Jari (Gast) - 23. Mrz, 19:37

Ich verstehe nicht ganz...

...wie dein Schlusswort mit dem davor zusamenpasst. Ökofaschisten und Ökospießer würde ich jetzt zwar nicht polar gegenüberstellen, aber die hier skizzierten Positionen sind m.E. 1) die Politik muss die Sache in die Hand nehmen oder 2) wir müssen unseren Konsum ändern. Das klingt beides sehr vernünftig und widerspricht sich ja überhaupt nicht. Gefährlich sind nur Positionen die ideologisch-radikaler sind, also eine ökofaschistische Politik fordern oder richtige Ökospießer werden.

Sicher wird von vielen "Spinnern" umweltschutz "unpolitisch" vertreten, aber eine Depolitisierung der Alltagspraxis, klingt für mich schon stark nach dem Wunsch nach einem starken Papa Staat der alles wieder richtet (Ökodiktatur).

Die Politiker orientieren sich halt an Lobbies und die am Konsum - es scheint mir sinnleer einerseits zu konsumieren und andererseits von Politikern zu fordern diesen Konsum zu massiv regulieren...

Ich bin kein Ökospießer und sehe mich auch keinesfalls als "Umweltsünder", aber wenn die Menschen ihren Konsum nicht selbst regulieren, kann das auch der Staat nicht, denn wo Nachfrage ist, ist das Angebot nicht weit. Selbst in Fällen wo der Konsum verboten wurde, konnte er nicht verhindert werden (Prohibition, Prostitution, Kinderpornographie usw.).
Und das gilt ja nicht nur für "Öko", sondern - m.E. noch wichtiger - für FairTrade.

Ich denke selbstregulierter bewusster Konsum und politisches Handeln sind durchaus beide sinnvoll und wichtig.

Jari

MMarheinecke - 23. Mrz, 22:30

Bewusster Konsum ist schon richtig

Die in Gedens Aufsatz skizzierten Klientel zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Wirkung ihres umweltbewussten Konsums stark überschätzt (im Sinne: wir kaufen uns eine bessere Welt), die Möglichkeiten politischer Aktion hingegen unterschätzt. Das umweltbewusste Produkt dient dabei als "politisches Statement": "Seht alle her, wie toll umweltfreundlich ich bin" und der Alltag wird infolgedessen politisiert.
Dennoch kann bewussten Konsum in vielen Fällen sinnvoll sein - Beispiel: Fair gehandelter Kaffee oder Gemüse direkt vom Ökobauern. Damit verbessere ich zwar nicht die Welt, und ein gutes Gewissen kann ich mir damit auch nicht kaufen, aber es gibt einen direkten Nutzen z. B. für den vom Projekt profitierenden Kaffeebauern. Es ist auch sicher nicht verkehrt, ein Hybridauto zu fahren - man sollte sich aber davor hüten, sich deshalb für einen besseren Menschen zu halten. Genau das tut der "Ökospiesser" ditfurthscher Lesart - weshalb er sich selbstgerecht gegenüber "Umweltsündern" in der Nachbarschaft - oder gern auch mal in den USA oder China - zeigt, und meint, auf politische Aktivität verzichten zu können.

Der hauptsächliche Eingriff des Staates zielt nicht direkt auf die Endverbraucher. Beispiel: Glühlampenverbot. Dabei geht es nicht darum, den Verbrauchern vorzuschreiben, sie müssten gefälligst bis zum 1.1.2011 alle Glühbirnen gegen Energiesparlampen austauschen. So eine gängelnde Vorschrift wäre undemokratisch, im Sinne einer Ökodiktatur - und außerdem ineffizient. Nein, die Hersteller wurden aufgefordert, bis auf einige Spezialanwendungen die Herstellung von Glühlampen einzustellen.

"Ökospießer" und "Ökofaschist" sind keine polaren Gegenstücke, noch nicht einmal Gegensätze - ich könnte mir eine Ökodiktatur nicht ohne viele ökospießige Untertanen vorstellen.
Es sind zwei mögliche Fehlentwicklungen der Umweltbewegung.

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