Donnerstag, 10. August 2006

Braune Hydra?

Wie nicht anders zu erwarten: Es sieht meines Erachtens ganz so aus, als ob es einen "Nachfolger" für den kürzlich verbotenen rechtsextremen "Schutzbund Deutschland" namens "Bewegung Neues Deutschland" gäbe.
(Die Redaktion des "Neuen Deutschlands" wird nicht begeistert sein. Mal sehen, was "Die Linkspartei"/PDS zu diesem Missbrauch des Namens einer parteieigenen Zeitung durch augenscheinliche NS-Nostalgiker meint. Könnte für die mutmaßlichen Braunen ein tiefbrauner Griff ins Klo sein.)

Nachtrag: Unabhängig von meiner Quelle (die mir einige Flugbätter der "Bewegung Neues Deutschland" zeigte) hat redok den selben Eindruck gewonnen.

Das Organisationsverbote wenig bringen, ist klar. Was diesen Leuten aber wehtut, mehr als Knast für ein paar “Kämpfer”, sind finanzielle Konsequenzen. Das meiner Meinung Wichtigste am Verbot des “Schutzbund Deutschland” war die Beschlagnahmung der modernen Druckereianlagen, des Warenbestands des Versandhandels und der Bankguthaben (soweit bekannt). Deshalb setzte ich auch einige Hoffnung in die möglichen Klagen des “Neuen Deutschlands” und der “Linkspartei” - denn das ginge, selbst wenn die mutmaßlichen “Schutzbund”-Nachfolger strafrechtlichen Konsequenzen irgendwie aus dem Weg gehen können.

Miau!

... und wieder so ein ein sinnloses Quiz, dem ich wieder mal nicht widerstehen konnte. (Gefunden bei Karan.) Auf diese Weise habe ich endlich "Katzenkontent" in meinem Blog. Bitterer Beigeschmack dieses Ergebnisses: meine langjährige schwarz-weiß-gefleckte Haustyrannin ist kürzlich verstorben - und geht mir nicht aus dem Kopf.


What's Your Inner Beast?

The Feline:

The Feline is the symbol for Independence. You have a soul of a Cat inside you, which reflects a sensitive and independant behavior.

Strengths: Normal routines are common in this lifestyle as the Feline doesn't enjoy being brought upon something new because of this calm nature. The Feline is never really seen with many friends because of the indepenence it takes. A high awareness, overly observant, is also common. Some may call you an outcast at times, but you always seem to fit in wherever you are needed.

Flip Side: The past is like the present for you. The memories of long ago, good and bad, haunt your mind, and regret is always on the fringes of your thoughts. You can be very sensitive and shy when it comes to certain topics, and even around people.

Congratulations! You have a Cat inside!

pic (c) Christy Grandjean aka GoldenWolfen


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Freitag, 4. August 2006

"Beinahe GAU" - oder: dick aufgetragen

Im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark gab es einen sehr ernsten Störfall: den Ausfall der internen Stromversorgung.
TP: Fast-GAU in Schweden Durchaus einen, der wieder einmal die Frage nach der Zuverlässigkeit solcher Anlagen aufwirft. Sind wir haarscharf einem "zweiten Tschernobyl" entkommen, wie manche Kommentoren meinen?

Was ist passiert? Es kam bei Wartungsarbeiten in einem Umspannwerk außerhalb des Kraftwerks einem Kurzschluss mit "Lichtbogenüberschlag". Deshalb mußten zwei der drei Reaktoren am Standort Forsmark vom Netz genommen werden. Auch die Betriebsstromversorgung der von Netz genommenen Blöcke für die Kühlwasserpumpen und die Überwachungseinrichtungen fiel am 26. Juli in Forsmark aus, denn der heftige Kurzschluss (den man sich wir ein Miniaturgewitter vorstellen kann) war auf einen Teil der Anlagen des Kraftwerks "durchgeschlagen". Auch zwei der vier dieselbetriebene Notstromaggregate sprangen nicht an. In der Folge war die Betriebszentrale eines Blockes für rund 20 Minuten "blind", die elektronische Überwachung der Betriebszustände des Reaktors war ausgefallen. Erst dann gelang es der Betriebsmannschaft, die Notstromversorgung vollständig in Gang zu bringen und den Reaktor ordnungsgemaß herunterfahren.umweltschutz-news: Störfall in Schweden - vier Atomkraftwerke abgeschaltet

