Dienstag, 9. Januar 2007

Der Zweck heiligt die Mittel - wirklich?

Gestern berichteten fast alle Massenmedien über einen erfolgreichen "Schlag gegen Kinderpornographie". Nun ist die Herstellung von "Kinderpornographie" (allein dieses Wort ist ein obzöner Euphemismus - "sexuell motivierte Folter wehrloser Kinder" beschreibt den Sachverhalt vielleicht besser) ein besonders scheußliches Verbrechen, das es ohne zahlungskräftige "Konsumenten" nicht gäbe. Von daher begrüße ich es, wenn nicht allein die "Hersteller" und die "Händler", sondern auch die "Käufer" unnachsichtig verfolgt werden.

Das ist das Eine. Das andere: heiligt der gute Zweck wirklich alle Mittel? Denn um den Kunden einer Kinderpornoseite auf die Spur zu kommen, sollen Fahnder aus Sachsen-Anhalt offensichtlich die Kontobewegungen aller (!) Inhaber deutscher Kreditkarten überprüft haben! Wir sind alle verdächtigt.

Ich hoffe sehr, dass SpOn (die Quelle) da wieder mal etwas falsch verstanden hat. Wie Udo schrieb: Warten wir die Pressekonferenz ab. Vielleicht sind ja auch Journalisten dort, die kritische Fragen stellen.

Unser Rechtssystem beruht auf einem Kompromiss zwischen "optimalem Fahndungs- und Präventionserfolg" und den Persönlichkeitsrechten des Einzelen, vor allem seiner Privatsphäre. Besonders schwere Straftaten rechtfertigen Eingriffe in diese Persönlichkeitsrechte. Bis vor einigen Jahren lag die Schwelle, ab der dieser Eingriffe zulässig sind, in Deutschland recht hoch. Seitdem wird sie systematisch abgesetzt. Das Motiv: Angst.

Schon vor über 10 Jahre wurde der Begriff der "Vier Infokalyptische Reiter" geprägt. Das Recht auf "informationelle Selbstbestimmung" ist reine Theorie, wenn ein Eingriff in die Privatsphäre mit der Verfolgung und Verhütung folgender Straftaten begründet wird. Schon mit dem bloßen Hinweis auf mit den "vier infokalyptischen Reitern” verbundene Delikte lassen sich offensichtlich alle Rechte mühelos aushebeln.
Die Vier Infokalyptischen Reiter sind, aufsteigend nach "Wirksamkeit": organisierte Kriminalität (”Mafia”), Rechtsextremismus, Kinderpornographie, und vor allem Terrorismus.
Bei "Kinderpornografie" ist die Empörung so groß ist, dass jeder, der gegen überzogene Schnüffeleien und Generalverdächtigungen aufmuckt, in den moralisch vernichtenten Verdacht gerät, sich zum "Komplizen" zu machen.

Es ist geradezu gespenstisch, wie geräuscharm Maßnahmen, die eindeutig in Richtung Polizeistaat gehen, getragen von einer Welle öffentlicher Angst - und motiviert durch die Ängste unserer Politiker - durchgewunken werden:
Videoüberwachung ganzer Straßenzüge, Pässe mit biometrischen Merkmalen, automatischer Kennzeichenanalyse auf Autobahnen, Vorratsdatenspeicherung von Telekomunikationsdaten - u.s.w..

Nachtrag, nach der Pressekonferenz:
Auf SpOn war (mal wieder) kein Verlaß: es gab keine Rasterfahndung gegen alle Kreditkarteninhaber. tagesschau.de: Kinderpornos in Internet: zahlreiche Geständnisse.
Nach Angaben des Landesbeauftragten für Datenschutz in Sachsen-Anhalt, Harald von Bose, konzentrierte sich die Fahndung auf einen Kreis "bestimmter Verdächtiger". Es sei nicht darum gegangen, sämtliche Finanztransaktionen aller deutschen Kreditkarteninhaber zu überprüfen. Man habe vielmehr die Namen eines ganz bestimmten Personenkreises herausfinden wollen. Eine Datenkontrolle bei allen 22 Millionen deutschen Kreditkartenbesitzern sei mit dem vorhandenen Personal technisch nicht möglich, so Bose.

Polizei und Staatsanwaltschaft selbst hatten keinen Zugriff auf die Kundendaten. Nach dem Ermittlungsrecht sei dieses Verfahren grundsätzlich erlaubt, sagte der stellvertretende Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins, Johann Bizer.
Trotzdem hinterläßt die Aktion "Mikado" einen seltsamen Nachgeschmack. Mir war bisher nicht bewußt, dass fast täglich ähnliche Anfragen der Staatsanwaltschaft an Finanzdienstleister eingehen, zum Beispiel in Betrugsfällen, und das die Dienstleister zur Mithilfe bei Ermittlungen gesetzlich verpflichtet sind. Das Risiko, "aus Versehen" in Verdacht zu geraten, erscheint mir beachtlich zu sein. Zumal es bei solche Ermittlungen nicht unbedingt um "Schwerkriminalität" gehen muß.

