Montag, 21. Dezember 2009

Zum Winteranfang

Seit ihr auch (wie ich) am Freitag über drei Stunden wegen Zugverspätung auf einem *wirklich* kalten (ich rede von minus 15 Grad) Bahnsteig herumgestanden? Habt ihr auch Sonntag Abend wegen wetterbedingtem weitgehendem Zusammenbruchs des Bahnverkehrs eine Not-Übernachtung einlegen müssen? (Danke, Tina & Joe!) Oder hattet ihr, als Autofahrer, einen spannenden Auffahrunfall oder einige Stunden Stillstand auf der Autobahn? Oder vielleicht eine lauschige Nacht in einer Flughafen-Wartehalle? Oder einen netten Heizungsausfall?

Hier ist das Lied für uns! (Vorsicht, Tobsuchtsanfallgefahr!)


Dean kann gut reden singen sprechgesingen, der sitzt drin im Warmen am Kamin und muss nicht #@!?-Bahn fahren, autofahren oder fliegen!

(Für die Freunde der GANZ GROSSEN und ganz doll geheimen Weltverschwörungen: Hinter dem Wintereinbruch dieses Wochenende stecken natürlich die Chinesen!!! Damit es in der Endphase der Klimakonferenz in Kopenhagen für sie nicht zu hart wurde, und damit die CO2-Ziele für aufstrebende Luftverschmutzernationen wie z. B. China nicht zu streng ausfallen, haben sie ein paar Spezialisten des Amtes für Wetterbeeinflussung eingeflogen! Diese Spezialisten bekommen zwar das Regenmachen irgendwie nicht richtig hin, aber beim Erzeugen von Winterchaos erzielten sie bereits beeindruckende Resultate: Künstlicher Schneesturm lässt Pekinger frieren.
Da es zu sehr auffallen würde, wenn sich nur in Kopenhagen der Winter sich von seiner unangenehmen Seite zeigt, haben diese gerissenen Chinamen einfach halb Europa eingeeist!)

Da ja heute Jul ist: Ein gutes Jahr und Frieden!

Denn der Anfang des Winters ist auch der Anfang vom Ende der dunklen Zeit:

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Auf vielfachen Wunsch - ein Auszug aus "Brüder der Küste"

Hier ein Auszug - die ersten Seiten des ersten Kapitels - aus meinem ersten NaNoWriMo-Roman. Ist auch ein netter Kontrast zum feuchtkalten norddeutschen Dezember ...

(...)
1. Flibustiere an der Windward-Passage
„Ja, ich habe den Brüdern der Küste Lebewohl gesagt, damals auf Tortuga.“
In einer schattigen Gemeinschaftshütte eines namenlosen Fischerdorfes an der Port Royal Habour genannte Bucht saßen um einen Mann, der einfach nur Jan genannt werden wollte, ein Dutzend dunkelbrauner Menschen unterschiedlichsten Alters. Sie hörten ihm gespannt zu. Seine einfache Kleidung unterschied sich nicht von der der Dorfbewohner, aber trotz seiner von Wetter und tropischer Sonne tief braun gegerbten Haut sah man ihm den Nordeuropäer deutlich an.
Es war zu heiß für alle Arbeiten, die schwerer als Netzeflicken waren, und die Bewohner des Fischerdorfes wussten, dass Jan ein guter Erzähler war. Heute berichtete er aus seiner Zeit bei den Flibustiers oder Bukaniers von Tortuga.

