Schöner hätte ich das auch nicht formulieren können. Es war seinerzeit offenbar schick, bei jedem noch so geringen Anlass sofort in den Antifa-Beißreflex zu verfallen. Genauso, wie es heute andere Automatismen zu geben scheint (da ich sowohl PR-Fan als auch Gamer bin, bin ich Kummer gewohnt...). Vielleicht war bei der Ausstrahlung des Monitor-Beitrags ja gerade Wahlkampf? ;)
Aber das war m. E. nicht der Grund für diesen "Monitor"-Bericht. Da kamen m. E. konservatives Kulturverständnis und demokratische Besorgnis über ein Erstarken der Rechtsextremen zusammen: verständliche Besorgnis am falschen Objekt. Aber sicher auch ein Sich-Drücken vor unbequemen Wahrheiten: "Nazi sein" lernte man damals, keine 25 Jahre nach dem Krieg, vor allem bei Eltern und Großeltern, z. T. auch noch in der Schule (es gab noch so einige Nazi-Lehrer). 1969 war noch z. B. mit Kurt-Georg Kiesinger ein Ex-NSDAP-Mitglied Bundeskanzler, viele führende Persönlichkeiten in Justiz, Wirtschaft, Politik, Forschung und Lehre waren "NS-belastet". "Monitor" und andere TV-Magazine wie "Panorama" thematisierten das zwar auch, aber damit machte man sich damals nicht eben beliebt. Der "Rhodan"-Betrag passte besser zum Weltbild besorgter Eltern und Lehrer: "Die Jugend kommt auf braune Gedanken, weil sie faschistoiden Medien - diesen Schundheften - ausgesetzt ist." Mit dem Hinweis auf Lehrer und Eltern mit "braunen Flecken" auf der Weste hätte man sich hingegen unbeliebt gemacht.
Netter Artikel!
Eigentlich ist ja immer Wahlkampf