Dienstag, 17. Oktober 2006

Aufruf gegen den islamistischen Al-Quds-Tag

Al Quds ist der arabische Name Jerusalems, der Al Quds-Tag ein Anlaß für Islamisten (und für mit ihnen sympatisierende Antisemiten unterschiedlicher politischer Coleur - Hauptsache, es geht gegen "de Joden" bzw. "die zionistischen Imperialisten"), möglichst martialisch aufzumarschieren.
Der Al Quds-Tag geht auf einen Aufruf Ayatollah Khomeinis aus dem Jahr 1979 zurück, jedes Jahr am letzten Freitag im islamischen Fastenmonat Ramadan für die "Befreiung" Jerusalems und die Vernichtung Israels zu demonstrieren.

In Berlin, wo die Demonstration dieses Jahr am Samstag, 21. Oktober stattfindet, haben die Veranstalter in den letzten Jahren aufgrund öffentlicher Proteste ihre antisemitischen Botschaften mit gemäßigt klingenden Slogans kaschiert. Was an ihrer Gesinnung wenig ändern dürfte. Und die ist nicht etwa pro-islamisch, sondern anti-semitisch.
Es geht nicht um einen Kulturkampf gegen „den“ Islam, sondern um ein gemeinsames politisches Streiten gegen Islamismus und religiös verbrämte Gewalt. Der Al Quds-Tag und die islamistische Ideologie sind auch ein Angriff auf die Universalität der Menschenrechte und damit auf uns alle - ob im Iran, in Afghanistan, in Israel und den palästinensischen Gebieten, in der Türkei oder in Berlin.
Wir rufen deshalb für den 21. Oktober 2006 zu einer Protestkundgebung gegen den internationalen Al Quds-Tag in Berlin auf und bitten um breite Unterstützung dieses Aufrufs.
Aus dem Aufruf des Berliner Bündnisses gegen den internationalen Al Quds Tag. Weitere Informationen, sowie die Möglichkeit, den Aufruf zu unterzeichnen gibt es hier: gegen-al-quds-tag.de

