "Wettlauf ins All" niemals ein "verbissener Kampf der Systeme“ oder ein "Krieg mit anderen Mitteln".
Armstrong und Aldrin pflanzten nicht nur das Sternenbanner auf dem Mond auf, sie hinterlegten dort auch drei Orden, die einst Juri Gagarins Brust schmückten. Und als Dobrowolski, Wolkow und Pazajew am 3. Juli 1971 mit einem Staatsbegräbnis geehrt wurden, da war einer der Sargträger der amerikanische Astronaut Tom Stafford.

Es scheint fast so zu sein, als ob die öffentliche Meinung "im Westen" deshalb die Propaganda-Lüge aus Moskau so bereitwillig schluckte, weil sie genau das war, was viele Menschen in dieser Zeit zwischen moralischer Zerknirschung in den USA, latentem Anti-Amerikanismus in den anderen westlichen Demokratien und den ersten Früchten der Entspannungspolitik hören wollten.

Nun war die Existenz der "Herkules" getauften N1 und ihr mutmaßlicher Zweck nicht nur innerhalb der NASA ein offenes Geheimnis. Es gab einige Technikjournalisten, erwähnt sei
Charles Vick, die aus den Bruchstücken der Informationen, die durch die sowjetische Zensur sickerten - auch dank des losen Mundwerks einiger Kosmonauten wie Leonow - und Daten und Fakten der offiziellen Informationen, die teilweise nicht so recht zu den Pressemeldungen passten, ein Puzzlespiel zusammensetzten: Es gab ein sowjetisches Mondlandeprogramm. Womit sich bestätigte, dass sich ab einer bestimmten Größe ein Projekt nicht mehr geheim halten lässt.