„Ich war, wie ihr ja wisst, damals Wundarzt auf einem Flibustier-Schiff. Ihr wisst auch, dass ich es nicht ungern war. Bis ich dann auf einen Schlag fast alle meine Kameraden verlor.“
Er setzte sich bequem zurecht. Eine bleiche Sonne schien von einem Himmel wie aus geschmolzenem Blei, die Luft war schwül und heiß. Die Seitenwände waren zum Teil niedergelegt, so dass ein wenig kühlender Wind die große Hütte durchstreichen konnte.
„Seid ihr damals von einem Kriegsschiff erwischt worden?“ wollte ein schlanker, junger Mann wissen und sah von dem Netz, das er gerade Masche für Masche auf Schäden kontrollierte, auf.
„Nein, Pedro. Es war eine ganz dumme Sache.“ Jan trank einen Schluck kühlen Wassers aus einen Tonkrug.
„Es ist jetzt ziemlich genau sechs Jahre her,“ berichtete er, „aber es steht mir vor Augen, als ob es erst gestern passiert wäre. Damals gehörte ich zu Michelons Mannschaft. Er war ein feiner Kerl, auf seine Art, auch wenn er ziemlich grob werden konnte, wenn er voll war. Es gibt natürlich Menschen, die das anders sahen, was ich ihnen nicht verdenken kann. Immerhin, er war kein brutaler Mörder, wie L‘Olonais. Wir waren kleine Fische unter den Flibustiers, gerade mal 16 Mann, und fuhren auf einer kleinen, alten, wurmstichigen spanischen Tartane namens ‚Bonito‘. Außerdem hatten wir eine verdammt schnelle Walfangschaluppe.
An diesem Tag lagen in einer winzige Bucht im Westen von Hispaniola auf der Lauer. Es war Vormittag und nur ich und der junge Lars waren auf den Beinen. Am Vorabend war es wieder mal so spät geworden, dass es wieder früh war. Ich und der Junge hatten uns beim Trinken zurückgehalten und übernahmen die Morgenwachen. Der Junge ganz oben im Großtop – er war absolut schwindelfrei und kletterte leidenschaftlich gern in der Takelage herum - ich auf Deck, wobei ich auch die Ankerwache übernahm.
Ich spähte also ziemlich übernächtigt auf die tiefblaue See der Windward-Passage. Fast wäre ich eingenickt, hätte Lars nicht gerufen: ‚Beute, Beute!‘
Ich schnappte mir ein Fernrohr und blickte in die Richtung, in die der Junge wies. Ich sah nichts – war auch kein Wunder, die 40 Fuß Höhe über Deck machen schon was aus, und Lars hatte phantastisch gute Augen. Es dauerte also eine Weile, bis auch ich den winzigen weißen Fleck, nicht größer als ein Staubkorn, an der glitzernden Kimm entdeckte. Ein Segel!
Unter Deck war noch alles ruhig, bis auf das Schnarchen der Männer. Die meisten der Männer schliefen wohl noch.
‚Mal wieder typisch‘, dachte ich mir, ‚abends saufen bis zum Umfallen, und sich morgens die fetten Brocken entgehen lassen.‘ Ein Schiff auf diesem Kurs, in dieser Ecke der Windward-Passage konnte eigentlich nur ein Spanier sein.
‚Kannst du erkennen, ob es ein gut bewaffnetes Schiff ist?‘ - Einzelfahrer haben meistens ungesund viele Geschütze an Bord.
‚Nein‘ rief er von oben. ‚Kein Kriegsschiff, kein großer Kauffahrer. Aber leider auch keine keine ganz so fette Beute. Sieht mir nach einem kleinen Schnellsegler aus. Sehr moderne Takelage – Brigantinentakelung niederländischer Art. Könnte ein Flame sein.‘
Nicht unwahrscheinlich, denn die besten Schiffe der spanischen Flotte kommen aus den spanischen Niederlanden, also Flandern. Ich hielt es für einen kleinen spanischen Kauffahrteifahrer auf Westkurs, Richtung Kuba oder vielleicht auch Neu-Spanien. Es könnte natürlich auch ein kleines Kriegsschiff auf Patrouille sein, aber das war unwahrscheinlich, denn deren Besatzungen machten sich ihren Dienst gern leicht und mieden möglichst unsere Schlupfwinkel.
Unter Deck rührte sich immer noch nichts. Noch einmal rief Lars mit äußerster Lungenkraft: ‚Beute, Beute!‘. Ich turnte runter, um die Kerle auszupurren.”
Jan nahm noch einen tiefen Schluck und fuhr in seinem Bericht fort: „Endlich hatte ich Michelon und die anderen halbwegs wach. Ich erzählte kurz, was ich und Lars gesehen hatten und riet: ‚Ich denke, ein Angriff könnte sich lohnen.‘
