Sonntag, 10. Mai 2009

Den "Hafengeburtstag" lehne ich inkonsequent ab!

Es gibt von mir eine Fotogalerie von der Einlaufparade zum "Hafengeburtstag" am 8. Mai.
Sie ist ein Dokument meiner Inkonsequenz.

Denn ich lehne die Feiern des "Hamburger Hafengeburtstags" ab.

Vor zwei Jahren schrieb ich Hafengeburtstag in Hamburg: "He lücht!". Kurz zusammengefasst: Der "Hafengeburtstag" gründet sich auf eine mittelalterliche Urkundenfälschung. Die "Tradition des Hafengeburtstags" wurde 1939 begründet - als typische Nazi-Feier. 1977, als genügend Gras über diese peinliche Veranstaltung gewachsen war, regte der damalige Wirtschaftssenator Wilhelm Nölling mit Blick auf den Tourismus den "Hafengeburtstag", wie wir ihn heute kennen, an.

Mit Nils von Magerfettstufe bin ich einer Meinung: der Hafengeburtstag ist uninteressant. Die "Festmeile" zwischen St.Pauli Landungsbrücken und Fischmarkt ist zum größten Teil eine austauschbare Fress- und Saufmeile. Die Unterschiede zum "Alstervergnügen" oder zum "Weihnachtsmarkt" sind marginal. Alles wie gehabt: Rummelplatz mit viel Gedränge am Wasser. Standard-Attraktionen wie das "Schlepperballett" waren mal originell. Sicher, es gibt Lifemusik umsonst und draußen, und auch Schiffbesichtigungen interessieren mich. Aber sowohl Lifemusik wie Schiffsbesichtigungen gibt es zu anderen Gelegenheiten ohne viel Gedränge und Remmidemmi.
Kein Wunder, dass mich, wie anscheinend immer mehr Hamburger der "Hafengeburtstag" kalt lässt. Nach einer (nicht repräsentativen) Umfrage des "Hamburger Abendblattes" wollen 79 % der Befragten nicht zum "Hafengeburtstag" gehen.

Alles wie immer? Nö, denn dieses Mal gab es eine unglaublich blöde, überflüssige, extrem belästigende Idee: das Partnerland des 820. "Hafengeburtstags", die Schweiz, schickt, in Ermangelung schöner Schiffe, die Kunstflugstaffel "Patrouille Suisse". Eine Kunstflugstaffel - mit Kampfjets vom Typ Northrop F-5 Tiger II. Hieß es nicht nach der Flugkatastrophe von Ramstein, Kunstflugvorführungen mit Jets seien selbst bei verbesserten Sicherheitsregeln zu gefährlich, um je wieder genehmigt zu werden? Am Sonnabend mussten nicht allein die vielleicht noch interessierten Besucher des "Volksfestes", sondern auch zehnttausende Anwohner eine Viertelstunde lang ohrenbetäubendem Lärm über Elbe und Innenstadt ertragen: Schweizer Flieger ärgern Hamburger.

