Montag, 25. Februar 2008

Erfreuliches Ergebnis der Hamburger Bürgerschaftswahl

Trotz beschämend niedriger Wahlbeteilung und der Tatsache, dass Ole von Beust trotz deutlicher Verluste der CDU wohl Erster Bürgermeister bleibt - über ein Ergebnis der Bürgerschaftswahl habe ich mich gefreut: Über das Abschneiden der DVU - sie kommt auf 0,8% der Stimmen. NPD-Blog: Hamburg: DVU bleibt unter einem Prozent.

In den Wahlkreisen Altona sowie Rotherbaum/Harvestehude/Eimsbüttel Ost lag die DVU sogar hinter “Die Partei“ (einem parodistischen Projekt der Satirezeitschrift "Titanic"). Im Stadtteil St. Pauli holte “Die Partei” sogar 2,3%, die DVU hingegen 0,6%.
Dabei waren in Hamburg die "Umweltbedingungen" für Freys Gartenzwerg-Nazis günstig: eine sehr niedrige Wahlbeteiligung, ein lahmer Wahlkampf zwischen CDU und SPD - und ein ohne Zweifel (siehe die Erfolge der "Schill-Partei" vor einigen Jahren) vorhandenes Potenzial "rechts von der Mitte". Dennoch konnte die DVU kein Bein an Land bekommen.
(Und wer vermutet, der andere "Partner" im "Deutschlandpakt", die NPD, hätte es leichter: Bei der letzten Wahl 2004 in Hamburg hatte die NPD "machtvolle" 0,3 Prozent der Stimmen erreicht.)

Samstag, 23. Februar 2008

Festivalsterben. Merkt das eigentlich wer?

Fragte Karan auf Twitter.

Abgesehen davon, dass es sicherlich ein "gefühltes" Festivalsterben (bezogen auf Musikfestivals) gibt, etwa in dem Sinne, dass "früher immer mehr los" war, offenbart schon eine kurze Internetsuche nach bekannten Festivals, dass es mehrere von ihnen schlicht nicht mehr gibt, während andere mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Eine dieser Schwierigkeiten ist die "Kostenfalle": man glaubt dem Publikum einen gewissen "professionellen Standard" schuldig zu sein. Dieser "professionelle Standard" kostet aber Geld, was sich auf die Eintrittspreise niederschlägt oder bzw. und die Abhängigkeit von Sponsoren (sprich: Werbung) erhöht. Beides führt in unschöner Regelmäßigkeit zu sinkenden Zuschauerzahlen.

Eine andere Schwierigkeit ist, dass kommunale Räumlichkeiten, wie Bürgerhäuser, Sporthallen usw. nicht mehr zur Verfügung stehen oder die selben Mieten nehmen, die kommerzielle Veranstalter zu zahlen bereit sind.

Eine ganz erhebliche Schwierigkeit trägt den Namen "Sicherheit". Ohne regulären "professionellen" Ordnungsdienst geht oft nichts mehr - auch wenn ein paar freiwillige Ordner locker reichen würden. Der Grund sind Auflagen der Kommunen und der Versicherungen. Die Angst, dass "etwas passieren könnte", steigert sich mittlerweile zur ausgewachsenen Phobie. Nicht immer ganz grundlos: zwar gibt es auch nicht mehr "Krawalle" als früher, aber mittlerweile weiß man in jedem Rathaus, dass a) "die Medien" gierig auf den kleinsten "Krawall" lauern und b) ein "Krawall", der in die Zeitung, ins Radio oder ins Fernsehn kommt, Gift für das Image der Stadt und tödliches Gift für die Karriere eines verantwortlichen Kommunalpolitikers ist.

Immerhin bin ich ganz froh, dass wenigstens das Wutzrock-Festival "umsonst & draußen" bei mir "um die Ecke" dieses Jahr wieder stattfinden wird ...

Freitag, 22. Februar 2008

Hausdurchsuchungen demnächst mit flüssigem Stickstoff?

Fundsache bei "heise": Passwortklau durch gekühlten Speicher.

