Zum Ausgleich - mal eine Kinderbibel

Etwas näher angesehen, bzw. aus Neugier aus der Bücherei ausgeliehen, habe ich mir die Bibelbearbeitung "Komm, freu dich mit mir", die relativ neu ist (1999), sich an Vorschul- und Grundschulkinder wendet und sich anscheinend großer Beliebheit erfreut. (Bei Amazon: Komm, freu dich mit mir. Die Bibel für Kinder erzählt.)

Sie gehört nicht zu den (märchenbuchhaften) Nacherzählungen biblischer Geschichten, sondern ist eine Art "Religionslehrbuch", d. h. sie enthält Glaubensbelehrung in einem zwar "kindgerechten" aber deutlich predigerhaften Stil. Meiner Ansicht nach ermuntert sie weder Eltern noch Kinder dazu, sich ein eigenes Urteil zu bilden, eigenen Maßstäbe zu entwickeln - "Komm freu Dich mit mir" gibt eine feststehende Moral vor. Wer anders denkt, denkt eben falsch, bzw. "unchristlich". "Komm freu dich ..." orientiert sich übrigens nicht an der biblischen Chrolologie, sondern am Jahreskreis der christlichen Feste.

Dabei ist "Komm freu ... " keine wirklich schlechte Kinderbibel - es gibt weder die "Drohpädagogik", die Kinderbibeln fundamentalistischer Herkunft auszeichnet, noch versteckten Antisemitismus (etwa in dem Sinne, dass "die Juden" schuld am Tode Jesus gewesen seien). Sehr viel tragen neben den fröhlich-bunten Illustrationen die Bastelanleitungen und Mitmach-Spiele zur großen Beliebheit dieser "Kindergarten-Bibel" bei. (Ich habe ein klein wenig den Eindruck, dass sie eine "christliche" Antwort auf die umstrittenen "Jahreskreis"-Bücher von Diana Monson sein könnte.) Aber auch die vorgeschlagenen Gebetstexte kommen bei Rezensenten gut an. Gebete als "Pflichtübungen", selbst in "spielerischer" Form, hinterlassen bei mir grundsätzlich einen üblen Nachgeschmack. Tendenziell begünstigt so etwas Heuchelei und Scheinheiligkeit.
Für problematisch halte ich, dass dieses Buch straffe Richtlinien der "christlichen Früherziehung" vermittelt: das Lernziel ist eben nicht "Selbstbestimmung". Aber genau nach diesen straffen Richtlinien scheinen sich viele Eltern und Erzieher zu sehnen. Ganz bestimmt aber sehnt man sich in konservativen Kirchenkreisen und unter christlich-konservativen Politikern danach.

Wenn das Buch "Wo bitte geht es zu Gott?" manipulativ ist und deshalb nicht ins Kinderzimmer gehört, dann gilt das im weitaus stärkerem Maße für diese beliebte Kinderbibel

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