Das war mir doch zu heiß ...

Im nüchternen Nachrichten-Deutsch heißt es:
Am Rande der Demonstration gegen einen Aufmarsch von rund 1.000 Neonazis in Hamburg ist es (...) zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei sprach von einer "zeitweise recht unübersichtlichen Lage". Ein Streifenwagen und sechs andere Autos standen in Flammen. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Linken und Rechten sowie linken Demonstranten und der Polizei.
NDR Online: Ausschreitungen bei Protest gegen rechten Aufmarsch

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, was man vielleicht daran ersehen kann, dass heute Nachmittag sämtliche S-Bahn-, U-Bahn- und Buslinien um Barmbek herum unterbrochen waren. Schon am Vormittag brannte ein Reifenlager auf dem Gelände einer Tankstelle an der Habichtstraße. Feuer auf der Bahnstrecke brachten den Verkehr der S-Bahn-Linie zwischen Hauptbahnhof und Ohlsdorf zum Erliegen. Die Polizei war offensichtlich unterbesetzt und überfordert: sie hatte zu wenig Kräfte, um Barmbek in der Fläche zu kontrollieren, es gab viele Kleinbrände in Seitenstraßen. Es wird auch von Übergriffen seitens der Polizei gegen offensichtlich friedliche Demonstranten berichtet; ich vermute, die Polizei griff einfach da zu, wo sie noch Zugriff hatte.

Ich muss gestehen, dass ich mich kurz nach zwei auf "Schleichwegen" (ich kenne die Gegend recht gut) verkrümelt habe. Mag sein, dass das feige war, aber die Sache wurde mir zu unübersichtlich und buchstäblich zu heiß - brennende Barrikaden kannte ich der Form nur aus dem Fernsehen. Und schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste ...

Ein paar (ungefilterte und sicherlich nicht immer "wasserdichte") Eindrücke von der Situation in Hamburg-Barmbek: de.indymedia.org: 1 mai 08 hamburg - aktuell

Und das Allerletzte: Hamburgs Noch-Innensenator Udo Nagel (parteilos) gab dem Oberverwaltungsgericht eine Mitschuld an den Ausschreitungen. Es hatte einige Demonstrationsauflagen gelockert und die Fuhlsbütteler Straße für die Gegendemonstration freigegeben. M. E. hätten strengere Auflagen und eine andere Route an den Auseinandersetzungen nichts, aber gar nichts geändert, wer brennende Barrikaden errichtet, der hustet auf Auflagen und Ordnungsdienst!
Abgesehen davon wären Anwohnerinnen und Anwohner nach der von der vom Innensenator vorgeschlagenen Route des Neonaziaufmarsches regelrecht "umschlungen" worden. Eine Taktik, die den Verdacht nahe legt, als würden die Gegendemonstranten als die eigentliche Unruhestifter gelten. (Wobei ich die gewalttätigen Krawallniks und Randalekids auf "Antifa"-Seite keine Sekunde in Schutz nehmen will. Randalierende Nazis und jede Menge friedlicher Gegendemonstranten - das wäre deutlich gewesen! *Sarkasmus* Aber eine richtige Straßenschlacht macht sich auch toll in den Nachrichten. Danke, Jungs, habt Ihr prima hingekriegt!*/Sarkasmus*)

Und noch was zum bitteren Lachen: "Polizeisprecher Ralf Meyer sagte, auf beiden Seiten seien Demonstranten schon lange nicht mehr so aggressiv vorgegangen. Es sei aber gelungen, Rechte und Linke weitgehend auseinanderzuhalten, so Meyer."
Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken, Herr Meyer, das war eine ausgewachsene Straßenschlacht, Polizei und Feuerwehr waren total überfordert.

Guter Bericht auf dem NPD-Watchblog: Überforderte Polizei bei Nazi-Aufmarsch in Hamburg. Interessant übrigens, dass so was nicht im Radio (NDR!) kommt:
“Autonome Nationalisten” attackierten zudem ein NDR-Kamerateam, traten eine Journalistin und einen Kameramann mehrmals, zudem griffen sie andere Reporter an und schlugen offenbar einen Fotografen zusammen. Die Polizei griff nicht ein.
Immerhin, NDR online berichtet über den Übergriff auf das NDR-Team aber ohne zu erwähnen, dass die Polizei passiv blieb!

Nachtrag: aufschlussreich, was der "Störungsmelder" schreibt (auch die Kommentare beachten!): Chaos in Hamburg - Autonome Nationalisten verprügeln Polizisten und Journalisten.

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