Bisher galten - zum Leidweisen aller Überwachungs-Fans - Festplatten- und Datei-Verschlüsselung wie z. B TrueCrypt als sicher. Forscher der Princeton University haben nun demonstriert, wie man mit physischem Zugriff auf angeschaltete Rechner oder Rechner im Standby-Modus mit einfachen Mitteln an die Schlüssel zur Entschlüsselung gelangen kann.

Der Trick: Daten im DRAM gehen nicht sofort nach der Kappung der Stromzufuhr verloren gehen, sondern erst nach einem kurzen Zeitraum von wenigen Sekunden bis hin zu einer Minute. Durch Kühlung läßt sich dieser Zeitraum verlängern: bei -50 °C blieben Speicherinhalte mit nur sehr geringer Fehlerrate mehrere Minuten erhalten. Bei der Kühlung mit flüssigem Stickstoff halten sicht die Daten stundenlang.
Diese Daten lassen sich auslesen und in den Speicherabbildern kann man nach den Schlüsseln für die Festplattenverschlüsselung suchen.

Wenn Ihr also demnächst ein paar ansonsten unauffällige Menschen im Treppenhaus seht, die einen keineswegs unauffälligen Thermosbehälter mit sich rumschleppen: das sind sicher Spezialisten vom BKA auf dem Weg zu einer heimlichen PC-Durchsuchung.

Mögliche Sicherheitsmaßnahme: wenn der verwendete Schlüssel beim Unmount sofort überschrieben wird, dürften die Tiefkühl-Schnüffler schlechte Karten haben.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Ein gerapter Kommentar zur Musikindustrie

Rap gehört zu den wenigen Musikrichtungen, bei denen fast alles vom Text abhängt. Jedenfalls früher und jedenfalls beim deutschsprachigen Rap. Tatsächlich verdanken Bands wie die "Fantastischen Vier" oder "Fettes Brot" ihren Einstieg in den "kulturellen Mainstream" der Qualität ihrer Texte. Im Rap gab es etwas, was im Deutschland der Nach-Kohl-Ära eher selten ist: Lieder mit sozialkritischen Texten und kommerziellem Erfolg. (Bekanntes Beispiel: "Weck Mich ..." von Sammy De Luxe.)

Seit einiger Zeit sieht das anders aus. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass deutschsprachiger Rap am Ende ist. Dass Möchtegern-Gangster-Rapper mit primitiven und oft hasserfüllten Texten die Charts dominieren. Wobei ich mich oft frage, was mich mehr ankotzt: der angeblich "authentische" Hass auf Schwule, Juden und andere Minderheiten, die ebenso "authentische" Frauenfeindlichkeit - oder doch das garantiert authentische Interesse am großen Abkassieren. Okay, ist bestimmt auch ein Generationenproblem, und Martin Reichert von der "taz" hat sicher auch recht, wenn er schreibt:
Doch unterdessen hat sich unter deutschen Jugendlichen ein Klima entwickelt, das Menschen, die sich dem Mittelschichts-Verdikt der Political Correctness verpflichtet fühlen, den Atem nimmt: Die Jugend von heute, gleich welcher sozialen Herkunft, macht Witze über Juden, Schwule und "Blondinen", also frauenfeindliche Witze. Im wesentlichen ist sie also genauso beschaffen, wie die Jugend von gestern: Sie möchte sich von der älteren Generation abgrenzen und springt daher auf deren Nervenkostüm herum, wie auf einem Trampolin.
Rap gegen Homos - Tourette-Selbsthilfegruppe im Tonstudio

Aber irgendwie fällt es doch auf: Warum setzten die sonst eher konservativen Major-Labels seit einer Weile auf Aggro-Rap? Klar, das Zeugs verkauft sich gut, aber irgendwie fällt schon auf, dass das "Wertesystem" der Aggro-Rapper voll kompatibel zu einen unverhüllt egoistischen und sozialdarwinistischen Brutal-Kapitalismus ist, der in linken Kreisen gerne (und meist zu Unrecht) "Neoliberalismus" genannt wird. Besonders massiv fällt das bei dem stark gehypten Rapper "Massiv" auf. Warum?

Eine mögliche Antwort, passenderweise in gut anhörbaren Rap gegossen, gibt die Band "Pan" - MASSIV Gegendarstellung".


