Samstag, 17. Juni 2006

"Porno-Droge stoppt Hartz IV"

BILD-Schlagzeilen selbstgemacht - kein Problem mehr mit dem neuartigen "Schlagzeil-o-mat" von BILDblog!

Gerantiert genau so sinnvoll und wahrheitsgemäß wie das Original!

Ein paar Beispiele:

"Schock-Bibel verliert Müll"
"Nazi-Kind verklagt Katze"
"Florida-Abzocker küßt Politiker"
"Ekel-Kanzler würgt Arbeitsamt"
"Nazi-Pipi frisst Brille"
"Abzocke-Raffke beißt Naddel"
"Käse-Busen stürzt LKW"

Fast schon originalgetreu:

"Busen-Lügner schockt BILD"
"Abzocke-Mullah belügt Deutschland"
"Nerv-Frau beißt Penis"
"Ex-Hure verklagt Papst"

Taugt auch als Titel-Generator für billige Sci-Fi-Filme:

"Asyl-Asteroid foltert Astronaut"

Mehr Klarheit über germanische Waffenfunde in Nordeuropa

Die Archäologie kann germanisch-römische Kriegsfunde in Nordeuropa immer besser einordnen. Der modernen Forschung gelinge es, die Funde besser als bisher zu interpretieren. Dies ist eines der Ergebnisse einer internationalen Fachtagung von rund 100 Archäologen aus neun Ländern, die vom 15. bis 18. Juni auf Schloß Gottorf im Archäologischen Landesmuseum in Schleswig stattfand.

Die Tagung ist Teil eines dänisch-deutsches Projektes, das im Mai 2005 begann. Insgesamt rund drei Millionen Euro werden bis 2009 in die Erforschung und Präsentation der Fundstücke sowie die Weiterbildung von Experten investiert. Das Geld kommt großteils von der dänischen Carlsberg-Stiftung und vom Europäischen Sozialfonds zur Förderung junger Wissenschaftler.

Rund 25 000 in Mooren versenkte Opfergaben aus Zeit zwischen 400 v.u.Z . bis ca. 600 u. Z. wurden im nordgermanischen Raum zwischen Nordschweden und Jütland gemacht; zu den bekanntesten Fundstätten gehört das Opfermoor von Thorsberg in Angeln (bei Schleswig) . Überwiegend sind es Waffen und andere soldatische Utensilien.
Germanische Sitte war es, erbeutete Waffen in Mooren als Opfergabe zu versenken. Zuvor wurden die Waffen meistens unbrauchbar gemacht. Allerdings machten die Germanen von diesem Brauch bei besonders wertvollen Waffen offensichtlich gerne Ausnahmen. Vor allem Waffen keltischen und später römischen Ursprungs wurden gerne weiterverwendet. Römische Waffen dienten germanischen Waffenschmieden des 2. und 3. Jahrhunderts u. Z. als Vorbild und wurden täuschend echt nachgebaut.

Quelle: www.schloss-gottorf.de

Freitag, 16. Juni 2006

Transrapid, Bären - und auch Fußball

Er kennt sich eben aus, der bayrische Ministerpräsident:
Wer ein Trio vorne hat wie Ronaldo, Ronaldinho und äh... äh äh und äh... die anderen Brasilianer, Carlo... äh Roberto Carlos, das ist äh, das ist äh, Rivaldo dazu noch, Rivaldo, äh äh - ah äh... Rivaldo, und äh, Ronaldinho, und Ro... und Ronaldo also... das dann verloren zu haben, das ist zwar bitter, aber nicht so bitter.
Mit mp3: Fußballernamen - von Edmund Stoiber: Gestammelte Werke

via: martin hagen

(Edmund S. kennt sich auch im Garten aus: Eine Blume hinrichten)

Donnerstag, 15. Juni 2006

Sommerliche Absurdität, etwas älter

Mir wurden, von einer alten Freundin, zwei eingescannte Ausschnitte aus zwei unterschiedlichen deutschen Programmzeitschriften zugemailt. Sie illustrieren eine sommerliche Absurdität der Güteklasse A. Der konkrete Fall liegt zwar schon drei Jahre zurück, aber er paßt - irgendwie - zu meinen Überlegungen zum Kinderbikini und - sehr gut - zu meinen Befürchtungen hinsichtlich des Hanges zur Selbstzensur aus Angst vor öffentlichkeitswirksamer Empörung.

