Montag, 11. Januar 2010

Winter, heut hab ich dich tanzen geseh'n

ans Fensterglas locken mich tanzende Flocken,
wirbeln so schwungvoll und tanzen so schön,
Deine Flocken als würden sie niemals vergeh'n.
Aus einem halb vergessenen Lied von Knut Kiesewetter, an das heute ständig denken musste.

Abgesehen von Ostholstein und Teilen Mecklenburg-Vorpommerns (beides nicht allzu weit von mir entfernt) konnte in der letzten Tagen von wirklich harten Winterbedingungen, gar nicht zu reden von einer "Schneekatastrophe", wahrlich nicht die Rede sein. Dennoch scheint (jedenfalls außerhalb der Wintersportgebiete) Schnee das ultimative Horror-Wetter zu sein.

Ich vermute das ist so, weil "schlechtes Wetter" eine unversell verwendbare Ausrede für die fehlende Fehlertoleranz überoptimierter und über-rationalisierter Verkehrs- und Energieversorgungssysteme ist.

Samstag, 9. Januar 2010

Winterliche Mediengedanken

Es ist mittlerweile eine Binsenwahrheit: im handelsüblichen Journalismus, und zwar längst nicht mehr nur im Boulevardbereich, werden Skandale bagatellisiert und Bagatellen skandalisiert.
Aktuelles Beispiel: die "DSDS-Schummelei" schafft es in die Schlagzeilen, die ARD bringt eine Sondersendung darüber, dass tatsächlich im Januar Winter ist, hingegen wüsste ich z. B. über die Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland oder die Abschiebepraxis ohne "das Internet" wahrscheinlich herzlich wenig.

Nun mag man sich darüber aufregen, dass der Katastrophenschutz Panik schürt, anstatt ruhig und ohne Aufsehen dafür zu sorgen, dass aus etwas mehr Schnee als gewohnt eben keine Katastrophe wird, aber wenn er keine Panik schüren würde, würden die Öffentlichkeit vielleicht gar nicht mitbekommen, dass es den Katastrophenschutz gibt und dass Katastrophenschutz wichtig ist. Zwar stimmt es, dass "Klappern" (sprich: Public Relations) zum "Handwerk" gehört, aber mittlerweile haben sich Strukturen etabliert, in denen das "Klappern" alles und das "Handwerk" praktisch nichts ist. Denn wenn man von einem Amt, einem Institut oder einer Organisation trotz guter Arbeit nichts hört, dann käme womöglich jemand auf die Idee, dass diese gute Arbeit überflüssig sei - eben, weil sie geräuschlos abläuft. Und in Zeiten extremer Sparzwänge wird jemandem, der als überflüssig wahrgenommmen wird, ungeachtet der tatsächlichen Nützlichkeit, ganz schnell das Geld gestrichen. Also: lautes Klappern ist wirtschaftlich vernünftiger, als gut zu arbeiten. Im den von mir gewählten Beispielen "rechtextreme Gewalt" und "Abschiebungen" kommt noch hinzu, dass es einflussreiche Politiker, Unternehmer, Funktionäre, Berater, Lobbyisten und Öchsperten gibt, die auch ein dezentes Klappern über besagte Missstände für schlimmer halten, als die Missstände selbst. Alles in Ordnung, solange man den Dreck noch diskret unter den Teppich kehren kann. Dass es Nazischläger und menschenrechtsverletzende Behörden gibt, ist offensichtlich so lange in Ordnung, solange es niemand merkt.

Die Winterwetterlage ist auch ein schönes Beispiel für ein weit verbreitetes Phänomen: das der gefühlten Gefahr, wo gar bei Licht betrachtet keine Gefahr ist. Köln gehörte am Freitag zu den wenigen Regionen Deutschlands, die auf der Unwetterwarnkarte im grünen Bereich lagen - kein Schneesturm weit und breit. Aber wo war die mediale Panik über die "Schneehölle" besonders groß? Richtig, in Köln!