Die wahre Geschichte von "Massiv", der angeblichen "deutschen Antwort auf 50 Cent". Mag sein, dass der Brückenschlag vom Medienkonzern Sony-BMG (BMG steht für "Bertelsmann Music Group) zur Bertelsmann-Stiftung etwas gewagt ist, mag sein, dass Pan den Einfluss dieses "Think Tanks" auf politische Entscheidungen überschätzt - aber wie sie selber rappen: "das ist keine Verschwörungstheorie". Es geht nicht darum, die "Bertelsmänner" als finstere Drahtzieher im Hintergrund zu zeigen, sondern um ein System gegenseitiger Abhängigkeiten, das etwa so transparent wie Milchglas ist, und in dem Demokratie, Liberalismus oder soziale Marktwirtschaft nicht viel mehr als Worthülsen sind.

Immerhin zeigt die Beliebtheit des "Pan"-Videos (in etwa zwei Wochen 75000 mal angesehen und etwa 1000 mal kommentiert), was "wir" machen können: Selber machen! Ohne die mediale Großindustrie. Heute haben wir, anders als noch vor 15 Jahren, die Mittel dazu.

(Gefunden bei zappi: Massiv Kritik und die Bertelsmänner)

Montag, 18. Februar 2008

Mal etwas Selbstreferenzielles (gemalt).

Hallo,

ich habe meiner Bildersammlung auf "Ipernity" vervollständigt: mmssenf. Jetzt sind es immerhin 10 Gemälde und 105 Zeichnungen. (Wenn ich endlich eine brauchbare Digitalknipse habe, werden es noch mehr werden ;) .)

Hier ein paar kleine Kostproben:
galliot
(Mit einem kleinem Gruß an Karan und Duke: "Kommt ein Boot (sieben rote Segel) ... " - Auch wenn die Galiot schon eher ein Schiff ist.)

nirvana2

... und hier ein Gemälde (Acryl und Tempara):
interstellar overdrive1a

Viel Spaß!

Martin

Mittwoch, 6. Februar 2008

Die “Apokalypse des Mohammed” und apokalyptische Mohammed-Anhänger

Das musst ja kommen: Wikipedia: Streit um Mohammed-Bilder (heise)

Einige Muslime fordern in einer Petition, die Abbildungen des Propheten Mohammed zu entfernen. Wohlgemerkt: es geht nicht etwa um beleidigende Darstellungen, sondern lediglich um mittelalterliche islamische Darstellungen des Religionsstifters. Und die o. g. Muslime sprechen auch nicht für "den Islam". Es gibt zwar eine islamischen Tradition, die die Darstellung des Propheten verbietet, aber andere Traditionen sehen das anders. Im schiitischen Islam gibt es sogar eine alte Tradition der künstlerischen Mohammed-Darstellung.

Es geht z. B. um diese Miniatur aus der "Apokalypse des Mohamed", im Jahr 1436 in Herat, Afghanistan, geschaffen:
aus der Apokalypse des Mohammed
(Quelle: wikimedia)

Als überzeugter Heide kann ich über diese Petition natürlich nur laut lachen und die islamische Kunst bewundern. An beidem lasse ich mich weder von religiösen Fanatikern, oder von fanatischen Gegnern dieser Fanatiker, noch von Menschen, die Nachsicht mit religiösen Fanatikern haben, hindern. Und auch nicht von Politikern, die religiösen Gruppen Sonderrechte einräumen und ihnen noch gerne weitere Sonderrechte einräumen wollen.
Z. B. das Recht, auch ohne Gefahr für die öffentliche Ordnung stellvertretend für ihren Gott oder seine Stellvertreter ganz doll beleidigt zu sein - nennt sich "Gotteslästerung". Dient angeblich dem respektvollen Umgang mit religiösen Gruppen. Gut, die meisten respektiere ich. Aber gerade vor denen, die am lautesten und häufigsten "Gotteslästerung" schreien, habe ich am wenigsten Respekt. Und am meisten Respekt vor denen, für die Meinungsfreiheit auch für Religionskritiker eine Selbstverständlichkeit ist.

Kosmetika: Gütesiegel gegen Geld

Gütesiegel auf Produkten haben Hochkonjunktur - egal, ob es sie für "ökologische Landwirtschaft", "faire Produktion", "delphinfreundliche Fischerei" oder "probiotische Wirkung" (und vieles mehr) vergeben werden.

In den USA ist (nicht zum ersten Mal) eines dieser Siegel in Misskredit geraten.

Die us-amerikanische Hautärtzevereinung AAD (American Academy of Dermatology) vergibt an Sonnenschutzmittel ein Gütesiegel, "The AAD Seal of Recognition".
Nach Angaben der AAD muss ein Sonnenschutzmittel folgende Kriterien erfüllen, um das Siegel zu erhalten:
  • Sonnenschutzfaktor (SPF) 15 oder höher
  • Breitband-Schutz (gegen UVA- und UVB-Strahlen)
  • wasserbeständig
  • stabil (darf sich z. B. bei Wärme nicht zersetzen)
  • auf phototoxische Wirkung getestet (ich nehme an, mit dem Ergebnis "nicht phototoxisch", denn wie das Ergebnis des Tests auszusehen hat, stand nicht dabei)
  • und es muss den Vorschriften der Food and Drug Administration (FDA) für Sonnenschutzmittel entsprechen.
(Cremes, Körperöle usw. die diesen Vorschriften nicht entsprechen, dürfen sowieso nicht als "Sonnenschutzmittel" verkauft werden. Der letzte Punkt ist also eine Selbstverständlichkeit.)

Ein entscheidendes Kriterium wird dem Verbraucher aber vorenthalten:
Der Sonnenschutzmittel-Hersteller muss 10.000 Dollar für den Antrag und weitere 10.000 Dollar pro Produkt an die AAD zahlen. Eine eigene Qualitätsprüfung ist mit diesem verbandsoffiziellen Siegel nicht verbunden.

Mit anderen Worten: die AAD verlässt sich blind auf die Angaben der FDA - und für alle Angaben, die über die Mindestanforderungen der FDA hinausgehen, auf den Hersteller!

Dass das Geld nach Angaben der AAD in die Hautkrebs-Forschung gehen soll, ändert nichts daran, dass das "Qualitätssiegel" für den Verbraucher völlig wertlos ist.
Doctor objects to AAD logo appearing on sun protection products Vor wenigen Tagen protestierten auf dem jährliche Treffen des Hautärtzeverbandes ca. 60 Mitgliedern gegen diese Praxis AAD annual meeting.

Ich habe so den Verdacht, dass nicht nur beim AAD-Siegel, sondern auch bei vielen deutschen Qualitätsauszeichnungen das entscheidende Kriterium die Spende an den vergebenden Verband ist.

Montag, 4. Februar 2008

Ein Sender, den die Welt nicht braucht - auch nicht in Afrika

Im westafrikanischen Staat Benin leben rund 7,5 Millionen Menschen. Davon sind geschätzte 50 Prozent Anhänger von "Naturreligionen", vor allem des besser unter dem Namen Voodoo bekannten Vodun, einer polytheistischen Tradition mit magischen Zügen, rund 30 Prozent sind (mehr oder weniger) Christen (offiziell 42,3 %, aber das ist ein sehr theoretischer Wert) und rund 20 Prozent (mehr oder weniger) Muslime. Mit anderen Worten: ein Staat, nach dem sich Missionare sozusagen die Lippen lecken.

Während sich die Missionare der großen christlichen Kirchen noch einigermaßen "zivilisiert" verhalten (zumindest solange sie kontrolliert werden) gehen kleinere, meist evangelikale, allermeist fundamentalistische, Kirchen sozusagen mit dem Treibnetz auf Seelenfang. Die Zeiten, in denen Missionare noch als "Einzelkämpfer Gottes" mit Bibel, Buschmesser, Chinin und Schlangenserum durch Dschungel und Sümpfe von Dorf zu Dorf wanderten, sind auch in den abgelegeneren Teilen Benins seit Jahrzehnten passé. Heute kommt die "Frohe Botschaft" auch im tiefsten Tropenwald meistens aus dem batteriebetriebenen Radio.

Daher kommt diese Meldung des christlichen Nachrichtenportals idea.de nicht gerade überraschend: Trans World Radio startet neuen Sender für Westafrika.
"Trans World Radio", eine evangelikanische Organisation mit Hauptsitz in Cary, North Carolina, betreibt ein Netzwerk leistungsstarker Sender, die vor allem christlich-fundamentalistische Religionspropaganda senden - oft mit stark anti-islamischen, anti-katholischen und vor allem anti-aufklärerischen Tönen.

