Donnerstag, 26. Februar 2009

Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt soll künftig Evolutionstag heißen. Das ist das Ziel einer Kampagne, die die Giordano Bruno Stiftung (gbs) am Aschermittwoch startete.
Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt!.
Darwin
Für die Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag spreche, meint der gbs-Vorsitzende Michael Schmidt-Salomon, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Christen nicht mehr „an das Glaubensdogma der leiblichen Auffahrt Jesu in den Himmel“ glaube. Außerdem müsse endlich auch das konfessionsfreie Drittel der Gesellschaft berücksichtigt werden, dem aus Fairnessgründen ein Drittel der gesetzlichen Feiertage zustehe. Das ist wahrlich wahr - außerdem suggeriert "Christi Himmelfahrt" die selbst für dogmentreue Christen schwer hinnehmbare Vorstellung eines fahrstuhlählichen Vorganges. Das heißt - christlichen Fundamentalisten traue ich ohne Weiteres zu, dass sie tatsächlich glauben, Jesus wäre mittels einer göttlichen Seilwinde in den Himmel gehievt worden. Es gibt ja auch Fundis, die glauben, die Hölle würde sich tatsächlich im Erdinneren befinden. Sind eben durch und durch unspirituell, die Leute.
(Kleines Special für Fundi-Christen: In der Hölle herrscht eine Temperatur zwischen 115,2 °C und 444,6°C. In der Offenbarung des Johannis 21,8 heißt es: "Aber die Furchtsamen und Ungläubigen sollen ihren Platz in dem See finden, der von Feuer und Schwefel brennet." Da es einen See aus geschmolzenem Schwefel gibt, muss die Temperatur der Hölle zwischen der Schmelztemperatur und der Siedetemperatur von Schwefel liegen.)

Zur Kampagne gehört auch ein passendes Lied mit einem ziemlich witzigen Video: Children of the Evolution.

Bei allem Respekt vor der Giordano-Bruno-Stiftung - Children of the Revolution finde ich rein musikalisch gesehen doch flotter ...

Mittwoch, 25. Februar 2009

14 Songs in 25 Tagen - "Mission Impossible?" - "Mission Accomplished!"

Karan ist eine jener verrückten Liederschreiber, die sich bei FAWM.org für einen wahnsinnigen Liederschreib-Marathon anmeldeten, in dem es darum geht, 14 Songs in 28 Tagen zu schreiben.

Sie hat es tatsächlich geschafft - und zwar, wie man hier sich selbst überzeugen kann, in beeindruckenden Qualität (einfach das Banner anklicken):
fawmbanner 425

(Tatsächlich sind es sogar 14 1/2 Lieder, da sie zusätzlich einen Song zusammen mit einer anderen "Verrückten" schrieb.)

Dienstag, 24. Februar 2009

"Halunken als Parteisoldaten"

Allmählich würde es langweilig werden, wenn es nicht so bedrohlich für unsere Bürgerrechte wäre: Die Bundesregierung plant (wieder einmal) eine neue große Vorratsdatenspeicherung - Bericht der taz: Wer Ausländer einlädt, wird gespeichert - Die neue Vorratsdatenspeicherung.
So weit, so schlecht. Bezeichnend - nicht nur für dieses Gesetzesvorhaben - ist dieser pateipolitische Mechanismus:
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte sich lange gegen die vorsorgliche Speicherung von völlig unverdächtigen Unternehmen, Vereinsvorsitzenden und Pfarrern gewehrt. Ende vergangenen Jahres gab sie aber auf, weil Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Datei befürwortete.
Das es "so" in der deutschen Partei-Politik läuft, dass ist nicht neu. Neu hingegen ist, mit welcher Unverfrorenheit und wie offensichtlich die internen Machtstrukturen über die verfassungsgemäße Ordnung gestellt werden. Man kann sagen, dass die politischen Entscheider (zur Erinnerung: nicht jeder mit einen politischen Amt ist wirklich Entscheider - und die wenigsten dieser Entscheider haben ein politischen Mandat) sich an einer ungeschriebenen, stark oligarchischen "Schattenverfassung" orientieren und dem Grundgesetz nur Lippenbekenntnisse leisten.
Da in den meisten deutschen Parteien (einschließlich der "Linken" und der "Grünen") nach vor die meisten Mandatsträger dem Typus des sicher meist ehrbaren, aber stets loyalen Parteisoldaten entsprechen, ist leider nicht damit zu rechnen, dass dieser Zustand sozusagen durch interne Selbstreinigung besser wird.
Parteisoldaten sind insofern Halunken, da sie gegebenenfalls bereit sind, sich selbst und ihre Prinzipien zugunsten ihre Parteikarriere zu verraten - und auch gegen ihre Überzeugung und ihr Gewissen zu stimmen.