Montag, 16. Oktober 2006

Urlaubs-... Träume

Traumurlaub. Ein stehender Begriff. Ein abgegriffenes Werbeklischee. Wenn ich es doch mal in dem Mund nehme, habe ich das Gefühl, ich hätte eine Haltestange aus einem ausrangiertem Stadtbus zwischen den Zähne, so eine abgegriffene Sache. Selbst wenn ich von einer noch so schönen Urlaubsreise erzählen würde, es wäre mir peinlich, sie als Traumurlaub zu bezeichnen.
Ich fürchte, es würde ein Bild vor dem inneren Auge meiner Zuhörer hervorrufen, das irgendwo zwischen den Werbespots für Bacardi und den Prospekten des leicht verschnarchten Fremdenverkehrsverbandes einer Kleinstadt im Weserbergland angesiedelt wäre. (Nichts gegen weißen Rum oder das Weserbergland - gemeint ist die entsprechende Werbung.)
Außerdem gibt es bekanntlich auch Alpträume.
Kro im ländlichen Jütland
Es gibt jedoch etliche Urlaubsreisen, bei denen ich gern in Erinnerungen schwelge, mich Urlaubsträumen hingebe. (Die Bilder auf dieser Seite stammen aus solchen Reisen.)
Drei für mich sehr wichtige dieser Reisen habe ich auf diesem Blog schon erwähnt: mein Wanderurlaub als kleiner Junge in den Harz, den langen Campingurlaub an der dänischen Nordseeküste als Schuljunge, meine erste Fahrt auf einem Segelschiff als junger Mann. Ich könnte noch einige weitere Reiseerlebnisse dieser Art hinzufügen. Ihre Anzahl ist, gemessen an der Gesamtzahl der Reisen, die in im Laufe meines Lebens unternommen habe, allerdings sehr überschaubar. Die Gesamtzahl der Reisen, denn es gibt tatsächlich Geschäftsreisen, die sich für mich im Rückblick angenehmer "anfühlen" als so manche Urlaubsreise. Siehe oben: es gibt auch Alpträume.
Bezeichnend ist, dass manche verklärte Erinnerung an einen "schönen Urlaub" sich beim genaueren, kritische Hinsehen als verfälscht erweisen. Während die verhältnismäßig wenigen Reisen, die mich in der Erinnerung zu Urlaubsträumen hinreißen, es ohne weiteres ertragen, kritisch hinterfragt zu werden, erweisen sich andere "schöne Urlaubserlebnisse" als nachträglich vergoldet, manchmal sogar als geheuchelt: "Ja, der Urlaub in Playa de Cucaraca war wuuunderschön! (Und ich bin so froh, wieder zuhause zu sein, traue mich aber nicht, das zuzugeben!)"
Wieso ich überhaupt "schöne Erinnerungen" hinterfrage? Mit Lebenslügen, auch kleinerer Art, lebt es sich nicht gut. An die wohltuende Wirkung des "positiven Denkens" habe ich nie geglaubt. Genau so wenig, wie daran, dass man sich eine Frau schöntrinken kann. Im nüchternen Zustand ist die Schönheit dahin. Ich ziehe es vor, nüchtern durchs Leben zu gehen.
Steinsetzung von Kåseberga, Südschweden
Welche Urlaubsträume täume ich? Nach welchen Reise sehne ich mich? Wo will ich unbedingt mal hin, was will ich unbedingt mal gemacht, gesehen, erlebt haben?
Es ist mir beinahe peinlich, die kitschige Idee einer "Reise in die Südsee" (gemeint: Polynesien und Micronesien, eine nicht gerade an Problemen arme Gegend) spukt auch in meinem Kopf. In meinem Falle, weil ich so gerne auf Segelschiffen unterwegs bin, natürlich an Bord eines schnittigen Schoners. In eine ganz andere Gegend zielt ein anderer hartnäckiger Reisewunsch: Nach Grönland. Eine Gegend der Erde, über die ich recht gut bescheid weiß, wo ich sogar Bekannte (Freunde wäre übertrieben) habe, deren Faszination bei wachsendem Wissen interessanterweise zunahm. Außerdem paßt diese Ziel gut zu meiner ohnehin vorhandenen "Nordlandbegeisterung". Nicht auf eine bestimmte Reise, aber auf ein bestimmtes Verkehrsmittel hebt ein anderer hartnäckiger Taum ab: unterwegs sein mit der eigenen Segelyacht. Am liebsten eine urige Plattbodenyacht - ein Ewer, eine Tjalk, ein Botter öder ähnliches. Geringer Tiefgang und klappbarer Mast, damit auch Binnen- und Küstengewässer, die man mit moderneren Yachttypen gar nicht befahren könnte, aber seetüchtig genug, um auch mal auf Nord- und Ostsee unterwegs zu seien zu können. Nicht der geeignete schwimmende Untersatz für eine Weltumseglung, aber die ist mittlerweise ein Traum von gestern. Ein Traum von gestern, ein von der Entwicklung meiner Persönlichkeit überholter Traum, der ohnehin nie "realistisch" war (aber welcher Traum ist das schon?) ist der vom Weltraumtourismus. Ich sehne mich außerdem etwa seit meiner Pubertät nach einem einsamen Blockhaus, irgendwo in einen entlegenen Wald. Und der Traum ist noch größer geworden, nachdem ich solche Blockhäuser in der Waldeinsamkeit wirklich bewohnt hatte. Sehr erholsam, trotz Holzhacken, primitiven sanitären Verhältnissen, fehlendem Strom. In das ich mich immer für ein paar Wochen zurückziehen könnte, wenn es mir hier und jetzt zu viel wird. (Ich beneide eine Bekannte in Schweden dafür, tatsächlich diese Möglichkeit zu haben. Ich habe so den Verdacht, dass die Stuga irgendwo im Nirgendwo für einige Schweden Schweden überhaupt erst erträglich macht.)
bretonische Küste
Neben diesen Träumen, den Objekten meiner Sehnsucht, habe ich auch zahlreiche, mehr oder weniger realisierbare, Urlaubswünsche: man diese oder jene Stadt sehen, mal diese oder jene Leute treffen, mal dieses oder jenes zu erleben. Das liegt allerdings eine ganze Ebene niedriger als die Urlaubsträume.
Auch etwas anderes als Urlaubsträume sind Fluchtphantasien. Flucht ist etwas anderes als Urlaub. Aus einer Urlaubreise will man zurückkehren.
Noch etwas anderes sind "Traumreisen" im wörtlichen Sinne, Reisen, die immer in meinem Träumen auftauchen. Sie sind meistens sehr wertvoll, weil sie Hinweise auf mein seeliches Innenleben und manchmal auch für künftige Entwicklungen geben. Darüber äußere ich mich in der breiten Netzöffentlichkeit nicht so gerne.
Ebenfalls wertvoll sind "schamanische" Reisen. Ja, ich praktiziere so etwas - würde mich aber niemals "Schamane" nennen. Übrigens hat diese Praxis meine Abneigung gegen bestimmte Formen der kommerziellen Esoterik eher noch geschärft. Meine Skepsis gegenüber Licht- Liebe- und "wir-haben-die-Lösung-aller-Probleme"-Heilslehren ebenfalls.
Winterwald

