Donnerstag, 18. Mai 2006

Auf Klärung aus: 2. Was ist "Poltical Correctness"?

Angeregt durch Che (Das "Scheitern der Multikultur"), Karan (Ausmisten) und Externspeicher (Klarstellung zum Fall Hirsi Ali) - eine Überlegung zum übel vernutzten "Kampfbegriff" Political Correctness (nicht zu trennen von der Idee des "Multikulturalismus").

Wie schon beim Antisemitismus kommt man mit Lexikondefinitionen nicht so recht weiter.
Political Correctness, kurz PC, kann mitlerweile so ziemlich alles zwischen "Widerstand gegen Diskriminierung" und "euphemistische Sprachregelung" ("Personen mit Migrationshintergrund", "vertically challenged" usw.) bedeuten.
Das trifft den Kern der Sache jedoch nicht, z. B. steckt hinter der mitunter grostesken Sprachkosmetik längst nicht immer Rücksicht oder vermeindliche Rücksicht auf diskriminierte oder sich diskriminiert fühlende Gruppen, also PC. Und oft ist das, was als PC bezeichnet wird, in Wirklichkeit Feigheit (vor "einflußreichen" oder "gewalttätigen" Gruppen), Scheu vor politischen Auseinandersetzungen, Opportunismus, Schmeichelei, Imagekosmetik, "falsche Toleranz" oder schlicht übersteigertes Harmoniebedürfnis.

Seit einige Jahren wird der Begriff überwiegend ablehnend verwendet, "politically incorrect" ist zumindest in den USA schon ein Synonym für "Klartext" und "schonungslose Ehrlichkeit" geworden. (Ob das auch auf das gleichnamige deutsche konservative Blog zutrifft, mag jeder selbst beurteilen: politically incorrect - immerhin: übertrieben rücksichtsvoll ist man dort mit Sicherheit nicht).
Es entbehrt nicht der Ironie, dass vor allem Rechtskonservative das Schlagwort von der political correctness gegen das "liberale Meinungskartell" (bzw. "linkes Meinungkartell" bzw. "68-er Meinungskartell") anbringen. Sie werfen ihren liberalen und linken Gegnern vor, sie wollten unliebsame Themen im Sinne der political correctness tabuisieren. Zumindest was die PC-Bewegung in den USA angeht, ist das widersinnig, und auch in Deutschland sind "typische" PC-Anhänger alles andere als liberal und höchsten verbal links.
Ich knüpfe inhaltlich an Ches Kritik des Multikulturalismus an. Es heißt nämlich oft, der Begriff der "political correctness" stamme aus der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Das ist nur bedingt richtig. Er wurde in der radikal multikulturalistischen Szene geprägt. Die - sich meistens "links" gebende - radikale Multikulturalisten behaupten von sich, sie stünden auf der Seite der Opfer von Imperialismus, Kapitalismus, Rassismus und männlicher Dominanz. Typisch ist eine "verkürzte Kolonialismus / Imperialismuskritik": wenn sich Angehörige der unterdrückten Kulturen gegen die eurozentrische bzw. "westliche" Dominanz zu behaupten versuchen, dann sind sie automatisch im Recht. Es gelte daher, alle nicht in den "Metropolen" (den wirtschaftlichen und kulturellen Zentren des "Westens" bzw. "Nordens") beheimateten ethnischen Gruppen und alle ethnischen und sonstigen Minderheiten in den "Metropolen" zu unterstützen, die sich vom schädlichen Einfluß der universalistischen Ideologie befreien und zu einer eigenen "kulturellen Identität" finden wollen. Die Ähnlichkeit des radikalen Multikulturalimus zum neurechten Konzept des "Ethnopluralismus" ist verblüffend, trotz des höchst unterschiedlichen politischen Stallgeruchs der Vertreter der jeweiligen Lehre. "Links" wie "Rechtsaußen" lehnt man Interkulturalität ab, voneinander Lernen, Austausch der Kulturen untereinander, wechselseitiges Wachstum usw. werden zugunsten der "authentischen" bzw. "reinen" kulturellen Identität beargwöhnt. Ein Unterschied besteht allerdings darin, dass der rechte "Ethnopularismus" außerdem noch die Komponente "Heimaterde" umfasst - Motto: "Deutschland den Deutschen, die Türkei den Türken und die USA teil man am Besten in ethnisch bestimmte Teilnationen auf". Multikulti-Fans sind mehr für das "Modell Flickenteppich" - unterschiedliche Kulturen leben nebeneinander her. Dennoch ist Che zuzustimmen, wenn er schon 1990 das grüne Konzept des Multikulturalismus als Multitrassismus kritisierte.