Ja, und übrigens, wer es noch nicht wissen sollte, weil darüber in den meisten Medien eher wenig berichtet wird: Der Bundestag berät in Kürze über einen Gesetzentwurf, der Internet-Anbietern die verdachtslose Aufzeichnung unseres Surfverhaltens im Internet erlauben soll. Mehr beim AK Vorrat: Stoppt die verdachtslose Aufzeichnung des Surfverhaltens im Internet!

Samstag, 21. Februar 2009

Käpt'n Konny und die Nordsee ist Mordsee

Bei Ulysses fand ich einen Hinweis auf Martina Kausch, die eine interessante Frage stellt: Wer sind die Helden Eurer Kindheit?

Ich kann nicht sagen, wer die Helden meiner frühen Kindheit waren, und meine Helden, die ich so als fünf- oder sechsjähriger hatte, wechselten beinahe täglich.

Im Schuljungen-Alter - so ab Klasse 3 - hatte ich eindeutig einen "Helden": Käpt'n Konny (aus den Büchern von Rolf Ulrici).
konny
Ja, die ersten vier Bände besitze ich tatsächlich als Ausgabe aus den 1950er-Jahren - ich hatte sie bei einem Onkel abgestaubt. Die folgenden vier Bände schrieb Ulrici erst in den frühen 1970er Jahren, also auch zu der Zeit, als ich sie las. Erstaunlicherweise schaffte er irgendwie den Übergang ganz gut - damals hatte ich den Eindruck, zwischen den alten und neuen Abenteuern lägen nur etwa zwei und nicht gut 20 Jahre.
Es geht übrigens um die Erlebnisse von einigen segelbegeisterten Jungs von der Ostseeküste. Irgendwann auch für's Fernsehn verfilmt, die Verfilmung fand ich doof.

Warum Käpt'n Konny? Das kann ich heute auch nicht mehr so recht sagen. Wieso sie mich "ansprachen", als ich sie unter den anderen alten Jugend- und Kinderbüchern meines Onkels entdeckte, hingegen schon. Segelschiffe und Boote fand ich schon immer spannend. Dass ich auch die Folgebände haben "musste", war klar.
Die Faszination, die diese Schmöker dann auf mich ausübten, ist für mich aus Erwachsenensicht nicht mehr ganz nachvollziehbar.
Ich kann nur aus der Erinnerung sagen, dass sie mit dem nur unzureichend mit "Schuljungen-Fluchtphantasie" umschriebenen Gefühl zusammenhing, einer Sehnsucht, die Udo Lindenberg mal treffend im Titelsong von "Nordsee ist Mordsee" so betextete:
"Ich träume oft davon / ein Segelboot zu klau'n / und einfach abzuhau'n"
Diese Sehnsucht erfüllen andere Schreiber besser als Ulrici. Einige davon kannte ich auch schon als Schuljunge.
Auch wenn "Käpt'n Konny schnuppert Seeluft" tatsächlich damit beginnt, dass Konny mit seinen Freunden Papis Segeljacht klaut. Die zwar, vorhersehbar, "Bruch bauen", aber doch glimpflich davonkommen. Vielleicht machte das einen Teil der Faszination aus: der in den damaligen Kinderbüchern obligatorische "pädagogische Zeigefinger" war zwar pflichtgemäß vorhanden, aber erkennbar nicht ernst gemeint: Konny und seine Freunde können sich gegen Erwachsene behaupten, und zwar sogar dann, wenn sie etwas ausgefressen haben. Das haben sie sogar ihren "Nachfahren" TKKG voraus. Irgendwo ist Käpt'n Konny ein ferner Odysseus-Nachfahre im Schuljungen-Format.
Vielleicht lag die Faszination daran, dass Konnys Abenteuer "realistisch" genug waren, dass ich mir vorstellen konnte, sie selbst erleben zu können - und un-alltäglich genug, um nicht unter die Kategorie der unsagbar langweiligen "pädagogisch wertvollen" Kinder- und Jugendbücher zu fallen, die von den ganz alltäglichen Problemen aus dem ganz alltäglichen Leben ganz alltäglicher Leute handeln.