‚Bei solchen Entscheidungen verlasse ich mich nicht auf den Knochenflicker. Was du denkst, ist mir ziemlich egal!‘ murmelte Michelon. Er war noch nicht so richtig munter.
Unserem Quartiermeister, Dänen-Anders, hatte die Aussicht auf Beute aber schon die Augen weit geöffnet. ‚Du, Mik, der Friesendoc hat recht!‘
Auf Anders hörte Michelon, nun wachte er richtig auf und änderte sofort seine Meinung: ‚Gut. Weckt die Leute auf! Macht die Schaluppe klar zum Angriff!‘
Nun ging auf einmal alles ganz schnell - selbst bei der Royal Navy hätte es nicht flotter gehen können. Jeder wusste, was zu tun war, jeder von uns kannte seinen Platz. Als Chirurgus blieb ich auf unseren alten ‚Bonito‘ zurück und bereitete schon mal den Operationstisch vor. René, ein Hüne aus der Bretagne, übernahm die Deckswache. Leider hatte er einen Verstand, der so kurz war, wie seine Beine lang waren. Deshalb ließ Michelon ihn bei komplizierten Einsätzen gerne an Bord zurück. René störte das nicht. Ihn störte eigentlich nie etwas.
Ich betete wie jedes Mal, dass es ohne schwer Verletzte oder sogar Tote abgehen würde. Diese Gebete wurden meistens nicht erhört.
Die alte ‚Bonito‘ blieb vor Anker in der Bucht zurück. Die Schaluppe, ein schnittiges offenes Boot, mit 14 Mann, allen außer mir und René, verließ die kleine Bucht und ging hinter einer felsigen Landzunge in Deckung.
‚Flauer Wind ist gut für uns! Der Segler kommt kaum vom Fleck‘, versuchte ich René die Situation zu erklären. Wegen der vielen kleinen Inseln mit ihren Korallenriffen weiter draußen und der englischen Kriegsschiffen noch weiter draußen segelten die spanischen Schiffe hier meistens dicht unter der Küste. Da war kaum Raum zum Kreuzen; bei ungünstigem Wind mussten die Segler oft lange Zeit warten und waren den Angriffen von uns Bukaniers hilflos ausgeliefert. Michelon konnte zwar kaum lesen und schreiben und verstand nichts von astronomischer Navigation – die machte meistens ich – aber er hatte ein Naturtalent darin, die örtlichen Besonderheiten taktisch geschickt auszunutzen.“
Der Wind war eingeschlafen. Die Schwüle wurde immer drückender Der Schweiß lief in Strömen und seine Zuhörer wurden immer träger und schläfriger. Befriedigt stellte Jan fest, dass trotzdem keiner der um ihn Herumsitzenden eingenickt war.
„Ja, Michelon hatten wir nicht von ungefähr zum Kapitän gewählt. Unser kriegerisches Handwerk - denn wir waren Kämpfer gegen die spanische Tyrannei, für unsere Freiheit, auch wenn wir natürlich gegen fetten Prisen nichts hatten - lohnte sich hier an der Küste der großen Insel Hispaniola. Mit Tortuga hatten wir einen sicheren Hafen in bequemer Reichweite. Natürlich mussten wir immer damit rechnen, dass uns ein Patrouillenschiff der spanischen Flotte zu einem langen Hals verhelfen könnte, denn unsere Kaperbriefe war in solchen Situationen nicht das Papier wert, auf dem sie ausgestellt waren. Aber die meisten der schlecht bezahlten spanischen Leutnants, die die kleinen Schiffe kommandierten, waren gegen eine kleine Aufmerksamkeit nicht abgeneigt und hatten lieber einige schöne, goldene Dublonen in der Hand als einige Piraten im fernen Cádiz am Galgen. Mehr Sorgen machten wir uns um gut bewaffnete Konvoischiffe. Die dicken Geleitschiffe konnten uns mit ein paar gut gezielten Kanonenschüssen in den Grund bohren – was ihre Kapitäne auch viel lieber machten, als Freibeuter mühsam gefangen nehmen zu lassen.
Die am Ende der Regenzeit und vor der Hurrikan-Saison unzuverlässigen Winde sind günstig für Kaperer. Deshalb hatten wir auch die für einen Walfänger in Dänemark gebaute Schaluppe vom alten Ed Mansfeld abgekauft. Das offene Langboot segelte mit seinem Lugger-Rigg nur mittelmäßig, aber unter Riemen war es blitzschnell.
Es wurde immer stiller. Jetzt regte sich kaum noch ein Lüftchen mehr. Ich beobachtete mit dem Fernrohr, wie die Schaluppe in ihrer Deckung lag. Da die ‚Bonito‘ ohne Segel da lag und es kaum ein weniger kriegerisch aussehendes Schiff gab, machte es nicht viel, dass sie gesehen werden konnte. Außerdem führten wir die spanische Flagge.
(...)