Die in den USA entstandene, von radikalen Multikulturalisten und Kulturrelativisten getragene PC-Bewegung vertritt den Vorrang von Partikularinteressen vor dem liberalen Gerechtigkeitsprinzip (und auch der traditionelle Universalismus der "Linken" steht ihnen fern). In einem Satz zusammengefaßt lautet der Standpunkt der political correctness:
Nur Angehörige einer bestimmten "Gemeinschaft" (Minderheit, Religion, Rasse usw.) können über ihre eigenen Angelegenheiten wahre Aussagen treffen.
Eine politische oder sogar eine wissenschaftliche Aussage ist nach den Maßstäben der PC nur dann statthaft, wenn sich die Mitglieder unterdrückter (und sich unterdückt fühlender) Gruppen nicht von ihr herabgesetzt fühlen. Unter dieser Maßgabe kann alles geistige Leben nach dem Belieben politischer oder intellektueller Wortführer manipuliert werden, wenn sie nur vorgeben, im Namen ihrer "Gemeinschaft" zu sprechen. Der besonders in Deutschland weit verbreitete Hang, gerne einen einheitlichen Ansprechpartner haben zu wollen, der alle Angehörigen "seiner" Gruppe vertritt, begünstigt diese fatale Tendenz zusätzlich: der "Moslemrat" sprich dann für "die" Muslime oder der Zentralrat der Sinti und Roma für die Zigeuner (ein Wort, dass der Zentralrat als diskriminierend ablehnt - im Gegensatz z. B. zur Sinti Allianz Deutschland oder diversen Roma-Gruppen).
Political correctness geht von einem ausdrücklich anti-liberalen Weltbild aus: Sie bestreitet, dass es universal gültige Kriterien für die Verständigung zwischen Individuen und gesellschaftlichen Gruppen gibt. Sie mißtraut der Redefreiheit, die sie durch sprachliche und soziale Verhaltensvorschriften regulieren will. Faktisch unterbinden die Vertreter der political correctness den offenen Meinungsstreit, indem sie bestimmte Ideen - sofern sie von "unterdrückten", besonders schutzwürdigen Gruppen bzw. ihren "Sprechern" geäußert werden - der Kritik entziehen.

(Ich beziehe mich hier, der Deutlichkeits halber sei es ausdrücklich vermerkt, auf die ideologische political correctness. Nicht alles, was gemeinhin politisch korrekt gennant wird, fällt darunter.

Auf den Ausgangspunkt der "politisch korrekten" Sprachregelungen, nämlich die Annahme, dass das Bewußtsein ziemlich direkt durch den Sprachgebrauch bestimmt wird, gehe ich nicht näher ein - weil diese Sprachregelungen im Zusammenhang mit der PC/Multikulti-Ideologie nur ein Aspekt unter vielen sind.)

Auf Klärung aus: 1. Woran erkennt man einen Antisemiten?

"Antisemit" ist ein politisch vernutzter Kampfbegriff. Antisemit ist immer nur "der Andere". Wer Antisemit ist, ist oft nur eine Frage der Definition. (Je nachdem, ob man unter "Antisemitismus" eine geschlossene Ideologie oder "nur" antijüdische Ressentiments versteht, kommt man auf 5% oder 30% Antisemiten in Deutschland. Wie auch immer, es sind jedenfalls zu viele.)
Irrig ist die verbreitete Aufassung, als "Linker", Liberaler und / oder als überzeugter Demokrat könne man kein Antisemit sein. Es gibt ja sogar antisemitische Juden.

