Donnerstag, 14. Mai 2009

Gefährlich Überschätzung: Homöopathie gegen "Schweinegrippe"

Unter der banalen Überschrift der Pressemitteilung verbirgt sich m. E. ungeheuerliches: Homöopathische Ärzte behandeln H1N1-Erkrankte.
Es wäre auch schlimm, wenn in Homöopathie ausgebildete Ärzte Grippekranke nicht behandeln würden. Im Ernst: ich bestreite nicht, dass es Mittel im homöopathische Arzneischatz gibt, die, zusätzlich zu einer konventionellen Behandlung gegeben, bei einer Grippe hilfreich sein könnten. Aber darum geht es ja nicht.

Mich stört ganz gewaltig, dass in dieser Pressemeldung Curt Kösters, Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), seine Behauptung, diese Infektionskrankheit ließe sich sehr gut homöopathisch behandeln (ausschließlich homöopthisch behandeln, wenn ich ihn richtig verstehe), mit einem Beispiel aus der Zeit der Pandemie der "Spanischen Grippe" von 1918 belegt.
Nicht nur, dass es noch keine Grippeschutzimpfung gab. Eine Impfung gegen die "Schweinegrippe" ist immerhin in Sicht, so dass mit einer Pandemie von dem Ausmaßen der "Spanische Grippe" nicht zu rechnen ist. Außerdem bieten herkömmliche Impfungen gegen H1N1-Viren wahrscheinlich über Kreuzimmunität einen gewissen Schutz.
Von wirksamen virustatische Medikamenten, wie Oseltamivir (Handelname u. A. Tamiflu) oder Zanmirvir (Handelsname u. A. Relenza) konnten damalige Ärzte nicht einmal träumen. Das einzige, was ein Arzt damals machen konnte, war eine symptomatische Therapie. Und auch deren Möglichkeiten, Komplikationen wie etwa eine Lungenentzündung zu verhindern, waren in der Zeit vor den Antibiotika verglichen mit heute bescheiden.

Dr. H. W. Sjögren hatte damals laut Dr. Cösters 805 Fälle von Grippe dokumentiert, die er homöopathisch behandelte, "da die Sterblichkeit bei allopathischer Behandlung abschreckend wirkte." (Allopathisch wäre bei Grippe etwa die Gabe eines fiebersenkenden Mittels - was außer bei lebensgefährlich hohem Fiber bei der Virusgrippe tatsächlich unangebracht ist, damals aber gängige Praxis war.) Dr. Sjögren verzichte offensichtlich auf die im Grunde hilflosen, manchmal sogar schädlichen, Therapieversuche anderer Ärzte - und machte damit gute Erfahrungen.

Aus heutiger Sicht würde aber eine rein homöopathische Behandlung einer schweren Virusgrippe bedeuten, dass dem Patienten eine in den meisten Fällen wirksame Behandlung mit "konventionellen" Medikamenten vorenthalten wird. Ich hoffe sehr, dass die in Homöopathie ausgebildeten Ärzte die Möglichkeiten dieser Methode nicht so überschätzen, wie dies offensichtlich der Vorsitzende des DZVhÄ tut.

Um es ganz deutlich zu sagen: mit dieser Pressemitteilung wirb der DZVhÄ leichtfertig mit Heilungsversprechen, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar sind!

Warum ich lieber blogge als für die Lokalpresse zu schreiben

Neulich wurde ich von einem Leser meines Blogs gefragt, warum ich denn nicht auch mal was für die Zeitung schreiben würde. Ich schriebe doch so gut.
Nun, wer sich einigermaßen mit Journalismus beschäftigt hat, der weiß, dass meine Schreibe hier nicht professionellen Maßstäben entspricht. Davon abgesehen: ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, "mal was für die Zeitung" zu schreiben: Viel Ärger, wenig Geld.

Es ist schon einige Jahre her, da bezog ich Arbeitslosenhilfe und verdiente als "freier Mitarbeiter" für Zeitungen und ab und an Zeitschriften ein paar Mark nebenher. Was ich auch brav als "Nebenverdienst" angab.
Das handelte mir Ärger mit dem Arbeitsamt ein. Ich geriet in den Verdacht, das Arbeitsamt zu beschummeln. Eine Sachbearbeiterin bei der Zahlungsabteilung hielt die von mir angegebenen Honorare für zu niedrig, um plausibel zu sein.

Ich habe nie erfahren, was die Sachbearbeiterin unter "plausiblen" Honoraren verstand. Ich vermute, sie ging von den Honorarvereinbarungen etwa des Deutschen Journalisten-Verbandes aus. Diese Honorare sind zwar auch nicht üppig (alter Kalauer: "Honorar" käme von "rar"), lagen aber deutlich über dem, was ich mit meiner Schreiberei verdiente.

