Mittwoch, 4. Februar 2009

"Sichere" E-Mail - das hängt davon ab, wie man "Sicherheit" definiert

Es klingt erst mal gut - aber die versprochene "Sicherheit" ist relativ:
heise: Bundeskabinett verabschiedet Bürgerportalgesetz
tagesschau.de: Gesicherter Datendienst "De-Mail" ab 2010.
Nötig ist das aufwendige Verfahren aus Sicht von Experten, weil die normale E-Mail relativ leicht "geknackt" und mitgelesen werden kann. Sie sei "so sichtbar wie eine Postkarte", sagte der Sprecher des IT-Branchenverbands Bitkom, Christian Hallerberg, der Nachrichtenagentur AP.
Ein wunderschönes Beispiel für eine unauffällig in eine wahre Aussage untergeschobene Behauptung.
Es stimmt zwar, dass die normale E-Mail so sichtbar wie eine Postkarte ist, aber das stimmt nur, wenn sie nicht verschlüsselt und signiert ist - z. B. mit PGP oder GNUP. Damit ist das "aufwendige Verfahren" D-Mail völlig überflüssig. (Vielleicht ist das Herrn Hallerberg nicht klar, und er sagt subjektiv die Wahrheit, deshalb schreibe ich nicht "Lüge".)

Weshalb die Bitkom dennoch für De-Mail eintritt, ist zwanglos aus unternehmerischem Eigeninteresse erklärbar: Sie - die IT-Branche - will damit Geld verdienen.

Was will aber das Bundesministerium des Inneren, das die "D-Mail" öffentlich so
So einfach wie E-Mail, so sicher wie Papierpost: Eine neue Infrastruktur ermöglicht vertraulichen, zuverlässigen und sicheren elektronischen Versand per „De-Mail“
bejubelt?
Das Stichwort ist "sicher wie Papierpost" - die ist nämlich nur solange sicher, solange niemand sie durchsucht. Richtervorbehalt? Datenschutz? Für eine Postkontrolle durch die Polizei erwies sich das schon damals, im Umfeld der Proteste gegen den G8-Gipfel von Heiligendamm, als "irrelevant" - die Terrorismusbekämpfung ist offensichtlich der Zweck, der jedes Mittel "heiligt". Jedes.

Daher ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass D-Mail aus "Sicherheitsgründen" ein Hintertürchen für staatliche Dienste offen halten wird, wie es auch Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar befürchtet.

Mehr noch: mit der Begründung, es gäbe doch die sichere D-Mail, könnte künftig die Verwendung von PGP oder GNUP kriminalisiert werden. Wer verschlüsselt, macht sich verdächtig. So einfach ist das, wenn man Sicherheitsexperte ist.

Es ist irgendwie schade, dass Märklin Insolvent ist

Warum die Märklin-Eisenbahn aus der Spur geriet - damit zerschlägt sich möglicherweise eine Zukunftsperspektive des Noch-Bahnchefs Mehdorn. Aber es gibt zum Glück noch andere Modellbahn-Hersteller, deren Erzeugnisse Mehdorn auch künftig das Gefühl geben könnten, Bahnchef zu sein - er könnte damit sogar die Bahn gegen die Wand fahren lassen, ohne dass es jemanden außer vielleicht seiner Frau stört.
Übrigens weist der Fall Märklin (sozusagen im Maßstab 1:85) einige Parallelen zum Fall Deutsche Bahn AG auf ("Sanierung ist schief gelaufen") - hoffentlich endet mit der Ära Mehdorn auch die Vorbildtreue.

Nachtrag: Allerdings wird auf der Modellbahn nicht bespitzelt. Ich finde es auch nicht ganz unerfreulich, dass der Führungsetage der Deutschen Bahn nicht zuletzt eine Veröffentlichung in einem Medium zu schaffen macht, das von der Mehrheit der deutschen Entscheider in Wirtschaft, Politik und Medien bislang etwa so ernst genommen wird wie eine Modellbahn: "Blogger? Schick denen 'ne Abmahnung und die Sache ist gegessen!" - Von wegen! Die Welle nach der Abmahnung.

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