Dienstag, 25. März 2008

Vom olympischen Geist

reporter ohne grenzen

Ja, ja, ich höre immer wieder, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun hätten. Für diese gespielte Naivität hätte ein "alter Grieche" unsere Sportfunktionäre, sich mit Sportlern schmückende Politiker und die an Sportlern verdienende Industrie laut ausgelacht. Denn das antike Olympia war eine hoch politische (und nebenbei auch hoch religiöse) Veranstaltung. Und die antiken Athleten waren allesamt "Profis".

Natürlich will China eine große Propagandashow abhalten. Selbstverständlich wird auch zu Olympia 2008 gedopt und manipuliert werden, wie bei allen vorhergegangenen olympischen Spielen - tendenziell wahrscheinlich mehr, denn der Gastgeber hat das staatliche Dopingsystem ähnlich perfektioniert wie seine Internet-Zensur und seine Überwachungssysteme - auch dank bereitwilliger Hilfe "westlicher" Unternehmen.
Selbstverständlich werden die zahlreichen akkreditierten Journalisten über die wahren Zustände in China abseits der Sportstätten nicht berichten können - wenn sie denn überhaupt wollen, was ich bei den meisten Journalisten ohnehin nicht annehme.
Und selbstverständlich ist die "Tibet-Frage" nicht der einzige blutig unterdrückte Widerspruch in einem Land, dass den Beweis zu liefern scheint, dass erfolgreicher Kapitalismus keine Bürger- und Menschenrechte braucht. Nur haben die Tibeter das Glück, dass sie mit dem Dalai Lama einen Medienliebling als Vertreter ihrer Exilorganisation haben. Die ebenso unterdrückten Uiguren z. B. können von ähnlicher Aufmerksamkeit nur träumen.
Und selbstverständlich wird ein Boykott, wenn er dann wider Erwarten kommen sollte, ohne Wirkung bleiben.
Denn bekanntlich werden selbst größte Widersprüche in der europäischen Außenpolitik hingenommen, um Geschäfte in China zu sichern.

Warum stelle ich trotzdem diese Graphik in mein Blog?
Weil eines nicht selbstverständlich ist, nicht nur in China: Die freie Meinungsäußerung. Die wir bei uns leichtfertig verspielen, die wir uns unbedacht klauen lassen, unter dem Vorwand der "Sicherheit". Die falsche Alternative "Sicherheit oder Freiheit" ist in China der Vorwand, Bürger- und Menschenrechte zu ignorieren. Leider eifern auch "westliche" Politiker diesem Vorbild nach.

Eines kann man vom Leistungssport tatsächlich lernen: Wer resigniert hat schon verloren.

Angeregt durch Stefan Niggemeier.

Samstag, 22. März 2008

Wo liegt was in Tolkiens "Mittelerde"?

Es wird unter Tolkien-Fans schon lange darüber spekuliert, wie sich Mittelerde und Europa in Übereinstimmung bringen lassen.

Ein besonders interessanter Ansatz ist der Versuch eines anderen Professors, des Geologen Peter Bird aus Los Angeles, Mittelerde als das "Europa nach der Eiszeit" zu deuten - ein Europa, in dem der Meeresspiegel tiefer lag und die Küstenlinien deshalb noch anders verliefen: Where on earth was Middle-earth?.

Völlig abwegig ist diese Idee nicht, jedenfalls, wenn man sie spielerisch aufgreift und immer im Hinterkopf behält, dass Tolkien seine Mittelerde-Romane ausdrücklich nicht als Allegorie verstanden haben wollte - und deshalb Deutungen wie "Isengard ist das Ruhrgebiet in seiner Funktion als Waffenschmiede des deutschen Militarismus" oder "das Auenland ist das ländliche England vor dem 1. Weltkrieg" ins Leere laufen.

Tolkien selbst verglich seine "Alte Welt" ausdrücklich mit Europa - allerdings einem Europa, das man im Schulatlas vergeblich sucht:
The action of the story takes place in the North-West of ‘Middle-earth’, equivalent in latitude to the coastlands of Europe and the north shores of the Mediterranean (…) If Hobbiton and Rivendell are taken (as intended) to be about the latitude of Oxford, then Minas Tirith, 600 miles south, is at about the latitude of Florence. The Mouths of Anduin and the ancient city of Pelargir are at about the latitude of ancient Troy.
Die Geschichte handelt im Nordwesten "Mittelerdes", das in der geographische Breite den Küstenländern Europas und den Nordufern des Mittelmeers entspricht (...) Wenn man (wie beabsichtigt) davon ausgeht, dass Hobbingen und Wasserau ungefähr auf dem Breitengrad von Oxford liegen, dann liegt Minas Tirith, 600 Meilen südlich, etwa auf der Breite von Florenz. Die Mündungen des Anduin und die alte Stadt Pelagir liegen etwa auf dem Breitengrad des alten Troja.

Aber Tolkien schrieb im Vorwort "Der Herr der Ringe", dass es nichts einbringen würde, nach geographischen Übereinstimmungen zu suchen, denn das 3. Zeitalter von Mittelerde wäre schon lange vorbei und die Gestalt aller Länder hätte sich verändert.