Urlaubs-... Träume ist der 5. von 5 Beiträgen.

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Urlaubs-... Anspruch
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Urlaubs-... Bräune
Fotos: MMarheinecke

Sonntag, 15. Oktober 2006

Urlaubs-... Bräune

coppertone-damals
Das "Coppertone Girl", Symbol der Sonnenkosmetik-Marke Coppertone, war eine amerikanische Werbe-Ikone der 1960er Jahre, als sich noch kein Mensch Gedanken über Ozonloch, Hautkrebs oder Sonnenschutzfaktor machte. Braun war gesund und schön. Sehr braun ein Indiz für Wohlstand. In den sechziger Jahren galt viel Sonne auch für Kinder als gesund. Ersatzweise die Heimsonne: Höhensonnen-Werbung aus dem Jahr 1966

Um 1980 hatte sich daran noch wenig geändert, als Ludwig Harig im ZEITmagazin seine Satiren über "Heilige Kühe der Deutschen" schrieb. Eine dieser heiligen Kühe war die Urlaubsbräune. "Heilig ist dem Deutschen seine jährliche Urlaubsbräune, sie zu erlangen, sucht er nach den Sonnenstränden, giert er nach den den ultravioletten Stahlen". Gar nicht untypisch war die Frage, die sein Tankwart ihm nach einer Ägypten-Reise (nicht an die Badestrände des Roten Meeres, sondern zu den Altertümern des Nil-Tals)stellte: "Ägypten? Man sieht aber nix mehr."

Dass das Ansehen der tiefen Urlaubsbräune in den folgenden Jahren schwand, hat - vermute ich - erst in zweiter Linie mit Angst vor Hautkrebs und Hautalterung zu tun. Eher wird das Aufkommen der Sonnenstudios, bezeichnenderweise nicht nur "Münz-Mallorca" sondern auch "Tussitoaster" oder ganz böse "Asitoaster" oder "Nuttengrill" genannt, den zuvor beachtlichen Prestigewert der Urlaubsbräune reduziert haben. Dennoch - und trotz der vor Sonne warnenden HorrorAufklärungs-Kampagnen z. B. der "Deutschen Krebshilfe" - konnte sich das Schönheitsideal "vornehme Blässe" bisher nicht flächendeckend durchsetzen. (Ich habe einige Vermutungen darüber, wieso das so ist, die ich später vielleicht einmal kundtun werde.) Und wenn man heute weniger Kinder in der Sonne spielen sieht als vor 30 Jahren, dann ist das wohl nicht Ergebnis der Kampagne "Holt die Kinder aus der Sonne", sondern ist vermutlich eher Gameboy & Co. geschuldet. Immerhin, kein Solarien-Hersteller käme heute noch auf die Idee, seine Geräte als Gesundheitsvorsorge für kleine Kinder zu empfehlen.

Wie dem auch sei, in der Pillen-Postille Apotheken Rundschau meinte ein Hautarzt: "Ich bin froh, dass ich nur wenige braungebrannte Kinder in meiner Praxis sehe". Ich weiß nicht, wo er seine Praxis hat und ob sich diese Aussage auf das ganze Jahr bezieht, so ganz stimmt sie nicht mit meinen Beobachtungen im Sommer dieses Jahres überein.

Selbst das tief gebräunte "Coppertone Girl" hat heute noch lebende Nachfolger. Zum Beispiel die fünfjährige Tochter einer Freundin, die mit ihren Großeltern nach Mallorca fliegen durfte. Meine Freundin erzählte mir, ihre Tochter sei als Schokoladen-Kind zurückgekommen.

