Sonntag, 1. Januar 2006

... und Physik kann er also auch nicht!

Neues Jahr - alte, abgestandene Kulturkritik von Rüdiger Suchsland, bekannt als der "ganz spezielle Filmkritiker" von "telepolis":
Ende des Mainstream?

In der thematischen Substanz eher Baujahr 1976 oder 1966 als 2006, von den Namen abgesehen. Trotzdem lesenswert, denn als Realsatire und unfreiwillige Selbstparodie ist er kaum zu toppen!
Nebenbei beweist Suchsland auch, dass er nicht nur keine Ahnung von Unterhaltungs-Filmen hat, sondern auch keine von Physik:
Mit Einsteins Relativitätstheorie beginnt die Naturwissenschaft endgültig ungegenständlich und damit ungreifbar zu werden. Schon zu Zeiten von Newton und Bohr mag alles für Nichtfachleute schwierig zu verstehen gewesen sein, mit Einstein wird es unmöglich. Nachdem schon kurz darauf, in den folgenden zwei Jahrzehnten, bildende Kunst und Kulturwissenschaft es der Physik nachmachten und ihre ähnlich kulturrevolutionären, individuellen Schritte in die Abstraktion, Ungegenständlichkeit und Nichterzählbarkeit taten, scheinen nun, lange Zeit später, Politik und Gesellschaft allmählich nachzufolgen.
Also: Zuerst die "ungegenständliche" (sprich: für Suchsland unverständliche) Physik, dann die "ungegenständliche" Kunst, schließlich die "ungeständliche" Politik und Gesellschaft? Die Kunst des frei interpretierenden an den Haaren Herbeiziehens versteht er jedenfalls meisterhaft, und Äpfel, Birnen, Orangen und Teetassen sind sowieso das Gleiche!
Niels Bohr schrieb seine bahnbrechenden Arbeiten zur Quantenmechanik übrigens nach Einsteins Relativtätstheorie, was auch naturwissenschafliche Totallaien mühelos nachschlagen können -> wikipedia: Niels Bohr.

Da paßt auch das hier:
Merkel betreibt Politik wie ein Physiklaborant: Im Kanzlerkittel mischt sie rote und schwarze Substanzen, achtet darauf, dass nichts explodiert, und lobt die "Kunst des Machbaren".
Äh, Physiklaborant? Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass Rüdiger Suchsland es irgendwie geschafft hat, in seiner Schulzeit den gesamten naturwissenschaftlichen Unterricht zu schwänzen.

Samstag, 31. Dezember 2005

Divination zum Jahreswechsel

Silvester ist traditionell ein Anlass, mittels diverser Orakelmethoden die "Zukunft" zu erkunden.
Dazu gehören solche Scharlatanerien wie "das große Jahreshoroskop" (in fast allen Illustrierten und Boulevardblättern) und im Vergleich dazu seriösen Methoden wie Bleigiessen und Kaffeesatzlesen.

Wozu anzumerken wäre, jedenfalls in meiner Sicht der Wirklichkeiten, dass es keine Zukunft gibt. Es gibt immer nur Möglichkeiten unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit, die sich unterschiedlich stark von uns beeinflussen lassen. Und "Wirklichkeiten" gibt es nur im Plural. Aber das führt jetzt zu weit ...

Ich gehöre zu jenen Menschen, die offensichtlich die Gabe - oder den Fluch - haben, ein Stück weiter in das Netz der Möglichkeiten schauen zu können, als es in unserer Kultur gemeinhin üblich ist. Über viele vermeindlich spektakuläre Beispiele von "Prophetie", Präkognition, "Remote Viewing" usw. wie sie durch die "Esoterik"-Literatur, aber auch durch die seriöser(e) Psi-Forschung geistern, kann ich nur lachen. Erst einmal, weil ich persönlich Ähnliches erlebt habe - dann auch, weil ich gemerkt habe, dass das "Schicksal" niemals "unabänderlich in Stein gemeisselt" ist, und nicht zuletzt, weil nur jene Prognosen geglaubt werden, die in den "persönlichen Wahrnehmungstunnel" passen. (Oft genug habe ich meinen eigenen Prognosen nicht getraut.)