Nun ist es nichts Neues, dass die Artikel in Lokalblättern vor allem von Studenten, Hausfrauen, Rentnern, Arbeitslosen (wie mir) oder anderen nicht-hauptberuflichen Journalisten geschrieben werden. Daraus, aus Pressemitteilungen der Vereine und der örtlichen Unternehmen sowie aus Agenturmeldungen besteht fast der ganze "redaktionelle Inhalt" einer typischen Lokalzeitung. Auch bei der "Yellow Press" (den "Klatschblättern") und bei vielen Spezialzeitschriften ist der Anteil von Nebenerwerbs-Journalisten traditionell groß.
Einige Lokalblätter zahlen Zeilenhonorare von nur 10 Cent pro Zeile. Das glaubt einem ein Branchenfremder nicht so ohne Weiteres. Nun gut, mag mancher denken, für Schreibe auf meinem Niveau ist das vielleicht angemessen. Es gibt aber auch einige hauptberufliche Journalisten, die solche Hungerlöhne erhalten. Oftmals parallel zu Arbeitslosengeld II.

Interessante Einblicke in die Honorarsituation der freien Lokal-Reporter und die Gründe dieser Misere geben zwei Artikel auf Meedia, einem Medien-Portal:
Honorare 2009: Leben mit 10 Cent pro Zeile
und
„Honorare sind unterirdisch niedrig“.
Letzter ist besonders interessant, weil der "Nordkurier"-Chefredakteurs Michael Seidel in einem offenen Brief diese sonst von den Verlagen eher verschleierte Tatsache offen anspricht.

Gestoßen bin ich auf diese Artikel übrigens durch einen Blogbeitrag Thomas Knüwers: Real existierender Bürgerjournalismus.

Warum ist das so?
Aus Sicht der kleinen Lokalblätter und auflagenschwachen Spezialzeitschriften sind die raren Honorare oft ein aus finanziellen Zwängen geborenes Übel: sie können oft nicht besser zahlen, selbst wenn sie es wollen.
Das ist sozusagen ein traditioneller Missstand. Ein anderer, neuerer Grund liegt meines Erachtens darin, dass, egal ob auf "totem Baum" oder Online, zwar sehr viel von "Qualitätsjournalismus" die Rede ist, aber in der Praxis möglichst preiswerter "Content", Seitenfüllstoff, gefragt ist. Entsprechend sehen dann auch die Honorarverhandlungen aus: im Zweifel schreibt die Praktikantin billiger. Und Pressemeldungen sind umsonst.

Ein Problem bei den von Gewerkschaften aushandelten Honorarsätzen liegt darin, dass ein echter "freier Journalist" für mehrere Auftraggeber arbeitet und deshalb niemals als "fester Freier" in Kategorie "arbeitnehmerähnlich" fällt. Für die meisten Nebenerwerbs-Journalisten ist das, was VerDi oder DJV aushandeln, ohnehin schlicht irrelevant. Und der gern von gewerkschaftlicher Seite gegebene Hinweis, freie Journalisten müssten eben auf die vereinbarten Honorarsätze pochen, ist in der Praxis nicht durchsetzbar.

Ein sehr wichtiger Grund dafür, warum Hungerhonorare auch außerhalb der Lokalpresse üblich geworden sind, ist: Der Markt für freie Journalisten - für Journalisten insgesamt - ist überbesetzt. Nachdem viele Verlage ihre Redaktionen drastisch verkleinert haben, schlagen sich viele professionelle Journalisten auf dem Markt der "Freien" durch.

Deshalb verzichte ich heutzutage darauf, für Lokalzeitungen zu schreiben.
Es lohnt sich nur dann, wenn man Idealist ist. Dieser Idealismus vergeht einem aber schnell, wenn man merkt, wie stark die Rücksichtnahme auf Anzeigenkunden, auf die örtlichen Politiker und auf "Lokalgrößen" in Behörden, Wirtschaft und Vereinswesen in Lokalredaktionen ist. Der einzige andere Grund für die Lokalpresse zu schreiben, wäre der, z. B. als Pressesprecher eines Unternehmens oder Vereins, "PR im Kleinen" zu betreiben.
Mir ist auch bewusst, dass ich als "Amateurjournalist" faktisch "Honorardrücker" für die "Profis" bin.

Um mich "selbst schreibend zu verwirklichen", ist ein Blog sowieso das geeignetere Medium. Denn zum "Modeberuf Journalist" oder dazu, unbedingt "irgendwas mit Medien" zu machen, hat es mich nie gedrängt. Auch meine Zeitungs- und Zeitschriftenartikel damals waren Nebenprodukte meiner Hobbys.

Dienstag, 12. Mai 2009

Trau, schau, wem ...

Die Deutsche Kinderhilfe startet eine Unterschriftenaktion, um die Netzzensur-Pläne der Bundesregierung gegen "Kinderpornographie" zu unterstützen. Die Aktion richtet sich explizit gegen die ePetition, die mittlerweile von 75.000 Mitzeichnern unterstützt wird. Deutsche Kinderhilfe für Zensursula.
Deutsche Kinderhilfe? War da nicht mal was? Kommen einem bestimmte Namen nicht irgendwie bekannt vor?