Ich war als Schüler ein ausgesprochener "Weltraum-Freak" und ich hatte den Eindruck, dass es damals unter westdeutschen Raumfahrt-Enthusiasten (und jenen ostdeutschen Raumfahrt-Enthusiasten, zu denen wir Kontakt hatten) völlig außer Frage stand, dass die UdSSR ein bemanntes Mondprogramm hatte. Die Geschichte der 1969 auf Satellitenfotos erkennbaren Riesenrakete und der ebenso gut erkannbaren Verwüstung nach ihrem Fehlstart war "unter uns" allgemein bekannt. 1981 erschien in der P.M. eine, wie sich später zeigtem sollte, erstaunlich genaue Rekonstruktion der N1. Sogar einige der fraglichen Satellitenfotos waren "im Umlauf" - wenn auch immer ohne offizielle Bestätigung.
Dennoch wurde die Mondfluglüge geglaubt.
Wenn ich mich richtig erinnere, gab es drei Sorten "Skeptiker", die uns die "Geschichte" von der sowjetischen Mondrakete nicht "abkaufen" wollten.
Die eine waren die eingefleischten Antikommunisten, die kein gutes Haar an der UdSSR allgemein und an deren Raumfahrtprogramm im besonderen ließen. Für die war die technische Rückständigkeit der "Russen" (außer bei bestimmten Waffen) ebenso ausgemachte Sache wie deren "Verlogenheit" - wobei sie seltsamerweise ja eine Lüge schluckten. Ein extremes Beispiel für dieses Denken war, allerdings schon um 1960, der berühmte exilrussische Schriftsteller Vladimir Nabokov. Peter Ustinov berichtete in seinem Buch "Achtung Vorurteile!", dass Nabokov den weltweit bezeugten Raumflug Gagarins für ein potemkinsches Dorf hielt, für ein besonders abgefeimtes Theater der verhassten Sowjets. Ustinov gibt seine Unterhaltung mit Nabokov so wieder:
"Aber ich hab's im Fernsehen verfolgt", beteuerte ich, "da war wirklich ein Mann drin." - "Ach, sie haben einen künstlichen Mann genommen, eine Puppe." - "Nein, ich schwöre, ich habe sogar die Stimme dieses Gagarin gehört." - "Ja, Stimme vom Tonband." - "Du irrst, Vladimir. Die Stimme hat mit einem Observatorium Kontakt aufgenommen. Sie haben ihm Fragen gestellt, und er hat sie beantwortet. Wie soll ein Tonband das können?" - "Mit welchem Observatorium will er gesprochen haben?" - "Mit einem in Lissabon!" - "Ach, Portugal, hör doch auf!"
Nabovkov hatte offensichtlich eine ähnliche Mentalität wie die Vertreter der "Mondlandung-im-Studio"-Verschwörungstheorie. Ganz so extreme Vertreter wie Nabovkov lernte ich zwar nicht kennen, aber doch genügend "Russenfresser", die schon die offiziell anerkannten Raumfahrterfolge in Zweifel zogen - von einem Mondprogramm oder den damals in Entwicklung befindlichen Raumfähren vom Typ "Buran" (über die wir auch erstaunlich viel wussten) gar nicht zu reden.
Die zweite, häufigere Sorte waren jene, die den Sowjets mehr trauten als den "Amis". Das waren nicht etwa alles stramme Kommunisten, ganz und gar nicht. Nur hielten sie, vor allen, nachdem Ronald Reagan Präsident geworden war, "die USA" für verlogen, machtgierig, kriegerisch und - siehe NATO-Doppelbeschluss und Stationierung von nuklear bestückten "Tomahawk"-Marschflugkörpern und ebenfalls atomar bewaffneten "Pershing II"-Mittelstreckenraketen - gefährlich. Den wenigsten war die UdSSR wirklich sympatisch - aber sie war die schwächere Seite. Das "Eingeständnis der Schwäche" der UdSSR war aus ihrer Sicht unbedingt glaubwürdig. Ich bekam sogar zu hören, dass die "Geheimdienst-Legenden" über eine Sowjet-Mondrakete extra erfunden worden seien, um dem amerikanischen Volk einen erbitterten Wettlauf zum Mond vorzugaukeln, um ihr Mondprojekt zu finanzieren. Es gab am Rande der Friedensbewegung der 80er Jahre einige komische Vögel, die jede Form der Raumfahrt für Massenvernichtungswaffen-Entwicklung hielten. Ich habe da irgend wo noch eine Broschüre herumliegen, in der auch die Saturn V als Raketenwaffe bezeichnet wurde. Hauptzweck ihrer Entwicklung: mit einem in die Umlaufbahn gebrachten Raumspiegel "die Nacht in Vietnam abschaffen". Die zivile Raumfahrt sei nur ein Mittel, um Geld in die schwarzen Kassen der Geheimwaffenentwicklung zu spülen. (Ein Gedanke, der später von Gerhard Wisnewski wieder aufgegriffen wurde.) Den absoluten Hammer erlebte ich an einem Infostand, kurz nach dem Challenger-Unglück im Frühjahr 1986, als die Infostandbesatzung fröhlich verkündende, dass sie froh über den Unfall der Challenger wäre - eine kleine Pause in den verbrecherischen Star-Wars-Plänen. Ich weiß nicht mehr genau, was ich darauf antwortete, es war nicht freundlich. Das ist zwar ein extremes Beispiel, aber das Misstrauen gegen die Raumfahrt war groß.
Die dritte Gruppe war bei weitem die Größte - natürlich neben jenen, die "das ganze Weltraum-Zeugs" sowieso nicht interessierte.
Das waren jene, die ganz einfach die "offizielle Version" glaubten. Wenn es so in der Zeitung steht, dann wird es wohl so sein. Und wer anderer Ansicht ist, ist ein Spinner. Ist auch bequemer so. Was soll man sich auch nur über solche Sachen den Kopf zerbrechen.

Wenn ich es recht bedenke, dann bereiten mir diese Menschen, die aus Denkfaulheit oder Desinteresse einfach glauben, ohne zu zweifeln, mehr Kopfzerbrechen, als die "Weltverschwörungstheoretiker". Die sind nämlich nur wenige.

The Real Moon Landing Hoax (Encyplopedia Astronautica)

Donnerstag, 23. Juli 2009

Nichtkontextuelle Quantenmodelle experimentell widerlegt

Entgegen der klassischen Physik geht die Quantenphysik davon aus, dass die Eigenschaften eines quantenmechanischen Systems vom Messkontext abhängig sind, davon also, ob andere Messungen an dem System durchgeführt werden.
(Um einem nahe liegenden Missverständnis zu begegnen: damit ist nicht etwa gemeint, dass ein Messinstrument, z. B. ein Tachometer, den Messvorgang - hier die Geschwindigkeitsmessung - beeinflusst, und solche Vorgänge im Nano-Maßstab eben stärker zutage treten, als etwa im Auto. Auch eine passive Messung aus der Ferne, etwa per Kamera, beeinflusst die Eigenschaften eines quantenmechanischen Systems - wenn man so will: es macht einen Unterschied, ob jemand hinsieht oder nicht.
Der "gesunde Menschenverstand" versagt im Maßstab der "Elementarteilchen" (die auch als Wellenfunktionen gesehen werden können.)

