Mittwoch, 12. April 2006

12. April 1961

Heute vor 45 Jahren flog Juri Gagarin als erster Mensch mit der Raumkapsel "Wostok 1" ins All. Eine außerordentliche technische Pionierleistung - und ein lebensgefährliches Unternehmen. Erst nach dem Ende der UdSSR wurde im vollem Umfang bekannt, wie gefährlich die ersten sowjetischen Raumflüge gewesen waren.
Encyclopedia Astronautica: Vostok 1

Genau 20 Jahre später, am 12. April 1981, flog erstmals ein wiederverwendbare Space Shuttle Orbiter, die "Columbia". Encyclopedia Astronautica: STS1

Herbert Grönemeyer - das Rätsel seines Erfolges

Heute, am 12. April 2006, wird Herbert Grönemeyer 50. Seit über 20 Jahren ist er einer der erfolgreichsten, wenn nicht gar der erfolgreichste deutschsprachige Sänger. Warum konnte ich nie so recht verstehen, denn seine Lieder glänzen nicht ebendurch musikalische Brillianz, und sind, von "Männer" vielleicht mal abgesehen, auch nicht unbedingt Ohrwurm-, Mitsing-, oder Partystimmungs-Material.
Auch seine Texte sind, gemessen am Liedermacher-, Rapper- oder Deutschrockerstandard, rein theoretisch nicht der Stoff, aus dem die Hits sind. Dazu sind seine Texte bei aller gefälligen Sentimentalität eigentlich in der Regel zu moralinsauer. Meistens reicht es bei Grönemeyer gerade zur "Betroffenheitslyrik", garniert mit risikoloser Rebellenattitüde.

Eine mögliche Antwort gibt "Lizas Welt" in einer polemischen, stellenweise über-interpretierenden, aber scharfsichtigen und scharfsinnigen Betrachtung:
Barde des Ressentiments
Eher etwas für schliche Gemüter also, möchte man achselzuckend meinen, wäre da nicht die erschreckende Erkenntnis, dass es wohl genau das ist, was Grönemeyers Anziehungskraft ausmacht. Schließlich ist er „ein Menschenversteher“, der sich „vor Jahren bereits selbst gefunden“ hat und seitdem weiß, „was die Menschen um ihn herum bewegt, was sie besorgt“. Das kann man wohl sagen: Die da oben? Machen sowieso, was sie wollen! Krieg? Immer schlecht, wenn ihn die Amis machen! Hungernde Kinder in der Dritten Welt? Und wir fressen uns hier die Wampe voll! Das ganze mit ein paar Beats unterlegt und mit moralinsaurem Blick ins Mikrofon genuschelt – ein echtes Prachtexemplar der Schöpfung.
Oder, wie ich es formulieren würde: der ideale Sänger für sich für kritisch haltende Deutsche, die Antikapitalismus und Lustfeindlichkeit mit Gesellschaftskritik verwechseln. Und für Deutsche mit Hang zum Nationalen, denen man mal beigebracht hatte, dass Rechtsextremismus "pfui" ist.

(Für das noch größere Rätsel, wieso Xavier Naidoo charttauglich ist, habe ich eine noch einfachere Erklärung: Für die Ohren eines verstockten Heiden, wie z. B. mir, hören sich X. N's. Songs wie in holprigen Reime gegossene moralinsäuregetränkte Lamoyanz an, begleitet von Melodien, die wage an Kater bei nächtlichen Revierkämpfen erinnern. Für die Ohren Wahrer Christen(tm) mit der rechten religiös-moralischen unheimlich-echt-betroffenen "die Welt ist schlecht" Überzeugung stellt Xavier Naidoo alle "Klassiker" zwischen Bach und den Beatles mühelos in den Schatten.)

Samstag, 8. April 2006

Leukämie und Mini-Atombomben (Teil 3)

Teil 1
Teil 2

Der Anstoß dafür, dass die Behauptung, bei der GKSS wären sog. Mini-Nukes entwickelt worden, von Teilen der atomkritischen Öffentlichkeit ernst genommen wird, war der Eklat in der schleswig-holsteinischen Untersuchungkommision vom 2. November 2004.
Der NDR berichtete damals:
Sechs von neun Mitgliedern der schleswig-holsteinischen Kommission legen die Arbeit aus Protest gegen eine angebliche Verschleierungspolitik der rot-grünen Landesregierung nieder. Die Forscher werfen der Koalition vor, die Arbeit der Kommission zu behindern, weil ihr die Erkenntnisse nicht gefallen. Sie erklären, dass das Kernkraftwerk Krümmel zwar als Mitverursacher der Leukämien in Frage kommt. Leukämierelevante Umgebungskontaminationen sollen jedoch von geheim gehaltenen und illegalen kerntechnischen Experimenten an der nahe gelegenen Forschungseinrichtung GKSS stammen.
In der Folge spekulierten selbst seriöse Medien, z. B. die Süddeutsche Zeitung, offen über geheime Atomwaffenprojekte.

Was sind eigentlich "Mini Nukes"? Wie sähe ein hypothetisches geheimes Entwicklungslabor aus? Und - wäre das GKSS ein möglicher Ort für solch ein Labor.