Nachtrag 10.01
Udo Vetter ist der - m. E. berechtigten - Ansicht, dass "Mikado" zumindest unverhältnismäßig, wahrscheinlich sogar rechtswidrig ist und hat deshalb beim zuständigen Amtsgericht Halle Antrag auf gerichtliche Entscheidung gegen die Staatsanwaltschaft gestellt: mikado.

Der "dicke Hund" bei "Mikado":
Die Staatsanwaltschaft hat den Datenabgleich zwar nicht selbst durchgeführt. Jedoch hat sie den angeschriebenen Unternehmen in der Anfrage mitgeteilt, diese machten sich gegebenenfalls strafbar, wenn sie nicht mitwirkten.

Hierdurch hat die Staatsanwaltschaft die Kreditkartenfirmen über ihre Mitwirkungspflicht fehlerhaft informiert. Tatsächlich besteht die Verpflichtung zur Datenherausgabe nach § 98a StPO nur bei richterlicher Anordnung (§ 98b Abs. 1 S. 1 StPO), die hier gar nicht eingeholt worden war; Gefahr im Verzug lag offensichtlich nicht vor.

Sonntag, 7. Januar 2007

Wilhelm Marr - linksdemokratischer "Vater des modernen Antisemitismus"

In Wie antisemtisch ist Asatru? (3)) erwähnte ich Wilhelm Marr, der den Begriff "Antisemitismus" prägte.
Marr ist eine Schlüsselfigur in der Entwicklung von religiös begründeten "Antijudaismus" - der nach heutigem Sprachgebrauch als "traditioneller Antisemitismus" bezeichnet werden müßte - zum "modernen Antisemitismus". Überraschenderderweise war Marr nicht rechtsextrem, er war nicht deutschnational, er war auch kein Nationalromantiker: Wilhelm Marr war ein profilierter linker Demokrat!

Der aus Magdeburg stammende "Commis" (Handlungsgehilfe, nach heutigem Sprachgebrauch kaufmännischer Angestellter) Wilhelm Marr ließ sich 1841 in Zürich nieder. Dort machte er die Bekanntschaft einiger deutscher republikanischer Oppositioneller, die in der Schweiz im Exil leben. Zu ihnen gehören Julius Fröbel, später einer der Gründer der Demokratischen Partei ist und 1848 Abgeordneter im Frankfurter Paulskirchen-Parlament wird, und der politische Dichter Georg Herwegh. Marr wurde politisch aktiv und trat für eine sozialistische Politik ein. Mit Wilhelm Weitling lernte Marr den ersten deutschen Theoretiker des Kommunismus kennen und wurde selbst Kommunist. Marr trat auch dem jungdeutschen (radikal demokratischen) "Léman-Geheimbund" ein. Er instrumentalisierte den Bund für sein persönliches Geltungsbedürfnis. Wenig später wandte sich Marr dem Anarchismus zu und gründete den geheimen "Schweizerischen Arbeiterbund". 1845 wurde er aus Lausanne ausgewiesen; aus Zürich war er schon einige Jahre zuvor ausgewiesen worden. Marr versuchte sich in zahlreichen deutschen Städten niederzulassen, wird jedoch aus allen ausgewiesen - durch die 1819 eingerichtete Mainzer Central-Untersuchungs-Commission waren sie über seine politische Aktivitäten im Bilde. (Es ist m. E. bezeichnend, dass ausgerechnet eine Überwachungsbehörde die am besten funktionierende gemeinsam Institution des politisch zersplitterten und ansonsten völlig einflußlosen "Deutschen Bundes" war.)
1846 erscheint seine Propagandaschrift "Das junge Deutschland in der Schweiz". Sie wird zu einem seiner erfolgreichsten Bücher - und zeigte offenbar bereits seine antiliberale Grundeinstellung.
Marr konnte sich in Hamburg - damals dem an wenigsten intoleranten deutschen Kleinstaat - niederlassen und betätigte sich dort als politischer Journalist und brachte das erfolgreiche satirische Blatt "Mephistopheles" heraus. Als extrem linker Anhängern der radikal-demokratischen Partei wurde er 1848 als Deputierter der Hamburger Constituante nach Frankfurt am Main entsandt.
Er polemisierte gegen das seiner Ansicht nach zu weiche Paulkirchenparlament und gegen die Judenemanzipation. Als einzigen Grund seine Abneigung gegen Juden führte er den Liberalismus an, der sich den jüdisch konnotierten Kapitalinteressen verschrieben habe. (Damit nahm er die bis heute wirkende "Tradition" des "linken" antikapitalistischen, Antisemitismus vorweg.)
Nach dem Scheitern der von ihm ersehnten demokratischen Republik wurde er zum energischen Befürworter eines deutschen Staates unter preußischer Hegemonie.
Marr bliebt politsch aktiv, war im Vorstand des „Demokratischen Vereins“ und seit 1861/62 Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft (dem Hamburger Landtag). Sein fortbestehender politischer Radikalismus und ein antisemitischer Beitrag im "Courier an der Weser" 1862, in dem er den Präsidenten der Hamburger Bürgerschaft, Gabriel Riesser, einen liberalen Juden und Vorkämpfer der Judenemanzipation, attackierte, führten zur Aufgabe seiner politischen Ämter.

