Samstag, 12. April 2008

Liste der schlimmsten Religionsführer

Anlässlich des bevorstehenden Papst-Besuches in den USA, bei dem so sicher wie das Amen in der Kirche sehr viel von der friedenstiftenden Rolle der Religion die Rede sein wird, veröffentlichte das Internet-Portal Foreign Policy eine Liste mit den schlimmsten religiösen Führern der Welt:
The List: The World’s Worst Religious Leaders
  • Hassan Nasrallah - Religion: schiitischer Islam - Generalsekretär der Hisbollah - predigt Vernichtungs-Antisemitismus
  • Joseph Kony - Religion: Christentum / Personenkult - Oberbefehlshaber der "Lord’s Resistance Army (LRA)" - Massenmörder im Ugandischen Bürgerkrieg.
  • Yogi Adityanath - Religion: Hinduismus - Religiöser Führer und Mitglied des Parlaments von Uttar Pradesh, Indiens bevölkerungsreichster Provinz, militanter Hindu-Nationalist, hetzt zu anti-islamischen Revolten auf.
  • Athuraliye Rathana - Religion: Theravada-Buddhismus - Mönch und Parlamentsabgeordneter in Sri Lanka - hetzt gegen die tamilische Minderheit, ruft zur Vernichtung der "Tamil Tigers" auf.
  • Dov Lior - Religion: hasidisches Judentum - Führender Rabbi der Kiryat Arba Siedlung, Israel - Behauptet, es sei mit den jüdischen Gesetzen vereinbar, palästinensische Zivilisten zu ermorden, meint, dass das biblische Gebot “Du sollst nicht morden" nur unter Juden gelten würde.
Diese deprimierende Liste religiöser Hetzer könnte problemlos auf 50 Namen verlängert werden - wahrscheinlich sogar auf 500 predigende Anstifter zum Massenmord ähnlichen Kalibers. Rechnet man mordlüsterne religiöse Spinner hinzu, die den Göttern sei dank weniger Einfluss und Anhänger haben, dürfte die Liste einem Telefonbuch ähneln.
Offensichtlich hat sich "Foreign Policy" darauf beschränkt, für jede "Weltreligion" ein besonders abscheuliches Exemplar der Gattung "Hassprediger" herauszusuchen.

Als Polytheist möchte ich meine "Mit-Heiden" vor der Illusion warnen, dass nur monotheistische Religionen zu solch mörderischem Hass und Intoleranz fähig seien - die Hinduismus-Richtung, der Adityanath Yogi angehört, ist eindeutig polytheistisch. Nebenbei möchte ich gar nicht wissen, was geschehen würde, wenn einige Möchtegern-"Heidenfürsten" nicht nur ihre handvoll Sektierer, sondern eine wirklich schlagkräftige Anhängerschaft hinter sich hätten.
(via hpd-online)

Dienstag, 8. April 2008

Seid wann ist in Nordeuropa das Segel bekannt?

Ich stolperte gestern im an sich hervorragenden Wikipedia-Artikel über Jürgen Spanuth unter dem Punkt "Kritik" über folgende Aussage:
3.) In der nordischen Bronzezeit gab es noch keine Segelschiffe, sondern nur Ruderschiffe. Die Verwendung von Segeln ist für Mittel- und Nordeuropa erst ab 700 n. Chr. belegt (Beginn der Wikinger-Zeit) und begann frühestens um 200 v. Chr. Tacitus beschreibt in seiner "Germania" die Schiffe der Skandinavier sehr ausführlich und erwähnt unter anderem "... Auch benutzen sie keine Segel ...".
Eine Aussage, der ich nicht ganz zustimmen mag. (Allerdings ändert meine Skepsis gegenüber diesem Einzelpunkt nichts daran, dass zentrale Elemente von Spanuths Thesen im Licht des derzeitigen Forschungsstandes nicht aufrechtzuhalten sind. Wenn sie denn überhaupt jemals stichhaltig waren.)
Ein allgemeines Problem bei solchen Aussagen ist die räumliche und zeitliche Perspektive. Im "Wikipedia"-Artikel wird auch erwähnt, dass das Verfahren, aus Bernstein unter Zugaben von Leinöl Bernsteinlack herzustellen erst seit dem Mittelalter bekannt sei. Dass heißt aber nicht, dass Bernsteinlack nicht doch vorher hergestellt werden könnte (Wissen und Fertigkeiten können verloren gehen) oder vielleicht in außereuropäischen Kulturen, z. B. in China, bekannt gewesen sein könnte.
So pauschal wie behauptet ist die Aussage "die Verwendung von Segeln ist für Mittel- und Nordeuropa erst ab 700 n. Chr. belegt" falsch.
Zu "Mitteleuropa" gehören auch die bis ca. 450 u. Z. römische Gebiete an Rhein und Donau - und die Römer verwendeten das Segel, und zwar nachweislich auch auf Rhein und Donau. Es wäre sehr überraschend, wenn dieses Wissen mit dem Untergang des weströmischen Reiches einfach verschwunden wäre.
Dann ist es unstrittig, dass die Friesen, in deren Hand der Seehandel im Nordseegebiet zwischen ca. 450 und der "Wikingerzeit" lag, das Segel verwendeten. Wenn man den mönchischen Chronisten der frühen Karolingerzeit glauben mag, gab es zwischen dem friesischen Dorestadt und Südengland einen gut organisierten Schiffsverkehr, und zwar mit Segelschiffen.
Aber die Frage nach der mittelalterlichen Seefahrt "vor den Wikingern" ist gar nicht relevant. Die für Spanuths "Atlantistheorie" relevante Frage lautet: Gab es in der Bronzezeit im Nordseeraum Segelschiffe?
Die herkömmliche Antwort lautet: "Nein. Wahrscheinlich gab es vor 200 v. u. Z keine Segelschiffe in Nordeuropa, in Skandinavien gab es noch 400 Jahre später nur Ruderschiffe."

