Zunächst vielen Dank für die ausführlichen Blumen!
Ich strenge mich wirklich an, Themen zu finden und zu recherchieren, die woanders untergehen und bin auch schon einige Male fündig geworden.
Dazu gehören eben auch gerade die beiden Artikel, über die ihr hier gesprochen habt, Das Dossier Operation Ore und das Dossier Verschärfung Sexualstrafrecht. Von letzterem schreibe ich gerade den zweiten Teil.
Was die Beispiele im ersten Teil betrifft, so sind sie tatsächlich überzogen. Ich habe im Artikel nicht ausreichend klargemacht: Diese Beispiele beziehen sich auf den Zustand, den wir erreichen würden, wenn alle bereits ins Auge gefassten Verschärfungen (4 Jahre Mindeststrafe, Sexualverbrecherkartei, die ja noch nicht im Gesetzentwurf stehen) verwirklicht wären, wenn sich nicht breiter Protest gegen diese Verschärfungen entwickelt. Wir wissen ja zur Genüge, dass man solche Dinge häppchenweise verabreicht.
Was meinen Stil betrifft, so halte ich es allerdings für notwendig, radikal den Finger in die Wunden zu legen.
Von der Prämisse, Journalismus müsse ausgewogen zwischen der Unterdrückung und dem Unterdrückten stehen, zwischen den Ausgebeuteten und den Ausbeutern, halte ich nichts. Ich bin radikal parteiisch für den "kleinen Mann", wie er gerne genannt wird.
Wenn ihr das für "Sensationsjournalismus" haltet, ist euch das unbenommen, ich kenne da eine andere Definition.
Was die Überschrift des ersten Teils der "Operation Ore" betrifft, so ist sie für jeden verständlich und eindeutig. Deine Interpretation, ohne das "bisher" enthielte sie die Behauptung, bereits den Rest des Jahrtausends zu kennen, ist Erbsenzählerei. Niemand wird mir das ernstlich unterstellen, also war das "bisher" nicht notwendig - und der Titel war sowieso schon zu lang.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass man immer versuchen solte, eine schwungvolle Überschrift zu finden, die Aufmerksamkeit weckt. Das kann ich nicht für Sensationalismus ansehen.
Ich habe einen Artikel z.B. einmal unter der Überschrift "11000 Tote durch abgereichertes Uran" veröffentlicht (noch eine jener von den Massenmedien verschwiegenen Sachen) und später den gleichen Artikel noch einmal mit der Überschrift: "11000 Tote - und niemand erwähnt es" in mein Blog gestellt. Der zweite wurde zehnmal mehr angeklickt als der erste.
Von der Prämisse, Journalismus müsse ausgewogen zwischen der Unterdrückung und dem Unterdrückten stehen, zwischen den Ausgebeuteten und den Ausbeutern, halte ich nichts. Ich bin radikal parteiisch für den "kleinen Mann", wie er gerne genannt wird.
Diese Prämisse wurde von mir nirgendwo gestellt. Die Dichotomie hier Ausbeuter da Ausgebeutete stimmt auch nicht für alles und jeden. Das ist einfachstes Schwarz-Weiss-Denken und von dem nicht weit entfernt, was man selber immer anklagt.
Ich halte tatsächlich nichts davon, immer in Superlativen und/oder Alarmismus herumzuschwelgen, die dann irgendwann ganz schnell abstumpfen. Wenn man im Jahre 2007 vom grössten Justizskandal des Jahrtausends spricht, ist dieser Ausspruch derart dumm, dass man grosse Teile der Leute, die man mit solchen Artikeln gewinnen könnte, abstumpft. Wenn man diesen Einwand als "Erbsenzählerei" abtut, spricht das Bände. Aber immerhin stellen Sie sich dieser Kritik.
Wenn jemand immer wieder "Feuer" ruft, wenn nur irgendwo zwei Kerzen brennen, dann hört man auf ihn nicht mehr, wenn es wirklich einmal brennt.
Gregor Keuschnig hat genau das ausgedrückt, was auch ich geantwortet hätte.
Für mich persönlich will ich ergänzen: "Partei ergreifen" heißt für mich nicht automatisch, dass "meine" Seite im Recht und die "Anderen" die "Bösewichte" sind. Das Ideal der Ausgewogenheit ist m. E. nicht zu verwirklichen, deshalb strebe ich es gar nicht erst an. Ich versuche aber "fair" zu sein.