Die Quantenmechanik beschreibt die physikalischen Verhältnisse von Licht und Materie und formuliert dabei einige Vorstellungen, die unserem klassischen Bild der Natur völlig widersprechen. Immer wieder haben Physiker deshalb versucht, die Phänomene der Quantenmechanik mit Hilfe von verborgenen Variablen zu erklären und damit den in der Quantentheorie allgegenwärtigen Zufall auszuschließen.

Innsbrucker Physiker haben nun erstmals experimentell umfassend bewiesen, dass so genannte nichtkontextuelle Erklärungsversuche von Quantenphänomenen nicht möglich sind. Sie berichten darüber in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature.

Eine theoretische Überlegung von Simon Kochen und Ernst Specker aus dem Jahr 1967 zeigt jedoch, dass bei solchen Erklärungsversuchen mit verborgenen Variablen die Messungen kontextuell sein müssen. Das heißt, dass das Ergebnis einer Messung von anderen gleichzeitig durchgeführten Messungen abhängig ist. Interessanterweise sind die Messungen hierbei miteinander verträglich und stören sich nicht gegenseitig.

Nun konnten die Forscher um Christian Roos und Rainer Blatt vom Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Innsbruck diese Überlegungen bestätigen und erstmals im Experiment nichtkontextuelle Erklärungsversuche der Quantentheorie ausschließen.

Weiter: Quantenmessungen: Gesunder Menschenverstand reicht nicht aus (scinexx)

Für das Weltbild der Physik ist diese experimentelle Widerlegung der "verborgenen Variablen" eher zweitrangig: solche Hypothesen spielen schon seit Jahrzehnten kaum noch eine Rolle.
Für die Erkenntnistheorie bedeutet das aber, dass der "klassische Realismus" bzw. "naive Realismus" damit sozusagen seinen letzten Schlupfwinkel verloren hat.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Die echte "Mondlandungslüge": "Einen Wettlauf zum Mond gab es nie"

Vor 40 Jahren, zur Zeit der ersten bemannten Mondlandung, "wußte jeder", dass es einen erbitterter Wettlauf zum Mond zwischen der damaligen UdSSR und den USA gab.

Einige Jahre später, etwa ab 1972, meldeten die Sowjets offiziell, sie wären niemals am Wettlauf zum Mond beteiligt gewesen, und hätten nie ein Programm, einen Menschen auf dem Mond zu landen, gehabt. Sie würden niemals das Leben von Sowjetbürgern bei so einem gefährlichen Unternehmen riskieren, wo doch die unbemannten Mondlandungen des Luna-Programms bewiesen hätten, dass Roboter dasselbe leisten könnten.
Heute verwundert es ein wenig, wie leicht die westlichen Medien diese faustdicke Lüge schluckten. Der legendäre CBS-Anchorman Walter Cronkite wandte sich seinerzeit mit dem nachdenklichen Kommentar an seinen amerikanischen Landsleute, dass das Geld für das "Apollo-Programm" verschwendet gewesen sei, weil "die Russen niemals im Rennen gewesen waren."

Seit Ende der 1980er-Jahre wissen wir auch offiziell, dass es den "Wettlauf" wirklich gab - hier eine hervorragende Chronologie des Wettlaufs zum Mond.
Zumindest was das Ziel der ersten bemannten Mondumkreisung angeht, war es ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Das sowjetische bemannte Mondprogramm umfasste neben dem Programm für eine bemannte Mondlandung, das die gewaltige N1-Rakete (die "russische Saturn)" verwenden sollte, ein eigenständiges Programm für eine bemannte Mondumrundung, das auf einem "abgespeckten" Sojus-Raumschiff, der Sojus 7K-L1, meist nur "L1" genannt, auf einer Proton-Trägerrakete beruhte. Die unbemannten Testflüge wurden als "Sond"-Raumsonden getarnt. Auf längere Sicht sollte diese Zersplitterung der Kräfte dem sowjetischen Mondprogramm schaden - bis auf das Sojus-Raumschiff waren die beiden Programme nämlich völlig eigenständig. Auf kürzere Sicht hätte die UdSSR eine sehr gute Chance gehabt, die USA beim bemannten Flug um den Mond zu schlagen - ursprünglich war dieser Flug sogar schon für den Herbst 1967, zu Ehren des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution, geplant.