Durchaus praxisnah erscheint mir diese Begriffsklärung von Henryk M. Broder (aus Woran man Antisemiten erkennt:
Woran erkennt man einen Antisemiten? Wie merkt man, daß man selbst ein Antisemit ist?
Die Sache ist recht einfach. Man ist nicht Antisemit, wenn man die israelische Politik kritisiert, gefillte Fish nicht mag oder Artur Brauner und Rolf "Shimon" Eden unsympathisch findet. Man ist auch kein Antisemit, wenn man Klezmer-Konzerte meidet, noch nie in Auschwitz war oder keinen Kurs für koscheres Kochen besucht hat. Man ist aber Antisemit, wenn man den Juden etwas übel nimmt, das man anderen nicht übel nimmt, wenn man sich über Juden aufregt und empört, während das gleiche Verhalten von Nichtjuden keine Aufregung und keine Empörung zur Folge hat. Das ist schon alles.
Das heißt auch, wenn ich den Gedanken weitführe, dass betontes Interesse an jüdischer Kultur kein sicheres Merkmal für fehlenden Antisemitismus ist. Oder auch, dass Antisemitismus nicht ganz dasselbe ist wie "Vorurteile gegen Juden haben". Oder das zum Antisemitismus immer Hass gehört.
Die idiotische Frage: "Wie können die Juden, die so gelitten haben, anderen das antun, was sie selbst erlebt haben?" ist ein Beweis für den Antisemitismus des Fragestellers, weil er von Juden moralische Leistungen einfordert, die er Nicht-Juden nicht abverlangt, schon gar nicht, wenn sie in ihrem früheren Leben Täter waren, die anderen Leiden zugefügt haben.
Hier sehe ich das Problem vieler Philosemiten, die "die Juden" ob ihrer Leiden verklären, in sie eine gradezu "übermenschliche" Moral hineinprojezieren. Halten real existierende Juden diesen übergroßen Ansprüchen nicht stand, kippt schwärmerischer Philosemitismus gern in Antisemitismus um.
Wer sich über die israelische Besatzung von Judäa und Samaria aufregt, aber keine Ahnung hat, wie lange die Chinesen schon Tibet besetzt halten, der ist ein Antisemit.
Wenn sich ein paar auf Juden fixierte Bruchpiloten zusammenrotten, um einander zu bestätigen, daß sie keine Antisemiten sind, obwohl sie auf Juden fixiert sind, dann liefern sie gleich den Beweis, daß sie nicht nur Antisemiten sind, sondern auch ahnen, daß sie es sind.
Und wer sich über den "Boykott" des palästinensischen Volkes, das im Ganzen und pro Kopf mehr Hilfe bekommen hat als die Deutschen durch den Marshall-Plan, echauffiert, aber noch nie ein Wort über die Aufrufe zum Boykott israelischer Produkte und israelischer Wissenschaftler verloren hat, der ist so antisemitisch wie die Hostie heilig ist. Amen
Im Rückblick auf: Antisemtismus auf Schwedisch - trifft Broders Defition die schwedische Haltung genau.

Mittwoch, 17. Mai 2006

Was wäre, wenn Jesus Kinder gehabt hätte? Na und?!?

Nach viel Hype und Hysterie kommt er in die Kinos - und enttäuschte die Kritiker: Der Film nach Dan Browns Bestseller" The Da Vinci Code“ ("Sakrileg"). Als Roman funktionierte das ungeheuerliche Verschwörungsgarn trotz Plausibilitätslücken, durch die man einen Supertanker steuern könnte, dank einer geschickten Kombination aus fantastischer historischer Spekulation und Rätselkrimi noch ganz gut; ein Film muß sich notgedrungen auf das Wesendliche beschränken - und das ist im Grunde herzlich wenig.

"Wenn diese Lüge erkannt wird, wird die größte Krise der Geschichte den christlichen Glauben erschüttern " - so heißt es im Roman. Und für christliche Fundamentalisten der naiveren Sorte mag das wirklich starker Tobak sein: Im "Da Vinci Code" geht es um zwei rivalisierende christliche Geheimgesellschaften. Die eine ist ein Schattenkonzil, das mit dem (real existierenden) Opus Dei zusammenhängt, die andere der Geheimbund Prieuré de Sion, angeblich eine Parallelgründung zum Templerorden (tatsächlich ein kleiner Esoteriker-Verein, gegründet 1956, der von einem französischen Geschichtsfälscher hochgestapelt wurde). Finsterlinge vom Opus Dei wollen die letzten Spuren einer verschütteten historischen Wahrheit beseitigen, während die Prieuré die Wahrheit über Jesus zumindest im Untergrund weiter überliefern: seine Ehe mit Maria Magdalena, das gemeinsame Kind, das von Jesus abstammenden Königsgeschlecht der Merowinger, das heimliche Fortbestehen der Merowinger-Dynastie bis in die Gegenwart.
Allerdings waren sich Lincoln, Baigent und Leigh, die mit ihrem Sachbuch "The Holy Blood and the Holy Grail" ("Der heilige Gral und seine Erben") diese Spekulation populär machten, der Sprengkraft der zentralen These keineswegs sicher:
Die Schlußfolgerungen, die wir zogen, waren zwar verblüffend, aber durchaus nicht erschütternd. Weder machten sie eine Neubewertung unserer persönlichen Überzeugungen nötig, noch ließen sie uns an unseren persönlichen Wertmaßstäben zweifeln.
Noch deutlicher, einige Seiten weiter:
Überhaupt ist es schwer, sich vorzustellen, wodurch sie ein Nachfahre Jesu von der übrigen Menschheit unterscheiden sollte. Er hätte in der Zwischenzeit nicht nur jegliche übernatürliche Aura eingebüßt, sondern es wäre den meisten Menschen höchst gleichgültig, ob der Sohn Gottes zu seinen Vorfahren zählt oder nicht. Nach unserer Meinung würde sogar ein "unwiderlegbarer Beweis" für ein solches dynastisches Erbe nicht für irgendwelches Aufsehen sorgen.
Diese realistische Einschätzung klingt nicht gerade nach "der größten Krise der Geschichte des christlichen Glaubens".