Apropos Schokoladen-Kind - als ich das hörte, mußte ich an ein anderes Mädchen denken, das mich vor einigen Sommern mit ihrer Urlaubsbräune überraschte. Tine (Name von mir geändert), damals 11, hatte fast die gesamten Sommerferien am Mittelmeer verbracht. Als ich ihre Eltern besuchte, immerhin fast einen Monat nach Ferienende, war sie immer noch auffällig gebräunt, während ihre Eltern vom Bräunungsgrad her nicht mehr auffielen. Tine sagte, sie wäre leider schon abgeblaßt, am Ende der Ferien wäre sie echt so braun wie Schokolade gewesen. Als mir ihre Mutter ein Foto präsentierte, das die heimgekehrte Tine neben ihrer daheimgebliebenen Cousine zeigt, gab ich ihr Recht:
vergleich

Auf dem gegen Ende des Urlaubs gemachten Strandfotos sieht sie übrigens noch "schokoladiger" aus, die möchte ich aber hier auch in z. B. durch Verpixelung anonymisierter Form nicht zeigen, zu privat.

Ja, ich mache mir Gedanken darüber, ob es zu verantworten sei, ein Kind derart braun werden zu lassen. Allerdings sind beide Mädchen vom Hauttyp her wenig sonnenempfindlich und bräunen schnell und tief. Zumindest von Tine weiß ich, dass sie niemals im Leben einen Sonnenbrand hatte, und ich bin mir sicher, dass die Eltern sie nicht ungeschützt in der prallen Sonne "braten" ließen. Aber das ist ein Thema, auf das ich hier nicht ausführlich eingehen möchte. Ich halte weder die Großeltern des ersten noch die Eltern des zweiten "Schoko-Mädchens" für verantwortungslos.

Und was ist mit mir? Ich bin als Kind und Jugendlicher einige Male ziemlich braun aus den Ferien zurückgekommen (siehe: Vor vielen Sommern ... ). Sonnenbrände hatte ich erst später, meistens auf den Armen und meistens beim Radfahren erlitten. Darauf, eine vorzeigbare Urlaubsbräune zu erlangen, legte ich als Erwachsener niemals Wert. Weder meine realen noch meine Traumurlaube finden hauptsächlich am Strand statt, obwohl ich gegen eine flotte Bademöglichkeit im Sommerurlaub nichts hätte.

Mehr zu Traumurlauben im letzten Teil dieser kleinen Reihe, Urlaubs-... Träume.

Urlaubs-... Bräune ist der 4. von 5 Beiträgen.
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Urlaubs-... Träume

Fotos: Coppertone-Website, privat (mit freundlicher Erlaubnis von Tine und ihrer Mutter).

Samstag, 14. Oktober 2006

Urlaubs-... Reise

Seute Deern II
In der vorangegangene Folge erwähnte ich den Prestigewert des Urlaubs: Wer lange Urlaub machen kann, demonstriert damit ebenso seinen Status als "Erfolgsmensch", wie derjenige, der sich teure Reisen leisten kann.
Es gibt regelmäßig ein Dilemma, dass ich auch aus meinem Berufsleben kenne: verdient man das nötige Geld für weite Reisen, dann ist es in aller Regel schwierig, mehr als zwei, allerhöchstens drei Wochen "am Stück" Urlaub zu bekommen. Für einige Kollegen, die sich aufgrund ihre Fähigkeiten praktisch unentbehrlich gemacht hatten, und entsprechende Gehälter forderten (und bekamen), war es praktisch unmöglich, länger als eine Woche Urlaub am Stück zu bekommen. Und selbst dann klingelte nicht selten am Urlaubsort das Händy - was zumindest einer meiner Kollegen nicht weiter schlimm fand, das Bewußtsein der eigenen Wichtigkeit tröstete ihn über die entgangenen Urlaubsfreuden hinweg. "Die haben sogar ein Privatflugzeug gechartert, damit ich hier das Problem mit dem Server lösen kann". Na ja, zwei Jahre später hatte er seinen Schlaganfall, mit Mitte 40, und "die Firma" mußte wohl oder übel ohne ihren Super-Experten auskommen.
Für die einfachen, grauen Büromäuse waren vier Wochen Urlaub am Stück realistisch, sie waren eben "ersetzbar". Dafür hatten sie ständig Angst vor der Arbeitslosigkeit, weil sie "ersetzbar" waren. Außerdem waren bei ihrem Gehalt allenfalls Ostsee oder Bayrischer Wald drin - und beneideten ihre besser bezahlten Kollegen dafür, dass diese "mal eben" für eine Woche an den Indischen Ozean jetten konnten.

Meiner Ansicht nach haben die Zwänge unseres Berufslebens und das offensichtlich unvermeidliche Prestigestreben, zusammen mit dem menschlich verständlichen "Fernweh", eine im wahrsten Sinne des Wortes ungesunde Praxis des Urlaubsreisen geschaffen. Wenn ich heute in die Karibik fliegen würde, würde ich etwa drei Wochen brauchen, bis ich mich aklimatisiert hätte. Erst ab dann würde die Erhohlung beginnen! Nach meiner Rückkehr hätte ich zuhause den Stress der klimatischen Rückumstellung, auf keinen Fall bekäme es mir gut, einen Tag nach der Rückkehr gleich arbeiten zu gehen. Theoretisch müßte ein "erholsamer Karibikurlaub" im Herbst mindestens vier, besser fünf Wochen dauern, plus eine Woche Rück-Aklimatisierung nach der Heimkehr. Fünf- bis sechs Wochen Urlaub sind aber völlig unrealistisch!
Bei den beliebten Reisen ans Mittelmeer ist der Effekt natürlich weniger krass, vor allem, wenn man nicht im brüllend heißen Hochsommer fährt, beim Urlaub in Mittel- und Nordeuropa ist, von starken Reizklimaten (Hochgebirge) abgesehen, der Klimastress kein Problem. So gesehen leben die "grauen Büromäuse" mit vier Wochen Urlaub auf Rügen und dann noch mal eine Woche Harz gesünder als die leitenden Angestellten, die für eine Woche auf die Bahamas fliegen, später noch mal eine Woche nach New York, im Winter eine Woche St. Moritz, und im Frühling eine Woche nach Tailand usw..
Decksarbeiten auf der Seute Deern II
Wenn ich mich daran erinnere, welche Urlaubsreisen mir am besten gefallen haben, und bei denen ich mich besonders wohl gefühlt hatte, dann haben sie alle eine gewisse Geruhsamkeit bei gleichzeitiger Abwechslung, einem gewissen "Abenteuer". gemeinsam. Städtereisen usw. sind äußerst spannend, aber eben nicht erholsam. Hingegen sind ein paar Wochen am Schweriner See entspannend, aber eher langweilig. Camping- und Wanderurlaub in Nordeuropa ist also nicht von ungefähr meine bevorzugte Urlaubsreiseform.
Alles getoppt haben aus meiner Sicht aber Reisen auf Segelschiffen.
Die Fotos in diesem Beitrag stammen von solch einer Reise, einem Turn auf der "Seute Deern II", an dem ich vor mehr als 20 Jahren teilnahm. Der "Erholungswert" mag etwas zweifelhaft sein, denn ich war kein Passagier, sondern mußte mit anpacken. Allerdings empfand ich die körperliche Arbeit eher als angenehme Abwechslung.
Mit dem Erlebnis dieser Reise setzte bei mir so etwas wir ein Umdenken ein. Als Jugendlicher war für mich klar, Urlaub - das ist Sonne, Strand und Party, und wenn man ordentlich was erzählen (und sich beneiden lassen) will, muß man an möglichst exotische Orte fahren. Der Gelegenheit, mal auf einem Segler zu fahren, konnte ich aber nicht widerstehen. Was meinen Ego schmeichelte: wenn ich später von der "Seute Deern" erzählte und meine Fotos 'rauskramte, dann hörten meine Freunde, Bekannten, Verwandten nicht nur, wie üblich, höflich interessiert zu. Die gingen richtig mit, die stellten interessierte Fragen - was sonst nur Leuten passierte, die zu Fuß durch den afrikanischen Regenwald gelatscht waren.
Ankerlicht Seute Deern II
Der zweite Effekt: auf diesem Turn, der übrigens "nur" auf der Ostsee stattfand, entdeckte ich mich ein wenig selbst. Ein Effekt, den ich auf späteren Reisen ganz bewußt und erfolgreich suchte: die Reise "in die Welt" mit der "Reise ins Ich" zu verbinden.
Das erfordert Zeit, die man sich nimmt. "Die Entdeckung der Langsamkeit", um es mit dem Titel eines meiner Lieblingsbücher zu sagen, eines biographischen Romans über den Seeoffizier und Forscher Sir John Franklin. Reise zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Boot oder Segelschiff kommen dem sehr entgegen - im weitesten Sinne alle jene Reisen, bei denen das Ziel weniger wichtig ist als die Reise selbst. Mit einem etwas abgenutzten Spruch, "Dao light": Der Weg ist das Ziel.
Übrigens hatte ich nach der Fahrt auf der "Seute Deern", im noch recht kühlen Frühjahr, eine sogenannte Seglerbräune zwischen dem Rand des Rollkragens und dem der Wollmütze, nicht unähnlich der Skifahrerbräune.
Die Urlaubsbräune ist ein Thema für sich - davon das nächste Mal mehr: Urlaubs-... Bräune.

