Ich ärgere mich manchmal auch über die Arroganz von Biologen wie z. B. Kuschera, allerdings kann ich sie manchmal gut verstehen.
Der "Junge Welt"-Artikel ist stellenweise ärgerlich schlecht, bzw. ich habe manchmal den Eindruck, sein Autor hätte von Wissenschaft herzlich wenig Ahnung. Beispiel:
Wie das Neue in die Welt kommt, das, weil es keine Vorläufer hat, nicht abgeleitet werden kann, ist mit Darwin nicht zu erklären.
"Mit Darwin" ist schon mal falsch, nicht nur, da die darwinsche Evolutionstheorie eine Theorie und keine Doktrin ist. Aber lassen wir die Haarspalterei beiseite: Es kommt ständig "Neues", nie Dargewesenes, in die Welt - jeder Schneekristall ist anders. "Ganz Neues" kann tatsächlich aus reinem Zufall entstehen. Auch die menschliche Kreativität hat ja ein starkes Zufallselement. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, ob sich das zufällig entstandene Neue durchsetzt oder nicht. Irgendwann erwies sich ein Zufall, etwa ein kreisförmiges Muster auf einem Schmetterlingsflügel, als nützlich für das Überleben dieses Schmetterlings - weil ein Vogel diese Ringe für die Augen eines Raubtieres hielt und zurückschreckte. Folge: der Schmetterling wurde nicht gefressen, konnte sich vermehren - und wurde zum Urahnen der Schmetterlinge mit Augenzeichnung. Ohne Ziel, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Design.
Aber der Artikel kommt auf einen m. E. sehr wichtigen Punkt: den Reduktionismus bzw. das mechanistische Weltbild:
Es ist sicher kein Zufall, dass sich so viele Molekular- und Mikrobiologen unter den Anhängern der Intelligent-Design-Theorie befinden. Denn der Widerspruch zwischen den reduktionistischen Erklärungen, die etwa die politische oder sexuelle Orientierung von Menschen auf ein dafür zuständiges Gen zurückführen, und der tatsächlichen Komplexität der Lebenserscheinungen und -äußerungen wird in diesem Forschungsbereich besonders augenfällig.
Genau. Dieser Reduktionismus, diese monokausalen Erklärungsmodelle, sind das eigentliche Problem der Naturwissenschaft. Erkenntnistheoretisch sind sie Schnee von vorgestern, tiefstes 19. Jahrhundert - aber immer noch tief in den Köpfen vieler ansonsten intelligenter Menschen verankert. Weil Evolutionsbiologie nun mal ein Fach ist, in dem wenige Phänomene auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden können, ist sie wahrscheinlich auch in Deutschland weniger beliebt als Teilbereiche der Biologie, in denen reduktionistische Ansätze noch nicht passé sind, wie Neurobiologie oder Molekularbiologie. (Dafür, dass deutsche Studenten so reduktionistisch denken, dafür gibt es natürlich keine monokausale bzw. reduktionistische Erklärung. Hängt aber sicher sehr mit unserem Bildungssystem und dem "heimlichen Lehrplan" zusammen - unter anderem. Aber das führt jetzt zu weit.) In der Evolutionsbiologie ist der Reduktionismus schon lange "out", ebenso wie z. B. in der Quantenphysik (in den Sozialwissenschaften - ganz anderes Feld - sowieso). Wenn sich also Molekularbiologen am Reduktionismus "der Biologie" stoßen, dann stoßen sich sich meiner Ansicht nach an den selbst gezogenen Grenzen der Forschungsansätze ihres Fachbereichs.
Über das Phänomen der Gravitation wissen wir noch weitaus weniger, als über die Entwicklung des Lebens. Es käme aber kein Physiker auf die Idee, für die weithin unverstandene Schwerkraft eine Lehre des "intelligent falling" aufzustellen, die irgendwo einen "intelligenten Runterschubser" oder etwas Ähnliches vorsähe. Mir kommt ID ähnlich absurd vor.
Obwohl ich für panpsychische Modelle oder das Konzept einer "intelligenten Materie" durchaus offen bin. Und ich bin bekanntlich bekennender Polytheist und auch das, was man gemeinhin "Animist" nennt.
Nur - das ist Metaphysik, und die sollte man tunlichst aus der Naturwissenschaft ´raushalten.
Tatsächlich aufschlussreich, der Artikel
Der "Junge Welt"-Artikel ist stellenweise ärgerlich schlecht, bzw. ich habe manchmal den Eindruck, sein Autor hätte von Wissenschaft herzlich wenig Ahnung. Beispiel: "Mit Darwin" ist schon mal falsch, nicht nur, da die darwinsche Evolutionstheorie eine Theorie und keine Doktrin ist. Aber lassen wir die Haarspalterei beiseite: Es kommt ständig "Neues", nie Dargewesenes, in die Welt - jeder Schneekristall ist anders. "Ganz Neues" kann tatsächlich aus reinem Zufall entstehen. Auch die menschliche Kreativität hat ja ein starkes Zufallselement. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, ob sich das zufällig entstandene Neue durchsetzt oder nicht. Irgendwann erwies sich ein Zufall, etwa ein kreisförmiges Muster auf einem Schmetterlingsflügel, als nützlich für das Überleben dieses Schmetterlings - weil ein Vogel diese Ringe für die Augen eines Raubtieres hielt und zurückschreckte. Folge: der Schmetterling wurde nicht gefressen, konnte sich vermehren - und wurde zum Urahnen der Schmetterlinge mit Augenzeichnung. Ohne Ziel, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Design.
Aber der Artikel kommt auf einen m. E. sehr wichtigen Punkt: den Reduktionismus bzw. das mechanistische Weltbild: Genau. Dieser Reduktionismus, diese monokausalen Erklärungsmodelle, sind das eigentliche Problem der Naturwissenschaft. Erkenntnistheoretisch sind sie Schnee von vorgestern, tiefstes 19. Jahrhundert - aber immer noch tief in den Köpfen vieler ansonsten intelligenter Menschen verankert. Weil Evolutionsbiologie nun mal ein Fach ist, in dem wenige Phänomene auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden können, ist sie wahrscheinlich auch in Deutschland weniger beliebt als Teilbereiche der Biologie, in denen reduktionistische Ansätze noch nicht passé sind, wie Neurobiologie oder Molekularbiologie. (Dafür, dass deutsche Studenten so reduktionistisch denken, dafür gibt es natürlich keine monokausale bzw. reduktionistische Erklärung. Hängt aber sicher sehr mit unserem Bildungssystem und dem "heimlichen Lehrplan" zusammen - unter anderem. Aber das führt jetzt zu weit.) In der Evolutionsbiologie ist der Reduktionismus schon lange "out", ebenso wie z. B. in der Quantenphysik (in den Sozialwissenschaften - ganz anderes Feld - sowieso). Wenn sich also Molekularbiologen am Reduktionismus "der Biologie" stoßen, dann stoßen sich sich meiner Ansicht nach an den selbst gezogenen Grenzen der Forschungsansätze ihres Fachbereichs.
Über das Phänomen der Gravitation wissen wir noch weitaus weniger, als über die Entwicklung des Lebens. Es käme aber kein Physiker auf die Idee, für die weithin unverstandene Schwerkraft eine Lehre des "intelligent falling" aufzustellen, die irgendwo einen "intelligenten Runterschubser" oder etwas Ähnliches vorsähe. Mir kommt ID ähnlich absurd vor.
Obwohl ich für panpsychische Modelle oder das Konzept einer "intelligenten Materie" durchaus offen bin. Und ich bin bekanntlich bekennender Polytheist und auch das, was man gemeinhin "Animist" nennt.
Nur - das ist Metaphysik, und die sollte man tunlichst aus der Naturwissenschaft ´raushalten.