Dieses erstaunliche Phänomen kennt man auch z. B. aus dem Umweltschutz. Bei Umfragen, wie sie die Umweltsituation in ihrem unmittelbaren Umfeld einschätzen, dann finden die meisten Deutschen sie im großen und ganzen in Ordnung. Hingegen zeigen Umfragen nach der deutschen Umweltsituation, dass die meisten Befragten überzeugt sind, dass es ziemlich finster aussieht und immer schlimmer wird. Ich kenne zwar keine Umfragen, in denen nach der Umweltsituation z. B. in Ostgrönland gefragt wird, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie ziemlich finster bewertet würde - und zwar gerade weil kaum einer der Befragten wüsste, wie die Verhältnisse in Ostgrönland tatsächlich sind.
Das selbe Phänomen gibt es auch bei der Kriminalität: in der unmittelbaren Umgebung ist die Welt in Ordnung, aber im Großen und Ganzen wird es (egal, was die Kriminalstatistik über sinkende Fallzahlen ausweist) "immer schlimmer", die Verbrechen "immer brutaler" und die Polizei, trotz gestiegener Aufklärungsquoten "immer hilfsloser".
Diese bemerkenswerte Diskrepanz ist auf die Wirkung der Medien zurückzuführen. Während der persönliche Bereich durch Augenschein beurteilt wird, kommt das große Bild vom medialen Hören und Sagen. Wobei sich lautstarkes Klappern gegenüber einer sachliches Berichterstattung mühelos durchsetzt, weshalb die politische Arbeit mancher Politiker fast nur noch aus Klappern besteht. Wenn mit Public Relation nicht mehr Politik "verkauft", sondern die Politik durch PR bzw. Propaganda ersetzt wird.
Richtig unheimlich wird die Diskrepanz zwischen aus fehlender und tendenziöser massenmedialer Information gebildeter Weltsicht und persönlicher Erfahrung dann, wenn z. B. diejenigen, die am wenigsten von den geplanten Steuersenkungen profitieren werden, am meisten dafür sind.

So, nach so viel realem Medienhorror und virtuellem Horrorwinter zum echten Winter:
Hier ein Blick auf die (momentan, am 9. Januar 2010, zufrierende) Alster und hier das absolut ultimative Winterlied und dort Blicke auf die schönen Seiten des Winters.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Wann ist ein Boot ein Schiff?

Im Sprachgebrauch des 17. und 18. Jahrhunderts wurden oft nur jene seetüchtigen Wasserfahrzeuge mit mindestens drei Masten, die an allen Masten Rahsegel trugen, "Schiffe" genannt, im Sinne des ab dem 19. Jahrhundert üblichen Begriffes
"Vollschiff"
.
Im 18. Jahrhundert war es darüber hinaus zum Beispiel in der britischen Marine üblich, nur solche rahgetakelte Dreimaster "Ship" zu nennen, die mindestens 20 Kanonen trugen und von einem vollwertigen Captain (Kapitän zur See) kommandiert wurden – leichter bewaffnete Schiffe nannte man "sloop", nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls "sloop" genannten großen Boot ("Schaluppe") oder der einmastigen Takelung sloop.

Auch heute ist es in der Kriegsmarine üblich, Kampfschiffe, die nicht von einem Kapitän zur See befehligt werden, "Boote" zu nennen, trotz zum Teil beachtlicher Größe: U-Boote, Torpedoboote, Flugkörperboote usw. .
In verschiedenen Lexika, einschließlich der Wikipedia, gibt es zahlreiche, nicht übereinstimmende Definitionen von "Boot" oder "Schiff".

Einlaufparade09-22Zwei Boote, zwei Schiffe oder ein Boot und ein Schiff?

