Zunächst muss man prüfen, auch bei dem Artikel der NZZ, wie hoch die Beweisqualität ist. Handelte es sich um einen ernsthaften Plan? Gab es diesen wirklich? Oder war es nur ein Szenario?
Denn, das sollte man wissen, wenn man sich für Militärstrategie interessiert: Wenn es nur ein Szenario war, dann gab es das Gleiche auf auf NATO-Seite.
(derartige Sandkastenspiele gehören eben zum Militär - kann man nix machen)
Oder war es mehr? War es ein ernsthafter Plan, der kurz vor der Ausführung stand? Das schreibt die NZZ:
So wartet der tschechische Historiker Petr Lunak, dessen vielbeachtetes Buch über die tschechoslowakische Kriegsplanung von 1950 bis 1990 demnächst in einer englischen Übersetzung erscheinen wird, mit zahlreichen neuen Erkenntnissen auf.
Bereits die erste Google-Fundstelle besagt zu Petr Lunak:
Petr Lunak is outreach editor in NATO's Office of Information (...)
Unabhängige Forschung funktioniert anders.
Es gut möglich, sogar sehr gut, dass dieser Mann zur Rechtfertigung von NATO-Politik und NATO-Strategie forscht - sozusagen als Informationskrieger.
Dann schreibt die NZZ:
Hinzu kommt, dass die echten Kriegspläne vielfach dicht an den Übungsszenarien liegen, die dem Westen in Ostberlin in die Hände gefallen waren.
Wenn es nach den Übungsplänen von Militärs geht, ist "der Westen" dann ja wohl auch seiner imperialistischen Bestrebungen überführt. Oft gibt es bei diesen Übungen a) eine verteidigende und b) eine angreifende Seite.
Überführt! Zumal diese Seiten für Übungszwecke gerne mal ausgetauscht werden. Das also soll ein Beweis sein??
Die Gegenschlagfähigkeit der NATO ließ sich bereits in den 50er Jahren nicht ausschalten. Stichworte: Interkontinental-Raketen. B-52. Atomschlagfähigkeit von Frankreich und Großbritannien.
Es ist ja nicht so, dass ein atomar angegriffener Gegner damit seine Gegenschlagfähigkeit einbüßt. Wie denn? Insofern habe ich da doch ein paar Zweifel daran, wie ernsthaft diese angeblichen - und ausgerechnet von Petr Lunak rekonstruierten - Pläne waren.
Dann schreibt die NZZ:
Der präemptive Krieg war schon früh in der sowjetischen Strategie etabliert. Diese sah auch die Möglichkeit vor, ihn von Anfang an auf gegnerischem Territorium auszutragen.
Öhm, das war doch über viele Jahre auch NATO-Strategie und nannte sich dort "Vorwärtsverteidigung".
MartinM, ich breche meine erste Augenscheinnahme hier mal ab. Für mich ist ziemlich klar, dass der Artikel der NZZ folgendes ist:
Militär-Propaganda
Übrigens, Petr Lunak gehört nicht zu den in der Fachwelt anerkannten Militärhistorikern.
Und ganz ähnliche Propaganda-Machwerke gab es übrigens auch in der Sowjetunion....
Öhm. Es wird ja noch viel übler. Zum Autor heißt es:
"Michael Rühle leitet den Planungsstab in der politischen Abteilung der NATO in Brüssel. "
Es gab übrigens tatsächlich (und in der militärhistorischen Forschung allgemein anerkannt) eine Situation in der Weltgeschichte, wo die Welt kurz vor einem Atomkrieg stand.
Die Thematik ist allerdings durchaus angetan, insgesamt, um ein gewisses Unwohlsein zu empfinden - und nicht unbedingt Dankbarkeit gegenüber eskalativ eingestellten kalten Kriegern.
Scheißthema. Einem NATO-Historiker oder gar einem Leiter der Propaganda-Abteilung der NATO glaube ich da erst einmal NICHTS. Exakt genauso wenig, wie ich Putin unbesehen etwas glauben würde.
Die NATO verfolgt eigene Interessen - aber sicherlich nicht die historisch korrekte Information der Öffentlchkeit.
Laut NATO-"Informationen" (dieselbe politische Abteilung von Herrn Rühle!) wurde Georgien im August gänzlich unprovoziert von Russland überfallen.
Die entscheidenden Aussagen über die Pläne des Warschauer Paktes halte ich dennoch für glaubwürdig. Gerade weil sie den eigenen Plänen der NATO aus der Zeit des kalten Krieges ziemlich ähnlich sehen - abgesehen von einer Extraportion ideologischer Verhärtung und Paranoia, die aber sehr gut zu dem passt, was über die Regierung der UdSSR in der Breschnew-Ära bekannt ist.
Was von den westlichen Plänen zur "Verwärtsverteidigung" zu halten ist, wussten wir schon in den 80ern: Klar, die NATO will den Krieg möglichst auf dem Territorium des Gegners ausfechten - das ist noch heute ihr erklärtes Prinzip, wenn man die beschönigenden Phrasen weglässt, und ebenso klar, der Ersteinsatz von Atomwaffen war vorgesehen.
Der (für meinen Geschmack viel zu geringe) Unterschied zwischen den beiden Seiten des Kalten Krieges lag nicht in den Plänen für den Kriegsfall, sondern in der gesellschaftlichen Struktur. Wäre sie im Westen ähnlich starr und monolitisch gewesen wie in der UdSSR, wäre der Krieg sicherlich ausgebrochen. Es gab zwar auch auf NATO-Seite mehr Hardliner und Präemtivschlags-Anhänger, als für ein, nach eigenen Angaben, Verteidigungsbündnis gut wäre (für den Frieden sowieso), und auch hier gab es Politiker, die die Entspannung für einen Bluff hielten (einen der UdSSR), aber sie waren zum Glück nicht im Besitz der uneingeschränkten und unkontrollierten Macht.
Und nebenbei: es stimmt zwar nicht, dass Georgien völlig unprovoziert von Russland überfallen wurde - aber eine so extrem schnelle und harte Reaktion Russlands "aus dem Stand heraus", wie sie wirklich erfolgte, wäre ein militärisches Wunder.
Zunächst muss man prüfen, auch bei dem Artikel der NZZ, wie hoch die Beweisqualität ist. Handelte es sich um einen ernsthaften Plan? Gab es diesen wirklich? Oder war es nur ein Szenario?
Denn, das sollte man wissen, wenn man sich für Militärstrategie interessiert: Wenn es nur ein Szenario war, dann gab es das Gleiche auf auf NATO-Seite.
(derartige Sandkastenspiele gehören eben zum Militär - kann man nix machen)
Oder war es mehr? War es ein ernsthafter Plan, der kurz vor der Ausführung stand? Das schreibt die NZZ:Bereits die erste Google-Fundstelle besagt zu Petr Lunak:Unabhängige Forschung funktioniert anders.
Es gut möglich, sogar sehr gut, dass dieser Mann zur Rechtfertigung von NATO-Politik und NATO-Strategie forscht - sozusagen als Informationskrieger.
Dann schreibt die NZZ:Wenn es nach den Übungsplänen von Militärs geht, ist "der Westen" dann ja wohl auch seiner imperialistischen Bestrebungen überführt. Oft gibt es bei diesen Übungen a) eine verteidigende und b) eine angreifende Seite.
Überführt! Zumal diese Seiten für Übungszwecke gerne mal ausgetauscht werden. Das also soll ein Beweis sein??
Die Gegenschlagfähigkeit der NATO ließ sich bereits in den 50er Jahren nicht ausschalten. Stichworte: Interkontinental-Raketen. B-52. Atomschlagfähigkeit von Frankreich und Großbritannien.
Es ist ja nicht so, dass ein atomar angegriffener Gegner damit seine Gegenschlagfähigkeit einbüßt. Wie denn? Insofern habe ich da doch ein paar Zweifel daran, wie ernsthaft diese angeblichen - und ausgerechnet von Petr Lunak rekonstruierten - Pläne waren.
Dann schreibt die NZZ:Öhm, das war doch über viele Jahre auch NATO-Strategie und nannte sich dort "Vorwärtsverteidigung".
MartinM, ich breche meine erste Augenscheinnahme hier mal ab. Für mich ist ziemlich klar, dass der Artikel der NZZ folgendes ist:
Militär-Propaganda
Übrigens, Petr Lunak gehört nicht zu den in der Fachwelt anerkannten Militärhistorikern.
Und ganz ähnliche Propaganda-Machwerke gab es übrigens auch in der Sowjetunion....
Jaja. Die NZZ.
"Michael Rühle leitet den Planungsstab in der politischen Abteilung der NATO in Brüssel. "
Es gab übrigens tatsächlich (und in der militärhistorischen Forschung allgemein anerkannt) eine Situation in der Weltgeschichte, wo die Welt kurz vor einem Atomkrieg stand.
Die Thematik ist allerdings durchaus angetan, insgesamt, um ein gewisses Unwohlsein zu empfinden - und nicht unbedingt Dankbarkeit gegenüber eskalativ eingestellten kalten Kriegern.
Siehe: dieser Überblick.
Scheißthema. Einem NATO-Historiker oder gar einem Leiter der Propaganda-Abteilung der NATO glaube ich da erst einmal NICHTS. Exakt genauso wenig, wie ich Putin unbesehen etwas glauben würde.
Die NATO verfolgt eigene Interessen - aber sicherlich nicht die historisch korrekte Information der Öffentlchkeit.
Laut NATO-"Informationen" (dieselbe politische Abteilung von Herrn Rühle!) wurde Georgien im August gänzlich unprovoziert von Russland überfallen.
Deutlicher gesagt: Rühle lügt.
Möge er in der Hölle schmoren.
Militärpropaganda? Na und!
Was von den westlichen Plänen zur "Verwärtsverteidigung" zu halten ist, wussten wir schon in den 80ern: Klar, die NATO will den Krieg möglichst auf dem Territorium des Gegners ausfechten - das ist noch heute ihr erklärtes Prinzip, wenn man die beschönigenden Phrasen weglässt, und ebenso klar, der Ersteinsatz von Atomwaffen war vorgesehen.
Der (für meinen Geschmack viel zu geringe) Unterschied zwischen den beiden Seiten des Kalten Krieges lag nicht in den Plänen für den Kriegsfall, sondern in der gesellschaftlichen Struktur. Wäre sie im Westen ähnlich starr und monolitisch gewesen wie in der UdSSR, wäre der Krieg sicherlich ausgebrochen. Es gab zwar auch auf NATO-Seite mehr Hardliner und Präemtivschlags-Anhänger, als für ein, nach eigenen Angaben, Verteidigungsbündnis gut wäre (für den Frieden sowieso), und auch hier gab es Politiker, die die Entspannung für einen Bluff hielten (einen der UdSSR), aber sie waren zum Glück nicht im Besitz der uneingeschränkten und unkontrollierten Macht.
Und nebenbei: es stimmt zwar nicht, dass Georgien völlig unprovoziert von Russland überfallen wurde - aber eine so extrem schnelle und harte Reaktion Russlands "aus dem Stand heraus", wie sie wirklich erfolgte, wäre ein militärisches Wunder.