Dienstag, 27. Februar 2007

Das Gehirn ist kein Computer

Geahnt hatte ich es schon länger, deshalb überrascht mich diese Meldung nicht (nein, nicht weil es bei mir in der Birne so chaotisch zugeht)
Gehirn arbeitet chaotischer als angenommen.
Das Gehirn verarbeitet Informationen augenscheinlich chaotischer als bislang angenommen. Das zeigen Wissenschaftler der Universität Bonn in einer aktuellen Studie. Die Weiterleitung der Informationen von Neuron zu Neuron erfolgt demnach nicht ausschließlich an den so genannten Synapsen - das sind die Kontaktstellen zwischen den Nervenzell-Fortsätzen. Anscheinend schütten die Neuronen auch auf der ganzen Länge dieser Fortsätze Botenstoffe aus und erregen so benachbarte Zellen. Die Ergebnisse werfen nicht nur grundlegende Vorstellungen über den Haufen, wie unser Gehirn funktioniert. Sie könnten auch zur Entwicklung neuer Medikamente beitragen. Die Studie erscheint in Kürze in der renommierten Zeitschrift "Nature Neuroscience", ist aber schon online abrufbar (doi:10.1038/nn1850).
Nach dem bisher gültigen Modell können Nervenzellen nur mit wenigen Nervenzellen kommunizieren, nämlich nur mit denjenigen, mit denen sie über Synapsen verbunden sind. Auf diesem Konzept beruht die Vorstellung, dass sich neuronale Information im Gehirn ähnlich wie Strom in einem Computer gerichtet und nur entlang bestimmter geordneter Schaltkreisen ausbreitet. Das ist offensichtlich nur ein Teil der Wahrheit: Gehirnzellen können mit allen umliegenden Gehirnzellen kommunizieren - wenn auch auf andere Weise als mit jenen, mit denen sie synaptisch verknüft sind.

Das mag wie ein winziges Detail aussehen, bedeutet aber auch, dass das "Gesamtsystem Gehirn" sehr viel weniger berechenbar ist, als bisher angenommen wurde. Und ein weiterer (von vielen anderen) Hinweises darauf, dass die gern bemühte Analogie zwischen Computer und Gehirn kaum mehr als eine begrenzt gültige Metapher ist.

Ich vermutete, dass die Fntwinklung von künstlicher Intelligenz auch deshalb weit hinter den hochgespannten Erwartungen hinterherhinkt, weil das zugrundeliegende Modell, wie natürliche Intelligenz "funktioniert", grob unvollständig ist.

Montag, 26. Februar 2007

Wenn man Gift in die Hirne und Herzen von Kinden träufelt

Ich hoffe, es ist eine journalistische Übertreibung, was die Jerusalem Post über palästinensische Schulbücher schreibt - aber ich glaube es nicht: Supporting peace education in the PA?.
As to when there will be peace with Israel? Never, according to the schoolbooks: “[Palestine’s] residents are in a constant struggle with their enemies, and they are found in Ribat until Resurrection Day (...).”
-
The conflict will eventually end - not with peace, but with Israel’s destruction, effected by Palestinians of all ages and abilities: “Palestine will be liberated by its men, its women, its young and its elderly” (Arabic Language and the Science of Language, grade 12, p. 44). (...)
-
Because Israel has no right to exist, and must be fought and destroyed for Islam, violence and terror against Israel since its founding are justified and glorified as muqawama, resistance: “The tragedy of Palestine of 1948… and afterward the muqawama in which the inhabitants carried acts of most glorious heroism and sacrifice” (Arabic Language, Analysis, Literature and Commentary, grade 12 p. 105).(...)
Wie Lila, durch deren Blog ich vom JPost-Artikel erfuhr ("Letters from Rungholt": Gräslich) bin ich der Ansicht: Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was ein Artikel in der JPost von palästinensischen Schulbüchern erzählt, dann hat nicht nur Israel ein generationenlanges Problem, das sich nicht mehr lösen läßt.