Also suche ich meine (möglichst plausible, möglich fundierte) Kriterien dafür, wann ich von einem "Boot" und wann von einem "Schiff" spreche.
Ein offensichtliches Kriterium ist die Größe. Etwa ab 15 Meter Rumpflänge (oder 50 Fuß, für die Tradionalisten) kann man meiner Ansicht nach von einem "Schiff" sprechen.
Ich halte auch die Definition für sinnvoll, dass ein Schiff ein durchgehendes (Ober-) Deck hat. Das heißt: eine offene Tjalk ist ein Boot, eine Tjalk mit Kajüte und offener Plicht ebenso (es sei denn, sie ist über 15 Meter lang), eine Tjalk mit durchgehendem Deck ist ein Schiff (auch wenn sie vielleicht nur 12 Meter lang ist).
Das dritte Kriterium ist, dass ein Schiff einen eigenen Antrieb (Motor oder Segel) hat. Ein Ponton, ein Schleppkahn oder eine Schute ist niemals ein Schiff.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Zum guten Schluß: Brachten Elefanten die Grönländer in Bedrängnis?

Nein, ich habe weder zu viel Grog gesüffelt, noch handelt es sich um eine besonders verschrobene Verschwörungstheorie.

Auf Mediavalnews fand ich diesen netten Artikel: Did Elephants doom the Norse in Greenland?.

Der Artikel setzt sich mit der Hypothese auseinander, dass die normannische Siedlungen im mittelalterlichen Grönland durch den Zusammenbruch des Handels mit Walross-Stoßzähnen wirtschaftlich ruiniert geworden wären. Elfenbein aus Elefanten-Stoßzähnen wäre in späten Mittelalter für die Kunsthandwerker Europas einfacher zu bekommen und damit preiswerter als das im Hochmittelalter vorwiegend verwendete Walross-Elfenbein gewesen.

In ihren Artikel "Desirable teeth: the medieval trade in Arctic and African ivory" kritisiert Kirsten Seaver diese Idee, und stellt ihre eigene Hypothese für das rätselhaften Verschwinden der skandinavischen Siedlungen Grönlands während des 15. Jahrhunderts vor.

Göttliches Geflügel zum Jahresausklang

Während der Raunächte vermeide ich unnötigen Stress. Deshalb erspare ich mir auch (weitgehend) das Festtagsprogramm im Fernsehen - womit ich mir nicht nur zahllose langweilige Rückblicks- und Ausblickssendungen, Wiederholungen abgenudelter "Festtagsklassiker", sentimental-schnulziger "Volks"- "Musik"- Sendungen, in denen unschuldige Weihnachtslieder vor laufender Kamera brutal misshandelt und vergewaltigt werden, und heuchlerische Weihnachts- und Neujahrsansprachen erspare, sondern auch seichte Silvester-Shows und die sich Jahr um Jahr gleichenden obligatorischen Jahreswechselthemen.

David Harnasch vom "Cicero" hat sich, im Gegensatz zu mir, mutig dem medialen Festtagsmüll Weihnachtsprogramm gestellt. (Ja, der Job als Fernsehkritiker ist manchmal nicht einfach.) Dabei stieß er auf eine "Wissenschafts"-"journalistische" Sendung im ZDF, die es - unglaublich, aber wahr - tatsächlich schafft, "Gallileo-Mystery" auf Pro 7 im Niveau zu unterbieten. Gott weiß, ich will kein Engel sein.

Dass auch das ZDF auf der Esoterikwelle mitschwimmt, ist ebensowenig verwunderlich, wie dass es als (kirchennaher) Sender dabei die christlich-verbrämte "Engel"-Variante bevorzugt. Erstaunlich ist allenfalls, dass das im Rahmen einer "Wissenschafts"-Doku zu Engeln geschieht, die offensichtlich weitgehend auf "trockene" Wissenschaftlichkeit (Religionswissenschaft, Kulturgeschichte usw.) verzichtet und statt dessen einer geschäftstüchtigen Eso-Autorin, die mit ihren "Engelkarten" auch eine christentums-kompatible Tarot-Imitation schuf, als "Expertin" reichlich Raum zur Selbstdarstellung gibt.