Donnerstag, 10. Dezember 2009

War is over (if you want it)

Was eindeutig stimmt! Schöne Aktion von Yoko Ono : WAR IS OVER!
(Nach einem Tipp von Volkmar nicht im Original von John Lennon, sondern in einer IMO durchaus hörenswerten Version von Tarja Turunen:)

Dienstag, 8. Dezember 2009

Klimaklller Biodiesel

Langsam dürfte sich herumgesprochen haben, dass Palmöl schlecht für den Regenwald ist. Seitdem Palmöl nicht nur für Lebensmittel und Kosmetika, sondern auch als "Biodiesel" nachgefragt wird, wird nirgendwo auf der Welt so schnell zugunsten neuer Ölpalmenplantagen gerodet wie in den Wäldern der Rhinozerosse auf Borneo und Sumatra. Auch für Orang-Utans und Sumatra-Tiger schrumpft der Lebensraum.
Spart der Ölpalmenanbau für Treibstoffgewinnung dann wenigstens CO2 ein? Schließlich ist die Palme mit bis zu vier Tonnen Ertrag pro Hektar ihren Konkurrenten Soja, Raps oder Sonnenblume haushoch überlegen. Malaysia und Indonesien planen deshalb eine jährliche Ausdehnung der Plantagen von bis zu zwölf Prozent.
Wie absurd die vermeintliche Klimarettung durch Biotreibstoffe ist, zeigt die Klimabilanz des Ölpalmenanbaus. Um weitere Plantagenflächen zu gewinnen, werden die letzten Torfmoorwälder gerodet. Dabei entweichen gigantische Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Circa vier Prozent der globalen Treibhausgase stammen aus der Vernichtung indonesischer Torfwälder. Indonesien ist dadurch hinter den USA und China der drittgrößte Treibhausgas-Verursacher der Welt. Absurderweise wird der Strom für die Fabriken, die aus den Ölfrüchten Biodiesel herstellen, mit Diesel aus Erdöl erzeugt.
Auf die Palme (welt.de).

Der Artikel gibt auch eine ziemlich desillusionierende Erklärung, wieso das Palmöl-Problem so wenig mediale Beachtung findet:
Ihr lieblich-exotischer Anblick macht Ölpalmen so ungeeignet für ökologische Warnplakate. Sie sehen einfach zu grün aus. Und deshalb hat das Ölpalmenproblem zwar unter Ökologen und Naturschutzexperten höchste Priorität. Das breite Publikum ließ sich bisher nicht bewegen. Weder der World Wide Fund For Nature (WWF) noch Greenpeace brachte bisher eine wirklich populäre Kampagne zustande
Das Hauptproblem ist, dass der Palmöl-Anbau für die Länder Südostasiens eine so große ökonomische Bedeutung hat, dass sie schwerlich darauf verzichten können.
Außerdem würde ein Palmöl-Bann - bei unverändert großer oder noch wachsender Nachfrage nach Pflanzenölen - eine Verlagerung zu anderen Pflanzenölen bewirken, die noch mehr Land fressen. Zur Erzeugung einer Tonne Palmöl reicht ein Viertel Hektar. Ein Sojabohnen-Farmer benötigt 2,2 Hektar Land dafür, und auch Sonnenblumen und Raps haben eine schlechtere Flächenbilanz. Immerhin braucht man für diese Pflanzen keinen artenreichen Regenwald abzuholzen, aber eine ökologisch sinnvolle Form der Treibstoffgewinnung ist das nicht.

Ich bin der Ansicht, dass Speiseöl zum Essen da sein sollte - und nicht zum Verfeuern oder Verfahren. Biokraftstoffe aus "primären Rohstoffpflanzen" sind, anders als Kraftstoffe, die aus vorhandene Pflanzenabfällen gewonnen werden, unter Umweltschutzgesichtspunkten Unfug.

Was also tun? Die größte Stellschraube, um weg von den "Fossilien" zu kommen, ist der Einsatz der erneuerbarer Energieträger - Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme - und ganz am Rande wohl auch Kraftstoffen aus Pflanzenabfällen.

Ergänzung: Sozial-ökologische Bewertung der stationären energetischen Nutzung von importierten Biokraftstoffen am Beispiel von Palmöl (Studie des IFEU für das deutsche Bundesministerium für Umwelt, 2008)

