Samstag, 5. November 2011

H. G. Francis (1936 - 2011) - der "Schriftsteller von nebenan" ist tot

Als ich gestern Abend erfuhr, dass am 3. November der Schriftsteller Hans Gerhard Franciskowsky, besser bekannt als H.G. Francis, gestorben ist, da konnte ich es kaum fassen, obwohl ich wusste, dass er seit Jahren an einer schweren Krankheit litt. Hans Gerhard Franciskowsky war einer der produktivsten deutschen Autoren, nicht nur in der phantastischen Genreliteratur (Science Fiction, Horror, Fantasy), sondern als als Jugend- und Sachbuchautor. Er gehörte u.a. von 1971-2004 zum Autorenstamm der Perry Rhodan Reihe. Sein bekanntestes Sachbuch ist wahrscheinlich ein legendäres "Do-it-yourself"-Buch über Wartung und Reparatur von Mofas. Aber auch Bücher über China, Afrika oder Pandabären stehen auf seiner Literaturliste.

Wer Hans war und was er gemacht hatte?
In dürren Worte erfährt man das in der "Wikipedia": H. G. Francis
Wie umfangreich und vielseitig sein Werk war, zeigt die die Bibliographie in der "Perrypedia": H. G. Francis"

Unerwartet fair und informativ - der Nachruf bei "Spiegel online:"
Autor H.G. Francis gestorben - Perry Rhodans Master of the Universe

Persönliches von Klaus. N. Frick, Perry-Rhodan-Chefredakteur: Ich fand ihn klasse

Ich hatte das Glück, Hans persönlich kenne zu dürfen. Man kann nicht sagen, dass wir enge Freunde gewesen wären, aber er war auch keiner jener Schriftsteller, mit denen ich mich zwar irgendwann mal unterhalten hätte, mit denen mich aber privat nichts verbindet. Er wohnte quasi in meiner Nachbarschaft, nicht direkt nebenan, aber sein Haus - besonderes Merkmal: eine Windfahne, die einen über eine Schreibmaschine gebeugten Mann zeigt - war bequem mit dem Fahrrad oder notfalls auch zu Fuß zu erreichen.

Bis Mitte der 1980er-Jahre war er für mich einer von vielen SF-Autoren. Allerdings ein für mich wichtiger: ich kannte H. G. Francis dem Namen nach von unzähligen Hörspielkassetten (vor allem "Commander Perkins", eine Eigenschöpfung Francis', und "Die drei ???" und "TKKG", deren Hörspielfassungen er schrieb) und natürlich von Perry Rhodan.

Etwas näher kam ich ihm, als ich durch den "Perry Rhodan Werkstattband" erfuhr, wo er wohnte. Unbekannterweise schrieb ich ihm eine Geburtstagskarte. Unerwarteterweise lautete die Antwort sinngemäß: "Wenn du so nahe bei wohnst: komm doch einfach mal auf einen Kaffee vorbei."
Zwischen dem Hamburger Perry-Rhodan-Stammtisch, an dem ich bis ca. 2003 regelmäßig teilnahm, und dem "Lokalmatadoren" Francis bestand ein ziemlich enger Kontakt.
Besonders gern erinnere ich mir an ein Spanferkelessen in seinem Partykeller (faszinierende Dekoration: unzählige goldene und einige platine Schallplatten), ursprünglich als Grillparty geplant, die dann wegen Dauerregens tiefer gelegt wurde.
Seitdem glaube ich nicht mehr so richtig, dass Klaus N. Frick wirklich, wie er immer behauptet, Vegetarier ist. Dazu hat er beim Spanferkel doch zu herzhaft zugelangt ...

Auch in lebhafter Erinnerung ist ein Live-Hörspiel, das Roland Triankoski und Torben Knesch für den 4. Zellaktivator-Con schrieben. H. G. Francis sollte, als ausgewiesener Experte, die Regie übernehmen. Er war mehr als skeptisch, denn ihm zufolge hätte ein Laien-Live-Hörspiel mit Publikumsbeteiligung noch niemals richtig funktioniert. Mein Beitrag war, dass ich über meinen Bruder zwei wirklich gute Sound-Designer (und deren Equipment) für das Projekt gewinnen konnte.
Und der, dass ich mit Francis den Kontakt hielt. Über unser Drehbuch war er einigermaßen entgeistert - und er brachte mir im Schnellverfahren bei, wie man ein Hörspiel-Drehbuch verfasst, was da hinein gehört, wie man es aufbaut usw. . Das frisch Gelernte gab ich dann bei einem Vorbereitungstreffen an Torben und Roland weiter (ich hatte außerdem schon eigenmächtig nach H. G. Francis Expertenrat das Drehbuch abgeändert).
Kurz und gut: das Life-Hörspiel klappte, und es klappte gut!
(Leider schlief Loki nicht, und das Gerät, mit dem das Hörspiel mitgeschnitten werden sollte, schnitt nichts mit ... )

Der "Schriftsteller von nebenan" bezieht sich nicht nur auf die räumliche Nähe. Hans Gerhard Franciskowski war ein im guten Sinne Konservativer (das heißt: neophob war er nicht, und auch nicht politisch rechts), einer, der an bewährten Werten und Tugenden festhielt. Ein sehr bodenständiger und freundlicher Mensch, der sich z. B. sehr für Natur- und Umweltschutz engagierte. Regelmäßig nahm er an Lesungen und Diskussionen in Schulen teil. Er schrieb auch Kinder- und Jugendbücher, darunter die bei Mädchen so beliebten Pferdebücher. Aber in diesen Büchern war bei Francis das Leben kein Ponyhof. Genial finde ich immer noch, wie er die Mädels so eines Pferdehofes gegen eine geplante Straße, die mitten durch das Gelände führen sollte, protestieren ließ. Dabei schilderte Francis, wie man eine Bürgerinitative organisiert, eine Demonstration anmeldet, Pressearbeit macht, Flugblätter gestaltet und manches staatsbürgerlich Wertvolles mehr.

Hans, wo du auch immer bist: Ich vergesse dich nicht!

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