"Da fass' ich mir doch an 'n KOPP!"

Jutta Ditfurth warnte schon vor gut 15 Jahre, dass eine faschistoide Bewegung, die in Deutschland regierungsfähig wäre, nicht von den offen auftretenden Neonazis und auch nicht von der Neuen Rechten getragen würde, sondern von der "verbürgerlichten" früheren Alternativ-Szene. Als Bindeglied zwischen nach eigenen Verständnis "eher linken" Alternativlern und "rechten" Ideen von Ungleichheit, Führerprinzip, Sozialdarwinismus, Ausgrenzung von Minderheiten, Auserwähltheitsdenken, Elitenkult, Selbstoptimierung usw. sah sie die "Esoterik-Szene" an.
Ich bin - das wissen die Götter - nicht in vielen Dingen einer Meinung mit Frau Ditfurth, und teile ihre sehr negative Einschätzung von allem, was mit "Esoterik" auch nur entfernt zu tun hat, nicht. In Hinblick auf das Verlagswesen muss ich ihr allerdings recht geben. Nicht ausgesprochene Rechtsextremisten-Verlage sind das Problem, auch wenn sie - wie z. B. der Arndt-Verlag (deutlich erkennbare Zielgruppe: NS-Nostalgiker) auch scheinbar seriöse Schwesterverlage wie z. B. Orion-Heimreiter unterhalten. (Hierzu: Unverlangte Buchbesprechung eines Buches aus dem "Arndt"-Verlag.)
Auch ausgesprochene Esoterik-Verlage erreichen nur "ihre" Szene. In der vielziertierten "Mitte der Gesellschaft" dürften die meisten dort erschienenen Bücher und Videos als "Spinnereien" abgetan werden.
Für wirklich bedenklich halte ich Verlage wie den KOPP-Verlag, den ich, als bei weitem größten der Szene, herausgreife. Die Bücher, die bei Kopp erscheinen, sind, weil sie an die Vorstellungswelt "normaler" Leser, Zuhörer und Zuschauer anknüpfen, deutlich wirksamer als z. B. die erzrassistischen Schriften von Ariosophen wie Guido von List oder Jörg Lanz "von Liebenfels" (die leider auch in unkommentierter Neuauflage und begleitet von sensationsheischender Werbung zu haben sind).
Kopp ist - oberflächlich gesehen - nicht einer bestimmten Weltanschauung zuzuordnen. Bei Kopp erscheinen sowohl Bücher, deren Autoren christlich-fundamentalistische Positionen vertreten, wie solche, in denen alles Übel der Welt von den "Wüstenreligionen" (Christentum, Islam, Judentum) stammt. Bücher, deren Autoren "beweisen", dass die Mondlandung 1969 technisch nicht möglich gewesen wäre, finden sich neben solchen, in denen "bewiesen" wird, dass die "Reichsdeutschen" schon so um 1945 zum Mond – und weiter – fliegen konnten.

Ich rechne den Kopp-Verlag zur "Esoterik"-Szene, weil der überwiegende Teil des Sortiments aus grenzwissenschaftlichen (bis pseudowissenschaftlichen) Sachbüchern und "Esoterik" besteht. Auch die Bücher und Medien, die Kopp als Versandbuchhandlung vertreibt, gehören überwiegend in diese Richtung. Für seriöse Sachbuchautoren kann es eine unangenehme Überraschung sein, ihre Bücher auf einmal im Kopp-Katalog etwa an der Seite des meines Erachtens ebenso paranoiden wie antisemitischen Verschwörungstheoretikers "Jan van Helsing" wiederzufinden. Wer allerdings bei Kopp selbst veröffentlicht, dürfte wissen, was sie oder er da tut.

Meine Einschätzung, der Verlag sei "braunstichig", ist wegen der scheinbaren Vielfalt der weltanschaulichen Ansätze nicht ganz so leicht zu belegen. Eine auffällige Gemeinsamkeit vieler bei Kopp erschienenen Bücher ist der behauptete "Tabubruch" - wobei das angebliche "Tabu" meistens ein Strohmann ist, denn es fehlt ja z. B. weder an seriösen israelkritischen Bücher, Sendungen und Artikeln, noch an solchen, in denen die z. B. die Gefahr des Islamismus beschrieben oder auf Unzulänglichkeiten des Weltfinanzsystem hingewiesen wird. Das gebrochene "Tabu" besteht meines Erachtens oft darin, ungehemmt z. B. antisemitische, antiislamische oder nationalistische Behauptungen zu verbreiten.