Man vergleiche folgende Ausschnitte aus zwei unterschiedlichen Programmzeitschriften zur selben Sendung:

tv-01

tv-02

In der zweiten Fernsehzeitschrift wurden alle Kinder aus dem Foto wegretuschiert!

Eine in ihrer Konsequenz und Prinzipienreiterei sehr deutsche Form der redaktionellen Selbstzensur, denke ich. Verbunden mit einer geradezu US-amerikanischen Angst-Prüderie bzw. "sexual correctness".
"In unserem Blatt erscheinen keine Fotos von nackten Kindern, basta!"
Auch wenn sie nur von hinten oder halb untergetaucht auf einem etwas über briefmarkengroßen Foto abgebildet sind. Und die Kinder selbstverständlich in der Fernsehreportage gezeigt wurden. In größerem Format und durchaus auch von vorne.

Mittwoch, 14. Juni 2006

Sommerliche Absurditäten, zum Zweiten

Nachdem ich mich über eine besonders dumm-dreiste, buchstäblich zum verzweifelnde, sommerliche Absurdität ausgerotzt habe, ist der Blick wieder frei für die übrigen Absurditäten des Sommers. Durchaus lustig.

Zum Beispiel das lustige Gesundheitsministerium. Das bekanntlich meint, dass jeder, der es verlinkt, damit einen Vertrag einginge. Diagnose: akuter Realitätsverlust. Bei Gesundheitspolitikern ein durchaus häufiges Syndrom.Wand

Auch immer wieder lustig: das Arbeitsministerium. Ich-AG - Erfolgsquote unbekannt. ä-hm

Auch im weiteren politischen Zusammenhang mit Thema Nr. 1 (Fußball-WM) gibt es Lustiges zu vermelden: Einreiseverbot für Ahmadinedschad möglich
Die Bundesregierung könnte also ... wenn sie wollte. Lustig, dass ich sogar ausnahmsweise mal einer Meinung mit dem erzreaktionären "Backstein" bin:denk nach
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) hatte allerdings am Sonntag angedeutet, dass das Leugnen des Holocausts in Deutschland strafbar ist: «Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Ahmadinedschad ist bei uns nicht willkommen. Allein sein Diplomatenpass wird ihn vor einer sofortigen Festnahme schützen.»
Da wir schon mal bei der lustigen Fußball-FIFA-WM 2006 sind: FIFAFu und Beflaggungsverbot.noc

Und es gibt auch, außer Achmannhabichdensatt, andere lustige Antisemiten, z. B. bei einem trashigen trendigen wertlosen kostenlosen Livestyle-Magazin aus der kleinsten Weltstadt Deutschlands: Lifestyle-Antisemitismus. (Außerdem noch schwer verschwörungstheoriegläubig, was die Sache noch lustiger macht.)nunu

Sommerloch? Sonnenstich? Nein, ein leider folgerichtiger Vorschlag!

Wie ich es nicht anders erwartet hatte, kommen im Windschatten der WM gausliche politische Ideen ans Tageslicht. Es ist sicherlich nicht originell, aber es gibt Themen, die kann ich nicht ignorieren. Auch wenn "Me too"-Artikel eine Plage sind.