Ich beschäftigte mich z. B. mit Germanen-Bild, dass heute in Deutschland herrscht. Dabei stoße ich immer wieder Ansichten, die eins zu eins aus Lehrbüchern der Nazi-Zeit stammen - die oft nachweislich eigens zu Propagandazwecken frei erfunden wurden. Sie werden selbst von gebildeten und alles andere als rechtsextremen Menschen als historische Tatsachen wahrgenommen.
Schlimmer noch: viele rassistische und antisemitische Klischees, die sogar von hochrangigen deutschen Politikern vertreten werden, können mühelos auf Nazi-Propaganda zurückgeführt werden.
Das Gift, das in Opas Schulbuch geschrieben wurde, vergifet noch heute die gesellschaftlichen Diskurse in Deutschland.

Übrigens: vieles von dem antisemitischen, antidemokratischen und anti-humanitären Gift, das sich sogar in der Charta der Hamas in heftigen Dosen findet, ist "Made in Germany", stammt aus den Giftküchen der Nazi und ihrer Wegbereiter.

Sonntag, 25. Februar 2007

Germanen-Gräber bei Halle entdeckt

Archäologen haben bei Halle ein Gräberfeld aus der Völkerwanderungszeit mit Gold- und Bronzebeigaben entdeckt. Die umfangreichen Grabbeigaben deuten darauf hin, dass in den insgesamt 14 Gräbern die komplette Oberschicht eines germanischen Stammes bestattet worden ist.

Vermutlich ruhen in den Gräbern Germanen, die um 475 bis 490 in der fruchtbare Saaleebene bei Halle siedelten und gegen Hunnen gekämpft hatten.

Im Grab einer etwa 20-jährigen Frau wurden drei massive Goldstücke, so genannte Brakteaten, mit mythologischen germanischen Verzierungen gefunden. Solche Funde sind im mitteldeutschen Raum selten; fast alle germanischen Brakteate der Völkerwanderungszeit wurden in Dänemark und Norwegen gefunden.

Sämtliche Toten liegen auf dem Rücken mit dem Kopf in Richtung Osten. Ein Herrscher umklammert sein Schwert aus Eisen, neben ihm liegen eine Lanzenspitze und eine Schwertperle. Das glitzernde Stück galt den Germanen als mystisch und sollte dem Kämpfer übersinnliche Kräfte verleihen. Es wurde am Schwert mit einem Band getragen. Insgesamt wurden in den Gräbern 30 Perlen aus damals sehr wertvollem Glas gefunden.

Die Bestattungsrichtung könnte eventuell auf ein christliches Begräbnis deuten, wogegen jedoch die Grabbeigaben sprechen.

Nach Angaben des Chefs der Restaurierungswerkstatt, Christian-Heinrich Wunderlich, wurden vier der Gräber besonders aufwendig im Ganzen als Block aus der Erde geborgen. «Die Gräber werden untersucht, restauriert, konserviert und für eine Ausstellung im Landesmuseum in Halle vorbereitet», sagt der Experte.

Mit dem Auftauchen der Hunnen in Europa um 375 nach Christus wurde die germanische Völkerwanderung ausgelöst, die im Jahr 476 auch zum Untergang des römischen Reiches führte. Die Völkerwanderung endete um 600. Das Ergebnis war die Gründung der ersten "germanischen" Reiche, allen voran dem Frankenreich. In der Zeit zwischen ca. 600 und den "Sachsenkriegen" um ca. 800 markierte die Elbe-Saale-Linie dann die Siedlungsgrenze zwischen Germanen und Slawen.

Mit Hilfe von DNA-Tests sollen jetzt die verwandtschaftliche Beziehung der Toten geklärt werden.

mdr: Archäologen entdecken Germanen-Gräber bei Halle
westline: 1500 Jahre alter «Friedhof der Herrscher» bei Halle entdeckt