Allerdings gibt es bronzezeitliche Bootsfunde in England, von Booten, deren Form nahelegt, dass sie besegelt sein könnten.
Das 2,40 m breite und mindestens 18 m lange "Boot von Dover" The Dover Bronze Age Boat könnte ein Segel getragen haben. Eine Rekonstruktion des kleineren Bootes von North Ferriby erwies sich tatsächlich als guter Segler: Bronze Age. Allerdings ist das noch kein absolut "wasserdichter" Beweis für bronzezeitliche Segelboote im Nordseeraum; dazu müsste ein Mastfuß, eine "Mastfischung", oder irgendetwas vergleichbares, was einem Mast Halt gegeben hat, nachgewiesen werden.
Außerdem würde das nur beweisen, dass es ca. 1500 v. u. Z. im Nordseeraum besegelte Wasserfahrzeuge gegeben hat - auf der anderen Seite der Nordsee mag es anders gewesen sein. (Obwohl vieles auf bronzezeitlichen Handel zwischen Jütland und Ost-England hindeutet.)

Dass es in der Bronzezeit im südlichen Skandinavien Schiffbau gegeben hat, ist angesichts der vielen Schiffsdarstellungen unstrittig. Auf den hunderten jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen "Hällristningar-Schiffen", in Felsen geritzte Zeichnungen von Booten und Schiffen, z. B. in Brandskogen (Schweden) Fossum (Schweden), Hegra (Norwegen) und vielen Orten mehr, ist aber nirgendwo eine Besegelung zu erkennen. Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass in Nordeuropa das Segel nicht bekannt war? Nicht ganz, denn auf den hochbronzezeitlichen Felszeichnungen von Järrestad (Südschweden) ist ein Schiff zu erkennen, dass eindeutig eine Takelage hat. Damit ist die Frage wieder offen. (Und es stellt sich die Frage, wieso denn sonst nur Boote und Schiffe ohne Mast und Segel abgebildet wurden.)
Interessant für die Frage, ob im bronzezeitlichen Nordeuropa Segelschiffe gab, sind auch die im Skandinavien und Dänemark nicht seltenen Schiffssetzungen. Das sind Steinsetzungen bzw. "Steinkreise" mit schiffsförmigen Umrissen. Die berühmteste Schiffssetzung ist die frühmittelalterliche Anlage von Kåseberga (in Südschweden bei Ystad und in jedem zweiten "Komissar Wallander"-Fernsehkrimi zu bewundern), deren größtes "Steinschiff" immerhin 67 m lang ist, bei für Wikingerschiffe realistischen Proportionen - vielleicht ein Hinweis auf wirkliche Schiffe dieser Größe. Interessanter für unsere Frage sind aber die aus kleineren Steinen bestehenden Schiffssetzungen aus der Bronzezeit. Sie sind meistens relativ klein, mit Längen zwischen 8 und 16 Metern, aber es gibt auch viel größere, wie das Steinschiff von Gannarve mit 29 m Länge oder die beiden Schiffe von Gnisvärd (auf Gotland), von denen das kleinere immerhin 37 m, das größere sogar 45 m lang ist. Interessant ist, dass die Stevensteine an Bug und Heck wie auf einem echten Schiff höher sind, und das die Höhe der übrigen Steine den Sprung des Dollbordes korrekt nachbildet, d. h. sie sind mittschiffs am niedrigsten und werden zum Bug und Heck in einer ansteigenden Kurve höher. Interessant ist das Verhältnis von Länge und Breite - es beträgt bei den großen Schiffen 1 : 6, bei den kleineren dagegen nur 1 : 4 oder nur 1 : 3. Das gibt die Proportionen wirklicher Schiffen wieder, die relativ gesehen bei großen Schiffen stets schlanker sind als bei kleinen.
Das deutet darauf hin, dass reale Schiffe als Vorbilder dienten.
Was auch noch auffällt: es sind für Segelschiffe typische Breite-Längeverhältnisse. Nordeuropäische Ruderschiffe, wie das berühmte Nydam-Boot oder das Schiff von Kvalsund, sind erheblich schlanker, ihre Breite - Längeverhältnis liegt zwischen 1 : 6 und 1 : 8.
All das deutet darauf hin, dass es wahrscheinlich schon lange vor der "Wikingerzeit" Segelschiffe in Nordeuropa gab. Allein - der wirklich hieb- und stichfeste Beweis dafür steht noch aus.
"Atlantis"-Lokalisierungstheorien, die das Reich aus Platons Lehr-Mythos in den Norden verlegen, stehen auf einem ganz anderen Blatt. Einem, das man meines Erachtens unter "pseudowissenschaftliche Spekulationen" abheften kann.

Samstag, 5. April 2008

Marginalie: Warum lehnte Odysseus die Unsterblichkeit ab?

Aus dem Statement von Bischof Huber auf der Pressekonferenz "Woche für das Leben" "Gesundheit – höchstes Gut?", Berlin:
Besonders anrührend wird das in einem alten Epos erzählt, das dem Menschheitstraum von Unsterblichkeit und Selbstentfaltung etwas anderes entgegensetzt: Der Dichter Homer erzählt in der Ilias, dass Odysseus die Unsterblichkeit, die ihm von der Nymphe Kalypso angeboten wurde, ablehnte. Er zog es vor, an der Seite seiner Frau Penelope alt zu werden. Liebe und Solidarität sind stark wie der Tod. Sie helfen, Leiden standzuhalten und den Grenzen menschlichen Lebens ins Gesicht zu sehen. Solidarität und Gerechtigkeit sind darum für das Gesundheitssystem so wichtig wie der Wunsch der einzelnen nach Gesundheit und das Recht auf eine Heilbehandlung.
Bemerkenswert finde ich zunächst, dass ein Bischof auf einen heidnischen Mythos zurückgreift, um eine christliche Position zu untermauern. Der Grund dürfte darin zu suchen sein, dass ein geeignetes Beispiel im biblischen Kanon fehlt.
Allerdings stimmt die Darstellung des Bischofes nicht. Im ersten Gesang der Odyssee ist ausdrücklich davon die Rede, dass der Rat der Götter beschließt, Odysseus die Heimkehr zu ermöglichen. (In seinem Zorn bat der von Odysseus geblendete Zyklop Polyphem seinen Vater Poseidon, Odysseus auf dem Meer umkommen zu lassen oder seine Heimkehr zu verhindern. Wobei Odysseus' Tat angesichts der Absicht des Zyklopen, ihn und seine Gefährten zu fressen, Notwehr war.) Der Götterbote Hermes fordert die Nymphe Kalypso auf, Odysseus, den sie sieben Jahre lang auf ihrer Insel zurückgehalten hat, ziehen zu lassen. Obwohl Kalypso ihm Unsterblichkeit verspricht, wenn er bei ihr bleibt, wünscht Odysseus sie zu verlassen, um zu Penelope zurückzukehren.
Odysseus ist also Gefangener bzw. Sklave der Kalypso, und ihr Versprechen ist ein Versuch, ihn "freiwillig" im goldenen Käfig auf der verborgenen Insel Ogygia zu halten. Es ist gerade der Drang zur Selbstentfaltung - neben der Loyalität zu seiner Königin / Frau und seinem Pflichtbewusstsein als König Ithakas - der Odysseus auf Unsterblichkeit in Unfreiheit verzichten lässt.
Dieser Abschnitt der Odyssee taugt also nicht als Beispiel für die Aussage: "Liebe und Solidarität sind stark wie der Tod".

Außerdem drängt sich mir, als praktizierendem Heiden (wenngleich vorzugsweise mit Bezug auf ein anderes Pantheon) eine Frage auf: Wer ist Kalypso, wenn sie die Macht über Leben und Tod hat?
Die Antwort ist - für mich - offensichtlich: eine Totengöttin. Dafür spricht ihr Name ("die Verbergende"), dafür spricht, dass ihre Insel mit Schwarzpappeln, Zypressen, Eppich/Efeu und Veilchen bewachsen ist, bei den alten Griechen - und bis heute - typischen Friedhofsbäumen und -Blumen. Sie lässt Odysseus auf Hermes' Geheiß frei - Hermes ist nicht nur Götterbote, sondern auch Psychopompos, Seelenführer, er geleitet die Seelen der Toten in die Unterwelt. Dafür spricht auch, dass Odysseus siebzehn Tage, Tag und Nacht, so segelt, dass die große Bärin stets zur Linken steht. Siebzehn Tage und Nächte Kurs Nordost, bei gutem Wind, das sind sogar mit einem einfachen Segelfloß mindestens 2500 Kilometer. Das große Mittelmeer ist zu klein dafür. Ogygia ist nicht der "Nabel des Mittelmeers", sondern eine Insel im bodenlosen Meer, am Rand der Zeit.
Odysseus verlässt Ogygia - und kehrt ins Leben zurück.

Wie hältst Du es mit den Stammzellen?

Heute startete eine gemeinsame Kampagne der katholischen und evangelischen Kirche unter dem Titel "Gesundheit - höchstes Gut?"
Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland sorgen sich nun etwa nicht um unsere Gesundheit, sondern darum, dass das Nachdenken über äußerliches Wohlbefinden und körperliche Fitness inzwischen einen derart breiten Raum einnähme, dass man bereits von einer "Gesundheitsreligion" sprechen könne, wie es führende Kirchenvertreter in Würzburg ausdrückten.
SpOn: Kirchen verdammen Fitnesskult.
Kritik an Übertreibungen beim Streben nach Fitness und Gesundheit sind das eine. Eine Kampagne unter dem Titel "Gesundheit - höchstes Gut?" das andere. Schon die Frage konstruiert einen Gegensatz zwischen "Streben nach Gesundheit" und "Streben nach dem Seelenheil", wobei letzterem der Vorrang eingeräumt wird:
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, kritisierte den "Gesundheitswahn unserer Tage". Gesundheit sei wichtig, aber es sei nicht richtig, sie zum Idol zu machen, mahnte Huber beim ökumenischen Gottesdienst im Kiliansdom der Stadt. "Wo es früher noch um das Heil der Seele ging, geht es heute nur noch um den heilen Körper", beklagte der Bischof.
Ich sehe keinen Gegensatz zwischen dem Streben nach körperlichem und psychischem Wohlbefinden und dem Streben nach dem Heil der Seele - für mich geht beides Hand in Hand, das Eine ist ohne das Andere nicht zu haben. Übrigens kann man sich trotz schwerer Krankheit "wohl befinden", während andererseits sogar leichte "Störungen", die die (berufliche) Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigen, einem "das Leben zur Hölle" machen können - nach meinem Empfinden lebt man dann nicht im Heil.
Wenn man allerdings "Gesundheit" nicht als "Wohlbefinden", sondern etwa als "maximale Leistungsfähigkeit" definiert, und mit "Heil der Seele" die "Erlösung" im christlichen Sinne meint, dann, ja dann gibt es durchaus einen "Zielkonflikt".

Von berechtigten, aber banalen Mahnungen wie der, dass Krankheit, Leiden und Tod zum Leben gehören, oder dass es "keine Garantie für ewige Jugend" gäbe (seltsam, ich dachte immer, kein Mensch bliebe ewig jung) oder der, dass kein Mensch "immerwährend gesund" sei, abgesehen: Worauf zielt die Kampagne ab?

Während der "Woche für das Leben" soll kritisch hinterfragt werden, wer Definitionen von Gesundheit vorgibt und warum. Das ist eine in der Tat eine wichtige Frage, denn das Gesundheit instrumentell gesehen wird ist ein drängendes Problem: etwa, das "gesund" gleich "arbeitsfähig" gesetzt wird, egal, wie es dem Einzelnen dabei geht, oder politischer Druck zur "gesunden Lebensführung", mit dem immer im Hintergrund stehenden Vorwurf, jemand sei an seinem Herzinfarkt (Lungenkrebs, Hautkrebs, Bluthochdruck usw. ) doch "selber Schuld", oder - besonders widerlich - die Ausgrenzung Kranker, Gebrechlicher und Behinderter, weil sie der "Leistungsnorm" nicht entsprächen. Aus humanistischer Sicht ist das sehr zu begrüßen!

Aber ich ahne bei diesen Worten, dass da noch ein ganz anderes Thema auf der Tagesordnung steht:
Mit der Woche für das Leben setzten sich die Kirchen gemeinsam ein "für die Würde und den Schutz des menschlichen Lebens in all seinen Phasen und für alle Menschen – gleich welchen Alters und welcher physischer und psychischer Verfassung."
Die allererste "Woche für das Leben" war eine Woche für den "Schutz des ungeborenen Kindes" und seitdem sind die Fragen "Abtreibung" und "Sterbehilfe" ständig auf der Agenda dieser Veranstaltung präsent.
Der vermutlich heikelste Streitpunkt zwischen "christlicher Moral" (nach Maßgabe der römisch-katholischen und - teilweise - der evangelisch-lutherischen Kirchenleitung) und dem "Streben nach Gesundheit" ist die Frage nach den embryonalen Stammzellen.

Auch wenn manche Hoffnungen, die auf die Heilungschancen durch den Einsatz embryonaler Stammzellen gesetzt werden, wahrscheinlich übertrieben sind: die Stammzellforschung ist eines der wichtigsten Forschungsgebiete der modernen Medizin. Und ein wichtiger Teil dieser Forschung ist ohne menschliche embryonale Stammzellen nicht zu machen.
Das Problem (aus christlicher Sicht): der Beginn des menschlichen Lebens wird bei der Befruchtung der Eizelle gesehen. Also muss man (potenzielle) Menschen ermorden, um an embryonale Stammzellen zu kommen. Weshalb sich die Debatte in christlich geprägten Ländern an der moralischen Frage: "Darf man Leben vernichten, um Leben zu retten?" festfährt.