Die politischen und gesellschaftliche Verhältnisse in Hamburg beeinflußten Maars Antisemitismus: Hamburg wurde von einer Kaufmannsoligarchie, die das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben völlig beherrschte, regiert. Nach dem Vorbild des benachbartem dänischen Altonas, das schon im 18. Jahrhundert völlige Religionsfreiheit kannte, war Hamburg im "Vormärz" Vorreiter der Judenemanzipation. Liberale Juden, wie Riesser oder der Bankier Salomon Heine, schafften den Aufstieg in die "Kaufmannsaristokratie". Marr warf "den Juden" (die meisten Hamburger Juden waren Kleinhändler oder Handwerker und keinesweg wohlhabend) vor, die Emanzipation zu missbrauchen, um sich wirtschaftliche und politische Machtpositionen innerhalb der Hamburger Kaufmannsoligarchie zu sichern. Nach dem Erreichen dieser Positionen hätten sie die demokratischen Ideale des Liberalismus verraten. (Also eine antisemitische Verschwörungstheorie für das Scheitern der "Märzrevolution" von 1848 und die ausbleibenden demokratischen Reformen in Hamburg.)

Über den Einfluß Marrs persönliche Lebensverhältnisse auf die Entstehung seines Antisemitismus kann ich wenig sagen. Es fällt aber auf, dass Marr in erster Ehe Georgine Johanna Bertha Callenbach heiratet, deren Vater sich vom Judentum abgewandt hatte. Nach der Scheidung heitatete er Helene Sophia Emma Maria Behrend, eine Jüdin aus einer Familie der Hamburger "besseren Gesellschaft", die schon im Jahr der Hochzeit starb. Er heiratet darauf Jenny Therese Kornick, geschiedene Zschimmer, die einen jüdischen Elternteil hatte. Erst seine vierte Frau, Clara Maria Kelch aus eine Hamburger Arbeiterfamilie war (wahrscheinlich) "Nichtjüdin" im Sinne des von Marr vertretenen Rassenantisemistismus. Marr, der einige Zeit in Mittelamerika lebte, war auch rassistisch gegenüber "Indios", "Neger" und "Mulatten" und hielt die für Lateinamerika typische "Rassenvermischung" für verhängnisvoll.

Den Begriff "Antisemitismus" in seiner heutige Bedeutung prägte Marr in seiner 1879 erschienenen Propagandaschrift "Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum - Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet".

Marr grenzte sich in seinen Schriften von der traditionellen religiösen Judenfeindschaft ab und behauptete, dass die Juden eine fremde, parasitäre "Rasse" seien, die erfolgreich die Ausbeutung der "Germanische Völker", vor allem der Deutschen, betreibe. Diesen Paradigmenwechsel von Religion zu "Rasse" verdeutlichte Marr dadurch, das er den Begriff "Antisemitismus“ prägte. Marr wußte sehr wohl, dass auch z. B. Araber, gegen die er nichts hatte, Semiten waren. Er verwies darauf, dass die einzigen Semiten, die in Europa Fuß gefaßt hätten, Juden seien. Da auch assimilierte und sogar getaufte Juden seiner Ansicht nach "jüdisch" blieben, suchte er nach einem passenden Begriff für solche "Rassejuden". Er fand ihn in "(europäische) Semiten".
Marr stellte als erster antijüdischer politischer Autor die Juden nicht den Christen, sondern den "Germanen" gegenüber. Er behauptete, es gebe seit über 1800 Jahren einen kulturellen Krieg zwischen beiden "Rassen". Dieser sei mit der Judenemanzipation zugunsten der Juden entschieden worden. Die Deutschen selber hätten den Juden mit der Märzrevolution von 1848 zu ihrem Sieg verholfen, indem sie deren liberale Ideen übernommen hätten. Auch Deutschlands Konkurrenten in Europa, Frankreich und Großbritannien, würden von Juden beherrscht. Er schloss mit einer kulturpessimistischen Aussicht: Den Juden gehöre die Zukunft, das Germanentum sei zum Aussterben verurteilt. Finis Germaniae! Vae victis! (Das Ende Germaniens! Wehe den Besiegten!)
Marr formulierte schon damals die Verschwörungstherie vom alle
Staaten Europas durchdringenden und "zersetzendem" Weltjudentums. Gegen die heimliche Herrscher, das Weltjudentum, gründete er die "Antisemitenliga".

Marr und seine "linke" Antisemitenliga konnten sich unter den mehrheitlich doch eher völkisch-nationalistisch und antidemokratisch gesonnenen "rechten" Antisemiten nicht durchsetzen. Allerdings wurde seine rassistisch begründete Verschwörungstheorie geradezu begeistert von ihnen aufgenommen - vermutlich, weil sie "modern" und "wissenschaftlich" wirkte.