Nehmen wir einmal an, ich würde als "Experte" in so einer Sendung auftauchen. Das ist so unrealistisch nicht - zum Beispiel erhielt ich im Sommer von der "Gallileo"-Redaktion eine Anfrage, ob ich als Experte für eine Sendung über Fakire zur Verfügung stünde. Ich lehnte mit dem Hinweis ab, dass ich zwar vor Jahren einmal einen Artikel über dieses Thema verfasst hätte, aber mein damals durch Literaturrecherche erworbenes Wissen nicht wesentlich über den Inhalt des Artikels hinausginge. Anders gesagt: Es wäre pure Hochstapelei, wenn ich mich als Experte für Fakire ausgeben würde. Meine einzige "Expertise" besteht darin, zu wissen, wo man was nachschlagen kann - also eine journalistische Grundfähigkeit.

Da ich bekanntlich böser Heide bin, und es nicht so mit den Engeln habe, hätte ich mich natürlich eher zum Thema "Fylgien" geäußert. Ich fürchte aber, dass ich, wenn ich tatsächlich sinngemäß die selben Formulierungen wie Alexa Kriele gebraucht hätte, als Beispiel dafür herhalten würde, was für ein bekloppter Schwachsinn von neugermanischen Spinnern geglaubt würde.
(Abgesehen davon wäre meine Fylgia ganz schön sauer auf mich gewesen breites Grinsen.)

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Klimakonferenz: Heißen "Dank" an China!

In meinem Beitrag zum Winteranfang stellte ich die scherzhafte Verschwörungstheorie auf, dass die Kopenhagener Klimakonferenz von China durch den heftigen Wintereinbruch sabotiert worden wäre (weil ja, wie jeder weiß, die Chinesen ganz groß in der Wetterbeeinflussung sind). Immerhin fiel auf, dass die chinesische Regierung sehr gelassen bis zufrieden auf das maue Ergebnis der Konferenz regierte: China lässt das Kopenhagen-Fiasko kalt (spon).
Es sieht ganz so aus, als ob die chinesische Delegation tatsächlich sehr viel zum Nicht-Wirklich-Ergebnis der Konferenz beitrug - wenn auch ohne heimliche Wettermacher - und es dabei schaffte, den "schwarzen Peter" für das Scheitern US-Präsident Obama bzw. der US-Delegation zuzuschieben.
Das berichtet jedenfalls Mark Lynas vom "Guardian" - und er war dabei: How do I know China wrecked the Copenhagen deal? I was in the room.
Folgt man Lynas, dann war Chinas Strategie einfach: die offenen Verhandlung für zwei Wochen blockieren, und dann dafür sorgen, dass die Verhandlungen hinter verschlossene Türen so aussehen, als hätte der Westen wieder einmal gegenüber den armen Ländern versagt. (Was angesichts der Erfahrungen mit den Verhaltensmustern der westlichen Industrienationen im Allgemeinen und der US-Regierung im Besonderen nicht einmal unglaubwürdig wirkt - während China vor allem als Anwalt der benachteiligten "Schwellenländer" einigermaßen glaubwürdig erscheint.)

Lynas sah nach eigenen Angaben wie Obama verzweifelt darum kämpfte, das Abkommen doch noch zu retten, und wie die chinesische Delegation immer und immer wieder "nein" sagte.

Laut Lynas bestand der chinesische Delegierte darauf, dass die Ziele der Industrieländer, die sich im Vorfeld auf 80% CO2-Reduzierung bis 2050 verständigt hatten, aus den Verhandlungen herausgenommen wurden.
Der brasilianische Delegierte hätte darauf aufmerksam gemacht, wie unlogisch Chinas Position sei: Wieso sollten die reichen Ländern nicht einmal diese einseitige Beschränkung ankündigen dürfen? Der chinesische Delegierte hätte auf seinem Nein beharrt.