Nehmen wir mal probeweise an, die zentralen Thesen der "Gralstheorie" wären wahr. Müßte etwa die katholische Kirche um ihre Legitimität bangen? Würde ihr dogmatisches und theologisches Lehrgebäude in sich zusammenbrechen wie ein Kartenhaus?
Mit Sicherheit nicht! Man muß nämlich, was Brown in seinem Roman nicht tut, und was Lincoln, Baigent und Leigh in ihren Sachbuch nicht durchhalten, mythologische bzw. religiöse und historische Quellen unterschiedlich lesen. Die Evangelien sind aber eindeutig mythische Texte. Ihre "Wahrheit" (für den Gläubigen) liegt in personalen Werten, wie Vertrauen, Weisheit, Güte, Liebe. Die adäquate Haltung gegenüber mythischen Texten wie den Evangelien ist nicht die eines kritisch-reflektierenden Abstandes, sondern diejenige der Nachfolge. Sie wollen kein historisch-biographisches Wissen darbieten, sondern Maßstäbe und Ansprüche, gekleidet in eine bildhafte Sprache.
Am konkreten Bespiel: Aus historischer Sicht stellt sich die Frage nach Jesus Auferstehung gar nicht - entweder Jesus starb am Kreuz oder er Überlebte die Kreuzigung. Die Auferstehung kann als metaphyische Glaubenswahrheit nicht Bestandteil einer methodologisch-atheistischen wissenschaftlichen Betrachtung sein.
Einiges spricht tatsächlich dafür, dass der historische Jesus verheiratet war - z. B. wird er "Rabbi" genannt, und Rabbiner müssen verheiratet sein. Aber für die metaphysische, mythologische Botschaft ist das ein unwesendliches Detail.
Hinzu kommt, dass alle "außerbiblischen" und "apokryphischen" Überlieferungen für die christliche Theologie wenig relevant sind. Der christliche Jesus ist allein der Jesus, wie er im Neuen Testament erscheint. Diesem Jesus kommt es auf Nachfolger an, nicht auf Nachkommen. Egal, wie viele Kinder der historische Rabbi Jeshua ben Josef möglicherweise hatte! Käme nun ein archäologischer Beweis dafür ans Licht, dass Jesus mit Maria Magdalena Kinder hatte, würde das zwar für einige Aufregung sorgen, aber das theologische Gebäude gerade der katholischen Kirche wäre wenig erschüttert.
Erst recht gilt das für die Abstammung der Merowinger. Die germanischen Stämme zählte auch Götter zu ihren Ahnen, Könige führten ihre Abstammung auf Wotan, Ing oder Mannus zurück. Für einen Germanenfürsten war es völlig selbstverständlich gewesen, nach der Taufe Jesus zu "seinen Ahnen" zu zählen - mythisch verstanden, nicht genetisch!

Tatsächlich dürfte es (genetische) Nachkommen der Merowinger geben, denn als die Karolinger dieses fränkische Königsgeschlecht entmachteten, brachten sie nicht alle Menschen mit "Merowingerblut" um. Es ist gut möglich, dass die französische Adelsfamilie Monpézat, aus der z. B. der dänische Prinzgemahl Henrik, Comte de Laborde de Monpézat, stammt, sich bis auf merowingische Vorfahren zurückführen läßt. Wenn die "Gralstheorie" stimmen würde, wäre Kronprinz Frederik ein heißer Anwärter auf den Thron von Jerusalem und den Thron eines Kaiser des Abendlandes. Irgendwelche Ambitionen in dieser Richtung sind seitens des dänischen Hofes nicht bekannt. Tatsächlich vermischen sich ausgerechnet die "heißesten Anwärter" auf ein "Gralskönigtum" freudig mit "bürgerlichem Blut" ...
Ob sich daran auch nur das Geringste ändern würde, wäre die "Gralsfamilien"-Hypothese wahr, darf durchaus bezweifelt werden.
Der einzige für die katholische Kirche wirklich brisante Punkt wäre die libertäre Sexualethik, die sich aus der "Gralshypothese" ergibt. Allerdings hat es in der Kirchengeschichte immer Rebellen und "Ketzer" gegeben, die mit der repressiven Sexualmoral der katholische Kirche über Kreuz lagen. Die meisten von ihnen beriefen sich auf biblische, von der Kirche anerkannte, Texte - und konnten die katholische Kirche dennoch nicht erschüttern. "Gralsanhängern" würde wahrscheinlich, selbst mit einem archäologischen Beweis im Rücken, nichts anderes übrig bleiben, als ihre eigene Kirche aufzumachen.