Im März 1968 hatte die UdSSR "Sond 4" - in Wirklichkeit ein unbemanntes L-1 - in eine hohe Erdumlaufbahn gestartet, die Rückführung der Kapsel scheiterte, da sie außer Kontrolle geriet.
In den USA war, trotz der Verschleierung, der wahre Charakter des "Sond 4"-Fluges durchschaut worden.
Die für Dezember 1968 geplante Apollo 8-Mission sollte ursprünglich die Mondlandefähre testen ("Mission D") - allerdings war im Juni 1968 klar, dass der Hersteller Grumman den Termin nicht würde halten können. George Low, Manager des Apollo Spacecraft Program Office, schlug daher Anfang August vor, die Mission von Apollo 8 neu zu strukturieren und die Astronauten mit der Saturn V zum Mond zu schicken. "Mission D" wurde verschoben, eine Erprobung in einer hohen Umlaufbahn ("Mission E") gestrichen und die Besatzung der "Mission E" sollte den Mondflug übernehmen. Anfangs traf das auf massive Sicherheitsbedenken seitens des NASA-Direktors James Webb, der den Vorschlag mit den Worten "Are you out of your mind?" zurückwies. Tatsächlich war die Saturn V erst zweimal geflogen, wobei beim zweiten Testflug Probleme aufgetreten waren. Wernher von Braun, als Chefkonstrukteur der Rakete, war allerdings der Ansicht, dass wenn man sich schon entschließen würde, die Saturn V bemannt zu starten, es egal sei, wohin sie flöge. Webb ließ sich jedoch überzeugen, weil auf Satellitenfotos die gewaltigen Montagehallen und Startanlagen der sowjetischen N-1-Raketen deutlich zu erkennen waren.
Die NASA begann am 19. August mit der Planung für die jetzt C’ genannte Apollo-8-Mission. Entgegen der sonstigen Praxis der NASA entschied Webb, die Öffentlichkeit über das genaue Ziel des Fluges erst nach dem Abschluss der vorherigen Apollo-7-Mission zu informieren, bis dahin wurden die genauen Flugpläne nicht veröffentlicht.

Ein Problem des sowjetischen Programms war die Unzuverlässigkeit der "Proton"-Rakete. (Raketen der "Proton"-Familie sind bis heute weitaus weniger zuverlässig als die Trägerraketen der "Sojus"-Familie.) Um diese Problem zu umgehen, und um Gewicht zu sparen, schlug der sowjetische Chefkonstrukteur Sergei Koroljow 1965 das Posadka-Verfahren vor: Die Proton mit der L-1 und der für den Mondflug nötigen Zusatzstufe wird unbemannt in eine Erdumlaufbahn gestartet. Dann startet eine normalen Sojus mit drei Kosmonauten an Bord. Zwei von ihnen steigen in das Mondschiff um, der dritte kehrt mit der Sojus zur Erde zurück. Abgesehen davon, dass die beiden Kosmonauten nicht dem Risiko ausgesetzt sind, mit der damals oft versagenden "Proton" zu starten, erspart "Posadka" der ohnehin bis an die Grenzen ihres Leistungsvermögens ausgelasteten "Proton" die ca. 200 kg der Kosmonauten, ihrer Raumanzüge und ihrer Verpflegung. Die Zusatzstufe zündet und bringt die L-1 auf Mondkurs, die den Mond einmal umfliegt - ein Einschwenken in die Mondumlaufbahn war nicht möglich - und zur Erde zurückgekehrt.
Koroljow wird dabei auch "seine" unerprobte N-1 im Hinterkopf gehabt haben - auch bei ihr wäre das "Posadka"-Verfahren vielleicht von Nutzen gewesen. Das "L1"-Raumschiff konnte aber so weit "abgespeckt" werden, dass auf "Posadka" zugunsten eines früheren Flugtermins zunächst verzichtet wurde. Die Sicherheit der Kosmonauten bei einem Fehlstart sollte das Rettungssystem der L1 gewährleisten.

