Donnerstag, 31. März 2011

Bienensterben - ein kompliziertes Problem

Ein weltweites Bienensterben gibt seit vielen Jahren Anlass zur Sorge. Diese Sorge ist kein "Luxusproblem", denn auf Honig und Met kann man notfalls verzichten (auf Met eher ungern). Ein Drittel der menschlichen Nahrung hängt von der Bestäubungsarbeit der Bienen ab, die in ersten Linie von denen in der Debatte ums Bienensterben meist übersehenen Wildbienen (zu denen auch die Hummeln gehören) geleistet wird.

Der Begriff "Bienensterben" geht auf einen heute fast vergessenes Ereignis in den 1980er Jahren zurück: damals starben in der chinesischen Provinz Sichuan so gut wie alle Bienen. Die wahrscheinliche Ursache war der unkontrollierte Einsatz von Insektiziden. Wirklich erholt hat sich der Bienenbestand dort nie, weshalb Obstbäume in Sichuan bis heute mühsam von Hand bestäubt werden müssen.
Auch für den Rückgang der Bienenpopulation bei uns ist sicher auch der großzügige und nicht immer sachgemäße Umgang mit Pflanzenschutzmittel verantwortlich. So starben im Mai 2008 am Oberrhein mindestens 15 500 Bienenvölker mit rund 330 Millionen Tieren, die meisten nördlich von Freiburg im Ortenaukreis. Die Ursache war Maissaatgut, das mit dem Insektizid Clothianidin gebeizt war. Theoretisch hätte das behandelte Saatgut in Boden verschwinden sollen, wo es den sammelnden Bienen nicht zugänglich ist.
Auch andere Ursachen, wie ausgedehnte Monokulturen, machen den Bienen zu schaffen.
An dieser Stelle einen Hinweis an Hobbygärtner: Ist der einzelne Garten noch so klein, sind alle Gärten zusammen ein beachtliches, artenreiches Biotop. Daher unbedingt Bienenschutz beachten! Dabei ist der Nutzen eines bienenfreundlichen Gartens durchaus gegenseitig, nicht nur bei Beerensträucher und Obstbäumen, sondern sogar bei Küchenkräutern. Dass Wildkräuter und bunte Wiesen gern von Insekten angeflogen werden, sollte sich herumgesprochen haben. Für Nichtgartenbesitzer auch schon vernünftig: mit heimischen Blumen und Küchenkräutern bepflanzter Balkonkästen helfen den Bienen, und "Guerilla Gardening" ist keine schlechte Idee. Mit wenig Aufwand lässt sich außerdem ein Bienenhotel als Nistgelegenheit für Wildbienen basteln.

Wenn in den letzten Jahren vom "Bienensterben" die Rede ist, ist meistens aber eine mysteriöse Krankheit gemeint: "Colony Colapse Disorder " (CCD) griff seit dem Herbst 2006 in der USA um sich. Die ausgewachsenen Arbeitsbienen verschwanden spurlos und ließen den Bienenstock samt Königin, Jungbienen und Brut hilflos zurück. Der plötzliche Bienentod blieb allerdings nicht auf die USA begrenzt. Das Phänomen ist mittlerweile weltweit zu beobachten.

Die Ursachen für den plötzlichen Tod ganzer Völker sind noch unklar. Hauptverdächtige sind Parasiten wie beispielsweise die Varroa-Milbe, die seit etwa 30 Jahren auch in Mitteleuropa anzutreffen ist.
Aber auch andere Ursachen, naheliegende wie Insektizide und und eine schwindende Artenvielfalt, Infektionskrankheiten, häufigere Wetterextreme, aber auch weit hergeholte, wie "Elektrosmog", stehen im Verdacht, CCD auszulösen.
Bienenforschung ist sehr kompliziert, da der Bienenschwarm einen "Superorganismus" bildet, bei dem neben den biologischen Eigenschaften der Einzelbiene auch die des ganzen Schwarms berücksichtigt werden müssen.
Schwierig gestaltet sich die Suche nach den Ursachen auch deshalb, weil kein Bienenvolk dem anderen gleicht und die Bedingungen, unter denen die Bienen aufwachsen und leben, niemals identisch sind. Für wissenschaftliches Arbeiten sind das keine guten Voraussetzungen.

Biologen der Universität Würzburg haben vor Kurzem einen neuen Ansatz entwickelt, der dazu beitragen könnte, Licht ins Dunkel zu bringen. Ein Team, geleitet von Harmen Hendriksma, Doktorand für Tierökologie und Tropenbiologie, hat eine Methode entwickelt, die es möglich macht, Bienen in großer Zahl im Labor zu züchten. Damit könnten Wissenschaftler weltweit unter kontrollierten und miteinander vergleichbaren Bedingungen untersuchen, welche Faktoren Bienen das Leben schwer machen.

Das Würzburger Team benutzen eine Art künstliche Wabe aus Plastik, etwa so groß wie eine Zigarrenkiste und mit 110 Waben, die den typischen Wachswaben gleichen. An ihren Enden befinden sich abnehmbare Böden, die wie kleine Näpfe geformt sind. In diese legt die Königin ihre Eier.
Die Näpfe nehmen die Wissenschaftler anschließend ab und tragen sie samt Inhalt in ihr Labor. Bisher mussten in mühsamer Kleinarbeit die Bienenlarven mit Nadel und Pinzette einzeln aus dem Brutwaben gefischt werden, was viele Larven nicht überlebten. Nach der neuen Methode können innerhalb von 90 Minuten mehr als Larven gesammelt werden. Die Larven scheinen mit dieser Methode auch keine Probleme zu haben: 97 Prozent von ihnen überlebten den Transport und entwickelten sich im Labor ganz normal bis ins Larvenstadium kurz vor der Verpuppung.

Die erfolgreiche Aufzucht von Bienen im Labor ist laut Hendriksma der Schlüssel für die Suche nach den Auslösern des Völkerkollapses:
Nur im Labor ist es möglich, unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen, wie sich bestimmte Faktoren auf die Entwicklung der Bienen auswirken – beispielsweise Insektizide, die Varroa-Milbe oder eine schlechte Ernährung.
Ganz anders eben als in draußen lebenden Kolonien, deren Leben von zahlreichen unkontrollierbaren Einflüssen bestimmt ist.

"Bedrohte Völker - Das Bienensterben bedroht die Landwirtschaft" -
Gunnar Henze, "Bild der Wissenschaft", Konradin, Leinfelden-Echterdingen, 4/2011, S. 36 - 39

Pressemeldung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg: Dem Bienensterben auf der Spur

BEEgroup an der Universität Würzburg.

Infoseite des Biologen Paul Westrich über Wildbienen.

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