Das Bindeglied zwischen den "tabubrechenden Enthüllungsbüchern" mit Anschluss an gerade unter sich für kritisch haltenden Menschen weit verbreiteten Vorstellungen aus der "Mitte der Gesellschaft" und dem Bereich für Esoteriker und UFO-Gläubige liegt im bei Kopp auffällig gut vertretene Bereich der "Nazi-Esoterik", wo über "Reichsflugscheiben", außerirdische "Arier" und anderen unterirdischen Unfug schwadroniert wird.

Der Kopp-Verlag unterhält auf seiner Website ein Nachrichtenblog dessen enthüllungsjournalistischer Anspruch einem schon aus der Titelzeile Informationen, die Ihnen die Augen öffnen! in die Augen sticht.
Hierfür schreiben Autoren, die meistens auch schon bei Kopp Bücher veröffentlichten, und unter denen einige früher einmal als seriöse Journalisten galten, z. B. Eva Hermann, Udo Ulfkotte, Gerhard Wisnewski und hin und wieder auch Jürgen Elsässer.
Wisnewski, Autor erfolgreicher Weltverschwörungsbücher (z. B. "Lügen im Weltraum") veröffentlichte bei Kopp das Buch "Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?", das vor allem unter österreichischen und deutschen Rechtsextremisten auf breite Zustimmung stieß, woraus sich schließen lässt, dass der ehemalige ehemals angesehene Fernsehjournalist ziemlich weit "rechts" angekommen ist.
Dagegen ist Jürgen Elsässer ein "Linker", der früher für "konkret" und das "Neue Deutschland" schrieb, bis ihm Populismus, Nationalismus und Homophobie vorgeworfen wurde (meines Erachtens zurecht) und er eine "Volksinitiative gegen das Finanzkapital" gründete, die in meinem Augen unangenehm nach "Querfront" mit "völkisch" denkenden "Antikapitalisten" / "nationalen Sozialisten" aussieht.
Udo Ulfkotte, bis Ende 2003 außenpolitischer Redakteur der FAZ und bis zu seinem im selben Jahr erschienenen Buch "Der Krieg in unseren Städten" ein geschätzter Fachjournalist für Sicherheitsfragen und gefragter Islamexperte, ist eher im christlich-konservativen Feld zuhause - ein selbst ernannter "Verteidiger des christlichen Abendlandes". Ebenfalls deutlich christlich konservativ ist die Kopp-Autorin und ehemalige Tageschausprecherin, Talkshow-Moderatorin und Fernsehjournalistin Eva Herman.

Gemeinsam ist diesen so verschiedenen Autoren, dass sie nach einem Fauxpas ihr bisheriges journalistisches Wirkungsfeld verloren. Ihre weiteren Gemeinsamkeiten sind eine (verkürzte) Kapitalismuskritik, ein Hang zum "Sündenbockdenken" und ein Weltbild, das am ehesten als "antiliberal" umschrieben werden kann. Und ganz entschieden: Angst. Es sind, da bin ich mir ziemlich sicher, Menschen, die selbst von Ängsten geplagt werden, die aber auch ganz bewusst Angst schüren. Und die - wie der Kopp-Verlag - mit Angst Geld verdienen.