Und dann stimme ich Lazarus Long bzw. seinem Schöpfer Robert A. Heinlein zu:
"Ich habe nichts gegen eine Wahrsagerin, die den Leuten etwas vorflunkert. Eine echte Seherin sollte man abknallen wie einen tollen Hund. Kassandra bekam viel zu wenig ab."
Bob Heinlein wußte, wovon er schrieb. Er zog es deshalb vor, den Leuten etwas von der Zukunft vorzuflunkern, indem er Science Fiction schrieb. Heinleins "Geschichte der Zukunft" aus den 1940ern liegt, was die Abläufe der Weltgeschichte betrifft, meilenweit neben der "Realität". Allerdings gibt es kaum einen SF-Autoren, dem so viele "beiläufige" Pronosen gelangen, die sich später als zutreffend erwiesen.
Er könnte mein "Leidensgenosse" gewesen sein. Deren gibt es anscheinend viele in der Zunft der Schreiberlinge "phantastischer" Literatur. Die beste Beschreibung dessen, wie es mir beim "Prophezeihen" ergeht, stammt übrigens vom dieses Jahr verstorbenen deutschen SF-Autoren Walter Ernsting ("Clark Darlton") - es sind die (frühen) Erlebnisse des "Teletemporariers" Ernst Ellerts aus "Perry Rhodan". Übrigens treffen auch die Beschränkungen, die Walter seinem "literarischen Alter-Ego" zuschrieb, auf mich zu.
Die Paralellen zu etnographischen Beschreibungen schamanischer Reisen sind ebenfalls nicht zu übersehen, obwohl ich mich hüte, mich für einen "Schamanen" zu halten.

Übrigens: All das ist reine Metaphysik. Im Alltag und auch sonst vertraue ich lieber dem "kritischen Rationalismus". Der gleicht zwar auch dem Versuch, auf ständig versinkenden Halzbohlen einen Sumpf zu überqueren, aber da weiß ich wenigstens, dass es einen Sumpf gibt - und wahrscheinlich sogar Bohlen.

Um "Butter bei die Fische zu legen": Ja, ich habe eine Idee, wie 2006 werden wird. Ja, meine Vorstellungen, wie 2005 werden würde, haben sich größtenteils bestätigt - wenn auch manchmal auf unerwartete Weise.
Nein, ich werde nicht verraten, was ich "gesehen" habe. Weil ich glaube, meine Grenzen zu kennen. Der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann, öffentlich eine echte Prophezeihung bekannt zu geben, ist die, zu verhindern, dass sie "Wirklichkeit" wird.

Divination, egal ob mit Tarot-Karten, Runen, I Ging, Astrologie usw. hat übrigens nichts damit zu tun. Ein Skeptiker nannte "Spielkartenprophetie" eine Methode
Wie man seine eigenen Ängste liest und für die Zukunft hält.
Er hat recht.

Wenn man sich hütet, das Resultat einer Tarot-Legung usw. für "die" Zukunft oder "die" Wahrheit zu halten, kann Divination ein wertvolles Hilfsmittel der (metaphischen) (Selbst-)Erkenntnis sein.

Was ergab das Tarot für mich? Davon verrate ich hier nur, dass bei mir "Schwerter" und "Kelche" endlich im harmonischen Gleichgewicht liegen, ich aber arg "Stäbe" und "Scheiben" vernachlässigt habe, obwohl ich oft genug sozusagen mit der Nase darauf gestoßen wurde.

Ich wünsche Euch viel Glück. Wir alle können es brauchen.

Martin

Von der Abschaffung des schönen Wetters

"Scheibenwischer", Sendung vom 29.12.2005:
Früher hieß das Winter oder weiße Weihnacht, heute spricht man von Schneekatastrophe.
Ja, füher gab es auch richtig schöne Sommer, heute gibt's überhöhte Ozonwerte, drohende Dürre, bedrohlich steigende Hautkrebsraten! Und wenn der Sommer mal verregnet war, wie dieses Jahr, steht die heimische Tourismusindustrie vor dem Ruin, wie natürlich auch die deutsche Landwirtschaft - zumindest, wenn man Pressetexten glaubt.

Heute ist auch jedes außergewöhnliche Hochwasser eine "Jahrhundertflut" (stimmt irgendwie auch, da Jahrhundert ist ja schließlich erst 5 Jahre alt), jeder tropische Sturm ein "Killerhurrikan" (peinlich, wenn dann ein Hurrikan wirklich schlimme Folgen hat, dann fehlen inflationsbedingt die Worte), und ein sonniger, milder Oktober ist nichts als ein Besorgnis erregendes Zeichen der Klimakatastrophe.