Ein schwerwiegender, gefährlicher Vorfall, der nahelegt, dass die Kraftwerke dieses Typs Konstruktionsfehler aufweisen. Es erstaunt mich ehrlich gesagt auch, wieso nach dem Ausfall der Überwachungsanlage nicht sofort die Notabschaltung ausgelöst wurde. (Übrigens würde sie bei völligen Stromausfall "von selbst" ausgelöst werden, da bei einem Druckwasserreaktor die Bremsstäbe an Elektromagneten aufgehängt sind - fällt der Stom völlig, aus "rutschen" die Bremsstäbe in den Reaktor und bringen die Kettenreaktion zum Erliegen. Auch scheinen die Umwälzpumpen der Reaktorkühlung noch gearbeitet zu haben. Also herrschte die gefährliche Situation, dass der Reaktor lief, aber nicht überwacht werden konnte, die eigentlich in jedem Fall verhindert werden muß.) Laut "Greenpeace" sagte der ehemalige Forsmark-Direktor Lars-Olov Höglund, es sei jedoch "reines Glück gewesen, dass es nicht zu einer Kernschmelze gekommen" und kein Unfall wie 1986 in Tschernobyl eingetreten sei.
Auch wenn Höglung inzwischen entschiedener Gegner der Kernernergienutzung ist und das Risiko einer Kernschmelze theoretisch durchaus bestand, bezweifle ich, dass er den Vergleich mit "Tschernobyl" selbst gezogen hat. Mit dem rein mechanisch arbeitenden Notkühlsystem (im wesendlichen hochgelegene Wasserbehälter) auch beim Ausfall der Kühlpumpen ein Kernschmelze abgewendet werden können. Bei der teilweisen Kernschmelze im AKW Three Mile Island, einen Vorfall, der einige Parallelen zum Forsmark-Störfall hat, war dieses Notkühlsystem nicht betriebsbereit gewesen. Beim notabgeschalteten Reaktor würde übrigens auch "nur" die Resthitze der Brennstäbe wirken.

Welche Folgen eine ungebremste Kernschmelze in Forsmark gehabt hätte, läßt sich nur schwer abschätzen. Wahrscheinlich hätte, wie in Three Mile Island, der Sicherheitsbehälter das Schlimmste verhindert.(Zur Erinnerung: es gab dort damals weder Tote, noch Verletzte, noch eine schwerwiegende radioaktive Belastung der Umgebung.)
Aber selbst wenn es zum "Super GAU" gekommen wäre, also das "Containment" versagt hätte, wären die Folgen für die unmittelbaren Umgebung sehr schlimm gewesen - jedoch: zu einer radioaktiven Kontamination ganzer Landstriche, ja halb Europas, ware es nicht gekommen. Ein Unfall, der auf keinen Fall achselzuckend als "normaler Industrieunfall" hätte abgetan werden können. Aber eben kein "zweites Tschernobyl".

Ich vermute, dass hier wieder einmal die sattsam bekannten Mechanismen des Journalimus wirken, die man auch auf anderen Gebieten "bewundern" kann: che: Das Fachwissen deutscher Kriegsberichterstatter
Ich vermute, dass sich hier echte Unwissenheit, die Mediengewohnheit, alles ein bißchen aufzublasen ("Mann beißt Hund") und dezidierte Absichten zu einem trüben Brei vermischen.
Wobei es übrigens nicht besser wird, wenn es, wie bei Greenpeace, in bester Absicht geschieht.