"Mini-Nukes" sind ganz allgemein Kernwaffen mit einer Sprengkraft, die schwächer ist als 5000 Tonnen des konventionellen Standard-Sprengstoffs TNT. Oder kurz: Atombomben unter 5 Kilotonnen TNT.
Schon Ende der 50er Jahren gab es entsprechende Waffen, wie den W-54-Gefechtskopf, der nur 23 Kilogramm wog und eine Sprengkraft von etwa 1 kT hatte.
Offensichtlich meinte Edmund Lengfelder, ehemaliges Mitglied der schleswig-holsteinischen Leukämiekommission, nicht solche vergleichsweise "normalen" Atomwaffen. Ausgehend von den um Geesthacht gefundenen radioaktiven Kügelchen, die er als PAC identifizierte, behauptete er: Solche Kügelchen könne man benutzen, um nukleare Mini-Explosionen herbeizuführen. Dazu müßten sie mit Lasern beschossen werden, so dass eine Fusionsreaktion in Gang komme. Damit könnten Atombomben von wesentlich kleinerer Abmessung als bisher gebaut werden – sogar als Handgranaten.
So, wie sie hier steht, ist diese Behauptung allerdings Unsinn, wie ich bereits darlegte. Was allerdings tatsächlich diskutiert wird, sind Ultra-Mini-Nukes von erheblich weniger als 1 kT TNT und Ausmaßen der viel zitierten "Handkofferbombe". Das Problem liegt einerseits in der für eine nukleare Explosion benötigten kritischen Masse: bei Uran 235 beträgt sie ca. 50 kg, bei Plutonium 239 immerhin noch 10 kg. Durch Kombination einer starken Kompression des Spaltmaterials und eines Neutronenreflektors kann die kritische Masse für Pu 239 auf etwa 1 kg herabgesetzt werden. Das Gesamtgewicht eines solchen Sprengsatzes ist jedoch wegen des aufwendigen chemischen Zündsatzes relativ hoch - leicht genug für eine Artillerie-Granate, aber zu schwer und zu groß für den Aktenkoffer oder den Rucksack eines Infanteristen. Noch kleinere kritische Massen als Pu 239 haben Californium 251 (9 kg), Americium 242m (9 kg) und Curium 247 (7 kg). Diese Isotope werden deshalb als mögliche Bestandteile von "Micro Nukes" diskutiert.
Etwas ganz anderes, aber in der GKSS-Diskussion oft mit den auf Kernspaltung beruhenden "Mini Nukes" zusammengewürfelt, ist die Trägheitseinschluß-Fusion, Inertial Confinement Fusion, abgekürzt ICF, auch "Laserfusion" genannt. Hierbei wird ein "Pallet" aus fusionierbarem Material (z. B. Tritium) mit Laser- oder Partikelstrahlen so stark erhitzt und komprimiert, dass es zur Kernfusion kommt. Salopp formuliert wäre das eine Folge von Mikro-Wasserstoffbomben in einem Reaktorgefäß. Wäre, denn soweit öffentlich bekannt ist, gibt es noch keinen funktionstüchtigen Trägheitsfusions-Reaktor. Für militärische Zwecke, auch in Richtung "Mikro-Nuke", ist die Trägheitseinschlußfusion ebenfalls interessant, denn man braucht sich nicht mehr um "kritischen Massen" zu kümmern. Man kann leicht über das Internet recherchieren, dass eine Fülle von Literatur über ICF im Kontext militärischer Projekte gibt - (Allerdings nur die Information, dass es solche Literatur gibt, die Literatur selbst steht verständlicherweise nicht online.)

Das Problem bei der "ICF-Bombe" ist: Wie bekommt man einen Hochenergie-Laser (im Megajoule-Bereich) und seine Energiequelle so klein, dass er in eine kompakte Bombe passt oder, naheliegender, wie kann man ein "Pallet" aus der Entfernung mit einem Laser oder Partikelstrahl zünden?
Die Gemeinsamkeit der Kernspaltungs- und der Kernfusions- "Mini Nuke": in beiden Fällen kommen "Kügelchen" zur Anwendung. Nur sind sie in einem Fall aus spaltbarem Material, im anderen Fall aus fusionierbarem Material (bzw. sind mit solchem gefüllt).

"Fusions-Fissions-Kügelchen" als angeblicher Bestandteil einer "militärisch nutzbaren Hybridtechnik aus Kernfusion und Kernspaltung zum Einsatz in kleinen Atomwaffen" werden, nach Angaben von Sebastian Pflugbeil, in einer Studie des DDR Ministeriums für Staatsicherheit aus dem Jahr 1987 mit dem Titel "Kleinkernladungen (Mininukes)", erwähnt. Diese Studie liegt mir nicht vor. Die Mitteilung der IPPNW über sie macht auf mich einen reichlich verwirrten Eindruck. (In Grau Zone)

Wie sähe ein hypothetisches Entwicklungslabor für Mininukes aus?
Sebastian Pflugbeil von den Internationalen Ärzten gegen den Atomkrieg (IPPNW) betont, dass die Experimente mit Mininukes "keine Testgebiete, keine tiefen Bohrlöcher" benötigen. "Weil ›nur‹ wissenschaftliche Gerätschaften und sehr geringe Mengen von Spaltstoff gebraucht werden, ist zu befürchten, daß auf dieser Ebene gegenwärtig das größte Problem bezüglich der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen besteht."

Für den Test einer Mini-Nuke - immerhin einer Explosion in der Größenordnung einiger hundert Kilo TNT - ist durchaus ein Testgebiete und ein Bohrloch erforderlich. Allerdings können die Dimensionen relativ bescheiden sein, und die durchaus leicht registrierbare Explosion könnte als "konventionelle Sprengung" getarnt werden. (Dem engen Netz der Seismometer sowohl der IAEA wie denen der Erdbebenforscher entgeht buchstäblich nichts, was wesendlich größer ist als ein Böller.)
Für den Bau, sprich die reine Montage, einer Kernspaltungs-Mininuke braucht man mindestens eine "heiße Zelle" mit Abschirmung, Manipulatoren usw. Dafür ist ein relativ großes Gebäude (oder eine relativ große unterirdische Anlage) erforderlich. In den Ausmaßen eines leicht verbergbaren "Kellerlabors" ist eine "heiße Zelle" jedenfalls nicht zu verwirklichen.
Forscht man auf dem Gebiet der Trägheitseinschlußfusion, braucht man einen Hochenergielaser oder eine Hochenergie-Partikelquelle, z. B. einen Teilchenbeschleuniger. Nach derzeitigem Stand der Technik ist beides nicht im "Garagenmaßstab" zu haben.

Wichtig ist, wie bei jeder Form der Geheimforschung: Die Anlagen müssen allen unbefugten Blicken konsequent verborgen bleiben.

Würde die GKSS diese Voraussetzungen erfüllen? An der GKSS gibt es tatsächlich "heiße Zellen", d. h. hier könnten theoretisch Atomwaffen montiert werden. Als Testgebiet für noch so kleine Atombomben käme das Gelände wohl nicht in Frage. Es gäbe keine Möglichkeit eine schwere Explosion "wegzuerklären". (Ein Steinbruch oder ein Bergwerk, notfalls auf ein Truppenübungsplatz wäre da schon nützlich, ein argwöhnisch beobachtetes AKW in unmittelbarer Nachbarschaft wohl nicht.)

Mit einer anderen erforderlichen Voraussetzung, nämlich der Geheimhaltung der Anlagen, sieht und sah es bei der GKSS eher mau aus. Der Werkschutz entspricht dem bei Industrieanlagen üblichen, der Zaun um das Gelände ist ein Maschendrahtzaun, der von einfachem Stacheldraht gekrönt wird.
Eine lückenlose Kameraüberwachung gab es nach meinen Beobachtungen in den 80er Jahren nicht. Wenn gerade keine Werkschutz-Streife in der Nähe war, stellte der Zaun kein ernsthaftes Hindernis dar. (Ich gebe zu, ich habe der Versuchung nicht widerstehen können, das seinerzeit einmal selbst auszuprobieren. War damals allerdings auch 20 Jahre beweglicher ...) Der Bereich um das Reaktorgebäude, in dem auch die heißen Zellen untergebracht waren, war mit einem weiteren Zaun und einem weiteren Wachlokal (und nervösen Wachhunden) gesichert, es gab auch Überwachungskameras. Allerdings: im Vergleich mit der bei "wichtigen" militärischen Anlagen üblichen Schutz gegen unbefugte Eindringlinge (oder dem "ziviler" Auftragnehmer für sensible Militärtechnik, wie z. B. bei der Schiffbauhalle für Militärschiffe der Werft Blohm + Voss) war (und ist) die Zugangsicherung bei der GKSS ein Witz.
Bei der GKSS arbeiteten damals 650 Beschäftigte, heute sind es sogar mehr. Hinzu kommen Mitarbeiter von Fremdfirmen (die GKSS arbeitet intensiv mit der Industrie zusammen), Studenten und zahlreiche Besuchergruppen. Zum Reaktorgebäude hat nur ein Teil der Belegschaft unbegleitet Zugang; ich gehörte dazu. Auch im Reaktorgebäude war kein Bereich völlig "off Limits", nach vorheriger Erlaubnis (die mir problemlos gewährt wurde) konnte ich sogar den Reaktorraum (mit den damals zwei beeindruckend intensiv blau leuchtenden "Swimmingpool"-Reaktoren) im laufernden Betrieb besichtigen, ebenso den Sicherheitsbereich mit den "heißen Zellen". Auch Besucher wurden regelmäßig durch diese Bereiche geführt.
Auch für andere Bereiche, Gebäude und Einrichtungen auf dem GKSS Gelände galt, dass eigentlich nichts völlig "off limit" war - Offenheit war ein durchgängiges Prinzip. Das Gesprächsklima unter der Belegschaft war ebenfalls offen, ähnlich wie an universitären Einrichtungen; es gab auch etliche engagierte Atomkraftgegner am GKSS. Wobei nur den allerkleinste Teil des GKSS direkt oder indirekt mit "Kernenergie" zu tun hatte, obwohl das GKSS damals im Umgangston noch gern "die Kernenergie" genannt wurde. (O-Ton im Werksbus: "Wie lange arbeitest du schon bei der Kernenergie als Taucher?" Der Taucher arbeitete im Bereich "Unterwassertechnik", damals ein Schwerpunkt der GKSS.)

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn es an der GKSS geheime Anlagen gab, dann müssten sie wohl unterirdisch angelegt gewesen sein. Dafür gäbe es allerdings besser geeignete Standorte, z. B. "sowieso" streng bewachte militärische Anlagen, alternativ, im Sinne einer möglichst guten Tarnung, auch völlig "unverdächtige" zivile Industrieanlagen. Das GKSS ist zu schlecht abgeschirmt, zu anfällig für "undichte Stellen", zu stark beobachtet (auch von der IAEA) und wegen der allgemein bekannten nuklearen Anlagen zu "verdächtig" für geheime Atomwaffenforschung.

In den Berichten über einen Brand am 12. September 1986, als im KKW Krümmel stark erhöhte Radioaktivität gemessen wurde, ist von eine Brandherd zwischen GKSS-Gelände und KKK die Rede. Brandspuren an Bäumen gibt es wirklich, die Stelle befindet sich in einem Geländeteil, der heute innerhalb des GKSS-Zaunes liegt. Das ist aber kein Hindernis, Mitgliedern einer örtlichen Anti-Atom-Gruppe gelang es, durch ein in den Zaun geschnittenes Loch einzudringen. Außerdem können GKSS-Mitarbeiter diesen Geländeteil ohne Probleme betreten.
Von einen durch Brand zerstörten oder zumindest stark beschädigten Gebäude, von dem auch Gerüchte umgingen, kann keine Rede sein. Alte Fliesen, Installationreste, Mauerreste usw. gibt es auf dem Gelände und in seine Umgebung reichlich, sie stammen von der ehemaligen Munitionsfabrik Krümmel.

Fazit: Es spricht meines Erachtens nichts dafür, dass am GKSS Mini-Nukes entwickelt wurden. Das schließ natürlich theoretische Forschungsarbeiten, oder Entwicklung von Bestandteilen von Waffentechnologie nicht aus - allerdings einen Unfall mit einer "Mini-Nuke" (oder an einem weiteren, geheimen, Reaktor).

Teil 4

Wenn Rommel gesiegt hätte: Holocaust in Palästina

Eine der beliebtesten Strategien auf die Wehrmachts-Nostalgiker verfallen, wenn die Rede auf "Verbrechen der Wehrmacht" kommt, ist das "Eröffnen der Afrika-Front": Schließlich wäre "Wüstenfuchs" General Rommel ein untadeliger Soldat, fähiger Stratege und fairer Kämpfer gewesen (was nebenbei ein Schlaglicht darauf wirft, was selbst Wehrmachts-Fans mutmaßlich von anderen Wehrmachts-Generälen halten). Jedenfalls hätte es beim Afrika-Corps keine "Schweinereien" gegeben - "Schweinereien" ist ein gängiger Euphemismus für Kriegsverbrechen.

Der einzige Grund, weshalb es an der Afrika-Front nicht zu "Schweinerei" ungeheuren Ausmaßes, zu einem Vernichtungskrieg ähnlich dem an der "Ostfront" kam, liegt darin, dass Rommels Afrikakorps rechtzeitig geschlagen wurde!
Wie neue Forschungen des Leiters der renommierten NS-Forschungsstelle Ludwigsburg, Klaus-Michael Mallmann, und seines Mitarbeiters Martin Cüppers ergaben, hielt sich zur Ermordung der rund 500 000 nach Palästina geflohenen Juden ab Sommer 1942 ein Einsatzkommando in Athen in Bereitschaft, das dem Afrika-Korps General Erwin Rommels unterstellt war.

Nur die Niederlage des "Wüstenfuchses" gegen die britische Armee in der Entscheidungsschlacht um El Alamein Ende Oktober/Anfang November 1942 habe den Massenmord verhindert, heißt es in der jetzt veröffentlichten Studie "Deutsche, Juden, Völkermord", die in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschien.
Aus dem Abendblatt vom 8.April 2006:Hitlers Plan: Holocaust in Palästina

Zwar hätten auch in diesem Fall meistens "andere", also keine regulären Truppen, die "Drecksarbeit" des Massenmordes übernommen, aber die Wehrmacht hätte nach bewährten Muster den Weg gebahnt und den Killer-Kommandos den Rücken freigehalten. Interessant ist, dass die Schreibtischtäter des Massenmordes offenbar auf willige einheimische Vollstrecker bauen konnten:
Den Recherchen der Historiker nach sollte das "Einsatzkommando Ägypten" nach dem Muster der berüchtigten NS-Einsatzgruppen in Osteuropa vorgehen, die Hunderttausende Menschen erschossen oder mit mobilen Gaskammern erstickten. "Zentrales geplantes Betätigungsfeld der Truppe war die Realisierung der Shoah (des Holocaust) in Palästina", schreiben die Autoren. Als Kommandeur sei SS-Obersturmbannführer Walter Rauff benannt worden, berichten die Wissenschaftler, die sich auf Dokumente aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes stützen.

Die "mobile Todesschwadron" mit zunächst 24 Mitgliedern habe den Auftrag gehabt, palästinensische Kollaborateure anzuwerben und sicherzustellen, daß der "von den Deutschen in Gang gebrachte Massenmord fortan lediglich unter deutscher Anleitung reibungslos weiter realisiert werden konnte", schreiben Mallmann und Cüppers.

Die Deutschen konnten sich dabei auf den Judenhaß des palästinensischen Muftis von Jerusalem, Amin al-Husseini, verlassen. Husseini, ein Verwandter des späteren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat, intervenierte im deutschen Außenministerium, um "die jüdisch-nationale Heimstätte in Palästina" zu verhindern.
Ob Rommel, bei aller unbestreitbaren persönlichen "Anständigkeit" (die ihn in eine gewisse Opposition zu Hitler brachte - zum Widerstand langte es leider nicht), im Falle eines siegreichen Afrika-Feldzuges "sauber" geblieben wäre, ist durchaus zu bezweifeln. Nicht zu bezweifeln ist das breite Bündnis zwischen "palästinensischen Widerstandskämpfern" mit deutschen Vernichtungsantisemiten; es kann gut sein, dass der noch heute z. B. in der Charta der Hamas nachweisbare Vernichtungsantisemitismus ursprünglich "Made in Germany" ist. Das Demokratie-Dilemma

Freitag, 7. April 2006

Zur Abwechslung mal was Erfreuliches ...

Die neue CD der Singvøgel ist da!

CD Cover Lieder sind

Donnerstag, 6. April 2006

Fake-"Journalismus" - jetzt auch beim ZDF!

Heute im "Hamburger Abendblatt" (übrigens auch nicht immer ein Muster des seriösen Journalismus):
Gewaltbilder gegen Geld? Schule entsetzt

Was macht man, als "freier Produzent", wenn die gewünschte "Action" bei der Reportage über Jugendgangs im Stadteil Mümmelmannsberg fehlen? Wo doch gerade das Thema "Gewalt an Schulen" "in" ist? Die Mü-Berger Jugendlichen aber nicht brutal und ghettomäßig genug ´rüberkommen?
Schließlich kauft einem auch ein öffentlich-rechtlicher Sender ungern Beiträge ohne sensationelle Bilder ab. Oder allenfalls fürs Spätprogramm. Also wird ein wenig nachgeholfen ...

Das Dumme ist nur, dass so ein "kleiner" Fake faktisch Propaganda für jene Sorte Politiker ist, denen außer "hart Durchgreifen" eigentlich nie etwas einfällt, und deren innenpolitische Vorstellungen sich mühelos auf "Ruhe, Ruhe über alles" reduzieren lassen. Von der Sorte gibt es in Hamburg (und anderswo) ja nicht eben wenige.

Ach ja, auch im bei autoritär gesonnenen Politikern so beliebten Fall "Rütli-Schule" lief wohl nicht alles ohne inszenierungswillige "Journalisten", lt. taz von gestern:
"Das ist Medienterror"

Mittwoch, 5. April 2006

Leukämie und Mini-Atombomben (Teil 2)

(Erster Teil)
Vorbemerkung
Ich behaupte nicht, dass "Bloggen" sehr viel mit "professionellem" investigativen Journalismus zu tun hätte - schon die Recherchemöglichkeiten sind arg beschränkt, selbst im Vergleich zu einer Lokalzeitung. Wenn man als Blogger überhaupt recherchieren will (ich will auch nicht in jedem Fall). Obwohl ich mich diesem besonderen Fall durchaus persönlich bei der GKSS umsehen kann. Ich kenne Leute, die damals bei der GKSS arbeiteten, einige sogar im Bereich "Strahlenschutz". Und mir steht, außer dem Internet und den öffentlichen Büchereien noch die Staatsbibliothek zur Verfügung. Das heißt, ich kann mich erst mal gründlich schlau machen, ehe ich schreibe.

Genau das habe ich getan. Ich wußte z. B. nicht, was es mit den ominösen PAC (oder pac) auf sich hat. Oder ich wußte es nur aus einer Quelle - der ARGE PhAM und jenen, die sich auf ihre Ergebnisse berufen. Wurden überhaupt PAC-Kügelchen in der Elbmarsch gefunden?
Schon vor 2000 wurde über PAC-Funde berichtet. Der Bericht des von der damaligen Schleswig-Holsteiner Landesregierung beauftragten Sachverständigen ist auch heute noch sehr aufschlußreich: Behauptete Befunde von Kernbrennstoffpartikeln in der Umgebung von KKK / GKSS

Interessant ist z. B. die Darstellung eines Störfalls in einer "heißen Zelle" des GKSS im Jahre 1983, der zwar keineswegs vertuscht wurde (er war z. B. mir damals bekannt), der aber relativ wenig Aufsehen erregte - wohl, weil die in die Umwelt gelangte Aktivität mit 1 600 Mega Bq radioaktiven Jods 131 und 8 000 Mega Bq radioaktiven Edelgasen recht gering war. (Das führte zu einer Belastung von ca. 5 Bq pro kg Gras (Frischsubstanz) bei einigen Proben in der Umgebung - nach "Tschernobyl" waren es z. B. 250 Bq pro Kg Gras.)

Die ARGE PhAM behauptete, dass gemäß Interatomberichten am GKSS mit PACs gearbeitet wurde. Der Sachverständigen-Bericht weist - m. E. schlüssig - nach, dass die ARGE PhAM falsch und sinnentstellend zitiert hat.

Außerdem wird bemängelt, dass die Darstellung der ARGE PhAM unscharf und schwer verständlich sind und das es an Darlegungstiefe fehlt.
Fast alle journalistische Darstellungen, um was es bei den angeblich gefundenen PAC eigentlich geht, leiden darunter, dass höchst unterschiedliche Begriffe fast beliebig durcheinander geworfen werden - Fusion mit Kernspaltung, Mini-Atombomben mit Versuchsreaktoren, Thorium-Brennelemente mit PAC usw., bis überhaupt nicht mehr klar ist, was den was ist (auch ich habe mich durch diese Verwirrung verwirren lassen).
Im Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) Hamm-Uetrop wurden z. B. keine pac-Brennstoffe verwendet, jedoch tennisballgroße Brennelement-Kugeln aus Graphit, in denen das Spaltmaterial ain Form von Körnchen aus Uran 235 (primärem Brennstoff) und Thorium 232 (aus dem im Betrieb spaltbares Uran 233 "erbrütet" wird) vorliegt. (siehe auch: wikipedia Hochtemperaturreaktor).

Aufschlußreich und gut lesbar ist auch der Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft Lübeck zu angeblichen Kernbrennstoffpartikeln in der Elbmarsch - Bewertung durch die Atomaufsicht.

Andererseits ist klar, dass tatsächlich Partikel aus radioaktivem Material im Umkreis um das GKSS gefunden wurden. Das darin die namengebenden Elemente Plutonium, Americium und Curium (pac) vorkommen, könnte tatsächlich darauf hinweisen, das die Partikel pac oder Bruchstücke von pac sind. Andererseits wurden auch Thorium 232 und verschiedene Uranisotope darin gefunden - Elemente, die nicht für pac, sondern für THTR-Brennelemente typisch wären. Und das ebenfalls lt. ARGE phAM nachgewiese Tritium, Lithium und Bor machen weder im Zusammenhang mit pac noch mit THTR-Brennstoffen Sinn.

Für mich liegt der Schluß nahe, dass die gefundenen und auch im Fernsehen gezeigten Kügelchen gar keine PAC sind - sondern, salopp formuliert, "irgendein radioaktiver Dreck".

Etwas länger, aber interessant, von der Strahlenschutzkommision: Bewertung von Messungen der ARGE PhAM zur Radioaktivität in der Elbmarsch

Die Existenz der u. A. im Hausstaub gefundenen radioaktiven Kügelchen wude übrigens von der GKSS nicht bestritten. Sie hat selbst Untersuchungen an diesen Kügelchen vorgenommen.

Leider stehen die Untersuchungsberichte der ARGE PhAM (offensichtlich) nicht online.

Teil 3

Dienstag, 4. April 2006

Schlaue Krähen!

Krähen sind bekanntlich intelligente Vögel. Wie ausgeprägt ihre praktische Intelligenz wirklich ist, ist immer wieder erstaunlich. In einem Test ihrer geistigen Leistungsfähigkeit an der University of Cambridge haben sich Saatkrähen als ebenso begabt erwiesen wie Menschenaffen.
Netzeitung: Krähen offenbaren Physik-Begabung

Und noch eine wissenschaftliche Meldung der Kategorie "hab's ja schon immer geahnt", bei wissenschaft.de :Mit Lichtgeschwindigkeit durch Bern (Wobei die Lichtgeschwindigkeit in diesem speziellen Fall der eines flott fahrenden Radfahrers entspricht.)
Nein, das ist kein weiterer Berner-Witz, sondern ein Simulator, das "Lichtgeschwindigkeits-Fahrrad": Eine Art Hometrainer, auf dem man vor einer Großleinwand durch die Berner Altstadt strampelt. Je schneller man fährt, umso stärker krümmen sich die Linien – eine Folge der Längenkontraktion, wenn man sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit bewegt.

Sonderausstellung "Albert Einstein (1879 – 1955)" vom 16. Juni 2005 bis 17. April 2006 im Historischen Museum Bern

Montag, 3. April 2006

Leukämie und Mini-Atombomben

Gestern (am Sonntag, dem 2. April 2006), typischerweise zu später Stunde (23:30) lief auf dem ZDF die Sendung "Und niemand weiß warum - Leukämietod in der Elbmarsch". (Bericht über die ZDF-Sendung in der Frankfurter Allgemeinen online: Der vertuschte Skandal)
Eine - mit Abstrichen - gute Dokumentation über den "Leukämiecluster" in der Elbmarsch und einen möglichen vertuschten nuklearen Unfall im nahen GKSS-Forschungszentrum (und nicht etwa im AKW Krümmel, wie die FR fälschlicherweise meint).
Zwei der Abstriche gleich vorweg: die GKSS betreibt zwar einen kleinen Reaktor für Materialuntersuchungen, ist aber mitnichten ein "Kernforschungszentrum", wie im Bericht beschrieben - und sie war auch vor 20 Jahren kein "Kernforschungszentrum" mehr. Wikipedia: GKSS Forschungszentrum. Offizielle Website: GKSS Forschungszentrum. Artikel im Anti-Atom-Lexikon: GKSS

Während meines Studiums in den 80er Jahren arbeitete ich zeitweilig als Praktikant und studentische Hilfskraft am GKSS. Ich wage nicht zu behaupten, dass ich das GKSS wirklich kennen würde, allerdings denke ich, dass ich einige Vermutungen aus eigenem Erleben falsifizieren kann. Z. B. wurde in der Dokumentation ein Krater zwischen dem Gelände der GKSS und dem KKK (Kernkraftwerk Krümmel) gezeigt, mit "auffallend jungem Baumwuchs", Das wurde als Indiz für eine Explosion oder einen Brand, den Augenzeugen dort beobachtet haben wollen, gewertet. Aus eigener Anschauung kann ich mit Sicherheit sagen: der besagte tiefe Krater war schon vor 1986 dort. Er stammt nämlich aus dem Jahr 1944 oder 1945, als die dort befindlichen Bunker der Sprengstofffabrik Krümmel von den Briten zunächst mit überschweren Bomben "geknackt" und nach der deutschen Kapitulation entgültig durch Sprengung zerstört wurden. Der Baumbestand ist zwar jung, aber die Bäume waren, wenn auch kleiner, schon in den 80er dort. Übrigens wurde damals die wild wuchernde Vegatation teilweise ganz regulär gerodet, im Rahmen der Bauerschließung für mögliche Erweiterungsbauten (die zum Teil sogar tatsächlich gebaut wurden). Diese "Veränderungen" dann mittels Satellitenbild als "Beweis" für einen vertuschten Großunfall darzustellen erinnert mich leider ein wenig an "BILD"-Journalismus.

Von den beiden Augenzeugen, die ein ganz merkwürdiges Feuer, das wegen seiner merkwürdigen Farben wohl kein Feuer war, bei der GKSS gesehen haben wollen, halte ich auch wenig. Beinahe jede Woche meldete sich in den 80ern irgend jemand, der irgend etwas "Komisches" bei der GKSS oder dem AKW Krümmel gesehen haben wollte. Keine Nebelschwade, kein "mysteriöserweise" gefällter Baum, kein "komischer" LKW und kein neues Warnlicht entging damals den argwöhnischen Blicken. Ich habe selbst "live" miterlebt, auf welch lächerliche Weise ein durch die Lokalpresse gehender "Strahlenskandal" zustande kam. Aber lassen wir solche Anekdoten beiseite, denn zum "Anti-Atom-Aktivisten-Bashing" besteht wirklich kein Grund.

Zu den Hintergründen: In der Elbmarsch östlich von Hamburg und nördlich von Lüneburg sind seit etwa 1990 auffällig viele Kinder an Leukämie erkrankt - bis heute 17 Fälle, bisher sechs endete tötlich. Kindliche Leukämie ist normalerweise eine extrem seltene Erkrankung. Um diese Vorfälle zu klären, hatte die damalige rot-grüne Landesregierung in Kiel seit Ende der 1990er Jahre eine Komission aus namhaften Fachleuten eingesetzt und mehrere aufwändige Gutachten in Auftrag gegeben. Im Mittelpunkt stand dabei ein möglicher Zusammenhang mit dem nahen Atomkraftwerk Krümmel und dem benachbarten GKSS-Forschungszentrum.
Einen Zusammenhang zwischen den Leukämie-Erkrankungen und dem AKW Krümmel oder dem GKSS konnte keine der Studien finden, auch nicht die des als atomkritisch bekannten Darmstädter Öko-Institutes. Dennoch:alle gängigen Erklärungen für die Leukämien (Benzol, Pestizide usw.) können ebenfalls ausgeschlossen werden. Das führte zu der beunruhigenden Annahme, dass es einen vertuschten schweren nuklearen Unfall gegeben habe muß. Tatsächlich gibt es Indizien, die auf einen Unfall bei der GKSS hinweisen könnte, z. B. deutlich erhöhte Meßwerte für Radioaktivität in der Luft bei der Meßstelle des benachbarten AKWs Krümmel.
Eine sehr gute Darstellung der Problematik gab eine Sendung des Deutschlandfunks vom 14.08.2005, deren Manuskript auch online gestellt wurde: Die Leukämiekinder von Krümmel

Die Möglichkeit, dass am 12. September 1986 einen Unfall gegeben haben könnte, bei dem erhebliche Mengen radioaktiven Matrials freigesetzt wurden, ist nicht von der Hand zu weisen. Leider wird in Teilen der "atomkritischen Öffentlichkeit" (ansatzweise auch im ZDF-Beitrag) aus einem möglichen Atommüllunfall aus Leichtsinn / Schlamperei (mit deutlichen Parallelen zu Vorfällen in der experimentelle WAA Hanau) eine ziemlich gewagte ganz große Verschwörungstheorie:

1986 hätte es einen vertuschten Unfall bei im GKSS-Forschungszentrum gegeben hat - und zwar nicht im kleinen Forschungsreaktor der GKSS oder in der auf dem GKSS-Gelände liegenden Sammelstelle für radioaktive Abfälle, sondern bei illegalen Forschungen an sog. Mini-Nukes.

Den Atomwaffensperrvertrag eindeutig brechende ultra geheime Atomwaffenforschung bei einem auf große Offenheit bedachten Forschungszentrum, das sich in erster Linie mit Materialforschung, Umweltforschung, Meerestechnik u. Ä. beschäftigt - das entbehrt nicht einer gewissen Kühnheit. Auch wenn es einen kleinen Reaktor betreibt (1986 waren es noch zwei), es dort ein Sammellager für radioaktive Abfälle gibt und die GKSS früher mal den Atomfrachter "Otto Hahn" betrieben hatte.

2004 hatte eine Forschergruppe namens Arge PhAM bei Stichproben rund um Krümmel nach eigenen Angaben sog. PAC im Boden gefunden. In den Mikrokügelchen, erklärt Arge PhAM, fänden sich Radionuklide wie Plutonium, Americium oder Curium, aber auch leichte Elemente wie Lithium oder Bor. PAC sind winzige Kügelchen aus Uran- und Thorium-Oxiden. Solche Kügelchen wurden u.a. zur Verwendung im Hochtemperaturreaktor THTR Hamm-Uentrop entwickelt. PAC spielt auch bei der Entwicklung sog. Mini-Nukes eine Rolle. Allerdings: ob das, was die PhAM gefunden hat wirklich PAC sind, ist durchaus zweifelhaft. (Auch nach den Mikroskopaufnahmen im ZDF). Mischoxide aus angereichertem Uran und Thorium wären typisch für Hochtemperaturreaktoren. Die Arge PhAM sah jedenfalls in den Funden einen Hinweis auf illegale Atomwaffenentwicklung bei der GKSS.

Am 31. März hielt die Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS), die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch und die Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) eine Pressekonferenz ab, in der sie ihre Untersuchungsergebnisse vorstellte. Sowohl Folgen des Tschernobyl-Unglücks als auch natürliche Strahlenquellen oder Atomwaffentests kämen als Ursachen nicht in Frage, sagte Prof. Inge Schmitz-Feuerhake von der Gesellschaft für Strahlenforschung. In den neuen Bodenproben hätten sich "Kügelchen" (die oben genannten PAC) mit angereichertem Uran und große Mengen verschiedener Thoriumisotope in nicht natürlicher Zusammensetzung befunden. Die erhöhte Thoriumkonzentration könne die Erkrankungen verursacht haben. Etwas rätselhaft ist ihre Aussage: "Wir vermuten, dass ein Brennstoff getestet wurde, der die Spaltung und die Fusion in sich vereinen sollte".

Brennstoffe für die Kernspaltung sind die spaltbaren Isotope extrem schwere Elemente, wie Uran, Plutonium, Thorium oder Americium. Für die Kernfusion kommen nur sehr leichte Elemente, wie die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium oder das Helium-Isotop Helium 3 infrage. Lithium, wie es dem Vernehmen nach den Partikeln gefunden wurde, ist ein Material, aus dem Tritium "erbrütet" werden kann. Bor, wie es auch in den "Kügelchen" vorkommen soll, ist hingegen ein "Neutronengift", das eine nukleare Kettenreaktion - egal, ob Fusion oder Spaltung - praktisch ausschließen würde. Bor ist deshalb ein typischer Bestandteil von Kontrollstäben für Kernreaktoren. In einem Brennelement macht es wenig Sinn. Aber in "zusammengeschmolzenem Atommüll" könnte man Bor durchaus finden.
Vermutlich meint Prof. Feuerhake, dass die PAC Teil eines experimentellen Reaktors gewesen seien, in dem sowohl Spaltungs- wie Fusionsprozesse ablaufen. Ein Beispiel wäre die Wasserstoffbombe: eine Kernspaltungreaktion, nämlich eine explodierende Plutonium-Bombe, dient als "Zünder" für die erheblich stärkere Fusionsreaktion. Sie sagte eindeutig: "Es ging um geheime kerntechnische Experimente" (und nicht "nur" um einen Unfall mit Atommüll). Womit sie der seit Jahren grassierenden Atomwaffen-Verschwörungstheorie recht nahe kommt.

Eindeutig auch die Aussagen des Landtagsabgeordneten Uwe Harden (SPD): "Es wurde ein Atomunfall mit weitreichender Kontamination vertuscht".

Einige Pressestimmen:
taz: Hinweis auf Leukämie durch Atomunfall

Saar Echo: Boden um Geesthacht hochradioaktiv verseucht (Was im übrigen nicht der Fall ist! In diesem Zusamenhang suggerierte übrigens der ZDF-Bericht - vielleicht aus Unkenntnis - schlimmere Zustände, als sie - schlimm genug! - wohl wirklich sind.)

Ein ausgesprochen "kämpferischer" Artikel im "Neuen Deutschland":
Gab es 1986 einen Atomunfall in Geesthacht?

Noch "kämpferischer" und m. E. verschwörungstheoretischer - die "Junge Welt": Mininukes und Leukämie

Um es noch einmal zu betonen: ich habe auch keine Antwort auf die Frage, wieso sich die Fälle kindlicher Leukämie in der Elbmarsch häufen. Dass es einen vertuschten schweren Unfall im AKW Krümmel gegeben hat, halte ich für so gut wie ausgeschlossen - dazu waren die Untersuchungen zu gewissenhaft. Einen Unfall bei der GKSS - etwa bei der Untersuchung von Brennelementen aus dem Hochtemperaturreaktor Hamm-Uetrop - hingegen kann ich nicht ausschließen. Ich sehe aber keinen, aber auch wirklich keinen Grund, anzunehmen, dass bei der GKSS im nennenswerten Umfang Kernwaffenforschung betrieben wurde.

In den folgenden Tagen werde ich mich kritisch mit der Mini-Nuke-Theorie auseinandersetzen. Dabei stütze ich mich auf die auf den ersten Blick "solide" wirkende Gesamtdarstellung bei anti atom aktuell: Grauzone.

2. Teil

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