Samstag, 24. Februar 2007

Der Namensprofessor und die karriereoptimierten germanischen Vornamen

Bisher hatte ich einigen Respekt vor Prof. Dr. Jürgen Udolph, Deutschlands einzigem Professor für Namenskunde. Bekannt wurde er als er nach zehnjähriger sprachwissenschaftlicher Forschungsarbeit in einem Buch die aufsehenerregende These veröffentlichte, wonach die Germanen ursprünglich aus Mitteldeutschland stammen und nicht aus Skandinavien. (Jürgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Springer, Berlin - New York, 1994.)
Das es, wenn ich diese Theorie richtig verstehe, eher "germanische Lautverschiebung" als "Germanen" heißen müßte, sei nur am Rande erwähnt. Es gab z. B. keine Masseneinwanderung von Menschen aus dem heutigen mitteldeutschen Raum nach Südskandinavien, wo nachweislich schon zur Römerzeit germanische Sprachen sprechende Menschen wohnten, und es gibt dort keinen archäologisch nachweisbaren Bruch, der auf einen von außen angestoßenen kulturellen Wandel hinweisen könnte.
Udolph geht jedoch weiter: "Ich sage knallhart: Die These der germanischen Herkunft aus dem hohen Norden ist ein wissenschaftlicher Irrtum." Im Grunde sei sie eine Nazithese, die zu deren Rassenwahn vom blonden und blauäugigen Germanen passte. Eine Deutung, über die die skandinavischen Frühgeschichtler, die die Kultur der späteren Germanen mit guten Argumenten aus der Archäologie auf die "nordische Bronzezeit" zurückführen, nicht begeistert sein dürften. (Wobei die Bezeichnung "hoher Norden" für Südschweden, Dänemark und Schleswig-Holstein etwas gewagt ist. Udolph vermischt offensichtlich die etablierte Germanentheorie mit der Thule- bzw. Hyperboräa-"Lehre" der braunen Esoterik.)
Ich habe mich mal mit einer dänischen Archäologin unterhalten, die die Theorie der "mitteldeutschen" Herkunft der Germanen glattweg als typische Nazi-These abqualifizierte ...

Auch diverse Auftritte in Funk und Fernsehn, z. B. in der ZDF-Sendung "Deutschland - Deine Namen" beschädigten meinen Respekt vor Professor Udolph nicht. Selbst wenn er manchmal Dinge sagte, die die Verschwörungsparanoiker vom "bifff" (Berliner Institut für Faschismus-Forschung) dazu brachten, ihn ganz "rechts außen" einzuordnen: "Namensprofessor" Jürgen Udolph hält an Nazi-Ideologen fest: Ostern auf der Ordensburg.