Das hier ist hoffentlich ein Fall von Sonnenstich oder Hitzekoller, aber ich fürchte, Stefan Müller (CSU) meint das Ernst:
Alle arbeitsfähigen Langzeitarbeitslosen müssen sich dann jeden Morgen bei einer Behörde zum 'Gemeinschaftsdienst' melden und werden dort zu regelmäßiger, gemeinnütziger Arbeit eingeteilt - acht Stunden pro Tag, von Montag bis Freitag.
Netzeitung: CSU fordert Arbeitsdienst für Arbeitslose

Wobei die als Argument bemühte "Kostenexplosion" ebenso virtuell ist wie das "Millionenheer arbeitsscheuer Sozialschmarotzer":
Wie mehrere Fachleute und auch Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) klar stellten, gibt es aber keine Kostenexplosion. Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert erklärte in der Netzeitung, die Kosten für Hartz IV lägen lediglich deutlich über den Planzahlen, die viel zu positiv gewesen seien. Laut Müntefering fallen die Ausgaben in diesem Jahr nur um vier bis fünf Prozent höher aus als im Vorjahr. «Es hat keine explosionsartigen Veränderungen gegeben.» (nz)
Ein "Reichsarbeitsdienst" ist allerdings leider folgerichtig, wenn man die einseitig betriebswirtschaftliche Sicht der Volkswirtschaft (!), den ausgeprägten Etaismus der Parteien der großen Koalition und das tief, tief verwurzelte autoritäre Denken nicht nur des rechten Unionsflügels berücksichtigt. Und den fatalen deutschen Hang, die Probleme von heute, wenn die Mittel von gestern versagt haben, mit Mitteln von vorgestern "lösen" zu wollen. Das Perfide - oder Strunzdumme - an Müller Vorschlag ist, dass die Zwangsbeschäftigten keine Gelegenheit mehr haben werden, sich ordentlich zu bewerben. Jedenfalls wäre der viel beschworenen Eigeninitiative, sich selbst einen passenden und guten Job zu suchen, wirksam ein Riegel vorgeschoben. Denn effektive Arbeitsplatzsuche ist, auch mangels Förderung durch die BA, faktisch ein Vollzeitjob.

Der "Bild" Titel, unter dem das Müller-Interview erschien, stimmt: "Erster Politiker fordert Arbeitsdienst für Arbeitslose". Es werden ihm weitere folgen. Mit hahnebüchenden Vorschlägen. Die nach diesem Hammer dann halbwegs vernünftig klingen werden. Das ist folgerichtig.

Zur Zeit der 1. "großen Koalition", 1966, schrieb der Philosoph Karl Jaspers seinen Bestseller (jedenfalls für ein politisch-philosophisches Buch war's einer): "Wohin treibt die Bundesrepublik?" - Antwort: "In einen Diktaturstaat". Es kam zum Glück anders. Aber ich vermute, dass zur Zeit der 2. "großen Koalition" dieser Gefahr wieder real geworden ist. Jaspers sah die junge Demokratie zum Spielball der großen Parteien werden und die politische Emanzipation der Deutschen bedroht. Wir haben wieder eine vergleichbare Situation.

Eine amüsante und treffende Polemik aus der linken Ecke - denn mir ist bei diesem Thema nicht zum Witzemachen zumute:

Bundesarbeitsdienst - mit Spaten und Ähren


Ich vermute, die Beste und sozialverträglichste Lösung für Typen wie mich ist die freiwillige Selbsteuthanisierung. Niemandem zur Last fallen, schon gar nicht der gebeutelten deutschen Volksgemeinschaft.

Montag, 12. Juni 2006

Vor vielen Sommern - 1974

1974 war meine erste Fußball-Weltmeisterschaft. Zumindest die Erste, die ich bewußt mitverfolgte.
Immerhin schon 32 Jahre her. Ich komme mir verdammt alt vor Opa.

Die Unterschiede zu heute sind bemerkenswert. Zum Beispiel war das heute übliche Maß an Kommerzialisierung vermutlich unverstellbar. Aber auch den Aufwand an Sicherheit hätte man sich damals schwer vorstellen können.

