Sonntag, 4. Oktober 2009

Erinnerungen an ´82

Eine persönliche Ergänzung zu Die Herrschaft der ´82er.
1982 war das Jahr, in dem ich mein Abi "baute". (Wie sich daraus mühelos schließen lässt, bin ich nicht mehr der Jüngste.) Übrigens mit einem Schnitt von 2.0, was angesichts der Tatsache, dass ich zwar hochmotiviert lernte, aber vorzugsweise Dinge, die nicht zum abfragbaren "Stoff" gehörten, und mich zwar immer konzentrierte, aber nicht immer auf den Unterricht, keineswegs selbstverständlich war.

Ich erwähnte die Popper von damals, die in vielen Fällen die Politiker, Top-Manager und Meinungsmacher von heute sind. Ich war keiner. Das lag einerseits daran, dass ich beim Wort "Popper" schon damals eher an Karl Raimund Popper dachte, als an junge Menschen mit asymetrischen Föhnfrisuren, Kaschmir-Pullovern, Rolex-Uhren (manchmal sogar echt) Karottenhosen und Schuhen, die, anders als die Bezeichnung "Pennyloafer" vermuten ließ, sauteuer waren. Anderseits natürlich auch daran, dass mir für diesen teuren Lebensstil sowohl die nötige Kohle wie die nötige Eitelkeit fehlte.
Meine Schule zeichnete sich durch eine sozial und politisch extrem gemischte Schülerschaft aus - in meiner Jahrgangsstufe gab es sowohl jemanden, der in einem besetzten Haus in der Hafenstraße wohnte, wie auch Töchter und Söhne von erfolgreichen mittelständischen Unternehmern, die, wenn sie auf Angeber-Uhren Wert legten, nicht auf Rolex-Imitate zurückgreifen mussten. Das verhinderte ziemlich wirksam die Cliquenbildung - es gab von jeder Herkunftsgruppe und Subkulturgruppe dazu einfach zu wenige. Es gab bei uns einige, die im Popper-Stil herumliefen, die sich aber nicht "poppermäßig" verhielten - womit ich extreme Angeberei, Rücksichtslosigkeit, Konsumgeilheit, Karrieregeilheit, Oberflächlichkeit meine. Waren meistens ganz gute Kumpel, nur eben besonders modebewusst. Anderseits gab es da einen, den wir den "Punkpopper" nannten - jemanden, der in Kleidung und Auftreten extrem provokativ war, aber eben nur äußerlich "Rebell", innen karrierebewusst und selbstbezogen. Ich war nicht im Mindesten erstaunt, als ich Jahre später sein Gesicht und seinen Namen auf einem CDU-Wahlplakat sah. Inzwischen ist er nicht nur Dozent an der Universität Berlin, sondern war auch lange Jahre in führenden Management-Positionen in großen Medienunternehmen tätig. Immerhin: Internet-Ausdrucker ist er nur wirklich nicht ...

Im Rückblick erscheint mir das damals in der BRD herrschende gesellschaftliche Klima extrem polarisiert. Einerseits herrschte bei sehr vielen Menschen eine extreme Angst vor Krieg - vor allem nach dem NATO-Doppelbeschluss und der im Rahmen dieses Beschlusses 1982 stationierten, nuklear bestückten us-amerikanischen Marschflugkörpern vom Typ BGM-109 Tomahawk. Die (m. E. berechtigte) Angst, dass durch "eurostrategische" mobile - und daher im Präventivschlag kaum zu vernichtende - extrem zielgenaue nukleare Waffensysteme wie die Tomahawk, die Pershing II-Rakete oder auf östlicher Seite die RSD-10 (besser bekannt unter dem NATO-Kürzel SS 20) ein auf Europa "begrenzten" Atomkrieg möglich und sogar "führbar" wäre, war der Hauptauslöser der sehr breiten Friedensbewegung. Eine andere Angst, die zehntausende Menschen auf die Straßen trieb, war die vor der Umweltzerstörung.
Ohne diese (nicht grundlosen) Ängste hätte es die "GRÜNEN" nicht gegeben, und wären umweltpolitische Themen in Medien und Politik Randthema geblieben. Auch der "bewährte" Versuch, die Friedensbewegten als "Marionetten Moskaus" darzustellen, schlug fehl - und das, obwohl es tatsächlich an Versuchen der "realsozialistischen" DKP, die Proteste in ihrem, einseitig anti-westlichen Sinne, zu instrumentalisieren, nicht mangelte. Ja, und dann gab es noch die Lambsdorf-FDP - es waren wenige, die aber von Anfang an massiven medialen "Feuerschutz" für das Vorhaben "schlanker Staat" genossen.

Computer. Es gab zwar schon das Internet, aber kaum jemand, der nicht gerade Informatik studierte, wusste das. Noch im Fischer-Taschenlexikon "Computer", Auflage 1986, fehlte dieses Stichwort. Mein erster Computer war übrigens kein C-64, sondern ein Sinclair ZX81, der unter dem Namen "Timex Sinclair 1000" für nur 99 DM bei "Allkauf" verramscht wurde. Ein Jahr später leistete ich mir einen "Basic"-programmierbaren Taschenrechner, der irgendwie praktischer war. Woran ich mich noch gut erinnern kann, waren die Trauben Jugendlicher in den Computer-Abteilungen der Warenhäuser. Und schon damals gab es besorgte Pädagogen und Erziehungs-Politiker, die mit markigen Worten vor verrohenden Computerspielen warnten. 1984 wurde erstmals dann ein "Ballerspiel", River Raid, von der BPjS indiziert. (Einiges zu dieser absurden Indizierung schrieb ich unter Die Tücken der virtuellen Realität.)