Nach der Darstellung von idea hatte der christliche Staatspräsident Mathieu Kérékou TWR im Jahr 2003 um den Bau einer Sendestation gebeten und eine Lizenz für einen Kurz- und einen Mittelwellensender erteilt. Am 1. Februar wurde der Sender in Betrieb genommen.

Die Station verbreitet christliche Programme für die gesamte Region Westafrika, auf Französisch und in den Landessprachen. Zum Sendegebiet gehören, außer Benin, auch Staaten wie Algerien, Burkina Faso, Ghana, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, und Togo, die meisten mit überwiegend islamischer Bevölkerung und oft mit einer schon seit Jahrhunderten tief muslimisch geprägten Kultur.
Neben "Verkündigungssendungen" werden auch Programme im Rahmen des Projektes "Afrika soll leben" produziert, die Hilfe im Umgang mit und zur Prävention von Aids vermitteln. Leider verschweigt "Afrika soll leben", darin den sonst spinnefeinden katholischen Programmen gleichend, dass Kondome einen wirksamen Schutz vor Ansteckung bieten. (Via Brights Blog)

Zum Ausgleich - mal eine Kinderbibel

Etwas näher angesehen, bzw. aus Neugier aus der Bücherei ausgeliehen, habe ich mir die Bibelbearbeitung "Komm, freu dich mit mir", die relativ neu ist (1999), sich an Vorschul- und Grundschulkinder wendet und sich anscheinend großer Beliebheit erfreut. (Bei Amazon: Komm, freu dich mit mir. Die Bibel für Kinder erzählt.)

Sie gehört nicht zu den (märchenbuchhaften) Nacherzählungen biblischer Geschichten, sondern ist eine Art "Religionslehrbuch", d. h. sie enthält Glaubensbelehrung in einem zwar "kindgerechten" aber deutlich predigerhaften Stil. Meiner Ansicht nach ermuntert sie weder Eltern noch Kinder dazu, sich ein eigenes Urteil zu bilden, eigenen Maßstäbe zu entwickeln - "Komm freu Dich mit mir" gibt eine feststehende Moral vor. Wer anders denkt, denkt eben falsch, bzw. "unchristlich". "Komm freu dich ..." orientiert sich übrigens nicht an der biblischen Chrolologie, sondern am Jahreskreis der christlichen Feste.

Dabei ist "Komm freu ... " keine wirklich schlechte Kinderbibel - es gibt weder die "Drohpädagogik", die Kinderbibeln fundamentalistischer Herkunft auszeichnet, noch versteckten Antisemitismus (etwa in dem Sinne, dass "die Juden" schuld am Tode Jesus gewesen seien). Sehr viel tragen neben den fröhlich-bunten Illustrationen die Bastelanleitungen und Mitmach-Spiele zur großen Beliebheit dieser "Kindergarten-Bibel" bei. (Ich habe ein klein wenig den Eindruck, dass sie eine "christliche" Antwort auf die umstrittenen "Jahreskreis"-Bücher von Diana Monson sein könnte.) Aber auch die vorgeschlagenen Gebetstexte kommen bei Rezensenten gut an. Gebete als "Pflichtübungen", selbst in "spielerischer" Form, hinterlassen bei mir grundsätzlich einen üblen Nachgeschmack. Tendenziell begünstigt so etwas Heuchelei und Scheinheiligkeit.
Für problematisch halte ich, dass dieses Buch straffe Richtlinien der "christlichen Früherziehung" vermittelt: das Lernziel ist eben nicht "Selbstbestimmung". Aber genau nach diesen straffen Richtlinien scheinen sich viele Eltern und Erzieher zu sehnen. Ganz bestimmt aber sehnt man sich in konservativen Kirchenkreisen und unter christlich-konservativen Politikern danach.

Wenn das Buch "Wo bitte geht es zu Gott?" manipulativ ist und deshalb nicht ins Kinderzimmer gehört, dann gilt das im weitaus stärkerem Maße für diese beliebte Kinderbibel

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