Urlaubs-... Reise ist der 3. von 5 Beiträgen:
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Fotos: MMarheinecke

Freitag, 13. Oktober 2006

Urlaubs-... Anspruch

Urlaub - Sie haben es sich verdient! (alter TUI Werbespruch)
Gose Elbe
Vor einigen Tagen, Anfang Oktober 2006, drang ein internes Papier an die Öffentlichkeit, in dem Politiker von CDU und CSU forderten, die Strafmaßnahmen gegen arbeitsunwillige Langzeitarbeitslose verschärfen.
Außerdem soll auch der Urlaubsanspruch für Hartz-IV-Empfänger gestrichen werden.

netzeitung: Union will Druck auf Arbeitslose erhöhen

netzeitung: Städtebund kritisiert Hartz-IV-Pläne der Union

FR online: SPD gegen Unions-Pläne bei Hartz IV - Pofalla für mehr Sanktionen

Dazu werden nicht wenige meinen: "Warum denn nicht, wer nicht arbeitet, der braucht auch keinen Urlaub."
Es stimmt schon, wer Arbeitslosengeld II bekommt, der bekommt es selbstverständlich deshalb, weil er keine Arbeit hat. Der Urlaubsanspruch besteht darin, dass nach rechtzeitiger vorheriger Anmeldung für bis zu drei Wochen die Plicht des Arbeitslosen ausgesetzt wird, sich täglich dem "Jobcenter" zur Verfügung zu halten. Diese Pflicht bedeutet in der Praxis, dass der Arbeitslose an jedem Tag erreichbar und in der Lage sein muß, am Morgen des folgenden Tages im "Jobcenter" zu erscheinen. Zu deutsch: ein Arbeitsloser darf ohne Erlaubnis nicht verreisen. Streng genommen nicht mal übers Wochenende, weil ja am Samstag ein Brief im Briefkasten stecken könnte, der ihn auffordert, sich montags um 8:30 im Jobcenter zu melden.
Wie verheerend es sich auf das soziale Umfeld eines Arbeitslosen auswirken würde, wenn der Urlaubsanspruch - der Anspruch darauf, die Erlaubnis zu erhalten, von zuhause wegzufahren - gestrichen wird, mag sich jeder selber ausmalen.
Hinter den verschärften Sanktionen steckt vermutlich das weit verbreitete Mißtrauen gegenüber Langzeitsarbeitslosen, der Generalverdacht, sie seinen Faulenzer und Schmarotzer oder schlicht renitent. Ein Mißtrauen, das nicht ganz unbegründet sein dürfte, denn ein Hartz IV Empfänger hat wenig zu verlieren und nicht selten jede Hoffnung aufgegeben, noch einmal "gewinnen" zu können. Da sammelt sich sozialer Sprengstoff an. Strenge Kontrolle scheint ein verlockend einfacher Weg zu sein, Langzeitarbeitslose davon abzuhalten "auf dumme Gedanken zu kommen".