Nachtrag: Wie nicht anders zu erwarten, wurde in Forsmark mit dem Stromausfall tatsächlich ordnungsgemäß die Schnellabschaltung des Reaktors ausgelöst. Das ging aus den Pressemeldungen, die mir beim Abfassen meines Artikels vorlagen, nicht hervor. (Also kein "Blindflug" des Reaktors.) Damit ging es "nur" noch darum, die Restwärme zu beherrschen bzw. der Reaktor richtig herunterzukühlen. Der Reaktorkern hätte also schlimmstenfalls "zusammenschmelzen" (aber nicht "durchschmelzen") können, was bei weitem kein "GAU" (Größter Anzunehmender Unfall, besser: größter Unfall, für den den Anlage ausgelegt ist, "Auslegungsunfall"), sondern "nur" ein "schwerer Unfall" mit Totalschaden des Reaktors wäre. Von der IAEO wurde der Unfall in die Kategorie 2 eingestuft - Tschernobyl war Kategorie 7 auf der International Nuclear Event Scale (INES), Three Miles Island Kategorie 5. Wäre die Kühlung in Forsmark völlig ausgefallen, wäre der Unfall auf der INES auf Stufe 4 gelandet. (Einen vergleichbaren Unfall mit Totalschaden des Reaktors gab es 1977 im deutschen Kernkraftwerk Grundremmingen, Block A.)

Gute Darstellung des Störfalls auf Wikipedia: Kernkraftwerk Forsmark.
Ebenfalls gut, in der NZZ online vom 6. August: Kein Beinahe-GAU

Dienstag, 1. August 2006

Catch 22 - oder die "lose lose" Situation

Vor ein paar Tagen habe ich mich davor gedrückt, zu einen besonders ärgerliche Krieg Stellung zu nehmen. Ein Krieg, den zu kommentieren mir nicht zusteht. Nun muß ich mir den Vorwurf gefallen lassen, feige gewesen zu sein. Zu Feige, dass, was man als "wahr" erkannt hat, auch bewußt beim Namen zu nennen: Catch-22. Eine Situation, in der man nur verlieren kann, egal, was man tut. Eine tödliche Zwickmühle. In der nicht "nur" Israel steckt, sondern eigentlich der ganze "Westen" samt aller halbwegs zivilisierten arabischer Staaten.

Don Alphonso hat den Israel-Hisbollah-Krieg genau so beschrieben. Wer seinen schmerzenden, aber leider mit jedem Wort allzu wahren Beitrag noch nicht gelesen hat, sollte dies nachholen:
Was man sagen kann Für seinen Schlußatz sehe ich Don alle seine Kronleuchter und Stuckdecken und seine mitunter fiesen Vorwürfe gegen andere Blogger nach.
Sagt viel aus über die jüdisch-deutsche Normalität, überrascht auch nicht weiter, aber ich sehe ums Verrecken absolut nichts Gutes in der Scheisse, die da gerade abgeht, diesem Catch 22 des nahen Ostens. Nicht für Israel, nicht für die Juden, nicht für den Westen und auch nicht für den Kampf gegen den Terror.
Ja, und wem nützt es? Wer gewinnt dabei? Leider jene, denen ich es am Wenigsten gönnen würde. Den Terroristen der Hisbollah. Und ihren Unterstützern. Und erst recht denen, die daran verdienen.

Denn das Konzept der Hisbollah geht auf: genau diese Bombardierungen zu provozieren, bei denen dann fast zwangsläufig Zivilisten ums Leben kommen. Seit fast drei Wochen werden und wurden aus Raketenstellungen, die zwischen und auch in bewohnten Häusern untergebracht sind, zivile Ziele in Israel beschossen.