Ein Schlaglicht: Ende Mai 1974 war ich auf Klassenreise, in Eutin. Im Nachbarort Malente-Gremsmühlen bezog die bundesdeutsche Nationalmannschaft ihr Trainingslager. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, mal bei der abgeschirmten Sportschule Malente-Gremsmühlen Zaungast zu sein. Im Rückblick erschrecke ich beinahe darüber, wie groß der Unterschied zwischen "abgeschirmt" 1974 und abgeschirmt 2006 ist. Auch wenn ein paar Schulkinder sicherlich nachsichtiger behandelt wurden als "erwachsene" Fußball-Verrückte.
Auch 1974 gab es schon Sicherheitsbedenken. Immerhin war die RAF aktiv, und kurz vor der Eröffnungsfeier wurde der Rasen von unbekannten Tätern mir Parolen verunziert. Heute wären sie wohl nicht einmal in die Nähe des Stadions gekommen - und wenn doch, wäre die Feier wohl aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. :-(
Dafür war der Sport, soweit ich es mitbekommen habe, im Zuge des trotz der Entspannungspolitik immer noch frostigen Ost-West-Verhältnisses sehr politisiert. Legendär, zumindest für überzeugte Ex-DDRler, war das "deutsch-deutsche Duell" zwischen der DDR und den "Klassenfeinden" BRD im Hamburger Volksparkstadion am 22. Juni. Denn die DDR-Mannschaft gewann 1:0 und wurde Gruppensieger, das Tor schoß Jürgen Sparwasser.

Daran, dass es damals einen ähnlichen schwarz-rot-goldenen Flaggenrausch wie heute gegeben hätte, kann ich mich nicht erinnern. Wahrscheinlich erzwang schon die "besondere politische Situation Deutschlands" ein wenig Zurückrückhaltung in Sachen Hurra-Patriotismus. Ich kann mich nur daran erinnern, dass der Frühsommer 1974 extrem verregnet war. Die "Wasserschlacht" BR Deutschland gegen Polen im Frankfurter Waldstadion am 3. Juli ist legendär (die BRD gewann 1:0) , und auch vor dem Endspiel am 7. Juli, Niederlande gegen Deutschland, mußte der Rasen des Münchner Olympiastadions erst einmal "ausgewrungen" werden.Regenschirm

Diese "heiße Phase" der nassen WM bekam ich nur an einem winzigen schwarz-weiß-Fernseher mit, auf dänisch, mit deutschen Kommentar über Mittelwellen-Radio. Denn ab der letzten Juni-Woche war ich mit meiner Mutter und meinem Bruder zum Wohnwagenurlaub im kleinen Nordseeküstenort Svinkløv in Nordjütland. (Vater hatte noch zu Arbeiten.) Der nationale Überschwang der deutschen Campinggäste ob der gewonnen Weltmeisterschaft hielt sich in Grenzen - aus gutem Grund. Bei aller dänischen Toleranz und Gastfreundschaft - damals konnten sich noch verdammt viele Dänen verdammt gut an die deutsche Besatzungszeit erinnern, schließlich lag das Ende des 2. Weltkriegs erst 29 Jahre zurück. Gerade um Svinkløv herum gab es jede Menge perfekt erhaltenen deutscher "Atlantikwall"-Bunker und das letzte Minenfeld war erst drei Jahre zuvor zuende geräumt worden.

Als Junge war Camping-Urlaub in Dänemark gleichbedeutend mit "Freiheit" (wir waren mehrmals dort). Aus heutige Sicht würde ich sagen, dass dort ein tolerantes, heiteres und kinderfreundliches Sozialklima herrschte, das sich angehm vom "engen" und verbiesterten deutschen Sozialklima immerhin sechs Jahre nach "´68" abhob und auch auf deutsche Urlauber abfärbte. Damals fand ich es einfach nur toll.
Ein Beispiel: an (west-) deutschen Stränden herrschte damals ein streng reglementierter Geist, noch reglementierter als heute. In Dänemark und speziell an den weiten und breiten Stränden der nordjütischen Nordseeküste herrschte dagegen das Prinzip "tu was du willst solange du niemanden störst". Mit dem Auto bis an den Strand fahren? Kein Problem! (War es auch nicht, es gab noch kaum Geländewagen, mit denen man, wie einige Jahre später, die Strände zu "Autostränden" mißbrauchen konnte.) Feiern und Grillen am Strand - kein Problem, solange man niemanden störte. Einfach nackt baden? Kein Problem (auch nicht für Erwachsene), solange man es nicht gerade am ziemlich vollen Strand vor dem Badehotel machte. Sandburgen bauen? (Ich meine diese Ein-Familien-Ringwallanlagen, die damals an deutschen Stränden üblich waren.) Ging absolut nicht, weil sich recht viele mit Recht an dieser deutschen Unsitte störten! Grins

