Umwelt

Mittwoch, 28. Oktober 2009

China - die dreckige Lokomotive der Weltwirtschaft.

In der immer noch anhaltenden Wirtschaftskrise blicken manche Experten und noch mehr "Öchsperten" (Chat Atkins) hoffnungsvoll auf China. Das "Land der Mitte", dessen Wachstumsrate immer noch, gemessen am "Westen", mehr als solide ist, erscheint als kraftvolle Weltwirtschaftslokomotive. Dumm nur, dass diese Lokomotive offensichtlich eine ausgesprochen dreckige Feuerung hat.

Es sind schockierende Bilder, in denen Lu Guang das Ausmaß der Umweltverschmutzung in China dokumentiert:
Amazing Pictures, Pollution in China.

Diese schrecklich-faszinierenden Bilder sollten zwei gerne verdrängte Tatsachen ins Bewusstsein rücken.

Das ob seiner angeblichen Effizenz auch von "westlichen" Wirtschaftsexperten bewunderte und manchmal als Vorbild gepriesene chinesische System, das ich kurz mit "Kapitalismus ohne Demokratie" umreißen möchte, erkauft seine hohen Wachstumsraten auf Kosten einer ausgebeuteten Bevölkerung und einer ausgeplünderten und verschmutzten Natur. Ob das Wort "Effizenz" die Mischung aus entfesselter Bürokratie, Korruption und staatlicher Unterdrückung in China richtig beschreibt, dürfte ohnehin zweifelhaft sein. Kein Zweifel besteht aber daran, dass Großunternehmen mit den "richtigen Beziehungen" in der dem Namen nach immer noch sozialistischen Volksrepublik China enorme Profite erzielen können.
Zwar bildete sich in den Städten mit dem Wirtschaftsboom so etwas wie ein Mittelstand, doch die Landbevölkerung verarmte. Soziale Spannungen nehmen zu. Wanderarbeiter müssen sich zu unmenschlichen Bedingungen verdingen. Die "Lösung" besteht in Überwachen und Strafen, verbunden mit Zensur und Propaganda. Und auch das scheinen manche deutsche "Öchsperten" für "vorbildlich" zu halten.

Die zweite gern verdrängte Tatsache ist die, dass etwa ein Fünftel der Emissionen Chinas - sowohl der CO2-Emmisionen, wie der "allgemeinen" Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung - sozusagen im Auftrag anderen Weltregionen geschieht, sprich für den Export chinesischer Produkte aufgewendet werden. (In Bezug auf CO2 dargestellt in einer Veröffentlichung der Universität Manchester (pdf) Consumers, business and climate chance.)
Anders gesagt: wenn z. B. deutsche Unternehmen ihre Produktion nach China verlagern, dann verlagern sie damit auch die mit der Produktion verbundene Emmisionen. Schlimmer noch: was an der Produktion in China so finanziell verlockend ist, sind außer den billigen Arbeitskräften auch die verglichen mit europäischen Standards geringe Umweltschutzaufwendungen.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Windenergie braucht nicht mehr Fläche als Braunkohle

Ein häufiger Einwand gegen den Einsatz von Windkraftwerken ist der enorme Flächenbedarf. So sehr ich für regenerative Energiequellen bin, so sehr graust es mir bei dem Gedanken an völlig mit Windrädern "verspargelte" Landschaften - dass, um überhaupt einen nennenswerten Anteil an der Elektrizitätsversorgung zu erreichen, alle Gegendenmit guten Windverhältnissen verstellt werden müssten.

Tatsächlich sieht es so aus, als ob mit Windenergie betriebene E-Werke für dieselbe Leistung nicht mehr Fläche als Braunkohlekraftwerke brauchen würden: Energieertrag pro Hektar. Demnach beträgt der durchschnittliche Energieertrag pro Hektar Fläche, wenn 6 MW-Anlagen eingesetzt werden, 1 Mio kWh - was genau dem Flächenbedarf beim Einsatz von Braunkohle entspricht.
Nun soll nicht verschwiegen werden, dass die diese Informationen von der Website der ENERTRAG - AG, also einem Betreiber von Windkraftanlagen, stammen. Auch hat Braunkohle von allen fossilen Energieträgern den mit Abstand größten Flächenverbrauch - man muss sich nur mal einen Braunkohle-Tagebau ansehen, dann weiß man, wieso.
Immerhin lässt sich sagen, dass der Wirkungsgrad moderner Windkraftwerke so gut ist, dass eine "Totalverspargelung" der Landschaft nicht notwendig ist. Außerdem erscheint der Bau von Offshore-Anlagen sinnvoll, schon weil der Wind auf See konstanter und stärker als auf dem Lande ist.
Es geht auch etwas anderes aus dem Vergleich hervor: ein Hektar normaler Solarstrom-Dachanlagen (mit monokristallinen Zellen) kommt ebenfalls auf durchschnittlich 1 Mio kWh Ertrag.
Ein geeigneter Standort sowohl für Wind- wie Solarkraftwerke, bei dem keine neuen Fläche verstellt werden würden, wären Autobahnen, die sich zu "Energiealleen" ausbauen ließen: Eurosolar schlägt Ausbau der A7 zur Energiealle vor

Es gibt allerdings ein Problem beim Einsatz dezentraler Energieanlage: das heutige Hochspannungs-Leitungsnetz ist auf Großkraftwerke ausgelegt. Daran, dass großen Netzbetreiber an einem Umbau interessiert sind, darf durchaus gezweifelt werden.
Das zweite, noch schwieriger zu lösende Problem ist das der Energiespeicherung, ohne die eine wirklich umfassender Umstellung auf erneuerbare Energieträger kaum möglich sein wird. Bei dezentrale Kleinanlagen können Kondensatoren, Schwungradspeicher oder vor allem Akkumulatoren eingesetzt werden. Die Idee, mit Wind- oder Solarstrom die Batterien von Elektroautos zu laden, hat dabei einen besonderen Charme.
Wenn es darum geht, große Energiemengen für einige Stunden zu speichern, können Pumpspeicheranlagen oder Druckluftspeicher verwendet werden.
Für die Langzeitspeicherung großer Energiemengen zu geringen Kosten bringt ENERTRAG Methan und Wasserstoff, als mittels Elektrolyse mit Wind- und Sonnenstrom synthetisch hergestelltem "Zwischenträger", in die Diskussion. Methan und Wasserstoff können in Kavernen gespeichert werden, wie sie heute schon als Erdgasspeicher verwendet werden. Das Erdgasnetz mit seinen Speicherkavernen ist nach der Darstellung von ENERTRAG der ideale Stromspeicher. Es verfüge heute bereits über eine Speicherfähigkeit von 60% des jährlichen Stromverbrauches.

Was man sich bei all dem vor Augen halten sollte: alle dafür notwendigen Techniken sind längst erfunden und erprobt.

Donnerstag, 17. September 2009

Ein wichtiger Preis, der leider etwas untergeht

Der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geht 2009 an zwei Unternehmer, die eine umweltfreundliche Heizmethode für die Industrie entwickelten, an einen Wissenschaftler für seine Forschungsarbeiten zum Verständnis mikrobieller Vorgänge im Meer und an die Ehrenvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) für ihrem ehrenamtlichen Einsatz zum Schutz der Umwelt. Der Preis ist mit 500.000 Euro Preisgeld die höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas und wird am 25. Oktober in Augsburg verliehen.

Deutscher Umweltpreis 2009 vergeben (scienexx)

Besonders bemerkenswert finde ich, dass die DBU den Mut hatte, eine so "exotische" High-Tech wie die Verwendung von Hochtemperatursupraleitern für eine umweltfreundliche Heizmethode auszuzeichnen.
Vielleicht imponierte der DBU der unternehmerische Mut der Geschäftsführer des Maschinenbauunternehmens Bültmann und des Hochtechnologieunternehmens Zenergy Power und das technische Können ihrer Mitarbeiter, denen es gelang, einen Heizer auf Basis von Hochtemperatursupraleitern (HTS) zu entwickeln. Er kommt in der Industrie zum Einsatz, um etwa Metallblöcke zur Weiterverarbeitung auf die erforderliche Temperatur zu erhitzen, ein bisher sehr energieintensiver Vorgang: Drei Prozent des weltweiten Stromverbrauchs entfallen darauf, allein in Deutschland 2007 rund 15 Milliarden Kilowattstunden, die Stromproduktion von vier Steinkohlekraftwerken. Mit dem neuartigen HTS-Heizer lässt sich davon mehr als die Hälfte einsparen.

Sonntag, 13. September 2009

Wie geht's dem Wald?

Erinnert sich noch jemand ans Waldsterben? Jedenfalls in Deutschland sieht es für den Wald nicht schlecht aus. Das heißt zwar nicht, dass alles in bester Ordnung wäre, und es kaum noch kranke Bäume gäbe: Der Flächenanteil der Bäume mit deutlichen Nadel- oder Blattverlusten der Baumkrone beträgt 26 Prozent. Der Zustand der Wälder hat sich 2008 deutschlandweit, über alle Baumarten hinweg betrachtet, kaum verändert. Laut Waldbericht des Bundesminsteriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) nahm die deutsche Waldfläche in den vergangenen 40 Jahren um ca. 10000 km2 zu. Waldzustand 2008 (BMELV) Seit 1981 - dem Jahr, in dem das Waldsterben erstmals Schlagzeilen machte - wuchs z. B. in Bayern die Waldfläche um 150 km2 an. Obwohl der Holzeinschlag in den letzten Jahren gesteigert wurde, liegt er immer noch weit unter dem Zuwachs - die Waldnutzung ist damit nachhaltig. Etwa 30 Prozent der Bodenfläche Deutschlands sind mit Wald bedeckt.
Der Einsatz von Anlagen zur Rauchgasentschwefelung und von Katalysatoren zur Bekämpfung des "Sauren Regens" hat offenbar Wirkung gezeigt. Die Schwefelbelastung der Waldböden ging deutlich zurück. Waldböden geht es etwas besser. In Deutschland wie überhaupt in Europa (außer dem Mittelmeeraum) wachsen die Wälder.
Wald-Moor-08
Natürliches Baumsterben an einem jungen Versumpfungsmoor

Ein Faktor beim Waldwachstum in Europa dürfte der Klimawandel sein: Vor allem durch die mildere Winter verschiebt sich die Baumgrenze nach Norden und in höhere Gebirgslagen. Bäume wachsen in Regionen, in denen sie früher nicht existieren konnten.
Wesentlich wichtiger als das mildere Klima ist für die beobachtete Ausdehnung der Gebirgswälder in den Alpen jedoch ein wirtschaftlicher Faktor: Landwirtschaft in Hochgebirgslagen lohnt sich immer weniger, Almen werden aufgegeben und Wiesen aufgelassen. Dort wird im Interesse des Lawinenschutzes oft aufgeforstet, aber auch dort, wo ehemalige Wiesen nicht aufgeforstet werden, rücken Bäume vor. Zwar nimmt der Skitourismus viel Fläche in Anspruch, und Landschaftsschäden durch Skipisten sind im Sommer kaum zu übersehen, aber insgesamt ist der Flächenbedarf für den Tourismus weitaus geringer als der der traditionellen Landwirtschaft.
Wald-Moor-03
Artenreicher Laubmischwald

Im "Norden" - in Europa, Russland, Kanada und die USA - wächst der Waldbestand an. In China gibt es - nach jahrhundertlangem Raubbau - ein gewaltiges Aufforstungsprogramm.
Trotzdem sieht es global gesehen nicht gut aus. Die weltweite Entwaldungsrate ist laut dem letzten FAO-Statusbericht nach wie vor erschreckend hoch, wenn auch etwas geringer als in den 1990er-Jahren: Zwischen 2000 und 2005 gingen 73.000 km2 Wald verloren, vor allem in den Tropen. Besonders dramatisch ist die Entwaldung in Indonesien; die Insel Sumatra verlor zwischen 1985 bis 2007 die Hälfte ihrer Waldfläche - und damit Lebensraum von Orang-Utans, Tigern und Sumatranashörnern. Ein besonders trauriger Aspekt ist, dass indonesischer Regenwald für riesige Ölpalmen-Plantagen gerodet wird. Das Palmöl aus diesen Plantagen wird als angeblich klimafreundlicher Treibstoff in Europa und Nordamerika verfeuert. Ein Hohn, da neue Palmölplantagen vor allem im Tieflandregenwald von Indonesien und Malaysia angelegt werden. Der Tieflandregenwald ist ein Torfwald, und als solcher ein riesiger Kohlendioxid-Speicher. Um Platz für neue Palmöl-Plantagen zu schaffen, wird üblicherweise Brandrodung verwendet. Durch die Waldbrände allein in Indonesien wird in manchen Jahren mehr als eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid frei gesetzt, etwa 15 Prozent der weltweit von Menschen verursachten CO2 Emissionen. Den Teufel mit dem Belzebub ...
Interessant und erfreulich ist, dass verstärktes Baumwachstum aus einer Region der Erde berichtet wird, die noch vor einige Jahren Gefahr lief, zur Wüste zu werden: Die Sahel-Region am Südrand der Sahara. Satellitenbilder und Luftaufnahmen, die über Jahrzehnte die Vegetationsentwicklung dokumentieren, zeigen ein Vorrücken von Büschen und Bäumen nach Norden. Die Niederschlagsmengen in dieser Region nahmen zu. Leider wird die neue Vegetation an vielen Orten durch Überweidung wieder zerstört.
Der Globus wird grüner (Welt.de).

Sonntag, 23. August 2009

Müllexport - getarnt als Gebrauchtwaren

Der Hamburger Hafen wird gerne als Tor zur Welt angepriesen. Doch er hat auch einen dunklen Hinterausgang. Durch diesen verlässt, oft verborgen in abgewrackten Autos, Elektroschrott das Land in Richtung Asien und Afrika.
Elektroschrott: Vom Hafenkai direkt nach Afrika (VDI-Nachrichten.com)

Die Reportage aus dem Hamburger Hafen beleuchtet ein gern verdrängtes Problem: Elektronikschrott wird, oft als "Gebrauchtgeräte" getarnt, oft in als "Gebrauchtwagen" deklarierten Autowracks verborgen, in arme Länder Afrikas und Südasiens exportiert. Dort landen die Geräte auf wilden Müllkippen auf oder werden in "informellen Recyclingbetrieben" unter katastrophalen Arbeitsbedingungen ausgeschlachtet. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht davon aus, dass gefährlicher Schrott aus Deutschland in großem Stil falsch deklariert und in arme Länder entsorgt wird.

Sonntag, 26. Juli 2009

"Die geheimen Beweise für die globale Erwärmung, die Bush verbergen wollte"

So lautet übersetzt die Schlagzeile eines Artikels der britischen Sonntagszeitung "Observer" Revealed: the secret evidence of global warming Bush tried to hide - siehe auch der Artikel auf "telepolis": Das Ende der Welt vor Barrow mit dem Untertitel: "Was Bush vor der Welt versteckte: Satellitenaufnahmen zeigen den Schwund des Eises in der Arktis".

Nun ist bekannt, dass George W. Bush während seiner Präsidentschaft nicht gerade als Umweltschützer hervortrat. Es ist außerdem bekannt, dass er "Global Warming" für irrelevant und folglich auch nichts von Einschränkungen des CO2-Ausstoßes hielt.
Hielt Bush die "unbequeme Wahrheit" absichtlich von der Öffentlichkeit verborgen? Eine "Klimaleugner-Konspiration"?

Eher nicht!

Es geht nämlich um Aufnahmen von Spionage-Satelliten, die eine Bildauflösung von unter einem Meter haben. Also Detailfotos. Die können, wie im Fall der Eisbedeckung vor Point Barrow, sehr dramatisch aussehen. Allerdings ist ihr Aussagewert beschränkt:
Um den Zustand des Meereises insgesamt beurteilen zu können, sind weiträumigere Übersichten, wie sie z. B. von den Satelliten der NOAA gemacht werden, relevanter. (Aktuelles / Eisbedeckung auf Wetterklima.de).
Tatsächlich hatte das US-Innenministerium mit der Veröffentlichung unerwartet schnell auf die Anfrage der National Academy of Sciences reagiert, die in den Bildern wertvolles Material für die Erforschung des schnellen Schwundes des arktischen Eises vermutet. Es geht dabei um Details des Eisschwundes, z. B. die Häufigkeit und Größe von Schmelzwassertümpeln auf der Eisoberfläche, nicht um die Tatsache an sich, oder das Ausmaß generell.

Hätte die Regierung Bush den Rückgang der Eisbedeckung des Nordpolarmeeres wirklich verschleiern wollen, hätte sie die Fotos nicht nur sämtlicher US-amerikanischer, sondern auch europäischer, russischer, chinesischer, indischer und japanischer Wetter- und Erdbeobachtungssatelliten zensieren müssen. Außerdem müsste er sich noch um die us-amerikanischen kanadischen, russischen, dänischen und norwegischen "Eisflieger" kümmern, also meteorologische Beobachtungsflugzeuge, die für die Schifffahrt die Eisberghäufigkeit und den Zustand des Meereises entlang der Seefahrtsrouten erkunden.

Normalerweise werden Bilder, die von Spionagesatelliten gemacht wurden, wenn überhaupt erst Jahre später "deklassifiziert" - meistens dann, wenn die Informationen, die sich daraus ergeben, ohnehin veraltet sind. Das Besondere ist also, dass die Bilder unter Obama so rasch und entgegenkommend freigegeben wurden - das Vorgehen unter Bush entsprach hingegen dem Regelfall.

Ergänzung: Der wirkliche Skandal ist ein anderer: Die Leiterin der us-amerikanischen "National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)", Professor Jane Lubchenco, warnte davor, dass die Datenerhebung mit Satelliten, die für die Vorhersage der Klimaentwicklung unentbehrlich ist, durch die absehbare Überalterung der NOAA-Satellitenflotte gefährdet ist.

Schon früher warnten Wissenschaftler vor den Folgen der unter der Bush-Regierung vorgenommenen Bugetkürzungen für die von der NOAA und der NASA betriebenen Umweltsatelliten. Die US-Wissenschaft droht in der Klimaforschung den Anschluss zu verlieren, und die Lücken, die ein teilweiser Ausfall des NOAA-Netzes hinterließe, könnten von anderen Ländern beim besten Willen nicht geschlossen werden.

Es ist übrigens bezeichnend, dass unter Bush zwar (m. E. ziemlich großkotzig) ein "Aufbruch zum Mond und zum Mars" - und zwar als US-Alleingang - beschlossen wurde, dabei aber die Mittel der NASA nicht entsprechend erhöht wurden (während der Rüstungsetat geradezu explodierte). Die Stilllegung der Space Shuttles und der de facto "Ausstieg" aus der ISS sind nur die deutlichsten "Spitzen des Eisberges" der Bugetverlagerung und des Ausstiegs aus der internationalen Zusammenarbeit in der Raumfahrt. "Im Verborgenen" litt die unbemannte Raumforschung einschließlich der Umweltsatelliten.

Samstag, 30. Mai 2009

Ohne Chemie?

Es heißt ja, (Lebensmittel-)Chemiker (vor allem solche, die beim Gesundheitsamt arbeiten) seien sozusagen "natürliche Feinde" der Fleischer. Man denke nur an den "Gammelfleisch" (Dauer-)Skandal.

Nun aber wirbt ausgerechnet ein industrieller Wursthersteller mit einer Werbeaussage, über die der Wissenschaftsjournalist und Chemiker Lars Fischer vom Fisch-Blog zurecht sauer ist: "Wir sind Fleischer, keine Chemiker.

Damit verunglimpft Rügenwälder nicht nur einen kompletten Berufsstand, sondern verkauft auch noch sein Publikum für dumm. Geschmacksverstärker und Farbstoffe dürfen sowieso bei fast allen Wurstwaren gar nicht zugesetzt werden - und ohne chemische Untersuchungen ist es gar nicht möglich, sicherzustellen, dass die Wurst frei von Gluten und Lactose ist. (Wobei nebenbei Lactoseintoleranz entgegen dem Werbetext nichts, aber auch gar nichts, mit Allergien zu tun hat [und auch Glutenunverträglichkeit streng genommen keine Allergie ist], und Gluten aus Getreide und Lactose aus Milch stammt - und nur sehr wenige Wurstsorten überhaupt Getreidestärke [oder Gluten d. h. Getreideeiweiß] oder Milcherzeugnisse enthalten dürfen.)
Interessanterweise fehlen in den "4 ohne" die Konservierungsstoffe - wie das bei vielen Wurstsorten traditionell verwendete Pökelsalz.

Dass ein Wursthersteller damit wirbt, dass auch Allergiker, Gluten-Allergiker-Empfindliche und Lactose-Intolerante seine Würste unbesorgt essen können, ist legitim. Warum aber der Hieb gegen die Chemiker? Oder allgemein: wie konnte die an sich absurde Aussage "ohne Chemie" zum Qualitätsmerkmal werden? (Absurd, denn alle Prozesse, bei denen sich Stoffe ineinander umwandeln, sind chemische Vorgänge.)

Dahinter steht die Annahme, dass alle chemischen Prozesse, die von der Natur hervorgebracht werden, gut sind, vom Menschen angewendete chemische Reaktionen dagegen stets zu etwas Schlechtem führen - jedenfalls dann, wenn die chemische Reaktion nicht schon seit Jahrhunderten bekannt ist. Da mögen Pöckeln oder Räuchern noch so gesundheitlich bedenklich sein.

Am Anfang stehen völlig berechtigte Bedenken und Ängste der Verbraucher davor, dass Lebensmitteln gesundheitsschädliche Stoffe enthalten könnten, die entweder absichtlich zugesetzt werden - Farbstoffe, Konservierungsmittel, synthetische Geschmackstoffe, Geschmacksverstärker usw. - oder als Rückstände verbleiben - etwa Pestizidrückstände oder Schwermetalle aus Boden oder Luft.
Sehr viele dieser bedenklichen oder gefährlichen Stoffe werden synthetisch hergestellt. Der Gedankensprung zur "Chemie" ist also an sich nicht falsch, sondern "nur" gedanklich verkürzt: Es wird nicht mehr differenziert bzw. ausgeblendet, was den alles "Chemie" ist.

Begünstigt wird dieser "Kurzschluss" durch Werbung, Propaganda und Public Relations sowie bestimmte Formen des Journalismus. Kurze, eindeutige Aussagen, die immer wieder in geringfügigen Abwandlungen wiederholt werden, prägen sich gut ein. Je stärker verkürzt eine Aussage ist, desto besser.

So gibt es nicht nur "chemiefreie Lebensmittel", sondern auch "genfreie Lebensmittel". Gemeint sind nicht etwa Lebensmittel, die kein genetisches Material, also keine DNS oder RNS enthalten (die müssten dann schon vollsynthetisch hergestellt werden, denn alle pflanzlichen und tierische Produkte enthalten "Gene"). Gemeint sind Lebensmittel, die keine Bestandteile gentechnisch veränderten Pflanzen oder, seltener, Tiere enthalten.

Aber "chemiefrei" und "genfrei" prägt sich ein, sind kampagnenfähig und lassen sich gut mit diffusen Ängsten besetzen.
So falsch und (gut gemeint) desinformierend diese Schlagworte auch sind.

Eine Realsatire gelang 1997 der österreichischen Umweltpolitikerin und heutigen Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima in enger Zusammenarbeit mit dem Boulevardblatt Kronen Zeitung: Eine Petition mit dem Titel: "Für einen atomfreien Weltraum".
(Damals startete Raumsonde Cassini-Huygens zum Saturn. Da die üblichen Solarzellen in diesem Abstand zur Sonne nicht mehr funktionieren, enthält diese Sonde eine sog. Radionuklidbatterie. Die Petition zielte also nicht auf die Vernichtung aller Sterne, Planeten, Dunkelwolken usw. im Universum ab, wie man vielleicht meinen könnte. Wie ein Verbot von Radionuklidbatterien von Österreich aus weltweit durchgesetzt werden könnte, blieb übrigens offen.)

Freitag, 27. März 2009

Wilderer am Werk - Zugvögel leben gefährlich.

Neben der Zerstörung ihres Lebensraums sind wildlebende Tiere vor allem durch illegale Jagd gefährdet, und zwar auch bei uns in Europa. Auf dem Balkan ufert die illegale Jagd auf Zugvögel aus.

Die Küsten der Balkanstaaten sind für Zugvögel wie Oasen in der Wüste und überlebensnotwendige Raststätten. Das wissen auch die Jäger, die hier auf sie lauern und schießen - oft illegal. Besonders heikel ist die Situation im immer noch an den Nachwirkungen des Bürgerkrieges leidenden Bosnien und an der Grenze zu Albanien.

Jetzt - zu Beginn des Frühlings - stehen viele der Talböden, die so genannten Poljes, unter Wasser und sollten Tausenden von Wasservögeln als Tankstelle zwischen Afrika und Osteuropa dienen. Aber ausgerechnet hier lauern Wilderer, die auf alles schießen, was ihnen vor die Flinte fliegt. Geschossen werden sogar seltene Arten wie Moor- oder Knäkenten.

Doch zum Glück keimt langsam Widerstand auf.

Mehr: Trauriges Schützenfest (wissenschaft-online)

Sonntag, 22. März 2009

Die Ohnmacht und Selbstüberschätzung des klimabwussten Verbrauchers ...

... stellt Oliver Geden stellt in seinem Essay
"Strategischer Konsum statt nachhaltiger Politik" (Transit, Heft 36) zur Diskussion. (Gefunden bei Raumzeit.)
Doch in gegenwärtigen Boom von Klimaratgebern und Öko-Lifestyle-Internetportalen, im Kauf von Autos mit Hybrid-Antrieb oder dem Wechsel zu Ökostrom-Tarifen drückt sich nicht nur ein fehlendes Vertrauen in den Politikbetrieb aus, sondern zugleich auch eine immense Überschätzung politisierter Alltagspraxis. Denn der aktive Versuch, im Vollzug des eigenen Alltags Impulse für "mehr Nachhaltigkeit" zu setzen und dadurch nicht nur die persönliche Umweltbilanz zu verbessern, sondern auch positiv auf Politik, Unternehmen und Mitmenschen einzuwirken, gelangt häufig kaum über die Sphäre der symbolischen Ökonomie eines Avantgarde-Bewusstseins hinaus. Auch die direkt messbaren Klima-Effekte fallen meist bescheiden aus.
Wie man unschwer schon aus diesem Zitat erkennt, hält Geden herzlich wenig von den Versuchen, durch "kritischen Konsum" etwas Substanzielles für die Umwelt zu tun. Nur eine privilegierte Kundenschicht mit mindestens durchschnittlichem Einkommen kann überhaupt ernsthaft an "Einschränkungen zugunsten der Umwelt" oder "umweltgerechten Konsum" denken. (Geden bringt das nahe liegende Beispiel des ALG II-Empfängerhaushalts nicht, in dem "Verzicht zugunsten der Umwelt" mangels Masse kaum noch möglich ist, und "ökologiebewußter Konsum" schlicht zu teuer wäre.) "Kauf Dir eine bessere Welt" sei der Slogan einer privilegierten Kundenschicht, deren politische Haltung zusehends zur Lifestyle-Attitüde verkommt. Der demonstrative Konsum "ökologischer" Produkte diene vor allem dem Distinktionsgewinn - man demonstriert durch Ökokonsum sichtbar, was für ein toll umweltbewusster Mensch man doch sei. Deshalb verkauft sich z. B. der Toyota Prius, der durch eine besondere Karosserie schon vom Weitem als Hybridauto erkannbar ist, sich weitaus besser, als andere Hybridfahrzeuge, die sich "nur" durch den Antrieb von herkömmlichen Autos unterscheiden.
Zudem bliebe das ökologisch korrekte Konsumverhalten aufgrund der komplexen klimapolitischen Zusammenhänge - erwähnt sei der Emissionshandel - weitgehend wirkungslos. (Das gilt sinngemäß auch für andere umweltschützende Ziele.)
Reale Durchschlagskraft hätten nur die politisch verordneten Rahmenbedingungen - Geden nennt das Energieeinspeisungsgesetz, ohne das der Boom der erneuerbaren Energien ausgeblieben wäre.
Geden verlangt eine De-Politisierung der Alltagspraxis und eine Re-Politisierung des Umweltbewusstseins.

Mich erinnert Gedens Position, der ich im Großen und Ganzen zustimme, stark an einer Rede, die Jutta Ditfurth vor über 20 Jahren hielt: sie warnte davor, dass sich die Umweltbewegung einschließlich der Partei der "Grünen", entpolitisieren könne. Dabei skizzierte sie die "Ökospiesser". Ökospiesser konzentrieren sich darauf, ihren Alltag "umweltgerecht" zu gestalten, vergessen darüber aber die politische Ebene. Ihre öffentlichen Aktivitäten erschöpfen sich darin, nicht-mülltrennende Nachbarn besserwisserisch zu ermahnen.
So wie es aussieht, ist Jutta Ditfurths Befürchtung weitgehend eingetreten.

Die von Geden angesprochenen "politisch verordneten Rahmenbedingungen", zumeist gegenüber der Industrie, sind allerdings nicht vom Himmel gefallen oder den Wohlwollen der Politiker - einschließlich der "Grünen" - entsprungen. Entscheidend waren öffentlicher Protest, öffentlicher Druck und Lobbyarbeit für Umweltbelange (nicht zu verwechseln mit Lobbyarbeit für Unternehmen, die vermeintlich oder tatsächlich "ökologische Produkte" auf den Markt bringen). Zusammen mit Protest kann auch "gezielter Konsum" etwas bewirken, etwa der Boykott der Produkte eines bestimmten Herstellers.

Jutta Ditfurth warnte allerdings neben den "Ökospiessern" auch vor "Ökofaschisten". Das sind nicht nur braun-grüne Neonazis oder jene leider gar nicht so seltenen Gestalten, die eine stramme Ökodiktatur befürworten. Ökofaschisten sind alle, die die Ansicht vertreten, dass zwecks der überlebensnotwendigen Unterwerfung des Menschen unter die Natur der "naturwidrige" Individualismus und Liberalismus der Aufklärung, einschließlich Demokratie, Menschenrechte, Gleichheit vor dem Gesetz usw. "überwunden" werden müssen. Ökofaschisten eint "(d)er Hass auf die soziale Gleichheit und die Freiheit des Menschen" (Jutta Ditfurth). Dass sie den "Ökofaschismus"-Begriff in der schlechten Tradition linker Rhetorik so weit fasst, dass z. B. auch konservative Umweltschützer und die gesamte Esoterik-Szene darunter fallen, sei am Rande vermerkt, tut aber ihrer im Großen und Ganzen zutreffenden Einschätzung keinen Abbruch. (Näheres zum Ökofaschismus schrieb ich hier: Diktatur in Grün.)

Wenn das Pendel vom der Politisierung der Altagspraxis ("Ökospiesser") zu einer Re-Politisierung des Umweltbewusstseins zurückschwingt, dann besteht meines Erachtens leider auch die Gefahr, dass die Fans einer Öko-Diktatur wieder Oberwasser bekommen. Es ist auch aus meiner, irgendwo zwischen liberal, anarchistisch und basisdemokratisch angesiedelten Perspektive, schon schlimm genug, dass die (selbstgemachte) Krise des Kapitalismus die Freunde einer bürokratischen Kommandowirtschaft, bis hin zu den Bewunderern einer ach so effizienten "gelenkten Demokratie" Oberwasser gewinnen lässt.

Nach allen bisherigen Erfahrungen bekommen intakte Demokratien mit freier Presse, unabhängiger Justiz und einigermaßen transparenter Verwaltung Umweltprobleme erheblich besser in den Griff als autoritäre Staaten verschiedener Couleur. So gesehen gehören der politische Kampf für Umweltschutz und der politische Kampf für Menschen- und Bürgerrechte, für mehr Demokratie (auch in der Wirtschaft) untrennbar zusammen.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Raubbau an geschützten Wäldern politisch legitimiert

Was macht man, wenn in einer Region schon gut die Hälfte der Holzausfuhren aus illegalem Holzschlag stammen? In Russland ist die Frage leider leicht zu beantworten: Die Rodungen werden politisch "legitimiert".

Die Forstverwaltung der Provinz Primorje (in Ostsibirien) hat 200 Waldparzellen innerhalb der geschützten russischen Amurregion für die Abholzung freigegeben. Völlig überraschend wurden Abholzungskonzessionen für die Waldstücke meistbietend versteigert. Die Parzellen liegen in einer Region, die unverzichtbarer Stabilisator des Weltklimas und Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tierarten wie den Sibirischen Tiger und den Amurleopard ist.
WWF Deutschland: Umweltskandal in Russland
Die Bedingungen die Mitarbeiter des WWF sind gefährlich: Regelmäßig werden Anschläge auf sie verübt, Hütten abgebrannt oder Radmuttern gelöst. "Wir haben es vor Ort mit einer regelrechten Holzmafia zu tun“, meint WWF Amurexperte Frank Mörschel.

Diese erschreckende Nachricht zeigt wieder einmal, dass bestimmte Gebiete sozusagen "blinde Flecken" in der öffentlichen Wahrnehmung bzw. in der Berichterstattung unserer Medien sind.
Der "ferne Osten" Russlands ist medial gar praktisch nicht vorhanden.

Sie zeigt aber auch in aller Brutalität, wie korrupte Strukturen funktionieren: Aus politischen Erwägungen werden Kriminelle für ihr verantwortungsloses tun sozusagen belohnt.
In etwas "zivilisiertere" Form finden sich strukturelle Korruption aber auch bei uns - z. B. hier: Milliardärin Schaeffler von der Solidarität ihrer Angestellten zu Tränen gerührt.
(Wobei ich für die Schaeffer-Angestellten, die von Arbeitsplatzverlust bedroht sind, noch Verständnis habe, dass sie das Privat-Vermögen der Schaeffer schützen wollen, in der (m. E. trügerischen) Hoffnung ihr eigenes Einkommen damit zu sichern - nicht aber für Politiker ohne Rückrat.)

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