Genau das ist es, was Prof. Peter Bird mit seiner Karte versucht hat. Bird ist Professor für Geophysik und Geologie an der UCLA (University of California in Los Angeles) und legte die Karte von Mittelerde über die Europas etwa zur Zeit des Weichselspätgazials am Ende der vorerst letzten Eiszeit, vor ca. 11500 Jahren.
(Wobei er allerdings die klimatischen Verhältnisse der Gegenwart voraussetzt, und unterschlägt, dass zum Beispiel das nördliche Skandinavien noch unter Gletschern begraben lag - was ja auch die Ursache für den niedrigen Meeresspiegel war.)
Im Grunde macht Prof. Bird mit Tolkiens Welt dasselbe, was auch Lyon Sprague de Camp tat, als er Robert E. Howards "Conan" überarbeitete und erweiterte und dabei das "Hyborische Zeitalter" Conans, das Howard vor "etwa 12000 Jahren" angesiedelt hatte, augenzwinkernd in die reale Geographie dieser Zeit verlegte - jedenfalls in groben Zügen. Conans Heimatland Cimmerien setzte de Camp dabei mit Kimbrien, der Urheimat der Kimbern, gleich, bzw. mit den damals trockenen Boden der Nordsee, der an das mit Kimbrien identifizierte Jütland grenzt.

Wenn ich mit die Karte Prof. Birds ansehe, dann fällt mir auf, dass auch er Einiges verschieben musste, damit aus Europa am Ende der Eiszeit "Mittelerde" wird. Abgesehen vom Fehlen des restlichen skandinavischen und alpiden Inlandeises fällt auf, dass es keinen Fluss gibt, der dem "großen Strom" Anduin entspräche. Streckenweise wird er auf der Bird-Karte mit der Oder, der Elbe und der Donau gleichgesetzt, was aber nicht wirklich befriedigt. Außerdem hat Bird, ganz wie Sprague de Camp, Gebirgszüge nach Bedarf "verlängert" oder "erhöht". Die Nord-Süd-Ausrichtung von Mittelerde und Europa stimmt auch nicht überein. Anders ausgedrückt: was nicht passte, wurde passend gemacht.

Wie oben erwähnt, muss man bei jeder "Ortsbestimmung" im Auge behalten, dass Tolkien keine allegorischen oder aktuellen Gleichsetzungen vornahm. Damit lassen sich die Orte in Mittelerde nur auf dem Wege der persönlichen gefühlsmäßigen Assoziation finden - etwa: "diese Landschaft erinnert mich an ... " oder "diese Berge erwecken in mir das Gefühl, sie könnten ... sein". Es geht um "gefühlte Ähnlichkeiten", wobei die Landschaftsbilder noch am ehesten zwischen Mittelerde und Europa übereinstimmen könnten.