Wenig später kam ein Held dazu, der auch ein Kindheitsheld Ulysses' ist: James T. Kirk, Captain der U.S.S. Enterprise, NCC 1701 - Später fand ich Spock cooler - mit ihm konnte ich mich, so seltsam es klingt, sehr gut identifizieren. Nicht weil ich glaubte so intelligent wie der Vulcanier zu sein, geschweige denn so selbstbeherrscht. Eher das Gefühl der Fremdheit unter den Menschen, das Gefühl, irgendwie ein "Alien" zu sein - das mich übrigens nie ganz verlassen hat.

Ulrici schrieb übrigens auch Science Fiction-Jugendbücher. Von dem ersten Band aus seiner "Raumschiff Monitor"-Serie, "Geheimer Start", war ich hin und weg und begeistert. Mit jedem Band der Serie schrumpfte die Begeisterung, bis sie völlig ausbrannte. Der Grund ist einfach: von Band zu Band wurden die Abenteuer unglaubwürdiger, konstruierter, "hingedrehter".

Ich erwähnte schon den Film "Nordsee ist Mordsee", der 1976 in die Kinos kam, wo ich ihn mir auch promt ansah - was nur ging, weil Regisseur Hark Bohm, der eigentlich Rechtsanwalt ist, noch eine Freigabe ab 12 Jahren durchsetzen konnte. Die FSK fürchtete den "Nachahmungseffekt" und wollte den Film erst ab 16 Jahren freigeben. (Damals sahen viele "Experten" in Film und Fernsehen eine wesentliche Ursache der Jugendkriminalität - heute hat sich die Diskussion mit im wesentlichen identischen Argumenten in Richtung "Killerspiele" verschoben. Noch früher verdarben Comics und Schundromane die Jugend.)

Ein ganz anderes Kaliber, eine andere Welt, als "Käpt'n Konny", hart, realistisch - und ohne Helden, aber mit glaubwürdigen Charakteren. Ein Film, der zwar von den alltäglichen Problemen aus dem alltäglichen Leben alltäglicher Leute handeln, aber eben Probleme, die ich wirklich beinahe jeden Tag sah, und zum Glück nicht am eigenen Leib erleben musste. Ich kannte Jungs wie den "jugendlichen Kriminellen" Uwe mit dem saufenden Vater oder den ausgegrenzten "Kanaken" Dschingis, und endlich machte mal jemand einen Film ohne Betroffenheitslyrik, Sozialkitsch und erhobenen Zeigefinger über sie.
Ich mag ich diesen Film auch heute noch, auch weil er sich Zeit für die Charakterentwicklung nimmt (andere halten ihn deshalb für Langweilig).

Donnerstag, 19. Februar 2009

Raubbau an geschützten Wäldern politisch legitimiert

Was macht man, wenn in einer Region schon gut die Hälfte der Holzausfuhren aus illegalem Holzschlag stammen? In Russland ist die Frage leider leicht zu beantworten: Die Rodungen werden politisch "legitimiert".

Die Forstverwaltung der Provinz Primorje (in Ostsibirien) hat 200 Waldparzellen innerhalb der geschützten russischen Amurregion für die Abholzung freigegeben. Völlig überraschend wurden Abholzungskonzessionen für die Waldstücke meistbietend versteigert. Die Parzellen liegen in einer Region, die unverzichtbarer Stabilisator des Weltklimas und Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tierarten wie den Sibirischen Tiger und den Amurleopard ist.
WWF Deutschland: Umweltskandal in Russland
Die Bedingungen die Mitarbeiter des WWF sind gefährlich: Regelmäßig werden Anschläge auf sie verübt, Hütten abgebrannt oder Radmuttern gelöst. "Wir haben es vor Ort mit einer regelrechten Holzmafia zu tun“, meint WWF Amurexperte Frank Mörschel.

Diese erschreckende Nachricht zeigt wieder einmal, dass bestimmte Gebiete sozusagen "blinde Flecken" in der öffentlichen Wahrnehmung bzw. in der Berichterstattung unserer Medien sind.
Der "ferne Osten" Russlands ist medial gar praktisch nicht vorhanden.

Sie zeigt aber auch in aller Brutalität, wie korrupte Strukturen funktionieren: Aus politischen Erwägungen werden Kriminelle für ihr verantwortungsloses tun sozusagen belohnt.
In etwas "zivilisiertere" Form finden sich strukturelle Korruption aber auch bei uns - z. B. hier: Milliardärin Schaeffler von der Solidarität ihrer Angestellten zu Tränen gerührt.
(Wobei ich für die Schaeffer-Angestellten, die von Arbeitsplatzverlust bedroht sind, noch Verständnis habe, dass sie das Privat-Vermögen der Schaeffer schützen wollen, in der (m. E. trügerischen) Hoffnung ihr eigenes Einkommen damit zu sichern - nicht aber für Politiker ohne Rückrat.)

Mücken im Weltraum - oder Mücken zu Elefanten?

Es wäre eine Sensation - wenn es denn stimmen würde.

Angeblich hat eine Mücke an der Außenhaut der ISS, also im Vakuum, 1 1/2 Jahre lebendig überstanden. Insektenforscher sind angesichts dieser Nachricht den auch mehr als skeptisch:
SpOn: Mücke soll anderthalb Jahre im freien Weltraum überlebt haben.

Die Mücke war kein "blinder Passagier" an der Außenhaut, wie z. B. die idiotisch formulierte Schlagzeile auf fr-onlinesuggeriert: Mücke überlebt an der Außenhaut, sondern Teil des Experimentes Biorisk-MSN, das die Auswirkungen der kosmischen Strahlung bei Langzeitflügen auf lebende Organismen untersucht, und dessen (geschlossene) Plastikbehälter tatsächlich außen an der Station angebracht sind.
Aber selbst im geschlossenen Behälter könnte eine "kältestarre" Mücke keine eineinhalb Jahre überleben - nicht auf der Erde und erst recht nicht im Weltraum.
Zu den bisher untersuchten Proben gehören z. B. Bakterien und Pilze, der logische nächste Schritt wäre der Test von Pflanzensamen und Eiern von Kleinkrebsen - oder auch Insekteneiern.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Mückeneier, sofern sie nicht dem Vakuum ausgesetzt waren, die kosmische Strahlung und die Temperaturwechsel ohne weiteres überstehen.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Reformgeschädigte Umweltverwaltung

Die besten Umweltschutzgesetze nützen nichts, wenn die Umweltverwaltung schlecht funktioniert.
In fast allen Bundesländern haben die Landesregierungen in den letzten Jahren allerdings, um Kosten zu sparen, und die Verwaltung effizienter zu machen, die Strukturen reformiert. Wie üblich bedeutet "Kosten sparen" Personalabbau. Arbeiten die "gestrafften" Verwaltungen, wie von den verantwortlichen Politikern, versprochen jetzt auch effizenter?

Das Öko-Instituts hat im Auftrag der "Stiftung Zukunftserbe" untersucht, wie sich die Rahmenbedingungen für die Unweltverwaltungen durch die Strukturreformen verändert haben und wie Verwaltungsangehörige damit umgehen.

Die Studie zeigt, dass die Umweltverwaltungen in den betrachteten Bundesländern (Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen) zum Teil deutlich geschwächt wurden.
Ein Ergebnis: die Personaldecke ist jetzt für viele Aufgaben zu schwach, es haben sich auch bestehende Experten-Netzwerke aufgelöst.
Es fehlt bei dem Reformprozessen auch an einer konstruktiven und kritischen Beobachtung und Bewertung, weshalb selbst wenig aufwendige Nachbesserungen unterbleiben.
Reform mit Folgen: Die Umweltverwaltung ist geschwächt.