Also: der Vatikan hätte, selbst wenn die Gralsfamilien-Geschichte wahr wäre, wenig zu befürchten. Die dem Thriller Dan Browns zugrunde liegende Annahme hat in Wirklichkeit gar keinen Thrill.
Nichts ist es mit "der größten Krise der Geschichte des christlichen Glaubens". Allenfalls naive Fundamentalisten - die es weder im Vatikan noch im Opus Dei geben dürfte - könnte die wage Möglichkeit, dass an der Gralsgeschichte etwas dran sein könnte, ernsthaft beunruhigen.

Übrigens, folgt man den Kritiken definiert der Film nicht gerade das Spannungskino neu. schnarch

Stern online findet den Film immerhin noch unterhaltsam: Indiana Jones für Studiosus-Kunden
Spon ist da schon weniger gnädig: Mönchhausens Abenteuer
Die Welt online bringt es auf den Punkt: Viel Lärm um nichts
Sachlich, aber eindeutig, die SZ: Viel Gral um nichts
Saftiger Veriss eingehende Kritik in der NZZ online: Ausgedörrt
Auch Christiane Peitz vom "Tagesspiegel" war nicht begeistert: Die Gralsverhüter

Ich weiß schon, welchen Film ich unbedingt versäumen werde.

Ach übrigens - Ich bin ein wahrhaft neutraler Elfen Ranger Barde

bzw. ich wäre es, wenn ich im Dungons & Dragons-Universum leben würde.

I Am A: True Neutral Elf Ranger Bard

Alignment:
True Neutral characters are very rare. They believe that balance is the most important thing, and will not side with any other force. They will do whatever is necessary to preserve that balance, even if it means switching allegiances suddenly.

Race:
Elves are the eldest of all races, although they are generally a bit smaller than humans. They are generally well-cultured, artistic, easy-going, and because of their long lives, unconcerned with day-to-day activities that other races frequently concern themselves with. Elves are, effectively, immortal, although they can be killed. After a thousand years or so, they simply pass on to the next plane of existance.

Primary Class:
Rangers are the defenders of nature and the elements. They are in tune with the Earth, and work to keep it safe and healthy.

Secondary Class:
Bards are the entertainers. They sing, dance, and play instruments to make other people happy, and, frequently, make money. They also tend to dabble in magic a bit.

Deity:
Silvanus is the True Neutral god of nature. He is also known as the Patron of Druids. His followers believe in the perfect balance of nature, and believe that nature's bounty is preferable to any other 'civilizing' method. They wear leather or metallic scale mail, constructed of leaf-shaped scales. Silvanus's symbol is an oak leaf.

Find out What D&D Character Are You?, courtesy ofNeppyMan (e-mail)

Via cynx und als Antwort auf die Frage, ob ich denn nur ernste und schwere Dinge bloggen würde. trampolin

Und wieder mal: Was "jeder weiß", stimmt garantiert nicht!

Wer einen Israelkritiker binnen zehn Minuten älter aussehen lassen will als den Stones-Gitarristen Keith Richards, muss ihn nur mit ein paar interessanten Fakten konfrontieren.
Eine Fundsache bei der (oft zurecht) berüchtigten "Achse des Guten": Leben in der zionistischen Hölle. Claudio Casula nimmt anhand eigentlich wohl bekannter, da jederzeit nachschlagbarer, Fakten die Legende von der "brutal unterdrückten arabischen Minderheit in Israel" auseinander. Die israelische Araber (immerhin 20 % der iraelischen Staatsbürger) leben in relativem Wohlstand, mit sehr guter medizinischer Versorgung und allen demokratischen Rechten besser als die meisten ihrer Brüder in den arabischen Ländern.
Bei allen großen und kleinen Ungerechtigkeiten, die der arabischen Minderheit in Israel widerfahren mögen, kann sich nach allen Umfragen nur eine winzige Minderheit vorstellen, als Palästinenser in Palästina zu leben. Wohlgemerkt: nicht einmal, wenn dafür kein Umzug notwendig würde. Und das, obwohl sie schon seit 1948 unter israelischer „Besatzung“ lebt.