Stimmen die geographischen Orte auf der Europakarte, die Bird Orten aus Mittelerde zuordnet, wenigsten "vom Gefühl her" mit ihren tolkienschen Gegenstücke überein? Da ich die Gefühle und Gedanken Tolkiens nicht wirklich kennen kann, bleibt das zwar Spekulation, aber spaßeshalber kann ich die "birdschen Ortsbestimmungen" darauf abklopfen, wie plausibel sie für mich sind.
  • The Shire (Das Auenland) liegt im Südwesten Englands. Und da liegt es ohne Zweifel richtig, denn Tolkien selbst hat es dort angesiedelt.
  • Der Alte Wald liegt in Yorkshire. Das erscheint mir persönlich wenig plausibel, denn mit "Yorkshire" verbinde ich nicht unbedingt große, unberührte Wälder. Die "Yorkshire Dales" mögen landschaftlich reizvoll sein, sind aber nicht wirklich waldreich. Mir fällt beim Stichwort "Old Forest" schon eher der Sherwood Forest ein, und zwar nicht der heutige klägliche Überrest, sondern der ausgedehnte Wald zu Robin Hoods Zeiten. Immerhin grenzt Nottinghamshire an das südliche Yorkshire, so das wenigstens die Richtung stimmt. Der "Old Forrest" könnte auch der einstige "große Birkenwald", der Bearroc, in Berkshire, sein, weil Tolkien Tom Bombadil, den Hüter des Alten Waldes, einmal als Geist der Landschaft von Oxford- und Berkshire bezeichnet hatte.
  • The Barrow Downs (die Hügelgräberhöhen) liegen in Nordengland. Keine Einwände, außer, dass sie "eigentlich" östlich, und nicht nördlich des Alten Waldes liegen müssten.
  • Bree liegt bei Newcastle-upon-Tyne - was sich mir nicht unbedingt aufdrängt.
  • Amon Sûl, die Wetterspitze, liegt im schottischen Hochland. Das kann ich mir schon wieder gut vorstellen.
  • The Grey Havens (die Grauen Anfuhrten) liegen in Irland. Da könnten sie tatsächlich liegen, auch wenn ich sie mir eher wie den Trondheim-Fjord, als großer Naturhafen, vorstelle.
  • Eriador entspricht Brittanien. Keine Einwände.
  • Hithaegelir, das Nebelgebirge, ist die skandinavische Gebirgskette, in Schweden meist kurz "Fjäll" und in Norwegen "Kjølen" genannt. Damit bin ich einverstanden, denn schon Tolkiens Namenswahl weist nach Skandinavien. Die landschaftliche Übereinstimmung ist groß, vor allem im Hochgebirge Jotunheim in Norwegen. Im Winter war die Gebirgskette früher nahezu unüberwindlich und ist in Volkssagen als Heimat von Zwergen, Riesen und Trollen bekannt.
  • Der Mirkwood (Düsterwald) bedeckt fast ganz Finnland und einen großen Teil des Ostseegrundes. Da ich bei schier endlosen, unwegsamen Wäldern tatsächlich an Finnland denke, habe ich keine Einwände. Vielleicht sehen die Finnen das anders.
  • Der Elbenwald Lothlórien liegt in Dalarna, Mittelschweden. Ob das plausibel ist, kann ich nicht sagen, da das Elbenland sowieso nicht ganz zur Alltäglichen Welt gehört.
  • Helm’s Deep (Helms Klamm) liegt nahe dem Dreiländereck zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz, nicht weit von Basel. Ich könnte mir diese Schlucht durchaus im Südschwarzwald vorstellen, aber wirklich überzeugend ist das nicht. Vielleicht kann man bei Basel an die durch eine "Schlucht" (den Oberrheingraben und die Burgundische Pforte) führenden "lebenswichtigen" Handelswege denken, aber das wäre nach meiner Tolkien-Auffassung viel zu allegorisch gedacht.
  • Die Gebirgskette von Ered Nimrais, das "weiße Gebirge", sind die Alpen. Damit bin ich einverstanden.
  • Gondor entspricht Norditalien, dass sich in Richtung der trocken liegenden Adria fortsetzt. Das entspricht in etwa auch Tolkiens Angaben, Klima und Geographie stimmen in etwa auch.
  • Mordor liegt, glaubt man Bird, auf dem Balkan. Das Kerngebiet um den Schicksalsberg, die Hochebene von Gorgoroth, liegt in Siebenbürgen (Transylvanien) in Rumänien, während Minas Morgul etwa in Ungarn und Minas Tirith irgendwo in Österreich läge. Damit bin ich nicht einverstanden, auch wenn man vielleicht auf den Gedanken kommen könnte, Tolkien hätte an das Transsilvanien aus Bram Stockers "Dracula" gedacht. Ich sehe Mordor als geographischen Fremdkörper, als ein Land, das sich in das "alte Europa" buchstäblich nicht einfügen lässt. Ein höllisches, unwirtliches, "verdorbenes" Land, das nicht wirklich zu Mittelerde gehört.
  • Rohan liegt im südlichen Deutschland, wobei Edoras am Fuße der bayrischen Alpen läge. Nun gut, ich habe Rohan eher als weite Ebene in Erinnerung, vergleichbar vielleicht mit der ungarischen Puszta. Edoras könnte ich mir aber gut im Voralpenland vorstellen.
  • Isengard liegt bei Hamburg. Ich kann keine landschaftliche Ähnlichkeit erkennen, und auch über die Sagen und Legenden, die sich mit Hamburg oder allgemein Norddeutschland verbinden, gibt es keinen direkten Weg in diesen Talkessel (oder Krater).
  • Der Wald von Fangorn läge nicht weit entfernt, etwa in Wagrien (Ostholstein). Auch diese Ortswahl überzeugt mich nicht.
  • Östlich des Düsterwaldes liegt Rhovanion und das Ödland von Rhûn - beides liegt auf Birds Karte in Russland, was allenfalls von der geographischen Lage "im Osten" her übereinstimmt. Die Iron Hills (Eisenberge) wären ein Teil des Urals, was schon plausibler wäre.
  • Die Sea of Rhûn (das Rhûnenmeer) entspricht dem Schwarzen Meer. Da das Schwarze Meer von über 11000 Jahren tatsächlich ein Binnensee war, könnte das stimmen. Aber eher denke ich doch an das Kaspische Meer, das immer noch ein Binnensee ist.
  • Khand liegt in der Türkei. Könnte sein.
  • Haradwaith ist der östliche Teil Nordafrikas, Umbar entspricht dem Maghreb, dem westlichen Teil Nordafrikas. Von der geographischen Lage her ist das nicht ganz stimmig, umso mehr von der "inneren Geographie" der Legenden und Klischees - Umbar ist das Land der Korsaren, so wie das vorkoloniale Algerien als Land der Korsaren galt.
  • Die Buch von Belfalas ist der Westteil des Mittelmeeres. Das könnte sein.
  • Der beste Beleg dafür, dass die Geographie Mittelerdes eher auf einer "inneren Landkarte" als auf einer direkten Analogie zur Geographie Europas beruht, ist Rivendell, das Bruchtal. Nach Bird müsste dieser Ort in Norwegen liegen. Tolkien selbst fertigte aber eine Zeichnung des Bruchtals, das sehr an das schweizerische Lauterbrunnental, das Tolkien 1911 zu Fuß durchwanderte, erinnert.
Wie dem auch sei, Mittelerde ist unsere Welt, wie Tolkien schrieb. Kein ferner Planet, kein fiktives Universum, sondern ein Teil Ardas, der Erde. Mittelerde ist ein Land, das es nicht im Sinne der Alltäglichen Wirklichkeit einst gab, sondern eines, dass es hätte geben können, und das nach den selben "Spielregeln" funktioniert, wie die Länder und Reiche "echter" alter Sagen und Märchen. Deren Orte man auch nicht auf der Landkarte, sondern in der Seele findet.