Weil halte es für unangemessen am 8. Mai etwas anderes zu feiern, als die Befreiung der Menschheit vor Deutschland am 8. Mai 1945 - wo lautes Feiern für uns Deutsche, zumal mit Kriegsschiffen und Militärjets (auch wenn sie aus der neutralen Schweiz kommen) schlicht geschmacklos ist. (Nebenbei: Auch wenn "Tag der Befreiung" gegenüber "Zusammenbruch" oder "Stunde Null" ein echter Fortschritt war: es ging bei der Bedingungslosen Kapitulation Deutschland nicht darum, Deutschland von "den Nazis" zu befreien. Wie denn auch, wenn Hitlers Mörderregime auf über 80% Zustimmung rechnen konnte? Wo klar war, dass es Deutschlands gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und auch kulturellen Strukturen waren, die Vernichtungskrieg und Holocaust möglich machten? Um befreit zu werden, muss man gefangen sein, und die überwiegende Mehrheit der Deutschen stand, selbst wenn sie keine Täter waren, auf Seiten der "Gefängniswärter" und "Henker. Gefangene Deutsche, das waren ausschließlich die politischen Gegner, die Angehörige von Minderheiten in Gefängnissen, KZ, Strafbattalionen, und jene, die täglich vor der Gestapo und ihren denunziationsfreudigen Mitmenschen bedroht waren - deutsche Juden kaum noch, die hatten entweder noch rechtzeitig ihr nacktes Leben durch Flucht gerettet oder waren ´45 längst ermordet.
Vielleicht sollte es "Tag der Gnade" heißen: die Sieger, einschließlich Stalins brutaler Diktatur, gegen unendlich viel gnädiger mit den Deutschen um, als sie es umgekehrt mit ihren "Feinden" taten. Und "Tag des unverdienten Glücks", denn nach Ausbruch des "Kalten Krieges" war ab 1947 im Westen, ab etwa 1949 auch im Osten von "Deindustalisierung" und wenig später auch von "Demilitarisierung" nicht mehr die Rede.)

Wie auch immer: Es ist bezeichnend, dass der 8. Mai in Deutschland nur in Mecklenburg-Vorpommern Feiertag ist. (In Österreich, dem Opferland, das schnell und willig zum Täterland wurde, ist er auch kein Feiertag.)
Beifreites Lachen steht uns am jenem Festtag, als die Welt von der tödlichen Bedrohung durch uns befreit war, dennoch wohl an - ich kenne da jemanden, der hat zur Bedingungslosen Kapitulation 1945 nur gelacht. Wie er auch heute über seine falschen Freunde mit dem braunstichigen Innenleben nur höhnisch lachen kann. Auf das ihnen, ihren Gesinnungsgenossen und auch den unsäglichen Nazi-Relativierern, Schlussstrich-Ziehern und Freunden autoritären "Durchgreifens" das Lachen vergehen möge!

Aber dennoch bin ich von Schiffen, vor allem Segelschiffen, fasziniert. Während ich die Festmeile meide, genieße ich es, bequem im Finkenwerder "Gorch Fock-Park" (benannt nach einem Dichter, der im Dienst der Kaiserlichen Marine elendiglich ersoffen ist), mit einem kühlen Bier in Griffweite zu sitzen, und die prachtvollen Schiffe vorbeisegeln zu lassen.

Inkonsequent? Ja. Unmoralisch? Vielleicht. Schlechtes Gewissen? Bestimmt nicht! Das sollten lieber andere haben ... jene, die es in der Hand hätten, den "Hafengeburtstag" wieder verschwinden zu lassen. Vielleicht zugunsten eines Hafenfestes wie der Rostocker "Hanse Sail", bei dem es etwas mehr um Seefahrt und weniger um Rummel geht. Zum einem anderen Termin als ausgerechnet dem 8. Mai.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Piraten - Anmerkungen zu einem rebellionsromantischen Begriff

Piraterie ist wieder im Kommen. Sowohl als Seeraub wie im übertragenen Sinne.
Mein Mitleid mit den Piraten vor Somalias Küsten hält sich in Grenzen - die chaotischen Zustände in Somalia, für die die Somalis am wenigsten können, hin, die Raubfischerei in somalischen Gewässern (nebenbei: auch eine Form der Piraterie) her.
Geiselnahme zulasten einfacher, oft jämmerlich bezahlter, Seeleute, verdient keine Gnade, da ist einfach die Grenzen dessen, was noch als "Notwehr" durchginge, überschritten.

