Krimi, SF und Fantay sind war nicht primär meine Interessen, aber was Du über Vermarktung von Literatur schreibst, gilt generell ohne Genrebeschränkung. Verlage sind immer weniger "risikofreudig", alles muss stromlinienförmig und gut konsumierbar sein. Elke Heidenreichs "Komplimente" für Bücher sind ja z. B. "süffig".
Etliche der "Klassiker der Moderne" würden heute gar keinen Marketingleiter mehr "überstehen"; selbst wenn sich ein Lektor fände - die Bücher würden aus kommerziellen Erwägungen nicht mehr verlegt. Die Verlage schmücken sich mit diesen Autoren heute (so lange es sie noch gibt); die "Nachfolger" sind mindestens anderthalb Klassen eingängiger und leichter.
Das grosse Problem ist auch die Literaturkritik, die sich immer mehr zum reinen PR-Instrument der Verlage geriert und ihre Kritikfähigkeit sukzessive aufgibt.
"Süffig" ist auch bei einem Wein nicht immer ein Kompliment
Aber schiefe Metaphern sind nicht das Hauptproblem der Literaturkritik. Das Hauptproblem sind meiner Ansicht nach die vielen Mietmäuler - was ja bis zu gefälschten "Kundenrezensionen" bei Online-Buchhändlern wie "Amazon" reicht.
Ich bin der Ansicht, dass in der Unterhaltungsliteratur - in der sog. Trivialliteratur - die Entwicklung hin zur stromlinienförmigen Glätte, zum Roman ohne Ecken, Kanten und Überraschungen weitaus deutlicher wird, als bei der "ernsthaften" bzw. "Hochliteratur". Auf diesem Gebiet leisten sich viele Verlage ab und an auch mal, aus Prestigegründen, einen widerbostigen Schreiber.
Trotzdem geht aber z. B. Gesellschaftskritik in Form von Unterhaltungsliteratur, wie Krimis oder Science Fiction, immer noch leichter "durch", als in Form "ernsthafter" Literatur - jedenfalls solange sich die Schmöcker gut verkaufen lassen.
Sie können sozusagen das Radar der heimlichen Zensur unterfliegen. Allerdings wird auch diese Nische zusehens enger.
"Süffig" ist längst ein Qualitätskriterium, was für das Buch sprechen soll; auch "spannend" oder "eingängig". Die "Glättung" in der Feuilleton-Literatur ist durchaus virulent; es gibt regelrechte Moden, die dann bedient werden. Anderes traut man sich dann nicht mehr (oder höchstens als Skandalon).
Die Literaturkritik in den Massenmedien Fernsehen und Radio ist fast nur noch affirmativ. Distanz Fehlanzeige. Da werden Interviews mit dem Schriftsteller geführt, der dann noch seine Deutung des Buches dem Interviewer noch mit auf den Weg gibt. Der wird dann zum Stichwortgeber degradiert. In zehn Jahren gibt es keine seriöse Literaturkritik mehr.
jedenfalls verstehe ich, was gemeint ist. Und für einen Krimi ist "spannend" tatsächlich und mit Recht ein positives Qualitätskriterium, wie "eingängig" für ein Sachbuch. Im Falle der ambitionierten Literatur ist das allerdings mager. Früher galt ja die Faustregel: "Gut gemacht und gern gelesen - das wäre nichts für uns gewesen!" (Sogar bei reiner Unterhaltungsliteratur ist "gut gemacht" entschieden zu wenig!)
Da ich ja mehr im Bereich der sog. Trivialliteratur "unterwegs" bin, sind affirmative und für den Leser wenig hilfreiche Buchbesprechungen seit Jahrzehnten gewohnt. Von einer seriösen Literaturkritik kann im breiten Marktsegment Unterhaltungsliteratur schon heute IMO keine Rede mehr sein. Ich weiche auf Amateurrezensionen, z. B. in Internet, aus, wenn ich wissen will, ob ein Buch lesenswert ist. (Über "Begleitschreiben" bin ich z. B. auf einige Bücher gestoßen, die ich nie gelesen hätte.)
> gefälschte "Kundenrezensionen" bei "Amazon"
...und Amazon ist auch noch selbst daran schuld. Damals, als Amazon anfing, gab es für eine Kundenrezension noch einen Gutschein von 5 DM. Da hab ich auch noch gerne rezensiert. Denn schließlich möchte ich für diese Arbeit etwas haben, weil Amazon schließlich davon profitiert. Anscheinend war das aber für A. auf Dauer zu teuer oder es kamen zu viele Negativkritiken dabei heraus - heute gibt keine Cent für eine Rezension. Die logische Folge muß sein: Verlage und Autoren bezahlen Texter für gefälschte Rezensionen. Denn wer verkaufen will, braucht Rezensionen... ebenso logisch: die Rezensionen verkommen von der Kritik zur Lobhudelei. Denn der Texter möchte, dass das nicht das letzte Engagement war.
Davon abgesehen glaube ich, dass Amazon insgesamt eine wichtige Rolle beim Untergang der Schreiberzunft und Verlagswirtschaft spielt. Von einer Buchautoren weiß ich, dass A. die Verlage und insbesondere die kleinen und Selbst-Verlage arg knechtet, so dass ein Verkauf über A. nur eine sehr dünne und armselige Marge bringt. Ein Grund, warum ich A. den Rücken gekehrt habe und nun bei Libri bestelle. Vgl.: http://www.lousigerblick.de/archives/157-Warum-ich-lieber-bei-Libri-als-bei-Amazon-bestelle.html
Diese geringe Marge plus das Sterben der Buchhandlung um die Ecke führen dazu, dass ein Buch immer weniger einbringt. Und leider heißt das Patentrezept der großen Verlage dagegen: Bücher billiger und risikoloser Produzieren.
Etliche der "Klassiker der Moderne" würden heute gar keinen Marketingleiter mehr "überstehen"; selbst wenn sich ein Lektor fände - die Bücher würden aus kommerziellen Erwägungen nicht mehr verlegt. Die Verlage schmücken sich mit diesen Autoren heute (so lange es sie noch gibt); die "Nachfolger" sind mindestens anderthalb Klassen eingängiger und leichter.
Das grosse Problem ist auch die Literaturkritik, die sich immer mehr zum reinen PR-Instrument der Verlage geriert und ihre Kritikfähigkeit sukzessive aufgibt.
"Süffig" ist auch bei einem Wein nicht immer ein Kompliment
Ich bin der Ansicht, dass in der Unterhaltungsliteratur - in der sog. Trivialliteratur - die Entwicklung hin zur stromlinienförmigen Glätte, zum Roman ohne Ecken, Kanten und Überraschungen weitaus deutlicher wird, als bei der "ernsthaften" bzw. "Hochliteratur". Auf diesem Gebiet leisten sich viele Verlage ab und an auch mal, aus Prestigegründen, einen widerbostigen Schreiber.
Trotzdem geht aber z. B. Gesellschaftskritik in Form von Unterhaltungsliteratur, wie Krimis oder Science Fiction, immer noch leichter "durch", als in Form "ernsthafter" Literatur - jedenfalls solange sich die Schmöcker gut verkaufen lassen.
Sie können sozusagen das Radar der heimlichen Zensur unterfliegen. Allerdings wird auch diese Nische zusehens enger.
Irrtum
Die Literaturkritik in den Massenmedien Fernsehen und Radio ist fast nur noch affirmativ. Distanz Fehlanzeige. Da werden Interviews mit dem Schriftsteller geführt, der dann noch seine Deutung des Buches dem Interviewer noch mit auf den Weg gibt. Der wird dann zum Stichwortgeber degradiert. In zehn Jahren gibt es keine seriöse Literaturkritik mehr.
"Spannend" und "eingängig" verstehe ich noch
Da ich ja mehr im Bereich der sog. Trivialliteratur "unterwegs" bin, sind affirmative und für den Leser wenig hilfreiche Buchbesprechungen seit Jahrzehnten gewohnt. Von einer seriösen Literaturkritik kann im breiten Marktsegment Unterhaltungsliteratur schon heute IMO keine Rede mehr sein. Ich weiche auf Amateurrezensionen, z. B. in Internet, aus, wenn ich wissen will, ob ein Buch lesenswert ist. (Über "Begleitschreiben" bin ich z. B. auf einige Bücher gestoßen, die ich nie gelesen hätte.)
Amazon
...und Amazon ist auch noch selbst daran schuld. Damals, als Amazon anfing, gab es für eine Kundenrezension noch einen Gutschein von 5 DM. Da hab ich auch noch gerne rezensiert. Denn schließlich möchte ich für diese Arbeit etwas haben, weil Amazon schließlich davon profitiert. Anscheinend war das aber für A. auf Dauer zu teuer oder es kamen zu viele Negativkritiken dabei heraus - heute gibt keine Cent für eine Rezension. Die logische Folge muß sein: Verlage und Autoren bezahlen Texter für gefälschte Rezensionen. Denn wer verkaufen will, braucht Rezensionen... ebenso logisch: die Rezensionen verkommen von der Kritik zur Lobhudelei. Denn der Texter möchte, dass das nicht das letzte Engagement war.
Davon abgesehen glaube ich, dass Amazon insgesamt eine wichtige Rolle beim Untergang der Schreiberzunft und Verlagswirtschaft spielt. Von einer Buchautoren weiß ich, dass A. die Verlage und insbesondere die kleinen und Selbst-Verlage arg knechtet, so dass ein Verkauf über A. nur eine sehr dünne und armselige Marge bringt. Ein Grund, warum ich A. den Rücken gekehrt habe und nun bei Libri bestelle. Vgl.: http://www.lousigerblick.de/archives/157-Warum-ich-lieber-bei-Libri-als-bei-Amazon-bestelle.html
Diese geringe Marge plus das Sterben der Buchhandlung um die Ecke führen dazu, dass ein Buch immer weniger einbringt. Und leider heißt das Patentrezept der großen Verlage dagegen: Bücher billiger und risikoloser Produzieren.