China, hin und wieder durch Indien unterstützt, hätte alle Zahlen herausgenommen, auf die es ankommt. Das Jahr 2020 als Termin, ab dem die Emissionen weltweit zurückgehen müssen, wurden durch die wolkige Formulierung, dass sie so "früh wie möglich" zurückgehen müssten, ersetzt. Auch das Langzeitziel von 50% weniger Emissionen weltweit bis 2050 wurde gestrichen. Niemand sonst, mit den möglichen Ausnahmen Indiens und Saudi-Arabiens, wollte das.
Lynas ist sich sicher, dass, wenn die Chinesen nicht im Raum gewesen wären, Kopenhagen mit einem Abkommen beendet worden wäre, bei dem die Umweltschützer überall in der Welt die Sektkorken hätten knallen lassen.

Das bedeutet nicht, dass es China nicht ernst mit dem Klimaschutz wäre: sonst wäre die Windkraft- und Solar-Industrie dort nicht so stark. Aber Chinas rasantes Wachstum und seine wachsende politische und ökonomische Macht beruhen überwiegend auf billiger Kohle. Dementsprechend setzt Chinas Regierung die Prioritäten: die Umwelt soll warten, bis Chinas Machtstellung unangreifbar ist.

Ergänzung:Die von Obama angebotenen Zugeständnisse: 100 Milliarden Dollar für die Entwicklungsländer, unter dem 2005-CO2-Emissionslevel für 2020. China sieht internationale Kontrolle seiner Klimaschutzanstrengungen als unzumutbare Einschränkung seiner Souveränität ein.

Montag, 21. Dezember 2009

Zum Winteranfang

Seit ihr auch (wie ich) am Freitag über drei Stunden wegen Zugverspätung auf einem *wirklich* kalten (ich rede von minus 15 Grad) Bahnsteig herumgestanden? Habt ihr auch Sonntag Abend wegen wetterbedingtem weitgehendem Zusammenbruchs des Bahnverkehrs eine Not-Übernachtung einlegen müssen? (Danke, Tina & Joe!) Oder hattet ihr, als Autofahrer, einen spannenden Auffahrunfall oder einige Stunden Stillstand auf der Autobahn? Oder vielleicht eine lauschige Nacht in einer Flughafen-Wartehalle? Oder einen netten Heizungsausfall?

Hier ist das Lied für uns! (Vorsicht, Tobsuchtsanfallgefahr!)


Dean kann gut reden singen sprechgesingen, der sitzt drin im Warmen am Kamin und muss nicht #@!?-Bahn fahren, autofahren oder fliegen!

(Für die Freunde der GANZ GROSSEN und ganz doll geheimen Weltverschwörungen: Hinter dem Wintereinbruch dieses Wochenende stecken natürlich die Chinesen!!! Damit es in der Endphase der Klimakonferenz in Kopenhagen für sie nicht zu hart wurde, und damit die CO2-Ziele für aufstrebende Luftverschmutzernationen wie z. B. China nicht zu streng ausfallen, haben sie ein paar Spezialisten des Amtes für Wetterbeeinflussung eingeflogen! Diese Spezialisten bekommen zwar das Regenmachen irgendwie nicht richtig hin, aber beim Erzeugen von Winterchaos erzielten sie bereits beeindruckende Resultate: Künstlicher Schneesturm lässt Pekinger frieren.
Da es zu sehr auffallen würde, wenn sich nur in Kopenhagen der Winter sich von seiner unangenehmen Seite zeigt, haben diese gerissenen Chinamen einfach halb Europa eingeeist!)

Da ja heute Jul ist: Ein gutes Jahr und Frieden!

Denn der Anfang des Winters ist auch der Anfang vom Ende der dunklen Zeit:

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Auf vielfachen Wunsch - ein Auszug aus "Brüder der Küste"

Hier ein Auszug - die ersten Seiten des ersten Kapitels - aus meinem ersten NaNoWriMo-Roman. Ist auch ein netter Kontrast zum feuchtkalten norddeutschen Dezember ...

(...)
1. Flibustiere an der Windward-Passage
„Ja, ich habe den Brüdern der Küste Lebewohl gesagt, damals auf Tortuga.“
In einer schattigen Gemeinschaftshütte eines namenlosen Fischerdorfes an der Port Royal Habour genannte Bucht saßen um einen Mann, der einfach nur Jan genannt werden wollte, ein Dutzend dunkelbrauner Menschen unterschiedlichsten Alters. Sie hörten ihm gespannt zu. Seine einfache Kleidung unterschied sich nicht von der der Dorfbewohner, aber trotz seiner von Wetter und tropischer Sonne tief braun gegerbten Haut sah man ihm den Nordeuropäer deutlich an.
Es war zu heiß für alle Arbeiten, die schwerer als Netzeflicken waren, und die Bewohner des Fischerdorfes wussten, dass Jan ein guter Erzähler war. Heute berichtete er aus seiner Zeit bei den Flibustiers oder Bukaniers von Tortuga.

„Ich war, wie ihr ja wisst, damals Wundarzt auf einem Flibustier-Schiff. Ihr wisst auch, dass ich es nicht ungern war. Bis ich dann auf einen Schlag fast alle meine Kameraden verlor.“
Er setzte sich bequem zurecht. Eine bleiche Sonne schien von einem Himmel wie aus geschmolzenem Blei, die Luft war schwül und heiß. Die Seitenwände waren zum Teil niedergelegt, so dass ein wenig kühlender Wind die große Hütte durchstreichen konnte.
„Seid ihr damals von einem Kriegsschiff erwischt worden?“ wollte ein schlanker, junger Mann wissen und sah von dem Netz, das er gerade Masche für Masche auf Schäden kontrollierte, auf.
„Nein, Pedro. Es war eine ganz dumme Sache.“ Jan trank einen Schluck kühlen Wassers aus einen Tonkrug.
„Es ist jetzt ziemlich genau sechs Jahre her,“ berichtete er, „aber es steht mir vor Augen, als ob es erst gestern passiert wäre. Damals gehörte ich zu Michelons Mannschaft. Er war ein feiner Kerl, auf seine Art, auch wenn er ziemlich grob werden konnte, wenn er voll war. Es gibt natürlich Menschen, die das anders sahen, was ich ihnen nicht verdenken kann. Immerhin, er war kein brutaler Mörder, wie L‘Olonais. Wir waren kleine Fische unter den Flibustiers, gerade mal 16 Mann, und fuhren auf einer kleinen, alten, wurmstichigen spanischen Tartane namens ‚Bonito‘. Außerdem hatten wir eine verdammt schnelle Walfangschaluppe.
An diesem Tag lagen in einer winzige Bucht im Westen von Hispaniola auf der Lauer. Es war Vormittag und nur ich und der junge Lars waren auf den Beinen. Am Vorabend war es wieder mal so spät geworden, dass es wieder früh war. Ich und der Junge hatten uns beim Trinken zurückgehalten und übernahmen die Morgenwachen. Der Junge ganz oben im Großtop – er war absolut schwindelfrei und kletterte leidenschaftlich gern in der Takelage herum - ich auf Deck, wobei ich auch die Ankerwache übernahm.
Ich spähte also ziemlich übernächtigt auf die tiefblaue See der Windward-Passage. Fast wäre ich eingenickt, hätte Lars nicht gerufen: ‚Beute, Beute!‘
Ich schnappte mir ein Fernrohr und blickte in die Richtung, in die der Junge wies. Ich sah nichts – war auch kein Wunder, die 40 Fuß Höhe über Deck machen schon was aus, und Lars hatte phantastisch gute Augen. Es dauerte also eine Weile, bis auch ich den winzigen weißen Fleck, nicht größer als ein Staubkorn, an der glitzernden Kimm entdeckte. Ein Segel!
Unter Deck war noch alles ruhig, bis auf das Schnarchen der Männer. Die meisten der Männer schliefen wohl noch.