Die "Piraterie" in übertragenen Sinne, nämlich Urheberrechtsverletzung, ist natürlich nicht damit zu vergleichen. Ein Kavaliersdelikt ist sie nicht. Geistiges Eigentum, und darum geht es beim Urheberrecht, gehört, zumindest nach deutschem Recht, nur den Autoren.
Aus Sicht der Autoren kann man tatsächlich vom "Diebstahl" sprechen, auch wenn niemand sie mit der Pistole bedroht und nicht etwa das Manuskript oder die Noten verschwinden, sondern Text, Bilder oder Musik "nur" kopiert werden. (Aus juristischer Sicht ist z. B. illegaler Download deshalb kein Diebstahl.)
Autoren, die von ihrer Arbeit leben müssen, tut das schon weh - und macht sie zu zurecht wütend. Denn jede illegale Kopie ist entgangenes Geld - bei Büchern (Hardcover) ist der Autorenanteil bei Autoren mit gutem Vertrag etwa 10 % des Verkaufspreises, bei Taschenbüchern sind es um die 5 % - oft weniger. Das bedeutet, dass nur einige wenige Bestsellerautoren durchs Bücherschreiben reich werden können.
So, wie Musiker im Allgemeinen ein lausig schlecht bezahlter Beruf ist.

2007 wurde das Urheberrecht verschäft, allerdings hat es den Autoren, den Urhebern, tatsächlich nichts viel gebracht. Im Gegenteil, Schriftsteller oder Komponisten verdienen heute in der Regel weniger als zuvor!
Wer verdient, sind die Inhaber der Verwertungsrechte, also die Medienindustrie, die im Kernbereich eine Kopier- und Verbreitungsindustrie ist.
Neben der legalen Kopierindustrie gibt es auch eine illegale Kopierindustrie - "gewerbsmäßige Raubkopierer" bzw. "Verwertungsrechts-Piraten". Ein höchst profitträchtiges Unternehmen, für das mir jedes Verständnis fehlt.
Wenn sich aber die Medienindustrie als "Hüterin der Urheberrechte" darstellt, ist das bestenfalls eine Halbwahrheit.
Leider ist es auf Seiten der Medienindustrie - und damit auch der Presse - in Sachen Verwertungsrechte durchaus üblich, Sachverhalte in einem Atemzug zu nennen, die nichts miteinander zu tun haben. Ich finde es in der Tat bemerkenswert, wie sehr die Medienindustrie den öffentlichen Diskurs bestimmt, und undifferenzierte Gleichsetzung etwa von "Download" mit "illegalen Download" und dieses mit "Diebstahl" etabliert.
Ein aktuelles Beispiel für die Gleichsetzung ungleicher Sachverhalte ist die Berichterstattung über den "Heidelberger Appell": Google Books, YouTube, The Pirate Bay und Open Access - aus urheberrechtlicher Sicht sehr verschiedene Plattformen, so verschieden wie Apfel, Orangen und Kürbisse, werden sozusagen zu einen grausigem Obstbrei verrührt. Der ungünstigste Fall im Einheitsbrei wird dann zum Regelfall erklärt. Damit wird dann die Forderung nach politischen Maßnahmen zur "Wahrung von Urheberrechten" begründet.
Open Access ist z. B. alles andere als eine Beschränkung der Urheberrechte. Wissenschaftler, die ihre Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften publizieren, erhalten in der Regel kein Honorar. Hingegen erzielen die Verlage dieser teurer Zeitschriften durchaus gute Gewinne. Bei einer Veröffentlichung unter Open Access bekommt der Wissenschaftler zwar auch kein Honorar, aber wenigstens verdient niemand an seiner schöpferischen Arbeit - und die Öffentlichkeit, die vor allem aus Wissenschaftlerkollegen besteht, kommt kostenlos an aktuelle Forschungsergebnisse. Das ist legitim, denn Universitäten und öffentlich unterstützter Forschungseinrichtungen werden teilweise oder ganz vom Steuerzahler bezahlt.
Übrigens halte ich Medienindustrie nicht für überflüssig. Schon aus dem Grunde, dass Autoren, dass Künstler nicht unbedingt gute Unternehmer sind. Dienstleister wie Verleger, Manager oder Agenten werden nach wie vor gebraucht. Aber das Geschäftsmodell einer Kopierindustrie, das einst darauf aufbaute, dass z. B. Plattenpresswerke das einzige Mittel waren, Musik massenhaft zu verbreiten, ist meiner Ansicht nach technisch veraltet.