Wilhelm Marr - Biographie

Wikipedia: Wilhelm Marr,
Antisemitenliga,
Antisemtismus bis 1945

Freitag, 5. Januar 2007

Der Meister des "Professorenromans" wird 75

Umberto Eco, geboren am 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont, ist Philosoph, Medienwissenschaftler und Professor für Semiotik an der Universität Bologna. Er ist politisch engagiert und machte als aktiver Gegner Silvio Berlusconis Schlagzeilen.

Berühmt wurde er allerdings als Romanautor - Der Name der Rose, Das Foucaultsche Pendel, Baudolino, Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana. Herrausragende Werke der intelligenten Spannungsliteratur. Und Professorenromane.

"Professorenroman" - das war noch zur Zeit, als ich als Gymnasiast meine Deutsch-Leistungskurse absolvierte, eine spöttische Bezeichnung für von Gelehrten geschrieben Romane, die beinahe in jedem Satz durchblicken ließen, für wie schrecklich gelehrt sich der Autor hält. Romane voller exotischer Fremdwörter, verschrobener Formulierungen und bedeutungsschwerer Anspielungen auf literarische Texte, ohne deren Kenntnis sich der Sinn des Ganzen nicht erschließt.
In einem Satz: Schwer verständliche und mit tonnenweise "Botschaft" beladene "Bildungsliteratur", vorzugsweise in einem schrecklich pathetischen Stil gehalten.

Allgemeiner, und ohne Spott, ist ein Professorenroman ein Roman, der von einem Professor über sein Fachgebiet geschrieben wird. Meistens entspricht das Ergebnis dann dem oben genannten, aber es gibt Ausnahmen:
J. R. R. Tolkien war Sprach- und Literaturwissenschaftler, Philologe und Professur für Anglistik. "Der Herr der Ringe" fällt genau in sein Fachgebiet.
Streng genommen würden auch zahlreiche Science Fiction-Romane unter "Professorenroman" fallen, da SF-schreibende Professoren aber meistens da anfangen, wo die "seriöse" Wissenschaft aufhört, werden z. B. die Werke Carl Sagans, Isaac Asimovs oder Samuel R. Delanys gemein hin nicht hier eingeordnet.

Umberto Ecos Werke sind Professorenromane, fast, aber nur fast, in der Tradition der von Kulturhistorikern verfassten kulturhistorischen Schmöker des 19. Jahrhunderts, deren lesbarster und populärster Vertreter der unterhaltsam schreibende Althistoriker und Germanenschwärmer Felix Dahn war. Eco ist nicht nur ein um Klassen besserer Schriftsteller, er hat auch ein bei weitem besseres, weil nicht belehrendes, sondern zum Selbstdenken anregendes, "didaktische Konzept". Aus Ecos Romanen kann man viel lernen, ohne das es unangenehm auffällt. Er ist keiner jener Schreiber, die einen zu etwas "kriegen" wollen.
Vor allem ist Eco ein Aufklärer. (Was man von Dahn nicht gerade behaupten kann.)

Da ich gerne Verschwörungtheorien demontiere, liegt mir unter Ecos Romamen "Das Focaultsche Pendel" besonders am Herzen. (Allein 23 der Beiträge, die ich im Laufe des letzten Jahres für dieses Blog schrieb, beschäftigen sich mit Verschwörungstheorien. Wobei es manchen ganz hartgesottenen V-Theoretikern zu denken geben wird, dass es ausgerechnet 23 Beiträge sind ... )

In Ecos Roman geht es, anders als etwa in den Verschwörungs-Thrillern Dan Browns, um die Beliebigkeit, mit der sich aus Tatsachen irreale Verschwörungstheorien zusammenbasteln lassen. An diesen Theorien stimmen dann alle Fakten, auch die Art und Weise, wie die Fakten miteinander verknüft sind, ist in sich logisch, aber die Theorien als Ganzes haben mit der "Welt da draußen" herzlich wenig zu tun. Was nichts daran ändert, dass sie dann bei hinreichender Paranoia auch geglaubt werden.