Obwohl das Wetter etwas "durchwachsen" war, erinnere ich mich an herrliche und scheinbar endlosen Sommerferien (wir waren die ganzen sechs Wochen dort). Auch wenn kein "Strandwetter" war, gab viel im Freien zu erleben. Und "Strandwetter" definiert ein Schuljunge sehr viel großzügiger als ein Erwachsener (jedenfalls war das damals so).
Nach den Sommerferien war ich im Ergebnis offensichtlich auffällig braun. Das war nicht ganz unwichtig, denn damals, als sich noch kaum jemand groß Gedanken um Hautkrebs-Risiko und das "Ozonloch" machte, war "braun" noch "gesund und schön". Da es noch praktisch keine Sonnenstudios gab und Selbstbräuner einen an schwere Hepatitis erinnernden Hautton hervorriefen, galt sehr braun zu sein sogar als glaubwürdiges Indiz für einen gewissen Wohlstand - es ließ, zumal in mäßigen Sommern wie 1974, darauf schließen, dass man sich eine längere Reise in den fernen Süden leisten konnte. Kein Wunder auch, dass Armvergleiche nach dem Urlaub auch unter Schülern üblich waren. Ich stach sogar einige Italien- und Spanienurlauber locker aus. Selbst die Schulsekretärin sprach mich darauf an, mit den Worten: "Bei uns oben hat es dauernd geregnet". Ich konnte die gute Frau kaum davon überzeugen, dass ich noch "weiter oben" Urlaub gemacht hatte, und das Wettter keineswegs durchweg sonnig gewesen war.
Das Klischee war stärker als die Realität.Sonne

Alles in allem kommt mir die Welt der 70er in der Erinnerung sehr bizarr vor. Und keineswegs so "golden", wie es manche Nostalgiker (die in der Regel noch eine ganze Generation älter sind als ich) weiß machen wollen. Eine - immer noch! - spießige, enge, erst in Teilbereichen langsam tolerant und "westlich" werdende (west-)deutsche Gesellschaft. Dass es damals langsam anders wurde, verdanken wir wohl vor allem den heute viel geschmähten "´68ern", der damals umstrittenen Regierung Brandt ("mehr Demokratie wagen", Entspannungspolitik), der von bestimmten Kreisen immer noch geschmähten "Verwestlichung", einschließlich amerikanischer Filme, dem ebenfalls gern kritisierten "Massentourismus", der noch mehr kritisierten Einwanderung (von "Gastarbeitern"). Ich habe sogar den Verdacht, wir "im Westen" verdankten manche demokratische Errungenschaft der deutschen Teilung, der Konkurrenz zur "realsozialistischen" DDR, und dem abschreckenden Beispiel eines autoritären "Gegenmodells" vor der Haustür.

Merkwürdig, wie weit ich von Thema "Fußball WM" ich abgekommen bin, und wie weit ins Private ich beim vor mich hinschreiben abgelitt. Ich lasse es aber so stehen, als persönliches Zeitbild des Sommers ´74.