Nun aber erschien ein Artikel in der "Welt", nach dessen Lektüre mein Respekt vor dem eloquenten Namensprofessor einige häßliche Dellen bekam: Mandy, Sindy und Ricco haben schlechte Karten".
Sicher ist es gut, wenn sich Eltern einige Gedanken darüber machen, was sie eventuell ihren Kindern mit ihrer Namenswahl antun. Wenn man z. B. Grube heißt, ist es keine gute Idee, die Tochter "Claire" zu nennen. Was leider wirklich vorkommt. Was die inflationäre Verwendung von Modenamen angeht, bin ich durchaus einer Meinung mit Udolph. Aber beim Gedanken, dass Eltern die Namen ihrer Sprößlinge nach Gesichtspunkten der beruflichen Karierre auswählen sollen, wird mir irgendwie anders:
Personalchefs wissen, dass die oberen Schichten kurzzeitige Moden scheuen und werden eine Mandy, Cindy oder einen Kevin instinktiv der mediengläubigen, bildungsfernen Unterschicht zuordnen – was ihnen als Bewerber für akademische Jobs Minuspunkte bringt. "Mandy Müller ist als Friseurin glaubhaft, als Anwältin oder Designerin dürfte sie es schwerer haben", sagt Prof. Jürgen Udolph, Inhaber des einzigen deutschen Lehrstuhls für Namenskunde in Leipzig. "Namen sind wie Stammbücher, sie erzählen viel über Herkunft und soziales Umfeld."
Anders ausgedrückt: Udolph vermutet (wahrscheinlich zurecht) das Personalchefs oft nach "mutmaßlicher Schichtzugehörigkeit" filtern. Er vermutet ferner, dass sie sich dabei von ihren Vorurteilen leiten lassen - denn etwas anderes ist es nicht, wenn ein "Kevin" der "bildungsfernen Unterschicht" zugeordnet wird. Und er rät im Grunde dazu, sich in sehr persönlichen Dingen nach (schlechten) Personalchefs zu richten, die sich von solchen Vorurteilen leiten lassen. Abgesehen davon gibt es in jedem Vorstellungsgespräch so viele Faktoren, dass ein Name schon wirklich außergewöhnlich sein muß, wenn er überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Da überschätzt der gute Professor wohl die Bedeutung seines Fachgebietes.
Wohl auch hier überschätzt er sie - und,beabsichtigt oder nicht, nähert er sich völkisch-nationalistischen Vorstellungen an:
Für die Zukunft hält Udolph denn auch eine Rückbesinnung auf germanische Namen für möglich: "Genealogie ist nach Sex das zweithäufigste Suchwort im Internet. Mit steigendem Interesse an der Herkunft wächst auch das Bewusstsein für die eigene Geschichte. Wer etwa um die Bedeutung seines Familiennamens weiß, wird sich eher fragen, ob man diesen mit asiatischen, arabischen und afrikanischen Vornamen mischen sollte.
Wenn ich so etwas lesen, geht mir unwillkürlich: "Deutsche! Gebt Euren Kindern deutsche Namen!" durch den Kopf. Es kommt noch dicker:
Auch der Wunsch, den Kindern mit dem Namen eine Botschaft mitzugeben, spricht nach Ansicht des Leipziger Wissenschaftlers eher gegen ausländische und selbst biblische Idiome. Denn während deren Bedeutungsgehalt vor allem um Gott kreise, bezögen sich germanische Namen auf Allgemeineres wie Mut, Kraft, Durchsetzungsvermögen, Kampf, Freundschaft, Schutz, Weisheit, Ehre, Herrschaft und Heimat.
Ich halte grundsätzlich nicht viel davon, Kindern per Namen eine "Botschaft" auf den Lebensweg zu geben. Abgesehen davon, dass auch nicht-germanische Namen sich oft auf Mut, Kraft, Durchsetzungsvermögen, Kampf, Freundschaft, Schutz, Weisheit, Ehre, Herrschaft und Heimat beziehen. Und wo populäre biblische Namen wie David (Geliebter, Liebling), Jakob (Nachgeborener), Sarah (Fürstin) oder Eva (die Leben schenkende) um "Gott" kreisen, müßte mir der gute Professor erst einmal erklären.
Schließlich kombiniert er seine beiden fixen Ideen:
Udolph (...) hält es für möglich, dass man in einigen Jahren germanische Vornamen den verschiedenen Stämmen wie Sueben (Schwaben), Chatten (Hessen), Hermunduren (Thüringer) zuordnen kann. "Und da sich viele Familiennamen auf eine Region zurückführen lassen, könnten Eltern dann auch den passenden Vornamen wählen. Denkbar, dass soviel Geschichtsverständnis auf Personalleiter mehr Eindruck macht als krude Phantasienamen."
Übrigens: Udolphs Kinder heißen Susanne, Martin, Anja und Katja.

Mittwoch, 21. Februar 2007

Hormon Prolaktin sorgt für eine verstärkte Reparatur der Nervenisolation

Schon lange ist bekannt, dass während einer Schwangerschaft bei an Multipler Sklerose (MS) leidenden Frauen die Krankheit zum Stillstand kommt. Bisher hatten Wissenschaftler angenommen, die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft unterdrücke das Immunsystem und vermindere so auch die Symptome der Autoimmunerkrankung MS.

Tatsächlich zeigt eine Studie kanadischer Mediziner an Mäusen, dass das während der Schwangerschaft gebildete Hormom Prolaktin die Produktion und Reparatur der Myelin-Isolationsschicht um die Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark anregt, die bei MS vom Immunsystem angegriffen und zerstört wird. Das könnte ein vielversprechender Ansatz in der MS Behandlung sein.
Mehr: Wie eine Schwangerschaft Multiple Sklerose stoppt.

Dienstag, 20. Februar 2007

Biikebrennen in Nordfriesland

Am Aschermittwoch ist in den Karnevalshochburgen "alles vorbei" ("endlich!" werden viele sagen), für streng observante Katholiken beginnt die vorösterliche Fastenzeit - und an den Stränden Nordfrieslands findet am 21. Februar das Biikebrennen statt.

Was beim Karneval gern von (vorwiegend katholischen) Experten bestritten wird, nämlich, dass viele Fastnachtsbräuche (auch) auf jahreszeitliches Brauchtum, vulgo "Winteraustreiben" genannt, zurückgehen, ist beim friesischen Biikebrennen weitgehend unstrittig: Biike ist heidnischen Ursprungs. Das Wort bedeutet in etwa Feuerzeichen und die waren als Opferfeuer Abschluss der Winterfeste. Bis 1867 (!) die preußische Gerichtsbarkeit das Laiengericht der Ratsmänner aufhob, war der 21. Februar in Nordfriesland Thingtag (Gerichtstag).
Ob tatsächlich, wie die ältere Volkskunde behauptet, Wotan, als Herrscher über Krieg und Sturm, dabei milde gestimmt werden sollte, ist nicht gesichert. Gesichert ist hingegen, dass der Brauch in historischer Zeit als Verabschiedung der Männer, die als Walfänger zu See fuhren, diente. Obligatorisch ist das Grünkohlessen.

Biikebrennen
Biikebrennen auf Föhr. Quelle: Pixelquelle

In einige Dörfern wird im Biike-Feuer eine Strohpuppe verbrannt, die "Petermännchen" genannt wird und vielleicht den Winter ymbolisiert.
Die in der "wikipedia" geäußete Vermutung, dass "Petermännchen" nichts mit dem heiligen Petrus, sondern mit dem Papst (also dem Petrus Amt) und dem damit verbundenen christlichen Glauben zu tun hätte, ist meines Wissens ungesichtert. Es stimmt zwar, dass die christliche Missionare es bei den Friesen nicht leicht hatten - etliche Märtyrer, allen voran Bonifatius, verdanken ihren Status friesischen Streitäxten - und es stimmt auch, dass sich manches eindeutig heidnischen Brauchtum dort bis in die Gegenwart gehalten hat. Da man in den norddeutschen Küstenlandstriche traditionell zur Rebellion gegen unerwünschte Obrigkeiten neigte, und eine frühe Hochburg der Reformation war, braucht eine symbolische Papstverbrennung, wenn es denn eine ist, nicht zwangsläufig heidnisch zu sein. Immerhin, die wikipedia hat in Einem recht: Am folgenden Tag, dem 22. Februar, feiert die katholische Kirche das Fest Kathedra Petri, also den Stuhl des Papstes, bzw. die Vorrangstellung des Petrus-Amtes, was das Lehramt betrifft. Ein Zusammenhang des Petermännchens, das in das Biikefeuer geworfen wird, mit dem Amt des Papstes in Rom liegt somit nahe.
Auf den dänischen Wattenmeerinseln und in Jütland ist das Biikebrennen als Pers Awten (jütisch für Peters Abend) bekannt.

Heute ist Biike-Brennen auch, aber zum Glück nicht nur, eine Touristenattraktion. Es werden dieses Jahr wieder rund 80 Feuer zwischen Sylt und St. Peter Ordung entzündet werden.

NDR: Biikebrennen lockt Besucher nach Nordfriesland

Montag, 19. Februar 2007

"Vereinfachen" - bis es falsch wird!

Es ist geradezu eine Binsenweisheit in Propaganda, Public Relation, Spindoctoring, Lobbyismus und Werbung: Eine wirksame Botschaft muß möglichst einfach gehalten werden.
(Allen Spezies, die jetzt damit kommen, dass Propaganda, Public Relation, Spindoctoring, Lobbyismus und Werbung doch völlig unterschiedliche Felder seien, sei eine Dokumentarreihe der BCC empfohlen, die Sven hier wohlwollend-kritisch bespricht: Propaganda und PR. Die massenpsychologischen Prinzipien und Methoden sind grundsätzlich diesselben, egal, ob man ein politisches Programm, die Interessen eines Industriezweigs oder Weichkäse öffentlich vertritt.)