Hinter der Idee, den Urlaubsanspruch für ALG II Empfänger zu beseitigen (der niemanden etwas kostet) steckt meines Ansicht nach etwas Anderes: Neid. Beziehungsweise der populistische Apell an den Neid der arbeitenden Bevölkerung. Theoretisch kann ein ALG II Empfänger im Sommer den ganzen Tag am Badesee verbringen - und einige machen das auch. (Die meisten anderen Freizeitaktivitäten wären sowieso zu teuer.) Ebenso auffällig sind Arbeitslose, die viel Zeit in Kneipen (wo sie sich möglichst lange an einem Bier festhalten) oder Cafés verbringen. Der Neid eines gestreßten Angestellten oder vom Malochen erschöpften Arbeiters auf die "den ganzen Tag faul rumlungernden und dafür auch noch Geld kassierenden" Arbeitslosen ist leicht zu mobilisieren - um so leichter, je schlechter die Bezahlung und härter die Arbeitsbedingungen sind.
Das funktioniert auch deshalb so gut, weil viele Arbeitsnehmer zwar durchaus damit rechnen, auch mal arbeitslos zu werden, die Möglichkeit, dass dieser unerfreuliche Zustand länger als ein Jahr andauern könnte aber gern verdrängen. Oft aus uneingestandener Angst, vermute ich.
Boberger Dühne
Aber letzten Endes ist die Vorstellung entscheidend, dass Urlaub allein und ausschließlich eine Belohnung für erbrachte Leistung ist. Schon die Erkenntniss, dass Urlaub der Erholung dienen könnte, tritt dagegen in den Hintergrund. Und über die Idee, Urlaub sei auch für einen Arbeitslosen nützlich, da er zum Erhalt seiner Arbeitsfähigkeit beiträgt, werden sehr viele keinesweg dumme oder hartherzige Menschen nur den Kopf schütteln.

Letztes Jahr machte der Zentralverband des deutschen Handwerks mit einem Vorschlag auf sich aufmerksam, aus dem eine ähnliche Mentalität spricht:
Handwerk will bei Krankheit Urlaub streichen
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks schlug damals vor, künftig Krankheitstage mit dem Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern zu verrechnen. Verbandspräsident Otto Kentzler bezeichnete solche Maßnahme als "absolutes Muss". Eine andere Möglichkeit sei die Anrechnung auf ein Arbeitszeitkonto. Urlaub müsse erwirtschaftet werden, begründete der Handwerks-Präsident seinen Vorstoß.
Also: der Gedanke des Erholungsurlaubs war für Kentzler offensichtlich passé.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel wies diesen Vorschlag in der B. Z. zurück, und zwar interessanterweise mit der selben Begründung, die auch von Seiten des DGB kam:
"Ich halte diesen Vorschlag für Unsinn. Krankheit ist Krankheit, und Urlaub bleibt Urlaub". Wenn die Arbeitgeber weniger Urlaub vereinbaren wollten, dann sollten "sie das offen sagen und nicht in die Trickkiste greifen".

Die Vorstellung, dass Urlaub eine Belohnung für erfolgreiche Arbeit sei, fördert natürlich den Prestigewert des Urlaubs: Wer lange Urlaub machen kann, demonstriert damit ebenso seinen Status als "Erfolgsmensch", wie derjenige, der sich teure Reisen leisten kann.

Mehr dazu das nächste Mal: Urlaubs-... Reise.

Urlaubs-... Anspruch ist der 2. von 5 Beiträgen.
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Fotos: Wikipedia, MMarheinecke

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Urlaubs-... Reife

urlaubsreif Es mag ungewöhnlich sein, Mitte Oktober das Thema "Urlaub" aufzugreifen. Denn der Herbst ist nun mal keine klassische Ferienzeit. Selbst jene, die für ihren sommerliche Urlaubsreise die Nachsaison nutzen, sind inzwischen daheim. Für den Weihnachts- und Winterurlaub ist es hingegen noch zu früh.
Eigenartig ... dass ich beim Wort "Urlaub", wie wohl die Meisten hierzulande, gleich das Wort "Urlaubsreise" mitdenke. Ungeachtet der Tatsache, dass "Urlaub" eigentlich nur bezahlte arbeitsfreie Zeit ist und der, dass für viele Menschen selbst kurze Urlaubsreisen finanziell und zeitlich nicht "drin" sind - da macht man eben "Urlaub auf Balkonien". Eine der ältesten und am weitesten verbreitete Formen der virtuellen Reise.

Der Oktober - das ist die Zeit im Jahr, in der ich mich schon immer am "urlaubsreifsten" fühlte. Das hat wenig mit den gern und fälschlich so genannten "Herbstdepressionen" zu tun. (Wobei: jene leichten Verstimmungen, jenes niedergeschlagene Gefühl, nennt nur derjenige "Depression", der eine echte Depression, selbst in leichter Form, nicht kennt! Eine lähmende, quälende psychische Krankheit, die ich leider allzu gut kenne.)
Denn ich mag den Herbst!
Herbst
Vielleicht, weil ich unverbesserlicher Romantiker bin. Kaum ein Monat birgt so viele verschiedene Stimmungen wie der goldene Oktober.
Urlaubsreif fühlt man sich, wenn man sich ausgebrannt, erschöpft, fühlt, wenn die Arbeit nicht mehr von der Hand geht, und man morgens nur widerwillig das Bett verläßt. Aus irgend einem Grunde hatte ich schon in der Schule stets zwischen Herbstferien und Adventszeit eine rätselhafte "Arbeitsunlustphase". Das ist auch später so geblieben. Vielleicht, weil diese Zeit immer die Zeit der Reflexion, des "in Sich gehens", der langen Spaziergänge und der langen Abende ist. Die Zeit, in der die Uhren des Lebens - zumindest für mich - langsamer gehen.
Dann gibt es noch einen ganz profanen Grund: die Berichte der Urlaubsreisenden aus dem Freundes, Kollegen, Bekanntenkreis sind noch relativ frisch im Ohr. Das heizt mein Fernweh an, wobei "fern" nicht in jedem Fall wörtlich zu verstehen ist. Besonders dann, wenn ich - wieder mal - nicht "im Urlaub", gemeint ist: auf Urlaubsreise - war. Eine Mischung aus mildem Neid und heftiger Sehnsucht - und ein wenig Nolstalgie. Nach der Zeit, in Kindertagen, als jeder Reise noch ein Abenteuer war.
Vielleicht ist eine dieser Reisen aus Kindertagen eine Quelle meiner Liebe zum Herbst und der Grund, wieso ich bei "Oktober" an "Verreisen" denke. Ich war einmal mit meinen Großeltern im Herbst für 14 Tage im Harz, Wanderurlaub. Klingt vielleicht nicht sonderlich spannend, für einen Jungen im Vorschulalter ist es aber spannend. Röhrende Hirsche mit dem Fernglas beobachten, Holzfällern bei der Arbeit zusehen, auf Berge klettern, andere Kinder aus ganz anderen Gegenden Deutschlands kennenlernen - und für meine Ausdauer beim Wandern gelobt werden. (Wenn ich mir heute die Strecken ansehe, die ich als kleiner Junge auf noch kurzen Beinen bewältigt habe, dann kann es selbst kaum fassen.)

Sich reif für den Urlaub fühlen - das ist das Bedürfnis nach "Tapetenwechsel", nach einer kleinen Flucht. Unabhängig davon, ob man wirklich "erschöpft von der Arbeit" ist, ob man mit dem alten Werbespruch sagen kann: "Das hab ich mir verdient", ob man überhaupt Urlaub haben darf, ob man Anspruch auf Urlaub hat. Das wird das nächste Urlaubs... -Thema sein.

Urlaubs-... Reife ist der 1. von 5 Beiträgen.
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Fotos: MMarheinecke

Mittwoch, 11. Oktober 2006

Neonazis marschieren in Hamburg - Aufruf zur Gegendemo

Am 14.Oktober wollen Neonazis aus der NPD und den militanten sog.”Freien Kameradschaften” durch die Hamburger Innenstadt marschieren. Unter dem Slogan “Nationale Arbeitsplätze statt internationaler Profite” wollen sie ihre faschistischen Anischten in die Gesellschaft tragen. Dabei ist ihre Motivation nicht der vorgeschobene Antikapitalismus, sondern eine gefährliche Mischung aus Antisemitissmus, Rassismus und purer Menschenverachtung!
Quelle: Antifainfo Hamburg

Bemerkenswert, wie dreist sich die Kackbraunen inzwischen pseudolinker Parolen bedienen. Dabei halte ich den Antikapitalismus der Neonazis gar nicht mal für "vorgeschoben" - es gibt für die Rechtsextremisten ganz in der Tradition der NSDAP "gute" (deutsche) und "böse" (ausländische, jüdische, vermeidlich jüdisch denkende) Kapitalisten und "gutes" ("schaffendes") und "böses" ("raffendes") Kapital. Ich gehe auch davon aus, dass die weit verbreiteten anti-amerikanischen Vorurteile der offen an sie appelierenden NPD Sympathien verschafft. Der "selektive" rechte Antikapitalismus ist fester Bestandteil der gefährliche Mischung aus Antisemitismus, Rassismus und purer Menschenverachtung.

via: npd-blog

Nachtrag: Ebenfalls am 14. Oktober wollen Rechtsextremisten auch in Bayern, vor allem in Nürnberg, aufmarschieren, um für eine "Revison" der Nürnberger Prozesse zu demonstrieren.

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