Samstag, 3. Oktober 2009

Die Herrschaft der '82er

Typisch für die aktuelle Politikergeneration ist nun einmal Beratungsresistenz, Unfähigkeit in der Realität zu leben und die Vorliebe Schwächere zu quälen und zu beleidigen.
Elternforum

Es ist viel, zu viel, über die angebliche kulturelle Hegemonie der "´68er" die Rede. Abgesehen davon, dass es nur verhältnismäßig wenige '68er gibt und dass längst nicht alle, die von konservativer Seite zu den "´68er" gezählt werden, wirklich welche (oder überhaupt "links") sind, sind die meisten "´68er" längst im Rentenalter oder kurz davor.
Die heute tatsächlich tonangebene Generation wurde in den 1980er und frühen 1990er Jahren politisch sozialisiert. Für "Westdeutschland" bedeutet das: in der Ära Helmut Kohl.
Wobei es eine Überschätzung des eher gemäßigten und pragmatischen Politikers Helmut Kohl wäre, die einschneidenden kulturellen Veränderungen, die es im "Westen" gab, "seiner" "geistig-moralische Wende" im Jahr 1982 zuzuschreiben.
Der "Kanzler der Einheit" wäre 1989 beinahe von den eigenen Leuten gestürzt worden. Wenn nicht, wäre es fraglich gewesen, ob er die Bundestagswahl 1990 gewonnen hätte. Er hatte Glück und nutzte die Gunst der Stunde aus: der politischen Umbruch in Osteuropa, die "Wende" (politische, nicht "geistig-moralische") in der DDR, rettete ihn vom politischen Abstellgleis und sicherte dem geschickten und oft unterschätzten Machtpolitiker den Platz in der deutschen Geschichte. Dass er überschwänglich "blühende Landschaften" in den neuen Ländern versprach, wird wahrscheinlich sogar ehrlich gemeint gewesen sein. Der Mann neigte nun einmal zum Überschwang.

Der entscheidende Faktor für "´82" liegt meiner Ansicht nach nicht etwa in der "Ökonomie", sondern im Wandel der tonangebenden "westlichen" ökonomischen Lehre. Anlass zum Bruch der SPD-FDP-Koalition war ein Strategiepapier der FDP, das von Otto Graf Lambsdorff ausgearbeitet worden war und marktradikale Positionen, heute würde man sie wohl "neoliberal" nennen, zur Reform des Arbeitsmarkts enthielt. (Es entbehrt nicht der historischen Ironie, dass das, was damals Lambsdorf-Papier vorgesehen war, gut 20 Jahre später unter einer SPD-Grünen-Koalition ziemlich getreu vollendet wurde.) Die "Wende" der vorherrschenden ökonomischen Lehrmeinung, hin zu einem "klassischen Kapitalismus" und einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik verlief in anderen westlichen Ländern noch weitaus heftiger - etwa unter der Regierung Thatcher in Großbritannien oder unter Reagan in den USA ("Reganomics"). Für derart massive Reformen waren die deutschen Marktradikalen noch zu schwach - und der Kanzler zu konservativ.

Zum Alltag. Eine ungemein typische Erscheinung in der Jugendkultur der frühen '80er Jahre waren die "Popper". Eine Jugendkultur, die sich sowohl vom traditionellen Konservativismus wie von den zur selben Zeit ihren Höhepunkt erreichenden "Protestkulturen" ("Alternativler", "Ökopaxe" aber auch Punks) abgrenzten. Die meist aus "gesicherten Verhältnissen" stammenden Popper zelebrierten demonstrativen Hedonismus und unverhohlenen Egoismus. Wichtig war ihr materialistisches Imponiergehabe - sie legten es darauf an, beneidet zu werden. Es gelang ihnen. Obwohl die ehemaligen Popper ihre Allüren später ablegten, setzten sich jene Teile ihrer "Weltsicht", die sozusagen mit den "bürgerlichen Sekundärtugenden" wie Fleiß, Disziplin und Gewinnstreben kompatibel waren, fest. Leicht überspitzt kann man sagen, dass die heutige Führungsriege der FDP und weite Teile der CDU, so wie große Teile der Medienlandschaft von Ex-Poppern und von Menschen, die einst die Popper beneideten, dominiert werden.

Ebenfalls in die frühen 80er-Jahre fällt der Beginn der "neuen Prüderie" - die AIDS-Epidemie war für die Gegner der sexuellen Befreiung und der Schwulen-Emanzipation quasi ein "Geschenk des Himmels". Ironischerweise wurde die neue Prüderie flankiert von einer zeitgleich einsetzenden Fitness- und Body-Styling-Welle, und einem zunehmend auch in sexueller Hinsicht voyeuristischen Boulevardjournalismus. Es entbehrt nicht der bitteren Ironie, dass ein seltsames Zweckbündnis von religiös Konservativen und einer bestimmten Sorte Feministinnen der "neuen Prüderie" Vorschub leistete (Stichwort "Por-NO!").