Goldene Worte - bleierne Realität

Ja, da hat Miriam Meckel Recht:
Wir brauchen Menschen, die von ihrem Schreibtisch aufstehen und sich von ihrem Computer lösen, um zu beobachten, was in der Welt geschieht. Wir brauchen Menschen, die unter Recherche mehr als die Eingabe eines Begriffs in eine Suchmaschine verstehen. Die mit anderen Menschen sprechen, um zu verstehen, was sie bewegt und ihr Leben bestimmt. Wir brauchen Menschen, die diese Geschichten so erzählen können, dass andere sich für sie interessieren.
Was, so sehe ich es, auf einige andere Aussagen in ihrem Artikel Qualitätsjournalismus: In der Grotte der Erinnerung nicht zutreffen dürfte.

Lassen wir mal die wohldokomentierte Tasache beiseite, dass Frau Meckel Partnerin der Brunswick Group, eines international tätigen Unternehmens für Strategieberatung ist. Wobei die Brunswick Group ja auch den "Journalistenschreck" David Montgomery, den Medien-Finanzinvestor, berät, einen knallharten Kostenminimierer und Redaktions-Einschrumpfer. Ich vermute zwar, dass sie damit mehr Geld verdient, als als "Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen", und damit keineswegs eine neutrale Expertin ist, aber da heißt noch lange nicht zwangläufig, dass der Artikel verlogen ist. Schließlich ist sie nicht die persönliche Beraterin Montgomerys, eines der real existierenden "Totengräber des Qualitätsjournalismus".
Ich nehme sogar an, dass die Frau Professorin ehrlich glaubt, was sie da schreibt.

Ich bin zwar kein berufsmäßiger Journalist, aber ich weiß aus Gesprächen mit "Profis" in etwa, wie der reale Redaktionsalltag im Jahre 2009 so aussieht. Nämlich trübe. Wenn ich z. B. erfahre, dass in einer Online-Redaktion der einzige Mitarbeiter, der überhaupt Zeit und Energie hat, mal den Schreibtisch zu verlassen und für Recherchen nach draußen zu gehen, die Praktikantin ist, dann ist das, nach allem was ich weiß, nicht untypisch. Ebenso wenig, wie dass Zeitungsredaktionen heutzutage hauptsächlich mit dem Umschreiben von Pressemeldungen und dem Aufbereiten von Agenturtexten beschäftigt sind. Oder dass die meisten Texte von Volontären und Praktikanten verfasst werden, während erfahrenere Journalisten, etwa als Chefredakteure, sich mehr denn je mit betriebswirtschaftlichen und administrativen Tätigkeiten, mit Produktmanagement, herumschlagen müssen. Für investigative Recherchen fehlen meistens schlicht die Mittel.
Näheres überlasse ich einem Bloggerkollegen, der selbst Journalist ist, und uns Blogger keineswegs schont (im Gegenteil); und einem bloggendem Journalisten.

Ich habe den Eindruck, dass Meckel im "Entweder-Oder"-Denken gefangen ist. Entweder, das bisherige Geschäftsmodell der Medienunternehmen finanziert weiterhin den Journalismus - oder der recherchierende und reflektierende Qualitätsjournalismus verschwindet. Bis auf das von ihr als unzureichend beschriebenen Stiftungsmodell Huffingtons erwähnt - oder kennt? - die Medienwissenschaftlerin keine anderen Modelle. (Das ist etwa so, als würde ich behaupten, ein Musiker könne nur mit einem Plattenvertrag mit einen "Major Label" Geld verdienen, abgesehen von einer Handvoll Musikern in öffentlichen oder durch Stiftungen finanzierten Einrichtungen.)

Wie sieht es bei mir persönlich, einem Blogger und Gelegenheitsjournalisten (manche sagen: Möchtegernjournalisten) aus?
Frau Meckel hat natürlich recht, ein Großteil der Inhalte, die in Weblogs präsentiert und diskutiert werden, stammen aus der Recherche und Publikation der traditionellen Medien. Dass trifft auch auf mein Senfblog zu.
Allerdings kommt auch der Inhalt "tradioneller Medien", siehe oben, größtenteils aus zweiter Hand.
Ich behaupte mal ganz frech: Auf einige Gebieten traue ich mir ohne Weiteres zu, kundiger als die meisten Journalisten zu sein. Das trifft auf viele Blogger in noch größerem Maße als mich zu. Was, zusammen mit der Tatsache, dass "Amateure" selten unter Zeitdruck stehen, dazu führt, dass nicht nur die "Kommentare", sondern auch die "Hintergrundartikel" auf Blogs oft qualitativ besser sind, als die in den "traditionellen Medien".
In meinem Fall kommt noch hinzu, dass ich, vor allem auf den Seiten von "Nornirs Ætt", gern Nachrichten aufgreife, die im "Mainstream", aus welchen Gründe auch immer, untergehen. Auch dieses "Heben versunkenen Schätze" betreiben viele Blogger. Und nicht wenige von ihnen machen das weitaus besser, als die unter Auflagen- und Quotendruck, eventuell auch noch unter dem Druck der Agenda ihres Verlages oder ihres Senders, stehenden klassischen Medien.