Es geht im "Foucaultschen Pendel" um eine typische pseudowissenschaftliche Verschwörungstheorie, genannt "der Plan", nach der die Tempelritter a) auf eine geheimnissvolle Energiequelle gestoßen sind, b) sich für die Verfolgung ihres Ordens im 14. Jahrhundert rächen wollen und natürlich c) nach der Weltherrschaft greifen. Drei Freunde bauen ihre Theorie über "den Plan" als eine Art satirisches intellektuelles Spiel immer weiter aus.
Sie benutzen, um neue Inspirationen für "den Plan" zu erhalten, z. B. einen PC, der so programmiert ist, dass er "Zusammenhänge" erstellt, indem er nach dem Zufallsprinzip Wörter aus echten esoterischen Schriften und Verschwörungstheorien verknüpft.
Ein amüsanter Seitenhieb ist das Ergebnis des ersten Versuches: eine Verschwörungstheorie, wonach Maria Magdalena die Geliebte Jesu Christi und Behältnis von dessen Nachkommen, der wahre Heilige Gral sein soll.
Genau diese These liegt dem Bestseller "Der heilige Gral und seine Erben" von Michael Baigent, Henry Lincoln und Richard Leigh zugrunde. Und die übrigens auch dem lange nach Eco Buch erschienen Thriller "The Da Vinci Code" / "Das Sakrileg" von Dan Brown zugrunde liegt.
Den Umberto Eco nicht nur deshalb verabscheut, weil er für die Hauptperson des Romans, dem Semioniker Robert Langdon, unverkennbar als "Vorlage" diente - wobei Langdon als Symbolforscher etwa so glaubwürdig geriet wie Indiana Jones als Archäologe.

Donnerstag, 4. Januar 2007

Warum wir süchtig nach Prognosen sind - auch wenn sie in die Hose gehen

Orakel sind, richtig verstanden, nützlich, auch wenn sie nicht die Zukunft zeigen - und gar nicht zeigen können!
Im Grunde sind auch Prognosen, vor allem jene, die mit Trendanalysen arbeiten, moderne Orakel (auch wenn das man das in keinem Trendforschungsinstut gerne hören wird).
Sie zeigen nicht die Zukunft, sondern bestenfalls eine Landkarte der Konsequenzen, die sich auch den Dingen, die sind, und aus unseren Handlungen ergeben könnten. Zum richtigen Umgang mit Prognosen gehört eine gehörige Portion Skepsis und die Einsicht, dass es keine "determinierte" Zukunft gibt. Beides fehlt meistens.

Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Zoologe an der TU München, meint (und da gebe ich ihm recht):
Wie gehen wir mit Prognosen um? Schlecht, sehr schlecht und viel zu nachsichtig! Wider besseres Wissen aus der Erfahrung sind wir geneigt, den Prognosen zu folgen. Sind sie falsch, drohen den Verkündern keine Konsequenzen. Nicht einmal lächerlich machen sie sich mit nicht eingetretenen Vorhersagen. Kommt die Zeit, in der sie sich bewahrheiten sollten, hat man sie nämlich in aller Regel längst vergessen. Meistens wird Schlechtes prognostiziert. Tritt es nicht ein, ist alles in Ordnung, und man will weiter gar nichts mehr darüber wissen. Viele Menschen gehen ohnehin davon aus, dass alles nicht so schlimm kommen wird wie vorhergesagt. Oft genug stimmt das auch. Schlechte Nachrichten verkaufen sich dennoch immer gut. Gelegentlich gelingt es sogar, das an sich Gute durch geschickte Umverpackung so mieszumachen, dass man sich schämt, es genossen zu haben.
Weiterlesen, in der NZZ online:Unsere Sucht nach Prognosen

In der selben Ausgabe: Ein Vorrang der schlechten Prognose?
Zu den ethischen Grundlagen des Vorsorgeprinzips
.

Vorsicht vor Vorsorge

Montag, 1. Januar 2007

Raunächtliche Gedankensplitter

In der Raunächten, zwischen dem 22. Dezember und dem 2. Januar blogge ich Texte, die ich irgendwann einmal angefangen habe und die lange als halbfertige Entwürfe oder als Notiz herumlagen, aber auch Ergänzungen älterer Artikel. Das hier ist Sammelsurium von Gedankensplittern.

Blauer Planet
Blauer Planet (Unzufälligerweise auch das Lied, das ich hörte, als die letzten Sekunden des alten Jahres und die ersten des neuen vertickten.)

In den Raunächten übte ich mich ein einer Art fortgesetztem Ritual. Darin habe ich - kaufmännische Metapher - die offenen Posten meines Bewußtseins betrachtet: wo habe ich noch etwas zu bekommen, wo habe ich noch (geistige) Schulden? Dann entschied ich, welche "Forderungen" und welche "Schulden" ich als mit dem neuen Jahr als "verjährt" ansehen kann. Was kann getrost in den Aktenschredder? Ich verrate hier nicht, was ich alles geschreddert habe, es war aber sehr, sehr viel geistiges Altpapier, das ich fein zerkleinert in die Tonne getreten haben. Deckel drauf!

Es waren einige verdammt belastende Dinge darunter, die ich rituell geschreddert und symbolisch umweltgerecht entsorgte!

Angenehmer Nebeneffekt: dabei kamen auch ein paar "Vorgänge" zur Tage, die ich fast vergessen hatte, die sich aufzugreifen lohnen dürfte.

Leider kann ich nicht alles schreddern und in die Tonne treten, was mir als Problem auf der Seele liegt. Weil die Posten wirklich noch offen und unverjährt sind. Mir hilft es dabei, sie nicht als unumgehbare Hindernisse meiner Zukunft zu sehen. (Siehe Orakelzeit.) Eine Lektion des vergangenen Jahres ist der Umgang mit gefährlichen "Hindernissen", die in gewisser Hinsicht Konsequenzen meines Tuns bzw. Lassens sind.