Weshalb gibt es nur noch schlechtes Wetter? Vermutlich, weil es (noch?) niemanden gibt, der sich "schönes Wetter" als Resultat erfolgreicher Regierungspolitik / Unternehmensaktivität / Behördentätigkeit /Reformmaßnahmen / Vereinsarbeit usw. zuzuschreiben traut. Vermutlich auch, weil "schlechtes Wetter" eine unversell verwendbare Ausrede für die fehlende Fehlertoleranz überoptimierter und über-rationalisierter Verkehrs- und Energieversorgungssysteme ist. Weil "Naturkatastrophen" oft durch fehlende Umsicht und Vorsicht erst katastrophal werden.
Vermutlich aber auch, weil "gute Nachrichten" für Sensationsverkäufer (früher "Journalisten" genannt) nun mal schlechte Nachrichten sind.

Mittwoch, 28. Dezember 2005

Stockholm Syndrom

Unter dem "Stockholm Syndrom" versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Peinigern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass Opfer mit den Tätern Mitleid fühlen. Es kann sogar darin münden, dass Täter und Opfer sich ineinander verlieben oder kooperieren. (Wikipedia: Stockholm-Syndrom.)
Das Stockholm-Syndrom scheint deutschen Politikern und deutschen "Journalisten" weitgehend unbekannt zu sein, anders lassen sich die Reaktionen auf die Äußerungen Susanne Osthoffs auf Al Jazeera kaum erklären. Oder sollte dahinter doch eine "höhere Absicht" stecken, wie die "zufällige" Fehlübersetzung jener Passage, in der sie sich zu einer möglichen Rückkehr in den Irak eben nicht konkret äußerte. Osthoff lässt Rückkehr nach Irak offen

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der “Verdacht” auftaucht, Frau Osthoff habe mit ihren Entführern kooperiert, Verschwörungstheoretiker gibt es in unter Politikern und Journalisten ja genug.

Bemerkenswert auch, wie wenig man darüber erfährt, was Frau Osthoff da eigentlich im Irak so machte. Lichtblick im trüben Mediensumpf ist das Interview, dass der Mainzer Archäologen Dr. Michael Müller-Karpe der Tagesschau gab: "Man kann ihre Arbeit nicht hoch genug einschätzen". Besonders bemerkenswert, da Osthoffs Engagement gegen die Raubgrabungen in Mesopotamien, an denen die deutsche Gesetzgebung alles andere als unschuldig ist:
Müller-Karpe: Richtig. Der Irak verbietet Raubgrabungen - wie übrigens alle Länder. Es ist nirgends erlaubt, illegal auszugraben. So etwas bedarf immer der Genehmigung. Deutschland respektiert das aber nicht. Dinge, die im Irak als Hehlerware gelten, sind in Deutschland völlig legal.

tagesschau.de: Warum ist das so?

Müller-Karpe: Da steckt eine finanzkräftige Lobby dahinter, die mit Hehlerware aus Raubgrabungen Geld verdient und die ganz offen mit dem Verlust deutscher Arbeitskräfte droht, wenn die Gesetze strenger werden.

tagesschau.de: Wer bildet diese Lobby?

Müller-Karpe: Das sind Kunsthändler, Auktionshäuser, die aufgrund dieser skandalösen Gesetzeslage hier in Deutschland handeln dürfen.

tagesschau.de: ...die in Deutschland aber nicht hunderttausende Leute beschäftigen.

Müller-Karpe: Nein, das ist ja das Absurde. Der Verlust deutscher Arbeitskräfte würde sich in einem überschaubaren Rahmen halten. Aber die Gefährdung deutscher Arbeitsplätze ist in Deutschland nun mal ein Totschlagargument.
Zu den Hintergründen der Raubgrabungen auf wissenschaft-online:Wir finanzieren die Raub-Archäologie im Irak"

Allerdings, Engagement hin, Stockholm Syndrom her, fehlt mir für eine Äußerung Frau Osthofs in ihrem "Al Jaazeera"-Interview jedes Verständnis:
She described her captors as “poor people” and said that she “cannot blame them for kidnapping her, as they cannot enter [Baghdad’s heavily fortified] Green Zone to kidnap Americans.
Noch etwas zum "Stockholm Sydrom": In Zusammenhang z. B. mit dem Massaker von Beslan, als beim Sturm auf die von Terroristen besetzte Schule 394 Geiseln umkamen, ist es mehr als verständlich, dass die Geiseln oft mehr Angst vor den Sicherheitskräften als vor ihren Geiselnehmern haben. Das galt sogar für die namensgebende Besetzung der "Kreditbanken" in Stockholm 1973, denn die schwedische Sicherheitspolizei agierte damals in einer gefährlichen Mischung aus Dilletantismus und Aktionismus. Inzwischen ist die Polizei bei uns in den meisten westlichen Ländern besser geschult, aber für den Fall eines Einsatzes z. B. der Bundeswehr in solchen Fällen sehe ich tiefschwarz.

(Via Sven und Jens.)