Außerdem hätte sie sogar bei meinen wenig ambitionierten Blog Unrecht, wenn sie meint, dass (abgesehen von persönlichen Befindlichkeiten und Alltagsgeschichten) nichts wirklich Neues darin stünde.
Erst recht gilt das für die Blogs von Experten und politisch engagierten Bürgern, deren Inhalten mitunter später von den klassischen Medien aufgegriffen werden. (Aktuelles Beispiel: Zensursula. Denn zuerst jubelte die Maistream-Medien fast unisono über den "Stoppschild"-Gesetzentwurf, die sachkundige Kritik kam "aus dem Internet".)

Sonntag, 10. Mai 2009

Den "Hafengeburtstag" lehne ich inkonsequent ab!

Es gibt von mir eine Fotogalerie von der Einlaufparade zum "Hafengeburtstag" am 8. Mai.
Sie ist ein Dokument meiner Inkonsequenz.

Denn ich lehne die Feiern des "Hamburger Hafengeburtstags" ab.

Vor zwei Jahren schrieb ich Hafengeburtstag in Hamburg: "He lücht!". Kurz zusammengefasst: Der "Hafengeburtstag" gründet sich auf eine mittelalterliche Urkundenfälschung. Die "Tradition des Hafengeburtstags" wurde 1939 begründet - als typische Nazi-Feier. 1977, als genügend Gras über diese peinliche Veranstaltung gewachsen war, regte der damalige Wirtschaftssenator Wilhelm Nölling mit Blick auf den Tourismus den "Hafengeburtstag", wie wir ihn heute kennen, an.

Mit Nils von Magerfettstufe bin ich einer Meinung: der Hafengeburtstag ist uninteressant. Die "Festmeile" zwischen St.Pauli Landungsbrücken und Fischmarkt ist zum größten Teil eine austauschbare Fress- und Saufmeile. Die Unterschiede zum "Alstervergnügen" oder zum "Weihnachtsmarkt" sind marginal. Alles wie gehabt: Rummelplatz mit viel Gedränge am Wasser. Standard-Attraktionen wie das "Schlepperballett" waren mal originell. Sicher, es gibt Lifemusik umsonst und draußen, und auch Schiffbesichtigungen interessieren mich. Aber sowohl Lifemusik wie Schiffsbesichtigungen gibt es zu anderen Gelegenheiten ohne viel Gedränge und Remmidemmi.
Kein Wunder, dass mich, wie anscheinend immer mehr Hamburger der "Hafengeburtstag" kalt lässt. Nach einer (nicht repräsentativen) Umfrage des "Hamburger Abendblattes" wollen 79 % der Befragten nicht zum "Hafengeburtstag" gehen.

Alles wie immer? Nö, denn dieses Mal gab es eine unglaublich blöde, überflüssige, extrem belästigende Idee: das Partnerland des 820. "Hafengeburtstags", die Schweiz, schickt, in Ermangelung schöner Schiffe, die Kunstflugstaffel "Patrouille Suisse". Eine Kunstflugstaffel - mit Kampfjets vom Typ Northrop F-5 Tiger II. Hieß es nicht nach der Flugkatastrophe von Ramstein, Kunstflugvorführungen mit Jets seien selbst bei verbesserten Sicherheitsregeln zu gefährlich, um je wieder genehmigt zu werden? Am Sonnabend mussten nicht allein die vielleicht noch interessierten Besucher des "Volksfestes", sondern auch zehnttausende Anwohner eine Viertelstunde lang ohrenbetäubendem Lärm über Elbe und Innenstadt ertragen: Schweizer Flieger ärgern Hamburger.