Das Schöne an Offenen-Posten-Rechnungen ist ja, dass sie auch zeigen, wo man etwas zu erwarten hat. Und ich habe endlich wieder einiges zu erwarten.

Es gibt viel zu tun. Nicht nur für mich persönlich, sondern auch für meine Heilsgemeinschaft. Den leider nicht geschreddert in die Tonne treten können wir die Gründe, weshalb es solche ärgerlichen Zitate in politischen Webforen gibt - nein, ich ärgere mich nicht über jene, die so etwas sagen, sondern über jene, die ihnen den Grund dafür geben, so etwas zu sagen:
Und es ist einfach so, dass viele Altgermanische Symbole von der rechtsradikalen Bewegung gezielt benutzt werden. Wer mir erzählen will, dass er nur so an die altgermanischen Götter glaubt und seine Thorrunen offen trägt, aber darauf natürlich ganz alleine gekommen ist, und das auch keinen rechtsradikalen Hintergrund hat, wird von mir eh nicht für voll genommen.
Aber immerhin lassen sich die Gründe, weshalb es solche Ansichten gibt, schön säuberlich benennen - und was noch schöner ist: es liegt in unserer Hand, etwas gegen diese Gründe zu tun!

Andere Gedankensplitter: es herrscht stürmisches Wetter. Nicht nur meteorologisch.
Nein, die Zeit zwischen Jul und Neujahrsnacht war nicht ruhig. Auch wenn es mir gelang, äußerer Störungen des Julfriedens auszuschließen. (Andere hatten dieses Glück nicht.) Es stürmt in mir. Innere Unruhe. Nicht unangenehm. Eher Tatendrang. Ein lang vermisstes Gefühl.

Vermissen: Mir ist erst in diesem Jahr klar geworden, wie einsam ich mich fühle. Nicht einsam in der Isolation. Nicht einsam im Sinne von "zu wenige Sozialkontakte haben". Noch nicht mal einsam im Sinne, dass ich zu wenige Freunde hätte. Um meinen Freundeskreis dürften mich viele beneiden. "Freunde - sind mein Schatz".

Es sind zwei andere Formen der Einsamkeit. Die eine ist der Preis meiner Freiheit: die Freiheit des freiwilligen Außenseiters (manche sagen: Exentrikers). Die möchte ich nicht verlieren, auch wenn es hin und wieder unangenehm ist, "draußen vor" zu stehen.
Die andere ist das Gefühl, denen, den ich nahe stehe, zu fern zu sein.

Sonntag, 31. Dezember 2006

Orakelzeit

Zu Silvester versuchen viele Menschen, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Vergeblich. Denn es gibt keine Zukunft, in die man blicken könnte. Die Zeit ist kein Eisenbahngleis.
Ein Orakel ist kein Blick in die Zukunft, sondern ein Blick auf die Landkarte des Möglichen.
wenn das, was ist, das ist, was war
und mir das morgen doch nicht klar
weil es im dunklen liegt verborgen
des gestern, heute, übermorgen
dann komm ich heute aus dem gestern

geh die wege die ich muß
so kommt das neue aus dem alten
und alles ist in stetem fluß
vereinigt sich im meer des lebens
und kam auch schon aus ihm hervor

ich folge nur dem lauf des flusses
der zum wassertropfen mich erkor
ob blind für seitenwege oder zeichen
oder offenen Auges frei und wild
weben die nornen mir mein schicksal

und weisen des morgens neues bild
Carola Seeler, Urd, Werdandi und Skuld

Urd - das ist, was ist. Was wir nicht ändern können. Egal, ob es heute, übermorgen oder vor 36000 Jahre geschieht.
Skuld - ist das, was “herauskommen müsste” oder “soll”, wie der Name sagt, die Konsequenz dessen, was man tut.
Werdandi - ist das, was "in unseren Händen lieg". Das, was wir tuen können.
Look no further,
Cruelest,
Almost,
always to ourselves,
It mustn't get any better
Off
It's in our hands: it always was
It's in our hands: in our hands
It's all there: in our hands
It's all there: in our hands
Well
Aren't we scaring ourselves
Unneccesarly?
Aren't we trying too hard?
'Cause it's in our hands
It's in our hands
It's all here:it`s in our hands
aus:
björk: It's in Our Hands

Für alle, denen das zu orakelhaft ist, empfehle ich diese beiden Texte zum Weiterlesen:
Duke Meyer: No Future - Warum das Germanische keine Zukunft hat
Sven Scholz: Im Zeitstrom des Lebens

Samstag, 30. Dezember 2006

Wie antisemitisch ist Asatru? (3)

In den Raunächten, zwischen dem 22. Dezember und dem 2. Januar blogge ich Texte, die ich irgendwann einmal angefangen habe und die lange als halbfertige Entwürfe oder als Notiz herumlagen, aber auch Ergänzungen älterer Artikel. Das hier ist der lange überfällige dritte Teil eines Artikels.