Was die von mir genannten Autoren noch gemeinsam haben, ist ihr Hang zu "(Welt-)Verschwörungstheorien".
Nicht Verschwörungen (die es in begrenzte Umfang sehr wohl gibt), sondern eher "gegenseitige Instrumentalisierung", Klüngeln, Günstlingswirtschaft, "Eliten", die "unter sich bleiben" (über die Häfte des deutschen Top-Managements stammt aus dem winzigen 0,5 % Segment der reichsten deutschen Familien), Schmalspurdenken / TINA-Denken ("There Is No Alternative!") und vor allem utopisches Wunschdenken / Realitätsblindheit, sind unabhängig von der jeweiligen konkreten Ideologie (die kann marktradikal-"neoliberal", konservativ, religiös, fallweise sogar "sozialistisch" sein), die Gefahren für eine offene, demokratische und halbwegs gerechte Gesellschaft.
Statt auf hypothetische Verschwörungen (etwa in dem Sinne, dass die "Bilderberger" die "wirkliche Regierung" wären) sollte der aufklärerische Fokus eher auf den (keineswegs hypothetischen) Kampagnien liegen. Die angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak, die den Angriff der "Koalition der Willigen" rechtfertigten, existierten bekanntlich nur in der Propaganda - irgendwelche "Inside-Jobs", "false flag operations" oder "Inszenierungen" waren dazu nicht nötig - ein paar geschickt lancierte Lügen und etliche unkritische Journalisten reichten aus. Und die Bertelsmann-Stiftung übt ihren problematischen Einfluss nicht etwa im Mafia-Stil aus - wozu heimlich Fäden ziehen, wenn man ganz offen beraten kann?

Der Kopp-Verlag ist ein Bindeglied zwischen verschiedenen, aber in entscheidenden Fragen übereinstimmenden Szenen. Kritische, unabhängige und unbequeme, unterdrückte Informationen sind wichtig, sogar überlebenswichtig für die gefährdete Demokratie. Allerdings ist Kopp eine denkbar schlechte Quelle für Aufklärung und Enthüllungen.

Übrigens habe ich mich mal an einer Parodie auf einen rechtsesoterischen und verschwörungsorientierten Verlag versucht - versucht, denn es ist praktisch unmöglich, das Angebot so eines Verlages satirisch zu überhöhen.
ARIO-Verlag.
Glanzor (Gast) - 24. Apr, 19:31

Was mir jetzt nur nicht ganz einleuchtet, ist, inwiefern dieser Verlag eine Verbindungsfunktion im Sinne Ditfurths darstellen soll?
Auf mich wirkt das wie ein ganz gewöhnlicher und nicht mal besonders gut getarnter (wenn der sogar Hellsing im Angebot hat) Verschwörungs- und Esoverlag. Oder bezeihst du sowas in deine Definition der Alternativ-Szene mit ein?

MMarheinecke - 24. Apr, 19:46

Ich beziehe sie in Frau Ditfurths Definition mit ein

Also als eine Szene, die "anders" sein will als der träge "Mainstream", die auch begierig ist auf Erklärungsmuster, die nicht z. B.in der Schule vermittelt werden. Die "offen ist" für "unkonventionelle" Welterklärungsmodelle. Und die, wegen ihrer mangelnden Selbstkritik, und ihre Ablehnung humanistischer, aufklärerischer und klassisch-sozialistischer Positionen, auch wegen ihrer Vorliebe für verkürzte Kapitalismuskritik und "einfache Patentrezepte", für emanzipationsfeindliche Tendenzen anfällig ist - Ditfurth spricht sogar von "Ökofaschismus".

Das trifft auf Verlage wie Kopp zu - Menschen, die dem "medialen Mainstream" und den "etablierten Parteien" misstrauen, und dafür offen für grenzwissenschaftliches und esoterisches Gedankengut sind, sind die Zielgruppe dieser Verlage.
Kopp tarnt IMO übrigens nicht, dass er ein Eso- und Verschwörungsverlag ist. Was er allerdings verschleiert - wie andere Verlage dieser Richtung auch - ist die Nähe zur rechtextremen Ideologie.
Glanzor (Gast) - 24. Apr, 22:42

Also gut

Aber wenn man mit Alternativ-Szene diese Leute meint (ich kenne den Zusammenhang, aus dem das Ditfurths-Zitat stammt, ehrlichgesagt nicht), dann frage ich mich, wann die verbürgerlicht sein sollen. Oder auch: Wann waren die mal anders? Dieser Verschwörungskram und vergleichbares sind doch eigentlich typisch kleinbürgerliche Denkmuster.