Nachtrag, 17. 12.: Auch der "Preis" der "wütenden Meerjungfrau" für irreführendes Lobbying in Sachen Klimaschutz, organisiert von Attac Danmark, Corporate Europe Observatory, Focus on the Global South, Friends of the Earth International, Oil Change International und Spinwatch, wurde im Bereich "Agrartreibstoff" vergeben: Monsanto gewinnt den Preis der wütenden Meerjungfrau (Lobby Control).
In Lateinamerika trägt die Verbreitung von genmanipuliertem Soja der Monsanto-Marke „RoundupReady“ zur Vernichtung des Regenwalds bei und damit zur Steigerung von Treibhausgas-Emissionen. Dennoch arbeitet ein „Runder Tisch für verantwortungsbewusstes Soja“ (Round Table on Responsible Soy, RTRS) unter Beteiligung von Monsanto daran, gentechnisch verändertes Soja als „verantwortungsbewusst“ zu kennzeichnen. Dies würde bedeuten, dass von RTRS zertifiziertes GM-Soja in naher Zukunft als „umweltfreundliche“ Quelle von Agrosprit betrachtet werden darf; oder dass es geeignet ist für CO2-Zertifikate im Rahmen der CDM-Projekte.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Piraten-Fundsache

Das könnte fast ein Werbespot für meinen Roman sein. Ist es leider nicht:

(Kugscheißerei: der Union Jack sah 1665 noch anders aus - noch kein St.Patricks-Kreuz (rot, diagonal) unter dem St.Andrews-Kreuz (weiß auf blau, diagonal). Außerdem sind die gezeigte Schiffe um ca. 100 Jahre zu modern.)

Und der hier auch nicht:

(Klugscheißerei: die gezeigte Galeone ist für 1665 reichlich veraltet - Bauweise der elisabethanischen Zeit - und der Dreispitz war noch nicht Hutmode.)

Samstag, 5. Dezember 2009

NaNoWriMo - Nachlese

Zum (vorerst) letzten Mal über den November-Wahn.

Port Royal, Jamaika, im Jahr 1672. Vor einigen Jahre bot Port Royal Freibeutern, die die Schifffahrtslinien nach und von Spanien und Panama abgrasten, noch einen sicheren Hafen. Aber die Zeiten änderten sich, als 1670 der Vertrag von Madrid geschlossen wurde: Spanien erkannte den englischen Kolonialbesitz in der Karibik an, und die Kaperfahrt gegen Spanier verlor ihren Zweck. Eine schwere Zeit für die Bukaniere der Karibischen See, und wegen des dritten Englisch-Holländischen Kriegs noch schwerer für die gemischt englisch-niederländische Mannschaft des Kaperschiffes "Aphrodite".
Die Bukaniere der "Aphrodite" erhalten schließlich einen Kaperbrief, gewährt vom französischen Gouverneur Tortugas, D'Oregon. Aber die Sache hat einen Haken: D'Oregon will die niederländische Kolonie Curacao überfallen ...

NaNoWriMo Winner

Inzwischen habe ich mir mein Romanfragment noch mal vorgenommen. Tatsächlich scheint es mir keine schlechte Idee zu sein, aus dem locker-flockigen Piratenschmöcker doch so etwas wie einen historischen Roman zu machen - so authentisch wie möglich, auch in den weniger bekannten Sachverhalten.
Abenteuerkommödien sind ein gefährliches Gebiet, vor allem, wenn bei einem Gefecht das Blut nur so zu den Speigatten 'rausläuft. Bei einem marinehistorischen Roman kann der Schreiber immer anführen, dass das eben damals so war - jedenfalls innerhalb eines gewissen Rahmens.
Ich verwende das "Hochgeschwindigkeitsgeschreibsel" also als "Rohstoff" für einen marinehistorischen Roman. Die leichte Distanz ermöglicht es mir hoffentlich, die Themen Sex und Gewalt so aufzubreiten, dass es weder frauenfeindlich noch gewaltverherrlichend wird. Bei einer Abenteuerkomödie stoßen solche Themen dann doch manchmal sehr sauer auf. Wenn da Blut fließt, muss es erkennbar Theaterblut sein.
"Historischer Roman" bedeutet ja nicht "langweilig", "bildungshuberisch", "abgehoben" "daten- und faktenüberfrachtet" oder "humorlos".
"Zufällig" ist die historisch-realistische Linie ja auch die von Sabatini, von Foster, Kent und, bei den Klassikern, Defoe, Melville, London oder, meistens, Conrad. Oder auch Leip. Wahrscheinlich auch die von Crichton. Also denen, die die wirklich lesenswerten Seeabenteuerromane schrieben. Anders wäre es bei einer Parodie oder einer Satire, aber ich wollte ja keine Schreiben.
Der Roman ist, vom geplanten Umfang und der Handlung her, nur etwa zur Hälfte fertig geworden. Was das Umschreiben übrigens sehr erleichtert - gute Szenen, die leider aus Gründen der Handlungslogik ´rausfliegen müssen, können unter Umständen weiter hinter in die noch nicht fertige Handlung eingebaut werden.