‚Mal wieder typisch‘, dachte ich mir, ‚abends saufen bis zum Umfallen, und sich morgens die fetten Brocken entgehen lassen.‘ Ein Schiff auf diesem Kurs, in dieser Ecke der Windward-Passage konnte eigentlich nur ein Spanier sein.
‚Kannst du erkennen, ob es ein gut bewaffnetes Schiff ist?‘ - Einzelfahrer haben meistens ungesund viele Geschütze an Bord.
‚Nein‘ rief er von oben. ‚Kein Kriegsschiff, kein großer Kauffahrer. Aber leider auch keine keine ganz so fette Beute. Sieht mir nach einem kleinen Schnellsegler aus. Sehr moderne Takelage – Brigantinentakelung niederländischer Art. Könnte ein Flame sein.‘
Nicht unwahrscheinlich, denn die besten Schiffe der spanischen Flotte kommen aus den spanischen Niederlanden, also Flandern. Ich hielt es für einen kleinen spanischen Kauffahrteifahrer auf Westkurs, Richtung Kuba oder vielleicht auch Neu-Spanien. Es könnte natürlich auch ein kleines Kriegsschiff auf Patrouille sein, aber das war unwahrscheinlich, denn deren Besatzungen machten sich ihren Dienst gern leicht und mieden möglichst unsere Schlupfwinkel.
Unter Deck rührte sich immer noch nichts. Noch einmal rief Lars mit äußerster Lungenkraft: ‚Beute, Beute!‘. Ich turnte runter, um die Kerle auszupurren.”
Jan nahm noch einen tiefen Schluck und fuhr in seinem Bericht fort: „Endlich hatte ich Michelon und die anderen halbwegs wach. Ich erzählte kurz, was ich und Lars gesehen hatten und riet: ‚Ich denke, ein Angriff könnte sich lohnen.‘
‚Bei solchen Entscheidungen verlasse ich mich nicht auf den Knochenflicker. Was du denkst, ist mir ziemlich egal!‘ murmelte Michelon. Er war noch nicht so richtig munter.
Unserem Quartiermeister, Dänen-Anders, hatte die Aussicht auf Beute aber schon die Augen weit geöffnet. ‚Du, Mik, der Friesendoc hat recht!‘
Auf Anders hörte Michelon, nun wachte er richtig auf und änderte sofort seine Meinung: ‚Gut. Weckt die Leute auf! Macht die Schaluppe klar zum Angriff!‘
Nun ging auf einmal alles ganz schnell - selbst bei der Royal Navy hätte es nicht flotter gehen können. Jeder wusste, was zu tun war, jeder von uns kannte seinen Platz. Als Chirurgus blieb ich auf unseren alten ‚Bonito‘ zurück und bereitete schon mal den Operationstisch vor. René, ein Hüne aus der Bretagne, übernahm die Deckswache. Leider hatte er einen Verstand, der so kurz war, wie seine Beine lang waren. Deshalb ließ Michelon ihn bei komplizierten Einsätzen gerne an Bord zurück. René störte das nicht. Ihn störte eigentlich nie etwas.
Ich betete wie jedes Mal, dass es ohne schwer Verletzte oder sogar Tote abgehen würde. Diese Gebete wurden meistens nicht erhört.
Die alte ‚Bonito‘ blieb vor Anker in der Bucht zurück. Die Schaluppe, ein schnittiges offenes Boot, mit 14 Mann, allen außer mir und René, verließ die kleine Bucht und ging hinter einer felsigen Landzunge in Deckung.
‚Flauer Wind ist gut für uns! Der Segler kommt kaum vom Fleck‘, versuchte ich René die Situation zu erklären. Wegen der vielen kleinen Inseln mit ihren Korallenriffen weiter draußen und der englischen Kriegsschiffen noch weiter draußen segelten die spanischen Schiffe hier meistens dicht unter der Küste. Da war kaum Raum zum Kreuzen; bei ungünstigem Wind mussten die Segler oft lange Zeit warten und waren den Angriffen von uns Bukaniers hilflos ausgeliefert. Michelon konnte zwar kaum lesen und schreiben und verstand nichts von astronomischer Navigation – die machte meistens ich – aber er hatte ein Naturtalent darin, die örtlichen Besonderheiten taktisch geschickt auszunutzen.“