Es fällt auf, dass das vergleichsweise winzige Israel in der Erforschung und Nutzung menschlicher Embryonalzellen weltweit eine führende Position innehat. Einer der wichtigsten Gründe dafür liegt in der jüdischen Religion.
Ein Menschenleben zu retten ist eines der wichtigsten Gebote des Judentums (wie auch des Christentums, des Islams und aller anderen mir bekannten Religionen, mit der mögliches Ausnahme des Satanismus). Dieses Gebot steht im Judentum über fast allen anderen Glaubensgesetzen - durchaus im Gegensatz zu einigen nicht unwichtiger Richtungen des Christentums und des Islams, für die das "irdische Leben" eine untergeordnete Bedeutung hat.
Eine der Grundbedingungen zur Menschwerdung ist laut rabbinischer Auslegung die Einnistung des Embryos im Mutterleib. Föten aus künstlicher Befruchtung genießen deswegen, solange sie nicht erfolgreich eingesetzt wurden, keinen rechtlichen Schutz. Hinzu kommt, dass die jüdische Religion selbst einen Fötus im Mutterleib erst ab dem vierzigsten Tag als ein vollwertiges menschliches Wesen betrachtet - eine pragmatische Annahme, die der Tatsache Rechnung trägt, dass die Mehrzahl der Embryonen in der Frühschwangerschaft spontan "abgeht".
Deswegen gibt es in Israel fast keine gesetzlichen Einschränkungen in der Stammzellforschung. Dennoch kann die Forschungsethik in Israel gegenüber vielen "christlich" geprägten Staaten als vorbildlich angesehen werden: es ist keineswegs so, dass Embryonen einfach als "Verbrauchsgut" gesehen werden - wenn bei einer künstlichen Befruchtung mehr befruchtete Eizellen entstehen, als benötigt werden, dürfen sie auf keinen Fall einfach weggeworfen werden.
Aber ein Gebrauch für medizinische Forschungszwecke geht in Ordnung - das moralische Gebot "Menschenleben retten" steht über der Heiligkeit der befruchteten Eizellen. Jeder andere Zweck außer der Bekämpfung lebensbedrohlicher Krankheiten (etwa der Gebrauch embryonaler Stammzellen für kosmetische Zwecke) ist verboten.
Das Klonen von Menschen ist in Israel ausdrücklich verboten und jedes Experiment mit embryonalen Stammzellen muss von einem Komitee genehmigt werden. Die Kommerzialisierung menschlicher Embryos, dass heißt Handel oder ihr Ankauf, ist ebenfalls untersagt.

Aus humanistischer wie aus "neopaganer" Sicht (der Sicht einer "Religion", für die das Jenseits Hypothese und das Diesseits Realität ist ) finde ich die israelische Sichtweise äußerst begrüßenswert. So begrüßenswert, dass ich sie mir ohne weiteres zu eigen mache.

Freitag, 4. April 2008

Das christliche Abendland in den Köpfen (alias "Eurozentrismus")

Grundsätzliche Überlegung
Dass das uns Europäern durch die Schule und die meisten Medien vermittelte Geschichtsbild eurozentrisch ist, dürfte sich unter kritischen Geistern herumgesprochen haben.
"Eurozentrisches Geschichtsbild" meint etwas anderes, als das für Europäer nun einmal die Geschichte Europas im Vordergrund steht. Tatsächlich steht im "eurozentrischen Geschichtsbild" nicht "Europa" als geographischer Raum oder als Kulturraum im Mittelpunkt, sondern ein Konstrukt, das sich am besten mit dem altmodischen Ausdruck "christliches Abendland" umreißen lässt. Es umfasst außer Europa und dem russischen Teil Asiens noch das "weiße" Amerika, also jene amerikanischen Kulturen, die auf der Kultur europäischer Kolonisatoren fußen, einschließt. Das "christliche Abendland" ist übrigens nicht identisch mit dem "Westen", nicht nur, weil "Lateinamerika" und "Russland" von manchen Theoretikern der "Kampfes der Kulturen" nicht zum "Westen" gezählt werden. Eher, weil viele "westliche Werte", wie Aufklärung, Demokratie, Gewaltenteilung, Menschen- und Bürgerrechte oft gegen das organisierte Christentum und gegen überkommenen kulturelle Traditionen erkämpft wurden - und immer neu erkämpft werden müssen.

"Eurozentrisch" in diesem Sinne meint, dass es "christliche Abendländer" (vorzugsweise weiß und christlich) sind, die allem einen Namen geben und die Welt einordnen dürfen.
Wenn nicht sie, sondern jemand anders etwas entdeckt oder benannt hat, zählt es für sie erst einmal nicht - selbst wenn die (vorwiegend "abendländische") wissenschaftliche Forschung den "eurozentrische Tunnelblick" längst ad absurdam geführt hat. Während - anders noch als vor gut 50 Jahren - heute akzeptiert wird, dass das Schießpulver in China erfunden wurde und Columbus nicht "Amerika entdeckt" hat, tuen sich selbst gebildete Abendländer schwer, die Kulturen des vorkolonialen Afrikas überhaupt wahrzunehmen. Auch die relative zivilisatorische Rückständigkeit des mittelalterlichen "christlichen Abendlandes" gegenüber der "islamischen Welt" wird von überzeugten "Abendländern" eher widerwillig zur Kenntnis genommen.

Der "Eurozentrismus" hat Folgen, die bis zum Alltagsrassismus reichen. Wenn die "abendländische Zivilisation" ganz selbstverständlich als Mittelpunkt des Universums angesehen wird, hat das zur Folge, dass abendländische ("europäische", "weiße") Ansichten, historischen Figuren und Traditionen hierzulande als die einzig gültigen beziehungsweise einzig wichtigen angesehen werden.
Außereuropäische Kulturen sind zwar für viele Abendländer "interessant", werden aber immer noch mit dem Schleier des Exotischen versehen. Damit sind diese "exotischen Kulturen" für uns als wenig relevant eingestuft, obwohl wir ihnen vielleicht wichtige Kulturpflanzen oder wichtige Erfindungen verdanken. Davon abgesehen ist Exotismus immer auch tendenziell rassistisch.