Dienstag, 27. Dezember 2005

Brot knallt nicht ...

Ich fand, obwohl ich zu Silverster nicht "baller", den Apell "Brot statt Böller" immer schon sauertöpferisch, lustfeindlich und als Apell ans schlechte Gewissen kontraproduktiv für wirkliche Hilfsbereitschaft. Gut, dass ich damit nicht allein bin:
Die „Aktion 3.Welt Saar“ (A3WS) fordert Hilfsorganisationen auf, den Appell ‚Brot statt Böller’ einzustellen. „Der Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau. Mit seinem Appell an das schlechte Gewissen richtet er zudem politischen Flurschaden an“, so Roland Röder, Geschäftsführer der „Aktion 3.Welt Saar“. Der damit unterstellte Zusammenhang zwischen dem Sylvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt ist beliebig gewählt und existiert nicht. Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Bücher, Weihnachtsbäume und Handys zu kaufen oder Fußball-Hallenturniere ausfallen zu lassen. „Der Einsatz für
Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer
Leidensmine und dem moralischen Zeigefinger einher geht“, so Röder. Zum Wesen des Menschen gehört in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung – für manche eben auch die Freude am Sylvesterfeuerwerk. Der Aufruf „Brot statt Böller“ ist dabei ungeeignet, um den Spendenrückgang bei Hilfsorganisationen aufzufangen. Dass Menschen hungern, liegt an der Verteilung und an der Verwendung von
Nahrungsmitteln als Viehfutter. Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht.

Sonntag, 25. Dezember 2005

Was jeder weiß II

"Jeder weiß doch, dass alles immer schlechter wird und wir in einer Niedergangszeit leben"

In der nicht unbedingt meiner Anschauung entsprechenden, jedoch hin und wieder lesenswerten "Welt" erschien pünktlich zum Weihnachtsfest eine Kolumne der von mir (meistens) geschätzten Journalisten Maxeiner & Miersch.

Zuerst ein heißer Tipp für kühle Tage:
Falls es ihnen jedoch zu beschaulich wird und Sie etwas Schwung ins festlich geschmückte Wohnzimmer bringen möchten, dann hätten wir einen Tipp (wir haben ihn letztes Jahr ausprobiert): Behaupten Sie einfach, die Welt werde immer besser. Zunächst wird ein Stakkato der Katastrophen der letzten Monate auf sie einprasseln: Vogelgrippe, Irak, CIA, große Koalition, verregneter August. Dann wird einer der Älteren am Tisch erzählen, welches Unbill es zu seiner Zeit nicht gegeben hat: Mobbing, Stalking, dicke Kinder, Mobilfunkstrahlen, Schmuddel-TV und Hartz IV. Schließlich wird man Sie für komplett übergeschnappt halten, und ermahnen, dass Sie mit solchen albernen Provokationen den anderen das Fest verderben.
M & M stellen in ihren Kolumne das Buch "The Progress Paradox“ von Gregg Easterbrook vor.
Darin hat der amerikanische Wissenschaftsautor einen Berg von Daten zusammengetragen, mit denen er für so ziemlich alle Bereiche des menschlichen Lebens belegen kann, dass die Welt nun schon seit mehreren Jahrzehnten immer besser wird. Egal welcher Fortschritts-Indikator in ihrer munteren Weihnachtsrunde abgefragt wird, bei Easterbrook finden Sie ihn und können den aktuellen Sachstand in Relation zur Vergangenheit vortragen. Ob Krieg, Hunger, Analphabetentum, politische Unterdrückung oder Umweltverschmutzung.
Der ganze überaus amüsante Artikel ist nachzulesen im Weblog Die Achse des Guten: ->Das Fortschrittsparadox

Persönliche Anmerkung: Ich schätze M & M als Kritiker der allgegenwärtigen "die Welt ist schlecht und wir stehen am Abgrund"-Einschätzung sehr. Allerdings neigen sie meines Erachtens mitunter dazu, ins andere Extrem zu fallen, bzw.
dem Lager der in letzter Zeit immer mehr aus ihren Nischen hervorkommenden "Verharmloser" (ungewollt?) verbale Munition zu liefern.
Das die Welt im Großen und Ganzen eine "bessere" ist als vor 100 oder 50 oder nur 25 Jahren verdanken wir nicht simplem Glück, "göttlicher Vorsehung" (incl. dem "Wassermannzeitalter") und schon gar nicht einer Ideologie.

Wir verdanken sie Schweiß, Tränen und Blut - jeder Fortschritt wurde hart erarbeitet, oft gegen erbitterten Widerstand erkämpft.

Unserer Welt und uns kann es nur dann weiterhin besser gehen, wenn weiterhin kritisiert, gekämpft, nachgedacht, verbessert und wieder und wieder kritisiert wird. Reale und drohende Mißstände gibt es genügend.

Freitag, 23. Dezember 2005

Was jeder weiß ...

... stimmt garantiert nicht!

Eine nützliche Faustregel.

Ein Beispiel aus der Medizin:
"Jeder" weiß, dass immer mehr Menschen am Melanom, dem bösartigen "schwarzen Hautkrebs" erkranken. Die Schuld wird, je nach Interessenlage, dem Ozonloch oder dem Sonnenbaden gegeben.
Eine Analyse der Medical School Hanover (New Hampshire) ergab, dass die Melanomrate in den letzten Jahren konstant geblieben ist. Melonome würden bloß häufiger aufgespürt werden als früher.
Im Jahr 2000 wurde in den USA bei mehr als doppelt sovielen Amerikanern ein Melonom entdeckt als 1986. Sieht man sich die Daten genauer an, dann fällt auf, dass fortgeschrittene Melanome genau so häufig (oder besser: selten) sind wie 15 Jahre zuvor, und auch die Zahl der Hautkrebstoten blieb annähernd konstant.
Die gleichbleibende Todesrate bei doppelter Erkranktenrate kann nicht durch Fortschritte in der Medizin erklärt werden, denn so stark hätten sich die Behandlungsmöglichkeiten nicht verbessert.
(Quelle: bild der wissenschaft, 1-2006)

Die originale Publikation als pdf-Dokument: Skin biopsy rates and incidence of melanoma: population based ecological study

Der "bedrohliche Anstieg der Hautkrebsrate" - nichts als ein statistisches Artefakt? Auch da bin ich skeptisch. Es gab meines Wissens einige kleine Fortschritte bei der Melonomtherapie, auch ist anzunehmen, dass die verbesserte Früherkennung und Früh-Behandlung dazu führt, dass prozentual weniger Melanome ein gefährliches Stadium erreichen.

Vermutlich gab es tatsächlich einen leichten Anstieg der Melanomrate, der allerdings, auch aufgrund der relativen Seltenheit dieser Hautkrebsart, niemanden ernstlich beunruhigt hätte. Für die Sonne gilt wohl der alte Satz von Paracelsus, dass die Dosis das Gift macht.

Den Verdacht, dass da im Hintergrund der eine oder andere absichtlich erzeugte "Spin" wirkt, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Beispiel für Legenden-Lobbyismus im Gesundheitswesen wären die Cholesterin-Legenden, die vor allem der wirtschaftlichen Gesundheit der Pharma-Industrie nützen.
... gesponsort von den Pharmaindustrie

Wenn man sich einen Film der Lipid-Liga zur Cholesterin anschaut, kann man aber durchaus einen andern Eindruck bekommen: Nur Medikamente schützten wirklich, die Änderung der Lebensweise bewirke zwar etwas, doch das reiche meist nicht aus. Produziert hat den Film der Pharma-Gigant Pfizer, der 2003 über 9 Milliarden Dollar mit Cholesterinsenkern umsetzte. Die Lipid-Liga informiere trotzdem neutral, so Weizel: "Die (Sponsoren) haben aber keinerlei Einfluss auf das, was wir sagen."
(zitiert aus:
W wie Wissen: Cholesterin – Mythos oder Gefahr?
)

Weitere interessante Informationen zum Cholesterin, auch vom WDR: Rundum gesund: Cholesterin - Mythos oder Risiko?

Dienstag, 20. Dezember 2005

Unsicherheit gut für Demokratie

Sichere Lebensbedingungen ließen in den Stammeskulturen sowohl der australischen Ureinwohner wie im alten Amerika Hierarchien entstehen, unsichere prägten demokratische Strukturen.
Häufige Wetterkapriolen und eine unsichere Nahrungsversorgung begünstigen demokratische Strukturen in einer Gesellschaft, wie sie in vielen Jäger- und Sammlerkulturen zu finden sind. Strenge Hierarchien und Rangordnungen bis hin zu Sklaventum entstehen hingegen vor allem dann, wenn sichere und beständige Nahrungsquellen vorhanden sind, erklärt der australische Forscher Ian Keen.
Die ganze Meldung bei wissenschaft.de:
Häuptling der vollen Speisekammer

Diese Erkenntnis steht im Widerspruch zu weit verbreiteten Legende, dass "Krisenzeiten" beinahe zwangsläufig autoritäre Strukturen hervorbrächten - und das nur eine "harte, entschlossene Führung" mit existenziellen Krisen fertig werden könnte.

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