Dass dabei das Problem auftritt, dass manche Sachverhalte sich nur begrenzt vereinfachen lassen, wird nicht nur von den bekannten "schrecklichen Vereinfachern", den Populisten und totalitären Ideologen zugunsten einer besseren "Schlagkraft" gern in Kauf genommen. Sondern sogar von Wissenschaftler, vor allem solchen in Beraterfunktion. (Übergänge zum Lobbyismus und zum Spindoctoring sind dabei fließend.)

Ein Beispiel: Dr. Christian Pfeiffer, Rechtswissenschafter, Sozialpsychologe und Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, sagte:
Der durchschnittliche männliche Hauptschüler bringt es auf fünf Stunden Medienkonsum am Tag. Was ist das für ein Leben? Das ist ein krankes Leben!"
Was ist das für eine Argumentation? Eine demagogische und bewußt manipulative Argumentation!
Der erste Satz ist ein "wunderschönes" Beispiel für eine unzulässige Vereinfachung. "Medienkonsum" ist nämlich nicht nur Fernsehen und Computerspielen, sondern auch Radiohören, Lesen - oder im Internet surfen. Es fällt dabei unter den Tisch, welche Inhalte der besagter Hauptschüler dabei "konsumiert". Es ist zwar anzunehmen, dass der größte Teil davon, aus "bildungsbürgerlicher" Perspektive, "Schund" sein könnte - sicher ist es aber keineswegs. Wobei auch "Schund" und "Kitsch" in der Regel in Hinblick auf die "Kriminalisierung" harmlos sind - was auch Dr. Pfeiffer weis. Sein Thema ist der Einfluß von Gewaltdarstellungen auf Jugendliche, nicht etwa der von Seifenopern oder Gerichtsshows.
Außerdem sind fünf Stunden Mediennützung nicht nur unter Hauptschüler völlig normal, unter "Gebildeten" düften es tendenziell sogar mehr sein. Aber die selbst beantworte Frage lenkt den Zuhörer gedanklich in die "richtige" Richtung: er sieht vor seinem geistigen Auge picklige, prollige "Couch-Potatos", die sich den ganzen Tag Gewaltfilme und "Killerspiele" 'reinziehen.

Ein sehr beliebtes Feld für unzulässige Vereinfachungen ist die Gesundheitsaufklärung, die auch gern einmal fließend in Werbung für bestimmte Produkte und Heilverfahren übergeht. "Auflärungs"-Kampagnen zeichnen sich durch simple "Wahrheiten" aus, z. B. dass "zuviel Cholesterin Infarktsrisiko Nr. 1" sei - und dabei die wohlbekannte Tatsache, dass es in erster Line nicht auf das Gesamt-Cholesterin ankommt und die weniger bekannte, dass z. B.der von der Lipid-Liga empfohlene "obere Grenzwert" von 200 Milligramm Cholesterin pro Deziliter 1. zu niedrig ist und 2. auf großzügiges Sponsoring der pharmazeutischen Industrie zurückgeht.

Sogar simple Wahrheiten, wie die, dass es auf die Dosis ankommt, ob ein Ding Heilmittel oder Gift ist, sind für manche Gesundheitsaufklärer anscheinend noch nicht einfach genug:
Ein Team von Prof. Mary Norval von der Medizischen Fakultät der Universität Edinburgh untersuchte die Folgen der Blockade der Vitamin D-Synthese in der Haut durch permanenten Sonnenschutz auf allen unbedeckten Hautflächen. Sie kam zu einer altbekannten Erkenntnis: Wir sollten eine Balance zwischen den positiven Effekten der Sonnenstrahlen bei der Bildung von Vitamin D und den negativen Effekten von zu viel Sonne finden.
Die Cancer Research UK reagierte prompt - und entlarvend: "Wir sind besorgt, dass eine solche gemischte Botschaft ein gefährliches Durcheinander in den Köpfen der Leute verursacht."

Propagandasprüche müssen eben einfach und eindeutig sein. Denn die Leute können ja nicht selber denken und dürfen auf keinen Fall selbst entscheiden, was ihnen gut tut.

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