Seitens der an den herkömmlichen Verbreitungswegen interessierten Medien werden gern und oft unkonventionelle Verbreitungswege, bei denen die Urheber (zur Erinnerung: das sind die Autoren bzw. Künstler und niemand sonst!), sehr wohl auf ihre Kosten kommen, mit "Online-Piraterie" gleichgesetzt.
Da liegt es nahe, wenn eine Partei, die ein neues Verständnis von der Rolle des kreativen Schöpfungsprozesses und von der Nutzung technischer und kultureller Errungenschaften hat, und die sich abzeichnenden Überwachungsgesellschaft ablehnt, Die Piratenpartei nennt.
piratin02
"Die Piraten" nennen sich also aus ähnlichen Gründen "Piraten", aus denen sich Homosexuelle "Schwule" nennen, oder, noch nicht so etabliert, Schwerbehinderte "Krüppel", Einwanderer "Kanaken" - oder aus denen ich es vorziehe, mich "Heide" zu nennen, anstatt etwa "Naturreligiöser" (was sowieso nicht ganz hinhaut). Negativ gemeinte Begriffe lassen sich, um im Bild zu bleiben, kapern.
Wobei "Pirat" wegen der Rebellions- und Sozialromantik des Piratentums ohnehin nicht rein negativ besetzt ist: Sozialromantische Piraten?.

In seinem, meiner Meinung nach in seinem Kulturpessimismus sehr "deutschen", Artikel Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland meint Marcel Weiss:
Was gar nicht hilft, ist, in Deutschland eine Partei Piratenpartei zu nennen.

Eine Partei, die sich ganz offiziell nach Kriminellen benennt, wird genau so viel Einfluss auf die deutsche Gesellschaft haben: Null.

Wer sich so nennt, hat schon verloren. Albern? Ja. Aber das ist nun mal die Diskurs-Realität in Deutschland.
Mit anderen Worten: Marcel Weiss vermutet, dass jemanden der sich selbst bewusst (und selbstbewusst) "Pirat" nennt, viele Menschen viele Argumente nicht abkaufen.
So, wie ich die deutsche Medienrealität kenne, ist das nicht ganz falsch.

Dennoch teile ich seine Einschätzung, dass eine Partei, die sich "Piratenpartei" nennt, in Deutschland niemals irgendeine gesellschaftlich relevante Rolle spielen wird, nicht.
Denn erst einmal ist die "Piratenpartei" eine Protestpartei, was auch im provokanten Namen zum Ausdruck kommt. Auf Regierungsbeteiligungen ist sie bisher nicht angelegt, sollte das geschehen, wird sie sich sicher umbenennen - und eine völlig andere Partei werden.
Zum anderen besteht die deutsche Öffentlichkeit nicht nur aus den "etablierten", kulturell konservativen, Kreisen. Noch nicht einmal in den "alten" Medien.
Der dritte Grund, warum der Name "Piratenpartei" keine Dummheit ist, dass, wie schon erwähnt, "Pirat" nicht eindeutig negativ besetzt ist. "Pirat" bezeichnet zwar einen Kriminellen, aber der durchschnittliche Deutsche dürfte beim Wort "Pirat" nicht automatisch an somalische Seeräuber denken. Eher schon an Filmpiraten wie Captain Jack Sparrow, an "Die Schatzinsel" und "Der rote Korsar", oder an legendäre Gestalten wie Klaus Störtebeker - der bekanntlich entgegen der mutmaßlichen historischen Wirklichkeit im Norden Deutschlands einen sehr guten Ruf hat. Zumindest der fußballinteressierte Teil der deutschen Bevölkerung wird beim Anblick des "Jolly Roger", der Totenkopfflagge, eher an den FC St. Pauli als an Raub und Geiselnehmer denken.
Der vierte Grund ist der, dass das Klischee des humorlosen, für Ironie unempfänglichen Deutschen nur für eine Minderheit der Deutschen zutrifft. Dass diese Minderheit noch den einen oder anderen medialen Diskurs beherrscht, heißt ja nicht, dass das immer so bleiben muss.