Der Wind war eingeschlafen. Die Schwüle wurde immer drückender Der Schweiß lief in Strömen und seine Zuhörer wurden immer träger und schläfriger. Befriedigt stellte Jan fest, dass trotzdem keiner der um ihn Herumsitzenden eingenickt war.
„Ja, Michelon hatten wir nicht von ungefähr zum Kapitän gewählt. Unser kriegerisches Handwerk - denn wir waren Kämpfer gegen die spanische Tyrannei, für unsere Freiheit, auch wenn wir natürlich gegen fetten Prisen nichts hatten - lohnte sich hier an der Küste der großen Insel Hispaniola. Mit Tortuga hatten wir einen sicheren Hafen in bequemer Reichweite. Natürlich mussten wir immer damit rechnen, dass uns ein Patrouillenschiff der spanischen Flotte zu einem langen Hals verhelfen könnte, denn unsere Kaperbriefe war in solchen Situationen nicht das Papier wert, auf dem sie ausgestellt waren. Aber die meisten der schlecht bezahlten spanischen Leutnants, die die kleinen Schiffe kommandierten, waren gegen eine kleine Aufmerksamkeit nicht abgeneigt und hatten lieber einige schöne, goldene Dublonen in der Hand als einige Piraten im fernen Cádiz am Galgen. Mehr Sorgen machten wir uns um gut bewaffnete Konvoischiffe. Die dicken Geleitschiffe konnten uns mit ein paar gut gezielten Kanonenschüssen in den Grund bohren – was ihre Kapitäne auch viel lieber machten, als Freibeuter mühsam gefangen nehmen zu lassen.
Die am Ende der Regenzeit und vor der Hurrikan-Saison unzuverlässigen Winde sind günstig für Kaperer. Deshalb hatten wir auch die für einen Walfänger in Dänemark gebaute Schaluppe vom alten Ed Mansfeld abgekauft. Das offene Langboot segelte mit seinem Lugger-Rigg nur mittelmäßig, aber unter Riemen war es blitzschnell.
Es wurde immer stiller. Jetzt regte sich kaum noch ein Lüftchen mehr. Ich beobachtete mit dem Fernrohr, wie die Schaluppe in ihrer Deckung lag. Da die ‚Bonito‘ ohne Segel da lag und es kaum ein weniger kriegerisch aussehendes Schiff gab, machte es nicht viel, dass sie gesehen werden konnte. Außerdem führten wir die spanische Flagge.
(...)

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Geheimauftrag MARIA STUART...
Krisenfall Meuterei Der dritte Roman der Reihe "Geheimauftrag...
MMarheinecke - 9. Apr, 19:42
Urlaubs-... Bräune
Das "Coppertone Girl", Symbol der Sonnenkosmetik-Marke...
MMarheinecke - 1. Aug, 08:34
Geheimauftrag MARIA STUART...
Ahoi, gerade frisch mit dem Postschiff eingetoffen. Der...
MMarheinecke - 26. Mär, 06:48
Kleine Korrektur. Man...
Kleine Korrektur. Man kann/sollte versuchen die Brille...
creezy - 11. Nov, 11:29
strukturell antisemitisch
Inhaltlich stimme ich Deinem Text zwar zu, aber den...
dummerle - 5. Jun, 11:12

Suche

 

Status

Online seit 7351 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:08

Credits


doof-aber-gut
Gedankenfutter
Geschichte
Geschichte der Technik
Hartz IV
Kulturelles
Medien, Lobby & PR
Medizin
Persönliches
Politisches
Religion, Magie, Mythen
Überwachungsgesellschaft
Umwelt
Wirtschaft
Wissenschaft & Technik
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren