Wo sind die Wurzeln des "Rechtsterrorismus"?

Ein Problem ist der weit verbreitete "niederschwellige" Rassismus. Den gibt es nicht nur in Deutschland, aber eben auch.
Ein weiteres Problem liegt in der tief in der deutschen Mentalität verankerten Neigung, autoritäre Gesinnung mit autoritären Mitteln bekämpfen zu wollen.
Wie Maritta Tkalec in einem Leitartikel in der FR schrieb:
Behördliche Akte können die Gesellschaft weder von Fremden- noch von Deutschenhassern säubern, weder von Dünkel noch von Hochmut, weder von Minderwertigkeitskomplexen noch von Neid oder Missgunst befreien. Solche Probleme liegen so tief im Alltag, dass die Politik darüber schweigt. Sie hat keine Lösung. Auch Journalisten haben keine. Man müsste die Mehrheit der Bevölkerung, Wähler aller Parteien, ächten.
Es ist zwar keine exklusiv deutsche Gefahr: Was gerade in Ungarn abläuft, von unseren Medien "übersehen", von unseren Politikern verdrängt, ist echt übel. Was in Ungarn passiert - dass Antidemokraten ganz demokratisch an die Macht kommen - droht IMO auch in anderen europäischen Staaten, darunter auch Deutschland.
Eine gern verdrängte, aber beim näheren Hinsehen nicht übersehbare Wahrheit spricht Mely Kiyak ebenfalls in der FR aus
Ein Drittel der Bürger denkt, dass Ausländer hier nicht hergehören. Das braucht die NPD gar nicht erst zu fordern.
Liebe rechtsextreme Mitbürger!

Die nicht etwa latente, sondern manifeste Xenophobie (wörtlich: Gastangst) vieler Deutsche ist zusammen mit der tief verwurzelten autoritären Gesinnung eine brandgefähliche Mischung; es ist der Stoff, aus dem das bisher größte und grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte war - und dies üble Mischung ist in unserer Gesellschaft nach wie vor wirksam.
Der rechte Terror ist meines Erachtens zwar auch die Folge eines fehlenden personellen Bruchs mit dem NS-Regime - die erste Generation der bundesdeutschen Geheimdienste war mit überzeugten Nazis besetzt, und das bestimmt die Struktur diese Dienste bis heute.
Aber entscheidend ist, dass sich in den Untergrund abgetauchte Nazi-Mörder "wie die Fische im Wasser" bewegen konnten, und offenkundig mit Symphatisanten in Polizei, Verfassungsschutz, Politik, Medien - und auch bei den "einfachen Leuten" - rechnen können.

Nicht zu übersehen ist die Rolle der Medien, auch von "Qualitätsmedien", die den Hass auf Einwander und Minderheiten ganz "elegant" schüren. Ein Beispiel aus der "Welt" (gefunden von Stefan Steinhäuser):
Kein EU-Land hat mehr Ausländer als Deutschland
Zur Hasspropaganda - anders kann und mag ich es nicht nennen, liebe "Welt"-Redakteure - zeigt dieser Artikel ein Bild, dass
eine eine Frau mit Kopftuch in einer Menschenmenge fokussiert.
Übrigens steht im gleichen Artikel, dass Deutschland mit 8,8 Prozent Ausländeranteil eigentlich nur auf Platz 10 des EU-Rankings steht.
Die "Spitzenreiterposition" kommt nur zustande, wenn man die absoluten Zahlen nimmt! Klar, dass in einem großen, bevölkerungsreiches Land mehr "Ausländer" leben, als in einem kleinen.
Nebenbei: dass es in Deutschland so viele "Ausländer" im Vergleich z. B. zu Frankreich oder Großbritannien gibt, liegt einzig am deutschen Staatsbürgerschaftsrecht, das immer noch Einbürgerungen sehr erschwert.
Ace Kaiser (Gast) - 21. Nov, 20:57

Ergänzung

Dazu möchte ich gerne noch etwas ergänzen, MM. Tatsächlich dürfte auch in absoluten Zahlen die Zahl der Ausländer in Deutschland nicht die Höchste sein.
In Ländern wie Frankreich, den Niederlanden und UK werden viele Menschen, die hierzulande als Fremde diskriminiert werden, sicherlich auch von bestimmten Gruppen in diesen Ländern diskriminiert. Alleine, sie sind nicht ganz so ausländisch wie bei uns. Der Grund hierfür liegt an den Kolonien. Z.B. schwarzhäutige Menschen aus den bestehenden Kolonien, die in das "Mutterland" einwandern, bleiben schwarz, sind aber Franzosen, Holländer, Briten. ...Werden trotzdem ghettoisiert und für hausgemacht Missstände verantwortlich gemacht. Werden mit terrorisiert, werden als Ausländer behandelt, drangsaliert, sind es aber eigentlich nicht. Doch was schert solche Medien, solche Menschen schon der Rechtsstaat?
Fazit: Wir haben vielleicht mehr "richtige" Ausländer, aber die anderen haben eben mehr "irgendwie" Ausländer.
Und damit entlarven sich auch die Denkschemata der Leute, die sich an "unseren" Ausländern reiben, aber auch an schwarzhäutigen Franzosen.

Besser kann ich es gerade nicht formulieren.

gast (Gast) - 24. Nov, 23:06

Was ist mit dem Begriff AUSLÄNDER gemeint?

Liebe MM und Liebe Ace Kaiser,
Ich weiß manchmal beim bessten Willen nicht was mit Außländer gemeint wird.(nicht dem Begriff) Natürlich verstehen viele damit die Herkunft,Hautfarbe und die Ehtnische Abstammung, aber wenn wir mal die Bedeutung des Wortes nehmen, dann heißt es aus einem anderen Land stammen. Ich hatte mal einen Bericht über Neandertaler und Homosapiens gelesen. Da wird einem sehr gut erklärt, dass Neandertaler und der Homosapiens zwar aus zwei helften der Erde sozu sagen stammen, sich aber im Lauf der Zeit sich begenet sind. Gehen wir mal davon aus sie haben sich auch gepaart, dann würde ich daraus folgern, dass wir inzwischen Eingebürgerte Ausländer sind.

Was ich da mit sagen will ist. es geht beim menschen vielmehr als die Hautfarbe oder deren Ethnische Herkunft. Es gibt heutzutage kaum wie es Hittler nennen würde Arische Staatsbürger. Wir sind alle AUSLÄNDER, ob wir nun eingebürgert in irgendetwas sind oder die gleiche Ethnische Herkunft haben.

Das die Menschen trozdem sich als Ausländer bezeichnen oder bezeichnet werden, kommt meines erachtens nicht nur von den Medien oder sonst was, sonder weil wir eichfach das sind, was wir sind. Homosapiens im 21. Jahrhundert mit der Denkweiße von damals.
MMarheinecke - 25. Nov, 23:04

Hallo Gast

Mit "Ausländer" bezeichne ich jemanden, der zufällig nicht die selbe Staatsangehörigkeit wie ich hat, die aus Zufall die Deutsche ist.
Deutscher ist, wer Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland ist. Egal, welche Abstammung, Muttersprache oder Hautfarbe sie oder er hat, egal, ob per Geburt oder durch Einbürgerung.
Jemand, die oder der nach Deutschland gekommen ist, um zu bleiben, bezeichne ich als Einwanderer oder Einwanderin. "Migrant" ist mir schon nicht mehr deutlich genug.

Und: Alle Menschen sind Ausländer. Fast überall. Ich finde nichts Schlimmes daran, Ausländer zu sein. Aus der Sicht von "Twoday.net", wo dieses Blog läuft, bin ich z. B. ausländischer Kunde. Na und?
Ace Kaiser (Gast) - 26. Nov, 14:26

Ich denke, wir können uns auf zwei grundlegende Aussagen einigen:
1) Ausländerhass oder Ausländermisstrauen sind Pauschalisierungen, die aus Dummheit, Unwissenheit und/oder Bequemlichkeit generiert werden, um sich selbst gegenüber einem Fremden aufzuwerten; es ist im höchsten Maße feige und verwerflich.
2) Der Artikel in der Frankfurter Rundschau an sich ist in seiner Aussage Ausländerfeindlich. Und wo das herkommt, siehe weiter oben.

Dazu will ich eine kleine Geschichte erzählen. Vor fündundzwanzig Jahren, als ich nur Fahrrad fahren durfte, war ich mit Freunden im Nachbarort. Eines der Geschäfte verkaufte unter anderem Aufkleber. Einer dieser Aufkleber hatte als Motiv eine schmutzige, zerrissene deutsche Fahne. Der Text darunter lautete: Ich nix verstehen - ich Deutscher.
Damals habe ich darüber gelacht. Einerseits über die Idee, andererseits über die Aussage.
Jedoch meinte einer meiner Freunde damals zu mir: "Lach nicht. In zwanzig Jahren ist das so bei uns."
Es sind sogar fünfundzwanzig Jahre vergangen. Nix passiert.

MMarheinecke - 27. Nov, 00:20

Ich verstehe nicht ganz welchen Artikel du meinst

Ich habe drei Artikel verlinkt, zwei aus der Frankfurter Rundschau und einer aus der Welt.
Der Welt-Artikel ist ohne Zweifel ethnozentrisch und von der Tendenz her rassistisch. Ziemlich übles Propaganda-Teil.
In den FR-Artikel kann ich zwar u. U. auch problematische Aussagen finden. wenn ich danach suche, aber "ausländerfeindlich" sind sie IMO eher nicht.
Ace Kaiser (Gast) - 30. Nov, 16:35

Ich bezog mich auf den Welt-Artikel. Der hat sich seine Zahlen schön zurecht gebogen, um immer noch "wirken" zu können.

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