Gesagt, getan - die ersten vier Kapitel (nach ursprünglichem Entwurf) sind überarbeitet / umgeschrieben! Nur dass es jetzt, in der neuen Gliederung, acht Kapitel geworden sind. Die Kapitel wurden im NaNo-Schreibprozess alle etwa doppelt so lang wie ursprünglich geplant, weshalb es nur logisch ist, sie wieder in handliche Happen zu teilen. Also dürften aus dem NaNo-Skript 14 Kapitel (und ein Prolog) werden, der fertige Roman mit Prolog 28 Kapitel haben. Noch ein ordentlich langer Törn.

Das Überarbeiten geht flott von der Hand und ist weniger öde, als ich dachte. Selbst wenn ich manchmal ganze Absätze mit einem Strich beseitigen muss. Ja, wo gehobelt wird ....

Nebenbei: Beim sorgsamen Lesen wurde mir klar, dass ich, ohne es zu wollen, doch Motive und Handlungselemente längst fertiger Texte "recycelte" - nicht etwa durch direktes Abschreiben oder gar "copy-paste", sondern aus dem Gedächtnis. Der Zeitdruck und die nano-typische Enthemmung führt dazu, dass ich viele Situationen so ähnlich schilderte, wie ich sie schon mal geschildert hatte. Im Gehirn abgelegte Textbausteine, wenn man so will, oder selbst gemachte Handlungsklischees. Etwas heikler sind "innere Textbausteine", die aus dem Textgedächtnis, Abteilung: "tolle Romane so intensiv gelesen, dass ich sie inhaltlich auswendig kann" stammen. Einiges bei mir erinnert stark an Szenen aus Romanen und Geschichten von Foster, London, Melville, Defoe, Kent usw. usw. . Was, solange die sinngemäßen Zitate unter der Plagiatsschwelle bleiben, nicht weiter schlimm ist.

Übrigens ist "Löschen" keine Option mehr. Es wollen einfach zu viele mein Machwerk lesen. Aber ich bitte ich um etwas Geduld, wenigsten so lange, bis ich den schon fertigen Text halbwegs auf Vordermann gebracht habe.

Normalerweise befördert das mit Schreiben verbundene Grübeln und Sinnieren bei mir depressive Tendenzen - weshalb denn auch das Thema "Studenten-WG aus der 80er Jahren" wahrscheinlich Gift für meine Stimmung gewesen wäre - selbst oder gerade dann, wenn ich einen "heiteren" Roman über das Thema geschrieben hätte. Gute Komik ist Schwerarbeit. (Deshalb sind die meisten "Commedians" im Fernsehen ja auch so schlecht.)
Der November verging "wie im Flug", und fast ohne "Novemberblues". Dank NaNoWriMo!

Sonntag, 29. November 2009

"Religiöse Rechte" im toten Winkel

Im politischen Leben der USA gibt es schon lange den Begriff der "Religious Right" oder genauer Christian Right. Er beschreibt als Sammelbegriff Menschen, die aus religiöser Überzeugung (oder auch mit nachgeschobener religiösen Begründung) politisch sehr konservative bis reaktionäre Positionen vertreten.
Der Einfluss der konservativen evangelikalen Christen auf die politische Landschaft der USA verursacht bei allen ein flaues Gefühl, die selbst keine konservative evangelikale Christen sind.

Wir im gesellschaftlich weitgehend säkularen Deutschland neigen gerne dazu, die "Religiöse Rechten" für ein Phänomen des "Bibelgürtels" der USA zu halten. Weit gefehlt!

Tatsächlich haben die "großen Kirchen" in Deutschland eine politische und gesellschaftliche Machtstellung inne, die demokratisch nicht legitimiert ist. Ein Beispiel: In Deutschland müssen die Kirchen keine Spenden oder Mitgliedsbeiträge für sich sammeln, weil der Staat sie als Steuern für sie eintreibt. Deshalb sind sie auch nicht darauf angewiesen, so lautstark für sich Reklame zu machen, wie die Kirchen in der USA - dem ersten Land der Erde, in dem die Trennung von Staat und Kirche in die Verfassung aufgenommen wurde. Tatsächlich ist die Kirchensteuer nur die Spitze des Eisbergs im "Kirchenstaat Deutschland" Wer finanziert die Jesus GmbH? (jungle world)
Es gibt keinen vernünftigen Grund für die weitreichenden Privilegien der Kirchen.

Eine Hochburg der deutschen "Religiösen Rechte" ist interessanterweise Hessen. Nicht, weil es in Hessen besonders viele besonders fromme konservative Christen gäbe. Auch nicht, weil die hessische CDU, ähnlich der bayrischen Schwesterpartei CSU das "C" im Parteinamen besonders herausstellen würde.
Nein, der Einfluss konservativer Christen funktioniert nach dem auch von anderen Gruppierungen bekannten Prinzip des Klüngeln, Filzens und Einblasens. Er funktioniert vor allem aufgrund schon lange "eingeschliffener" Strukturen. Er funktioniert übrigens über Konfessiongrenzen hinweg - was konservative Christen eint, ist ihre Abneigung gegen alle, die der Idee einer "chrlstlichen Leitkultur" oder einer "christlichen Wertegemeinschaft" nichts abgewinnen können.
Es war wohl alles andere als ein Zufall, dass gerade in Hessen 2007 die damalige Kultusministerin Karin Wolff auf die eines amerikanischen "Christian Right" aus dem tiefen Süden "würdige" absurde Idee kam, man möge im Biologie-Unterricht auch die biblische "Schöpfungslehre" behandeln. Kreationismus im Biologie-Unterricht (hpd).
Das wäre in etwa so, als sollte in Erdkunde oder Astronomie auch das geozentrische Weltbild behandelt werden, weil es nun einmal besser mit den Aussagen der Bibel übereinstimmt, als das nach der Kopernikanischen Wende in der glaubensfernen Naturwissenschaft üblich gewordene. Ich stelle mir vor, was geschähe, wenn ich als Politiker fordern würde, dass in Biologie unterrichtet werden möge, wie Odin, Hœnir und Loðurr die ersten Menschen Askr und Embla aus am Strand angetriebenen Baumstämmen, einer Eibe und einer Ulme, schufen. Ich gehe jede Wette ein, dass ich nicht nur Minuten später alle Ämter los wäre und das Parteiausschlussverfahren eingeleitet würde, sondern unter Umständen müsste ich sogar mit einer Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik rechnen. Und das, obwohl ich "nur", genau wie Frau Wolff, wissenschaftliche Theorien und Mythologie durcheinander geworfen hätte.

Eine Struktur, die zwar nicht "religiös rechts" ist, aber sehr zum gedeihen religiös-konservativer Seilschaften beiträgt, ist die veröffentlichte Meinung.
Ich halte es auch nicht für einen Zufall, dass im hessischen Landtagswahlkampf im Januar 2009 der Linke-Kandidat Günter Biernoth in der Presse in die "Spinner-Ecke" gestellt wurde:
Auch ein Hexenmagier kandidiert (FR)
Üble Nachreden und Hexenkult: Linke in Hessen zerlegt sich (Bild.de)
Austritte erschüttern Hessens Linke (SpOn) unter: "Kuriose Leute arbeiten für die Fraktion"
Verraten und verkauft - Streit und Austritte bei der Linksparte (sueddeutsche.de)
Heidnischer 'Priester' will für 'Linke' in den hessischen Landtag (kath.net)

Nachtrag: Besonders hämisch äußerte sich eine Anti-"Linke" "Initiative" im hessischen Wahlkampf: DIE LINKE - Mit "schwarzer Magie" in den Landtag?

Günter Biernoth ist schon seit Jahrzehnten politisch engagiert, bei der SPD, den "Grünen" und schließlich bei der "Linken", und war lange Zeit aktiver Gewerkschaftler. Er ist allerdings auch Wicca und betreibt einen kleinen Hexenladen - vom Sortiment her in etwa mit einem Esoterik-Laden der soliden Sorte vergleichbar. Der Antwort der Parteichefin Ulrike Eifle ist eigentlich nichts hinzuzufügen: "Wenn es nicht offen sexistisch, rassistisch oder neoliberal ist, dann ist es seine Privatsache."
Eigentlich, denn hier greift eine weitere Struktur, die sich vor allem in der Kohl-Ära herausgebildet hatte, und die sicher auch vom (schlechten) Vorbild der US-Wahlkämpfe beeinflusst wurde: Politik als "Personality Show", in der das Privatleben der Politiker wichtiger ist als etwa ihre politischen Positionen, ihre Sachkenntnisse oder ihre Leistungen (und Fehlleistungen). Damit rückt etwa die Frage, ob jemand Katholik, Atheist oder Wicca ist, für die Medien in den Mittelpunkt des Interesses. Das starke Medieninteresse an solche Fragen verstärkt wiederum die Tendenz, Kandidaten nach nicht-politischen, nicht-fachlichen Kriterien wie z. B. der "richtigen Religionszugehörigkeit" auszuwählen. (Zur Abwechslung könnte man ja mal andere Dinge aus den USA übernehmen, z. B. eine Trennung zwischen Staat und Kirchen, die diesen Namen auch verdient. Oder eine Offenlegungspflicht der Einkommen der Abgeordneten, die diesen Namen verdient.)
Zum Vergleich stelle man sich einmal vor, eine Zeitung hätte thematisiert, dass ein CDU-Kandidat und engagierter Christ eine christliche Buchhandlung oder einen Devotionalienhandel betreiben würde. Auch bei einem "Grünen"-Kandidaten mit "New-Age"-Esoterikladen hätte sich die Skandalsierung sicher in Grenzen gehalten. Die Kombination "böse Linkspartei" und "komische Religion, vielleicht Satanist oder, weil Heide, Nazi-Mystiker" war ein gefundenes Fressen.
Tendenzen zu einem religiös begründeten Konservativismus gibt es auch im benachbarten Thüringen, wo mit Dieter Althaus ein aktiver Förderer des Kreationismus Ministerpräsident war, und die derzeitige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht Mitglied in der evangelikalen missionarisch tätigen Organisation Pro Christ ist.