Nun gibt es gewiss Schlaumeier, die behaupten werden, Mittelerde sei mit Neuseeland identisch. Obwohl Peter Jackson die Drehorte der Verfilmung durchweg gut wählte, gibt es eine bezeichnende Ausnahme: den Großen Strom. In Neuseeland gibt es einfach keinen Fluss, der breit genug wäre, um als archetypischer Großer Strom glaubwürdig zu sein. Der Große Strom ist Rhein, Rhône, Elbe, Donau und Wolga zugleich, rückt man von "Mittelerde als Europa" ab, ist er auch Nil, Euphrat, Tigres, Indus, Ganges, Mekong, Jangtse, Huang He, Mississippi, vielleicht auch Amazonas und Kongo.
Neuseeland, als Inselstaat, ist einfach zu klein für einen Großen Strom - es wird deshalb nicht Mittelerde sein.

Mittwoch, 19. März 2008

Sir Arthur C. Clarke (16. Dezember 1917 – 19. März 2008)

Zum Tode von Arthur C.Clarke, dem große Raumfahrtvisionär und SF-Schriftsteller, ist heute schon so viel geschrieben worden, dass ich dem wenig hinzuzufügen hätte. Eine sehr umfassende und aktuelle Informationsquelle zum Leben und Wirken Sir Arthurs ist wieder einmal die (englischsprachige) Wikipedia: Arthur C. Clarke. Danach kann man sich das Lesen der meisten, meist schlecht recherchierten, Nachrufe sparen. (Dazu weiter unten mehr.)

Wer an Arthur C. Clarke denkt, der denkt unweigerlich an seine Mitarbeit beim Kinofilm "2001 - Odysee im Weltraum". Raumfahrtinteressierten ist Clarke eher dafür bekannt, dass er schon 1945 der den geostationären Orbit als Standpunkt für Nachrichtensatelliten vorschlug. Er war nicht der erste, der auf diese Idee kam - aber er war der erste, der sich dafür einsetzte, dass seine Vision auch Wirklichkeit wurde.
Das zeichnete den Visionär Arthur C. Clarke vor den meisten anderen SF-Autoren aus - er setzte sich aktiv für seine Visionen ein, als Erfinder, Publizist, "Netzwerker". Clarke war aktiv daran beteiligt, die bessere Welt zu erschaffen, von der er schrieb. Er war direkt (und finanziell) an Projekten beteiligt, die "High-Tech" an "Entwicklungsländer" weitergaben, das wichtigste ist das Arthur C. Clarke Center for Modern Technologie in Clarkes Wahlheimat Sri Lanka.
Dass er zukünftige technische Entwicklungen prognostizierte, ist für einen SF-Autor nicht ungewöhnlich, ungewöhnlich ist aber, dass er seine "Prognosen" als Anregungen für künftige Innovationen verstand. Anders ausgedrückt: er setzte bewusst auf den Mechanismus der sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Dass eine hochentwickelte Technik am Ende der gesamten Menschheit nutzt, war Clarkes feste Überzeugung. Wie sein "Kollege", der SF-Schriftsteller Brian W. Aldiss, schrieb, sei das vielleicht eine naive Vision - aber Visionäre würden meistens dann am Besten funktionieren, wenn sie eine Aura von Naivität umgäbe. Aldiss bewunderte die wohltätige und strebsame Seite Clarkes, "es ist die andere Seite der Münze, die L. Ron Hubbard ebenfalls als Konterfei trägt".
Tatsächlich war der Scientology-Gründer L. Ron Hubbard ebenfalls ein SF-Schreiber, der versuchte, seine Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei unterschieden sich Ziele und Methoden Clarkes und Hubbards in einer Weise, dass man Hubbard als "Schatten" Clarkes beschreiben könnte. Allerdings war Clarke der bessere und erfolgreichere SF-Autor - was hoffen lässt, dass er auch auf lange Sicht der bessere und erfolgreichere Visionär sein wird.
Noch eine Randbemerkung: Arthur C. Clarke wurde von kritischen Rezensenten als "typischer Vertreter des Plastik-Optimismus der 60er Jahre" beschrieben, mit Blick auf den Film "2001" auch als "über-optimistischer "Raumfahrt-Propagandist". Dazu muss man allerdings wissen, dass Clarke selbst die in "2001" beschriebene Raumfahrt- und Computertechnik nicht mit diesem Datum versehen hat - auch in seinen futurologischen Aufsätzen forderte er die Leser immer auf, die angegebenen Jahreszahlen "cum grano salis" zu sehen. Er betonte, dass der Zeitpunkt vieler Ereignisse nicht von wissenschaftlichen oder technischen, sondern von ökonomischen oder politischen Erwägungen abhängen wird. Als Beispiel nannte er die Mondlandung, die am technisch "frühestmöglichen Termin" erfolgte, und zwar aufgrund einer politischen Entscheidung.
Clarke war auch in dem Sinne kein "billiger Optimist", dass er die negativen Folgen technischer Entwicklungen unterschätzt hätte - er war sogar einer der ersten Autoren, die sich mit ökologischen Problemen beschäftigten. Allerdings schrieb er keine Katastrophenszenarien, sondern lieber Romane, in denen die Menschen mit ihren ökologischen Problemen fertig geworden sind. Lösungsvorschläge statt Untergangsvisionen.