Am 22. April 1968 wurde ein "Sond"-Raumschiff beim Fehlstart der "Proton" zerstört.
Am 15. September vollführte "Sond 5" erstmals einen Mondumflug mit Rückkehr zur Erde und wasserte im Indischen Ozean.
Am 10. Oktober brachte eine Saturn I B Apollo 7 zum ersten bemannten Apollo-Flug in eine Erdumlaufbahn.
Am 25. Oktober startete die unbemannten Sojus 2, gefolgt vom der bemannten Sojus 3. Mehrmalige Versuche einer Kopplung bleiben erfolglos. Dennoch kann Sojus 3 als der erster erfolgreiche bemannte Sojus-Flug gelten. (Sojus 1 stürzte am 24. April 1967 wegen Versagens des Fallschirmsystems bei der Landung ab, wobei der Kosmonaut Wladimir Komarow getötet wurde.)
Am 10. November startete "Sond 6" zum Mond.
Ebenfalls am 10. November trafen alle Verantwortlichen der NASA gemeinsam den endgültigen Entschluss, dass Apollo 8 im Dezember den Mond umfliegen soll. Am 12. November wurde dieser Entschluss der verblüfften Öffentlichkeit bekannt gegeben - allerdings ohne zu erwähnen, dass die NASA mit einem sowjetischen bemannten Mondflug ebenfalls im Dezember rechnete.
Am 16. November schlug "Sond 6" nach erfolgreicher Mondumrundung hart in der kasachischen Steppe auf und wurde dabei so schwer beschädigt, dass die Kosmonauten nicht überlebt hätten.
Dennoch wurde der eigentlich für den Februar 1969 angesetzte erste sowjetische bemannte Start zum Mond auf den 8. bis 12. Dezember vorverlegt - um Apollo 8 noch zu schlagen.
Am 1. Dezember verschob die UdSSR den geplanten ersten bemannten Mondumflug mit einem L-1 Raumschiff wegen technischer Probleme um vier Wochen.
Am 21. Dezember 1968 startete Apollo 8 auf einer Saturn V zum ersten bemannten Mond-Orbitalflug. An Bord waren die Astronauten William Anders, James Lovell und Frank Borman.
Am 24. Dezember 1968 schwenkte Apollo 8 in eine Umlaufbahn um den Mond ein. Während der dritten Mondumkreisung nahm Anders ein Foto auf, dass bald zur "Ikone des Raumzeitalters" wurde:
NASA-Apollo8-Dec24-Earthrise
Die Erde über der Mondoberfläche, aufgenommen am 24. Dezember 1968.
Nach 10 Mondumkreisungen zündete am 25. Dezember um Mitternacht EST auf der erdabgewandten Seite des Mondes das Triebwerk der Apollo 8 und brachte das Raumschiff auf Erdkurs.
Am 27. Dezember wasserte die Apollo-8-Kommandokapsel im Pazifik

Da die UdSSR nun den Wettlauf zur Mondumlaufbahn verloren hatte, wurde auf den riskanten Start einer bemannten L1 verzichtet.
Am 5. Januar 1969 startet das L1 Raumschiff, das eigentlich bemannt zum Mond fliegen sollte, nun als unbemanntes "Sond"-Raumschiff. Die 2. Stufe der Proton explodierte. Eventuell rettete der Flug von Apollo 8 indirekt das Leben zweier Kosmonauten.
Da ab dem 24. Dezember 1968 die Besatzungen von Sojus 4 und 5 in Startbereitschaft waren, kann es durchaus sein, dass eine erfolgreich gestartete L1 im Posadkta-Verfahren in der Erdumlaufbahn bemannt worden wäre. Leider geben die Tagebüchern Kamanins, des Leiters des sowjetischen Kosmonauten-Korps, die sonst eine ausgezeichnete Quelle sind, darüber keine Angaben. Die russische Raumfahrtbehörde Roskomos gibt ebenfalls lt. Mark Wade / Encyclopedia Astronautica keine Auskunft.

Wahrscheinlich gingen beide Seiten niemals in der Geschichte der Raumfahrt derartige Risiken ein, wie während des Jahres 1968!

Der "Wettlauf zum Mond" war aber noch nicht zuende:
14. Januar: Start von Sojus 4, gefolgt von Sojus 5, Kopplung und Außenbord-Umstieg zweier Kosmonauten. Dabei wurden auch die Mondanzüge getestet.
19. Januar: der erste Start einer automatischen Luna-Probenrückholsonde scheiterte an Raketenproblemen. Wäre er geglückt, hätte die UdSSR wenigstens vor den USA Material vom Mond zur Erde gebracht.
21. Februar: der erste Start einer N 1-Rakete scheiterte nach 70 Sekunden durch Explosion der 1. Stufe.
3. März: Apollo 9 startete zum ersten bemannter Test einer Mondfähre in der Erdumlaufbahn.
18. Mai: Apollo 10 startete zum Mond, die Mondfähre wurde im Mondorbit getestet.
14. Juni: zweiter Fehlstart eine Luna-Probenrückholsonde.
4. Juli: eine N1-Rakete explodierte beim Start. Die Startanlage wurden teilweise zerstört. Damit hatte die UdSSR auch bei einem Scheitern von Apollo 11 keine Chance mehr, den ersten Menschen auf den Mond zu bringen.
13. Juli: Erfolgreicher Start der Probenrückholsonde Luna 15.
16. Juli: Start einer Saturn V mit Apollo 11. An Bord waren die Astronauten Michael Collins, Buzz Aldrin und Niel Armstrong.
20. Juli: Apollo 11-Landefähre "Eagle" landete auf dem Mond.
21. Juli (nach Weltzeit): Niel Armstrong betrat als erster Mensch den Mond.
21. Juli: Luna 15 stürzte beim Versuch der weichen Mondlandung ab.