Weil halte es für unangemessen am 8. Mai etwas anderes zu feiern, als die Befreiung der Menschheit vor Deutschland am 8. Mai 1945 - wo lautes Feiern für uns Deutsche, zumal mit Kriegsschiffen und Militärjets (auch wenn sie aus der neutralen Schweiz kommen) schlicht geschmacklos ist. (Nebenbei: Auch wenn "Tag der Befreiung" gegenüber "Zusammenbruch" oder "Stunde Null" ein echter Fortschritt war: es ging bei der Bedingungslosen Kapitulation Deutschland nicht darum, Deutschland von "den Nazis" zu befreien. Wie denn auch, wenn Hitlers Mörderregime auf über 80% Zustimmung rechnen konnte? Wo klar war, dass es Deutschlands gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und auch kulturellen Strukturen waren, die Vernichtungskrieg und Holocaust möglich machten? Um befreit zu werden, muss man gefangen sein, und die überwiegende Mehrheit der Deutschen stand, selbst wenn sie keine Täter waren, auf Seiten der "Gefängniswärter" und "Henker. Gefangene Deutsche, das waren ausschließlich die politischen Gegner, die Angehörige von Minderheiten in Gefängnissen, KZ, Strafbattalionen, und jene, die täglich vor der Gestapo und ihren denunziationsfreudigen Mitmenschen bedroht waren - deutsche Juden kaum noch, die hatten entweder noch rechtzeitig ihr nacktes Leben durch Flucht gerettet oder waren ´45 längst ermordet.
Vielleicht sollte es "Tag der Gnade" heißen: die Sieger, einschließlich Stalins brutaler Diktatur, gegen unendlich viel gnädiger mit den Deutschen um, als sie es umgekehrt mit ihren "Feinden" taten. Und "Tag des unverdienten Glücks", denn nach Ausbruch des "Kalten Krieges" war ab 1947 im Westen, ab etwa 1949 auch im Osten von "Deindustalisierung" und wenig später auch von "Demilitarisierung" nicht mehr die Rede.)

Wie auch immer: Es ist bezeichnend, dass der 8. Mai in Deutschland nur in Mecklenburg-Vorpommern Feiertag ist. (In Österreich, dem Opferland, das schnell und willig zum Täterland wurde, ist er auch kein Feiertag.)
Beifreites Lachen steht uns am jenem Festtag, als die Welt von der tödlichen Bedrohung durch uns befreit war, dennoch wohl an - ich kenne da jemanden, der hat zur Bedingungslosen Kapitulation 1945 nur gelacht. Wie er auch heute über seine falschen Freunde mit dem braunstichigen Innenleben nur höhnisch lachen kann. Auf das ihnen, ihren Gesinnungsgenossen und auch den unsäglichen Nazi-Relativierern, Schlussstrich-Ziehern und Freunden autoritären "Durchgreifens" das Lachen vergehen möge!

Aber dennoch bin ich von Schiffen, vor allem Segelschiffen, fasziniert. Während ich die Festmeile meide, genieße ich es, bequem im Finkenwerder "Gorch Fock-Park" (benannt nach einem Dichter, der im Dienst der Kaiserlichen Marine elendiglich ersoffen ist), mit einem kühlen Bier in Griffweite zu sitzen, und die prachtvollen Schiffe vorbeisegeln zu lassen.

Inkonsequent? Ja. Unmoralisch? Vielleicht. Schlechtes Gewissen? Bestimmt nicht! Das sollten lieber andere haben ... jene, die es in der Hand hätten, den "Hafengeburtstag" wieder verschwinden zu lassen. Vielleicht zugunsten eines Hafenfestes wie der Rostocker "Hanse Sail", bei dem es etwas mehr um Seefahrt und weniger um Rummel geht. Zum einem anderen Termin als ausgerechnet dem 8. Mai.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Piraten - Anmerkungen zu einem rebellionsromantischen Begriff

Piraterie ist wieder im Kommen. Sowohl als Seeraub wie im übertragenen Sinne.
Mein Mitleid mit den Piraten vor Somalias Küsten hält sich in Grenzen - die chaotischen Zustände in Somalia, für die die Somalis am wenigsten können, hin, die Raubfischerei in somalischen Gewässern (nebenbei: auch eine Form der Piraterie) her.
Geiselnahme zulasten einfacher, oft jämmerlich bezahlter, Seeleute, verdient keine Gnade, da ist einfach die Grenzen dessen, was noch als "Notwehr" durchginge, überschritten.

Die "Piraterie" in übertragenen Sinne, nämlich Urheberrechtsverletzung, ist natürlich nicht damit zu vergleichen. Ein Kavaliersdelikt ist sie nicht. Geistiges Eigentum, und darum geht es beim Urheberrecht, gehört, zumindest nach deutschem Recht, nur den Autoren.
Aus Sicht der Autoren kann man tatsächlich vom "Diebstahl" sprechen, auch wenn niemand sie mit der Pistole bedroht und nicht etwa das Manuskript oder die Noten verschwinden, sondern Text, Bilder oder Musik "nur" kopiert werden. (Aus juristischer Sicht ist z. B. illegaler Download deshalb kein Diebstahl.)
Autoren, die von ihrer Arbeit leben müssen, tut das schon weh - und macht sie zu zurecht wütend. Denn jede illegale Kopie ist entgangenes Geld - bei Büchern (Hardcover) ist der Autorenanteil bei Autoren mit gutem Vertrag etwa 10 % des Verkaufspreises, bei Taschenbüchern sind es um die 5 % - oft weniger. Das bedeutet, dass nur einige wenige Bestsellerautoren durchs Bücherschreiben reich werden können.
So, wie Musiker im Allgemeinen ein lausig schlecht bezahlter Beruf ist.