Total anderes Thema, gleiches Motto: "Jeder weiß", dass der Koka-Anbau in Südamerika mit äußerster Härte bekämpft werden muss. Diesen Blogbeitrag bei "gebloggte Welten" nimmt den hinter dem "War on Drugs" stehenden Mythos gründlich auseinander: Markt und Kokaproduktion (via che)
Klasse aufklärerischer Beitrag - und auch die Kommentare sind lesenswert! (Obwohl Boliviens Präsident Evo Morales nicht unbedingt mein Held ist.)

Montag, 15. Mai 2006

Nachtrag zur GKSS

Aus gegebenem Anlaß - ein Anfrage eines Journalisten an mich - eine Ergänzung zur "Serie" Leukämie und Mini-Atombomben.

Ich werde nun einige der an mich gestellten Fragen öffentlich beantworten:

Wieso äußert sich kein Mitarbeiter der GKSS zu der durchaus realen Möglichkeit, die eigene Arbeit könne eventuell zu schweren
Erkrankungen von Kindern beigetragen haben?

Die für mich naheliegenste Erklärung: Weil sie überhaupt nichts "Brisantes" wissen!
Die Arbeit der allermeisten GKSS-Mitarbeiter hat überhaupt nichts mit Kernforschung, der Lagerung radioaktiver Abfällen oder überhaupt dem Umgang mit radioaktiven Stoffen zu tun. Und auch die meisten jener Mitarbeiter, die damit zu tun haben, wären nicht betroffen. Was jene Mitarbeiter angeht, deren Arbeit eventuell mit den Leukämiefällen zu tun haben könnte: Das betrifft, wenn es tatsächlich einen Unfall gab, einen sehr überschaubaren Personenkreis.
Wobei die GKSS an sich nicht zum "Mauern" neigt: Der Skandal um
falsch deklarierten Atommüll im Jahr 2000 z. B. wurde beim Umfüllen der Abfällen in Edelstahlbehälter von Mitarbeitern der GKSS aufgedeckt. Nachdem sich der Verdacht auf nicht ordnungsgemäß deklarierte Fässer erhärtete, hat GKSS unverzüglich die zuständigen Behörden informiert und beim Landgericht Lübeck Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Gab es da etwas im Septermber 1986 oder nicht?
Ich weiß es nicht. Ursprünglich hielt ich einen schweren Unfall mit radioaktiven Abfällen für möglich, aber ich bin mir, nachdem sich einige Sachverhalte doch anders darstellen, als ich annahm, nicht mehr sicher. Damit meine ich z. B. die angeblich in 44 Meter Höhe gemessenen 500 Bq/m³ Luft. Das war ein errechneteter Wert für die Aktivität in Bodennähe. Damit relativiert sich die Größenordnung eines möglichen Unfalls entschieden!
Was es gab, war ein kleinerer Unterholzbrand. Der meines Erachtens völlig unbeachtet geblieben wäre, wären nicht die Brandprotokolle ausgerechnet beim Brand der Feuerwache vernichtet worden. Das riecht nach einer Vertuschungsaktion, allerdings gibt es weitaus unauffälligere Möglichkeiten, brisantes Material "verschwinden" zu lassen.

Was wird unter Ehemaligen der GKSS besprochen?
Allzuviel Kontakte habe ich nach so langer Zeit und bei meiner eher randständigen Tätigkeit natürlich nicht. Ich habe allerdings ein paar Ex-GKSSler gefragt. Durch die Bank bezeichnen sie die Vorwürfe gegen die GKSS als Unsinn.

Gibt es eine Geheimhaltungsverpflichtung, die Sie unterschreiben mussten?
Nur die übliche Arbeitsvertragsklausel, die verbietet, vertrauliche Interna nach außen zu tragen. Die als maximale Konsequenz die Entlassung zur Folge gehabt hätte.

Die Frage ist, ob die Beschäftigten einer solchen Anlage bei der Aufklärung mithelfen wollen oder überhaupt können.
Meiner Ansicht nach können sie es nicht - weil sie nichts wissen.