Es gibt aber auch ganz praktische "Langzeitprägungen". Denn die ´80er waren nicht nur die Zeit der angehenden "Generation C 64", sondern, im Falle der etwas älteren Jahrgänge, auch die Brutstätte der heutigen "Internetausdrucker" und "Computeranalphabeten". Noch von meiner eigenen Ausbildung zum Datenverarbeitskaufmann (heute: IT-Kaufmann) kenne ich die "Faustregel", dass jemand, der den Tag am Computer arbeitet, in der Freizeit ebenso wenig Neigung verspüren würde, sich mit dem PC zu beschäftigen, wie ein Tischler zuhause eine Werkbank hätte. Folgerung: der private Sektor sei für die Computerbranche uninteressant - abgesehen von der Nische der "jugendlichen Spieler". Nicht alle begriffen, dass das Bild des Arbeiters in der Autoindustrie, der selbstverständlich privat Auto fährt, die tatsächliche Situation besser beschrieb. Für viele meiner Altersgenossen galt: Computer gehören ins Büro, und zwar nicht das des Chefs!
Es gab damals "Ratgeber", die Unternehmern dringend davor abrieten, sich einen PC auf den Chefschreibtisch zu stellen. Das würde Verhandlungspartner fragen lassen: "Hat der denn keine EDV-Abteilung?" Der Computer wurde in den 80er von vielen Geschäftsleuten als Nachfolger von Schreibmaschine und Buchungsautomat angesehen - etwas für Sekretärinnen und Buchhalter, aber nicht fürs Management - oder Menschen, deren Karriereziele in Richtung Management gingen.

Bei den "´82ern" wirkt diese Anschauung bis heute nach. Ironischerweise sind jene, die damals zu den "technikfeindlichen" Grünen und Alternativen gehörten, heute oft stärker "internetaffin" als die an der "technologischen Führungsrolle des Wirtschaftsstandortes Deutschland" interessierten Kohl- und Lambsdorf-Anhänger von damals.

Dienstag, 29. September 2009

Eine Petition, die mehr Beachtung verdient: ALG Sanktionen abschaffen

Schon seit dem 20. August läuft eine Petition (die ich übrigens längst unterzeichnete):
Arbeitslosengeld II - Abschaffung der Sanktionen nach § 31 SGB II vom 20.08.2009

Sicher, die meisten Sachbearbeiter bei den ARGEn sind menschlich anständig. Und zugegeben, es gibt tatsächlich "faule Hunde" unter den ALG II-Empfängern, wenn auch längst nicht in dem Umfang, in dem das uns die Boulevardmedien und alles andere als neutrale "Öchsperten" weiß machen wollen. Ich gebe sogar zu: ab und an geht es nicht ohne etwas Druck. Die Betonung liegt auf "etwas".

Die Sanktionen nach § 31 SGB II haben drei schwere (und meines Erachtens nicht fahrlässig, sondern absichtlich eingebaute) Konstruktionsfehler:
  1. Gegenüber der üblichen Rechtspraxis herrscht Beweislastumkehr: Nicht die Behörde muss den Erwerbslosen pflichtwidriges Verhalten nachzuweisen, sondern der Erwerblose muss belegen, dass er pflichtgemäß handelte.
  2. Die Sanktionen können über das Maß hinaus getrieben werden, das für die Betroffenen buchstäblich existenzbedrohend wird. Das endet nicht beim Verlust der Wohnung. Selbst auf Lebensmittelgutscheine beim völligen Entzug des ALG II gibt es meines Wissens keinen Rechtsanspruch.
  3. Die Zahlung darf im Sanktionsfall sofort eingestellt werden. Das bedeutet, dass Erwerbslose auf bloßen Verdacht hin in existenzbedrohende Situation gebracht werden können
Die Begründung der Petition klingt hart. Aber sie trifft meiner Ansicht nach leider nicht nur in "bedauerlichen Einzelfällen" zu:
§ 31 SGB II verletzt die Menschenwürde und die Freiheit zur Entfaltung der Persönlichkeit und wandelt die gebotenen Hilfestellungen des Staates zu Zwangsmaßnahmen um. Abzüge vom absoluten Lebensminimum können nur durch Hungern kompensiert werden. Die Sanktionierung mit Hunger oder mit gesellschaftlicher Ausgrenzung steht auf derselben Stufe wie die Sanktionierung durch unmittelbare staatliche Gewalt.
Die Mitzeichnungsfrist für diese Petition endet am 28. Oktober 2009.
Wenn Ihr sie noch nicht unterzeichnet habt: Bitte tut es
hier und bald!

Sonntag, 27. September 2009

So, auch hier: mein Senf zur Wahl

Ich sehe das Wahlergebnis mit der wahrscheinlichen "Wespenkoalition" (schwarz-gelb) und mit "Leichtmatrosen" Guido Westerwelle als wahrscheinlichen Außenminister mit einen lachenden und einem weinenden Auge.

Lachend, weil die die SPD ihre verdiente Klatsche für den jahrelangen Verrat an ihren Wählern (anders kann man das nicht nennen) bekommen hat. Weil Bürgerrechte, bei aller Umfall-Neigung der FDP, für die "Liberalen" immer noch einen höheren Stellenwert haben, als für die "alten Parteisoldaten" der SPD wie Wiefelspütz oder Müntefering. Und weil die wirtschaftspoltischen Vorstellungen des einflussreichen "Seeheimer Kreises" der SPD sich vom "neoliberalen" Marktradikalismus der FDP eigentlich nur durch die Vorliebe für Großkonzerne unterscheidet.