2007 wurde das Urheberrecht verschäft, allerdings hat es den Autoren, den Urhebern, tatsächlich nichts viel gebracht. Im Gegenteil, Schriftsteller oder Komponisten verdienen heute in der Regel weniger als zuvor!
Wer verdient, sind die Inhaber der Verwertungsrechte, also die Medienindustrie, die im Kernbereich eine Kopier- und Verbreitungsindustrie ist.
Neben der legalen Kopierindustrie gibt es auch eine illegale Kopierindustrie - "gewerbsmäßige Raubkopierer" bzw. "Verwertungsrechts-Piraten". Ein höchst profitträchtiges Unternehmen, für das mir jedes Verständnis fehlt.
Wenn sich aber die Medienindustrie als "Hüterin der Urheberrechte" darstellt, ist das bestenfalls eine Halbwahrheit.
Leider ist es auf Seiten der Medienindustrie - und damit auch der Presse - in Sachen Verwertungsrechte durchaus üblich, Sachverhalte in einem Atemzug zu nennen, die nichts miteinander zu tun haben. Ich finde es in der Tat bemerkenswert, wie sehr die Medienindustrie den öffentlichen Diskurs bestimmt, und undifferenzierte Gleichsetzung etwa von "Download" mit "illegalen Download" und dieses mit "Diebstahl" etabliert.
Ein aktuelles Beispiel für die Gleichsetzung ungleicher Sachverhalte ist die Berichterstattung über den "Heidelberger Appell": Google Books, YouTube, The Pirate Bay und Open Access - aus urheberrechtlicher Sicht sehr verschiedene Plattformen, so verschieden wie Apfel, Orangen und Kürbisse, werden sozusagen zu einen grausigem Obstbrei verrührt. Der ungünstigste Fall im Einheitsbrei wird dann zum Regelfall erklärt. Damit wird dann die Forderung nach politischen Maßnahmen zur "Wahrung von Urheberrechten" begründet.
Open Access ist z. B. alles andere als eine Beschränkung der Urheberrechte. Wissenschaftler, die ihre Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften publizieren, erhalten in der Regel kein Honorar. Hingegen erzielen die Verlage dieser teurer Zeitschriften durchaus gute Gewinne. Bei einer Veröffentlichung unter Open Access bekommt der Wissenschaftler zwar auch kein Honorar, aber wenigstens verdient niemand an seiner schöpferischen Arbeit - und die Öffentlichkeit, die vor allem aus Wissenschaftlerkollegen besteht, kommt kostenlos an aktuelle Forschungsergebnisse. Das ist legitim, denn Universitäten und öffentlich unterstützter Forschungseinrichtungen werden teilweise oder ganz vom Steuerzahler bezahlt.
Übrigens halte ich Medienindustrie nicht für überflüssig. Schon aus dem Grunde, dass Autoren, dass Künstler nicht unbedingt gute Unternehmer sind. Dienstleister wie Verleger, Manager oder Agenten werden nach wie vor gebraucht. Aber das Geschäftsmodell einer Kopierindustrie, das einst darauf aufbaute, dass z. B. Plattenpresswerke das einzige Mittel waren, Musik massenhaft zu verbreiten, ist meiner Ansicht nach technisch veraltet.

Seitens der an den herkömmlichen Verbreitungswegen interessierten Medien werden gern und oft unkonventionelle Verbreitungswege, bei denen die Urheber (zur Erinnerung: das sind die Autoren bzw. Künstler und niemand sonst!), sehr wohl auf ihre Kosten kommen, mit "Online-Piraterie" gleichgesetzt.
Da liegt es nahe, wenn eine Partei, die ein neues Verständnis von der Rolle des kreativen Schöpfungsprozesses und von der Nutzung technischer und kultureller Errungenschaften hat, und die sich abzeichnenden Überwachungsgesellschaft ablehnt, Die Piratenpartei nennt.
piratin02
"Die Piraten" nennen sich also aus ähnlichen Gründen "Piraten", aus denen sich Homosexuelle "Schwule" nennen, oder, noch nicht so etabliert, Schwerbehinderte "Krüppel", Einwanderer "Kanaken" - oder aus denen ich es vorziehe, mich "Heide" zu nennen, anstatt etwa "Naturreligiöser" (was sowieso nicht ganz hinhaut). Negativ gemeinte Begriffe lassen sich, um im Bild zu bleiben, kapern.
Wobei "Pirat" wegen der Rebellions- und Sozialromantik des Piratentums ohnehin nicht rein negativ besetzt ist: Sozialromantische Piraten?.

In seinem, meiner Meinung nach in seinem Kulturpessimismus sehr "deutschen", Artikel Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland meint Marcel Weiss:
Was gar nicht hilft, ist, in Deutschland eine Partei Piratenpartei zu nennen.

Eine Partei, die sich ganz offiziell nach Kriminellen benennt, wird genau so viel Einfluss auf die deutsche Gesellschaft haben: Null.

Wer sich so nennt, hat schon verloren. Albern? Ja. Aber das ist nun mal die Diskurs-Realität in Deutschland.
Mit anderen Worten: Marcel Weiss vermutet, dass jemanden der sich selbst bewusst (und selbstbewusst) "Pirat" nennt, viele Menschen viele Argumente nicht abkaufen.
So, wie ich die deutsche Medienrealität kenne, ist das nicht ganz falsch.

Dennoch teile ich seine Einschätzung, dass eine Partei, die sich "Piratenpartei" nennt, in Deutschland niemals irgendeine gesellschaftlich relevante Rolle spielen wird, nicht.
Denn erst einmal ist die "Piratenpartei" eine Protestpartei, was auch im provokanten Namen zum Ausdruck kommt. Auf Regierungsbeteiligungen ist sie bisher nicht angelegt, sollte das geschehen, wird sie sich sicher umbenennen - und eine völlig andere Partei werden.
Zum anderen besteht die deutsche Öffentlichkeit nicht nur aus den "etablierten", kulturell konservativen, Kreisen. Noch nicht einmal in den "alten" Medien.
Der dritte Grund, warum der Name "Piratenpartei" keine Dummheit ist, dass, wie schon erwähnt, "Pirat" nicht eindeutig negativ besetzt ist. "Pirat" bezeichnet zwar einen Kriminellen, aber der durchschnittliche Deutsche dürfte beim Wort "Pirat" nicht automatisch an somalische Seeräuber denken. Eher schon an Filmpiraten wie Captain Jack Sparrow, an "Die Schatzinsel" und "Der rote Korsar", oder an legendäre Gestalten wie Klaus Störtebeker - der bekanntlich entgegen der mutmaßlichen historischen Wirklichkeit im Norden Deutschlands einen sehr guten Ruf hat. Zumindest der fußballinteressierte Teil der deutschen Bevölkerung wird beim Anblick des "Jolly Roger", der Totenkopfflagge, eher an den FC St. Pauli als an Raub und Geiselnehmer denken.
Der vierte Grund ist der, dass das Klischee des humorlosen, für Ironie unempfänglichen Deutschen nur für eine Minderheit der Deutschen zutrifft. Dass diese Minderheit noch den einen oder anderen medialen Diskurs beherrscht, heißt ja nicht, dass das immer so bleiben muss.

Alles in allem: Deutschland ist weniger spießig als Marcel Weiss befürchtet.

7. Mai: Einige Grammatik-Fehler ausgebügelt - und einen Link nach St. Pauli eingefügt.

Ergänzung - 7. Mai:
Zum Selbsttest: Pirat-O-Meter.

Montag, 4. Mai 2009

Petition gegen Netzsperren

Es gibt jetzt die Petition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten" beim ePetition-System des Deutschen Bundestages. Bitte unterzeichnen!

Text der Petition:
Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.
Mehr Hintergrundinfos:

Zensur es ist, KiPo-Bekämpfung es nicht ist (Sven Scholz)

Die Argumente für Kinderporno-Sperren laufen ins Leere (heise)

" ... und wenn auch nur ein Kind gerettet wird" (Missbrauchs-Opfer gegen Internet-Sperren

Netzpolitik zum Thema "Zensur"

Sonntag, 3. Mai 2009

Gute Nachrichten - die nicht geglaubt werden

Eine alte Redakteursweisheit lautet bekanntlich: "Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten". Gut für die verkaufte Auflage und die Einschaltquote.

Trotzdem gibt es gute Nachrichten, bei denen ich mich erst einmal wundere, dass sie es nicht in die Schlagzeilen schaffen. Zum Beispiel diese:
Die Anzahl der Straften schwerer sexueller Kindesmissbrauch zur Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften hat sich in diesem Zeitraum von 206 auf 103 Fälle halbiert, zudem hat sich dabei die Opferzahl von 256 im Jahr 2002 auf 120 im Jahr 2007 sogar mehr als halbiert!

Dabei ist zudem auch noch die Aufklärungsquote von 80 auf 89 Prozent gestiegen!

Alleine schon dies sollte deutlich zeigen, dass konventionelle Polizeiarbeit und eine konsequente Ächtung dieser Inhalte wirkt!
MissbrauchsOpfer gegen Internetsperren nach Auswertung der polizeilichen Kriminalstastik. In diesem Zusammenhang sehr wichtig: Wovon reden wir in dieser Debatte eigentlich?
Ähnlichkeiten mit dem Terrorismus-Diskurs sind unzufällig.

Es gab im Jahr 2008 nach Angaben von Europol in Europa 515 terroristische Anschläge - größtenteils Brandstiftungen oder kleinere Explosionen ohne Tote. Insgesamt verzeichnet der Bericht gegenüber 2007 einen Rückgang von Terroranschlägen in der EU um 23 Prozent.
Von der Anschlägen gingen die meisten, nämlich 397, auf das Konto separatistischer Organisationen wie der ETA - und ein einziger Anschlag war islamistisch motiviert.