Alles in allem: Deutschland ist weniger spießig als Marcel Weiss befürchtet.

7. Mai: Einige Grammatik-Fehler ausgebügelt - und einen Link nach St. Pauli eingefügt.

Ergänzung - 7. Mai:
Zum Selbsttest: Pirat-O-Meter.

Montag, 4. Mai 2009

Petition gegen Netzsperren

Es gibt jetzt die Petition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten" beim ePetition-System des Deutschen Bundestages. Bitte unterzeichnen!

Text der Petition:
Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.
Mehr Hintergrundinfos:

Zensur es ist, KiPo-Bekämpfung es nicht ist (Sven Scholz)

Die Argumente für Kinderporno-Sperren laufen ins Leere (heise)

" ... und wenn auch nur ein Kind gerettet wird" (Missbrauchs-Opfer gegen Internet-Sperren

Netzpolitik zum Thema "Zensur"

Sonntag, 3. Mai 2009

Gute Nachrichten - die nicht geglaubt werden

Eine alte Redakteursweisheit lautet bekanntlich: "Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten". Gut für die verkaufte Auflage und die Einschaltquote.

Trotzdem gibt es gute Nachrichten, bei denen ich mich erst einmal wundere, dass sie es nicht in die Schlagzeilen schaffen. Zum Beispiel diese:
Die Anzahl der Straften schwerer sexueller Kindesmissbrauch zur Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften hat sich in diesem Zeitraum von 206 auf 103 Fälle halbiert, zudem hat sich dabei die Opferzahl von 256 im Jahr 2002 auf 120 im Jahr 2007 sogar mehr als halbiert!

Dabei ist zudem auch noch die Aufklärungsquote von 80 auf 89 Prozent gestiegen!

Alleine schon dies sollte deutlich zeigen, dass konventionelle Polizeiarbeit und eine konsequente Ächtung dieser Inhalte wirkt!
MissbrauchsOpfer gegen Internetsperren nach Auswertung der polizeilichen Kriminalstastik. In diesem Zusammenhang sehr wichtig: Wovon reden wir in dieser Debatte eigentlich?
Ähnlichkeiten mit dem Terrorismus-Diskurs sind unzufällig.

Es gab im Jahr 2008 nach Angaben von Europol in Europa 515 terroristische Anschläge - größtenteils Brandstiftungen oder kleinere Explosionen ohne Tote. Insgesamt verzeichnet der Bericht gegenüber 2007 einen Rückgang von Terroranschlägen in der EU um 23 Prozent.
Von der Anschlägen gingen die meisten, nämlich 397, auf das Konto separatistischer Organisationen wie der ETA - und ein einziger Anschlag war islamistisch motiviert.

Wie aber lautet aber die Überschrift der Meldung, aus der ich diese Zahlen habe?

Ja, richtig: Islamistischer Terror blieb die größte Gefahr.

Damit man mich nicht (absichtlich) missversteht: ich halte selbstverständlich den islamistischen Terrorismus nicht für "harmlos". Im Gegenteil: islamistisch motivierte Anschläge sind, wohl wegen ihres teilweise religiösen Charakters, jeder für sich, brutaler als rein politisch motivierte. Aber sie sind glücklicherweise in Europa sehr selten.
Übrigens durfte ein wohl obligatorischer Satz nicht fehlen:
Das Internet spielt für Terrorgruppen eine immer wichtigere Rolle: "Es ermöglicht Anonymität beim Austausch von Informationen und es macht es diesen Organisationen leicht, zu kommunizieren und Propaganda zu verbreiten."
Das klingt fast so, als ob Terroristen in der Vor-Internet-Zeit nicht miteinander konspirativ kommuniziert hätten. Es fällt auf, dass wieder einmal die (angebliche) Anonymität des Internets angeführt wird. Was nebenbei verrät, wovor manche Angstmacher wirklich Angst haben.