Sommerliche Absurditäten

Nein, damit meine ich nicht die bemerkenswerte Ausrede des englischen Fußball-Nationalteams für ein grottenschlechtes Spiel ("Es war zu heiß" ) und auch nicht die absurden Hoffnungen des deutschen Einzelhandels auf einen WM-Boom Von WM erhofftes Umsatzplus bleibt aus
(Auch zu WM-Zeiten kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.)Photobucket - Video and Image Hosting

Ich meine auch nicht die "Gesundheitsreform", die im Schatten der WM relativ wenig beachtet durchgezogen wird - zu Gunsten des Koalitionsfriedens und ohne irgend einen wichtigen Lobbyisten oder einflußreichen Verband zu verprellen, dafür zu Lasten aller Anderen:
B.L.O.G.:Gesundheits Unpolitik

Ich meine auch nicht die bequeme, aber eigentlich absurde Sommermode, leicht verlierbare und ästhetisch fragwürdige Plastik-Badeschlappen auf offener städtischer Straße zu tragen.

Die Absurdität, die mir heute beim Passieren eines von Kindern als Plantschbecken nutzbringend zweckenfremdeten Springbrunnenbeckens ins Auge sprang, ist das wohl absurdeste sommerliche Kleidungsstück der westlichen Zivilisation:
Der Kinderbikini.
Was ein Bikini-Oberteil für ein 4-jähriges Mädchen für einen Zweck hat, möge mir doch irgend jemand mal erklären. Vielleicht der, schon kleine Mädchen darauf zu sozialisieren, dass gerade völlig überflüssige Kleidungsstücke ein modisches "Muss" sind. Oder (böser Verdacht) steckt dahinter eine unheimliche und hinterhältige Pädophilen-Verschwörung?!? ;-)

Sexual-Wissenschaftler haben nämlich die Erfahrung gemacht, dass es gerade die nicht gezeigten, die knapp verdeckten Geschlechtsmerkmale sind, welche die sexuelle Phantasie anregen. Das gilt auch für Pädophile. Es spricht z. B. viel dafür, dass Bilder von Kindern in einer Minimal-Bekleidung, also zum Beispiel Bikini oder Unterwäsche, eher den Pädophilen als Masturbationsvorlage dienen, als z. B. einfache Nackt-Bilder.

Ja und tatsächlich werden Kinder-Bikinis mit dem Adjektiv "sexy" beworben. Eigentlich können nur Pädophile so etwas getextet, Pädophile solche Kleidungsstücke entworfen haben ...
... oder die Werbephrasen werden ebensowenig hinterfragt wie der Sinn von "sexy" geschnittener Kindermode.daumenrunter

Freitag, 9. Juni 2006

Zwischen Anti- und Philosemitismus

"Das Schrecklichste nach dem Antisemitismus ist der Philosemitismus"
Egon Schwarz, jüdischer Publizist

Neulich wurde mir, so durch die Blume und über Bande, zu verstehen gegeben, dass ich 1. wohl ein Philosemit und 2. deshalb in Sachen Palästina-Frage und (Anti-)Islamismus voreingenommen sei.
Immerhin ist das ein Fortschritt. Denn ich trage gelegentlich einen Anhänger, der mich in den Augen bestimmter Menschen, wenn nicht gleich zum Nazi, dann doch zum "völkischen" Antisemiten stempelt:

Thorshammer

Zu diesem Symbol liest man z. B. so etwas:
Thorshammer:
Bei diesem Zeichen handelt es sich um den Hammer des altnordischen Gottes Thor. Er gilt als der stärkste der altnordischen Götter. Er ist Gott des Blitzes und des Donners und repräsentiert Stärke und hohes Alter. In der heutigen rechtsextremistischen Szene wird diese altnordische Bedeutung ersetzt durch das Symbol der völkischen Verbundenheit. So gilt er beispielsweise als Symbol des Widerstandes gegen die Religion aus dem Orient. Der Thorshammer findet sich u.a. auf Kleidungsstücken, ist aber besonders verbreitet als Anhänger für Halsketten. Das Verwenden dieses Zeichens ist nicht strafbar.
Zeichen und Symbole der Rechtsextremismus