Samstag, 13. Mai 2006

Cäsium-137, Jod-131, Strontium-90, Lüge-86 - Teil 2

Teil 1
2. Die sowjetische (Des-)Informationspolitik
Erst als am 28. April , zwei Tage nach dem Unfall, als in Finnland und Schweden erhöhte Radioaktivität in der Luft und am Boden gemessen wurde, und die zu dieser Zeit herrschenden Windströmungen eindeutig auf einen Ursprung in Weißrußland oder der Ukraine hinwiesen, gab die UdSSR spät abends eine "Havarie" im Kernkraftwerk Tschernobyl bekannt. Tage später, auf erheblichen Druck aus dem Ausland, gaben die sowjetischen Behörden zu, dass es zu einer Explosion und einer Kernschmelze gekommen war, bei der große Mengen an radioaktiven Stoffen freigesetzt wurden. Auch in den folgenden Wochen lieferte die UdSSR nur sehr spärliche und lückenhafte Informationen über den Unfall, es galt das Prinzip, dass nur das zugegeben wurde, was nicht mehr zu leugnen war. Dass der Reaktorkern brannte und dass das Dach des Reaktorgebäudes beim Unfall weggerissen wurde, erfuhr die Weltöffentlichkeit zuerst durch westliche Satellitenfotos. Erst auf einer Konferenz änläßlich dieses Unfalls Ende August 1986, legte die sowjetische Seite umfangreiches Material über den Unfallhergang und den Reaktortyp vor.
Noch zwei Jahre lang versuchten die sowjetischen Behörden der eigenen Bevölkerung Informationen über die Strahlenbelastung vorzuenthalten. Die Informationssperre scheiterte, weil die offensichtlichen Widersprüche sich nicht länger leugnen ließen. Auf internationalen Konferenzen gaben sowjetische Wissenschaftler Daten über die radioaktive Belastung und ihre regionale Verteilung bekannt, über westliche Rundfunksender und persönliche Kontakte sickerte dieses Wissen in die UdSSR zurück. Die aufwendigen Reinungsmaßnahmen in besonders belasteten Gebieten ließen sich nicht verbergen, ebensowenig der Einsatz hundertausender Liquidatoren. Das strafte die offiziellen Beteuerungen Lüge, dass Informationen über die Kontaminations- und Dosiswerte nicht notwendig wären, da die Situation unter Kontrolle sei.
Noch wärend der Informationssperre erhielt die Bevölkerung erhielt die Bevölkerung in den höher belasteten Gebieten zusätzlich 30 Rubel im Monat als Ausgleich für die erhöhten Kosten der Nahrungsmittelbeschaffung, weil ja lokale landwirtschaftliche Produkte nicht mehr gegessen werden durfte. Auch die Umsiedlungen aus der 30-km-Zone konnte nicht verborgen bleiben.
Die Diskrepanz zwischen dieser im Volksmund bals "Sarggeld" genannten Zuwendung und den offiziellen Behauptungen, alle Probleme seinen gelöst war offensichtlich. Auch wurden über 250.000 Menschen umgesiedelt bzw. zwangsdeportiert - und anschließend "vergessen". Die zahlreichen Widersprüche führten zu öffentlichem Druck, der in der UdSSR der "Glastnost"-Periode nicht völlig unbeachtet blieb. Dennoch dauerte es zwei Jahre, bis zuerst in Weißrussland die Informationssperre aufgehoben wurde.

Das Chaos aus offiziellem Schweigen und Lügen, durchsickernden Informationbrocken und wild wuchernden Gerüchten verunsichtete nicht nur die Bevölkerung; es erschwerte auch gezielte Hilfe, machte sie sogar in einigen Fällen unmöglich. Es ist bezeichnend, dass es in den an die Ukraine angegrenzende Gebieten Polens bei weitem nicht zu einem vergleichbar dramatischen Anstieg der Schilddrüsenkrebsfälle gekommen ist, als in den benachbarten ukranischen Gebieten. Der Grund: in Polen wurden sofort nach der Katastrophe Jobtabletten verteilt, in der Ukraine nicht oder zu spät.
Als dann doch reichlich spät Informationen freigegeben wurden, hatte sich ein Klima des Mißtrauen und tiefer Verunsicherung entwickelt, dass den politischen Umbruch überdauerte und bis heute andauert. Die psychozialen Folgen sind verheerend. Möglicherweise verursachten die Angst vor der Strahlung, die Verzweiflung, die Depressionen und der nach "Tschernobyl" gradezu unglaublich angestiegene Alkoholmissbrauch in Weißrussland und der Ukraine mehr Schaden als die Strahlung selbst.

Nächster Teil: das deutsche Informationschaos

Freitag, 12. Mai 2006

Der Computer hat Geburtstag

Jedenfalls in gewisser Hinsicht: Am 12. Mai 1941 nach der Bauingenieur
Konrad Zuse
seinen "Z3" in Betrieb - den ersten frei programmierbaren digitalen Rechner. Konrad Zuse und seine Rechner
Was die tatsächliche Entwicklung der Computer angeht, blieb Zuses Pioniertat eine Marginalie - auch wenn die oft als "erste Computer" genannten britischen
COLOSSUS-Rechner
ebenso wie der US-amerikanische Relais-Rechner MARK I und der vollelektronische ENIAC nicht nur später als der Z3 gebaut wurden, sondern auch nicht frei programmierbar waren. (ENIAC mußte für neue Aufgaben neu "verdrahtet" werden und entsprach, im Gegensatz zur Z3, nicht der "von Neumann Architektur" mit Trennung von Speicher, Steuereinheit und Rechenwerk.

Man kann lange über die Gründe spekulieren, wieso Zuse in Deutschland mit seiner Erfindung nur wenig Anklang fand.
Das Patentamt erkannte in seiner Entscheidung über das 1941 eingereichte Patent zwar den technisches Fortschritt an, bemängelte aber eine fehlende "Erfindungshöhe".
Angesichts der Tatsache, dass Deutschland im Jahre 1941 einen Vernichtungskrieg führte, ist es vielleicht ein Glück, dass die einzige militärische Verwendung der Zuse-Rechner die Berechnung von Tragflächenprofilen für Flugzeuge blieb. (Nicht auzudenken, was geschehen wäre, hätten die Deutschen einen den britischen COLOSSUS-Rechnern überlegenen Computer gehabt.)

Wie viele große Erfinder hatte Zuse eine ausgeprägte musische Seite. Schon als Student suchte er die ideale Verbindung zwischen Ingenieur und Künstler. Zuse erwarb sich unter dem Pseudonym "Kuno See" einen guten Ruf als moderner Maler.

br-online: Jahrestag: Die Geburt des Ur-Computers
Nicht direkt zu Thema passend, aber auch auf der br-website und leider gern "vergessen": Klub der Erfinderinnen

Donnerstag, 11. Mai 2006

Der Sommer kommt früh dieses Jahr

Damit meine ich nicht nur das gerade herrschende ungewöhnlich sonnige Wetter, sondern auch die zahlreichen "typischen Sommerlochthemen" in der derzeitigen politischen Berichterstattung. Wohl weniger, weil es an wichtigen politischen Themen mangeln würde, sondern, weil diese wichtigen Themen irgendwie unangehm sind. Oder um die absehbaren (gewollten?) Folgen bestimmter politischer Entscheidungen zu verschleiern: liberale Stimme: Umverteilung bei den Familien.
Den sommerlichen Klassiker "Schuluniform" hatten wir schon, jetzt kommt das alte bildungsbürgerlich-konservative Repertoire-Gruselstück "Sprachliche Überfremdung" in neuer Inszenierung:
"Wenn es also nicht anders geht, muß ein Sprachgesetz her", so Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache (VDS). "Widersinnigerweise ist alles in Deutschland reguliert – zum Teil überreguliert – aber die Sprache kann jeder nach Laune verbiegen".
In einem Sprachgesetz sollten deutsche Unternehmen und Institutionen verpflichtet werden, mit ihren Kunden deutsch zu sprechen. (Mit Tucholsky: "Deutsche, kauft deutsche Zitronen!")
Irgendwie typisch deutsch - vor allem das "Argument", mehr Regulierung damit zu rechtfertigen, dass schon so viel bei uns reguliert ist. Nicht ganz so typisch deutsch ist die Idee mit dem Gesetz - der Unsinn ist offensichtlich bei Frankreichs vielbelächeltem Sprachgesetz abgekuckt. Gegen das branchentypische "Denglish" in Public Relations und Unternehmensberatung (sorry, consulting) dürfte es sowieso nicht helfen.

Mittwoch, 10. Mai 2006

Auch Hamster sind schließlich nur Menschen ...

Genau wie viele Menschen essen Goldhamster unter Stress zuviel und nehmen an Gewicht zu: wissenschaft.de: Frustesser im Pelz

Das finde ich deshalb bemerkenswert, da ich schwer mit meiner Neigung zum "Frustfressen" zu kämpfen habe - und mir oft genug anhören mußte, so etwas gäbe es nicht, "Frustessen" sei nur eine Ausrede für mangelnde Selbstdiziplín.

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