An dieser Stelle komme ich auf Nachrufe in deutschen Medien zurück, die zwar "gut gemeint" sind, die Sir Arthur wirklich nicht gerecht werden. Z. B. wird Clarke in der "Netzeitung" (Odyssee auf Erden beendet: Science-Fiction-Autor Clarke ist tot) als "Wanderer zwischen Naturwissenschaften und düsteren Zukunftsszenarien" beschrieben - da klischiert es mächtig, denn Clarkes Zukunftsszenarien sind nicht düstern, aber da SF-Autoren bekanntlich düstere Zukunftszenarien schreiben, muss das wohl auch auf Clarke zutreffen. Erstaunlich auch, wie wichtig die Story von der DNA-Probe, die "durchs All fliegen" soll, genommen wird: sie beruht auf einem Witz, den Clarke in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP machte.

Überhaupt nicht nachvollziehbar ist folgende Behauptung:
In den letzten Jahren widmete er sich in seinem Büchern dem Schicksal der Menschen im Zeitalter der Raumfahrt. Allerdings war er wenig optimistisch und erklärte, die Welt dürfte in wenigen Jahrzehnten unbewohnbar sein. In seinem Roman «3001: Die letzte Odyssee» aus dem Jahr 1998 hat menschliche Intelligenz nur im Weltraum überlebt, während auf der durch Klimakatastrophen zerstörten Welt nur noch einige primitive Lebewesen zu finden sind.
Der Roman "3001 - The Final Odysee" schildert eine Zivilisation, die das Sonnensystem besiedelt hat und in der in der Tat mehr Menschen freiwillig im (erdnahen) Weltraum leben, als auf der Erde. Die Erde ist in einem ökologisch wesentlich besseren Zustand als in der Gegenwart, sie wurde in eine Art Naturpark verwandelt. (Inhaltsangabe in der Wikipedia: 3001 The Final Odyssey).

In seiner jetzigen, ziemlich gut recherchierten, Form ist der Nachruf auf SpOn Zum Tode Arthur C. Clarkes gar nicht mal so schlecht. (Die erste, grauenhafte, Fassung war wohl ein typischer "SpOn-Schnellschuss".)

Allerdings behauptet der Artikel nach wie vor, dass Clarke überzeugt davon gewesen wäre, die Welt werde in einigen Jahrzehnten unbewohnbar sein.

Dieser Satz im Nachruf ist wohl ein Beitrag zum Wettbewerb "Wie bringe ich möglichst viele Fehler in einem Satz unter?":
In einem seiner letzten Werke, dem Roman "3001: The Last Odyssey" von 1997, erwacht der Pilot eines Raumschiffes nach tausend Jahren im Tiefschlaf und muss auf eine Erde zurückkehren, die durch Klimakatastrophen vollends verwildert ist und nur noch noch primitive Lebensformen beherbergt.
Es gibt keinen Roman Clarkes, der auch nur annähernd dieser Beschreibung entspräche - allerdings unzählige Romane anderer SF-Autoren mit ähnlichem Plot.

Das von einer pessimistischen Gundeinstellung Clarkes - bei aller Skepsis - keine Rede sein kann, zeigt seine eigene Geburtstagsbotschaft vom 16. Dezember 2007:
90th Birthday Reflections.

Montag, 17. März 2008

Happy Birthday, Vanguard 1!

Er ist der älteste noch "kreisende" Satellit:
Am 17.3.1958 erreichte Vanguard 1 (NSSDC ID: 1958-002B) seinen Umlaufbahn.
Seine Vorgänger sind dagegen längst verglüht oder in Bruchstücken auf die Erde gestürzt. Der nur etwa 1,5 Kilogramm "schwere" Vanguard 1 umkreist die Erde auf einer beinahe kreisförmigen Bahn mit einem Radius von ca. 8690 km (was einer Bahnhöhe von ca. 2300 km entspricht). In dieser Höhe gibt es kaum noch bremsende (Rest-)Hochatmosphäre.

Wegen der geringen Größe des Vanguard 1 Satelliten spottete der sowjetische Premierminister Nikita Chruschtschow über den "Grapefruit-Satelliten". Tatsächlich enthielten die frühen amerikanischen Satelliten mehr Messinstrumente als ihre viel größeren sowjetischen Gegenstücke - die USA hatten einen deutlichen technischen Vorsprung auf dem Gebiet der Mikroelektronik, von dem damals aber nur wenige wussten. (Chruschtschow gehörte dazu.)
Schon mit dem ersten amerikanische Satelliten, Explorer 1 gelang eine ebenso unerwartete wie wichtige Entdeckung, nämlich die des Van-Allen-Strahlungsgürtels.

Auch wenn die Instrumente des kleinen Kerls nicht mehr funktionieren, und sein Sender seit 1964 nicht mehr funkt, ist der Satellit nach wie vor nützlich: Die Messung seiner Umlaufbahn erlaubt Rückschlüsse auf das Langzeitverhalten künstlicher Erdtrabanten, z. B. die Einflüsse der Hochatmosphäre oder von Sonnenstürmen. Diesen Dienst wird Vanguard 1 noch lange verrichten - nach neueren Berechnungen wird er noch etwa 2.000 Jahren "draußen" bleiben. Er war übrigens auch der erste Satellit, der mit Solarzellen zur Stromversorgung ausgerüstet war.

Auch ein anderer Raumflugkörper, die Raumsonde Ulysses, leistete viel länger als die geplanten 5 Jahre gute Dienste: Seit über 17 Jahren umkreist die in Deutschland gebaute und von der ESA betriebene Ulysses die Sonne in einer Umlaufbahn, die senkrecht zur Ekliptik (Bahnebene der Erde) steht. Mit der Sonde werden die von der Erde auch nicht beobachtbaren Polregionen der Sonne erforscht.
Ulysses kann nicht mehr lange betrieben werden, denn die Energie an Bord reicht nicht mehr aus, um die elektrische Heizung zu betreiben, die den Treibstoff der Sonde, Hydrazin, über seinem Gefrierpunkt von 2 Grad Celsius hält. Ist das Hydrazin erst einmal gefroren, fällt die Lagekontrollregelung aus.

Entdeckt auf dem Raumcon.forum (mit vielen Links, ohne ich diesen Artikel nicht hätte schreiben können).

Samstag, 15. März 2008

Contentklau?

Mir wurde in einem (von mir gelöschten) Kommentar vorgeworfen, ich hätte einen Artikel plagiiert, und das Plagiat sei offensichtlich kein Einzelfall. Der Kommentator benutzte allerdings erheblich drastischere Formulierungen, die ich mir nicht bieten lasse.
Das nehme ich zum Anlass, meine Haltung zu diesem heiklen Thema darzulegen.

Ein weiterer Anlass ist dieser Beitrag von der "Blogbar":Mashup-Blogs: Wir klauen uns die Welt, wie sie uns gefällt und dieser, sehr viel mehr ins Detail gehende, in der "Medienlese": Wer plagiiert, ist doch nur doof.

Im konkreten Fall bin ich mir keiner juristischen Schuld bewusst. Es stimmt allerdings, dass ich den Artikel, den ich plagiiert haben soll, kannte. Und beide Artikel handeln von dem selben Thema, was gewisse Ähnlichkeiten unvermeidlich macht. Allerdings hat mein Artikel einen anderen Schwerpunkt, ist länger und übernimmt keine Formulierungen des "Vorbildes".

Allerdings: Dieser Vorwurf hat mich ins Grübeln darüber gebracht, wo dann der "Contentklau" eigentlich anfängt. Vor allem aber, ob der Anteil meiner "schöpferischen Eigenleistung" immer hoch genug ist.

Ich gehe nicht so weit, mein "Senfblog", dass ich in erster Linie als persönliches Kommentarblog betrachte, zu den vom Don leicht angeekelt so genannten "Mashup-Blogs" zu zählen. Allerdings muss ich selbstkritisch einräumen, dass ich ziemlich oft ziemlich eifrig fremde Inhalte zitiere bzw. paraphrasiere - mich also zu wenig um "Eigenleistung" kümmere, und vielleicht zu viele Inhalte aus Mainstream-Medien und anderen Blogs übernehmen. Nachträglicher Einschub: ein ach so toll 2.0-iges Mashup-Blog ist nichts anderes als eine Fremdcontent-Collage, typischerweise mit minimalem oder völlig fehlendem Kommentar. Kann man machen, wenn es einem Spaß bringt. Braucht aber meines Erachtens kein Mensch, weil jedes "News-Portal" mehr bietet. Dann schon lieber Katzenbilder und Urlaubsberichte, wenn einem als Blogger partout nichts einfällt.

Dons Reaktion auf die Abmahn-Welle gegen Blogger, die Brötchenbilder und ähnlich banales "übernommen" haben sollen, ist bekanntlich: "Selber machen" - d. h. auf einem Blog sollten nur selbst gemachte Fotos stehen, denn nur bei Fotos, deren Rechte man selbst innehat, kann man vor Abmahnungen sicher sein. Zwar klingt das ziemlich arrogant, aber so ganz falsch liegt der Don nicht.
Und ich muss einräumen, dass ich manchmal ganz schön leichtsinnig war, wenn es um unter "CC"-stehende Bildinhalte geht.

Es ist zwar unmöglich, eine CC-Lizenz auf deutsches Urheberrecht zu übertragen, aber ich sehe sie ohnehin eher als Vertrag, mit dem Nutzungsrechte vergeben werden. Also in meinem Falle "share alike, not commercial": Weiterveröffentlichung für nichtkommerzielle Zwecke frei. Quellenangabe oder Verlinkung erbeten. Wobei ich die kommerzielle Weiterveröffentlichung nicht grundsätzlich verbiete - ich möchte nur vorher gefragt werden und eventuell Tantiemen für die Nutzung sehen.
Allerdings: sollte ich sterben, kann ich nicht dafür garantieren, dass meine Erben das genau so sehen. Ich kann nur nach bestem Wissen und Gewissen versichern, dass keiner meiner potenziellen Erben so übel drauf ist, dass er serienweise Blogger abmahnen lassen würde.
Ich finde übrigens, dass "freie" Bilddatenbanken gar keine schlechte Idee sind, auch um "Brötchenbildabmahnern" das Geschäftsmodell zu verderben. In dieser Hinsicht geben ich dem Don also nicht recht.

Was also tun? Als "Contentdieb" im Sinne von "Plagiator" sehe ich mich nicht. Deshalb war ich auf den Kommentator auch so sauer.

Aber als jemand, dessen Eigenleistung sich vielleicht zu oft auf das bei Journalisten so beliebte "anverwandeln" eines Textes beschränkt ist. Dessen Artikel zu oft aus viel zitiertem Text und wenig Eigenleistung bestehen.

Denn es wäre wirklich schade, wenn Blogs im Schnitt genau so unkreativ, unoriginell und beliebig wären, wie z. B. das Programm eines Dudelfunksenders. Mashup-Blogs, die noch nicht einmal die zusammengesammelten Inhalte und Links anständig kommentieren, braucht die Welt nicht. Sie braucht Blogger, die kreativ, kritisch, ehrlich und mutig sind.
Da hat der Don ganz recht.

Freitag, 14. März 2008

Woran erkennt man zuverlässig einen Ideologen?

Ganz einfach: an seiner Behauptung, es gäbe "keine Alternative".

Schon das Denken in Alternativen - in Begriffen von "entweder / oder" - wird der Wirklichkeit nur äußerst selten gerecht. Im Falle einer wirtschaftspolitischen Agenda (ich denke da an z. B. die "Agenda 2010") ist diese Argumentation besonders absurd, denn eine Agenda ist eine "Tagesordnung" oder eine "Zielsetzung". Eine grobe Vorgabe, wo es lang gehen soll. Zu behaupten, es gäbe ein nur ein allgemeingültiges Ziel (etwa: "Europa muss zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Region der Welt werden" - Lissabon-Agenda) - und ferner nur einen Weg dorthin (etwa: "ohne Senkung der betrieblichen Lohnnebenkosten geht es nicht") - ist ideologisches Denken pur.

Dienstag, 11. März 2008

... und noch ein Schnüffelgesetz kassiert

Das Bundesverfassungsgericht hat die automatische Erfassung von Autokennzeichen in Hessen und Schleswig-Holstein für verfassungswidrig erklärt. Der massenhafte Abgleich von Nummerschildern, die etwa an Mautbrücken automatisch erfasst werden, mit Fahndungsdatenbanken sei nicht zulässig. (Zur Erinnerung: in Hessen wurden ca. 1 Million Kennzeichen gescannt, stolze Trefferquote 0,3 Promille, meistens Autobesitzer, die ihre Versicherungsbeiträge nicht gezahlt hatten. Aber immerhin: es sollen auch drei gestohlene Fahrzeuge ins Netz gegangen sein - was in den Augen der Befürworter die Kontrollen voll und ganz rechtfertigte.) Die Gesetze verletzen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung - zum Beispiel könnten mit den gespeicherten Kennzeichen mühelos Bewegungsprofile erstellt werden. tagesschau.de: Kennzeichenerfassung verstößt gegen Grundgesetz.

Allerdings: es gibt noch Einiges zu tun, jedenfalls solange das noch im Raum steht: Die Kennzeichenerfassung kommt trotzdem.