Der Hammer dabei ist nicht der, dass Thor mitnichten "hohes Alter" repräsentiert. Und auch nicht die ziemlich freihändig erstellten Vermutungen, wofür Mjönir bei rechtsextremen Germanenschwärmern stehen könnte. Sondern die im Kern richtige Aussage, weshalb Rechtsextremisten - beleibe nicht nur Neo-Nazis - so gerne spirituelle Symbole heidnisch-germanischer und heidnisch-keltischer Herkunft mißbrauchen.
Während die straßenüblichen Neo-Nazis weniger für germanische Götter als für göttliche Germanen schwärmen und den Thorshammer vor allem als Ersatz für verbotene Symbole verwenden, gibt es vor allem in der "Neuen Rechten" Versuche, ihre Ideologie der Ungleichwertigkeit quasi-religiös zu fundieren.
Das ist nichts Neues, schon Houston Stewart Chamberlain, die Ariosophen um 1900 und auch ein Teil der Nationalsozialisten versuchten, germanische Mythologie - oder das, was sie dafür hielten, zu reaktivieren. (Texte zur Ariosophie und zum "rechten Heidentum" in: ODINS AUGE - Beobachtung gesellschaftlicher Tendenzen (ehem. “Ariosophieprojekt”) ).
Mit dem Bekenntnis zu einem „neuen Heidentum“ germanischer bzw. indogermanischer Prägung führen z.B. Alain de Benoist und Sigrid Hunke diese unselige Tradition in modernisierter Form fort.
Allen verbalen Versuchen sich vom offenen Antisemitismus abzugrenzen zum Trotz, bleibt die Zielrichtung dieses "Heidentums" eindeutig: Christentum und Judentum werden als Gegenpositionen und Feindbilder modelliert, Werten der liberalen Demokratie und der Gleichwertigkeit aller Menschen wird eine Weltanschauung entgegengesetzt, in der die Höherwertigkeit bestimmter "Rassen" (ersatzweise: Kulturen) und die völkische Gemeinschaft zentral sind.

Für die meisten Rechtsextremisten ist das "neue Heidentum“ pure Ideologie und nicht etwa "Religion". Eine "Religion" nämlich wirkt durch ihre eigene Kraft zur Sinnstiftung und Welterklärung, durch die Fähigkeit, Menschen einen "Glauben" zu vermitteln, durch ein Angebot der Transzendenz. Das sucht man bei Benoist vergeblich und bei Frau Hunke und den Ariosophen ist es ziemlich dünn und an den Haaren herbeigezogen.
Allerdings - es gibt durchaus ernsthaft "religiöse" Ásatrú bzw. Anhänger der Forn Siðr, die stramm antisemitisch sind. Meist fängt das mit einer scharf anti-christlichen Haltung an. Und allzu oft endet es in einer antisemitisch-antimodernen Ideologie:
Das Christentum ist eine Religion der Schwäche und des Selbsthasses, die von Juden für Juden geschaffen wurde.
(Aus dem wohlweislich nicht verlinkten Online-Zine für Nazi-Black-Metal BlutKriegSieg.)

Zurück zu mir. Nach meiner Selbsteinschätzung bin ich gewiß kein Antisemit. Was ist Antisemitismus?
Philosemit überigens auch nicht. Denn auch ein Philosemit sieht in Juden "etwas Besonderes" - Juden sind für ihn irgendwie keine normalen Menschen. Für mich schon. Ohne Einschränkung. Schon gar nicht gehöre ich zum Typ des "Gefühls-Philosemiten", der gerne Jude wäre oder sich sogar eine gefälschte "jüdische Identität" zulegt. Weshalb - hat jemand mit (mutmaßlich echter) jüdischer Identität so formuliert:
Und das komische Gefühl hat man auch oft bei Leuten, die sich eine jüdische Identität erfinden. Was im Prinzip das Dümmste ist, was man machen kann, denn Judentum ist weder cool noch lässig und hat auch keine Vorteile, es ist einfach eine verstaubte Religion mit sterbenslangweiligen Funktionsträgern.
(aus: Rebellen ohne Markt - Deja vu bei Ayaan Hirsi Ali)

Bei allem Respekt vor der jüdischen Tradition, der jüdischen Philosophie, der jüdischen Religion und all dem, was "das Judentum" für die menschliche Zivilisation geleistet hat: Der Don Alphonso hat Recht!

