Castor-Transporte nach Russland durch Hamburg?

Die Castorbehälter mit Atommüll aus dem westfälischen Ahaus, der zur Endlagerung nach Russland gebracht werden soll, soll über den Hamburger Hafen gehen. Das teilte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) auf Anfrage von Radio Bremen mit. Im atomaren Zwischenlager Ahaus lagern 18 Behälter mit Müll aus einer einstigen DDR-Kernforschungsanlage. Die Castoren sollen in den russischen Atomkomplex Majak im Südural gebracht werden. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

An sich sind "Castor"-Transporte durch Hamburg nichts Neues.

Der Grund dafür ist das Kernkraftwerk Krümmel (KKK). Sowohl die Versorgung des 1400 MW-Siedewasserreaktors mit frischen Brennelementen (die nur schwach radioaktiv sind) wie der Abtransport der verbrauchten Brennelemente, die stark radioaktiv sind und deshalb in Castor-Behältern transportiert werden, erfolgt per Bahn. Das KKK ist an eine Nebenbahn, die Geesthacht-Bergedorfer-Eisenbahn, angeschlossen.
GBE
Der Gleisbau wurde 1990 vollständig erneuert - ohne die Castor-Transporte für die Ver- und Entsorgung der Brennstäbe des KKK wäre diese heute kaum noch benutzte Nebenbahn wohl längst stillgelegt worden.

Die Castor-Transportstrecke aus dem KKK verläuft auf der Bergedorf-Geesthachter-Bahn ab Krümmel bis Hamburg-Bergedorf, von da an auf Gleisen der DB-Netz AG über Hamburg-Rotenburgsort über Hamburg-Wilhelmsburg und Hamburg-Harburg zum Rangierbahnhof Maschen (südlich von Hamburg).

Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass diese Transporte jedes Mal von Protestdemonstrationen und Schienen-Blockaden begleitet werden. Es spricht meiner Ansicht Bände, wenn sogar Atomkraftgegner, die nicht in der Region wohnen, weder die Atommüll-Transporte noch die Proteste gegen sie kennen. Nachdem ich aber kürzlich mitbekommen habe, wie viele Menschen glauben, die mit hochradioaktivem Atommüll beladenen Castor-Behälter wurde in Gorleben unterirdisch gelagert werden, erstaunt mich in dieser Hinsicht kaum noch etwas.
Die Castor-Behälter werden im "Transportbehälterlager Gorleben" in einer 182 m langen, 38 m breiten und 20 m hohe Lagerhalle aus 2 m dickem Stahlbeton stehend aufbewahrt. Bei der Einlagerung hat der Atommüll eine Temperatur von etwa 400 Grad Celsius. Erst wenn der Müll nach einer Dauer von 20 bis 30 Jahren durch die nachlassende Aktivität auf etwa 200 Grad abgekühlt ist wäre eine eventuelle Einlagerung in einem Salzstock überhaupt möglich. Hierzu auch: Gorleben: Getrickst, getäuscht, gelogen (FR-online).

Interessant ist die Reaktion der GAL (Hamburger "Grünen"), die bekanntlich in einen Koalition mit der CDU in Hamburg mitregieren:
Castor-Transporte in Hamburg: Was tut die GAL?.
Am 10. November 2010 debattierte die Hamburgische Bürgerschaft einen Antrag der LINKEN zu den geplanten Atomtransporten. Unter dem Beifall von SPD, GAL und LINKEN verkündete die Vorsitzende des Umweltausschusses Jenny Weggen (GAL): "Wir werden alle Möglichkeiten ausreizen, damit keine Castoren durch Hamburg rollen."
Die Bremische Bürgerschaft hatte auf Druck der Bremer Linksfraktion mit den Stimmen von SPD, Grünen und LINKEN beschlossen, die bremischen Häfen für die Transporte zu sperren.
Aus Sicherheitsgründen habe man von Anfang an massive Bedenken geltend gemacht, den Transport über Bremen oder Bremerhaven abzuwickeln. Ein Transport über Bremerhaven (Bremen käme ohnehin nicht in Frage) wäre wahrscheinlich riskanter als über Hamburg - was noch lange nicht bedeutet, dass eine Verschiffung ab Hamburg unbedenklich wäre!

Es gibt, wie in Bremen, auch in Hamburg eine breite parlamentarische Mehrheit gegen den Castor-Transport nach Russland. Das Problem dabei: die CDU ist für den Transport - und die GAL hat schon einige Mal dem größeren Koalitionspartner nachgegeben.

Nachtrag: Die schwarz-grüne Koalition in Hamburg lehnt eine Verschiffung ab!
DDR-Atommüll
Hamburgs Hafen soll für Atomfracht dicht bleiben
(SpOn).

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