..das gibt es für meine Begriffe sehr wohl - ohne daß es mit völkischem Denken zu tun hat.
Wie erklär ich das nun. Also, es ist z.b. bei amerikanischen Natives der Fall, daß diese rassistisch diskriminiert werden. Sie werden quasi zu einer "Rasse" konstruiert und dann anders behandelt als beispielsweise Weisse, und eine Komponente dieser Andersbehandlung ist, daß man als Weisse/r ihre Kultur und Versatzstücke daraus nehmen darf, ohne daß man die dafür vorgesehene Legitimation haben muss, daß man die Definitionsmacht für Dinge wie "Schwitzhütte", "Friedenspfeife" etc. sich anmasst ohne daß man darauf achtgeben muss, was eigentlich die Natives so für Definitionen dafür haben.
Das hat mit völkischer Kultur oder "reserviert für ein Volk" gar nix zu tun, sondern beim kulturellen Diebstahl geht es imho um eine Form rassistischer Unterdrückung. Deshalb ist es für mich auch undenkbar, daß z.b. eine weiße hegemoniale Kultur "bestohlen" werden könnte - da die marginalsierten Kulturen die als "Diebe" in Frage kämen, die dazu erforderliche Definitionsmacht nicht haben.
Ich hoffe, das wurde jetzt klar was ich meine. Die Erzählung, daß Protest gegen kulturellen Diebstahl aufgrund völkischen Denkens da sei, ist imho problematisch: Damit legitimiert man einerseits als Weisse/r eigene rassistische Praxen, und schiebt die Verantwortung dafür obendrein noch den Betroffenen/Opfern zu.
Es gibt durchaus Kulturtransfer, d.h. Menschen, die respektvoll und legitimiert diese Praktiken lernen und für ihre eigenen Lebensumfelder und ihre Kultur anpassen. Das heisst aber nicht, daß alles Kulturtransfer wäre, und daß die rassistischen Machtverhältnisse, vor deren Hintergrund jeglicher Kulturtransfer zwangsläufig stattfindet, gar nicht mehr existieren würden.
Von den Stammesgesellschaften aus gesehen, hast Du recht
Allerdings argumentiere ich gegen einen Europäer, der im Großen und Ganzen eurozentrisch denkt - in dem Sinne das "wir" "unsere eigene", "abendländische" Kultur hätten, die "Indianer" eben auch. Und gefälligst jeder bei seine "angestammten" Kultur zu bleiben hätte.
Vor dem von Dir beschriebenen Hintergrund der "kulturellen Deutungshoheit" - dass "Weiße" sich anmaßen, zu definieren, was eine "echte" indianische Schwitzhütte oder "Friedenspfeifenzerimonie" (besser: Heilige Pfeife) sei - wird auch die berühmte Kriegserklärung gegen die Ausbeutung der Spiritualität der Lakota aus dem Jahr 1993 verständlich - wobei ich in diesem Fall den Lakota nicht den Vorwurf mache, "völkisch" zu denken, auch wenn es durchaus "völkisch" oder sogar rassistisch denkende "Indianer" gibt. Exkurs: Ich habe in einem amerikanischen Heidenforum sogar einen nach eigenen Angaben "reinrassigen" Lakota "getroffen", der eindeutig Neonazi - bekennender Hitler-Fan, Antisemit und Holocaust-Leugner - war. Es war schier unmöglich, ihm klar zu machen, dass auch er in der Terminologie der Nazi-Rassenquassler "Untermensch" wäre - vielleicht "über" den Juden und Schwarzen, aber weit "unter" nordischen Elitemenschen angesiedelt. Über das, was er für "Lakota-Spiritualität" hielt, konnte man nur den Kopf schütteln. Aber da er ja "reinrassig" war, durfte kein "Bleichgesicht" (ja, er schriebt tatsächlich "Paleface") seine offensichtlich aus tiefem Rassengedächtnis frei nach Guido List geschöpften Weisheiten in Frage stellen. Einzige Entschuldigung: der junge Mann hat den Rassismus der US-Gesellschaft kräftig am eigenen Leib gespürt. Und irgendwann mal mitbekommen, dass Heinrich Himmler Indianerfan gewesen sein soll - allerdings bezog Himmler sein Indianerbild direkt aus Karl May.
Im Zusammenhang von dem von mir angesprochenen Core-Schmanismus handelt es sich aus meiner Sicht tatsächlich um Kulturtransfer wär. Dass diese Transfer vor der Hintergrund der immer noch bestehenden rassistischen Machtverhältnisse problematisch sein kann, ist Menschen wie Harner oder Duerr voll bewusst.
Naja, ganz so optimistisch wie du sehe ich das nicht, daß Core-Schamanismus 100 pro keimfrei und weisswestig ist und Harner sich "voll bewusst" ist, was kulturelle Aneignung ist und die Problematik rassistischer Machtverhältnisse durchschaut.
Wenn ja, dann wär er ja wirklich ein Sonderfall bei uns Weissen.
Jetzt ma beiseite gegen wen du speziell argumentierst, (das kommt für mich eh nicht so raus, der Zusammenhang und was dem vorausging) - ich finde schon, man kann a la Coreschamanismus arbeiten. Man kann Kulturtransfer betreiben. Aber sicher nicht mit der Haltung, "Harner, Duerr, die sind sauber, Rassismus, jaja, ham wir durch, das Thema, Core-Schamanismus, das ist voll okay".
Das ist mir bischen zu sehr wegsehend/verdrängend. Persilscheinprinzip.
So etwa entsteht bei mir jetzt der Eindruck. Also, ich find dich wirklich cool und korrekt drauf, ich denke auch, du hast das nicht so gemeint wie das möglicherweise jetzt bei mir ankommt.
Stimmt, da habe ich er mir - eben weil ich Duerr, Harner usw. im Großen und Ganzen vertraue - zu leicht gemacht.
Den persönlichen Kontext habe ich aus meinen Blogbeitrag aus Rücksicht auf denjeningen, mit dem ich mich über "Schamanismus" gezofft habe, herausgelassen. Wobei es mir leichter fällt, etwa einer Jutta Ditfurth gegenüber fair zu sein, als jemandem, den ich persönlich kenne. (Gut, ich habe mich mal mit der Jutta persönlich unterhalten, aber "kennen" ist was anderes.)
Das Problem mit dem Begriff "Schamanismus" sehe ich unter anderem darin, dass sehr verschiedene Kulturen mit durchaus verschiedene spirituellen Praktiken aufgrund einiger gemeinsamer Merkmale das Etikett "schamanisch" aufgepappt wird. Diese - eurozentrische - Sicht verwischt die Unterschiede der einzelnen Kulturen, in denen "Schamanismus" praktiziert wird. In der "wir modernen Westler sind die Größten" Sicht - hebt das Etikett "Schamanismus" einseitig die magischen, spirituellen Aspekte einer fremden Kultur hervor, betont damit die Andersartigkeit. Den "Core-Schamanismus" von Harner usw. könnte man als "Gegenposition" beschreiben: Schamanismus als universelles Phänomen, wobei schamanische Techniken erlernbar sind.
Das birgt in der Tat die Gefahr, dass ein unkritischer Neoschamanismus genau so zu einen verzerrten Bild führt und den "echten" Schamanen unrecht tut, wie die "traditionell-westliche" Sichtweise - also (unbeabsichtigt) rassistisch / kulturalistisch ist.
...ja, das ist ein interessanter Punkt mit der einseitigen Betonung von "schamanisch"..
Also, was den Core-Schamanismus angeht: Ich sehe das auch als universelles Phänomen und erlernbar. Aber momentan ist das nicht weltweit universell vorhanden, sondern im "Western" also hier z.b., ist halt auch viel gar nicht mehr da oder weggebrochen, und was wir jetzt wissen, und die Techniken stammen nun mal von Kulturen, die freiwillig, oder leider meist ungefragt oder unfreiwillig Entwicklungshilfe leiste(te)n. Also, selbst die Kerntechniken, die musste man ja irgendwo wieder ausbuddeln gehen. Und der weiße Westler mit Doktortitel geht doch so ungern als Bittsteller zu irgendeinem Bauerntrampel im Urwald... Nein, lieber als Forscher, und das was dort an Infos und Erfahrung rausspringt ist dann alles (c) Forscher... ;-)
Ich glaub ich hab mal früher zuviel Ethnologie studiert. *gg*
Wirr-Licht - 4. Jan, 10:50
kultureller diebstahl...
ist, finde ich, nicht "heilige pfeife rauchen" .... das hab´ich als teenager (mit diesen übergroßen kräuterzigaretten) auch gemacht. kulturdiebstahl ists, wenn man sich adlerfedern anklebt, nur noch mokkassins trägt und sich für "was besseres" als eine umgebung hält. und den leuten traumfänger für 3,50€ verkauft. oder karl may (modern: noah gordon) , der halt in seinen büchern zusammengestoppelte pseudo-indianer-oder-sonstiges-ethnien-kentnisse marktgerecht verwurstet.
kultureller Diebstahl
Wie erklär ich das nun. Also, es ist z.b. bei amerikanischen Natives der Fall, daß diese rassistisch diskriminiert werden. Sie werden quasi zu einer "Rasse" konstruiert und dann anders behandelt als beispielsweise Weisse, und eine Komponente dieser Andersbehandlung ist, daß man als Weisse/r ihre Kultur und Versatzstücke daraus nehmen darf, ohne daß man die dafür vorgesehene Legitimation haben muss, daß man die Definitionsmacht für Dinge wie "Schwitzhütte", "Friedenspfeife" etc. sich anmasst ohne daß man darauf achtgeben muss, was eigentlich die Natives so für Definitionen dafür haben.
Das hat mit völkischer Kultur oder "reserviert für ein Volk" gar nix zu tun, sondern beim kulturellen Diebstahl geht es imho um eine Form rassistischer Unterdrückung. Deshalb ist es für mich auch undenkbar, daß z.b. eine weiße hegemoniale Kultur "bestohlen" werden könnte - da die marginalsierten Kulturen die als "Diebe" in Frage kämen, die dazu erforderliche Definitionsmacht nicht haben.
Ich hoffe, das wurde jetzt klar was ich meine. Die Erzählung, daß Protest gegen kulturellen Diebstahl aufgrund völkischen Denkens da sei, ist imho problematisch: Damit legitimiert man einerseits als Weisse/r eigene rassistische Praxen, und schiebt die Verantwortung dafür obendrein noch den Betroffenen/Opfern zu.
Es gibt durchaus Kulturtransfer, d.h. Menschen, die respektvoll und legitimiert diese Praktiken lernen und für ihre eigenen Lebensumfelder und ihre Kultur anpassen. Das heisst aber nicht, daß alles Kulturtransfer wäre, und daß die rassistischen Machtverhältnisse, vor deren Hintergrund jeglicher Kulturtransfer zwangsläufig stattfindet, gar nicht mehr existieren würden.
grütze
Distel
Von den Stammesgesellschaften aus gesehen, hast Du recht
Vor dem von Dir beschriebenen Hintergrund der "kulturellen Deutungshoheit" - dass "Weiße" sich anmaßen, zu definieren, was eine "echte" indianische Schwitzhütte oder "Friedenspfeifenzerimonie" (besser: Heilige Pfeife) sei - wird auch die berühmte Kriegserklärung gegen die Ausbeutung der Spiritualität der Lakota aus dem Jahr 1993 verständlich - wobei ich in diesem Fall den Lakota nicht den Vorwurf mache, "völkisch" zu denken, auch wenn es durchaus "völkisch" oder sogar rassistisch denkende "Indianer" gibt.
Exkurs: Ich habe in einem amerikanischen Heidenforum sogar einen nach eigenen Angaben "reinrassigen" Lakota "getroffen", der eindeutig Neonazi - bekennender Hitler-Fan, Antisemit und Holocaust-Leugner - war. Es war schier unmöglich, ihm klar zu machen, dass auch er in der Terminologie der Nazi-Rassenquassler "Untermensch" wäre - vielleicht "über" den Juden und Schwarzen, aber weit "unter" nordischen Elitemenschen angesiedelt. Über das, was er für "Lakota-Spiritualität" hielt, konnte man nur den Kopf schütteln. Aber da er ja "reinrassig" war, durfte kein "Bleichgesicht" (ja, er schriebt tatsächlich "Paleface") seine offensichtlich aus tiefem Rassengedächtnis frei nach Guido List geschöpften Weisheiten in Frage stellen. Einzige Entschuldigung: der junge Mann hat den Rassismus der US-Gesellschaft kräftig am eigenen Leib gespürt. Und irgendwann mal mitbekommen, dass Heinrich Himmler Indianerfan gewesen sein soll - allerdings bezog Himmler sein Indianerbild direkt aus Karl May.
Im Zusammenhang von dem von mir angesprochenen Core-Schmanismus handelt es sich aus meiner Sicht tatsächlich um Kulturtransfer wär. Dass diese Transfer vor der Hintergrund der immer noch bestehenden rassistischen Machtverhältnisse problematisch sein kann, ist Menschen wie Harner oder Duerr voll bewusst.
Wenn ja, dann wär er ja wirklich ein Sonderfall bei uns Weissen.
Jetzt ma beiseite gegen wen du speziell argumentierst, (das kommt für mich eh nicht so raus, der Zusammenhang und was dem vorausging) - ich finde schon, man kann a la Coreschamanismus arbeiten. Man kann Kulturtransfer betreiben. Aber sicher nicht mit der Haltung, "Harner, Duerr, die sind sauber, Rassismus, jaja, ham wir durch, das Thema, Core-Schamanismus, das ist voll okay".
Das ist mir bischen zu sehr wegsehend/verdrängend. Persilscheinprinzip.
So etwa entsteht bei mir jetzt der Eindruck. Also, ich find dich wirklich cool und korrekt drauf, ich denke auch, du hast das nicht so gemeint wie das möglicherweise jetzt bei mir ankommt.
Persilscheindenken
Den persönlichen Kontext habe ich aus meinen Blogbeitrag aus Rücksicht auf denjeningen, mit dem ich mich über "Schamanismus" gezofft habe, herausgelassen. Wobei es mir leichter fällt, etwa einer Jutta Ditfurth gegenüber fair zu sein, als jemandem, den ich persönlich kenne. (Gut, ich habe mich mal mit der Jutta persönlich unterhalten, aber "kennen" ist was anderes.)
Das Problem mit dem Begriff "Schamanismus" sehe ich unter anderem darin, dass sehr verschiedene Kulturen mit durchaus verschiedene spirituellen Praktiken aufgrund einiger gemeinsamer Merkmale das Etikett "schamanisch" aufgepappt wird. Diese - eurozentrische - Sicht verwischt die Unterschiede der einzelnen Kulturen, in denen "Schamanismus" praktiziert wird. In der "wir modernen Westler sind die Größten" Sicht - hebt das Etikett "Schamanismus" einseitig die magischen, spirituellen Aspekte einer fremden Kultur hervor, betont damit die Andersartigkeit. Den "Core-Schamanismus" von Harner usw. könnte man als "Gegenposition" beschreiben: Schamanismus als universelles Phänomen, wobei schamanische Techniken erlernbar sind.
Das birgt in der Tat die Gefahr, dass ein unkritischer Neoschamanismus genau so zu einen verzerrten Bild führt und den "echten" Schamanen unrecht tut, wie die "traditionell-westliche" Sichtweise - also (unbeabsichtigt) rassistisch / kulturalistisch ist.
ah ok..
Also, was den Core-Schamanismus angeht: Ich sehe das auch als universelles Phänomen und erlernbar. Aber momentan ist das nicht weltweit universell vorhanden, sondern im "Western" also hier z.b., ist halt auch viel gar nicht mehr da oder weggebrochen, und was wir jetzt wissen, und die Techniken stammen nun mal von Kulturen, die freiwillig, oder leider meist ungefragt oder unfreiwillig Entwicklungshilfe leiste(te)n. Also, selbst die Kerntechniken, die musste man ja irgendwo wieder ausbuddeln gehen. Und der weiße Westler mit Doktortitel geht doch so ungern als Bittsteller zu irgendeinem Bauerntrampel im Urwald... Nein, lieber als Forscher, und das was dort an Infos und Erfahrung rausspringt ist dann alles (c) Forscher... ;-)
Ich glaub ich hab mal früher zuviel Ethnologie studiert. *gg*
kultureller diebstahl...