Die Themen "Kinderpornographie" und "Terrorismus" haben Einiges gemeinsam: Die Thematik ist komplex, die Täter sind nur sehr schwer einzuschätzen und nach üblichen Maßstäben skrupellos - und vor allem: beide Themen sind mit elementarer Angst besetzt.
Auch ohne das sich "interessierte Seiten" einmischen, bleibt es nicht aus, dass die Angst in Panik und Hysterie umschlägt, und die Hysterie zu groben Fehleinschätzungen und Überreaktionen führt. Bei beiden Themen kann es meiner Ansicht nach schon spontan, ohne das irgend jemand Desinformation betreibt, dazu kommen, dass sehr viele Menschen sehr fest von Annahmen überzeugt sind, die einfach nicht stimmen und beim näheren Hinsehen nicht einmal plausibel sind.
Erst recht gilt das, wenn aus vielleicht ganz banalen Gründen (mehr Auflage, mehr Wählerstimmen) manipuliert wird.

Der Hauptgrund, Angst zu verbreiten, ist selbst Angst zu haben. Angst, die blind gegenüber auch guten Nachrichten macht.

Das dürfte der Grund sein, weshalb an sich gute Nachrichten nicht mehr öffentlich wahrgenommen werden: sie passen weder in das angstbestimmte Weltbild des "Normalbürgers" noch in die Agenda der ängstlichen Angstmacher.

Freitag, 1. Mai 2009

Frühling in Finkenwerder

Hamburg-Finkenwerder - was fällt einem dabei ein?
Vielleicht die "Finkwarder Speeldeel", die - wie ich finde, zu Unrecht - den Ruf hat, "Volkstümliche Musik" zu sein. ("Volkstümliche Musik", nicht zu verwechseln mit Volkslieder bzw. Folklore, verstehe ich als einen gängigen Euphemismus für sentimentale Schlager für Menschen über 70 - womit man zugleich den meisten Menschen über 70 hinsichtlich ihres Musikgeschmacks bitter Unrecht tut.)
Vielleicht die berühmte "Finkenwerder Kutterscholle", die nicht mehr aus Finkenwerder kommt, wegen des Niedergangs der Hochseefischerei - ein einziger Kutter fischt noch von Finkenwerder aus in der Nordsee. Immerhin - die Elbe ist wieder sauber genug, dass es wieder Flussfischerei gibt.
Vielleicht kennt man auch das Airbus-Werk mit Werksflughafen, unter Umweltschützern berüchtigt durch die teilweise Zuschüttung des Mühlenberger Lochs mit seinem ökologisch wertvollen Süßwasser-Watt.

Ich könnte, wenn ich wollte, einen sehr kritischen Artikel über Finkenwerder Probleme schreiben.
Ich will es aber nicht. Weil ich diesen Stadtteil mag, so wie er ist - mit seinen Ecken, Kanten, Widersprüchen. Mit seinem hohen Einwandereranteil, seiner Überalterung, seiner Hafen- und damit Industrienähe, seinen Industriebrachen.

Glattgehobelte Wohnquartiere gibt es schon zu viele. Deshalb ein wenig Idylle, aufgenommen bei einem Besuch Ende April.


(Mehr davon hier.)

Donnerstag, 30. April 2009

Einfache Hygeniemaßnahmen helfen!

Es gibt ein Mittel, das wahrscheinlich ein Drittel der Krankenhausinfektionen verhindern könnte, das die Ausbreitung gefährlicher Infektionskrankheiten wie der Grippe (einschließlich "Schweinegrippe") wirksam eindämmt, und viele Fälle von Lebensmittelvergiftung verhindern könnte.

