<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="yes"?>
<?xml-stylesheet href="http://martinm.twoday.net/rss2html.xsl" type="text/xsl"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" 
  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
> 

  <channel rdf:about="http://martinm.twoday.net/">
    <title>MMsSenf (&quot;Freiraum ist der Raum zwischen den Stühlen&quot;) : Rubrik:Religion, Magie, Mythen</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/</link>
    <description>&quot;Freiraum ist der Raum zwischen den Stühlen&quot;</description>
    <dc:publisher>MMarheinecke</dc:publisher>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:date>2012-01-08T18:38:02Z</dc:date>
    <dc:language>en</dc:language>
    <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
    <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
    <sy:updateBase>2000-01-01T00:00:00Z</sy:updateBase>
    <cc:license rdf:resource="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/de/" />

    <image rdf:resource="http://static.twoday.net/MartinM/images/icon.jpg" />
    <items>
      <rdf:Seq>
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/29748091/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/11541872/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/8390893/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6506649/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6497382/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6481777/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6430981/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6414385/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6349690/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6324098/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6203984/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6189849/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6095077/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6115104/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://martinm.twoday.net/stories/6067931/" />

      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://static.twoday.net/MartinM/images/icon.jpg">
    <title>MMsSenf</title>
    <url>http://static.twoday.net/MartinM/images/icon.jpg</url>
    <link>http://martinm.twoday.net/</link>
  </image>

  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/29748091/">
    <title>Vorsicht Kanalarbeiter!</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/29748091/</link>
    <description>Es ist ein uraltes Phänomen, und es ist seit einigen Jahren Mode in der Esoterikszene: das Canneln oder Channeling. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, vor der &quot;New Age-&quot;Welle, nannte man diese Form der Kontaktaufnahme zu andersweltlichen Wesenheiten  &quot;Durchsage&quot;.  Dabei ist das Medium in Trance, aber es ist &quot;es selbst&quot;, es wird nicht wie bei einer Invokation von der Wesenheit &quot;besessen&quot; oder, wie im Voodoo, &quot;geritten&quot;, und es reist, anders als z. B. ein Schamane, auch nicht in eine &quot;nichtalltägliche Wirklichkeit&quot;. Es dient also als Übermittler oder &quot;Kanal&quot; für eine Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Medien verweisen oft auf ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben, seit dem sie nach eigenen Angaben zu andersweltlichen Intelligenzen Kontakt haben  beispielsweise zu Engeln, zu Geistwesen, zu Göttern, zu den Seelen Verstorbener, aber auch zu außerirdischen Raumfahrern. (Stichworte: Kryon und Ashtar Sheran.)&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass nicht nur Menschen, die bereits vorher durch Medialität aufgefallen sind, zum &quot;Kanal&quot; werden. Es scheint auch sonst keine besonderen persönlichen Merkmale zu geben, die einen für diese Funktion qualifizieren. Oft werden die Medien völlig überrascht oder überwältigt. &lt;br /&gt;
Auch mir selbst ging es so. Ja, ich bin auch so etwas wie ein &quot;Channel-Medium&quot;, wenn man so will. An anderer Stelle in diesem Blog kann man darüber bei Interesse einiges Lesen, z. B. &lt;a href=&quot;http://martinm.twoday.net/stories/6292987/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://martinm.twoday.net/stories/6292982/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; oder &lt;a href=&quot;http://martinm.twoday.net/stories/6292991/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;. Nein, ich stehe nicht für irgendwelche spirituellen Dienstleistungen zur Verfügung, schon gar nicht für Fremde und erst recht nicht gegen Geld! Ja, ich bin schon gefragt worden. Nein, ich habe keine schizoide Persönlichkeitsstörung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/12005898&quot;&gt;&lt;img title=&quot;Munkelmann mit Kaputze und Trinkhorn&quot; alt=&quot;Munkelmann mit Kaputze und Trinkhorn&quot; src=&quot;http://u1.ipernity.com/21/58/98/12005898.5009accd.500.jpg&quot; height=&quot;500&quot; width=&quot;364&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Frater M:M im inspirierten Kontakt mit der Entität Methorn (nicht zu verwechseln mit Metatron)&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Channeling ist leider auch Geschäftemacherei. Kein Massengeschäft für Telefon-Hotlines und Online-Portale wie Tarot-Legungen, Pendeln, Horoskope usw.  Eher verdienen &quot;Kanalarbeiter&quot; Geld in Einzelsitzung und durch Bücherschreiben.&lt;br /&gt;
Es ist, etwas Charisma und Menschenkenntnis und ein elastisches Gewissen vorausgesetzt, ziemlich einfach, sich als Channel-Medium auszugeben, man muss, anders als ein Plastikschamane, nicht einmal trommeln können.  &lt;br /&gt;
Ein &quot;echtes&quot; Medium könnte man theoretisch daran erkennen, ob die Inhalte der Botschaften die alltäglichen Möglichkeiten des Übermittlers übertreffen. Das ist z. B. dann der Fall, wenn ein Medium mit normalerweiser mäßiger Ausdrucksfähigkeit in Trance stundenlang komplizierte Sachverhalte in druckreifer Sprache ausführt. Noch überzeugender wirken Menschen, die in einer Sprache &quot;channeln&quot;, die sie eigentlich nicht beherrschen. Aber auch so etwas kann inszeniert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei ehrlichen Medien kann es für Ratsuchende gefährlich werden. Das Problem liegt darin, dass Channeling-Klienten stärker als etwa Astrologie-Klienten dazu neigen, die Durchsagen als unumstößliche Wahrheiten zu werten. Das liegt meiner Ansicht nach nicht an größerer Leichtgläubigkeit, sondern an der geringer Distanz, sowohl zwischen dem Klienten und dem Medium, als auch zwischen dem Medium und seiner andersweltlichen Quelle. Es  stehen keinen astrologischen Berechnungen, keine Tarot-Karten und noch nicht einmal eine Kristallkugel dazwischen.&lt;br /&gt;
Selbst die vergleichsweise distanzierten Astrologie-Klienten neigen dazu, von Horoskopen abhängig zu werden. Ein abhängig gewordener Ratsuchender traut sich keine eigenen Entscheidungen mehr zu und muss immer wieder das Orakel, die Karten, die Sterne, das I-Ging usw. befragen. Beim Channeln und beim Spiritismus, der psychologisch gesehen ähnlich wirkt, ist dieses Risiko besonders groß.&lt;br /&gt;
Kommerziell orientierte Medien nutzen dieses Abhängigkeitsverhältnis eiskalt aus. Manche &quot;Kanalarbeiter&quot; fördern diese Abhängigkeit absichtlich, indem sie bei regelmäßiger Teilnahme einen spirituellen Aufstieg versprechen. Ein &quot;Geschäftsprinzip&quot;, das die kommerzielle Channel-Szene sich offensichtlich bei &quot;Psycho-Sekten&quot; wie Scientology abgeguckt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Gefahr, auch bei ehrlichen Medien und für ehrliche Medien, besteht darin, abzuheben, den Kontakt mit der Alltäglichen Wirklichkeit zu verlieren und sich in wahnhafte Vorstellungen hineinzusteigern.&lt;br /&gt;
Der Psychologe und Esoterik-Gegner &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Goldner&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Colin Goldner&lt;/a&gt; geht so weit, schon den bloßen Glauben an die Existenz von Geistwesen, auch innerhalb der etablierten Kirchen, für riskant zu halten. Er hält es für jederzeit möglich, dass Geister- oder Engelgläubige in psychotische Wahnvorstellungen abgleiten. Wobei Goldner die Medien selbst, soweit sie nicht ohnehin Betrüger sind, für von wahnhaften Vorstellungen beherrscht hält. Grundsätzlich begrüße ich Goldners skeptische Haltung, und auch seinen betont materialistischen Ansatz kann ich gut nachvollziehen. Allerdings halte ich ihn auch für einen selbstgerechten und verbohrten Fanatiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &quot;gechannelten&quot; Büchern kann man ohne Weiteres ganze Bibliotheken füllen. Der Begriff &quot;Channeling&quot; ist relativ neu, Autoren, die nach eigenen Angaben Kontakt mit &quot;jenseitigen&quot; Wesenheiten hatten, deren Botschaften sie aufschrieben, nicht.&lt;br /&gt;
Bekannte historische Buchschreib-Medien sind z. B. Jakob Lorber, der &quot;Schreibknecht Gottes&quot;, Helena Petrovna Blavatsky, die Mitgründerin der &quot;Theosophischen Gesellschaft&quot;, Emanuel Swedenborg und, hinsichtlich der Produktivität auch unter den notorisch produktiven medialen Autoren herausragend, auch Rudolf Steiner. Großzügiger definiert sind auch alle offenbarten religiösen Texte &quot;gechannelt&quot;, z. B. der Koran und das meiste in der Bibel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Bestsellerautoren unter den &quot;Kanalarbeitern&quot; verdienen mit Hilfe ihres &quot;gutes Geistes&quot; Millionen.&lt;br /&gt;
Dem Erfolg des heute fast vergessenen &quot;Autorenteams&quot; aus &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Jane_Roberts&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Jane Roberts&lt;/a&gt; und einer sich Seth nennenden Wesenheit in den 1970er Jahren folgten unzählige Nachahmer. Allerdings hielt Jane Roberts selbst es immer für möglich, dass Seth eine Personifizierung eines überbewussten Teils ihrer normalen Persönlichkeit sein könnte, also ihrem Unterbewusstsein entstammen könnte. Diese selbstkritische Haltung ist unter den &quot;Channelern&quot; nach meinem Eindruck eine seltene und löbliche Ausnahme. Davon abgesehen ragt die anspruchsvolle Metaphysik im &quot;Seth-Material&quot; auch inhaltlich aus der Masse der &quot;gechannelten&quot; Botschaften heraus. Egal, ob aufgestiegene Meister aus Atlantis, Nostradamus, Albert Einstein, Metatron, Jesus, Außerirdische vom fünften Planeten des Aldebaran  oder nur die verstorbene Großmutter gechannelt werden, oder ob ein Medium Einblick in die Akasha-Chronik oder das Buch mit den sieben Siegeln zu haben behauptet - kanalisierte Botschaften laufen nach meinem Eindruck fast immer auf dasselbe hinaus: Wir gehen schweren Zeiten entgegen, und wie müssen uns dringend ändern, wenn wir uns weiterentwickeln oder, bei den nicht seltenen Weltuntergangspropheten unter den gechannelten Wesenheiten, überleben wollen. Die Texte der Wesenheiten unterscheiden sich bei den konkrete Aussagen, im Weltbild und, bei den Apokalyptikern unter der Kanalarbeitern, in der Art der finalen Katastrophe. Gemeinsam ist den meisten eine tiefe Belanglosigkeit, verbunden mit ausgeprägtem Wortreichtum. Das Ganze garniert mit dem in der esoterischen Literatur üblichen Licht- und Liebe-Zuckerguss.&lt;br /&gt;
Da frage ich mich doch, wozu man für solche Banalitäten den Kontakt zu Wesenheiten aus der nichtalltäglichen Wirklichkeit braucht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mag unfair sein, und ich räume ein, dass meine Stichprobe an gelesenen kanalisierten Schriften für valide Aussagen zu klein ist, aber mir liegen bei neun von zehn &quot;gechannelten&quot; Botschaften Stoßseufzer wie &quot;schade um das Papier&quot;,&quot;dafür mussten Bäume sterben&quot; oder, wenn die &quot;Botschaften von oben&quot; in elektronischer Form vorliegen, &quot;spiritueller Spam&quot; auf der Zunge, und meistens noch die quälende Frage: &quot;Verdammt, warum ich verschwende meine Zeit, um diesen Blödsinn zu lesen?&quot; &lt;br /&gt;
(Um einige Namen von Kanalarbeitern zu nenne, die ich besonders nervig finde: Judith Z. Knight, Thomas Nagel und natürlich Lee Carroll und Barbara Bessen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich mediale Durchsagen nicht in Bausch und Bogen ablehnen, und nicht nur deshalb, weil ich mir damit sozusagen ins eigene Fleisch schneiden würde. (Was mir nebenbei auch egal wäre.)&lt;br /&gt;
Der Übergang zwischen Inspiration und medialem Kontakt ist fließend. &lt;br /&gt;
Künstler, darunter natürlich auch Schriftsteller, sind meistens sehr spirituell, selbst wenn sie überzeugte Atheisten sind. Ich gehe so weit, zu behaupten, dass Kunst, die diesem Namen verdient, eine spirituelle Tätigkeit ist: In dem Moment, in dem so etwas wenig Fassbares wie Inspiration oder Intuition ins Spiel kommt, ist der schöpferische Prozess spirituell, inspiriert.&lt;br /&gt;
Dabei ist es für das Werk völlig egal, ob die Künstler sich nur von einer Muse geküsst fühlen oder einen &quot;Geistesblitz&quot; haben, oder den Eindruck, mit einer realen, mit eigener Persönlichkeit versehenen Wesenheit im Kontakt zu stehen. Auch Wissenschaftler oder Erfinder können inspiriert sein.  &lt;br /&gt;
Egal, ob Götter, Daimonen, Engel, aufgestiegene Meister, das kollektive Unbewusste oder das persönliche Unterbewusstsein die Quelle der Inspiration ist, kommt es auf das inspirierte Werk selbst an. Nicht jeder, der Inspiriert ist, schafft großartige Kunstwerke, geniale Erfindungen, oder tiefsinnige Einsichten, und nicht jeder Künstler, Denker oder Erfinder ist inspiriert.&lt;br /&gt;
Ich bin sogar der Ansicht, dass es ohne Inspiration keine wirkliche Kreativität gibt, und das ungeachtet der alten Faustregel, dass kreatives Schaffen zu 99 % Transpiration und nur zu 1 % Inspiration ist. Es geht meiner Ansicht nicht ganz ohne Inspiration von  &quot;außerhalb&quot; der Alltagspersönlichkeit, jedenfalls dann nicht, wenn das Endergebnis in irgend einer Weise originell sein soll.&lt;br /&gt;
Es fällt mir jedoch immer wieder auf, dass sehr religiöse bzw. fromme Menschen, vor allem Fundamentalisten, oft auffallend phantasielos und unkreativ sind. Das gilt übrigens auch für dogmatische Esoteriker. Es gilt auch für Möchtegerns, Wichtigtuer und die meisten Scharlatane. Die Einfallslosigkeit der meisten angeblich gechannelten Botschaften spricht meiner Ansicht nach für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer channelt oder sich sonstwie als Medium betätigt, sollte niemals die Selbstkritik und die Fähigkeit, Kritik zu akzeptieren, über Bord geben. Zu viel Skepsis tötet die Inspiration, aber ein völliger Mangel an Skepsis macht sie regelmäßig wertlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich sind sehr viele, wenn nicht die meisten angeblich gechannelten Botschaften schlicht Täuschung.&lt;br /&gt;
Wenn sie keine Täuschung sind, können sie Selbsttäuschung sein. Das müssen keine wahnhaften Vorstellungen sein - manchmal reichen Wunschdenken oder starke Erwartungshaltungen aus.&lt;br /&gt;
Wenn Täuschung und Selbsttäuschung ausgeschlossen werden kann, sollten Medien und ihre Klienten es wie seinerzeit Jane Roberts machen und immer an die Möglichkeit denken, dass die &quot;anderweltlichen&quot; Botschaften aus dem Unterbewusstsein stammen könnten. Das macht sie keineswegs wertlos, wenn die Botschaften selbst inhaltlich wertvoll sind.&lt;br /&gt;
Was Medien und ihre Kunden regelmäßig übersehen, ist, dass selbst wenn die kanalisierten Botschaften von &quot;drüben&quot; oder &quot;oben&quot; stammen sollten, nicht gesagt ist, dass der jeweilige &quot;aufgestiegene Meister&quot;, Engel, verstorbene Urahn oder verstorbene große Mensch der Weltgeschichte auch derjenige ist, für den er sich ausgibt: &quot;Jaaaa, selbstverständlich bin ich Napoleon (unterdrücktes astrales Kichern).&quot;&lt;br /&gt;
Am ehesten räumen noch religiös denkende Medien diese Möglichkeit ein - nur meistens leider nicht bei sich selbst. Die  Warnung, dass eine konkurrierende und womöglich abweichende Offenbarung vom Teufel komme, gehört zum Standardrepertoire religiöser Propheten.&lt;br /&gt;
Es ist auch seltsam, wie viele Medien und Medien-Klienten vor allem aus dem spiritistischen Umfeld daran glauben, dass ein dummer oder bösartiger Mensch nur dadurch zum Quell der Weisheit oder der Güte und Liebe würde, indem er stirbt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am einfachsten - wenn auch oft frustrierend (siehe oben!) - ist es, sich mit dem übermittelten Material selbst auseinanderzusetzen. Ist das Niveau hoch, lohnt es eine nähere Beschäftigung, selbst bei so notorisch wenig selbstkritischen Medien wie Rudolf Steiner oder zwielichtigen Gestalten wie dem genialen Hochstapler Aleister Crowley.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2012-01-06T19:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/11541872/">
    <title>Zauberei und Wissenschaft (ungereimte popkulturelle Gedankensplitter zum Jahreswechsel)</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/11541872/</link>
    <description>&lt;blockquote&gt;Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.&lt;/blockquote&gt; 
Arthur C. Clarke
&lt;blockquote&gt;Jede hinreichend fortgeschrittene Magie ist von Technologie nicht zu unterscheiden.&lt;/blockquote&gt;
Larry Niven
&lt;blockquote&gt;Was der eine Zauberei nennt, ist für den anderen Technik. &quot;Übernatürlich&quot; ist ein leeres Wort.&lt;/blockquote&gt;
Robert A. Heinlein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese drei &quot;Altmeister&quot; der Science Fiction haben meiner Ansicht nach völlig recht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;640&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/JOddp-nlNvQ?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/JOddp-nlNvQ?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;640&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;
&lt;blockquote&gt;Your ancestors called it magic. You call it science. I come from a place where they&apos;re one and the same. &lt;/blockquote&gt;
&lt;i&gt;Deine Vorfahren nannten es Magie. Du nennst es Wissenschaft. Ich komme von einem Ort wo sie ein und dasselbe sind.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
(Aus dem Trailer für den Film &quot;Thor&quot;.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Clarke, Niven und Heinlein recht haben, dann ist Zauberei auch in Midgard, der Welt der Menschen, eine Art angewandte Wissenschaft, sprich Technik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, in &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Books-Magic-Vertigo-Dc-Comics/dp/1563890828/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1293792563&amp;sr=8-1&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Books of Magic&lt;/a&gt; lässt Niel Gaiman den &quot;Phantom Stranger&quot; sagen:&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/9757246&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://u1.ipernity.com/17/72/46/9757246.be0100cc.560.jpg&quot; width=&quot;560&quot; height=&quot;368&quot; alt=&quot;bom-steam&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;blockquote&gt;The difference in viewpoint. Science is a way of talking about the universe in words that bind it to a common reality. Magic is a way of talking to the universe in words that it cannot ignorore. The two are rarely compatibel.&lt;/blockquote&gt;
&lt;i&gt;Der Unterschied im Standpunkt. Wissenschaft ist eine Art über das Universum zu sprechen, die es an eine gemeinsame Realität binden. Magie ist eine Art zum Universum in Worten zu sprechen, die es nicht ignorieren kann. Die beiden sind nur selten vereinbar.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin der Ansicht, dass der &quot;Phantom Stranger&quot; recht hat - und zwar hinsichtlich der Denkweise.&lt;br /&gt;
Beim Anwenden wissenschaftlicher - (oder magischer?) Gesetzmäßigkeiten ist die dahinter stehende Denkweise nicht weiter wichtig. Man muss die Quantenphysik nicht begriffen haben um einen Flash-Speicher konstruieren zu können - und selbst wenn man noch nie von Quantenphysik gehört hat, kann man eine Speicherkarte oder einen USB-Stick benutzen. (&lt;i&gt;Flash-Memory ist eine besonders gute Illustration für Clarkes &quot;Gesetz&quot;, denn ein Physiker auf dem Wissenstand des Jahres 1900 hätte beweisen können, dass so ein Gerät nicht mit den Naturgesetzen vereinbar wäre, also &quot;Zauberei&quot; sein müsse. Und ein Physiker auf dem Stand des Jahres 1960 hätte eingeräumt, dass so ein Gerät vielleicht von den Gesetzen der Quantenmechanik her möglich sein könnte, aber es nicht einmal theoretisch eine Möglichkeit gäbe, so etwas zu bauen.&lt;/i&gt;)&lt;br /&gt;
Flash-Memory könnte, aus Anwendersicht, ebenso gut mit Mana aufgeladen sein, sich dienstbarer Dämonen bedienen oder auf der ominösen &quot;Macht&quot; der Star Wars-Universum beruhen. Umgekehrt brauche ich das &quot;schamanisches Weltbild&quot; nicht zu verstehen, um durch schamanische Techniken (!) von einem Leiden befreit zu werden.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher haben Clarke, Niven und Heinlein nur bezogen auf die reine Anwendung recht, eben &quot;Technik&quot;.&lt;br /&gt;
Die wissenschaftliche Weltsicht, die sich nicht nur auf die Naturwissenschaften beschränkt, und die magische Weltsicht (nicht zu verwechseln mit dem &quot;magischen Denken&quot;, wie es bei kleinen Kindern vorkommt) sind nur selten vereinbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jedenfalls noch.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://martinm.twoday.net/stories/4901895/&quot;&gt;Gedanken über Magie (2)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennzeichen des wissenschaftlichen Denkens &quot;westlicher&quot; Tradition ist das Streben nach Allgemeingültigkeit. In der Mathematik und in den Naturwissenschaften ist das - meistens - kein Problem. In den Gesellschaftwissenschaften ist das eher fragwürdig - ohne jetzt einem radikalen Relativismus das Wort reden zu wollen. &lt;br /&gt;
Völlig auf dem Holzweg dürften die linearen, teleologischen (auf ein Ziel gerichteten) Geschichtserzählungen sein, die vom Aufstieg des Menschen, dem Sieg des Kapitalismus und dem &quot;Ende der Geschichte&quot;, dem Untergang des Abendlandes usw. usw. erzählen. Die schaffen schon in der Biologie nur Verwirrung: die Evolution hat  keine Absicht, kein Ziei. &quot;Intelligent Design&quot; / Kreationismus stammt meiner Ansicht nach aus der tief auch im wissenschaftlichen Denken des &quot;Westens&quot; verankerten Denken in linearen Kausalketten. Es gibt keinen Determinismus in der Geschichte. Noch nicht einmal in der Naturgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennzeichen jeder Magie ist es, die Wirklichkeit / eine Wirklichkeit durch Wollen zu beeinflussen. Weitergedacht stellt schon der freie Wille an sich eine Form der Magie da. Polemisch formuliert: wer glaubt, einen freien Willen zu haben, denkt magisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der bekannten &quot;Dialektik der Aufklärung&quot; - Adorno und Horkheimer beschrieben, wie die &quot;instrumentelle Vernunft&quot; an ihr Ende kommt und in einen neuen Mythos umschlägt - sehe ich die  Aufklärung als nötig und positiv an.&lt;br /&gt;
Sie ist allerdings mit Magie nicht verträglich. Inkompatibel.&lt;br /&gt;
Was nicht bedeutet, dass ein Zauberer, ein Schamane, ein Mystiker notwendigerweise das aufgeklärte Danken zurückweisen muss, um Zauberer, Schamane, Mustiker zu sein. Das ist der Irrtum der meisten Okkultisten / Esoteriker - und fast allen Theologen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was folgt daraus, für den Alltag? Entscheidungszwänge á la &quot;entweder-oder&quot; kritisch hinterfragen. Es gibt auch &quot;sowohl-als-auch&quot;, &quot;irgendwo dazwischen&quot;, &quot;keines von beiden&quot; und gar nicht einmal so selten das scheinbar paradoxe Phänomen, dass etwas zugleich und ganz und gar das Eine (etwa ein Teilchen, klassisches naturwissenschaftliches Beispiel) und zugleich ganz und gar das Andere (etwa eine Welle) ist.&lt;br /&gt;
Spätestens seit dem Strukturalismus (und natürlich erst recht nach dem Post-Strukturalismus im Sinne Foucaults) lässt sich, ohne in ethische Beliebigkeit zu verfallen, sagen, dass &quot;Gut-Böse&quot;-Kategorisierungen nicht allgemeingültig sein können. (Na ja, im Grunde ist diese Erkenntnis seit Schopenhauer oder spätestens seit Nietzsche ein alter Hut.) Es ist hilfreich, sie ersatztlos zu streichen. &lt;br /&gt;
Besser ist es, sich selbst Ziele zu setzen, freiwillige Ziele, um diese Welt ein klein wenig weniger unerträglich für seine Bewohner zu machen. Die Menschenrechte sind z. B. nicht &quot;von Natur aus&quot; universell, aber sie sind das notwendige Korrektiv zur instrumentellen Vernunft. Und da die instrumentelle Vernunft der modernen Industrie- und Informationsgesellschaft über die ganze Erde ausgebreitet hat, ist es nötig, den Menschenrechte ebenfalls für alle Menschen Geltung zu verschaffen.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-12-31T11:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/8390893/">
    <title>Ein paar Worte zu Rudolf Steiner</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/8390893/</link>
    <description>Von der &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophie&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Anthroposophie&lt;/a&gt; geht eine seltsame, beinahe magische Wirkung aus: sie ist ungemein polarisierend. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es nur drei Gruppen gibt: begeisterte Anhänger, angewiderte Gegner - und die, die noch nie etwas von Anthroposophie gehört haben. Wer nicht zu einer dieser drei Arten Mensch gehört, sitzt zwischen allen Stühlen. Wie ich. (Was mir, siehe das Motto dieses Blogs &quot;Freiraum ist der Raum zwischen den Stühlen&quot;, nichts ausmacht.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es aber offensichtlich Anthroposophen gibt, die mich für einen Anthroposophen-Fresser halte, halte ich es für angemessen, einmal in groben Zügen darzulegen, was ich vom Begründer der Anthroposophie, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Steiner&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Rudolf Steiner&lt;/a&gt;, halte.&lt;br /&gt;
Auch wenn ich gerne &lt;a href=&quot;http://www.nornirsaett.de/asatru_forum/posts_16_1242_1.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Waldorf-Salat&lt;/a&gt; esse, macht mich das schwerlich zum Anthroposophen-Fresser. &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://martinm.twoday.net/stories/3424548/#comments&quot;&gt;&quot;Friida&quot;&lt;/a&gt; hielt es für Quatsch, dass ich Steiner als durchaus völkisch bezeichnete.&lt;br /&gt;
&quot;Waldi&quot;, meiner Ansicht ein klassischer Troll, behauptete, ich würde die Anthroposophie &quot;Ariosophie light&quot; nennen.&lt;br /&gt;
Netter Versuch, aber offensichtlich hapert es da mit dem Textgedächtnis. Der entsprechende Abschnitt in &lt;a href=&quot;http://www.nornirsaett.de/list_ariosophen_4/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Des listigen Guidos Erben (4)  Ariosophen heute: Unterwandern und Verbünden &lt;/a&gt; geht so (der falsch erinnerte Satz ist &lt;b&gt;gefettet&lt;/b&gt;):
&lt;blockquote&gt;Das andere potentielle Einfallstor ariosophischen Denkens in die Öko-Ecke könnten die Anthroposophen sein, die wesentliche Kernsätze der theosophischen Weltsicht  wie die Wurzelrassenlehre, der Glaube an eine globalen Urreligion und das hierarchische Weltbild  in abgeschwächter Form enthalten. &lt;b&gt;(Einige Kritiker sprechen auch von Theosophie light.)&lt;/b&gt; Allerdings sollten die Anthroposophen, die als Vorkämpfer der ganzheitlichen Medizin und Erziehung und vor allem des ökologischen Landbaus (biologisch-dynamische Landwirtschaft) mit Recht einen guten Ruf beim ökologisch und alternativ gesonnenen Teil der Bevölkerung genießen, nicht als potentielle Fünfte Kolonne der Ariosophie verdächtigt werden. Es wäre aber zu begrüßen, wenn die Anthroposophen mit ihrem problematischen geistigen Erbe deutlich kritischer umgehen würden. Das gilt natürlich auch für die heute noch aktiven theosophischen Vereinigungen.&lt;/blockquote&gt;

Das ist, denke ich, zwar eine herbe Kritik, aber bei weitem nicht feindselig - denn meine Kritik richtet sich in ersten Linie an &quot;versteinerte&quot; Anthroposophen, die Steiner offensichtlich so lesen, wie Fundi-Christen ihre Bibel lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat meiner Ansicht nach viele Verdienste. Er war ein ungewöhnlich vielseitiger Denker. Er betätigte sich als  Reformpädagoge (Waldorf-Pädagogik), Sozialreformer (Soziale Dreigliederung), als Künstler (Architektur, Bewegungskunst, Sprachgestaltung),und begründete die Anthroposophische Medizin und die biologisch-dynamische Landwirtschaft. Was immer man von den den steinerschen Lehren halten mag, unbestreitbar waren und sind sie einflussreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch in seiner &quot;theosophischen Zeit&quot; übte Steiner scharfe Kritik an der Ariosophie, vor allem an deren Rassenlehre. Das wiegt umso schwerer, da Steiner die Hauptvertreter der Ariosophie, &quot;von&quot; List und Lanz &quot;von Liebenfeld&quot;, persönlich kannte und sich intensiv mit deren Gedankengebäuden auseinander gesetzt hatte.&lt;br /&gt;
Steiner übernahm zwar die Wurzelrassenlehre Blavatskys, modifizierte sie später jedoch - in seinen späten Veröffentlichungen tauchten die Wurzelrassen nicht mehr auf. Steiner führte an ihrer Stelle die weniger problematischen Begriffe &quot;Epoche&quot;, &quot;Hauptzeitraum&quot; bzw. &quot;Zeitalter&quot; ein. Zwar blieb das anthroposophische Menschenbild hierarchisch, aber gegenüber der meiner Ansicht nach eindeutig den Rassismus des Kolonialzeitalters widerspiegelnden Konzept Blavatskys (die das &quot;Verschwinden&quot; von &quot;primitiven Völkern&quot; für natürlich und gut hielt) ist das ein nicht zu vernachlässigender Fortschritt. &lt;br /&gt;
Steiner war entschiedener Anti-Antisemit. Anfang des 20. Jahrhunderts war Steiner Mitglied im &quot;Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus&quot; und bezeichnete den Antisemitismus als eine &quot;Kulturkrankheit&quot;, die aus einer Gesinnung hervorginge, gegen die nicht deutlich genug Stellung bezogen werden könne. Anderseits bezeichnete Steiner das Judentum als &quot;überholt&quot;, war Antizionist,   und forderte die Assimilation der Juden ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt, bei allen sympathischen Seiten, allerdings etwas, das mich sehr an Steiner stört:&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hielt sich sich offensichtlich für den größten Visionär aller Zeiten. Damit einher ging ein völliger Mangel an Selbstkritik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner änderte mehrmals die Richtung seines Denkens. Die deutlichste Zäsur war sein Übertritt zur Theosophie im Jahr 1900. Vorher war er Individualist, Positivist und scharfer Kritiker des Christentums - danach (im heutigen Sprachgebrauch) Esoteriker. Nicht ganz so ausgeprägt ist der Bruch, den sein Austritt aus der Theosophischen Gesellschaft und die Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft 1912 bedeutete. Steiner selbst sah sein theosophisch und anthroposophisch geprägte Spätwerk als konsequente Weiterentwicklung seiner frühen philosophischen Ansätze und bagatellisierte die offenkundigen Widersprüche als &quot;scheinbar&quot; oder &quot;vordergründig&quot;. Das mag auf einige seiner Gedankengänge zutreffen. Es ist aber meines Erachtens nicht plausibel, dass die von Steiner gegründete &quot;Christengemeinschaft&quot;, eine zwar deutlich mit den Traditionen der großen christlichen Kirchen brechende, nichtsdestotrotz aber eindeutig christliche Religionsgemeinschaft, eine konsequente Weiterentwicklung seiner an Nietzsche geschulten Ablehnung des Christentum sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, dass Steiner jede Inspiration, die er hatte, für genial hielt. Schließlich hatte er, wie er behauptet, Einblick in die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Akasha-Chronik&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Akasha-Chronik&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
Selbst wenn ich annehme, dass das wahr wäre - was ich nicht tue, ich halte Steiner zwar für inspiriert, die Idee einer allumfassenden und dennoch vom menschlichen Verstand erfassbaren &quot;Weltenchronik&quot; aber für naiv -  heißt das noch lange nicht, dass er auch alles richtig verstand, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Aus_der_Akasha-Chronik&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;was er in der Akasha-Chronik&lt;/a&gt; las.&lt;br /&gt;
Weil er Einblick in die Akasha-Chronik hatte, konnte Steiner nach eigener Angabe zu jedem Thema die Wahrheit verkünden. Das geht über das Dogma der &quot;Unfehlbarkeit&quot; der Papstes hinaus, der nach römisch-katholischer Auffassung allein in Fragen der Glaubens- (oder Moral-)Lehre unfehlbar sei, und auch das nur dann, wenn der Papst mit höchster Lehrgewalt &lt;i&gt;(ex cathedra)&lt;/i&gt; spricht.&lt;br /&gt;
Diesen Anspruchs Steiners, alles für wahr zu halten, was er im Zustand der Inspiration erfahren hatte, halte ich für vermessen und wahrscheinlich wahnhaft.  Um es deutlich zu sagen: das ist ein totalitärer Anspruch. Allerdings war Steiner der Ansicht, dass seine Wahrheiten nicht in einem Widerspruch zur empirischen Wissenschaft stünden. Sie seien vielmehr intersubjektiv überprüfbar. Damit öffnete Steiner seine Lehre dann doch wieder der Kritik und verzichtete auf die bei anderen Esoterikern so beliebte Immunsierungsstrategie nach dem Motto: &quot;Wenn sich meine Lehre und die Wirklichkeit widersprechen, ist das um so schlimmer für die Wirklichkeit.&quot;  Viele seiner Aussagen sind falsifizierbar und manche sind falsifiziert. &lt;br /&gt;
Auch deshalb habe ich wenig Verständnis für &quot;versteinerte&quot; Anthroposophen, die offensichtlich jedes Wort Steiners für eine Offenbarung halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich räume ein, dass ich nicht allzu viel von Steiner gelesen habe. Rudolf Steiners Werk umfasst 42 Bände mit Schriften und etwa 6.000 Vorträge. Es ist allerdings bei vielen Vorträgen umstritten, wie authentisch die Niederschriften sind.&lt;br /&gt;
Wenn ich behaupten würde, ich hätte auch nur einen ungefähren Überblick über sein Gesamtwerk, wäre das eine offensichtliche Lüge. (Einen Eindruck, wie produktiv Steiner war, gibt die &lt;a href=&quot;http://www.anthroposophieonline.net/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Freie Verwaltung des Nachlasses von Rudolf Steiner&lt;/a&gt;.) &lt;br /&gt;
Allerdings fällt mir bei allen Schriften Steiners, die ich las, auf, wie oft er Unvereinbares und Widersprechendes einfach nebeneinander stehen lies. Z. B. stehen in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft sehr vernünftige und empirisch nachprüfbare Vorschriften neben Ratschlägen, die ich nur als befremdlich bezeichnen kann (und das obwohl ich das Konzept &quot;Magie&quot; keineswegs in Bausch und Bogen ablehne). Legt man, wie Steiner es selbst nahelegte, naturwissenschaftliche Maßstäbe an die biologisch-dynamische Landwirtschaft an, dann steckt sie voller Pseudowissenschaft.&lt;br /&gt;
Bei Steiner findet man rassistische und antirassitische  Textstellen,  Steiner erscheint manchmal als politisch &quot;Linker&quot;, manchmal als &quot;Rechter&quot;, manchmal als rationaler Verstandesmensch, manchmal als tiefer Mystiker - und manchmal als abgedrehter Spinner.&lt;br /&gt;
Noch komplizierter wird es, weil seine Anhänger (oder &quot;gläubige Jünger&quot;?) offensichtlich alles und jedes für aufbewahrenswert hielten, was Steiner äußerte. Auch dann, wenn Steiner anscheinend einen schlechten Tag hatte, offensichtlich Dinge durcheinander bekam, sich falsch erinnerte usw. usw. : Kein Wort sollte verloren gehen (und geredet hat Steiner viel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner hat viel Kluges, aber - was nur menschlich ist - auch viel Dummes von sich gegeben. Er ist als künstlerischer &quot;Anreger&quot; wichtig, aber es wäre übertrieben, ihm (wie einige Anthroposophen das tun) einen überragenden Einfluss auf die die Kunst der Moderne zuzuschreiben.  &lt;br /&gt;
Auch die Bedeutung seiner naturwissenschaftlichen, landwirtschaftlichen, pädagogischen oder medizinischen Erkenntnisse werden meiner Ansicht nach gern überschätzt. Er war ein kreativer Denker, aber ein kreativer Denker, beim dem es mit der Selbstkritik nicht weit her war, muss, denke ich, unbedingt kritisch gesehen werden. &lt;br /&gt;
Ein Beispiel: Rudolf Steiner soll sechs Jahre vor Schrödinger selbst die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingergleichung&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Schrödingergleichung&lt;/A&gt; gefunden haben, womit er quasi der &quot;Erfinder der Quantenmechnik&quot; wäre. Offensichtlich schrieb Steiner eine Gleichung intuitiv an die Tafel, die der Schrödinger-Gleichung entsprach. Allerdings ist auch die (1920 längst bekannte) Wärmeleitgleichung formal äquivalent zur Schrödingergleichung. Solange die enthaltenen Größen nicht genau beschrieben sind - und das sind sie anscheinend nicht - könnte die Steinersche Formel alles mögliche beschreiben. Steiner mag einen genialen Einfall gehabt haben (oder eine geniale Inspiration), aber er hat meines Erachtens Schrödinger ebenso wenig vorweggenommen, wie Jules Verne das Apollo-Projekt, trotz vieler verblüffender Parallelen.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-10-22T17:03:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6506649/">
    <title>Was ist Kreationismus?</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6506649/</link>
    <description>Man kann es sich einfach machen und die wikipedia konsultieren: &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kreationismus&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kreationismus&lt;/a&gt;. Darin heißt es: &lt;blockquote&gt;Der Kreationismus (von lat. creare  erschaffen) ist die Auffassung, dass die wörtliche Interpretation der Heiligen Schriften der abrahamitischen Religionen (insbesondere 1. Buch Mose) die tatsächliche Entstehung von Leben und Universum beschreibt. &lt;/blockquote&gt; Womit schon einmal deutlich zwei von Kreationisten gern verschleierte Tatsachen ausgesprochen sind:&lt;ol&gt;  
&lt;li&gt;Kreationismus hängt mit der wörtlichen Interpretation der heiligen Schriften zusammen - dass heißt: es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Kreationismus und Fundamentalismus. Ohne die Bereitschaft, mythologische Texte als naturwissenschaftliche Tatsachen zu betrachten, funktioniert Kreationismus nicht. Das trifft sogar für &quot;weiche&quot; Formen des Kreationismus wie dem &quot;Alte-Erde-Kreationismus&quot; zu.&lt;/li&gt;  
&lt;li&gt;Es handelt sich um die wörtliche Interpretation der heiligen Schriften der abrahamitische Religionen. Kreationismus (im engeren Sinne) ist tatsächlich eine &quot;Spezialität&quot; der drei großen monotheistischen Religionen.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt; 
&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligent_Design&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Intelligent Design&lt;/a&gt; ist sozusagen &quot;Kreationismus light&quot; in (pseudo-)wissenschaftlicher Verpackung. Abgesehen davon reduziert sie den im klassischen Kreationismus noch großartigen Schöpfergott auf die Rolle eines Lückenbüßers. I. D. lebt davon, dass es Lücken in der wissenschaftlichen Erkenntnis, zum Beispiel in der neodarwinistischen Evolutionstheorie, gibt.  Diese Lücken können, glaubt man I.D.-Anhängern, nur mit dem Wirken eines intelligenten Designers (alias Gott) gefüllt werden,was wiederum die Existenz Gottes (aka eines intelligenten Designers) bewiese. &lt;i&gt;(Wäre ich ein Gott, wäre ich mit dieser Lückenbüßerfunktion ausgesprochen unzufrieden. Außerdem würde mit jeder neuen wissenschaftlichen Erkenntnis mein Zuständigkeitsbereich kleiner. Mal ganz religiös gefragt: was für ein jämmerliches Gottesbild haben I.D.ioten?)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Video der &lt;a href=&quot;http://ag-evolutionsbiologie.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;AG Evolutionsbiologie&lt;/a&gt; belegt am Anfang, welche Befunde der Naturwissenschaft den klassischen Kreationismus widerlegen. Sie zeigen dabei auch, auch wenn es wahrscheinlich nicht die Absicht der AG EvoBio war, wie kleinkariert die Gottesvorstellung der klassischen Kreationisten ist: ein Gott wie aus dem Kasperletheater. &lt;br /&gt;
Kurz gesagt ist Kreationismus meiner Ansicht nach nicht nur eine schlechte Parodie auf Naturwissenschaft, sondern auch noch erbärmlich schlechte Theologie. (Wie es überhaupt für Fundamentalisten typisch ist, dass sie nicht allzu viel über die eigene Religion wissen.)&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;480&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/aiXS_pGHmYY?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/aiXS_pGHmYY?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;480&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Teil werden einige populäre Argumente gegen die Evolutionstheorie entkräftet, die hauptsächlich aus der Feder der kreationistischen Vereinigung &quot;Wort und Wissen&quot; stammend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kritikpunkt an diesem informativen Video ist allerdings, dass der zweite Teil auf die Argumente der &quot;Kreationisten light&quot;, also I.D-Anhängern abzielt. Da fehlt mir ein Übergang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas vertieft, auch von der AG EvoBio: Dieses Video geht auf die Argumente des islamischen Kreationisten Harun Yahya ein, die sich auch bei christlichen Evolutionsgegnern finden.&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=KtWfIAJmXq8&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Evolution: Irrtümer und Beweise 1&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Irrtum 1: &quot;nur eine Theorie&quot;&lt;br /&gt;
Irrtum 2: &quot;Überleben des Stärkeren&quot;&lt;br /&gt;
Irrtum 3: &quot;Drang zum Höheren&quot;&lt;br /&gt;
Irrtum 4: &quot;Es gibt keine Übergangsformen, und sie müssten Krüppel sein&quot;&lt;br /&gt;
Irrtum 5: &quot;Die Evolutionstheorie stützt sich auf Haeckels Fälschungen&quot;&lt;br /&gt;
Beweis 1: Verteilung der Fossilien in den Gesteinsschichten.&lt;br /&gt;
Beweis 2: Endogene Retroviren&lt;br /&gt;
Beweis 3: verkümmerte Organe&lt;br /&gt;
Beweis 4: Übergangsfossilien mit &quot;halbfertigen&quot; Organen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=Ubtssuy1VfE&amp;NR=1&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Evolution: Irrtümer und Beweise 2&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Irrtum 6: &quot;Der Nationalsozialismus war eine Folge der Evolutionslehre&quot;&lt;br /&gt;
Irrtum 7: &quot;Fossilien widerlegen die Evolutionslehre&quot;&lt;br /&gt;
Irrtum 8: &quot;Die Evolution ist nicht bewiesen&quot;&lt;br /&gt;
Irrtum 9: &quot;Irreduzible Komplexität ist ein Problem für die Evolutionstheorie&quot;&lt;br /&gt;
Beweis 5: Pseudogen für Vitamin C&lt;br /&gt;
Beweis 6: Pseudogene für Geruchsrezeptoren bei Walen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ergänzung:&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Die hervorragende ARTE-Doku über Kreationisten &quot;Von Göttern und Designern&quot; auf YouTube (2008):&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=JhoZs5OivMI&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Teil 1&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?gl=DE&amp;hl=de&amp;v=S-QA0L9rZZo&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Teil 2&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?gl=DE&amp;hl=de&amp;v=FtBdWAqon7I&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Teil 3&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?gl=DE&amp;hl=de&amp;v=9NavolfpbHk&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Teil 4&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?gl=DE&amp;hl=de&amp;v=XtHvDQqCj-8&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Teil 5&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-09-12T19:51:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6497382/">
    <title>Spiritualität (und Religiosität)</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6497382/</link>
    <description>Vor einige Tagen machte &lt;a href=&quot;http://martinm.twoday.net/stories/6481777/#6492221&quot;&gt;Joy&lt;/a&gt; eine wichtige Anmerkung: Der Unterschied von Spiritualität und Religion würde eigentlich nie deutlich genug gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stimmt. Ich weise zwar oft darauf hin, dass Spiritualität und Religion nicht dasselbe sind, aber wirklich definiert habe ich das bisher nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz einfach ist das nicht, denn der Gebrauch der Worte &quot;Religion&quot; und &quot;Spiritualität&quot; ist alles andere als einheitlich.&lt;br /&gt;
Theologen - vor allem der christlich-konservativen Richtung - setzen Religiosität und Spiritualität oft gleich oder sind der Ansicht, dass Spiritualität etwas sei, was sich aus der Religiosität ergäbe. In diesem Verständnis ist Spiritualität etwa gleichbedeutend mit Frömmigkeit. &lt;br /&gt;
Anderseits wird Spiritualität aus psychologischer Sicht oft als mehr oder minder bewusste Beschäftigung mit Sinn- und Wertfragen des Daseins gesehen. Damit wäre jeder über die alltägliche Notwendigkeiten, Triebbefriedigung und simple Zerstreuung hinausdenkender und hinausempfindender Mensch spirituell - einschließlich materialistischer Philosophen. Etwa üblicher ist es, als &quot;spirituell&quot; alles zu sehen, was sich auf eine immaterielle, nicht sinnlich fassbare Wirklichkeit (Gott, Götter, Wesenheiten, Geister, &quot;Kräfte&quot; usw.) bezieht, die dennoch erfahr- oder erahnbar wäre. Das Problem bei dieser Sichtweise ist, dass damit auch &quot;Sinnangebote&quot;, die oberflächlich, leicht konsumierbar und inhaltlich weitgehend beliebig sind, unter Spiritualität fallen - einer &quot;Spiritualität&quot;, wie sie vor allem in der Esoterik-Szene, aber auch unter &quot;Feiertagschristen&quot; gepflegt wird.&lt;br /&gt;
Das ruft wiederum - so sicher wie das &quot;Amen&quot; in der Kirche - die &quot;Verteidiger des Glaubens&quot; auf den Plan, die eine &quot;Wohlfühl-Spritualität&quot; heftig kritisieren, die an Gott - und damit &quot;der Verantwortung vor Gott&quot; und damit wiederum an &quot;Moral&quot; - nicht wirklich interessiert sei. Eine unverbindliche Spiritualität, die einfach nur &quot;gut tut wie der frisch gebrühte Kaffee am Morgen&quot;, wie es vor gut zwei Jahren in einem ziemlich alarmistischen Artikel aus katholischer Sicht in der &quot;Rheinischen Post&quot; stand: &lt;a href=&quot;http://nachrichten.rp-online.de/politik/was-glaubt-wer-nicht-glaubt-1.15828&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Was glaubt, wer nicht glaubt&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
Womit wir wieder bei der Ansicht wären, dass Spiritualität (jedenfalls &quot;echte&quot; und &quot;ernsthafte&quot;) sich aus der frommen Religionsausübung ergäbe. &lt;br /&gt;
Hinzu kommt noch, dass die Begriffe &quot;Religiosität&quot; und &quot;Spiritualität&quot; vor allem in der englischen Alltagsprache oft synonym gebraucht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sehr brauchbare und nachvollziehbare Definition von &quot;Spiritualität&quot; und &quot;Religion&quot; fand ich in dem Buch &lt;a href=&quot;http://www.denkladen.de/product_info.php/info/p1081_Vaas---Blume--Gott--Gene-und-Gehirn.html/XTCsid/da2082edb87f601422568d566ae31966&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gott, Gene und Gehirn&lt;/a&gt; vom Wissenschaftsjournalisten Rüdiger Vaas und dem Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume. &lt;i&gt;(In ihrer Einführung sprechen die Autoren übrigens über &quot;Götter, Gene und Gehirne&quot;, was ich als Polytheist natürlich begrüße.)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Autoren legen Wert darauf, dass Religiosität und Spiritualität gerade in der empirischen und evolutionären Religionsforschung zunehmend unterschieden würden, und widmeten dieser Unterscheidung daher ein ganzes Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religiosität ist das Verhalten von Menschen gegenüber &quot;übernatürlichen&quot; (im  Sinne von naturwissenschaftlich nicht verifizierbar oder falsifizierbare) Akteuren wie Ahnen, Geister, Göttern, Gott. Damit greifen Vaas und Blume auf eine schon von Charles Darwin in seiner &quot;Abstammung des Menschen&quot; von 1871 formulierte Definition zurück. Die relevante Existenz von Ahnen, Geistern, Göttern, Bodhisatvas, Gott (u.a.) wird hierbei angenommen und wirkt sich auf die inneren Erfahrungen und das Verhalten aus. Dabei treten biologische Veranlagung und kulturelle Traditionen in Wechselwirkung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religiosität, verstanden als Verhalten zu &quot;übernatürlichen&quot; Akteuren ist gemäß Vaas/Blume &lt;i&gt;(und ich stimme da völlig mit ihnen überein)&lt;/i&gt; nicht identisch mit dem Monotheismus. Ahnen, Tier-, Natur- und Menschengeister, die Götter der polytheistischen Religionen, Heilige, Bodhisatvas, aber auch geglaubte Kontakt-Außerirdische werden als wirkmächtige und ggf. rituell zu beeinflussende Personalitäten geglaubt, ohne dass sich deren Existenz verifizieren oder falsifizieren ließe. &lt;i&gt;Dieser Hinweis ist wichtig, da sowohl Religionsverteidiger wie Religionskritiker oft dazu neigen, sich Religionsbegriffe je nach Vorliebe zurechtzubasteln.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spiritualität beschreiben Vaas und Blume, nachdem sie  darauf hinwiesen, dass sich in der interdisziplinären Evolutionsforschung zur Spiritualität ein Konsens herausgebildet hätte, so:&lt;br /&gt;
Spiritualität sei die Fähigkeit zu Transzendenzerfahrungen, biologisch unterschiedlich stark veranlagt und kulturell ausprägbar. Unter Transzendenzerfahrung sind hierbei Erweiterungserfahrungen zu verstehen: Die Betreffenden erfahren sich als Teil eines &quot;größeren Ganzen&quot;, in dem &quot;keine Grenzen mehr sind&quot;, ja, &quot;alles als Eines&quot; erkannt werde. Etwas weniger anspruchsvoll: Spiritualität beschreibt das Verhalten zu &quot;außeralltäglichen&quot; Erfahrungen, wie Entgrenzungs- und Alleinheitserfahrungen, Visionen etc..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei gäbe es Menschen, die sich als tief religiös verstehen, ohne jemals spirituelle Erfahrungen gesucht zu haben und andere, die sehr spirituell orientiert sind, ohne religiös zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erste, aber noch vorläufige Befunde z.B. unter Kirchenmitgliedern und auch Pfarrern deuten sogar auf eine Glockenverteilung der Spiritualität hin. Im Buch wird ein 20-Fragen-Ausschnitt des TCI-Tests von Robert Cloninger vorgestellt, den Blume und Vaas z.B. bei (evangelischen) Pfarrerseminaren testeten. Dabei kam tatsächlich eine Glockenkurve heraus - oft lag eine gewisse oder auch stärkere Spiritualität vor, selten eine völlige Abkehr oder aber massive Ausprägung. &lt;br /&gt;
Demnach kann sehr wenig Spiritualität ein Hinderungsgrund für religiöse Vergemeinschaftung sein - weil das Ritual, der Gottesdienst ggf. &quot;stumm&quot; bleiben. &lt;i&gt;Das ist es vermutlich, was Max Weber meinte, als er sagte, er sei &quot;religiös unmusikalisch&quot;: es fehlt einfach der Sinn fürs Transzendente. &lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
Umgekehrt kann auch eine sehr ausgeprägte Spiritualität ein Grund sein, sich keiner Religionsgemeinschaft anzuschließen. Intensive, individuelle Spiritualität lässt sich nur schwer in einen gemeinschaftlichen und lehramtlichen Rahmen einpassen. Die großen christliche Kirchen tun sich mit Mystikern und Charismatikern in der Regel sehr schwer. Der Umgang der Religion mit Spiritualität schwankt zwischen Verfolgung und Integration (z.B. in Form kontemplative Orden). Traditionen wie dem Buddhismus fällt die Integration in der Regel leichter. Monotheistische Traditionen stehen dabei vor dem Problem, dass &quot;zuviel&quot; All-Einheit die Gottheit in einem Pantheismus auflöst und damit ihrer Majestät und Handlungsrelevanz entkleidet. &lt;br /&gt;
Blume vermutet, dass der religionshistorische Umgang mit Spiritualität ebenfalls die Annahme einer Glockenverteilung untermauert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist im Grunde nicht überraschend. Bemerkenswert erscheint mir aber, dass genetische und neurobiologische Befunde darauf hindeuteten, dass es zwar Verschränkung, nicht aber eine Gleichsetzung religiöser und spiritueller Veranlagungen gäbe. &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Mir ist bei solchen Forschungsergebnissen nicht ganz wohl, denn die Gefahr ist, dass die Folgerungen aus evolutionsbiologischen, genetischen, und neurobiologischen Erkenntnissen in eine biologistische Ideologie umkippen, ist groß. Sogar daran beteiligte Wissenschaftler neigen zu voreiligen und weltanschaulich befangenen Schlüssen. Noch größer ist die Gefahr, dass z. B. Rassisten und Möchtegern-Sozialingenieure sich auf &quot;objektive biologische Erkenntnisse&quot; berufen, wenn sie ihre Ideologie verbreiten. Vaas und Blume jedenfalls maßen sich erfreulicherweise keine vorschnellen und eindeutigen Antworten an.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich halte die von Vaas / Blume angeführte Definition von Spiritualität nicht nur für brauchbar und sinnvoll; ihr wissenschaftlich-nüchterner Begriff von Spiritualität stimmt völlig mit meinen Erfahrungen überein. &lt;br /&gt;
Künstler sind meistens sehr spirituell - auch wenn sie überzeugte Atheisten sind. Ich gehe so weit, zu behaupten, dass Kunst, die diesem Namen verdient, eine spirituelle Tätigkeit ist: In dem Moment, in dem so etwas wenig Fassbares wie Inspiration oder Intuition ins Spiel kommt, ist der schöpferische Prozess spirituell. &lt;br /&gt;
Zwischen Inspiration und kreativem Schaffen besteht ein ähnliches Verhältnis wie zwischen Spiritualität und Religion. Zwischen beidem gibt es einen Zusammenhang, der allerdings nicht zwingend ist. Nicht jeder, der Inspiriert ist, schafft großartige Kunstwerke oder geniale Erfindungen - und nicht jeder Künstler und Erfinder ist inspiriert. &lt;br /&gt;
Dennoch bin ich der Ansicht, dass es ohne Inspiration keine wirkliche Kreativität gibt - auch wenn kreatives Schaffen, wofür Einiges spricht, tatsächlich zu 99 % Transpiration und nur zu 1 % Inspiration ist, &quot;ganz ohne&quot; geht es nicht - jedenfalls dann nicht, wenn das Endergebnis in irgend einer Weise originell sein soll.&lt;br /&gt;
Hingegen scheinen mir sehr religiöse, &quot;fromme&quot;, Menschen, vor allem Fundamentalisten, oft auffallend phantasielos und &quot;unkreativ&quot; zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spirituelle Praktiken sind nicht immer an Religiosität, geschweige denn eine konkrete Religion gebunden. Gute Beispiele dafür sind  Yoga und Zen-Meditation. Sonst hätten sie den indischen bzw. ostasiatischen Kulturraum niemals verlassen können. Es ist z. B. auch möglich, dass gregorianische Gesänge außerhalb eines christlichen Kontextes &quot;funktionieren&quot;. (Mit fällt leider kein besseres Wort ein.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere spirituelle Praxis, die nicht an eine konkrete Religion gebunden ist, ist der Schamanismus - so etwas wie eine &quot;schamanische Religion&quot; gibt es einfach nicht. Ein Schamane (ich meine jetzt einen &quot;echten&quot; Schamanen aus einer traditionellen Stammeskultur) kann in der Praxis z. B. Polytheist, Buddhist, Hindu, Christ, Agnostiker oder sogar Moslem sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach meiner Erfahrung - und der Erfahrung von Menschen, die spirituelle Erlebnisse, etwa &quot;Visionen&quot;, mystische Gipfelerlebnisse usw. hatte, ist &quot;starke Spiritualität&quot; nicht etwas, worauf man abzielt, sondern etwas, was einem zustößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel der Spiritualität  - wen es denn ein erkennbares Ziel gibt - ist meiner Ansicht nach keine Selbstoptimierung. &lt;br /&gt;
Das steht im Widerspruch zu vielen Angeboten auf dem &quot;spirituellen Supermarkt&quot;. Aber der Drang, spirituelle Erfahrungen mindestens zur &quot;Selbstverwirklichung&quot; oder ganz direkt zur &quot;Verbesserung der eigenen (auch beruflichen) Leistungsfähigkeit&quot; nutzbar zu machen, wird von außen, von einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der die Vorstellung, jeder sei &quot;seines Glückes Schmied&quot;, prägend ist, angestoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt sich die Frage, ob Spiritualität nicht einen religiösen (im weiteren Sinne, also nicht auf quasi-kirchliche Religion bezogenen) Halt braucht, um wirklich vollständig funktionieren zu können.&lt;br /&gt;
Diese Frage kann ich nur für mich selbst beantworten: für meine Spiritualität ist das nur teilweise richtig. Ich wäre auch spirituell, wenn ich Agnostiker wäre - tatsächlich war das einige  Zeit bei mir der Fall - und noch länger versuchte ich, agnostisch zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Linktipp für an Religionswissenschaft im Zusammenhang mit Evolution Interessierte: das SciLogs Blog von Dr. Michael Blume: &lt;a href=&quot;http://www.chronologs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Natur des Glaubens&lt;/a&gt;.)</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-09-05T17:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6481777/">
    <title>Der böse, böse &quot;neue&quot; Atheismus</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6481777/</link>
    <description>Ein Vortrag von Dr. Kissler: &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.domradio.de/kopfhoerer/66121/galle-gift-und-gotteswahn-der-neue-atheismus-auf-dem-vormarsch.html&quot;  target=&quot;_blank&quot;&gt;Galle, Gift und Gotteswahn. Der Neue Atheismus auf dem Vormarsch&lt;/a&gt;.
&lt;blockquote&gt;Der Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. kritisierte den Bundespräsidenten für seine öffentliche Wertschätzung der Bibel scharf und Richard Dawkins will Papst Benedikt wegen Verletzung der Menschenrechte festnehmen lassen. Die Aktionen des Neuen Atheismus werden immer aggressiver und medienwirksamer.&lt;/blockquote&gt; 

Ein durchaus hörenswerter Vortrag, weniger, weil Kissler die Tricks des neuen Atheismus entlarvt, als dadurch, dass er ungewollt die Tricks der alten Theologen entlarvt. &lt;br /&gt;
Es ist meiner Ansicht bezeichnend, dass Dr. Alexander Kissler den &quot;Neoatheismus&quot; als &quot;politisches&quot; oder &quot;quasi-religiöse&quot; Bewegung bezeichnet. Damit hebt er diese Denkrichtung auf einen Ebene, die Kissler vertraut ist, mit der er umgehen kann.&lt;br /&gt;
Eine scheinbare Nebensächlichkeit ist bezeichnend: Kissler nennt &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_M._Pirsig&quot; &gt;Robert M. Pirsing&lt;/a&gt;, der von Richard Dawkins in dessen Buch &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Gotteswahn&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Der Gotteswahn&lt;/a&gt; zitiert wird, einen &quot;Buddhisten, also Atheisten&quot;. Denn Pirsing lehnt sich in seiner Philosophie zwar an den Zen-Buddhismus (und den Daoismus) an, damit ist aber noch lange nicht gesagt, dass er tatsächlich Buddhist war. Ob er Atheist war, ist ebenfalls fraglich. Es ist Dawkins, der das Zitat Pirsings &lt;blockquote&gt;Leidet ein Mensch an einer Wahnvorstellung, nennt man es eine Krankheit. Leiden viele Menschen an einer Wahnvorstellung, nennt man es Religion.&lt;/blockquote&gt; in einen atheistischen Kontext stellt.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich kenne zu viele tief gottgläubige Menschen, die sich zur Religion ähnlich äußern, als das ich darin ernsthaft einen Beweis für Atheismus sehen könnte. (Typischer Spruch: &quot;Mit Gott habe ich keine Schwierigkeiten - aber umso mehr mit seinem Bodenpersonal.&quot;) Bissiger Spott über organisierte Religion und Atheismus sind nicht dasselbe. In diesem Missverständnis gleichen sich Dawkins und Kissler.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Zen_und_die_Kunst_ein_Motorrad_zu_warten&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten&lt;/a&gt;, aus dem das Zitat stammt, enthält eine deutliche Kritik an den dualistischen Philosophien, die laut Pirsing auf Platon und noch mehr Aristoteles zurückgehen.&lt;br /&gt;
Es ist genau dieses, von Augustinus noch erheblich verschärftes und schematisiertes, dualistische Denken, dass meiner Ansicht nach viele &quot;neue Atheisten&quot; und fast alle kirchliche Kritiker des &quot;neuen Atheismus&quot; auszeichnet. Nur in diesem Denken ist jemand, der sich  vom christlich geprägten, &quot;abendländischen&quot; dualistischen Denken abgewandt und dem Zen Buddhismus zugewandt hat, automatisch Buddhist, und der Buddhismus ist, da er die Existenz eines ewigen, allmächtigen und personalen Gottes bezweifelt, eben  atheistisch. &lt;br /&gt;
Ich vermute aber, dass Dr. Kisslers auf mich streckenweise in seiner Schwarz-Weiß-Logik absurd wirkender Vortrag für Menschen, die es gewohnt sind, alles in Gegensätzen zu sehen, völlig folgerichtig wirkt. Übrigens denkt Dawkins, ich vermute, weil er als Naturwissenschaftler schon berufsbedingt Zweifel an endgültigen und ewigen Wahrheiten hat, im Großen und Ganzen nicht dualistisch: &quot;Der Gotteswahn&quot; hat Grautöne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon die Abgrenzung zwischen &quot;altem&quot; und &quot;neuen&quot; Atheismus ist meiner Ansicht nach völlig willkürlich. Denn militante Atheisten gab es schon lange vor Dawkins et al., und worin die besondere Militanz zum Beispiel der &lt;a href=&quot;http://www.giordano-bruno-stiftung.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Girdano-Bruno-Stiftung&lt;/a&gt; liegen soll, müsste man mir erst einmal erklären. &lt;br /&gt;
Vergleiche ich die tatsächliche Militanz fanatischer Moslems, fanatischer Christen und fanatischer Atheisten miteinander, dann ergibt sich ein Bild, das ziemlich genau dieser Karikatur entspricht:&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/8126318&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://u1.ipernity.com/15/63/18/8126318.dda04e57.jpg&quot; width=&quot;475&quot; height=&quot;336&quot; alt=&quot;Miltants&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Der gern gebrachte Hinweis auf die angeblichen Atheisten Hitler, Stalin und Mao stimmt nicht. Bei Hitler, der ständig von der &quot;Vorrrsähungg&quot; und dem &quot;Härrrgottt&quot; redete und ausdrücklich sagte, dass die Ausrottung der Juden ein gottgefälliges Werk sei, von vornherein nicht. Stalin und Mao waren zwar Athetisten, aber der Atheismus war nicht die treibende Kraft und nur ein Bestandteil unter vielen in ihrer völkermörderischen Ideologie. Tatsächlich haben Stalinismus und Maoismus stark religionsähnliche Züge.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was &quot;neu&quot; ist - und von Dr. Kissler auch benannt wurde - ist das breite Medienecho, das die neuen Atheisten genießen. Das dürfte aber nicht allein an Autoren wie Dawkins, Hitchins oder Schmidt-Salomon liegen, sondern daran, dass militanter religiöser Fundamentalismus seit einigen Jahren an Bedeutung gewinnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem gebe ich Dr. Kissler in einem Recht: beim &quot;neuen Atheismus&quot; steht nicht die Religionskritik im Mittelpunkt. Wenn es sie gibt, wirkt sie nur da schlüssig, wo es um konkrete Missstände, etwa in den Kirchen, geht. Ich vermute, weil viele neue Atheisten sich gar nicht vorstellen können, wie ein religiöser oder spritueller Mensch - das ist nicht dasselbe - eigentlich denkt. (Außer, dass einige von ihnen gläubigen Menschen einen massiven Dachschaden zuschreiben.)&lt;br /&gt;
Bei der Auseinandersetzung mit religiösen Fanatismus und dem Phänomen des Fundamentalismus ist Dawkins jedenfalls ebensowenig hilfreich oder erhellend wie z. B. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Schmidt-Salomon&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Schmidt-Salomon&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6479333/#6481705&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Heilige Einfalt&lt;/a&gt; von Olivier Roy könnte, wenn ich &quot;Gregor Keuschnigs&quot; ausführlichen Rezension folge, vielleicht genau die Religionskritik sein, die ich in der hektischen Auseinandersetzung mit dem religiösen Fanatismus so sehr vermisse.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-08-25T13:17:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6430981/">
    <title>&quot;Rückkehr der Religion&quot;: eine Vermutung und zwei alte Zitate</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6430981/</link>
    <description>Die &quot;Rückkehr der Religion&quot; ist, zumindest in Westeuropa, eine leere Behauptung: nach wie wächst der Anteil der Konfessionslosen (was nicht das selbe ist wie &quot;Atheisten&quot;). Anderseits blühen Formen der Spiritualität und Religiosität abseits der &quot;großen Religionen&quot;.&lt;br /&gt;
Wenn es eine &quot;Renaissance des Glaubens&quot; gibt, dann geht sie an den beiden großen Kirchen fast völlig vorbei. Der reale gesellschaftliche Einfluss der Kirchen schrumpft nach wie vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weshalb gibt es eine regelrechte Medienkampagne, um die Funktion der Großkirchen als &quot;moralische Instanz&quot; zu stärken? &lt;br /&gt;
Warum gibt es ständig Versuche, eine &quot;christliche Leitkultur&quot; zu (re-)etablieren?&lt;br /&gt;
Wobei es ja nicht irgendein Christentum ist. Es ist ein von protestantischer Ethik, von innerweltlicher Askese, dem Einhalten vom Regeln, Selbstdisziplin und Unterordnung geprägtes Christentum - was sogar für den deutschen Katholizismus gilt, der im Zuge der jesuitischen Gegenreformation viele Elemente prostestantischer Ethik übernahm. &quot;Sinnenfroh und tolerant&quot; ist der der deutsche Katholizismus nur in wenigen Regionen - so wie der deutsche Protestantismus auch nur selten so &quot;aufgeklärt, abgeklärt und nüchtern&quot; ist, wie es das Klischee will. Nach wie vor gefallen sich viele deutsche Christen beider großer Konfessionen (vor allem die mit Macht und Einfluss) gern als Sitten- und Tugendwächter. (Bei gleichzeitiger Doppelmoral.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wieso trägt das System der gegenseitigen Instrumentalisierung von Kirchen und (Partei-)Politik nach wie vor?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vermute: Das ist so, weil unser Staat, so wie er ist, und unser Wirtschaftssystem, so wie es ist, auf einer bestimmten, &quot;sitten-protestantischen&quot;, Form der Religion aufbaut, und weil unsere Gesellschaft auch deshalb funktioniert, weil sie nach wie vor &quot;sittenchristlich&quot; geprägt ist.&lt;br /&gt;
Eine Aufweichung dieser &quot;christlichen Leitkultur&quot;, sei es durch einen wachsenden Anteil an Agnostikern und Atheisten, sei es durch einen wachsenden Anteil an Nichtchristen (vor allem Moslems), sei es durch einen Wertewandel, der &quot;sittenchristliche&quot; Normen in Frage stellt, ist daher eine durchaus reale Bedrohung für den gesellschaftlichen Status Quo.&lt;br /&gt;
Wohl deshalb gibt es einen &quot;Kirchenstaat Deutschland&quot;, eine unzureichende Trennung zwischen Staat und Kirche (Kirchensteuern sind für eine Demokratie ein schlechter Witz!), und einen überproportional großen Einfluss der Kirchen auf Medien, Schule und Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &quot;klassische Kapitalismus&quot; des Industriezeitalters hätte ohne religiöse Grundlage nicht funktioniert - und umgekehrt wiederum die Religion nicht ohne die gesellschaftlichen Verhältnisse. Wieso, das erkannte und beschrieb Marx schon 1844:
&lt;blockquote&gt;Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben, oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, ausser der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Societät. Dieser Staat, diese Societät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Compendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d&apos;honneur, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. &lt;/blockquote&gt;
Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (Einleitung), 1844&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es unbequem und schrecklich materialistisch ist: Ich denke, Marx hat im Großen und Ganzen recht! Die Kirchen sind so wie sie sind, weil die Gesellschaft so ist, wie sie ist. Das gilt auch für den &quot;spirituellen Supermarkt&quot; - Esoterik-Kritik ist wichtig, aber ohne gesellschaftlichen Strukturwandel, ohne Emanzipation, werden die &quot;Seelenverkäufer&quot; nach wie vor ihren Markt finden.&lt;br /&gt;
Heute ist es so, dass ein Zustand aufrecht erhalten werden soll, der, weil die Gesellschaft sich wandelt, möglicherweise in ein paar Jahren nicht mehr bestehen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt aber eine Lücke bei Marx - folgt man ihm, dann könnte die Religion auch eine reine Inszenierung sein, in der das &quot;dumme Volk&quot; hinters Licht geführt wird - und in der die Drahtzieher entweder  lügen oder wenigstens sich selbst belügen. Allerdings ist es m. E. wichtig, im Auge zu behalten, was das &quot;christliche-protestantische&quot; Glauben und Denken auch bei den &quot;Drahtziehern&quot; bewirkt - denn sie sind ja oft tief und aufrichtig gläubig.

&lt;blockquote&gt;Mit dem Bewußtsein, in Gottes voller Gnade zu stehen und von ihm sichtbar gesegnet zu werden, vermochte der bürgerliche Unternehmer, wenn er sich innerhalb der Schranken formaler Korrektheit hielt, sein sittlicher Wandel untadelig und der Gebrauch, den er von seinem Reichtum machte, kein anstößiger war, seinen Erwerbsinteressen zu folgen und sollte  dies tun. Die Macht der religiösen Askese stellt ihm überdies nüchterne, gewissenhafte, ungemein arbeitsfähige und an der Arbeit als gottgewolltem Lebenszweck klebende Arbeiter zur Verfügung.&lt;/blockquote&gt;
Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, 1904&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leicht überspitzt: was haben der Niedriglohnsektor, die Selbstgerechtigkeit gegen Langzeitarbeitslose und das gute Gewissen der Besserverdienenden gemeinsam? Ohne asketischen Protestantismus gäbe es das nicht!</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-07-18T12:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6414385/">
    <title>Psychologie der sexuellen Askese - ein historisches Beispiel</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6414385/</link>
    <description>&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Augustinus&lt;/a&gt; von Hippo (354 - 430) ist einer der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer und einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen (das lässt sich bei Augustin nur selten trennen) der &quot;christlich-abendländischen&quot; Tradition. Seine Theologie beeinflusste sowohl die katholische wie die protestantisches Lehren. Zum Beispiel sind die theologischen Schriften Joseph Ratzingers (Benedikt XVI.) wesentlich von seiner Lehre durchdrungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Geschichte des Christentums so entscheidende Begriffe wie &quot;Erbsünde&quot; und &quot;Prädestination&quot; begründete Augustin in seiner umfangreichen theologischen Schrift &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/De_civitate_Dei&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;De civitate Dei&lt;/a&gt; (Der Gottesstaat). &lt;br /&gt;
Im &lt;a  target=&quot;_blank&quot;&gt;14. Buch des &quot;Gottestaates&quot;&lt;/a&gt; befasst er sich eingehend mit seinem &quot;Lieblingsthema&quot;, der Sünde, vor allem in Hinblick auf das, was wir erst seit dem 19. Jahrhundert &quot;Sexualität&quot; nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adams &quot;Sündenfall&quot; würde den ewigen Tod, das heißt, die ewige Verdammnis (in der Hölle) aller Menschen bedeuten, hätte Gottes unverdiente Gnade nicht viele davon ausgenommen. Die Ursache der Sünde ging aus der Seele hervor, nicht aus dem Fleisch. Die ganze Menschheit für die Sünde Adams zu bestrafen, wäre gerecht, denn Gott hätte Adam nicht mit zahlreichen oder ungeheuerlichen oder schwierigen Geboten beladen, sondern ihm lediglich mit einem ganz einfachen und leichten Gebot unter die Arme gegriffen, um das Geschöpf daran zu erinnernd, dass Gott der Herr sei. Zu seinem eigenen Besten hätte der Mensch freiwillig unterwürfig sein sollen. Infolge seiner Sünde wurde der Mensch, der geistig im Fleisch hätte sein sollen, fleischlich im Geiste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass wir der geschlechtlichen Lust (libido) unterworfen sind, gehört nach Augustins Ansicht zu unserer Bestrafung für Adams Sünde. Er räumt ein, dass der Geschlechtsverkehr in der Ehe keine Sünde wäre, aber nur dann, wenn er dazu dienen soll, Kinder zu zeugen. Ein tugendhafter Mensch wird aber den Wunsch haben, dabei ohne Lustempfindung auszukommen. Aber selbst in der Ehe, wo Geschlechtsverkehr erlaubt und ehrbar ist, haben wir das Verlangen, ihn ohne Zeugen zu vollziehen. Warum? Augustin meint: Weil das, was von Natur aus völlig in Ordnung ist, doch bei seinem Vollzug aus Strafe zugleich die Scham (über Adams Tat) zur Begleiterin hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Lehre der Kyniker - über die sich Augustin in markigen  Worten empört - sollte man keine Scham über als natürlich empfundene Gegebenheiten haben. Diogenes hätte angeblich keine Scham empfunden und aus Eitelkeit den Beischlaf öffentlich vollzogen, aber die Kyniker hätten nach diesem einen Versuch davon Abstand genommen. Augustin vermutet, dass Diogenes und andere, von denen das behauptet wird, das nur vorgetäuscht hätten. Sie hätten nicht wirklich unter den Augen von Menschen die geschlechtliche Lust auszuüben vermocht. &lt;i&gt;(Ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen: man merkt, dass es zu Augustins Zeit noch keine Pornovideos gab.)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beschämende an der geschlechtlichen Lust sei, dass der Wille darauf keinen Einfluss hat. Vor dem Sündenfall hätten Adam und Eva ohne Lustempfinden miteinander verkehren können - laut Augustin taten sie das übrigens nicht. Ohne den Sündenfall würden die Menschen sich der Zeugungsglieder zur Gewinnung von Nachkommenschaft in derselben Weise bedient haben, wie der übrigen Glieder, nämlich nach dem Machtspruch des Willens.&lt;br /&gt;
Handwerker empfinden beim Gebrauch ihrer Hände ja auch keine Lust, und wenn uns der Gebrauch der Hände Freude bereitet, dann könnten sie wir immerhin noch willkürlich beherrschen. (Augustins gibt das beeindruckende Beispiel eines Priester namens Restitutus, der sich willkürlich in einen todesähnlichen Zustand versetzen konnte, in dem er keinen Kniff und Stich spürte und sich sogar ohne Schmerzgefühl, vom Feuer brennen lassen konnte, nur dass nachher die Wunde schmerzte.) Anders als etwa die Hände oder die Zunge hätten die Geschlechtsorgane die Lust sozusagen in Eigenrecht genommen, in einem Maße, dass sie nicht in Bewegung gesetzt werden können, wenn die Lust sich versagt und wenn sie nicht von selbst oder auf Anreiz hin sich erhebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass zum Geschlechtsverkehr Lust gehören muss, ist also eine Strafe für Adams Sünde. Ohne Sündenfall hätte das Geschlecht von der Lust getrennt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Psychologisch gesehen ist diese Begründung für sexuelle Enthaltsamkeit - denn darauf zielt Augustin ja ab - bemerkenswert. Offensichtlich ist er der Ansicht, dass zur Tugend die vollständige willkürliche Kontrolle über sich selbst gehört. Dem Ausspruch &quot;der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach&quot; hätte Augustin nicht zugestimmt: ein williger, moralisch denkender, Gott gehorsamer  Geist hat gefälligst das Fleisch zu beherrschen! Dass das auf der sexuellen Ebene nicht funktioniert, ist ein Zeichen für Sündhaftigkeit und eine verdiente Strafe Gottes. Weil das bei allen Menschen so ist, muss wohl die ganze Menschheit Adams Sünde geerbt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Autobiographie (&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Confessiones&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Confessiones&lt;/a&gt;) ergeht er sich sieben Kapitel lang in heftigsten Selbstanklagen, weil er als Junge zusammen mit einigen gleichaltrigen Freuden Birnen vom Baum des Nachbar geklaut hätte, obwohl er nicht hungrig war und seine Eltern bessere Birnen daheim hatten. Es wäre nicht schlimm gewesen, wenn er Hunger oder keine andere Möglichkeit gehabt hätte, zu Birnen zu kommen. Deshalb ist der Birnendiebstahl ein Akt der reinen Schlechtigkeit, eine unsagbar böse Tat, eine Bosheit der Bosheit willen, inspiriert von der Liebe zum Bösen. &lt;br /&gt;
Was ihn nach Jahrzehnten heftig beschämt, ist offensichtlich die Erinnerung daran, nicht vernünftig, kontrolliert und im Einklang mit den moralischen Regeln gehandelt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus all dem folgt, dass der Geschlechtsakt und alles, was damit zusammenhängt, mit einem vollkommen tugendhaften Leben nicht vereinbar ist. Jedenfalls wenn man wie der &quot;Kirchenvater&quot; denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Zusatz, da ich nach meiner Meinung gefragt wurde&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Augustins Einfluss auf die &quot;abendländische Geschichte&quot; und die heute auch bei nichtchristlichen &quot;Abendländern&quot; übliche sittenchristliche Mentalität halte ich für verheerend.&lt;br /&gt;
(Die völlig verkorkste Sexualmoral der katholischen Kirche ist meines Erachtens ohne den Einfluss Augustins genauso wenig erklärbar, wie der verklemmte Puritanismus vieler Protestanten.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ihn selbst angeht: ich denke manchmal in ähnlichen Bahnen wie er. Er hatte (wie ich auch) eine Neigung zur gegen sich selbst gerichtete Aggressivität, einen Hang zur Selbstanklage und offensichtlich ständig ein schlechtes Gewissen - mit und ohne Grund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihm mündete diese Neigung in - anders kann ich es nicht nennen - Versündigungswahn. Augustins Wahn schlug in eine ungeheuerliche Selbstgerechtigkeit um. Ich nehme an, dass er sich vom quälenden Gefühl, sich versündigt zu haben, entlastete, indem er die ganze Menschheit zu schlimmen Sündern erklärte. Mir fällt auch auf, wie selbstverständlich er davon ausging, dass sein (im Alter) extremes Schamgefühl der Normalfall sei - und das, obwohl er in seiner Jugend sehr viel weniger schamhaft war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er außerdem hochintelligent war, sämtliche rhetorische Tricks der langen römischen Rednertradition beherrschte, und gute Beziehungen zu den Mächtigen seiner Zeit hatte, setzten sich seinen Furcht erregenden theologischen Doktrinen (Erbsünde, ewige Verdammnis aller ungetauften Kinder, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4destination&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Prädestination&lt;/a&gt; bei gleichzeitiger Möglichkeit, aus freiem Willen schuldig zu werden, extremer moralischer Dualismus, die Lehre vom gerechten, moralisch und theologisch gebotenen Krieg, um nur einige zu nennen) gegen weniger fanatische Auffassungen durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des Bildungsmonopols des katholischen Klerus bis zum hohen Mittelalter gab es in Westeuropa jahrhundertelang keine Alternative zur Theologie und Philosophie des Kirchenvaters Augustinus. Außerdem waren und sind viele seiner Positionen für politische Machthaber ausgesprochen nützlich.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-07-07T09:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6349690/">
    <title>Nachtrag zu: Warum ich kein &quot;Eso&quot; wurde</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6349690/</link>
    <description>Damals, 1982, da erlebte ich Einiges, das mich davon abbrachte, die damals anbrandende &quot;New Age&quot;-Welle zu surfen, obwohl das an und für sich für mich nahe gelegen hätte. &lt;a href=&quot;http://martinm.twoday.net/stories/6292982/&quot;&gt;1982 - Im Labyrinth der Eiszeit&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
Wenn es nicht ganz klar geworden sein sollte: ob man mich als &quot;Esoteriker&quot; ansieht oder nicht, hängt ganz entscheidend davon ab, wie man &quot;Esoteriker&quot; definiert. Ich hänge keiner Lehre an, die nur für einen begrenzten, &quot;inneren&quot; Personenkreis zugänglich ist (ursprüngliche Bedeutung). Ich ertrage die Tatsache, dass uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist, recht gut. Ich vertraue auf die klassischen Lehrsätze der Logik, rasierte mich regelmäßig mit &quot;Ockhams Rasiermesser&quot; (die einfachste Annahme ist in der Regel die beste), schätze die Denker der Aufklärung, und habe die skeptische Nachprüfung (oder den &quot;konstruktiven Skeptizismus&quot;) zu so etwas wie meiner Alltagsphilosophie erhoben. Ich halte nichts von der Idee, dass die Planetenbahnen mein Schicksal lenken, und nicht viel von jenen Wunderheilern, die ihren Patienten grundsätzlich erst mal finanzielle Schlankheitskuren verordnen. An spiritistischen Sitzungen nehme ich ebenso wenig teil wie an schwarzen Messen.  &lt;br /&gt;
Meine besondere Verachtung gilt, neben der &quot;braunen Esoterik&quot; und der Theosophie im Sinne Helena Blavatsky mit ihrer &quot;Wurzelrassen&quot;-Ideologie (die auch der &quot;blinde Fleck&quot; und zugleich der dicke Schmutzfleck der Anthroposophie Steiners ist), der &quot;Kommerz-Esoterik&quot;. Ich verstehe darunter eine regelrechte Industrie, die Menschen mit Sehnsucht nach Spiritualität, die nach Sinn und Lebenshilfe suchen, hinters Licht führt und nach Strich und Faden ausnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch könnte man mich mit Fug und Recht &quot;Esoteriker&quot; nennen, weil ich ein &quot;esoterisches Weltbild&quot; hätte. Laut Rainer Kakuska beruht es auf vier Grundannahmen: 
&lt;ol&gt;  
&lt;li&gt;Die Welt wird als völlig geordnet betrachtet. Alles hängt mit allem auf eine sinnvolle Weise zusammen, wobei der Zusammenhang weit über das hinausgeht, was wir Ursache und Wirkung nennen. Der Mensch ist allerdings nicht imstande, diese Ordnung vollständig zu durchschauen.&lt;/li&gt;  
&lt;li&gt;Der Mensch hat an zwei Ebenen oder Zuständen der Wirklichkeit teil, der materiellen und der geistigen. Diese Zustände stehen in enger Wechselwirkung, sind letztlich zwei Aspekte einer Realität.&lt;/li&gt;  
&lt;li&gt;Es ist die natürliche Tendenz der Seele, zu wachsen, sich weiterzuentwickeln, immer umfassender und differenzierter zu werden. Dazu sind viele Erfahrungen nötig, auch unangenehme. Je mehr Einsicht jemand in die universellen Zusammenhänge gewinnt, desto mehr wird er die scheinbaren Gegensätze als zwei Extreme einer Polarität sehen, die nicht unabhängig voneinander existieren können.&lt;/li&gt;  
&lt;li&gt;Das Universum ist freundlich für den, der seine Gesetze kennt und sie respektiert. Wahres Glück entsteht dadurch, dass man das tut, was notwendig ist, und akzeptiert, was geschieht.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt; 
Im Großen und Ganzen kann ich dem Zustimmen. Folglich bin ich &quot;Esoteriker&quot; - zumindest aus der Perspektive eines radikalen Naturalismus (wie ihn die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Brights&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&quot;Brights&quot;&lt;/a&gt; vertreten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem sind 28 Jahre vergangen. Jahre, in denen es mir, zurückhaltend formuliert, nicht immer gut ging. Die Versuchung, sich einer Lehre anzuvertrauen, die die Wechselfälle des Lebens mit &quot;Karma&quot; &quot;erklärt&quot; oder auch persönlichem Leid einen &quot;tiefen Sinn&quot; gibt, war groß.&lt;br /&gt;
Außerdem gibt es für einen Menschen mit &quot;paranormalen Fähigkeiten&quot; (so würde es die &quot;Eso-Tante&quot; nennen - ich halte sie für durchaus normal, und nebenbei halte ich &quot;übernatürlich&quot; für ein leeres Wort) stets die Versuchung, aus diesen Talenten irgendwie Vorteile zu schlagen. Ganz im Sinne der &quot;Kommerz-Esoterik&quot;. &lt;br /&gt;
Um es gerade heraus zu sagen: was mich daran hinderte, waren meine ständigen Selbstzweifel. Wäre ich meiner völlig sicher gewesen, hätte ich in einer finanziellen Klemme wenig Skrupel gehabt, meine &quot;Weisheiten&quot; auf dem spirituellen Markt anzubieten und mir etwas &quot;monetäre Energie&quot; zuzuführen. &lt;br /&gt;
(Das wäre nebenbei auch der Fall gewesen, wenn ich irgendwann &quot;eingesehen&quot; hätte, dass an meiner &quot;Spökenkiekerei&quot; nichts dran wäre. Jemand, der weiß, wie ein &quot;spiritueller Sinnsucher&quot; tickt, aber selbst keine Sekunde an den &quot;Spinnkram&quot; glaubt, ist der ideale Eso-Geschäftemacher.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Lars Fischers &quot;Fischblog&quot; (&lt;a href=&quot;http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog/allgemein/2010-05-23/esoterik-ist-ja-harmlos&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Esoterik ist eben nicht harmlos&lt;/a&gt;) stieß ich auf ein besonders drastisches Beispiel, wie schäbig es auf dem  &quot;esoterischen Straßenstrich&quot;, konkret dem &quot;Telefon-Tarot&quot;, zugeht.&lt;br /&gt;
Eine Anruferin, ehemals Telefon-Kartenlegerin, schildert bei Domian, wie es hinter den Kulissen der &quot;telefonischen Lebensberatung&quot; zugeht. Die Frau ist dabei sogar psychisch krank geworden. &lt;br /&gt;
Teil 1:&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;480&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/tP__vI_kX5M&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/tP__vI_kX5M&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;480&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teil 2:&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;480&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/33wHUwDJQLQ&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/33wHUwDJQLQ&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;480&quot; height=&quot;385&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übrigens hat Lars Fischer vollkommen recht, wenn er schreibt:
&lt;blockquote&gt;(...) Ich vermute, für die große Masse der Wahrsager-Geistheiler-Telepathie-Heinis wäre eine real existierende &quot;Esoterik-Ebene&quot; wenig attraktiv, weil in der eben nicht alles nach belieben ginge, was man gerne hätte - nach meiner Erfahrung das hervorstechende Merkmal jedweder Realität. (...)&lt;/blockquote&gt;

Meine Erfahrung mit der &quot;Esoterik-Ebene&quot;, die ich mit dem neo-schamanischen Begriff &quot;nicht-alltägliche Wirklichkeit&quot; nenne, zeigt eindeutig, dass da eben nicht nach Belieben geht, was man gerne hätte. Ob diese Ebene real ist, und wenn, in welchem Sinne, lasse ich bewusst offen - weil ich es selbst nicht weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Notwendiger Nachtrag:&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Esoterischer Straßenstrich&quot; ist eine Metapher, die die Zustände beim Telefon-Kartenlegen beschreibt, keine moralische Verurteilung der dort arbeitenden &quot;Beraterinnen&quot; und &quot;Berater&quot;. Ich halte Prostitution für ein legitimes Mittel des Gelderwerbs - kriminell ist der Zuhälter, nicht die Hure, und auch nicht ihre Kundschaft.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-05-24T04:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6324098/">
    <title>Warum ist der tibetische Buddhismus &quot;in&quot;?</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6324098/</link>
    <description>Viele Sozialwissenschaftler und noch weitaus mehr Politiker,  Publizisten und - unvermeindlicherweise - Kirchenvertreter reden gern von einer &quot;Rückkehr der Religionen&quot;. Allerdings geht diese angebliche &quot;Rückkehr&quot; hierzulande an den großen christlichen Kirchen vorbei. (Auch wenn die jüngste dramatische Austrittswelle aus der römisch-katholischen Kirche am allerwenigsten mit einer &quot;Abwendung vom Christentum&quot; zu tun haben wird. Ich vermute, dass viele Katholiken nun austreten, gerade &lt;i&gt;weil&lt;/i&gt; diese Kirche die Werte, die sie predigt, offensichtlich nicht lebt. Wobei, das sei mir als Heide erlaubt, der &quot;Fisch&quot; vom Kopf her stinkt - aber gewaltig! Ich verstehe, dass Menschen, die die christliche Ethik - oder überhaupt eine Ethik - ernst nehmen, es in diesem scheinheiligen Verein nicht mehr aushalten.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &quot;Rückkehr der Religion&quot; ist eben keine Renaissance &quot;des Glaubens&quot; in seiner bekannten und gewohnte Form. Die, vor allem und im Besonderen in Deutschland, auf eine enge Verfilzung von Staat und &quot;offiziellen&quot; Kirchen gegründete bestehende Ordnung verfällt nach wie vor. Nicht erst seitdem moderne Verkehrs- und Kommunikationsmittel die &quot;Globalisierung&quot; vorantreiben, löst sich die früher üblichen Einheit von &quot;Nation&quot;, &quot;(Leit-)Kultur&quot; und &quot;(Volks-)Religion&quot; auf: dieser Prozess begann schon in der Aufklärung und in der Romantik, vor über 200 Jahren. Seit dieser Zeit ist es nicht mehr selbstverständlich, dass es ein quasi &quot;natürliches&quot; Religions- und Spiritulatitätsmonopol der am Ort vorherrschenden Kirche gibt, obwohl es zuerst nur Intellektuelle und Künstler waren, die die freie Religionswahl auch wirklich praktizierten. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist das ein Massenphänomen.&lt;br /&gt;
Da seitdem viele Menschen sich nicht mehr an die traditionellen religiösen Milieus gebunden fühlen, in die zufällig hineingeboren wurden, begannen spirituell interessierte Menschen und andere Sinnsucher, sich ihre eigene &quot;Religion&quot; zu konstruierten. Kritiker, vor allem aus dem kirchlichen Umfeld, sprechen gerne abwertend von &quot;Patchwork-Religionen&quot; und einem &quot;spirituellen Supermarkt&quot;.(Obwohl auf Teile der &quot;Esoterik-Szene&quot; das Bild eines letztendlich kommerziell orientierten Marktes auch meiner Ansicht nach zutrifft.)&lt;br /&gt;
Damit gibt es etwas Ungewohntes: Konkurrenz zwischen &quot;Transzendenzanbietern&quot;. In den USA gibt es diese &quot;Kirchenkonnkurrenz&quot; schon lange, was nicht nur zur, auf der positiven Seite, zu einer enormen religiösen bzw. weltanschaulichen Vielfalt führte, sondern auch zu so fragwürdigen Erscheinungen wie quasi kommerziellen Kirchen und dem Vormarsch der Fundamentalisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &quot;Westen&quot; sind neben den evangelikalen &quot;Fundies&quot; es vor allem die Buddhisten, vor allem der tibetischen Richtung, die sich besonders gut auf dem &quot;Religionsmarkt&quot; behaupten. Dafür kann man viele mögliche Gründe anführen, für die die charismatische und sympathische Persönlichkeit des Dalai Lama nicht der Unwichtigste sein dürfte. Auch der Widerstand gegen die chinesische Okkupation Tibets und der Respekt vor der trotz allem pazifistischen Haltung der Exilregierung trägt sicherlich zur Beliebtheit des tibetischen Buddhismus bei. Auch die (scheinbare)  Kompatibilität zwischen tibetischem Buddhismus und &quot;westlicher&quot; Esoterik, vor allem der &quot;theosophischen&quot; Richtung spielt beim &quot;Buddhismusboom&quot; eine wichtige Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vielleicht sind auch bei erwachsenen &quot;Sinnsuchern&quot; solche Kriterien entscheidend: &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.herzdamengeschichten.de/2010/03/05/sohn-i-und-die-religionen/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Herzdamengeschichten: Sohn I und die Religionen&lt;/a&gt;
&lt;blockquote&gt;In dem Tibetladen bei uns um die Ecke hängen geschnitzte Dämonenmasken an der Wand, fürchterliche Fratzen. Sohn I steht beglückt davor und sagt anerkennend: Monster! Jeden Morgen bleibt er auf dem Weg zur Kita kurz bei dem Laden stehen und staunt verträumt lächelnd sein Lieblingsmonster an. Monster sind nicht zu schlagen, etwas Tolleres kann es gar nicht geben. Außerdem gibt es Rasseln in dem Laden, Rasseln mit sehr vielen Glöckchen dran, und auch kleine Steinfiguren, die richtige Elefanten darstellen, mit vier Beinen, wie es sich gehört. Und wenn der Laden geöffnet ist, dann stehen metallene Zierdrachen davor, auf denen man reiten kann, zumindest wenn der Inhaber gerade nicht guckt. Der Sohn liebt diesen Laden. Monster! Elefanten! Drachen! Mit anderen Worten, die anderen Religionen können einpacken.&lt;/blockquote&gt;</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-05-08T17:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6203984/">
    <title>Weichspül-Esokrieger</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6203984/</link>
    <description>An und für sich habe ich nichts gegen die Band &quot;Silbermond&quot;. Seit einige Wochen läuft aber ein &quot;Silbermond&quot;-Song im Dudelfunk, bei dem ich es sehr bedaure, nicht einfach im &quot;Hulk&quot;-Stil die Quelle der unfreiwilligen Dudelfunkbeschallung gründlich und nachhaltig zu eliminieren. &lt;i&gt;(Dass ich Dudelfunk überhaupt - unfreiwillig - höre, verdanke ich Kollegen, die auf ein musikalisches Hintergrundrauschen bei der Arbeit nicht verzichten möchten, und auch Ladenbesitzern, die offenbar leider zurecht vermuten, dass viele ihrer Kunden auf Akustik-Smog konditioniert sind.) &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Es geht um den Song &quot;Krieger des Lichts&quot;, wobei mir weniger die nette, aber etwas nichtssagende, Melodie, als vielmehr der &lt;a href=&quot;http://www.songtexte.bz/111952-Silbermond-Krieger-Des-Lichts-songtexte.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Text&lt;/a&gt; auf die Gehörnerven fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugegeben, Silbermond erreichen bei weitem nicht die textliche Penetranz etwa eines Xavier Naidoo, mit dem sie übrigens auch schon einmal gemeinsam einen Song aufnahmen. Allerdings ist dessen, sagen wir einmal, offensiv vertretene, sagen wir mal, radikale Religiosität und seine demonstrative Betroffenheit über diese böse Welt schwer zu toppen und zumindest im deutschen Sprachraum weitgehend konkurrenzlos.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieso aber fällt mir der Text von &quot;Krieger des Lichts&quot; so sehr auf die Nerven? Immerhin ist er nicht völlig banal - was ihn von schätzungsweise 9 von 10 Popsongs oder Schlagern unterscheidet - und vielen Aussagen kann ich problemlos zustimmen.&lt;br /&gt;
Vielleicht liegt das an meiner im Laufe der Jahre stetig gewachsen Aversion gegen &quot;Weichspül-Esoterik&quot;. Unter &quot;Weichspül-Esoterik&quot; verstehe ich eine gefällige, unverbindliche, niemanden weh tuende, nichts fordernde und allen recht sein wollende, sich vor harte Aussagen drückende Form der, nun ja, &quot;Esoterik&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stefanie Kloß, die Sängerin der Band, wurde von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Paulo_Coelho&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Paulo Coelho&lt;/a&gt; und seinem &quot;Handbuch für den Krieger des Lichts&quot; inspiriert. Coelho ist ein Mensch, den ich, aufgrund seines Lebensweges und seiner Haltung sehr respektiere, obwohl ich kein Fan seiner Bücher bin. Dass ich das &quot;Handbuch für den Krieger des Lichts&quot; nach einige Kapiteln beiseite legte, ist eine Frage meines persönlichen literarischen Geschmacks, weniger einer der schriftstellerischen, philosophischen oder spirituellen Qualität Coelhos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Coelhos ist übrigens stark von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_Castaneda&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Carlos Castaneda&lt;/a&gt; und seinem &quot;Weg der Krieger&quot; inspiriert. Castaneda hatte zwar Einiges über schamanisches Reisen zu sagen, aber war auch - so schätze ich ihn jedenfalls ein - ein notorischer Hochstapler und Fälscher. Seine Werke sollten deshalb sehr kritisch gelesen werden - aber leider werden sie nur selten kritisch gelesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Castaneda ist &quot;Der Weg der Krieger&quot; eine Lebenseinstellung, die nichts mit Akten kollektiver Gewalt oder individueller Dummheit zu tun hätte - also nichts mit &quot;Kriegführen&quot; im alltagssprachlichen Sinne. Der Weg der Krieger soll demjenigen, der ihm folgt, körperliche, geistige und charakterliche Stärke geben, damit er die sich ihm in den Weg stellenden Schwierigkeiten erträgt und sich nicht von außergewöhnlichen Ereignissen und Wahrnehmungen aus der Bahn werfen lässt. Auf diesem Pfad erwirbt der Krieger die Energie, die er (oder sie, auch wenn Castaneda eher von einem männlichen Krieger auszugehen scheint) braucht, um in unbekannte Welten einzutreten, sich mit Unendlichkeit auseinanderzusetzen. Auch wenn Castaneda meiner Ansicht nach munter Zen-Buddhismus mit indianischer Spiritualität mischt, und ich den Verdacht habe, dass es diesen &quot;Pfad&quot; in der traditionellen schamanischen Kultur der Yaqui gar nicht gibt, ist das Konzept meiner Ansicht nach brauchbar und das Ziel, die Freiheit von den Konventionen der Wahrnehmung, sicherlich erstrebenswert.&lt;br /&gt;
Zwar ist Castaneda hochgradig &quot;esoterisch&quot; und nicht immer ehrlich, aber bestimmt nicht &quot;weichgespült&quot; - der Weg der Krieger ist hart, schwierig und voller Konflikte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept des &quot;Weges der Krieger&quot;, das übrigens - siehe z. B. Zen-Buddhismus - keine Erfindung Castanedas ist - ist, das ist jedenfalls mein Eindruck, bei Coelho bereits &quot;entschärft&quot;, bzw. sozusagen &quot;poesiealbumtauglich&quot; gemacht. Den letzten Schritt zur Trivialisierung machten Silbermond - ihr &quot;Krieger des Lichts&quot; hat meiner Ansicht nach mit einem Krieger, einem selbstbestimmten Kämpfer (im Gegensatz zum fremdbestimmten, in eine straffe Kette aus Befehl und Gehorsam eingebundenen Soldaten) herzlich wenig zu tun. &lt;i&gt;Ein Krieger kämpft nur, wenn es sein muss, wenn er es als sinnvoll ansieht und wenn ein Sieg möglich ist.&lt;/i&gt; Der &quot;Krieger des Lichts&quot; á la Silbermond ist allenfalls für Lichterketten zu gebrauchen, schon für eine Sitzblockade dürfte er zu konfliktscheu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich mit dieser Thematik auch musikalisch umgehen lässt, mit scharfen Konturen und Anstößen zum Weiterdenken, Weiterspinnen, Weiterreisen, zeigten vor Jahren schon Thomas D. und die &quot;Fantastischen Vier&quot;:&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=JEn1YqfADuw&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Krieger&lt;/a&gt;,&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=JmqGUS0_qA0&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Millionen Legionen&lt;/a&gt; und &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=ZuGKsqXss0o&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Mein Schwert (Krieger Part 3)&lt;/a&gt;.

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Nur als Krieger kann man auf dem Pfad des Wissens überleben. Denn die Kunst des Kriegers ist es, den Schrecken, ein Mensch zu sein und das Wunder, ein Mensch zu sein, miteinander im Gleichgewicht zu halten.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;
&quot;Juan Matus&quot; in Carlos Castaneda - Die Reise nach Ixtlan</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-24T14:33:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6189849/">
    <title>Fasten und &quot;7 Wochen ohne&quot;?</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6189849/</link>
    <description>Fasten kann sinnvoll sein.&lt;br /&gt;
Damit meine ich durchaus nicht das Heilfasten zu medizinischen Zwecken, sondern Fasten, um eine sprituelle Erfahrung, etwa im Zuge einer Visionssuche, zu machen. Fasten fördert die Wahrnehmung, schärft die Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der traditionellen (katholischen) &quot;Fastenzeit&quot; vor Ostern wird tatsächlich nicht gefastet - das hielte auch niemand über sieben Wochen durch - sondern es wird der Genuss bestimmter &quot;sündige&quot; Nahrungsmittel, vor allem Fleisch, verboten. Es ist also streng genommen kein Fasten, sondern ein Entsagen, eine Zeit der Enthaltsamkeit. Das traf sich jahreszeitlich insofern gut, da früher der Spätwinter tatsächlich eine Zeit des Mangels war.&lt;br /&gt;
Vermutlich geht es bei dieser Zeit der Entsagung nicht um spirituelle Erfahrung, sondern um das Einhalten von Regeln, die &quot;man&quot; einzuhalten hat. Im Extremfall also um ein Unterwerfungsritual. Askese aus Angst vor Gott, aus Gehorsam vor der Obrigkeit, um dem Pfarrer zu gefallen und um sich nicht dem Gerede der Nachbarn auszusetzen. Oder einfach, weil &quot;man&quot; als guter Katholik eben fastet, ohne den Brauch irgendwie zu hinterfragen.&lt;br /&gt;
In der evangelischen Kirche gibt es hingegen keine festen Fastenregeln. Obwohl Martin Luther selbst fastete, war er gegen Fasten als Verpflichtung und lehnte die Vorstellung, Askese sei ein edles Werk, das einem dem Himmel näher brächte, ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit einige Jahren gibt es eine evangelische Fastenaktion, genannt &lt;a href=&quot;http://www.7wochenohne.evangelisch.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&quot;7 Wochen ohne&quot;&lt;/a&gt;. Eine Aktion, deren Sinn sich mir nie so recht entschließen mochte. Nun ja, ich bin böser Heide, also muss ich auch nicht immer verstehen, was so einen Christenmenschen an und umtreibt. Ich habe jedoch den Verdacht, dass es für viele, die an &quot;7 Wochen ohne&quot; teilnehmen, nicht ums Fasten, sondern eine zeitweilige demonstrative Verzichts-Aktion ginge. Etwa, um sich und anderen zu beweisen, dass man ganz gut ohne Fernsehen, Fleisch, Tabak, Süßigkeiten oder Alkohol auskäme. Ein klein wenig ist das vielleicht dann doch so wie bei den Katholiken - fasten nicht für einen selbst, sondern für das Ansehen unter seinesgleichen.&lt;br /&gt;
Dabei ist gegen bewusste Entsagung wenig zu sagen. Aber warum dann, zum Beispiel, sieben Wochen ohne Alkohol leben und dann wieder zechen? Wenn das Trinken zum Problem wird - was nicht gleich Alkoholismus sein muss - dann ist Alkoholverzicht auf Dauer angebracht. Es kann auch sinnvoll sein, auf Dauer weniger Alkohol zu trinken. Einsehbar ist es für mich auch, für einen bestimmten Zweck und ein Ziel zeitweilig keinen Alkohol zu trinken - im Falle der Spiritualität vielleicht, weil ich einen klaren Kopf brauche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von charismatischen Christen wird der &quot;7 Wochen ohne&quot;-Aktion manchmal vorgeworfen, es wäre &quot;Fasten light&quot; oder &quot;Fast-Food-Spritualität&quot;. Obwohl ich mit charismatischen Christen wohl selten einer Meinung sein dürfte, in diesem Fall leuchtet mir das schon ein.&lt;br /&gt;
Auf der &quot;7 Wochen Ohne&quot;-Website heißt es dann ja auch:
&lt;blockquote&gt;Es ging den Fastenden allerdings mehr darum, einen persönlichen, spirituellen Mehrwert zu erreichen, als nur einige Wochen dem Konsum abzuschwören.&lt;/blockquote&gt;
Nun ja, selbst ein Morgenspaziergang kann, entsprechende Offenheit vorausgesetzt, eine sprituelle Erfahrung sein. Aber die Vorstellung eines &quot;spirituellen Mehrwertes&quot; durch zeitweilige Alkohol-Abstinenz oder Fernsehverzicht erscheint mir trotzdem ziemlich dünn zu sein. 
&lt;blockquote&gt;Hier geht es nicht so sehr darum, was man weglässt in den vierzig Tagen vor Ostern, es geht ums Ohne. Wenn wir Sie einladen, sieben Wochen auf etwas zu verzichten, dann nicht um besonders hart oder gar asketisch gegen sich selber vorzugehen.&lt;/blockquote&gt;
&lt;i&gt;Echtes&lt;/i&gt; Fasten geht nicht ohne eine gewisse &quot;Härte gegen sich selbst&quot;, wobei die Grenze zur Selbstquälerei nicht überschritten werden sollte, weshalb es denn auch kaum länger als ein paar Tage dauern sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst recht bizarr, wenn auch sicher gut gemeint, ist die diesjährige Fastenaktion. &lt;a href=&quot;http://www.7wochenohne.evangelisch.de/was-ist-7-wochen-ohne.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;sieben Wochen ohne Scheu&lt;/a&gt;. &lt;blockquote&gt;Die Fastenaktion »7 Wochen Ohne« im Jahr 2010 will Sie ermuntern zum Wagnis und zum Luxus leibhaftiger Nähe. Sie will Raum schaffen, Ihnen Worte und Bilder mit auf den Weg geben, für ein Streitgespräch, einen Krankenbesuch oder eine überfällige Liebeserklärung. Für alles, was nicht in eine SMS oder E-Mail passt. »Näher!«, lautet unser Lockruf, mit dem wir Sie einladen, Robinsonsche Einsamkeiten aufzugeben, Bündnisse auszuhandeln, Überraschungsbesuche zu machen, eingeschlafene Kontakte aufzuwecken und einander die Freundschaft zu erklären. Wagen Sie sich aus der Deckung und richtig nah dran, kosten Sie beides aus: die Gänsehaut des Genusses wie der Gefahr. Erkunden Sie die eigenen Grenzen wie auch die Ihrer Nächsten, ignorieren Sie sie nicht, aber prüfen Sie eine Verlegung: hin zu mehr Berührung, mehr Begegnung, mehr Zusammen.&lt;/blockquote&gt;
Ich hoffe sehr, dass es in meiner Umgebung möglichst wenig Teilnehmer an dieser Aktion gibt. Und das nicht etwa aus pathologischer Kontaktscheu, oder weil ich ein ausgesprochener Einzelgänger wäre. Aber manchmal bin ich ganz gern allein. Es gibt einige Sorten Sozialkontakt, die ich als aufdringlich empfinde - und eine, die auch meine &quot;Grenzen erkundet&quot;, gehört, fürchte ich, dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir doch einfach einmal &quot;7 Wochen ohne&quot; beim Wort, wenn es auf das &quot;Ohne&quot; ankommt, und nicht auf die Askese.&lt;br /&gt;
Wie wäre es mit freiwillig &quot;7 Wochen ohne Arbeit&quot; - womit ich keinen Urlaub meine? Unfreiwillig machen das mehr Menschen, als ihnen lieb ist, diese Erfahrung, und nach meine Arbeitslosigkeitserfahrungen überschreiten sieben Woche den Zeitraum, in dem das &quot;Zuhause sein&quot; noch als ein durchaus angenehmes &quot;frei haben&quot; erlebt wird. Wer sich in dieser Situation nichts zu Tun verschafft, geht dabei meiner Ansicht nach vor die Hunde. Wobei die offiziell propagierte Einstellung, doch einfach die Arbeitssuche zum &quot;Vollzeitjob&quot; zu machen, bei längerer Dauer, etwa von der 50. Absage an aufwärts, auch nicht wirklich psychisch hilfreich ist. &lt;br /&gt;
Vor der Aktion &quot;7 Wochen ohne Waschen&quot; würde ich eher abraten, hingegen können &quot;7 Wochen ohne Krawatte&quot; angenehm sein. Bei der derzeitigen Witterung nicht unbedingt empfehlenswert wäre &quot;7 Wochen ohne Socken&quot;. Im Sommer geht so eine Aktion ganz gut. Es kommt ja schließlich nur auf das &quot;Ohne&quot; an ...</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-16T19:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6095077/">
    <title>Gott spiegelt das Ich</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6095077/</link>
    <description>Es ist in der letzten Jahren Mode geworden, abstrakte metaphysische Phänomene wie Religiosität mit den Methoden der Neurobiologie zu untersuchen - vorzugsweise mit bildgebenden Verfahren wie &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Magnetresonanztomographie&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;MRT&lt;/a&gt; oder &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Positronen-Emissions-Tomographie&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;PET&lt;/a&gt;. &lt;i&gt;Schon aus dieser Formulierung ist ablesbar, dass ich diesem Ansatz gegenüber deutlich skeptisch bin und ihn für doch arg reduktionistisch halte.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Trotz meiner Skepsis gegenüber derartigen Untersuchungen erscheint mir eine dieser Untersuchungen &lt;i&gt;cum grano salis&lt;/i&gt; bemerkenswert. &lt;a href=&quot;http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1015719&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gläubige projizieren eigene Gedankenwelt auf Gott (wissenschaft-online.de)&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
Gläubige Menschen übertragen unbewusst ihre eigenen moralischen und ethischen Vorstellungen in den Wertecodex, den sie als von ihrem Gott gegeben betrachten. Diese spätestens seit &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Feuerbach&lt;/a&gt; im Raum stehende These wurde durch eine Studie von Nicholas Epley (University of Chicago) und seinen Kollegen erhärtet. &lt;br /&gt;
Die Wissenschaftler befragten ihre überwiegend christlichen Probanden zu Themen wie der Todesstrafe, Abtreibung oder gleichgeschlechtlichen Ehen. Anschließend mussten die Teilnehmer die vermutete Haltung ihres Gottes einschätzen und mit der bekannter Persönlichkeiten (wie George W. Bush, dessen Ansichten allgemein bekannt sein dürften - oder Bill Gates, bei dem man bei solchen Fragen auf Vermutungen angewiesen ist) oder des &quot;Durchschnittsamerikaners&quot; vergleichen. Die Probanden nahmen ihre eigene Meinung als gottesnah wahr. Ähnlich schnitt die Einstufung der Meinung von Personen ab, die ein hohes öffentliches Ansehen genießen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Gehirnscans (MRT) zeigten die Forscher, dass bei der Einschätzung der Meinung von im Mittel negativer bewerteten Durschnittsamerikanern andere Hirnareale aktiv werden, als bei der Bewertung der eigenen oder der göttlichen Meinung. Betroffen sind dabei vor allem der mittlere präfrontale Kortex, der Precuneus und die Schläfenlappen, wo unter anderem die Meinung Anderer bewertet wird. Die Aktivitätsmuster wichen besonders deutlich ab, wenn die Bewerteten von den Probanden als &quot;ungläubig&quot; eingestuft wurden.&lt;br /&gt;
Nach Ansicht der Forscher spielt das Selbst bei der Entstehung des Glaubens eine größere Rolle als bisher angenommen. &lt;i&gt;Ergänzung: als bisher von vielen Neurowissenschaftlern angenommen wurde.&lt;/i&gt; Gott wird, das folgern die Wissenschaftler aus ihre Untersuchung, also nicht wie eine andere Person &quot;verarbeitet&quot;, sondern ist eine Projektion der eigenen Einstellungen.  Die Intuition von &quot;Gottes Willen&quot; scheint das Echo der eigenen Ansichten zu sein. &lt;br /&gt;
Der Glaube an die &quot;göttliche Meinung&quot; könne als Verstärker dienen, um die eigene Gedankenwelt zu bestätigen und zu rechtfertigen. Anders ausgedrückt: Gläubige verstärken ihre persönlichen Meinungen mit dem ultimativen Autoritätsargument (Gott) in ihrem Ärmel - und tun dies offensichtlich unbewusst.&lt;br /&gt;
Wichtig erscheint mir die Feststellung, dass Epley betont, dass die Studie ausschließlich mit überwiegend christlichen Amerikanern durchgeführt wurde, und sie deshalb nicht automatisch auf alle &quot;Weltreligionen&quot; übertragbar sei. &lt;i&gt;Wobei es interessant ist, was das Chicagoer Team unter &quot;Weltreligionen&quot; versteht. Mich würde z. B. eine Vergleichsuntersuchung mit überzeugten Atheisten mehr interessieren, als etwa mit gläubigen Moslems.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Menschen benutzen egoistische Informationen, um auf Gottes Wille zu schließen, weil sie annehmen, dass die Meinungen religiöser Wesen wahr sind, und weil jeder Mensch denkt, dass seine Meinung richtig ist&quot;, heißt es in der Studie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich teile nicht die Ansicht, dass jeder Mensch denkt, dass seine Meinung richtig sei - jedenfalls nicht immer. Nach meiner subjektiven und durch keine Studien gedeckten Ansicht hegen die meisten Menschen zumindest gelegentlich Selbstzweifel. (Von Ideologen einschließlich religiöser Fundamentalisten, die Selbstzweifel verdrängen, weil sie Zweifel für Verrat halten, und Narzisten, denen die Fähigkeit zur Selbstkritik irgendwie abhanden gekommen ist, vielleicht einmal abgesehen.) Ich vermute, dass Atheisten stärkere und häufiger Selbstzweifel hegen, als stark religiöse Menschen - dass also neben allgemeiner Skepsis auch die Skepsis gegenüber dem eigenen Denken und Fühlen zu Atheismus oder wenigstens Agnostik führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für mich selbst kann ich sagen, dass ich kein Atheist bin (auch wenn das vielleicht das Vernünftigste wäre - nur ein metaphysisches Konstrukt, und das ist die &quot;Vernunft&quot;), sondern mich irgendwo zwischen Pantheismus, Panpsychismus und Polytheismus bewege. (In praktische Dingen eher Polytheismus.) Dabei erscheint es mir wichtig, dass ich durchaus einer  anderen Ansicht sein kann, als der eine oder andere Gott. Odin hat ja niemals behauptet, und auch niemand, der ihn kennt, würde von ihm behaupten, er sei jederzeit gerecht. Die Vorstellung, dass jemand zu Loki beten würde&quot;dein Wille geschehe&quot;, erscheint mir so absurd, dass ich schon beim Gedanken daran vor Lachen kaum halten kann. Meinungsverschiedenheiten unter Göttern sind in jedem mir bekannten Pantheon an der Tagesordnung.&lt;br /&gt;
Ich vermute daher - oder stelle die religionshistorische These auf - dass die Entwicklung des Monotheismus eng mit der Unterdrückung von Zweifeln und der Kanalisierung von Selbstzweifeln zu tun hat. Lese ich z. B. Augustinus &quot;Confessiones&quot;- dieser spätantike Philosoph gilt immerhin als &quot;Kirchenlehrer&quot;  - dann fällt mir auf, wie Augustinus mit Selbstzweifel (er hatte übrigens ziemlich viele) umgeht - was dazu führte, dass er sich geradezu verzweifelt an Gott klammerte, und, nachdem er aus dieser Umklammerung Gewissheit geschöpft hat, als typischer Ideologe nicht nur Zweifel, sondern auch und vor allem Zweifler bekämpfte. Der gute Mann muss ein unerträglicher Streithammel und Rechthaber gewesen sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleibt noch die Feststellung: jede Glaubensgewissheit ist rein subjektiv und allein für den Gläubigen relevant. Relevant ist allein, wie sich ein Mensch gegenüber seiner Umwelt und seinen Mitmenschen verhält. Es muss also niemand darüber besorgt sein, dass ich es mit dem altnordischen Pantheon (unter vielem anderen) habe, Neoschamanismus praktiziere oder ein pragmatisch-praktisches Verhältnis zu dem pflege, was mangels eines besseren Wortes &quot;Magie&quot; genannt wird. Anderseits hat niemand allein deshalb einen Symphathievorschuss, weil er oder sie ähnliche &quot;religiöse&quot; Auffassungen hat wie ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss die Hauptaussagen (ich würde eher sagen: Thesen) die der &lt;a href=&quot;http://feuerbringer.com/2009/12/15/warum-menschen-glauben/#more-2595&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Feuerbringer&lt;/a&gt; aus dem Schwerpunktartikeln der Januarausgabe der &quot;Bild der Wissenschaft&quot; destilliert:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Religiosität ist wahrscheinlich ein Nebenprodukt, keine Adaption. Es gibt also kein Gottes-Gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Religiosität hat nichts zu tun mit der höheren Kinderzahl von Anhängern bestimmter Religionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Es gibt kein Gott-Modul im Kopf, vielmehr ist Religiosität ein mögliches Resultat ganz normaler Hirnfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Religion hat mit Vernunft nichts zu tun, eher im Gegenteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Wahnsinn und starke Religiosität haben viel gemeinsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Die Religiosität einer Gesellschaft hängt stark mit hoher Einkommensungerechtigkeit zusammen. Wahrscheinlich verstärkt Religiosität die Ungerechtigkeit und diese verstärkt wiederum die Religiosität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Auf individueller Ebene führt eine höhere persönliche Unsicherheit und Autoritätsgläubigkeit zu mehr Glauben.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2010-01-17T08:27:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6115104/">
    <title>Göttliches Geflügel zum Jahresausklang</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6115104/</link>
    <description>Während der &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Rauhnacht&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Raunächte&lt;/a&gt; vermeide ich unnötigen Stress. Deshalb erspare ich mir auch (weitgehend) das Festtagsprogramm im Fernsehen - womit ich mir nicht nur zahllose langweilige Rückblicks- und Ausblickssendungen, Wiederholungen abgenudelter &quot;Festtagsklassiker&quot;, sentimental-schnulziger &quot;Volks&quot;- &quot;Musik&quot;- Sendungen, in denen unschuldige Weihnachtslieder vor laufender Kamera brutal misshandelt und vergewaltigt werden, und heuchlerische Weihnachts- und Neujahrsansprachen erspare, sondern auch seichte Silvester-Shows und die sich Jahr um Jahr gleichenden obligatorischen &lt;a href=&quot;http://www.coffeeandtv.de/2008/12/31/as-every-year-2&quot; 
target=&quot;_blank&quot;&gt;Jahreswechselthemen&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Harnasch vom &quot;Cicero&quot; hat sich, im Gegensatz zu mir, mutig dem &lt;strike&gt;medialen Festtagsmüll&lt;/strike&gt; Weihnachtsprogramm gestellt. (Ja, der Job als Fernsehkritiker ist manchmal nicht einfach.) Dabei stieß er auf eine &quot;Wissenschafts&quot;-&quot;journalistische&quot; Sendung im ZDF, die es - unglaublich, aber wahr - tatsächlich schafft, &quot;Gallileo-Mystery&quot; auf Pro 7 im Niveau zu unterbieten. &lt;a href=&quot;http://www.cicero.de/259.php?ress_id=34&amp;kol_id=11027&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gott weiß, ich will kein Engel sein&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass auch das ZDF auf der Esoterikwelle mitschwimmt, ist ebensowenig verwunderlich, wie dass es als (kirchennaher) Sender dabei die christlich-verbrämte &quot;Engel&quot;-Variante bevorzugt. Erstaunlich ist allenfalls, dass das im Rahmen einer &quot;Wissenschafts&quot;-Doku zu Engeln geschieht, die offensichtlich weitgehend auf &quot;trockene&quot; Wissenschaftlichkeit (Religionswissenschaft, Kulturgeschichte usw.) verzichtet und statt dessen einer geschäftstüchtigen Eso-Autorin, die mit ihren &quot;Engelkarten&quot; auch eine christentums-kompatible Tarot-Imitation schuf, als &quot;Expertin&quot; reichlich Raum zur Selbstdarstellung gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einmal an, ich würde als &quot;Experte&quot; in so einer Sendung auftauchen. Das ist so unrealistisch nicht - zum Beispiel erhielt ich im Sommer von der &quot;Gallileo&quot;-Redaktion eine Anfrage, ob ich als Experte für &lt;a href=&quot;http://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/fakir-mythen-galileo-video-11-september-2009-1.1229561/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;eine Sendung über Fakire&lt;/a&gt; zur Verfügung stünde. Ich lehnte mit dem Hinweis ab, dass ich zwar vor Jahren einmal einen Artikel über dieses Thema verfasst hätte, aber mein damals durch Literaturrecherche erworbenes Wissen nicht wesentlich über den Inhalt des Artikels hinausginge. Anders gesagt: Es wäre pure Hochstapelei, wenn ich mich als Experte für Fakire ausgeben würde. Meine einzige &quot;Expertise&quot; besteht darin, zu wissen, wo man was nachschlagen kann - also eine journalistische Grundfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ich bekanntlich böser Heide bin, und es nicht so mit den Engeln habe, hätte ich mich natürlich eher zum Thema &quot;&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Fylgja&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Fylgien&lt;/a&gt;&quot; geäußert. Ich fürchte aber, dass ich, wenn ich tatsächlich sinngemäß die selben Formulierungen wie Alexa Kriele gebraucht hätte, als Beispiel dafür herhalten würde, was für ein bekloppter Schwachsinn von neugermanischen Spinnern geglaubt würde. &lt;br /&gt;
(Abgesehen davon wäre meine Fylgia ganz  schön sauer auf mich gewesen &lt;img src=&quot;http://i46.photobucket.com/albums/f125/MMarheinecke/biggrin.gif&quot; border=&quot;0&quot; alt=&quot;breites Grinsen&quot; /&gt;.)</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-31T11:56:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://martinm.twoday.net/stories/6067931/">
    <title>&quot;Religiöse Rechte&quot; im toten Winkel</title>
    <link>http://martinm.twoday.net/stories/6067931/</link>
    <description>Im politischen Leben der USA gibt es schon lange den Begriff der &quot;Religious Right&quot; oder genauer &lt;a href=&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Christian_right&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Christian Right&lt;/a&gt;. Er beschreibt als Sammelbegriff Menschen, die aus religiöser Überzeugung (oder auch mit nachgeschobener religiösen Begründung) politisch sehr konservative bis reaktionäre Positionen vertreten.&lt;br /&gt;
Der Einfluss der konservativen evangelikalen Christen auf die politische Landschaft der USA verursacht bei allen ein flaues Gefühl, die selbst keine konservative evangelikale Christen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir im gesellschaftlich weitgehend säkularen Deutschland neigen gerne dazu, die &quot;Religiöse Rechten&quot; für ein Phänomen des &quot;Bibelgürtels&quot; der USA zu halten. Weit gefehlt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich haben die &quot;großen Kirchen&quot; in Deutschland eine politische und gesellschaftliche Machtstellung inne, die demokratisch nicht legitimiert ist. Ein Beispiel: In Deutschland müssen die Kirchen keine Spenden oder Mitgliedsbeiträge für sich sammeln, weil der Staat sie als Steuern für sie eintreibt. Deshalb sind sie auch nicht darauf angewiesen, so lautstark für sich Reklame zu machen, wie die Kirchen in der USA - dem ersten Land der Erde, in dem die Trennung von Staat und Kirche in die Verfassung aufgenommen wurde. Tatsächlich ist die Kirchensteuer nur die Spitze des Eisbergs im &quot;Kirchenstaat Deutschland&quot; &lt;a href=&quot;http://jungle-world.com/artikel/2009/48/39839.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Wer finanziert die Jesus GmbH? (jungle world)&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;
Es gibt keinen vernünftigen Grund für die weitreichenden Privilegien der Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Hochburg der deutschen &quot;Religiösen Rechte&quot; ist interessanterweise Hessen. Nicht, weil es in Hessen besonders viele besonders fromme konservative Christen gäbe. Auch nicht, weil die hessische CDU, ähnlich der bayrischen Schwesterpartei CSU das &quot;C&quot; im Parteinamen besonders herausstellen würde.&lt;br /&gt;
Nein, der Einfluss konservativer Christen funktioniert nach dem auch von anderen Gruppierungen bekannten Prinzip des Klüngeln, Filzens und Einblasens. Er funktioniert vor allem aufgrund schon lange &quot;eingeschliffener&quot; Strukturen. Er funktioniert übrigens über Konfessiongrenzen hinweg - was konservative Christen eint, ist ihre Abneigung gegen alle, die der Idee einer &quot;chrlstlichen Leitkultur&quot; oder einer &quot;christlichen Wertegemeinschaft&quot; nichts abgewinnen können.&lt;br /&gt;
Es war wohl alles andere als ein Zufall, dass gerade in Hessen 2007 die damalige Kultusministerin Karin Wolff auf die eines amerikanischen &quot;Christian Right&quot; aus dem tiefen Süden &quot;würdige&quot; absurde Idee kam, man möge im Biologie-Unterricht auch die biblische &quot;Schöpfungslehre&quot; behandeln. &lt;a href=&quot;http://hpd.de/node/2319&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kreationismus im Biologie-Unterricht (hpd)&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
Das wäre in etwa so, als sollte in Erdkunde oder Astronomie auch das geozentrische Weltbild behandelt werden, weil es nun einmal besser mit den Aussagen der Bibel übereinstimmt, als das nach der Kopernikanischen Wende in der glaubensfernen Naturwissenschaft üblich gewordene. Ich stelle mir vor, was geschähe, wenn ich als Politiker fordern würde, dass in Biologie unterrichtet werden möge, wie Odin, Hnir und Loðurr die ersten Menschen Askr und Embla aus am Strand angetriebenen Baumstämmen, einer Eibe und einer Ulme, schufen. Ich gehe jede Wette ein, dass ich nicht nur Minuten später alle Ämter los wäre und das Parteiausschlussverfahren eingeleitet würde, sondern unter Umständen müsste ich sogar mit einer Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik rechnen. Und das, obwohl ich &quot;nur&quot;, genau wie Frau Wolff, wissenschaftliche Theorien und Mythologie durcheinander geworfen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Struktur, die zwar nicht &quot;religiös rechts&quot; ist, aber sehr zum gedeihen religiös-konservativer Seilschaften beiträgt, ist die veröffentlichte Meinung. &lt;br /&gt;
Ich halte es auch nicht für einen Zufall, dass im hessischen Landtagswahlkampf im Januar 2009 der Linke-Kandidat Günter Biernoth in der Presse in die &quot;Spinner-Ecke&quot; gestellt wurde:&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1655951_Auch-ein-Hexenmagier-kandidiert.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Auch ein Hexenmagier kandidiert (FR)&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.bild.de/BILD/news/politik/2009/01/09/hessen-wahl/parteiaustritte-chaos-streit-bei-den-linken.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Üble Nachreden und Hexenkult: Linke in Hessen zerlegt sich (Bild.de)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,600247,00.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Austritte erschüttern Hessens Linke (SpOn)&lt;/a&gt; &lt;i&gt;unter: &quot;Kuriose Leute arbeiten für die Fraktion&quot;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/politik/489/454173/text/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Verraten und verkauft - Streit und Austritte bei der Linksparte (sueddeutsche.de)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.kath.net/detail.php?id=21785&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Heidnischer &apos;Priester&apos; will für &apos;Linke&apos; in den hessischen Landtag (kath.net)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Nachtrag: Besonders hämisch äußerte sich eine Anti-&quot;Linke&quot; &quot;Initiative&quot; im hessischen Wahlkampf:&lt;/i&gt; &lt;a href=&quot;http://www.wir-lassen-uns-nicht-linken.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=261&amp;Itemid=50&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;DIE LINKE - Mit &quot;schwarzer Magie&quot; in den Landtag?&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Biernoth ist  schon seit Jahrzehnten politisch engagiert, bei der SPD, den &quot;Grünen&quot; und schließlich bei der &quot;Linken&quot;, und war lange Zeit aktiver Gewerkschaftler. Er ist allerdings auch Wicca und betreibt einen kleinen Hexenladen - vom Sortiment her in etwa mit einem  Esoterik-Laden der soliden Sorte vergleichbar. Der Antwort der Parteichefin Ulrike Eifle ist eigentlich nichts hinzuzufügen: &quot;Wenn es nicht offen sexistisch, rassistisch oder neoliberal ist, dann ist es seine Privatsache.&quot; &lt;br /&gt;
Eigentlich, denn hier greift eine weitere Struktur, die sich vor allem in der Kohl-Ära herausgebildet hatte, und die sicher auch vom (schlechten) Vorbild der US-Wahlkämpfe beeinflusst wurde: Politik als &quot;Personality Show&quot;, in der das Privatleben der Politiker wichtiger ist als etwa ihre politischen Positionen, ihre Sachkenntnisse oder ihre Leistungen (und Fehlleistungen). Damit rückt etwa die Frage, ob jemand Katholik, Atheist oder Wicca ist, für die Medien in den Mittelpunkt des Interesses.  Das starke Medieninteresse an solche Fragen verstärkt wiederum die Tendenz, Kandidaten nach nicht-politischen, nicht-fachlichen Kriterien wie z. B. der &quot;richtigen Religionszugehörigkeit&quot; auszuwählen. &lt;i&gt;(Zur Abwechslung könnte man ja mal andere Dinge aus den USA übernehmen, z. B. eine Trennung zwischen Staat und Kirchen, die diesen Namen auch verdient. Oder eine Offenlegungspflicht der Einkommen der Abgeordneten, die diesen Namen verdient.) &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Zum Vergleich stelle man sich einmal vor, eine Zeitung hätte thematisiert, dass ein CDU-Kandidat und engagierter Christ eine christliche Buchhandlung oder einen Devotionalienhandel betreiben würde. Auch bei einem &quot;Grünen&quot;-Kandidaten mit &quot;New-Age&quot;-Esoterikladen hätte sich die Skandalsierung sicher in Grenzen gehalten. Die Kombination &quot;böse Linkspartei&quot; und &quot;komische Religion, vielleicht Satanist oder, weil Heide, Nazi-Mystiker&quot; war ein gefundenes Fressen.&lt;br /&gt;
Tendenzen zu einem religiös begründeten Konservativismus gibt es auch im benachbarten Thüringen, wo mit Dieter Althaus ein aktiver Förderer des Kreationismus Ministerpräsident war, und die derzeitige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht Mitglied in der evangelikalen missionarisch tätigen Organisation &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/ProChrist&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Pro Christ&lt;/a&gt; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich halte es daher auch nicht für einen Zufall, dass mit Kristina Köhler ein Mitglied der sehr konservativen &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/SelbstC3%A4ndige_Evangelisch-Lutherische_Kirche&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Selbständigen Evangelisch-Lutherische Kirche&lt;/a&gt; neue Bundesfamilienministerin wurde. Einerseits gilt Frau Köhler in Familienangelegenheiten als relativ liberal - jedenfalls im Vergleich zum in den Unionsparteien nach wie vor sehr stark präsenten konservativ-patriarchalischen Familienbild.&lt;br /&gt;
Anderseits ist ihre Position gegenüber dem Islam - nicht nur dem politisch radikalen Islamismus -  die ihr sogar den (hoffentlich unerwünschten) Beifall der Anti-Islamisten des Blogs &quot;Politically Incorrect&quot; eintrugen - ohne ihren ausgeprägt christlich-konservativen Standpunkt kaum zu verstehen. Ich vermute, dass der christlich-konservative &quot;Stallgeruch&quot; ein entscheidender Faktor bei ihrer steilen Karriere ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen interessanten Aspekt der deutschen Neigung, christlich-konservative Einflüsse einfach auszublenden, zeigt ein kleines Gedankenexperiment des &quot;Science Bloggers&quot; und Astronomen Florian Freistetter: &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/11/kommunistische-kinderbucher.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kommunistische Kinderbücher?&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
Während politische indoktrinierende Bücher für Vorschulkinder zurecht allgemein abgelehnt werden, sehen die meisten Menschen religiöse Bücher, wie etwa die beliebten Kinderbibeln, für Kindergartenkinder offensichtlich nicht als Problem. Genausowenig wie ein Fünfjähriger eine vernünftige und objektive Vorstellung vom Kommunismus erhalten kann, kann er religiöse Vorstellungen objektiv einschätzen.&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.humanism.org.uk&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://u1.ipernity.com/13/18/63/6691863.ef481856.jpg&quot; width=&quot;460&quot; height=&quot;276&quot; alt=&quot;Please don&apos;t label me&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Ein häufiger Einwand ist, dass die biblischen Geschichten von den Kindern lediglich als Geschichten, etwa wie Märchen, wahrgenommen würden. Es wäre schön, wenn das immer so wäre.&lt;br /&gt;
Ich bin der Ansicht, dass für Kinder mythologische Texte, und das sind viele Märchen nun einmal (&quot;gesunkene Mythen&quot; im Sinne Jakob Grimms), Fabeln und Parabeln wichtig sind - auch und gerade für die Vermittlung von Werten. Dennoch stelle ich Kinderbibeln und Märchenbücher nicht auf die gleiche Stufe. &lt;br /&gt;
Bei Märchen besteht nämlich ein gesellschaftlicher Konsens, dass es sich dabei nicht um wörtlich zu nehmende Beschreibungen historischer oder naturwissenschaftlicher Tatsachen handelt.&lt;br /&gt;
Ein Kind bekommt in unserer Gesellschaft zwangsläufig mit, dass Märchen eben &quot;nur&quot; Geschichten sind, die vielleicht &quot;irgendwo&quot; wichtige Dinge und Wahrheiten enthalten, aber dass es die böse Hexe aus Hänsel und Gretel oder den König Drosselbart &quot;in echt&quot; gar nicht gibt.&lt;br /&gt;
Bei der Bibel ist das anders. Dieser mythologische Text ist für viele Menschen weit über die Kreise der Fundamentalisten im engeren Sinne historische oder - siehe Kreationismus - sogar naturwissenschaftliche Realität. Wenn das Kind Pech hat, hört es erst sehr spät in seinem Leben von anderen Ansichten zum Realitätsgehalt der Bibel.&lt;br /&gt;
So gesehen ist ein Buch, das Kinder &quot;den christlichen Glauben vermitteln&quot; will, immer auch ein Mittel der Indoktrination.</description>
    <dc:creator>MMarheinecke</dc:creator>
    <dc:subject>Religion, Magie, Mythen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 MMarheinecke</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-29T09:07:00Z</dc:date>
  </item>


<textinput rdf:about="http://martinm.twoday.net/search">
   <title>find</title>
   <description>Search this site:</description>
   <name>q</name>
   <link>http://martinm.twoday.net/search</link>
</textinput>
<cc:License rdf:about="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/de/">
   <permits rdf:resource="http://web.resource.org/cc/Reproduction" />
   <permits rdf:resource="http://web.resource.org/cc/Distribution" />
   <requires rdf:resource="http://web.resource.org/cc/Notice" />
   <requires rdf:resource="http://web.resource.org/cc/Attribution" />
   <prohibits rdf:resource="http://web.resource.org/cc/CommercialUse" />
   <permits rdf:resource="http://web.resource.org/cc/DerivativeWorks" />
</cc:License>

</rdf:RDF>