Weil dieses "eurozentrische" Weltbild so selten infrage gestellt wird, denken viele Menschen bei uns tatsächlich, für den gefühlten Vorrang des "christlichen Abendlandes" gäbe es einen guten Grund – einen anderen als Größenwahn, Desinteresse oder opportunistische politische Erwägungen. Der gefühlte Vorrang des "christlichen Abendlandes" hat Folgen, die von Huntingtons gefährlichen Thesen vom "Clash of Civilisations" bis zur "gefühlten Überfremdung" in einer thüringischen Kleinstadt reichen.

Übrigens: Der "Islamozentrismus" den es auch gibt, ist moralisch kein Stück besser. Die Tatsachen, dass die islamische Welt mal der abendländischen weit voraus wahr, und das viele islamische Länder Opfer des europäischen Kolonialismus waren, berechtigt in keiner Weise dazu, sich für die Vertreter der einzig relevanten Kultur des Universums zu halten. Ja, und auch der Sinozentrimus, den die chinesische Staatsführung nach Mao wiederentdeckt hat, ist, uralte Zivilisation hin, jahrhundertelange Demütigungen durch Mongolen, Japaner und vor allem Europäer her, auch keineswegs moralisch besser als der Eurozentrismus. Auch wenn ich es arroganten "Abendländern" von Herzen gönne, mal an einen ebenso arroganten Chinesen zu geraten, der den Ausdruck "Reich der Mitte" in jeder Beziehung beim Wort nimmt.

Der "heimliche Lehrplan" im Geschichtsunterricht
Letztes Wochenende, auf einem Ostara-Treffen, unterhielt ich mich mit einigen Freunden darüber, wie unser Geschichtsunterricht damals in der Schule ausgesehen hat.
Auch wenn wir in unterschiedlichen Bundesländern zu unterschiedlichen Zeiten und sogar in unterschiedlichen politischen Systemen zur Schule gegangen waren, lief der "rote Faden" im Geschichtsunterricht etwa so:
Zuerst kommen, ganz kurz, die alten Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens. Dann, ziemlich ausführlich, das alte Griechenland, mit deutlichem Schwerpunkt auf Athen. Kurz nach den Eroberungen Alexanders "des Großen" schwenkt der Fokus auf Rom, wo er so lange bleibt, bis das Weströmische Reich unter dem Ansturm der germanischen Völker zerbrach. (Dass es die Germanen überhaupt gab, erfuhr man, weil Varus im Jahre 9 eine Schlacht gegen aufständische Germanen verlor. Die Kelten gab es offensichtlich nur im Umfeld von Caesars "Gallischem Krieg".) Der Strom der Erzählung streifte kurz die merowingischen Franken, dann lang und breit die Taten Karls des "Großen", anschließend dann ein Zeitsprung ins hohe Mittelalter. In der Renaissance werden auch mal Norditalien, Spanien, Portugal erwähnt, aber ab der frühen Neuzeit überwiegt eine Darstellung, bei der - nein, nicht Deutschland, sondern Preußen und eventuell das Habsburgerreich im Mittelpunkt stehen. Kurzer Schwenk nach Frankreich (Revolution!), dann Napoleons Kriege. Schließlich Übergang zur Zeitgeschichte (wo dann die deutschen Wege im Geschichtsunterricht deutlich auseinander gehen).

Als "Nationalgeschichte" ist dieser Geschichtsgang eigentlich recht wenig plausibel. In der Antike herrschte offensichtlich das Prinzip "der Geschichtsschreiber steht auf der Seite der Sieger" vor, im Mittelalter dann eine Weltsicht, in der die (katholische) Christenheit Mittelpunkt der Welt ist - sogar das oströmische Reich wird nur gestreift - in der Neuzeit besteht Deutschland aus "Preußen, seinen Vorgängern und dem kläglichen Rest". Man könnte mit den die Gegenwart prägenden Einflüssen argumentieren - nur: Wäre unter diesem Gesichtspunkt z. B. das Kalifat von Cordoba nicht "wichtiger" als das Reich Karls "des Großen"? Klar, ohne den Burschen und seinen ebenso zähen wie brutalen "Sachsenkrieg" hätte es Deutschland nie gegeben. Aber: Ist Deutschland etwa ein zivilisatorischer Wert an sich? Bis weit in die Neuzeit hinnein könnte
man "Deutschland" ohne Probleme durch "mitteleuropäischer Raum" ersetzen, so gering war die Rolle "des deutschen Volkes" geschweige denn der einer "deutschen Nation" - einschließlich "Kulturnation".

Ich vermute, dass der prägende deutsche Geschichtskanon sich im Deutschen Kaiserreich nach 1871 herausbildete. Das von "Bismark geeinte Reich" als Erfüllung der deutschen Geschichte. Selbst in der DDR scheint dieser Kanon nicht grundlegend infrage gestellt worden sein, schließlich sah sich auch die DDR als historischer Endpunkt. Und auch westdeutsche Geschichtsbücher ließen selten Zweifel daran, dass die BRD der beste Staat war, den es je auf deutschen Boden gab - was etwa dazu führte, dass die "Weimarer Republik" als "gescheitert" wahrgenommen wurde. (Hierzu: Die "Weimarer Republik" war besser als ihr Ruf.)