Die Studie "Umweltrecht ohne Umsetzer - Die Strukturreformen in den Umweltverwaltungen ausgewählter Bundesländer und ihre Herausforderungen"> (pdf)

Sonntag, 15. Februar 2009

Krise und Kontrollverlust

Ein Aspekt der derzeitigen Wirtschaftskrise, der meines Erachtens krisenverschärfend wirk, ist die altbekannte Angst "alter Männer" vor Kontrollverlust. ("Alte Männer" müssen nicht zwingend biologisch alt oder biologisch männlich sein - es gibt durchaus Frauen mittleren Alters, die wie "alte Männer" denken.)

Mir der "Angst alter Männer" meine ich, Sven Scholz folgend, eine Einstellung, die sich am Kneipen-, Küchen- oder Kantinentisch in Redensarten wie "Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder machen könnte, was er will" zu erkennen gibt. Politiker und "Wirtschaftsführer" mit dieser Einstellung drücken mit vielen wohlgesetzten Worten das selbe aus.

Die Angst vor dem Kontrollverlust befällt vor allem Menschen mit autoritärer Persönlichkeit. Nur eines beunruhigt einen autoritären Menschen, der in einer Hierarchie weit aufgestiegen ist, noch mehr, als die Vorstellung, dass die Autorität, an die er "glaubt", wanken könnte - nämlich die, dass seine eigene Autorität infrage gestellt werden könnte.
Tatsächlich sind solchen Menschen keine "Schurken", sondern "arme Schweine", deren eigenes Leben völlig angst- und damit fremdbestimmt verläuft: Angst vor Veränderung, Angst letztlich vor dem Tod, die bis in alltäglichste Kleinigkeiten hineinreicht. Diese Angst wächst erfahrungsgemäß mit zunehmendem Lebensalter, einfach, weil immer mehr Dinge nicht mehr so funktionieren, wie man sie einst, als autoritätsgläubiger jungen Mensch, als "ewig gültig" erlernt hatte.
Die Reaktion auf diese Angst zeigt sich in psychotischem Verhalten ("Mehr desselben" - hier: mehr Kontrolle), das nichts nützt, wobei aus dem ausbleibenden Nutzen nicht etwa geschlossen wird, dass die Wirksamkeit von Kontrollmaßnahmen Grenzen hat, sondern, dass eben immer noch nicht genug kontrolliert wird.

In Zeiten des Wandels - egal welchen Wandels, es muss nicht eine Wirtschaftskrise sein, es muss nicht einmal negativ oder gefährlich sein, es reicht aus, dass es die gewohnte Ordnung der Dinge verändert (wie z. B. das Internet) - reagieren "ängstliche alte Männer" in verantwortlicher Position so:
Sie haben die Dinge nicht mehr unter Kontrolle. Also halten sie es zunächst für besser, den Kopf einzuziehen und zu hoffen, dass alles vorbeigehen würde, oder zumindest, dass die "Katastrophe" erst losbrechen würde, wenn sie längst nicht mehr im Amt sein wären.
Ist dann die "Katastrophe" (die oft nur aus Sicht der "ängstlichen alten Männer" von Nachteil ist) nicht mehr abzuwenden - oder fürchten die "ängstlichen alten Männer", dass sie nicht mehr abzuwenden sei - dann finden solche Pläne anklang, die im Wesentlichen passiv sind. Man repariert etwas, aber man ändert nichts. Es stimmt natürlich, dass die Risiken von Veränderungen schwerer zu erkennen sind, und dass pragmatische Lösungsansätze gegenüber großen Utopien vorzuziehen sind. Aber manchmal führen die "bewährten Methoden" nur weiter in den Abgrund. "Ängstliche alte Männer" erkennen das nicht - was gestern funktioniert hat, muss auch heute funktionieren, und wenn es nicht funktioniert, dann wurde es eben nicht entschieden genug durchgeführt. Damit ist der Einstieg zum psychotischen Zirkel des "mehr desselben" gemacht.

Es kommt noch etwas hinzu: ein übersteigertes Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle verändert die Wahrnehmung. Sich vor Kontrollverlust fürchtende Personen sind offensichtlich bereit, auch im Chaos Ordnung zu erkennen bzw. sie vergessen, dass es so etwas wie Zufälle und unwichtiges Geschehen gibt.
Die Kontrolle zu verlieren ist für diese Menschen offenbar so furchterregend, dass sie alles unternehmen um wieder "Ordnung" herzustellen. Nichts ist Zufall, jede Kleinigkeit ist wichtig!

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