Gut finde ich es auch, dass sich die "Grünen" auf etwa 11 Prozent steigern konnten, und die "Linken" mit wohl gut 12 Prozent ein sehr starkes Ergebnis erzielten. Damit, und mit der hoffentlich zur Besinnung kommenden SPD, werden wir wohl eine Opposition haben, die diesen Namen auch verdient. Dass die "Piraten" bei gut 2 Prozent liegen, ist auch kein schlechtes Ergebnis für eine neue Partei (wo krebsten die "Grünen" 1980 ´rum?). Es wäre m. E. etwas mehr drin gewesen, etwa 3 Prozent. Die "Piraten" haben m. E. nicht im Wahlkampf immer glücklich agiert, und hatte außerdem extrem viel (medialen) Wind von vorn.

Die "Piraten" sorgten - und sorgen hoffentlich weiter - für Aufmerksamkeit für das in den letzten Jahren ins Hintertreffen geratenen Thema Bürgerrechte. Immerhin haben die "Grünen" nach langen Jahre ihre einstige "Kernkompetenz" Datenschutz wiederentdeckt.

Auf der traurigen Seite:
Auch wenn es keine echte Richtungsentscheidung ist - weil sich die Agenden von Schwarz-Gelb und Schwarz-Rot nicht wirklich voneinander unterscheiden- stehen uns wohl einige Jahre harter Einschnitte bevor. Die gäbe es auch unter Schwarz-Rot - aber möglicherweise wird es bei der "Wespe" aus ideologischen Gründen härter für die Armen und Erwerbslosen. Egal, wer regiert: die Kassenlage ist katastrophal, und alle möglichen Regierungsparteien haben selbst im Wahlkampf selbst radikale Kürzungen nicht ausgeschlossen. Wer an "Steuersenkungen dank FDP" glaubt, glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann.
Ob der Atomausstieg unter "schwarz-gelb" Bestand haben wird, ist fraglich - allerdings wäre das auch unter "rot-schwarz" eine wacklige Angelegenheit gewesen. Bei den Bürgerrechten erwarte ich, dass die FDP es als Erfolg verkaufen wird, wenn nicht noch mehr Raubbau an der Privatsphäre betrieben wird. Wieder mehr Bürgerrechte sind, angesichts des Hangs der FDP zum Opportunismus - wohl unter der "Wespe" nicht drin.

Ich erwarte, dass die "Wespe" nur ein kurzes, aber nicht nur für finanziell Schwache, sondern auch für die Hauptwählerschicht der FDP und der CDU, die Mittelschicht, umso härteres, Intermezzo sein wird. Deshalb, weil bei den "Armen" kaum noch etwas zu holen ist, und bei den "Reichen" wohl nicht geholt werden wird - es wird also teuer für die mittleren Einkommensgruppen.

Düsenjäger

Vor gut zwei Jahren ging eine Meldung durch die Medien, die einige meiner "dummen Vorurteile" über den Kunstmarkt auf's Schönste bestätigte. ("Dumme Vorurteile" nannte eine Hamburger Galeristin, mit der ich mich vor einigen Jahren mal auf einer Vernissage darüber unterhielt, meine Ansichten. Immerhin: das kalte Buffet war gut, meiner Ansicht nach weitaus besser als die ausgestellten einfallslosen Schinken eines der zahlreichen Möchtegern-Neo-Rauchs. Danke nochmal für die Einladung damals!)
Gerhard Richters Frühwerk "Düsenjäger" wurde am 13. November 2007 in einer Auktion bei Christie's für 11,2 Millionen US-Dollar versteigert. "Düsenjäger" war damit das teuerste Bild eines noch lebenden deutschen Malers. Hysterische Herbstauktion: "Düsenjäger" in der Preisspirale (SpOn)

Ich schätze Gerhard Richter und sein Werk sehr, halte allerdings "Düsenjäger" für eine seiner schwächeren Arbeiten.
richter duesenjaeger
Der "Düsenjäger" von Gerhard Richter aus dem Jahr 1963 ist im Original 1,3 mal 2 Meter groß - ein großes, aber nicht ungewöhnlich großes Format also, jedenfalls gemessen an den wohnraumsprengenden Formaten, die etwa von vielen Neo-Expressionisten bevorzugt werden. Das Gemälde gehört zu den ersten, für die Richter ein Foto als Vorlage benutzte. "Foto" ist fast ein wenig übertrieben, denn es war ein simpler Illustriertenausschnitt den er abmalend vergrößerte (nach anderen Quellen: ein Foto aus einem Buch). Ohne Richters künstlerischen Rang schmähen zu wollen, gehört "Düsenjäger" nicht unbedingt zu seinen originellsten Werken. Tatsächlich erinnert es mich an eine typische Aufgabe aus dem Kunstunterricht der gymnasialen Oberstufe: Wie stelle ich Geschwindigkeit optisch dar? Dazu verwendet Richter genau das selbe Mittel, das wohl auch die meisten Schüler verwendet hätten: simulierte Bewegungsunschärfe durch Verwischen. Außerdem ist die Nase des Flugzeuges etwas "abgeschnitten", was aufgrund der Seherfahrung der meisten Betrachter den Effekt hat, dass das gemalte Flugzeug "aus dem Bild herauszufliegen" scheint.

Kein ganz großer Wurf also. Es ist allerdings ein "schönes", sprich dekoratives Bild, ich würde mir "Düsenjäger" durchaus ins Wohnzimmer hängen - womit ich beim ersten meiner "Vorurteile" über den Kunstmark wäre: Kunstwerke, die "leicht verständlich" sind, aber dennoch schön viel Spielraum für alle möglichen tiefsinnigen und unsinnigen Interpretationen lassen, verkaufen sich am Besten.

Wichtiger ist allerdings mein zweites bestätigtes "Vorurteil". Es liegt für mich auf der Hand, dass es bei den damals, im Jahr 1 vor der Finanzkrise, immer wieder erzielten Wahnsinnspreisen für Kunst gar nicht um das Kunstwerk ging, sondern um Kunst als Kapitalanlage. Eine "Aktie in Öl", gekauft als Spekulationsobjekt in Erwartung weiterer Preissteigerungen. (Wobei sich wenig später - wieder einmal - die extrem hohen Preise für moderne Kunst als Spekulationsblase erwiesen.) Das ist meine Erachtens auch eine Missachtung des Künstlers, der allenfalls indirekt von den hohen Preisen, die seine Werke auf dem Kunstmarkt erzielen, profitiert. Gerhard Richter verkaufte dieses Gemälde seinerzeit für einige tausend Mark an einen Privatsammler, vom Weiterverkauf seines Bildes hat er nichts. Er hatte allerdings noch das Glück, dass der "Marktwert" auch seiner aktuellen Kunst durch solche Wahnsinnspreise indirekt besser wurde. In der Regel ist ein Künstler schon tot, wenn seine Werke richtig teuer werden.

Das dritte "Vorurteil" ist das, dass solche Preise nur dank ebenso intensiver wie verlogener Werbung zustande kommen. Im Falle des "Düsenjäger" beschreibt Christie's im Auktionskatalog das Bild als einen künstlerischen Kommentar auf die Zeit des Kalten Krieges. Es mache "existenzielle Angst" spürbar und "sein Stachel" sei fast 50 Jahre nach seiner Entstehung und gerade in Zeiten globalen Terrors "so scharf wie nie zuvor".
Wer unbedingt will, kann das natürlich in das Gemälde hineininterpretieren, aber mindestens ebenso plausibel wäre die Behauptung, der Künstler wäre von der ästhetisch ansprechenden Form und der Geschwindigkeit eines Kampfflugzeuges fasziniert gewesen. Eine Einschätzung, die wahrscheinlich dazu geführt hätte, dass Richters Gemälde als "Militärkitsch" abqualifiziert und für den Kunstmarkt "unmöglich" gemacht worden wäre. (Vergleichbare Gemälde des "Gebauchskünstlers" Johnny Bruck etwa gelten bei ernsthaften Kunstkennern immer noch als Kitsch.)
Dietmar Elger, der führende Experte für die Kunst Richters, wies jedenfalls darauf hin, dass das Thema Militärflugzeuge 1963 und 1964 in mehreren Werken auftauchte. Wahrscheinlich ginge das auf Richters Erfahrungen als Jugendlicher gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zurück. Mit der aktuellen politischen Situation um 1963 hätte das Werk eigentlich weniger zu tun.
Aber auch ein aufgearbeitetes Kriegstrauma verkauft sich offensichtlich schlechter als gemalte Zeitkritik. Jedenfalls eignet es sich weniger für blumige Interpretations-Prosa.

"Düsenjäger" ist meines Erachtens ein gelungenes Werk, und war seinen ursprünglichen Verkaufswert ohne Weiteres Wert, aber ist bei weitem nicht so künstlerisch herausragend, dass es Millionensummen wert wäre. Im Gesamtwerk Richters ist es eher Mittelmaß, ein gekonntes Routinegemälde. Nicht mehr, nicht weniger.

Ich will nicht verschweigen, dass ich durch Recherche-Nebenergebnisse für Aus der Wunderwelt der gut-doofen Filme: Düsenjäger (Jet Pilot) darauf kam, etwas über Richters "Düsenjäger" zu schreiben. Ein weiteres "Nebenprodukt" ist die Erkenntnis, dass das Gemälde im streng militärisch-technischen Sinne den falschen Titel trägt. Das dargestellte Flugzeug ist eine Fiat G 91, bei der Bundesluftwaffe meistens "Gina" genannt. Die "Gina" ist ein leichtes, einsitziges Erdkampfflugzeug, es gibt auch eine zweisitzige Trainer-Variante. Sie wurde zwar auch als "leichter Jagdbomber" bezeichnet, aber Jagdaufgaben, also die Bekämpfung feindlicher Flugzeuge, spielten im Einsatzspektrum der G 91 kaum eine Rolle. Zur der Zeit, als Richter sein Bild malte, war der aktuelle "Düsenjäger" der bundesdeutschen Luftwaffe der Lockheed F 104 Starfighter. Man könnte natürlich tiefsinnige Vermutungen anstellen, wieso Richter die vergleichsweise "lahme" (1075 km/h Höchstgeschwindigkeit, 850 km/h Reisegeschwindigkeit - nicht schneller als ein gewöhnliches Verkehrsflugzeug) und kleine "Gina" und nicht den extrem schnellen und extrem umstrittenen "Starfighter" malte, was, wäre es ihm wirklich um politische Kritik gegangen, nur logisch gewesen wäre. Die wahrscheinlichste Erklärung ist banal: Richter fiel das Illustriertenfoto wohl eher zufällig ins Auge.

Freitag, 25. September 2009

Hanseatische Kirchturmpolitik

Ich schließe mich locker an einen Beitrag an, den Che2001 vor einigen Wochen schrieb: Die Sonderrenaissance
Darin heißt es, unter anderem:
In Deutschland hielt sich der gotische Stil länger als in Frankreich oder Italien, dafür prägten sich hier Sondergotiken aus, die eigentlich mit Materialmangel zu tun hatten: Die Backsteingotik, die von den Niederlanden bis Estland die Küstenstädte von Nord- und Ostsee mit ziegelroten Kathedralen verzierte, und die Reduktionsgotik in Bayern und Baden-Württemberg mit ihren Hallenkirchen.
Ein besonders imposantes Ensemble mächtiger backsteingotischer Kirchtürme ist die "Stadtkrone" der "König der Hanse" - die Sieben Türme Lübecks. Es sind die Türme der fünf lübischen Hauptkirchen: St. Jakobi, St. Marien (Doppelturm), St. Petri, St. Aegidien und der Lübecker Dom (Doppelturm).
Luebeck-1641-Merian Stadtansicht Lübecks aus dem Jahre 1641, Kupferstich aus der Werkstatt Merian.

Tatsächlich spiegeln sich sowohl die norddeutsche Mentalität wie die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse der Hansestädte in der Backsteingotik wieder. Che schrob:
Auch vor der Reformation stand der Roland mit Schwert und Schild auf dem Markt, um die Kirche in ihre Schranken zu weisen. Herzöge, Handwerkszünfte und Kaufmannsgilden, nicht geistliche Herren waren groß zwischen Ems, Oder, Küste und Harz.
Folglich war schon der Reformation ein wichtiger Faktor beim Bau vieler Kirchen das bürgerliche Repräsentationsbedürfnis. Ganz besonders deutlich wird das bei der 1350 vollendeten Lübecker Marienkirche. Ihr Hauptschiff ist das höchste Backsteingewölbe der Welt (38,5 Meter im Mittelschiff), ihre Türme sind 124,95 Meter und 124,75 Meter hoch - damit waren sie bis zur Vollendung des Kölner Doms 1880 die höchste Doppelturmfassade der Erde.

Vorgängerbau war eine 1156 geweihte romanische Backsteinkirche. Mit dem Aufstieg Lübecks zur wirtschaftlichen Metropole des westlichen Ostseeraums genügte diese eher bescheidene Kirche den Ansprüchen des selbstbewussten, wirtschaftlich stark aufstrebenden Bürgertums nicht mehr.
Der Ansporn für den gewaltigen backsteingotischen Neubau lag in der erbitterten Auseinandersetzung zwischen dem Rat der Stadt Lübeck und dem Bistum Lübeck. Die Marienkirche sollte ein Denkmal des Reichtums der Fernkaufleute und der politischen Macht der seit 1226 reichsfreien Stadt sein und den romanischen Lübecker Dom buchstäblich in den Schatten stellen. (Selbst der später errichtete, ebenfalls backsteingotische, heutige Lübecker Dom ist kleiner als die Marienkirche.) Für den Bau der Marienkirche musste architektonisches Neuland begangen werden, denn zuvor hatte man keine Kirche aus Backstein so hoch gebaut und mit einem Gewölbe versehen. Ein System aus Stützen lenkt die Schubkräfte des Gewölbes nach außen über ein Strebewerk ab und ermöglicht so die enorme Höhe.
Lübeck als einst reichste und einflussreichste Stadt der Hanse hat eine besonders imposanteste Silhouette, allerdings erkennt man auch heute viele ehemals reiche Kaufmannstädte des Nordens an ihren "Stadtkronen", den vier-, fünf-, sieben oder noch mehr hohen Türmen auf dem engen Raum der Innenstädte.

Die Türme der Marienkirche waren bei weitem nicht die höchsten Kirchtürme, die die reichen Bürger nordeuropäischer Handelsmetropolen errichten ließen. Der höchste backsteingotische Kirchturm, der je errichtet wurde, war der um 1500 in Reval (heute Tallinn) in Estland vollendete 158 m hohe Turm der Olafskirche. Nachdem 1549 der mit fast 160 m ein klein wenig höhere Turm der Kathedrale von Lincoln eingestürzt war, war er, bis er 1625 durch einen Blitzschlag in Brand geriet, das höchste Gebäude der Welt. Der neue Turm war mit 123,7 m zwar viel kleiner, aber immer noch imposant.
Ab 1625 war dann der bisher zweithöchste backsteingotische Kirchturm, der 1485 errichtete Turm der Marienkirche von Stralsund mit 151 m Höhe höchstes Bauwerk der Erde. Der gotische Spitzhelm, Kupferplatten auf einem Holzgerüst, wurde 1647 ebenfalls durch Blitzschlag zerstört und 1708 durch eine Barockhaube ersetzt, die dem Turm die heutige Höhe von 104 m gibt.
Es ist kein Zufall, dass die höchsten Türme der Backsteingotik in Hafenstädten standen, denn das "Know How" zum Bau großer und stabiler Holzkonstruktionen stammt aus dem Schiffbau.

Aber auch nach der Reformation endete nicht die Epoche der "hanseatischen Kirchturmpolitik". Nach dem Niedergang der Städtehanse und den Aufschwung des Überseehandels wurde die "Schwesterstadt" Lübecks, Hamburg, im 16. und 17. Jahrhundert die reichste Stadt des norddeutschen Raums. In Hamburg wurde 1516 der 132 m hohen Turm der Petrikirche vollendet, einer der höchsten und letzten "rein" backsteingotischen Türme. Der mit 153 m noch höhere Turm von St. Nikolai in Hamburg, vollendet 1517, hatte schon einige Renaissance-Merkmale. 1589 brannte dieser Turm ab.
Nun wurden Hamburg die höchsten Barockkirchtürme der Erde errichtet. Die Technik war im wesentlichen die Selbe wie bei den älteren gotischen Bauten - massive Untertürme aus Backstein, auf denen hohe kupferbekleidete hölzerne Turmhelme errichtet wurde. Damit waren die Barocktürme aber genau so feuergefährdet wie die die Türme der Backsteingotik. Der erste dieser Türme, der neu errichtete Turm der Nikolaikirche, stürzte 1644 allerdings nach einem starken Sturm ein. Der nächste Turm der Nikolaikirche war "nur" 122 Meter hoch, aber galt mit seinen charakteristischen Kuppeln als Wahrzeichen der Stadt und besonderer Schmuck ihrer Silhouette. Am 6. August 1767 wurde der Turm durch einen Blitzschlag schwer beschädigt, aber wieder aufgebaut.
Der 1687 errichtet barocke Turm der St. Micheliskirche, der fünften
Hauptkirche Hamburgs, wurde am 10. März 1750 durch Blitzschlag zerstört. Der Neubau, die kurz "Michel" genannten größte Kirche Hamburgs, wurde 1786 vollendet, ihr Turm war (und blieb) mit 132 m der höchste barocke Kirchturm der Erde.
HH-Kirchtürme
Hamburger Innenstadt, von der Elbe aus gesehen. Zu sehen sind gleich vier der höchsten Kirchtürme der Welt.

Wie in Lübeck gab es in Hamburg Spannungen zwischen der bürgerlichen Regierung und dem bischöflichen Domherren, und anders als in Lübeck hielt der Konflikt auch nach der Reformation an. Der mächtige backsteingotische Dom bildete nämlich seit dem Bremer Vergleich von 1561 eine Enklave in Hamburg, die auswärtigen Mächten unterstand. Solange das bis 1648 der lutherische Erzbischof-Administrator von Bremen war, waren die Spannungen noch überbrückbar. Seit dem Westfälischen Frieden ging der Dom, wie das Erzstift Bremen, zuerst an Schweden über, 1715 an das Kurfürstentum Hannover. Damit gehörte der Dom "fremden Herren" und wurde vom Senat der stolzen Freien und Hansestadt als "Stachel im Fleisch" gesehen. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde der Hamburger Dom säkularisiert und fiel damit an die Stadt Hamburg. Der Abbruch ab 1806 wurde offiziell mit den enormem Kosten für Unterhalt und Renovierung des vernachlässigten Gebäudes und dem Hinweis auf die unbedeutend kleine Domgemeinde begründet. Wie bis heute in der "Freien und Abrissstadt" leider allzu oft üblich, bestand an der kunstgeschichtlichen Bedeutung des abgerissenen Gebäudes kein Interesse. Allerdings konnte ein großer Teil der kostbaren Ausstattung gerettet werden. Damit fehlte der Hamburger "Stadtkrone" ein markanter "Zacken ".

Im Mai 1842 zerstörte der "Große Brand" weite Teile der Hamburger Altstadt - darunter auch die Nikolaikirche und die Petrikirche. Während St. Petri bis 1878 weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut wurde, wurde St. Nikolai bis 1874 als neugotischer Sandsteinbau völlig neu errichtet. Der vom britischen Architekten George Gilbert Scott in einem an die englische Gotik angelehnte Stil entworfene Neubau bekam den damals höchsten Kirchturm der Erde - mit 147,3 m war er bis zur Vollendung des (eisernen) Turms der Kathedrale von Rouen 1877 das höchste Gebäude der Welt.

Als höchste Erhebung der Stadt diente der Turm der Nikolaikirche den Piloten der alliierten Luftwaffen als Ziel- und Orientierungspunkt bei allen Luftangriffen auf Hamburg. Am 28. Juli 1943 wurde die Kirche durch Fliegerbomben schwer beschädigt. Das Dach stürzte ein, wodurch das Innere des Kirchenschiffs schwere Schäden erlitt. Die Wände waren ebenfalls betroffen und bekamen Risse, blieben aber weitgehend stehen; ebenso der Turm.
Es stimmt also nicht ganz, dass die Hamburger Nikolaikirche im Krieg zerstört worden sei. Die ähnlich stark beschädigte St. Katharienkirche einige hundert Meter weiter wurde wiederaufgebaut, die Nikolaikirche war weitaus wenige zerstört als z. B. die Dresdner Frauenkirche. Die tragende Struktur der neugotischen Konstruktion war im Krieg weitgehend intakt geblieben und die Bausubstanz war allgemein in einem Zustand, der einen Wiederaufbau realistisch erscheinen ließ. Dennoch entschloss man sich, das Kirchenschiff abzureißen und nur den Turm stehenzulassen. 1951 wurde das Kirchenschiff abgebrochen, die Trümmer wurden zum Teil zur Uferbefestigung an der Unterelbe (!) benutzt. Es gab zwar Protest, der aber verhallte. Wie ich vermute nicht nur, weil in der Zeit des Wiederaufbaus die Prioritäten natürlich anders gesetzt wurden als in "normalen" Zeiten. Ein Grund für das Verhallen: Die "neue" Nikolaikirche galt, anders als etwa der Michel oder die Katharinenkirche, nicht als "Wahrzeichen" der Stadt. Ein anderer war die Verachtung vieler damals maßgeblicher Architekten und Kunsthistoriker für den "Nachahmerstil" der Neugotik. Psychologisch war es, das vermute ich nach einige Gesprächen mit alten Hamburgern, sicherlich auch bedeutsam, dass der Turm dieser "Unglückskirche" "den englischen Bombern den Weg gewiesen" hätte.

Mittwoch, 23. September 2009

Weshalb ich die Piraten wähle ...

... aus genau den Gründen, die aus MrOpuas
sehr gutem Zusammenschnitt aus Fernsehsendungen hervorgehen:

"'Das Video wurde vom Nutzer entfernt." (lt. Youtube)

"Wenn ich ein demokratisch denkender Mensch bin, dann gehe ich wählen, und wähle irgend jemanden, der möglicherweise die etablierten Parteien ärgert. Ich mache nun, entschuldigen Sie, etwas Kabarettistisches, ich sage, die Piratenpartei bekommt 5,1 Prozent. Stellen Sie sich das mal vor, was für ein Entsetzen bei den etablierten Parteien! Aber dann haben die Wähler wirklich was bewirkt!" Ulrich Wickert
Ich sehe nicht ein, wieso es etwas Kabarettistisches bleiben sollte!

Wir sind auf dem "besten" Weg in einen Diktaturstaat. Und wir können (noch) etwas dagegen tun.
(Und da alles im öffentlichen Fernsehen zu sehen war, kann später keiner sagen, er hätte nichts gewusst ... )

Montag, 21. September 2009

Geheimagent J.R.R. Tolkien?

Nach einem Bericht des "Telegraph" sei der der Schriftsteller J. R. R. Tolkien vor dem drohenden Zweiten Weltkriegs im Geheimen als Regierungsspion ausgebildet worden, was aus neu aufgefundenen Dokumente hervorginge.
JRR Tolkien trained as British spy (telegraph.co.uk)

Tolkien war einer der angesehendsten Linguisten seiner Zeit. Deshalb wäre es wenig überraschend, wenn er in den 1930er Jahren für den absehbaren Fall einer deutschen Kriegserklärung als Experte für die Entschlüsselung nazideutscher Geheimnachrichten vorgemerkt geworden wäre.
Längst ist bekannt, dass schon zu einer Zeit, als die britische Regierung noch an ihren im Nachhinein geradezu selbstmörderisch naiv anmutenden "Appeacement"-Politik festhielten, die argwöhnischen Geheimdienstchefs ein bis 1973 (!) streng geheimes kryptoanalystisches Zentrum in Bletchley Park einrichteten, offiziell Government Code and Cypher School (GC&CS) genannt.
Die größten Erfolge erreichte Bletchley Park mit der numerischen Entschlüsselung deutscher Geheimnachrichten, die mit Schlüsselmaschinen wie der Enigma oder dem noch raffinierterem Geheimschreiber verschlüsselt waren. Bletchley Park war der Ort, an dem der erste elektronische Computer der Welt stand. Der prominenteste Experte an der "GC&CS" war der geniale Mathematiker Alan Turing. Neben Mathematikern arbeiteten aber auch Sprachwissenschaftler, Historiker und sogar Schachexperten für Bletchley Park.

Daher halte ich die Angabe für glaubwürdig, dass Tolkien laut der nun aufgetauchten Dokumente tatsächlich für die GC&CS ausgewählt wurde. Laut "Telegraph" verbrachte er in ihrem Londoner Hauptquartier im März 1939 drei Tage. Obwohl er "zugeneigt" gewesen wäre, hätte Tolkien, der damals Professor für englische Literatur an der Universität Oxfort war, das mit immerhin 500 £ jährlich dotierte Angebot, ein Vollzeitmitarbeiter zu werden, abgeleht. (500 £ im Jahr war nach damaliger Kaufkraft ein großzügiges Gehalt. Es entspräche heute etwa 50.000 £ jährlich.)
Die Gründe, aus denen er ablehnte, seien unbekannt. Hätte er angenommen, wäre "Lord of the Rings" wahrscheinlich ungeschrieben geblieben. Ein Historiker des GCHQ mutmaßt, dass sich Tolkien, obwohl er interessiert und geeignet war, sich wohl auf seine Karriere als Schriftsteller konzentrieren wollte.

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