Und mit Kopps Tarnung meint ich ebenfalls ihren Rechtsextremis, nicht ganz klar ausgedrückt, zugegeben. Van Helsings politische Positionen sollten ja eigentlich jeden bekannt sein, der mit dem Namen in dem Zusammenhang etwas anfangen kann. Insofern bin ich mir nicht sicher, ob der Verlag da überhaupt versucht, etwas zu verdecken, oder einfach weiß, wer seine Kunden sind.
MMarheinecke - 25. Apr, 07:35

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen "van Helsing" nicht kennen

... oder nicht einschätzen können, wo er steht. Für viele ist die Indizierung einiger seiner Bücher ein Zeichen staatlicher Zensur, und ein Indiz dafür, dass er doch "unbequeme Tatsachen" ans Licht gebracht hätte. Ein simples "Entweder / Oder"-Denken.
Und klar kennt Kopp seine Zielgruppe. Nur kennt meines Erachtens nicht jeder in der Zielgruppe sich selbst. Ich kenne einige begeisterte "van Helsing"-Leser - keiner von denen hält sich selbst für "irgendwie rechts" oder will die Nähe Holeys zur NS-Ideologie wahr haben.

Klar sind Verschwörungsdenken und "Konsumesoterik" bürgerliche Denkmuster. Nicht nur "kleinbürgerlich", denn "upper middleclass" und Teile des "Bildungsbürgertums" sind auch anfällig. Und wahrscheinlich ist der Bedarf an einfachen Denksystemen und Patentrezepten, anders gesagt: an Ideologie, nirgends so groß wie unter den "Entscheidern". Es ist ein (verschwörungstheoretisches?) Vorurteil, das "die da oben" wüssten, was sie täten; dass die "Machteliten" mehr Durchblick hätten. Nur sind die Ideologien, die Utopien und die Verschwörungstheorien an die sie sich klammern, "oben" oft andere als "unten".

Nein, die "Alternativen" waren nicht von Anfang an "bürgerlich". In den 1980er Jahren, als auch noch die Ditfurth eine feste politische Größe bei den "Grünen" war, waren sie, zumindest vom Ideal her, eher "antibürgerlich". (Sag ich mal so, ich war dabei, wenn auch nicht "mittendrin".) Allerdings waren sie nicht durchweg "links" oder auch auch nur "humanistisch" - man denke an "Braungrüne" wie diesen unsäglichen Baldur Springman damals. "Antibürgerlich" kann ganz schön diktatorisch und menschenverachtend sein. (Totalitarismus in Grün, oder, wie die Ditfurth das nennt, Ökofaschismus, war von Anfang an mit dabei.)
In dem Maße, in dem sie sich etablierten, wurden aus den "alternativen Rebellen" von einst die "Stützen der Gesellschaft" von heute: "FDP auf Fahrrädern" triff es ganz gut, und das gute Gewissen kauft man sich im Öko-Laden. Man sehe sich die heutige, mit der CDU koalierende (und ihre "alten Ideale", einschließlich Atomausstieg, als Verhandlungsmasse behandelnde) hamburgische GAL an ... oder die "Grünen" unter Ditfurths Lieblingsfeind Joschka Fischer in der Koalition mit der SPD.
Glanzor (Gast) - 25. Apr, 14:15

Okay, dann sind mit "Alternativen" also doch das Umfeld der Grünen und der Ökopax-Bewegung gemeint

Und solche Leute lesen "van Helsing" und Kosorten?
Verwundert mich, weil die meisten Verschwörungstheoretiker, die ich getroffen habe, eigentlich immer Spießer per excellence gewesen sind, die mit den Grünen weder in ihrer heutigen Form und in ihrer damaligen erst recht nichts zu tun haben wollten. Aber wer weiß was das für Leute waren, bevor sie "verbürgerlichten".

Übrigens Respekt für deine Antworten auf meine Kommentare hier. Sowas ausführliches sieht man nicht in jeden Blog. Mit dem Material, den du hier in der Kommentarspalte geschrieben hast, würden andere vielleicht einen neuen Eintrag schreiben.
Glanzor (Gast) - 25. Apr, 14:35

Noch als Ergänzung, zur Klarstellung meiner Position

Ich zweifele nicht die Verbürgerlichung der Grünen an. Mir ist auch klar, das große Teile der damaligen Alternativszene zu einen Denken neigte, das durchaus jenseits aufklärerischer Ideale stand.
Ich sehe da nur nicht umbedingt die Verbindung zu "Van Helsing", Kopp usw., weil ich deren "Fans" meistens als Anhänger eines ganz anderen Denkens wahrgenommen habe.
Keine Frage, dass du mehr Erfahrung mit sowas hast, zumal ich diese ganze Alternativ-Bewegung auch nicht wirklich miterlebt habe, aber ich habe ja durchaus auch mit deren ehemaligen Mitgliedern zu tun.
henteaser (Gast) - 25. Apr, 21:05

Beweisführung?