Teil 2: Die echte "Mondlandungslüge" - das Ende des Mondlandeprogramms der UdSSR und warum im Westen geglaubt wurde, dass die Sowjets nie einen Mann zum Mond schicken wollten.

Freitag, 10. Juli 2009

Erstes Flugzeug mit Brennstoffzellenantrieb in Hamburg gestartet - und ich hab's versäumt

Vielleicht wird dieser Tag einmal ganz groß in den Annalen der Luftfahrtgeschichte stehen: In Hamburg hob am 7. Juli erstmals ein bemannter Motorsegeler mit Brennstoffzellen ab.
Brennstoffzellen-Antares fliegt.
Knatterflieger mit Flüsterantrieb.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt wollte mit dem Sechs-Minuten-Flug demonstrieren, dass die neuentwickelten Brennstoffzellen mit zwei Kilogramm Wasserstoff dem Elektromotor genug Energie für einen Start und eine Platzrunde liefern kann. Das mag relativ bescheiden klingen, aber ein Motorsegler kann nach dem Start wie ein Segelflugzeuge mit Hilfe der Thermik Hunderte von Kilometern zurücklegen.

Obwohl ich mich für Luftfahrtechnik sehr interessiere, habe ich das historische Ereignis glatt versäumt - und bin erst durch die Lokalszeitung (ein sehr holziges Holzmedium) darauf gestoßen. Keiner meiner zahlreiches Feeds enthielt dieses wichtige Ereignis.

Vor einigen Jahren behauptete ein Internet-Kritiker, dass Menschen, die sich auf Newsreader und personalisierte Webportale verlassen würden, wichtige und sie selbst interessieren Nachrichten, wenn sie auch nur haarscharf neben den vorher definierten Interessen liegen, einfach nicht mitbekommen würden.
Er behauptete: Hätte es das Internet schon vor 40 Jahren gegeben, hätten bestimmt viele Nutzer nichts von der ersten Mondlandung mitbekommen.
Er hat Recht. Allerdings sind personalisierte Nachrichtendienste, die einen medialen Tunnelblick verursachen, nur die Hälfte des Problems. Das andere Problem ist die Boulevardisierung - übrigens auch der Internet-Nachrichtenportale - was nicht emotional bewegt, schafft es nicht nach vorne.
Der einzige Ausweg: sich die Zeit nehmen, und ruhig einmal etwa SpOn "von Hand" durchgehen. Oder die Zeitung von vorn bis hinten zumindest überfliegen.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Reissäcke und Erdbeben

"In China ist ein Sack Reis umgefallen." Mit anderen Worten: das ist völlig belanglos. Garn nicht belanglos ist, dass sich mit Reissäcken verhindern lässt, dass bei Erdbeben in China Häuser umfallen. (Natürlich auch bei Erdbeben anderswo, und es geht auch mit Kartoffelsäcken. Beziehungsweise dem groben Jutegewebe, aus dem diese Säcke sind.)
Lehmziegelbauten, wie sie aus guten Gründen in vielen heißen Regionen üblich sind, stürzen bei Erdbeben sehr leicht ein.
Wissenschaftler der Uni Kassel entwickelten ein einfaches und sehr preiswertes Verfahren, um Lehmziegelhäuser bei Erdbeben zu schützen: Durch nachträgliches Aufkleben von Naturfasergewebematten - z. B. Jutegewebe - wird das Mauerwerk verstärkt und so das Einsturzrisiko verringert.

Erprobt wurde das Verfahren jetzt erstmals von Amin Davazdah Emami von der Universität Kassel im Iran: Mit Unterstützung der UNESCO startete er ein Pilotprojekt zum Wiederaufbau des iranischen Weltkulturerbes „Arg-é Bam“, das bei einem Erdbeben im Jahr 2003 zerstört wurde.
Reissäcke schützen vor Erdbeben (scienexx).

Dienstag, 7. April 2009

Heute vor 40 Jahren: das erste RFC erschien

Das klingt ziemlich unspektakulär, aber im ersten Request for Comments beschrieb Steve Crocker die Software-Architektur des gerade entstehenden ARPAnet, einem experimentelles Computernetzwerk der amerikanischen "Advanced Research Projects Agency" (ARPA), aus dem später das Internet hervorging.
Wenn man so will, war RFC 1 die "Geburtsurkunde" des Internets.
Man kann es aber auch so sehen, dass erst ab der Umstellung des ARPAnet auf das Transmission Control Protocol/Internet Protocol (TCP/IP) im Jahr 1982 vom Internet die Rede sein kann. Jedenfalls wurde der Begriff "Internet" damals populär. Auch wenn sich die Popularität vorerst einmal mehr oder weniger auf die Informatik-Fakultäten gut ausgestatteter Unis beschränkte. Es ist kein Witz: noch in der 1986er-Ausgabe des "rororo Computer-Lexikons" fehlte das Stichwort "Internet"!
Wirklich populär wurde das Internet bekanntlich aber erst mit dem World Wide Web, von führenden Internetausdruckern in Politik und Presse gern mit dem Internet verwechselt, obwohl das WWW nur eine mögliche Nutzung des Internets darstellt. Das WWW wurde im März 1989 von Tim Berners-Lee am CERN konzipiert, und am 30. April 1993 für die allgemeine Nutzung freigegeben. Da ich schon die "Geburtsurkunde des Internet" verlinke, verlinke ich auch die des WWW: Information Management: A Proposal.

Sonntag, 5. April 2009

Evolution auf musikalisch

Heute stieß ich auf der Seite Darwin Rocks! auf ein geniales Spiel, mit dem sich die Evolution musikalisch erfahren lässt. Oder, wie es die Autoren der Seite ausdrücken: "In diesem Computerspiel kannst Du durch Evolution Musik entwickeln, besser gesagt sie entwickelt sich von selbst."
Zwar hängt - das kann man als methodologische Schwäche sehen - der unterschiedliche Fortpflanzungserfolg der Musikstücke vom persönlichen Geschmack des Spielers ab, es ist also kein Modell der natürlichen Selektion. Aber es gibt einen Eindruck, wie Neues ohne Detailplanung entsteht. Dem Spieler werden durchaus handfeste evolutionsbiologische Konzepte als Einflussgrößen auf die von ihm gelenkte Evolution näher gebracht, er bestimmt Populationsgröße, Verwandtenpaarung, Mutationsrate, Sex oder Selbstbefruchtung.

Außer dem Spiel, das übrigens sehr viel Spaß macht, bietet "Darwin Rocks" noch das gut gemachte Musik-Video "Überlieben", das auf unterhaltsame Weise die Themen Evolution, natürliche Selektion und Liebe (sprich: Vermehrung) aufgreift, und das weitverbreitete Vorurteil, Evolution hieße, nur der Stärkere überlebt, lügen straft.

Donnerstag, 5. März 2009

Musiker nehmen Gefühle in der Stimme besser wahr als Nicht-Musiker

Musiker hören selbst feinste Gefühlsnuancen aus der Stimme eines Gesprächspartners heraus: Ihr Gehirn ist durch die musikalische Ausbildung darauf trainiert, äußerst effizient komplexe akustische Signale zu erfassen und zu verarbeiten, hat ein amerikanisches Neurologenteam gezeigt. (Mehr: wissenschaft.de: Klingendes Sprachgefühl.)

Schon die Alltagserfahrung spricht dafür, dass Musiker im Durchschnitt Gefühle in der Stimme besser wahrnehmen können als Nicht-Musiker. Im Durchschnitt: denn sonst gäbe es keine Musiker, die hinsichtlich der Gefühle ihrer Mitmenschen die Sensibilität einer Abbruchkugel haben.
Anderseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass Musiker oft besseren Zuhörer als Nichtmusiker sind. Allerdings: diese Alltagserfahrungen sind rein anekdotisch und für die Wissenschaft von geringem Wert.

Von geringen Wert ist, unabhängig davon, wie plausibel oder "überraschend" ihre Ergebnisse sind, aber auch diese Studie: An ihr nahmen gerade einmal 30 Probanden teil. Mehr als einen "ersten Eindruck" kann sie nicht geben. Übrigens beruhen viele der "sensationellen wissenschaftlichen Erkenntnisse", die durch die Massenmedien geistern, auf fragwürdigen bis unseriösen Untersuchungen.