Es ist sehr kostengünstig, wird nicht von der Pharma-Industrie hergestellt und erfordert keinen großen Aufwand: Handhygenie.
Das sind vor allem häufiges und richtiges Händewaschen, gegebenenfalls Hände desinfizieren und Einmal-Handschuhe tragen.

Material zur Aktion „Wir gegen Viren“ – Richtiges Händewaschen schützt (pdf).

Ursache der Schweinegrippe gefunden

Es liegt natürlich an diesen verdammten Killerspielen:

Pandemic

Pandemic 2

Hier gefunden: Pandemic und Schweinegrippe

Ernsthaftere Informationen über die "Schweinegrippe" auf dem Fischblog: Schweinegrippe - Wieso gibt es eigentlich "gemischte" Grippeviren?

Dienstag, 28. April 2009

Sind Blogs abgetriebene Gedanken?

Autorin und Moderatorin Else Buschheuer will nach zehn erfolgreichen Blogger-Jahren aufhören. Was mich an sich nicht stören würde, denn an und für sich sind die Gründe dafür allein ihre Sache. Leider sieht Frau Buschheuer das nicht so und legt im Spiegel-Interview auf diese Gründe öffentlich dar. "Erfolgsautorin Buschheuer "Blogs sind abgetriebene Gedanken".
Buschheuer:: Ich bin mir sicher, dass ich mein bestes Buch noch nicht geschrieben habe - und dass mein Internet-Tagebuch einer der Vorwände war, mich davon abzuhalten. Ich hab' mir dort die Seele aus dem Leib geschrieben: Bloggen, das sind viele kleine Fehlgeburten, abgetriebene Gedanken, aber eine Geschichte zu einer großen, geschlossenen Form zu bringen, das hat Majestät.
Nebenbei: ich lese ihr Blog schon lange nicht mehr. Weil es mich schlicht langweilte. Das Bloggen ist nun einmal nicht immer die angemessene Form, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Politische Themen - im weitesten Sinne - funktionieren in Blogs, Hobbies sicher auch, aber literarische Tagebücher? Ich denke: Eher nicht. Wer über Alltagserfahrungen Bücher schreiben will, der tut in der Tat gut daran, nicht alle Alltagserfahrungen sofort ´rauszuhauen. Die müssen erst mal lagern und später mit Abstand reflektiert werden, damit da guter Lesestoff draus wird. Da aber die wenigsten Schriftsteller über ihre Alltagserfahrungen schreiben, haben sie dieses Problem logischerweise nicht.

Was die gute Frau im Interview sagt, gilt also für sie persönlich und für ihre Art zu schreiben und zu bloggen.
Andere bloggende Schriftsteller trennen sorgsam zwischen Inhalten: die "für den Buchdruck" vorgesehenen, die dann allenfalls auszugsweise als Leseprobe auftauchen, und den Blog-Inhalten, die einer "kommerziellen Nutzung" entzogen sind. Dass große Verlage keine Texte wollen, die schon im Netz stehen, und dass sie deshalb bereits gebloggte Texte nicht mehr dort unterbringen kann, das weiß schließlich jeder Schriftsteller.

Dass sie sich in ihrem Internet-Tagebuch "die Seele aus dem Leib" geschrieben hat, und sie daher, das vermute ich, zu wenig unveröffentlichtes Material für das noch zu schreibende beste Buch im (vielleicht nur virtuellen) Zettelkasten hat, ist auch kein Problem der bloggenden Schriftsteller an und für sich. Wobei sie ja angibt, mehr als genügend Ideen zu haben.

Um die Frage in der Titelzeile zu beantworten: Für Autoren wie Else Buschheuer und ihre Art zu schreiben und zu bloggen, mag das richtig sein, aber verallgemeinern lässt sich diese Einsicht nicht.
Bestimmt trifft sie nicht auf mich zu - aber ich bin schließlich auch kein Erfolgsschriftsteller.

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