Montag, 12. Februar 2007

Happy Birthday, Charles Darwin!

Es gibt nur wenige Wissenschaftler, die die Welt grundlegend veränderten. Charles Darwin gehört dazu.
hpd-online: Charles Darwin

Obwohl das "runde" Jubiläum erst in zwei Jahren stattfinden wird - Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury, im westlichen Mittelengland, geboren - ist das Anlass zu einigen Gedanken.

Der "Darwin Day" ist in den USA ein beliebter Anlass, um mit Humor, Pop und guten Argumenten gegen Wissenschaftsfeindlichkeit zu streiten, die dort vor allem von einflußreichen christlichen Fundamentalisten verbreitet wird. Der Streit um den Kreationismus - das Wörtlichnehmen des biblischen Schöpfungsmythos - und um seinen pseudowissenschaftlichen Ableger "Intelligent Design" ist nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Wobei es ja kein Problem wäre, wenn die Kreationisten nur an die biblische Mythologie glauben würden - das Problem liegt darin, dass sie empirisch erhärtete Tatsachen, die im Widerspruch zu ihrer Interpretation des Mythos stehen (wohlgemerkt: nicht dem Mythos an sich) unterdrücken wollen.
In Deutschland ist das bisher zum Glück noch kein großes Problem. Obwohl Wissenschaftsfeindlichkeit des Typs "es kann nicht sein, weil es nicht sein darf, und wenn die bösen Wissenschaftler darauf hinweisen, dass es doch so ist, dann muß man ihnen den Mund verbieten" auch hierzulande sehr weit verbreitet ist.

Wenn sich der "Darwin Tag", so wichtig er auch bei uns wäre, in Deutschland bisher nicht durchgesetzt hat, so ist dies der deutschen Auffassung von Seriösität geschuldet. Im Gegensatz zur englischsprachigen Welt gilt, von zu wenigen Ausnahmen abgesehen: Wer ernsthaft Wissenschaft betreibt, der duldet keinen Spaß. Fröhliche Wissenschaft? Nein, bitte nicht - man könnte ja vielleicht nicht ernst genommen werden. (In Deutschland nimmt man bekanntlich sogar das Vergnügen ernst. Zur Zeit gerade wieder in den Karnevalshochburgen zu bestaunen.)

Prof. Ulrich Kutschera, Inhaber des Lehrstuhls für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie an der Universität Kassel, sieht zusätzlich tiefer liegende Gründe für die deutsche "Zurückhaltung":

In deutscher Sicht sei der "Darwinismus" zu sehr mit dem Nationalsozialismus verbunden - obwohl es keine einzige Erwähnung Darwins in den Schriften von Hitler und anderer NS-Größen gibt, da sie die Evolutionsbiologie einfach ignoriert hätten. Auch der Begriff des "Sozialdarwinismus" - als rassische "Auslese" - sei weder von Darwin geprägt, noch ließe er sich aus der Evolutionsbiologie ableiten. Gegen eine falsche Vereinahmung und Zitierung könne sich keine Wissenschaft schützen.

Zudem sei der Lehrinhalt der Evolutionsbiologie an den deutschen Universitäten immer noch unterrepräsentiert. Von den rund 50 Universitäten, an denen Biologielehrer und Biologen ausgebildet werden, hätten nur etwa fünf Universitäten explizit Evolutionsbiologie als Teilgebiet der Biologie und prüfungsrelevante Kenntnisse. So meint Prof. Kutschera: "Es ist manchmal haarsträubend, wie selbst gestandene ausgebildete Biologen falsche Vorstellungen von der Evolutionstheorie vertreten."

Darwins Lebenswerk wird oft auf seine revolutionäre Evolutionstheorie reduziert - womit man einem der vielseitigsten und produktivsten Naturforscher des 19. Jahrhunderts nicht gerecht wird. Der Universalgelehrte entdeckte z. B. auch die Umweltdynamik der Korallenriffe, die heute massiv gefährdet sind - Berliner Morgenpost: Klimawandel: Was wir von Darwin lernen können.

Auch in der "Berliner Morgenpost" gibt es seit einiger Zeit die erfreulich amüsante und leicht verständliche Kolumne Fragen an die Evolution.
Zwei Artikel möchte ich "wissenschaftlich" daherkommenden Rassenquasslern besonders ans Herz legen:
Was ist dran an dem Gerücht, dass die Blonden aussterben? und
Wie wir die Sonne mit unserer Hautfarbe austricksen.

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