(Weitere Überlegungen zum Thema - "Das christliche Abendland in den Köpfen (alias "Eurozentrismus")" werden in lockere Folge folgen.)

Donnerstag, 3. April 2008

Rassismus - leider immer noch ein Thema

Rassismus ist für mich ein Dauerthema, spätestens seitdem ich vor fast acht Jahren einen ausführlichen Artikel darüber schrieb: „Menschenrassen gibt es nicht!" Bringen die Ergebnisse der Genforschung das Ende des Rassismus?

Der aktuelle Anlass für mich, wieder einmal auf das Thema "Rassismus" zurückzukommen, ist ein hässlicher Vorgang, der diese Woche durch die Nachrichten ging: Eine Pfarrersfamilie, die ursprünglich aus Westdeutschland stammte, hat die thüringische Kleinstadt Rudolstadt wieder verlassen. Sowohl Frau Neuschäfer als auch ihre fünf Kinder sahen sich rassistischer Anfeindungen ausgesetzt. Ihre Kinder seien wegen ihrer dunklen Haut beleidigt und verprügelt worden. Der Bürgermeister des Ortes sieht "keine Ausländerfeindlichkeit". Vielleicht hat er recht, denn Frau Neuschäfer ist Deutsche - mit einem aus Indien stammenden Vater.

Sehr aufschlussreich finde ich folgendes Interview mit Herrn Neuschäfer, das heute in der "Netzeitung" erschien: Flucht aus dem Osten: "Ich hätte meine Frau in die Psychiatrie bringen müssen"

Um rassistisch zu sein muss man es nicht unbedingt ein Rassist sein. Das klingt paradox, aber ein Rassist hat eine rassistische Ideologie, zumindest im Hinterkopf. Wobei diese Ideologie nicht zwangsläufig "rechts" sein muss und auch nicht zwangsläufig mit dem biologischen bzw. biologistischen Rassebegriff arbeiten muss. Es gibt einen "Rassismus ohne Rassen", so wie es einen "'Antisemitismus ohne Juden" gibt.
Der Alltagsrassismus muss noch nicht einmal böse gemeint sein, und selbst jemand, der nichts gegen Schwarze (Asiaten, Orientale, Inder usw.) hat, kann rassistisch sein. Rassismus fängt nicht erst beim "Rassenhass" an.
Rassismus heißt, Menschen anhand bestehender oder auch nur konstruierte Unterschiede zu klassifizieren. (Zum Beispiel: wer eine sehr dunkle Haut hat, kommt in die Schublade "Schwarzafrikaner", wer blond und hochgewachsen ist, gilt als "nordisch" usw. - auch wenn das mit der realen Herkunft nichts zu tun hat.) Diesen - oft nur vermuteten - ethnischen oder "rassischen" - Klassen werden bestimmte Eigenschaften zugeordnet, typischerweise anhand unreflektierter Vorurteile und Klischees.
Es ist rassistisch, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Gesichtsform usw. abgewertet werden. Aber es gibt auch einen "Positivrassismus": "die" Schwarzen sind musikalisch, "die" Japaner sind fleißig, "der" Südamerikaner temperamentvoll,"der" Nordeuropäer kann gut organisieren usw. usw..
Dass solche Annahmen blanker Unsinn und kein Stück plausibler als die Vorstellung vom "vom Natur aus kulturfernen" Schwarzen sind, ist eigentlich klar. Eigentlich - denn auch ich bin dagegen nicht immun - und manchmal deshalb selber rassistisch.
Rassistische Tendenzen hat fast jeder (auch ich), es ist ein hartes Stück Arbeit, sie zu erkennen und zu versuchen, nicht mehr rassistisch zu sein.

Gerade derjenige, der von sich im Brustton der Überzeugung behauptet, doch "kein Rassist" zu sein, ist erfahrungsgemäß anfällig für rassistisches Denken. Manchmal sind solche Menschen sogar "echte" Rassisten, also mit entsprechender Ideologie.

Woher kommt der "Alltagsrassismus"?
Kein Mensch ist dagegen immun, Vorurteile und dämliche Verhaltensweisen aufzunehmen, vor allem dann, wenn sie sogar Bestandteil der Erziehung sind.

Eine mögliche Ursache, weshalb "im Osten" Deutschlands und hier besonders "in der Provinz" der Alltagsrassismus anscheinend erheblich stärker ist, als in den Metropolen und "im Westen", erwähnt Neuschäfer in seinem Interview:
Wir haben Fremdenfeindlichkeit selbst im kirchlichen Rahmen erlebt, etwa im Kinderkreis unseres Sohnes. Diese Ablehnung ist auch ein Problem der ehemaligen DDR, wo Monokultur und Kollektivismus das akzeptieren anderer Kulturen erschwerten. Da ist vieles unaufgearbeitet geblieben. Denn man gilt schnell als Nestbeschmutzer, wenn man dieses Problem anspricht.
Um eins Klarzustellen: auch "im Westen" und in Großstädten gibt es viel zu viel Rassismus. Ich thematisiere den offensichtlich tief verwurzelten "Kleinstadtrassismus" nicht, um die "Ossis" in die Pfanne zu hauen:
Der Thüringen-Monitor, eine Studie zu den politischen Einstellungen der Bürger, hatte 2007 zum Ergebnis, dass 48 Prozent der Befragten der Meinung sind, Ausländer kämen, um den Sozialstaat auszunutzen, 52 Prozent meinen gar, die Bundesrepublik würde durch Ausländer überfremdet, 19 Prozent antworten, Ausländer sollten nur unter eigenen Landsleuten heiraten.
- Thüringen ist übrigens das Bundesland, in dem es am wenigsten "Ausländer" gibt: ganze 2,0 Prozent "Ausländeranteil" - Bundesdurchschnitt: 8,8 Prozent, das Bundesland mit dem höchsten "Ausländeranteil" ist Hamburg mit 14,2 Prozent. Zahlen gemäß statistischem Bundesamt, Stand 2006.
Das entspricht einer alten Erfahrung: Rassismus gedeiht dort, wo Vorurteile und Klischees nicht durch tägliche Erfahrung korrigiert werden.
Ich sehe eine lange rassistische Tradition, die kaum unterbrochen wurde, und die buchstäblich in "Kaisers Zeiten" begann.
Die DDR war zwar offiziell antirassistisch, und auch die Alt-BRD brach nicht wirklich konsequent mit der rassistischen Tradition, aber tatsächlich konservierte die DDR-Realität viele alte Ängste und Klischees. Glaubte man den DDR-Medien, kam die Ursache aller Probleme immer "von außen", meistens aus dem Westen, aber auch aus "sozialistische Bruderländern" wie Polen. Dennoch kann man die
intolerante Staatsdoktrin schwerlich für den gesamten Rassismus in Thüringen und anderen ehemaligen DDR-Gebieten verantwortlich machen. Schließlich waren viele von denen, die sich heute rassistisch betätigen, 1990 noch nicht einmal geboren.

Rassismus ist bei uns immer noch so sehr Normalität, dass wir ihn in unseren alltäglichen Handlungen und Überzeugungen nicht einmal bemerken. Politiker - auch "im Westen", auch seitens demokratischer Parteien appellieren ungeniert an rassistische und nationalistische Vorurteile.
Mehr noch: die meterhohe Zäune um die "Festung Europa", der mit brutaler Härte geführte Kampf gegen "illegale Einwanderer", werden als "normal" wahrgenommen. (Hierzu empfehle ich: Der eiserne Vorhang steht und wird täglich neu ausgebaut von che 2001.)
Faktisch ist das Fremdenfeindlichkeit in Reinkultur, durchaus auch mit rassistischen Untertönen. Auch die faktische Abschaffung des Asylrechtes ist offen fremdenfeindliche Politik. Diesen harten Fakten stehen meistens nur "weiche" Lippenbekenntnisse gegen Rassismus gegenüber.

Noch etwas:
Wenn jemand behauptet, es gebe "kaum Rassismus", z. B. "in unserer Stadt", ist das eine schwere Beleidigung gegenüber jenen, die unter rassistischen Überbegriffen leiden. Solche Behauptungen ignoriert die Erfahrungen hunderttausender Menschen in Deutschland, die das, als Betroffene oder als Betroffenen nahe Stehende, besser als jeder Außenstehende beurteilen können.
Wer Rassismus leugnet, stellt sich auf anmassende und verletzende Art "über" die Opfer des Rassismus: es wird bestritten, dass das, unter dem sie leiden, real ist.

Donnerstag, 27. März 2008

Eine technische Lösung, für die kein passendes Problem gefunden wurde

Wieder einmal werde ich selbstreferenziell - was ja auch legitim ist, wenn man recht behält:
So lange sich an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nichts ändert, hat der Transrapid keine Zukunft.
Das Ende eines Verkehrsmittels.

Da sich seitdem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht, die Kostenvoranschläge für das Projekt "in zehn Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen" sich aber sehr stark geändert haben, und zwar nach oben, kommentiere ich diese Nachricht: Aus für den Transrapid mit einem leicht verwunderten "Jetzt erst?"
Auch diese Reaktionen sind nicht wirklich überraschend: Aus für Münchner Transrapid -Strecke: Stoiber verwundert - Maget hämisch.

Mittwoch, 26. März 2008

Das Rätsel der Managergehälter - mathematisch gelöst!

Behauptung: Das Gehalt eines Managers verhält sich umgekehrt proportional zu seiner Kompetenz.

Beweis:
Es gilt:

Power = Work / Time (1)
Time = Money (2)
Knowledge = Power (3)

Durch Einsetzen erhalten wir:

Knowledge = Work/Time = Work/Money

Und durch Umstellen ergibt sich:

Money = Work/Knowledge

Schlußfolgerung: Geht das Wissen gegen 0, so steigt die Bezahlung ins Unendliche!

(Gerade in der Kaffepause aufgeschnappter Witz.)
(Funktioniert leider nur auf Englisch. Könnte die Affinität von Möchtegern-Managern zu denglischen Vokabeln erklären.)

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