Das BVerfG ist grundsätzlich eher zurückhaltend in seinen Urteilen. Wenn also "auf einmal" eine ganze Reihe Gesetze aus dem Bereich "Innere Sicherheit" glatt verfassungswidrig sind, zeigt das, dass da etwas oberfaul ist - vor allem stimmt es bedenklich, dass diese Gesetze zuvor glatt durch die Parlamente gingen. Was Bände über die Paranoia vieler Sicherheitsexperten und Innenpolitiker (Dr. "Seltsam" Schäuble ist da nur ein Beispiel unter vielen) und die Mentalität des gewöhnlichen Abgeordneten und "Parteisoldaten" verrät.
SPD-Fraktionsfisch
Eine Dose deutsche Parlamentarier (Quelle: selbstgemachtes Foto)

Fairerweise sollte man keine Legenden stricken

Es ist nicht weiter erstaunlich, dass die katholische "Tagespost" über das religionskritische Kinderbuch "Wo bitte gehts zu Gott? frage das kleine Ferkel" nicht erfreut ist und auch am kläglichen Scheitern des Indizierungsantrag einiges auszusetzen hat: Atheisten schüren Angst vor Gott -
Das Buch „Wo bitte gehts zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ ist voller Verachtung gegen Religionen
.
Das sie verärgert sind, sei den Redakteuren der "Tagespost" zugestanden. Es ist auch legitim und nachvollziehbar, wenn sich ein gläubiger Katholik von dem Kinderbuch angegriffen oder beleidigt fühlt.

Wofür ich aber keinerlei Verständnis habe, sind Aussagen, die historisch unhaltbare Legenden verbreiten:
„,Ohne Gott hatten wir keine Angst!‘, sagte der Igel. ,Stimmt!‘, meinte das Ferkel. ,Aber hat dir die Angst gefehlt?‘ ,Nee!‘, antwortete der kleine Igel.“ Fairerweise hätte der Autor darauf hinweisen müssen, dass die Menschen in den ältesten Kulturen nur in Angst lebten und das Christentum diese Angst durch die Liebe Gottes nehmen konnte.
Die Vorstellung, dass die Menschen in den "ältesten Kulturen" in ständiger Angst gelebt hätten, ist absurd. Vielleicht beruht diese Ansicht auf der Vorstellung, Heiden hätten Angst vor dem Tod, da sie nicht auf Erlösung nach dem Tod durch Jesus Christus hoffen können. Nichtchristen sehen das allerdings anders - und der Glaube an die Hölle fördert durchaus die Angst vor dem Tode. Vielleicht beruht sie auch auf dem durch die Bibel genährte Klischee, in den frühen Hochkulturen hätte stets Willkür und Unterdrückung geherrscht - wobei vergessen wird, dass die Bibel diese Kulturen aus der Perspektive einer unterdrückten Minderheit, der der Israeliten, schildert. Auch unterschlägt sie, dass auch die in der Bibel vorteilhaft geschilderten Kulturen, z. B. die der Perser, und nicht zuletzt die Kultur des alten Israel selbst "alte Kulturen" sind. Die Vorstellung, etwa die griechische Komödie oder die römischen Satiren seien aus dem Klima einer allgemeinen Angst entstanden, ist so bizarr, dass sie vermutlich nicht einmal ein katholischer Apologet in Erwägung ziehen würde. Und wäre diese Vorstellung wahr, die ältesten Kulturen hätten nur in Angst gelebt: müssten dann nicht auch alle heutigen nichtchristlichen Kulturen von Angst durchdrungen sein? Wer das glaubt, der glaubt vermutlich auch daran, dass geweihte Priester trockenes Backwerk in menschliches Fleisch und mittelmäßigen Wein in menschliches Blut umwandeln könnten ...
Und auch in einer atheistischen Gesellschaft regiert die Angst, weil niemand mehr vor der Willkür des Staates sicher sein kann.
Wohlwollend ausgedrückt: eine steile These. Wenn das Christentum im Allgemeinen und die katholische Kirche im Besonderen stets an der Seite des unterdrückten Untertanens und nie an der Seite der unterdrückerischen Machthaber gestanden hätte, ließe sich eventuell darüber reden - vorausgesetzt allerdings, es gäbe keine nichtreligiösen Bürgerrechtler, und Aufklärung, Demokratie und Rechtsstaat wären exklusiv christliche Errungenschaften. Und wenn der Satz aus Paulus´Brief an die Römer, dass "jede Obrigkeit von Gott" sei (tatsächlich:jede!), nicht so oft beim Wort genommen worden wäre.
Aber weiter:
Wie intolerant und manipulierend der Atheismus ist, zeigt schon der Schluss des Buchs. Die beiden Tiere reißen das Plakat „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas“ von der Wand und basteln Papierflugzeuge daraus. Wer Kindern dieses Buch zumutet, überlässt sie dem kämpferischen Atheismus, der keine freie Meinung zulässt.
Nach den "frommen Lügen", die diesem Schlusssatz vorangingen, entbehrt er nicht einer gewissen Heuchelei.

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Ahoi, gerade frisch mit dem Postschiff eingetoffen. Der...
MMarheinecke - 26. Mär, 06:48
Kleine Korrektur. Man...
Kleine Korrektur. Man kann/sollte versuchen die Brille...
creezy - 11. Nov, 11:29
strukturell antisemitisch
Inhaltlich stimme ich Deinem Text zwar zu, aber den...
dummerle - 5. Jun, 11:12

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