(Siehe hierzu, bei Chajms Sicht: Verheerend)

Allerdings gehört dazu auch eine andere Seite, wie z. B. der israelische Verteidigungsminister: Naives Vertrauen auf eine zugegebenermaßen hervorragende Armee, die das schon hinkriegen wird - und in die Falle ging. Wobei: in der Zwickmühle steckte Israel schon vorher. Auch aufgrund "westlicher" macht- und wirtschaftspolitischer Spielchen. Von wegen "Solidarität mit Israel"! Die haben nur mal weder das Öl noch die zum "Märtyrertod" bereiten Massen junger Männer. Und der Antisemitismus ist leider fester kultureller Bestandteil des "christlichen Abendlandes", Teil unserer kulturellen Identität. Auch meiner.

Zu den "geistigen Kriegsgewinnlern" dieses Krieges gehören die Antisemiten aller Coleur. Und zwar gerade in Deutschland.

Piratenflagge Schwarzrotgold

(Und noch mal "Pirat Content", wieder angeregt durch die bekannte Idee Seeräuber-Karans anläßlich des Flaggenwahns zur FiFaFu-WM: Piratenflagge statt schwarzrotsenf.) Dieses Mal noch direkter.
Unglaublich, aber wahr: die schwarzrotgoldene Flagge wurde 1849 von der damals führenden Seemacht Großbritannien zur "Piratenflagge" erklärt. Und das kam so:

Die in der deutschen Revolution von 1848 gegründe Nationalversammlung in Frankfurt/Main beschloss am 17. Juli 1848 die Gründung einer deutschen Bundeskriegsflotte. Seit Anfang April herrschte der erste preußisch-dänische Krieg in Folge der nationaldeutschen Aufstände in Schleswig und Holstein. Bald wurde die Verbindung aus revolutionären Aufstand und alles anderer als revolutionärer preussischen Intervention als "deutsch-dänischer" Krieg wahrgenommen. Die dänische Regierung betrachtete nun alle im Deutschen Bund zusammengeschlossenen Staaten als Kriegsgegner, in der Erwartung, eigene Interessen gegen die revolutionsgeschwächten südlichen Nachbarn durchsetzen zu können - auch, damit die Unterstützung der rebellischen Schleswig-Holsteiner endlich aufhörte. Die dänische Flotte konnte mit geringen Kräfteeinsatz die deutschen Seehäfen blockieren und den Außenhandel praktisch zum Erliegen bringen. Es war vorgesehen, dass sich die bereits gebildete "nationaldeutsche" Kieler Flotille, die auf Initiative Hamburger Reeder angekauften Kriegsschiffe der "Hamburger Flotille" und den vorhandene Kriegsschiffen Preußens und Österreichs (letztere in der Adria stationiert) eine "Reichsflotte" bilden sollte. Österreich und Preußen, beide zunehmend revolutionsfeindlich, unterstellten ihre (bescheidenen) Flotten nicht der Nationalversammlung, so dass die Nationalversammlung sich gezwungen fühlte, schleunigst eigenen Kriegsschiffe zu beschaffen. Es wurde geeignete, aus "Neutralitätsgründen" aber unbewaffnete, Schiffe in Großbritannien gekauft und in Bremerhaven mit Kanonen bewaffnet. Die Schiffe der deutschen Reichsflotte trugen die Farben Schwarzrotgold.
Am 4. Juli 1849 kam es vor Helgoland zum Schußwechsel zwischen der dänischen Fregatte Valkyrien und der deutschen Dampffregatte Barbarossa und den Kanonenbriggs Hamburg und Lübeck. Die Valkyrien geriet in eine Position, in der die Hamburg zum Entermannöver ansetzen konnte. Das dänische Schiff konnte aber entkommen und zog sich in die Nähe von drei anderen bei Helgoland liegenden dänischen Schiffen zurück. Helgoland war damals britisch, die britische Festungsbesatzung gab einige Warnschüsse auf die kriegführenden Schiffe ab, um sie daran zu erinnern, dass sie in neutralen Gewässern kämpften.
Dieses eher unbedeutende Gefecht schlug zuerst in der britischen Admiralität und dann im britischen Unterhaus hohe Wellen, denn der fehlenden Respekt der Deutschen und Dänen für die britische Neutralität und die britischen Hoheitsrechte über Helgoland (das von Dänemark und rein verbal auch von der deutschen Nationalversammlung beansprucht wurde) wurde als schwerer Affront gesehen, schlimmer noch, ein "schändliche Demütigung" des "meerbeherrschenden" Britanniens. (Keine Spezialität des 19. Jahrhunders, man stelle sich mal vor, was geschehen würde, wenn sich Schiffe Kubas und der Dominikanischen Republik vor der Hafeneinfahrt des US-Stützpunktes Guantanamo-Bay beschiessen würden.) Hinzu kam, dass Britannien aus Gründen des "Gleichgewichts der Mächte" Dänemark gegenüber "wohlwollend neutral" war.
Für das britischen Prestige schlimm war, dass die alte "Barbarossa" ursprünglich ein britischer Dampfer namens "Britannia" war, der in seinen besseren Tagen beinahe ein nationales Symbol gewesen war.

Zum Zeitpunkt des Gefechtes war die Nationalversammlung längst gewaltsam aufgelöst worden. Das nahm die britischen Regierung zum Anlass, zu erklären, es gäbe keinen Staat, dessen Seestreitkräfte die Farben Schwarz-Rot-Gold zu führen berechtigt wäre. Sie deklarierte die schwarzrotgoldene Bundesflagge zur Piratenflagge.
Die deutsche Reichsflotte bestand bis 1852 weiter, dann wurde ihre Schiffe versteigert oder an die preussische Marine übergeben.

Sonntag, 30. Juli 2006

Sozialromantische Piraten

(Angeregt durch eine Idee von Seeräuber-Karan anläßlich des Flaggenwahns zur FiFaFu-WM: Piratenflagge statt schwarzrotsenf.)
Piraten sind gerade im "arbeitenden Volke" beliebt. (Es sei denn, man arbeitet zufällig auf einem Schiff, das im Südchinesischen Meer, in der Malakka-Straße, in der Sunda-See oder vor den Küsten des Senegals unterwegs ist.) Das ist bemerkenswert, denn Piraterie ist in der Praxis meistens eine brutale Form der organisierten Kriminalität: Bandenmäßig begangener schwerer Raub, sehr oft in Tateinheit mit Körperverletzung, Mord, Freiheitsberaubung, Hehlerei und nicht selten Vergewaltigung. Nicht unbedingt das Holz, aus dem man Volkshelden schnitzt.
Ein Teil der Antwort liegt sicher darin, dass die "gewöhnlichen Kriminellen" unter den Seeräubern im Allgemeinen unter den Tisch fallen. Wenn schon Verbrecher, dann schon "Verbrecher von Format", mindestens Mafia-Format. Oder noch besser: Kaperfahrer, Kosaren, Freibeuter mit ehrenwertem Ziel, die eher Guerrillakämpfer zur See als schäbige Gangster mit schwimmendem Untersatz sind.

Behält man die Verdrängung des banal-brutal Bösen im Hinterkopf, trifft Wolfram zu Mondfeld in der Einführung zum "Piratenkochbuch" den Nagel auf den Kopf:
Gewiß, es gibt ein paar Chrakterzüge, die allen Freibeutern, von den kleinsten und schäbigsten bis zu den größten und berühmtesten, gemeinsam waren: Ein guter Schuß Verwegenheit und Abenteuerlust, ein gefährlicher Beruf, aus dem sie das Schlechteste, aber auch das Beste machen konnten. Doch damit hört die Gemeinsamkeit schon auf. Der Reigen der Piraten reicht vom plumpen Rohling bis zum eleganten Weltmann und blasierten Aristokraten, vom kleinen Banditen bis zum Admiral und Schöpfer einer Flotte, vom Besitzer einer winzigen Schaluppe bis zum Kommandanten eines 70-Kanonenschiffes, vom haltlosen Spieler bis zum rechtschaffenden Bürger und zum verschrobenen Heiligen, vom Analphabeten bis zum Forscher, Wissenschaftler und Universitätsdozenten, vom zerlumpten Dieb bis zum Advokaten und Richter, vom jämmerlichen Habenichts bis zum millionenschweren Reeder, vom skrupellosen Verbrecher bis zum Sozialreformer und gefeierten Freiheitskämpfer.
Also: für jeden Geschmack ist der passende Held oder Schurke dabei. Das ist der Stoff, aus dem die Rebellionsromantik ist.

Zur Rebellionsromantik kommt die Sozialromantik hinzu: der Freibeuter als "Robin Hood der Meere", der den Reichen nimmt und den Armen gibt. (Wofür es historisch, von einigen Kaperfahrern mit politischer Zielsetzung einmal abgesehen, kaum Beispiele gibt.)
Nehmen wir einmal Deutschlands beliebtesten Seeräuber, Klaus Störtebeker. So ziemlich alles deutet darauf hin, dass er ein rücksichtsloser, brutaler, beutegieriger Typ war, für den ein Leben nicht viel zählte. Die "Vitalienbüder", die "Likendeeler" waren im Grunde nichts anderes als marodierende und plündernde Söldner zur See.
Der Schlüssel zur sozialromatischen Legende vom edlen Rebellen, der die reichen "Pfeffersäcke" plünderte (ein Spottname, der erst gut 200 Jahre nach Störtebeker gebräuchlich wurde) und der der armen Landbevölkerung nach Kräften half, ist meiner Ansicht nach dieses eine Wort: "Likendeeler" - "Gleichteiler".

Gemeint war natürlich die "Gleichteilung" der Beute. Diese "Gleichteilung" war auch typisch für die Boucanniers, Flibustiers, "Brüder der Küste" der Karibik im 17. Jahrhundert. Alexandere Olivier Exquemerlin, der nicht ganz freiwillig als "Chirurgus" (Feldscher - "Knochenflicker" und Heilpraktiker) um 1670 auf karibischen Freibeuterschiffen fuhr, beschrieb in seinem Buch die Regeln der Beuteteilung:
Jedes Besatzungsmitglied hatte Anspruch auf einen gleich großen Beuteanteil. Nur der Kapitän erhielt zwei Anteile, die Schiffsjungen einen Halben. Bevor "der Pott" aufgeteilt wurde, gingen die Entschädigungen für die Versehrten ab, die von 100 Golddublonen für den Verlust eines Fingers bis zu 1800 Dublonen für den Verlust beider Hände gingen. Außerdem gab es garantierte Anteile für den Schiffsarzt (250 Dublonen), für den Schiffszimmermann (100 - 150 Dublonen), für den Mann, der das Beuteschiff zuerst gesichtet hatte (100 Dublonen) und für den, der die fremde Flagge niederholte (50 Dublonen). Der Anteil der Gefallenen wurde an die nächsten auffindbaren Angehörigen gezahlt.
Damals dachte kein Staat und kein Privatunternehmen an derartige Regelungen, wie die, die sich die "Ausgestoßenen der Gesellschaft" leisteten. Allenfalls bei den Knappen in den Bergwerken und bei einigen handwerklichen Bruderschaften gab es bescheidene Ansätze in diese Richtung.
Außerdem ging es unter den "Brüdern der Küste" sehr demokratisch zu. Kapitän und Offiziere wurden von der Bordgemeinschaft gewählt und waren jederzeit absetzbar. Freiwillige Selbstdiziplin machte die bei den Kriegsmarinen üblichen harten Strafen (meistens) überflüssig. Betrügereien bei der Beuteverteilung waren nicht häufiger als bei bürgerlichen Handelsgesellschaften.
Es war letzten Endes der enorme äußere Druck und der Umstand, dass der Betrieb eines Schiffes dauernde "Teamarbeit", Organisation und Diziplin erforderte, die zu quasi-kommunistischen Schiffsgemeinschaften führte. Jeder wuße, was auf dem Spiel stand: Wohlstand oder Tod. Jeder war auf den Anderen angewiesen.

Es war wohl die überlieferte außerordentliche gruppeninterne Solidarität und Gerechtigkeit bei einigen Freibeutergemeinschaften, die das Volk an Land, das von sozialer Gerechtigkeit, politischer Mitbestimmung und Wohlstand für alle nur träumen konnte, so beeindruckte. Ich nehme an, dass diese gruppeninterne Gerechtigkeit der "Gleichteiler" dazu führte, dass die Piraten ganz allgemein, also auch nach außen hin, als "Streiter für die Gerechtigkeit" galten. Und das, obwohl selbst die "Brüder der Küste" außerhalb ihrer verschworenen "kommunistischen" Gemeinschaft skrupellos raubten und plünderten - und darunter die "einfachen Leute" an Bord der überfallenen Schiffe mehr litten, nämlich mit Leib und Leben, als die "Pfeffersäcke" im trockenen und sicheren Kontor, die schlimmstenfalls einen außerordendlichen Verlust verbuchen mußten.
Waren die "Brüder der Küste" nach innen hin quasi "kommunistisch", so agierten sie nach außen so skrupellos anarchokapitalistisch, das jedem "Libertären" das Herz im Leibe lachen müßte. Beim Handeln und Hehlen auf Tortuga und später in Port Royal auf Jamaica, herrschte absolute Vertragsfreiheit (und meistens sogar Vertragstreue), andere Gesetze wurden schlicht ignoriert - nach "sozialer Gerechtigkeit" oder "politischen Verhältnissen" fragte niemand, die "Machtfrage" stellte sich nicht, und freigiebig waren Freibeuter fast nie - wenn ein typischer Pirat seinen Beuteanteil unter den Armen verteilte, dann nur, damit die in der Jacke eingenähten Dublonen nicht so auftrugen.
Freibeuter waren in der Tat Freiheitskämpfer - aber nur für ihre eigene Freiheit.

Zum Weiterlesen: Aufsatz über "Piratenutopien" aus anarchistischer Sicht, geht auch auf den in im Kommentar erwähnten "Piratenstaat" Libertatia ein: do or die: Pirate Utopias

Freitag, 28. Juli 2006

Und nun ein Stöckchen, das wirklich an mich gerichtet ist

Zugeworfen von B.L.O.G./Rayson und ursprünglich von DonsTag, der damit ein interessantes blogologisches Experiment verbindet - den Stöckchentracker. Der Tracker macht den Verlauf des Stöckchenspiels sichtbar und erstellt damit eine Ausschnittskarte der deutschen Blogosphäre, die sichtbar macht, wer wo liest und mit wem in Kommunikation steht. Ein Art Blog-Soziologisches Experiment, sozusagen.

Warum bloggst du?
Weil ich gerne schreibe und der Meinung bin, etwas zu sagen zu haben. Weil ich ein neugieriger Mensch bin, der gerne auch andere Menschen an den Früchten seiner Neugier teilnehmen läßt.

Seit wann bloggst du?
Mit eigenem Blog: erst seit 240 Tagen. Aber ich hatte schon vorher beim Gjallarhorn und noch vorher beim inzwischen inaktiven rc.dot.org-Blog mitgemacht. Außerdem bin ich seit Jahren so etwas wie ein Amateurjournalist (der ab und an sogar mal was für "richtige" Medien gemacht hat). Wobei es zwischen journalistischem Schreiben und Bloggen beachtliche Unterschiede gibt.

Selbstportrait?
Nach tradionell bürgerlichen Maßstäben, sprich Vorurteilen, so was wie eine "gescheiterte Existenz", weil: kein Haus, kein Auto, keine Yacht, kein Pferd - und auch keine erfolgreiche Karriere.
Dafür bisher ein ziemlich abwechslungsreiches Leben mit vielen interessanten und nicht immer angenehmen Erfahrungen gehabt. Kreativ und spontan, bis zur Impulsivität, aber oft auch nachdenklich bis grüblerisch. Ein bißchen halbseiden, mit einer breiten, aber nicht ganz lückenfreien Allgemeinbildung und neugierig auf alles, was ich nicht weiß. Manchmal besserwisserisch, aber hoffentlich immer bereit, andere Ansichten gelten zu lassen. Immer bereit, mir meine Fehler aufzeigen zu lassen.

Warum lesen deine Leser deinen Blog?
Ich habe sie noch nicht gefragt.

Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf deine Seite kam?
"Schamane Morrison" - erfreulich, dass es nicht "kleine Mädchen nackt" oder Ähnliches war. (Wobei: schlimm wäre es nur, wenn jemand, der so eine Suchanfrage stellt, hier auch das finden würde, was er mutmaßlich sucht.)

Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?
Ich denke, jeder Beitrag, der überhaupt gelesen wird, erhält die notwendige Aufmerksamkeit. Wobei ich die selbe Erfahrung wie Rayson gemacht habe, dass eher informativen Beiträge häufig gelesen, aber kaum kommentiert, werden.

Dein aktuelles Lieblings-Blog?
Metalust & Subdiskurse. Wohl, weil ich gerne selber denke.

Welchen Blog hast du zuletzt gelesen?
sagichdoch (Sven Scholz)

Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?
15 Beitrags- und 2 Kommentarfeeds.

An welche vier Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum?
An Distel, Sven, Londo und Karan. Weil ich sie alle persönlich kenne und schätze, und weil ich ungern Stöckchen nach Unbekannten schmeisse. Weil diese Stöckchen auch mal ein wenig außerhalb der "Polit"-Blog-Sphäre landen sollten, aber nicht bei "unpolitischen" Bloggern.

Nachtrag, für alle "Stöckchenfänger":
Meine ID ist 1211221232212
Bitte hier eintragen, wenn Ihr mit Eurem Eintrag in den "Baum" wollt.

Donnerstag, 27. Juli 2006

Zur Entspannung mal ein bißchen Stöckchenklau

Gefunden bei Cynx und promt aufgeriffen - weil ich so das Gefühl hab, dass ich auf diesem Gebiet punkten könnte. (Schließlich bin ich seit frühester Jugend SF-Fan.)

Die 100 wichtigsten SF-Bücher: (91/100)
1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,12,13,14,15,16,17,18,19,20,
21,22,23,24,25,26,27,29,30,31,32,33,36,37,38,39,40,
41,42,43,45,46,47,48,49,50,51,52,54,55,57,58,59,60,
61,62,63,64,65,66,67,68,69,70,71,72,73,75,77,78,79,80,
81,82,83,84,85,86,87,88,89,91,92,93,94,95,96,97,98,99,100

Die 50 wichtigsten SciFi-Filme: (49/50) "Road Warrior" kenn ich noch nicht.

Man könnte laaaaaange über die Listen diskutieren (zwei SF-Fans - mindestens 3 Meinungen).

Mein Held

Wenn ich mich auf SF beschränke: Atlan (12 Punkte)
Nicht schlecht, aber da er als "archetypischer Held" konstruiert wurde, hätte ich mehr erwartet.

Mittwoch, 26. Juli 2006

Furcht

Sank das Boot
Tief in das Vergessen

Brach das Schwert
Fiel die Freiheit auch

Kamen andere
Mächtige Gewalten

Daher
Brachen alten Brauch

Und der Sang
Klingendes Geheimnis

Sank ins Grab
Seine Stimme schweigt

Nahm die Wonne
von den freien Freuden

Mit hinab
Keine sich mehr zeigt

Unsere Wonne
Von den freien Freuden

Mit hinab
Keine sich mehr zeigt

(aus: Kommt ein Boot von den Singvøgeln)

Ich darf mich nicht fürchten. Die Furcht tötet das Bewußtsein. Die Furcht führt zur völligen Zerstörung. Ich werde ihr ins Gesicht sehen. Sie soll mich völlig durchdringen. Und wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben. Nichts außer mir.

Fank Herbert: Die Litanei gegen die Furcht, aus "Der Wüstenplanet"

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