Wie die jetzige GEMA-Regelung das Musikmachen erschwert ...

Im Prinzip ist die GEMA ja eine gute Einrichtung für Komponisten und Texter. Leider, vor allem nach der letzten Statuten-Änderung, nur noch im Prinzip - finanziell gesehen lohnt sich die GEMA-Mitgliedschaft erst auf einem Erfolgsniveau, das für die meisten Musikschaffenden praktisch unerreichbar ist.

Um zu illustrieren, wie hoch dieses Niveau ist: man sollte meinen, dass eine Band mit regelmäßigen Tourneen, großem Repertoire an eigenen Kompositionen und zwei bei einem "großen Label" erschienenen CDs, die auch gut laufen, reichlich Tantiemen über die GEMA kassiert. Von wegen! Sie hat gerade angefangen, nicht mehr draufzuzahlen! (Vor allem, weil auch für eigene Lieder GEMA-Abgaben gezahlt werden müssen, was die Promotion über Hörproben auf der Website zu einem teuren Vergnügen macht, und die Selbstkosten für Konzerte kräftig erhöht.)

"Die GEMA ist für Marius Müller-Westernhagen", heißt es schon lange unter deutschen Rockmusikern - und zwar nicht, weil man auf MMW sauer wäre, sondern auf die GEMA. Dass weniger als ein Zehntel der GEMA-Mitglieder mehr als 70 % der ausschüttungsfähigen Summe erhalten, liegt nicht allein daran, dass das Repertoire dieses Personenkreises auch den größten Teil der Aufführungen ausmacht. Dass über 90 % der Mitglieder sich die verbleibenden 30 % teilen, hängt auch damit zusammen, dass nur die ordentlichen Mitglieder der GEMA die Auszahlungsmodalitäten bestimmen. "Ordentliches Mitglied" mit Stimmrecht bei der Mitgliederversammlung zu werden, ist nicht ganz einfach: Voraussetzung ist eine 5-jährige außerordentliche Mitgliedschaft, und ein Mindesttantiemenaufkommen von über 30.000 Euro über die letzten 5 Jahre.

Wie bei Karan zu erfahren ist, wird auf Existenzgründungsseminaren für Musiker mittlerweile explizit abgeraten, der GEMA beizutreten.
Veranstalter stöhnen ebenfalls schon lange über die GEMA.
Die Abgaben für Kleinveranstalter wird von der GEMA nach Raumgröße und Höhe des Eintrittsgeldes berechnet und muss vorab entrichtet werden. GEMA-Pflicht für die gesamte Veranstaltung gilt ab einem GEMA-pflichtigen Musikstück. Die hohen Abgaben zwingen Kleinveranstalter die Anzahl der Konzerte zu reduzieren.

Monika Bestle von der Kulturwerkstatt Sonthofen, hat es nicht beim Stöhnen belassen, und eine Petition beim deutschen Bundestag initiert - mit dem Ziel einer längst fällige Reform zugunsten auch der Kleinverdiener unter den Künstlern und der "kleinen" Veranstalter. Sie kann hier online unterzeichnet werden.
Wirr-Licht - 10. Jun, 10:53

versteh

da einer die welt.
ich dachte immer, die gema ist dafür da, das die künstler ihren anteil an platten, radio, wasweissich bekommen.

die frage ist: wenn nicht gema, was dann? einen eigenen "künstlerverein" gründen? aufs copyright verzichten?

tja, sachen von denen ich nix versteh....

MMarheinecke - 10. Jun, 16:36

Da verstehst Du was falsch, vermut ich.

Ja, die GEMA ist da für dar, dass die Komponisten und Texter ihren Anteil auf Aufführungen ihrer Werke - also: Konzerte, CD, Radio usw. usw. bekommen. Leider erledigt sie diese Aufgabe, aus Sicht jener Musikschaffenden, die keine Großverdiener sind, und aus der Sicht der Kleinveranstalter, ausgesprochen schlecht. Deshalb zielt die Petition nicht etwa auf die Abschaffung der GEMA, sondern auf ihre Reform. In der VG Wort, der entsprechenden Einrichtung für die schreibenden Kreativen, geht es doch auch ohne schikanösen Bürokratismus - und übrigens auch ohne Beiträge für "angeschlossene Mitglieder".

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