Teil 1
Teil 2

Im zweiten Teil legte ich dar, dass die germanische Stammesgesellschaft zwar das nicht nur für Stammesgesellschaften typische Mißtrauen gegenüber "den Anderen" hatte, aber keine Probleme mit der Aufnahme neuer Mitglieder in den Stamm, geschweige denn Ausgrenzung von Minderheiten innerhalb des Stamms kannte. Außerdem kann es bis zur Wikingerzeit aus historischen Gründen gar keine Judenfeindschaft gegeben haben.

Damit stellt sich die Frage, wie denn der Antisemitismus in den germanischen Neopaganismus hineingeraten ist.

Ein Teil der Antwort liegt im Antimonotheismus. Der Antimonotheismus, jedenfalls in seiner politisierten Form, gehört seit Anfang des 20. Jahrhunderts zum geistigen Marschgepäck intellektueller Rechtsextremisten. Wobei der Antimonotheismus ursprünglich ein Kind der Aufklärung und keineswegs "rechts" war - und sich ursprünglich gar nicht gegen die Juden, sondern die christlichen Kirchen wandte.
Kern des Antimonotheismus ist die - zutreffende - Beobachtung, dass Glaubenskriege eine "Spezialität" monotheistischer Religionen sind und dass polytheistische "Religionen" gegenüber "anderen Göttern" tolerant sind. ("Religionen" in Anführung, da unser gebräuchlicher Religionsbegriff auf den Monotheismus zugeschnitten ist. Heidnische "Religion" hebt sich gegenüber anderen kulturellen Feldern kaum ab und es gibt keine scharfen Grenzen z. B. zwischen Gottheiten auf der einen und Naturerscheinungen, herausragenden Menschen oder normativen Prinzipien auf der anderen Seite.)
Das Gundproblem des Monotheismus ist die Unterscheidung zwischen "wahrer" und "falscher" Religion, "wahrem" Gott und jeder Menge "falscher Götter" - eine irrelevante Unterscheidung im Polytheismus.
Der Monotheismus ist darum sozusagen strukturell intolerant - was nicht bedeutet, dass ein Monotheist automatisch religiös intolerant sein muß, so, wie ein Polytheist nicht automatisch religiös tolerant ist. Damit einher ging die Entwicklung eines absoluten Wahrheitsbegriffes, der tief in das kulturelle Gedächtnis des modernen Menschen eingegangen ist.

Das Grundproblem des Antimonotheismus ist es, sich genau diesen absoluten Wahrheitsbegriff in Verbindung mit dem in der Spätantike entstandenen dualistischen Denken zueigen gemacht zu haben: der Monotheismus sei an allem "Schuld". Ein typischer Antimonotheist neigt dazu, sich die polytheistische antike Welt als eine Idylle der religiösen Toleranz vorzustellen - es gibt aber Formen der religiösen Intoleranz, die nichts mit "falschen Göttern" oder "falschen Glauben" zu tun haben.
Der nächste Kurzschluss liegt darin, "den Juden" (als Anhänger der ältesten und radikalsten monotheistischen Religion) die "Schuld" für alle Übel aus 3000 Jahren Monotheismus zu geben. Der (mythische) Bund Gottes mit Moses habe die glückliche Ordnung der heidnischen Antike gesprengt und der brutalen Intoleranz des Mittelalters und der Neuzeit den Weg bereitet. Im Grunde seien die Juden für den Antisemitismus selbst verantwortlich, schließlich hätten sie ja den Monotheismus mit seinem religiösen Ausschließlichkeitsanspruch in die Welt gebracht. Damit ist der entscheidende Schritt zum Antisemitismus getan.

Nun ist es aber so, dass viele, wenn nicht gar die meisten Asatruar, Antimonotheisten sind. Woraus sich ergibt, dass es tatsächlich ein breites Einfallstor für antisemitisches Denkens gibt. Das allerdings mit etwas Bereitschaft zur Selbstkritik und zum differenzierten Denken - anstelle des bequemen Schwarz/Weiß-ohne-Grauwerte-Denkens - leicht verrammelt werden kann.

Es geht aber auch anders herum: Rechtextremisten, die das Neu-Heidentum für sich entdecken. Ein modernes Beispiel ist die "neue Rechte", vor allem ihr wichtigste Vordenker Alain de Benoist. Er macht den politischen Antimonotheismus - mit deutlich antisemitischem Einschlag - zum zentralen Bestandteil seiner Ideologie. Benoist vertritt einen Neopaganismus, der eine polytheistische indogermanische Ur-Religion postuliert, von der dann alle heidnischen Religionen Europas abstammen würden. (Die Ähnlichkeit zur "Ariogermanischen Ur-Religion" der Ariosophen und mancher Nazi-Ideologen ist unübersehbar.) Das von ihm so bezeichnete „Judäo-Christentum“ - er sieht, wie andere Rechtsextremisten auch, das Christentum als "verlängerten Arm" des Judentums - hätte die ursprüngliche europäische Religion und Kultur angegriffen. Dies sei vor allem dem Monotheismus zu verdanken, in dem Benoist die Wurzel des Totalitarismus sieht, und der einer „vielgestaltigen“, also „polytheistischen“ Welt feindlich gegenüber stehe. Benoist sieht (entgegen den historischen Tatsachen) im Liberalismus und in den westlichen Demokratien Produkte des „Judäo-Christentums“. Er lehnt sie ab, da sie den Individualismus begünstigen und dem Egalitarismus Vorschub leisten.
Obwohl die "Neue Rechte" eher eine Splittergruppe ist, haben sich "etablierte" rechtextreme Vereinigungen, z. B. NPD, durch Übernahme neu-rechter Theorien ideologisch modernisiert. Was den Zulauf ehemaliger Linker erleichtert, denn die Feindbilder der Neuen Rechten und der orthodoxen Linken stimmen weitgehend überein - man braucht als eigentlich "nur" noch den Kapitalismus für eine jüdische Erfindung zu halten.

Benoist Gedankengänge sind an sich nicht neu, ähnlich, wenn auch weitaus weniger elegant ausgeführt, dachten schon die Ariosophen, wie Guido "von" List.

Die Idee, dass Germanen und Juden sozusagen "natürliche Feinde" seinen, stammt, wie vieles andere auch, aus der deutschen Nationalromantik. Ihr lag gleich ein ganzes Bündel unhaltbarer Annahmen zugrunde, angefangen bei der Gleichsetzung von "germanisch" und "deutsch", über die Vorstellung, die germanischen Stämme hätten auf Blutsverwandschaft beruht bis hin zum später so genannten "Blut und Boden"-Denken: zur einer bestimmten Landschaft gehört "natürlicherweise" eine bestimmtes Volk einer bestimmten "Rasse" mit einer ihrer "Art" gemäßen Kultur und Religion. Alles andere sei "unnatürlich". Die Juden sind nach dieser Vorstellung ein aus einem "wüstenhaften" Land stammendes Nomadenvolk, das im kühlen, feuchten Norden, wo seit Urzeiten sesshafte Bauern das üppig grüne Land bebauern, ja zwangsläufig"degenerieren" muss, und zwar zu einer Art "Parasitenvolk". Alles in Allem stellen die Juden für "deutschvölkische" Germanenschwärmer das genaue Gegenbild zu den idealisierten und romantisierten Wunsch-Germanen dar - in "Rasse" (groß, blond, athletisch gegen klein, schwarzhaarig, fett - ich kann mir den Hinweis auf das reale Aussehen alter und neuer Nazis nicht verkneifen) wie im Charakter und Kultur.
Bestandteile dieses "völkisch-antisemitische" Weltbildes finden sich auch z. B. in den Schriften Richard Wagners. Schon im 19. Jahrhundert kam in germanisch-völkischen Kreisen die Frage auf, ob das Christentum überhaupt eine "artgemäße" Religion für Nordeuropäer sei und beeinflußte die ersten neuheidnische Gruppierungen.

Den entscheidenden Schritt zum Rasseantisemitismus machte Wilhelm Marr, interessanterweise ein linker Demokrat und Anarchist. 1879 erschien seine Propagandaschrift "Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum - Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet". Marr grenzte sich von der traditionellen religiösen Judenfeindschaft ab und behauptete, dass die Juden eine fremde, parasitäre Rasse seien, die erfolgreich die Ausbeutung Deutschlands betreibe. Es war Marr, der den Begriff "Antisemitismus" in den politisch-gesellschaftlichen Diskurs einführte.

Dieser Rasseansemitismus fand bei den völkischen Germanenschwärmern Anklang, da er ihrer Weltanschauung eine (pseudo-)wissenschaftliche Begründung gab.
Das antisemitisch-völkische Weltbild lag auch der ersten "Germanischen Glaubens Gemeinschaft" Fahrenkrogs zugrunde, es findet sich bis heute, in mehr oder weniger verhüllter Form auch in einigen Asatru-Gruppen.

Es gibt innerhalb Asatru tatsächlich eine völkische-antisemitische Tradition. Das heißt nicht, dass die meisten Asatruar in irgend einer Form antisemitisch seinen, es sind eher einige "braune Schafe", die solchen Gedankenmüll vertreten. Leider sind diese Schafe lautstark. Und leider gibt es zu viele Schafsköpfe, die sie tolerieren.
Schwer wiegt auch, dass Jürgen Riegers Menschenzuchtverein "Artgemeinschaft" als Glaubensgemeinschaft des Asatru bzw. der Forn Siðr auftritt.
Bei Neonazis sind echte oder vermeidliche germanische Symbole traditionell beliebt. Allerdings glaubt man in diesen Kreisen eher an göttliche Germanen (sprich: nordische Übermenschen) als an germanische Götter.

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