Die Behauptung, dass die Darstellung, eine kleine Gruppe von gierigen und skrupellosen Bankiers wäre wegen ihrer Verwendung durch Antisemiten deswegen per se ebenso strukturell antisemitisch, halte ich aus logischer Betrachtung für gewagt.
Wenn ein direkter oder indirekter funktionaler Zusammenhang hergestellt wird zwischen dem (unveräußerlichen/nicht beeinflussbaren) Sein als jüdischer Mensch und gewissen (negativen) Eigenschaften/Charakterzügen, so dass eine Bewertung entsteht, spricht man von Antisemitismus.
Wenn man (bzw. wir hier) versuchen wollte(n), alle geistigen Konstruktionen, die Antisemiten verwenden per se abzulehnen, wird man scheitern. Das Perfide an rassistischen "Herleitungen" jeweils zu erkennen und zu verstehen, ist m.E. besser machbar, als Sie es hier tun.
Ihre Suche im Film, ob denn jüdische Menschen genannt werden als Beispiele für die bösen Bankiers zeigt doch deutlich, wie präsent Ihnen diese antisemitische Konstruktion ist. Sie beschäftigen sich ja auch damit. Zu unterstellen, der Film spiele mit Antisemitismen, weil Rothschild genannt wird, ist schlicht nicht belegbar.
Die Behauptung, dass ein Teil des Geldmarktes, der nicht den Bevölkerungsanteil widerspiegelte, durch jüdische Menschen dominiert wurde, war rein rechnerisch richtig und leicht belegbar. Die Bosheit bestand darin, dass verschwiegen wurde, welche (historischen) Ursachen dazu geführt haben. Und, dass es eben kaum an den individuellen Intentionen jüdischer Menschen läge, dass sie im Geldgeschäft/Bankwesen überrepräsentiert sind. Das wurde verschwiegen, um die Pauschalverdächtigung/Schuldzuweisung zu ermöglichen.
Sie selbst wiederum verwenden antisemitische Sprachfloskeln:
Mauscheln bzw. Mauschelei ist laut Wikipedia:
"Der Name Mauscheln stammt vermutlich aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie (heimliches) Sprechen. Nach Meyers Konversationslexikon von 1885 bis 1892 leitet sich das Wort Mauschel vom hebräischen Moscheh (Moses) ab und ist ein Spottname für Jude; mauscheln heiße – so Meyer – so viel wie jüdeln, schachern."
Also bitte ich Sie dringend, ihre eigenen Positionen zum Thema Antisemitismus zu hinterfragen!
PS: Stellen Sie sich außerdem eine sehr wichtige weitere Frage: "Was hätten die Leute, die das Zeitgeistmovie produziert haben davon, wenn tatsächlich antisemitisches Gedankengut bzw. Deutungsmuster transportiert werden? - wäre das nicht in deren Sinne kontrproduktiv?"
Ob das Wort "mauscheln" antisemitisch konnotiert ist, hängt von der Verwendung ab. Auch "Pleite", "malochen", "Reibach" "Tacheles" oder "Schlamassel" kommen aus dem Jiddischen - ohne dass die Verwendung dieser Begriffe normalerweise antisemitisch gemeint wäre. Die volksentymologische Herleitung des alten Meyer halte ich nebenbei für falsch, da der Begriff auch unter osteuropäischen Juden gebräuchlich war. (An anderer Stelle habe ich "Verschwörungstheoretiker" als "meschugge" - auch ein Begriff aus dem jiddischen - bezeichnet - bestimmt nicht, weil ich sie für Juden oder jüdisch beeinflusst halten würde!)
Zu der von Ihnen gestellten Frage: Offener Antisemitismus wäre in der Tat für das mutmaßliche Ziel der Produzenten des Zeitgeistmovie kontraproduktiv -egal, ob es nun im Sinne eines "Mindfuck" aufklärerisch oder doch auf das Propagieren einer alles erklärende politischen "Weltverschwörungstheorie" gerichtet ist. Daher ist es auch nicht überraschend, dass weder "die Juden" noch etwa "die Illuminaten" ausdrücklich beim Wort genannt werden.
Für "strukturell antisemitisch" halte ich eine bestimmte Form von dem, was Marx "verkürzte Kapitalismuskritik" genannt hatte: die Gegenüberstellung eines "guten", "schaffenden" Kapitals in der produzierenden Industrie gegen ein "böses", "raffendes" Kapital im Geldhandel und Kreditwesen - was ja realwirtschaftlich nicht zu trennen ist. Auch ein Weltbild, in dem die Regierungen und die Wirtschaft, salopp gesagt, an den Fäden der Bilderberger hängen, stellt eine Form der verkürzten Kapitalismuskritik dar, die bei den Linken (mit der möglichen Ausnahme einiger Krawallstalinisten) streng verpönt ist - hingegen z. B. in Aussagen der NPD beinahe allgegenwärtig ist. Wie schon Bebel sagte, ist der Antisemitismus der Sozialismus der dummen Kerle.
Die poltische Lebenserfahrung zeigt mir, dass jemand, der lauthals verkürzte Kapitalismuskritik kund tut, in aller Regel politisch "extrem rechts" steht. (In Anführung, denn tatsächlich ist Nazi-Ideologie ja eher ein "Radikalismus der Mitte".)
Vielleicht ist meine Formulierung, es sei struktureller Antisemitismus, missverständlich - vielleicht wäre bezogen auf den Film die Formulierung: "strukturell rechtsextrem" besser gewesen.
(Allerdings funktioniert der europäische und der nordamerikanische Rechtsextremismus, von den Neonazis bis zur "Neuen Rechten", nicht ohne antisemitische Feindbilder.) Auch das starke Misstrauen gegen internationale Organisationen und den Abbau nationalstaatlicher Strukturen findet man weitaus eher "rechtsaußen" als "links".
Antisemitismus
Wenn ein direkter oder indirekter funktionaler Zusammenhang hergestellt wird zwischen dem (unveräußerlichen/nicht beeinflussbaren) Sein als jüdischer Mensch und gewissen (negativen) Eigenschaften/Charakterzügen, so dass eine Bewertung entsteht, spricht man von Antisemitismus.
Wenn man (bzw. wir hier) versuchen wollte(n), alle geistigen Konstruktionen, die Antisemiten verwenden per se abzulehnen, wird man scheitern. Das Perfide an rassistischen "Herleitungen" jeweils zu erkennen und zu verstehen, ist m.E. besser machbar, als Sie es hier tun.
Ihre Suche im Film, ob denn jüdische Menschen genannt werden als Beispiele für die bösen Bankiers zeigt doch deutlich, wie präsent Ihnen diese antisemitische Konstruktion ist. Sie beschäftigen sich ja auch damit. Zu unterstellen, der Film spiele mit Antisemitismen, weil Rothschild genannt wird, ist schlicht nicht belegbar.
Die Behauptung, dass ein Teil des Geldmarktes, der nicht den Bevölkerungsanteil widerspiegelte, durch jüdische Menschen dominiert wurde, war rein rechnerisch richtig und leicht belegbar. Die Bosheit bestand darin, dass verschwiegen wurde, welche (historischen) Ursachen dazu geführt haben. Und, dass es eben kaum an den individuellen Intentionen jüdischer Menschen läge, dass sie im Geldgeschäft/Bankwesen überrepräsentiert sind. Das wurde verschwiegen, um die Pauschalverdächtigung/Schuldzuweisung zu ermöglichen.
Sie selbst wiederum verwenden antisemitische Sprachfloskeln:
Mauscheln bzw. Mauschelei ist laut Wikipedia:
"Der Name Mauscheln stammt vermutlich aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie (heimliches) Sprechen. Nach Meyers Konversationslexikon von 1885 bis 1892 leitet sich das Wort Mauschel vom hebräischen Moscheh (Moses) ab und ist ein Spottname für Jude; mauscheln heiße – so Meyer – so viel wie jüdeln, schachern."
Also bitte ich Sie dringend, ihre eigenen Positionen zum Thema Antisemitismus zu hinterfragen!
PS: Stellen Sie sich außerdem eine sehr wichtige weitere Frage: "Was hätten die Leute, die das Zeitgeistmovie produziert haben davon, wenn tatsächlich antisemitisches Gedankengut bzw. Deutungsmuster transportiert werden? - wäre das nicht in deren Sinne kontrproduktiv?"
Mauscheln und Antisemitismus
Zu der von Ihnen gestellten Frage: Offener Antisemitismus wäre in der Tat für das mutmaßliche Ziel der Produzenten des Zeitgeistmovie kontraproduktiv -egal, ob es nun im Sinne eines "Mindfuck" aufklärerisch oder doch auf das Propagieren einer alles erklärende politischen "Weltverschwörungstheorie" gerichtet ist. Daher ist es auch nicht überraschend, dass weder "die Juden" noch etwa "die Illuminaten" ausdrücklich beim Wort genannt werden.
Für "strukturell antisemitisch" halte ich eine bestimmte Form von dem, was Marx "verkürzte Kapitalismuskritik" genannt hatte: die Gegenüberstellung eines "guten", "schaffenden" Kapitals in der produzierenden Industrie gegen ein "böses", "raffendes" Kapital im Geldhandel und Kreditwesen - was ja realwirtschaftlich nicht zu trennen ist. Auch ein Weltbild, in dem die Regierungen und die Wirtschaft, salopp gesagt, an den Fäden der Bilderberger hängen, stellt eine Form der verkürzten Kapitalismuskritik dar, die bei den Linken (mit der möglichen Ausnahme einiger Krawallstalinisten) streng verpönt ist - hingegen z. B. in Aussagen der NPD beinahe allgegenwärtig ist. Wie schon Bebel sagte, ist der Antisemitismus der Sozialismus der dummen Kerle.
Die poltische Lebenserfahrung zeigt mir, dass jemand, der lauthals verkürzte Kapitalismuskritik kund tut, in aller Regel politisch "extrem rechts" steht. (In Anführung, denn tatsächlich ist Nazi-Ideologie ja eher ein "Radikalismus der Mitte".)
Vielleicht ist meine Formulierung, es sei struktureller Antisemitismus, missverständlich - vielleicht wäre bezogen auf den Film die Formulierung: "strukturell rechtsextrem" besser gewesen.
(Allerdings funktioniert der europäische und der nordamerikanische Rechtsextremismus, von den Neonazis bis zur "Neuen Rechten", nicht ohne antisemitische Feindbilder.) Auch das starke Misstrauen gegen internationale Organisationen und den Abbau nationalstaatlicher Strukturen findet man weitaus eher "rechtsaußen" als "links".