Wieso ich für einen Philosemiten gehalten werde? Vielleicht, weil meine pro-israelische Haltung für bestimmte Leute wahlweise nur durch einen "deutschen Schuldkomplex" oder eben durch "Philosemitismus" "erklärbar" ist. (Meine wirklichen Gründe sind komplex und sprengen den Rahmen eines Blogs.)
Oder einfach, weil ich in manchen Foren diesen Avatar verwende:
Davidsstern
Dabei ist das Hexagramm - (auch "Davidstern" genannt) nicht immer - und erst in relativ neuer Zeit - Symbol des Judentums. Auf das Hexagramm kam ich, weil ich mich ernsthaft mit so obskuren Sachen wie Magie und Hexerei beschäftige und nicht auf das auch von mit gernl verwendete Pentagramm (siehe links oben in der Titelleiste) zurückgreifen wollte.
Ich merkte - und zwar recht bald - dass sich antisemitische Heiden, die sonst gern den Vorwurf des Antisemitismus von sich weisen, mit dem harmlosen Hexagramm wirksam aus der Reserve locken lassen. Ein Grund mehr, das Hexagramm zu verwenden.

Ad Astra!

Mittwoch, 7. Juni 2006

Gestern starb Billy Preston

Ein wahrhaft legendärer Sänger, Songwriter und Keyboarder. Trotzdem werden einige jetzt fragen:
"Billy wer?"
, aber ich gehe jede Wette ein, dass Ihr schon mal Preston am Piano gehört habt.
süddeutsche: Der fünfte Beatle ist tot
laut.de: Der gestern verstorbene Billy Preston war informelles Mitglied der Beatles UND der Rolling Stones.

Vor 25 Jahren - 50 Sekunden über Bagdad

Manchmal gibt es tatsächlich Millitäraktionen, die ich für gerechtfertigt halte. Es sind wenige, aber es gibt sie.
Tatsächlich gibt es sogar einige ganz wenige militärische Angriffe, die ich richtig Klasse finde.
Einer fand heute vor 25 Jahren statt. Der im Bau befindliche irakische Atomreaktor Osirak wurde durch einen israelischen Lufangriff zerstört. Rolf Behrens beschreibt in der "Luftwaffen Revue" wie es zu den "50 Sekunden über Bagdad" kam:
(Auf Sprit of Entebbe: Sonntagslektüre)

Via

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Geheimauftrag MARIA STUART...
Krisenfall Meuterei Der dritte Roman der Reihe "Geheimauftrag...
MMarheinecke - 9. Apr, 19:42
Urlaubs-... Bräune
Das "Coppertone Girl", Symbol der Sonnenkosmetik-Marke...
MMarheinecke - 1. Aug, 08:34
Geheimauftrag MARIA STUART...
Ahoi, gerade frisch mit dem Postschiff eingetoffen. Der...
MMarheinecke - 26. Mär, 06:48
Kleine Korrektur. Man...
Kleine Korrektur. Man kann/sollte versuchen die Brille...
creezy - 11. Nov, 11:29
strukturell antisemitisch
Inhaltlich stimme ich Deinem Text zwar zu, aber den...
dummerle - 5. Jun, 11:12

Suche

 

Status

Online seit 7361 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:08

Credits


doof-aber-gut
Gedankenfutter
Geschichte
Geschichte der Technik
Hartz IV
Kulturelles
Medien, Lobby & PR
Medizin
Persönliches
Politisches
Religion, Magie, Mythen
Überwachungsgesellschaft
Umwelt
Wirtschaft
Wissenschaft & Technik
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren