...existiert der zuletzt erwähnte alptraum doch schon - das buch ist wirklich beklemmend.
ansonsten schöner beitrag, zu dem mir noch die gleiche frage einfallen würde wie twister in ihrem tp-artikel: haben vielleicht diverse autoren in einzelfällen ungewollte (oder teils auch gewollte) vorlagen für spätere reale projekte gegeben? abwegig ist das überhaupt nicht, gerade das folgende beispiel, welches hier vielleicht schon bekannt sein dürfte, macht das deutlich:
(...)"Im Zuge meiner Recherchen für die Ausstellung "Sci Fi Stories" stieß ich auf weitere Beispiele für die wechselseitige Beeinflussung und Durchdringung von Realität und Science Fiction. Etwa auf den aus Wien gebürtigen US-Militärstrategen Stefan T. Possony (1913-1995), der für Ronald Reagan das Konzept einer weltraumgestützten Raketenabwehr ("SDI" oder auch "Star Wars") entwickelte - und zwar in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Science Fiction-Autor Jerry Pournelle."(...)
bei der vielzahl an dystopischen entwürfen in der sci fi jedenfalls ist das potenzial noch lange nicht ausgeschöpft...
"Vaterland" von Harris stellt eher eine "harmlose" Variante dar
Denn erst einmal scheiterte der "Generalplan Ost" in dieser Dystopie am Widerstand der UdSSR - es gibt zur Zeit der Handlung (1964) noch einen zähen, von den USA unterstützten, Partisanenkrieg im heutigen Russland. Ausserdem unterstellt Harris eine in den 50er Jahren einsetzende innere Liberalisierung des "Großdeutschen Reiches" - was schon aus ökonomischen Gründen nicht unplausibel ist, aber nicht den Idealvorstellungen der Nazis entspricht. Harris spielte auch mit der Idee, dass bestimmte "fixe Ideen" der deutschen Politik (jedenfalls sind es aus der Sicht eines britischen Patrioten fixe Ideen), wie die der "europäischen Integration" (unter deutscher Hegemonie) auch in einem Nazi-Europa wirksam gewesen wären - nur, wegen der militärischen Vorherrschaft, erheblich schneller. Margaret Thatcher fürchtete z. B., dass die EU nach der deutschen Vereinigung unweigerlich unter die Hegemonie Deutschlands geraten würde, womit dann die Deutschland den II. Weltkrieg nachträglich gewonnen hätte. Das aus meiner Sicht zentrale und beklemmende Hauptthema von "Vaterland" ist die leider realistische Vorstellung, dass die "Endlösung der Judenfrage in Europa" (Judenvernichtung) erfolgreich hätte vertuscht bzw. bagatellisiert hätte werden können. (Wie es China mit den Millionen Toten des "großen Sprungs" und der "Kulturrevolution" gelang, oder der UdSSR mit den Toten ihres Gulags.)
Es hieße wohl, den Einfluss der Science Fiction überschätzen, wenn man einen direkten und gewollten Einfluss auf die Politik unterstellen würde - davon abgesehen, dass ich mir z. B. nicht vorstellen kann, dass ein Wolfgang Schäuble einen "Cyberpunk"-Roman liest und anschließend meint, die tollen Überwachungs-Gadgets und -Gimmicks müssen unbedingt eingeführt werden - die dystopische bzw. gesellschaftskritische Botschaft dieser Romane wirkt dem entgegen. Jerry Pournelle hat nicht am SDI-Programm mitgewirkt und auch nicht an Reagans berühmter "Star Wars"-Rede mitgeschrieben. Diese Gerüchte wurden von Norman Spinnrad, einem eher "linken" SF-Autor, in die Welt gesetzt, der seinem "rechten" Kollegen Pournelle so ziemlich alles (aus seiner Sicht) Schlechte zutraute.
Possony und Pournelle kannten sich meines Wissens, ob Pournelle irgend einen Einfluss auf dessen Konzepte hatte ist reine Spekulation.
Allenfalls gab es einen allgemeinen kulturellen Einfluss der SF auf SDI: "Warum sollten wir nicht anfliegende Raketen mit Strahlenkanonen abschießen, im SciFi-Film geht sowas doch auch?"
literarisch...
ansonsten schöner beitrag, zu dem mir noch die gleiche frage einfallen würde wie twister in ihrem tp-artikel: haben vielleicht diverse autoren in einzelfällen ungewollte (oder teils auch gewollte) vorlagen für spätere reale projekte gegeben? abwegig ist das überhaupt nicht, gerade das folgende beispiel, welches hier vielleicht schon bekannt sein dürfte, macht das deutlich:
(...)"Im Zuge meiner Recherchen für die Ausstellung "Sci Fi Stories" stieß ich auf weitere Beispiele für die wechselseitige Beeinflussung und Durchdringung von Realität und Science Fiction. Etwa auf den aus Wien gebürtigen US-Militärstrategen Stefan T. Possony (1913-1995), der für Ronald Reagan das Konzept einer weltraumgestützten Raketenabwehr ("SDI" oder auch "Star Wars") entwickelte - und zwar in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Science Fiction-Autor Jerry Pournelle."(...)
bei der vielzahl an dystopischen entwürfen in der sci fi jedenfalls ist das potenzial noch lange nicht ausgeschöpft...
"Vaterland" von Harris stellt eher eine "harmlose" Variante dar
Es hieße wohl, den Einfluss der Science Fiction überschätzen, wenn man einen direkten und gewollten Einfluss auf die Politik unterstellen würde - davon abgesehen, dass ich mir z. B. nicht vorstellen kann, dass ein Wolfgang Schäuble einen "Cyberpunk"-Roman liest und anschließend meint, die tollen Überwachungs-Gadgets und -Gimmicks müssen unbedingt eingeführt werden - die dystopische bzw. gesellschaftskritische Botschaft dieser Romane wirkt dem entgegen. Jerry Pournelle hat nicht am SDI-Programm mitgewirkt und auch nicht an Reagans berühmter "Star Wars"-Rede mitgeschrieben. Diese Gerüchte wurden von Norman Spinnrad, einem eher "linken" SF-Autor, in die Welt gesetzt, der seinem "rechten" Kollegen Pournelle so ziemlich alles (aus seiner Sicht) Schlechte zutraute.
Possony und Pournelle kannten sich meines Wissens, ob Pournelle irgend einen Einfluss auf dessen Konzepte hatte ist reine Spekulation.
Allenfalls gab es einen allgemeinen kulturellen Einfluss der SF auf SDI: "Warum sollten wir nicht anfliegende Raketen mit Strahlenkanonen abschießen, im SciFi-Film geht sowas doch auch?"