Ich halte es daher auch nicht für einen Zufall, dass mit Kristina Köhler ein Mitglied der sehr konservativen Selbständigen Evangelisch-Lutherische Kirche neue Bundesfamilienministerin wurde. Einerseits gilt Frau Köhler in Familienangelegenheiten als relativ liberal - jedenfalls im Vergleich zum in den Unionsparteien nach wie vor sehr stark präsenten konservativ-patriarchalischen Familienbild.
Anderseits ist ihre Position gegenüber dem Islam - nicht nur dem politisch radikalen Islamismus - die ihr sogar den (hoffentlich unerwünschten) Beifall der Anti-Islamisten des Blogs "Politically Incorrect" eintrugen - ohne ihren ausgeprägt christlich-konservativen Standpunkt kaum zu verstehen. Ich vermute, dass der christlich-konservative "Stallgeruch" ein entscheidender Faktor bei ihrer steilen Karriere ist.

Einen interessanten Aspekt der deutschen Neigung, christlich-konservative Einflüsse einfach auszublenden, zeigt ein kleines Gedankenexperiment des "Science Bloggers" und Astronomen Florian Freistetter: Kommunistische Kinderbücher?.
Während politische indoktrinierende Bücher für Vorschulkinder zurecht allgemein abgelehnt werden, sehen die meisten Menschen religiöse Bücher, wie etwa die beliebten Kinderbibeln, für Kindergartenkinder offensichtlich nicht als Problem. Genausowenig wie ein Fünfjähriger eine vernünftige und objektive Vorstellung vom Kommunismus erhalten kann, kann er religiöse Vorstellungen objektiv einschätzen.
Please don't label me
Ein häufiger Einwand ist, dass die biblischen Geschichten von den Kindern lediglich als Geschichten, etwa wie Märchen, wahrgenommen würden. Es wäre schön, wenn das immer so wäre.
Ich bin der Ansicht, dass für Kinder mythologische Texte, und das sind viele Märchen nun einmal ("gesunkene Mythen" im Sinne Jakob Grimms), Fabeln und Parabeln wichtig sind - auch und gerade für die Vermittlung von Werten. Dennoch stelle ich Kinderbibeln und Märchenbücher nicht auf die gleiche Stufe.
Bei Märchen besteht nämlich ein gesellschaftlicher Konsens, dass es sich dabei nicht um wörtlich zu nehmende Beschreibungen historischer oder naturwissenschaftlicher Tatsachen handelt.
Ein Kind bekommt in unserer Gesellschaft zwangsläufig mit, dass Märchen eben "nur" Geschichten sind, die vielleicht "irgendwo" wichtige Dinge und Wahrheiten enthalten, aber dass es die böse Hexe aus Hänsel und Gretel oder den König Drosselbart "in echt" gar nicht gibt.
Bei der Bibel ist das anders. Dieser mythologische Text ist für viele Menschen weit über die Kreise der Fundamentalisten im engeren Sinne historische oder - siehe Kreationismus - sogar naturwissenschaftliche Realität. Wenn das Kind Pech hat, hört es erst sehr spät in seinem Leben von anderen Ansichten zum Realitätsgehalt der Bibel.
So gesehen ist ein Buch, das Kinder "den christlichen Glauben vermitteln" will, immer auch ein Mittel der Indoktrination.

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