"Wisnewski, Autor erfolgreicher Weltverschwörungsbücher (z. B. "Lügen im Weltraum") veröffentlichte bei Kopp das Buch "Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?", das vor allem unter österreichischen und deutschen Rechtsextremisten auf breite Zustimmung stieß, woraus sich schließen lässt, dass der ehemalige ehemals angesehene Fernsehjournalist ziemlich weit "rechts" angekommen ist."

Diese Passage ist mir aufgestoßen, ist sie doch vergleichbar damit, dass auch Rechtsaußen-Nationalisten gern den Kapitalismus kritisieren und somit bestimmte Standpunkte der Linken gutheißen (müssen), ohne dass sie selbst dadurch zu Linken würden.

Ähm... Jedenfalls kann ein Autor nicht zwingend was für sein Publikum. Zum Beispiel die Apostel. (Oder David Icke, haha.)

MMarheinecke - 26. Apr, 09:13

Zugegeben, die politische Richtung eines Autoren allein anhand seines Publikums zu beurteilen, ist gewagt.
Aber: ich kenne Wisnewskis Website und selbstverständlich auch seine Beiträge auf Kopps "Aktuelles"-Seite. Selbst wenn er vielleicht nicht "rechtsaußen" sein sollte, hat er auf alle Fälle kein Problem damit, z. B. den Haider-Fans nach dem Munde zu schreiben.
Yadgar (Gast) - 19. Mai, 23:49

Alternative Altlasten

Wenn man sich Ausgaben des "Pflasterstrands" (damals eine der führenden Zeitschriften der Alternativ- und Spontiszene, in diesem Fall Frankfurts) aus den Jahren 1976 bis etwa 1980 ansieht, wird einem klar, was damals neben den egalitär-emanzipatorischen und somit im eigentlichen Sinne linken Strömungen sonst noch für teilweise bizarres Gedankengut in der Alternativszene herumschwappte - das ging von naiver Indianerromantik über spekulative Mythen von matriarchalen Urgesellschaften, von radikalen Zweigen der Psychoanalyse (Wilhelm Reich) inspirierten "Fick-dich-frei-Ideologien" à la Otto Mühls "Aktionsanalytischer Organisation" (mittlerweile wird die unkritische Haltung vieler und persönliche Verstrickung mancher Linker und Alternativer im Westdeutschland der 70er Jahre zu und in Pädophilie endlich aufgearbeitet!) Schamanismus und Bhagwan-Begeisterung, über Ufologie und magischen Firlefanz bis hin zu gleichermaßen antiimperialistisch wie esoterisch-mystisch motivierte Sympathie für die Ende der 70er Jahre aufkommende islamistischen Revolutionsbewegung im Iran...

Nach den bleiernen Jahrzehnten von "formierter Gesellschaft" und "Modell Deutschland" war im buntscheckigen alternativen Milieu erst einmal alles willkommen, was als radikale Opposition gegen die herrschenden grauen beschlipsten Sachzwangverwalter von Union und SPD und die hinter ihnen stehende bürgerliche Normalgesellschaft mit Eigenheim, Schrankwand und Opel Rekord daher kam - solange es sich nicht technokratisch, christlich-konservativ oder schon auf den ersten Blick rechtsradikal gerierte.

Rechtsradikal auf den zweiten oder dritten Blick durfte es dagegen anfangs schon sein - dass es auch langhaarige Nazis geben könnte, das konnte sich damals einfach niemand vorstellen. Erst als sich im Laufe der 80er Jahre des anfänglich diffuse und experimentelle alternative Milieu auseinanderdifferenzierte (etwa in die Fraktionen New Age-Szene, grüne "Realos" und linksradikale Autonome) fiel das nicht nur den letzteren unangenehm auf...

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