Es fällt mir außerdem auf, dass neurowissenschaftliche Erklärungsmodelle zumindest bei den Massenmedien momentan "große Mode" sind. So wie vor einigen Jahren es "etwas mit Genen" zu tun haben musste, um Schlagzeilen zu machen, oder früher "was mit Computern" oder noch früher "was mit Atom".
Typisch scheint mir zu sein, dass die "Modeverfahren" eher mechanistische Ansätze haben - die gelten bei einem Teil des Publikums als besonders objektiv, während sie den eher metaphysisch bzw. religiös orientierten Teil der Publikums vorhersehbar auf die Palme bringen. Beides ist gut für Schlagzeilen.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Mücken im Weltraum - oder Mücken zu Elefanten?

Es wäre eine Sensation - wenn es denn stimmen würde.

Angeblich hat eine Mücke an der Außenhaut der ISS, also im Vakuum, 1 1/2 Jahre lebendig überstanden. Insektenforscher sind angesichts dieser Nachricht den auch mehr als skeptisch:
SpOn: Mücke soll anderthalb Jahre im freien Weltraum überlebt haben.

Die Mücke war kein "blinder Passagier" an der Außenhaut, wie z. B. die idiotisch formulierte Schlagzeile auf fr-onlinesuggeriert: Mücke überlebt an der Außenhaut, sondern Teil des Experimentes Biorisk-MSN, das die Auswirkungen der kosmischen Strahlung bei Langzeitflügen auf lebende Organismen untersucht, und dessen (geschlossene) Plastikbehälter tatsächlich außen an der Station angebracht sind.
Aber selbst im geschlossenen Behälter könnte eine "kältestarre" Mücke keine eineinhalb Jahre überleben - nicht auf der Erde und erst recht nicht im Weltraum.
Zu den bisher untersuchten Proben gehören z. B. Bakterien und Pilze, der logische nächste Schritt wäre der Test von Pflanzensamen und Eiern von Kleinkrebsen - oder auch Insekteneiern.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Mückeneier, sofern sie nicht dem Vakuum ausgesetzt waren, die kosmische Strahlung und die Temperaturwechsel ohne weiteres überstehen.

Montag, 15. Dezember 2008

"Evolution ist Überall"

2009 wird in zweifacher Hinsicht ein Darwin-Jahr sein: Im Februar 2009 jährt sich Charles Darwins Geburtstag zum 200. Mal und vor 150 Jahren erschien sein Hauptwerk "On the Origin of Species".
Darwin

Aus diesem Anlass haben die Giordano Bruno Stiftung und die AG Evolutionsbiologie des Verbandes der deutschen Biologen ein Internetportal eröffnet: www.Darwin-Jahr.de. Schwerpunkt ist, außer dem obligatorischen Terminkalender mit den wichtigsten Veranstaltungen des Darwin-Jahrs, das "Evo-Magazin", dass die neuesten Erkenntnisse der Evolutionsbiologie, neue Bücher und Interviews präsentiert.

Die schon jetzt sehr informative Website soll in den nächsten Wochen und Monaten kontinuierlich ausgebaut werden.

Mit etwas gemischten Gefühlen sehe ich dabei der noch nicht implementierten Rubrik "Neues aus dem Kreationisten-Urwald" entgegen - auch wenn meine Sympatie für den Kreationismus und seine pseudowissenschaftlich verbrämte Light-Version "Intelligent Design" streng gegen Null geht. Auf dem Portal soll es auch "erheiternde Einblicke in die diversen Schöpfungsmythen geben, die homo sapiens im Zuge seiner kulturellen Evolution hervorgebracht hat". Meine etwas gemischte Gefühle rühren daher, dass Schöpfungsmythen eben Mythen sind. Mythen können Gleichnise, Metaphern oder Gedankenexperiment sein, oft sind sie Projektionen menschlicher Probleme und Erfahrungen, immer sind sie erzählerische Aufarbeitungen menschlicher Urängste und Urhoffnungen. Mythen machen Unanschauliches begreifbar - so gesehen ist auch etwa der "Urknall" als anschauliche erzählerische Metapher für die den "gesunden Menschenverstand" übersteigenden Erkenntnisse der modernen Physik ein "kosmologischer Mythos", unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt.

Meiner Ansicht nach alle(!) Kreationisten und sehr viele Kritiker der Kreationisten vergessen, verdrängen oder wissen nicht, dass etwa die beiden (!) Schöpfungsberichte der Bibel Mythen sind, und nicht etwa wörtlich zu nehmende historische Wahrheiten (Kreationisten) oder hilflose Versuche einer vor-wissenschaftlichen Theoriebildung (Anti-Kreationisten).

Ergänzung: Sehr lesenswert, dieser Beitrag zum Darwin-Jahr auf FAZ.net: Darwin-Jahr 2009 - Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie. Michael Ende - ein moderner Mythendichter ...

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