Wie aber lautet aber die Überschrift der Meldung, aus der ich diese Zahlen habe?

Ja, richtig: Islamistischer Terror blieb die größte Gefahr.

Damit man mich nicht (absichtlich) missversteht: ich halte selbstverständlich den islamistischen Terrorismus nicht für "harmlos". Im Gegenteil: islamistisch motivierte Anschläge sind, wohl wegen ihres teilweise religiösen Charakters, jeder für sich, brutaler als rein politisch motivierte. Aber sie sind glücklicherweise in Europa sehr selten.
Übrigens durfte ein wohl obligatorischer Satz nicht fehlen:
Das Internet spielt für Terrorgruppen eine immer wichtigere Rolle: "Es ermöglicht Anonymität beim Austausch von Informationen und es macht es diesen Organisationen leicht, zu kommunizieren und Propaganda zu verbreiten."
Das klingt fast so, als ob Terroristen in der Vor-Internet-Zeit nicht miteinander konspirativ kommuniziert hätten. Es fällt auf, dass wieder einmal die (angebliche) Anonymität des Internets angeführt wird. Was nebenbei verrät, wovor manche Angstmacher wirklich Angst haben.

Die Themen "Kinderpornographie" und "Terrorismus" haben Einiges gemeinsam: Die Thematik ist komplex, die Täter sind nur sehr schwer einzuschätzen und nach üblichen Maßstäben skrupellos - und vor allem: beide Themen sind mit elementarer Angst besetzt.
Auch ohne das sich "interessierte Seiten" einmischen, bleibt es nicht aus, dass die Angst in Panik und Hysterie umschlägt, und die Hysterie zu groben Fehleinschätzungen und Überreaktionen führt. Bei beiden Themen kann es meiner Ansicht nach schon spontan, ohne das irgend jemand Desinformation betreibt, dazu kommen, dass sehr viele Menschen sehr fest von Annahmen überzeugt sind, die einfach nicht stimmen und beim näheren Hinsehen nicht einmal plausibel sind.
Erst recht gilt das, wenn aus vielleicht ganz banalen Gründen (mehr Auflage, mehr Wählerstimmen) manipuliert wird.

Der Hauptgrund, Angst zu verbreiten, ist selbst Angst zu haben. Angst, die blind gegenüber auch guten Nachrichten macht.

Das dürfte der Grund sein, weshalb an sich gute Nachrichten nicht mehr öffentlich wahrgenommen werden: sie passen weder in das angstbestimmte Weltbild des "Normalbürgers" noch in die Agenda der ängstlichen Angstmacher.

Freitag, 1. Mai 2009

Frühling in Finkenwerder

Hamburg-Finkenwerder - was fällt einem dabei ein?
Vielleicht die "Finkwarder Speeldeel", die - wie ich finde, zu Unrecht - den Ruf hat, "Volkstümliche Musik" zu sein. ("Volkstümliche Musik", nicht zu verwechseln mit Volkslieder bzw. Folklore, verstehe ich als einen gängigen Euphemismus für sentimentale Schlager für Menschen über 70 - womit man zugleich den meisten Menschen über 70 hinsichtlich ihres Musikgeschmacks bitter Unrecht tut.)
Vielleicht die berühmte "Finkenwerder Kutterscholle", die nicht mehr aus Finkenwerder kommt, wegen des Niedergangs der Hochseefischerei - ein einziger Kutter fischt noch von Finkenwerder aus in der Nordsee. Immerhin - die Elbe ist wieder sauber genug, dass es wieder Flussfischerei gibt.
Vielleicht kennt man auch das Airbus-Werk mit Werksflughafen, unter Umweltschützern berüchtigt durch die teilweise Zuschüttung des Mühlenberger Lochs mit seinem ökologisch wertvollen Süßwasser-Watt.

Ich könnte, wenn ich wollte, einen sehr kritischen Artikel über Finkenwerder Probleme schreiben.
Ich will es aber nicht. Weil ich diesen Stadtteil mag, so wie er ist - mit seinen Ecken, Kanten, Widersprüchen. Mit seinem hohen Einwandereranteil, seiner Überalterung, seiner Hafen- und damit Industrienähe, seinen Industriebrachen.

Glattgehobelte Wohnquartiere gibt es schon zu viele. Deshalb ein wenig Idylle, aufgenommen bei einem Besuch Ende April.


(Mehr davon hier.)

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Kleine Korrektur. Man...
Kleine Korrektur. Man kann/sollte versuchen die Brille...
creezy - 11. Nov, 11:29
strukturell antisemitisch
Inhaltlich stimme ich Deinem Text zwar zu, aber den...
dummerle - 5. Jun, 11:12

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