Außerdem trägt die Überschrift meines Blogs nicht von ungefähr den Untertitel: "Freiraum ist der Raum zwischen den Stühlen". Weil ich oft erlebt habe, wie eindeutige Parteinahme "für die gute Sache" einengt, Kritik und Selbstkritik unmöglich macht.
Zu den (überspitzten) Beispielen im "Sexualstrafrecht"-Artikel: sie enthalten eine weitere Prämisse, die ich für unrealistisch halten, nämlich die, das "öffentliche Moralempfinden" so zu verändern, dass es dem in den Staaten des "Bible Belt" der USA entspricht. Ja, das Vorbild für den Gesetzentwurf stammt aus den USA, und dass es übernommen wurde, entspricht der Vorliebe vieler deutschen Politiker für autoritäre Maßnahmen, der Popularität, die Politiker, die "hart durchgreifen" bei weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit genießen, und nicht zuletzt der "Musterknaben"-Mentalität bzw. dem deutschen Perfektionismus: Nur ja keine Gesetzeslücke lassen, nur ja nicht ermöglichen, dass nur ein "Kinderschänder" sich "rausredet".
Vielen Dank
Ich strenge mich wirklich an, Themen zu finden und zu recherchieren, die woanders untergehen und bin auch schon einige Male fündig geworden.
Dazu gehören eben auch gerade die beiden Artikel, über die ihr hier gesprochen habt, Das Dossier Operation Ore und das Dossier Verschärfung Sexualstrafrecht. Von letzterem schreibe ich gerade den zweiten Teil.
Was die Beispiele im ersten Teil betrifft, so sind sie tatsächlich überzogen. Ich habe im Artikel nicht ausreichend klargemacht: Diese Beispiele beziehen sich auf den Zustand, den wir erreichen würden, wenn alle bereits ins Auge gefassten Verschärfungen (4 Jahre Mindeststrafe, Sexualverbrecherkartei, die ja noch nicht im Gesetzentwurf stehen) verwirklicht wären, wenn sich nicht breiter Protest gegen diese Verschärfungen entwickelt. Wir wissen ja zur Genüge, dass man solche Dinge häppchenweise verabreicht.
Was meinen Stil betrifft, so halte ich es allerdings für notwendig, radikal den Finger in die Wunden zu legen.
Von der Prämisse, Journalismus müsse ausgewogen zwischen der Unterdrückung und dem Unterdrückten stehen, zwischen den Ausgebeuteten und den Ausbeutern, halte ich nichts. Ich bin radikal parteiisch für den "kleinen Mann", wie er gerne genannt wird.
Wenn ihr das für "Sensationsjournalismus" haltet, ist euch das unbenommen, ich kenne da eine andere Definition.
Was die Überschrift des ersten Teils der "Operation Ore" betrifft, so ist sie für jeden verständlich und eindeutig. Deine Interpretation, ohne das "bisher" enthielte sie die Behauptung, bereits den Rest des Jahrtausends zu kennen, ist Erbsenzählerei. Niemand wird mir das ernstlich unterstellen, also war das "bisher" nicht notwendig - und der Titel war sowieso schon zu lang.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass man immer versuchen solte, eine schwungvolle Überschrift zu finden, die Aufmerksamkeit weckt. Das kann ich nicht für Sensationalismus ansehen.
Ich habe einen Artikel z.B. einmal unter der Überschrift "11000 Tote durch abgereichertes Uran" veröffentlicht (noch eine jener von den Massenmedien verschwiegenen Sachen) und später den gleichen Artikel noch einmal mit der Überschrift: "11000 Tote - und niemand erwähnt es" in mein Blog gestellt. Der zweite wurde zehnmal mehr angeklickt als der erste.
Ich hoffe, euch in meinem Blog wiederzutreffen
Grüsse aus Brasilien
Karl Weiss
Diese Prämisse wurde von mir nirgendwo gestellt. Die Dichotomie hier Ausbeuter da Ausgebeutete stimmt auch nicht für alles und jeden. Das ist einfachstes Schwarz-Weiss-Denken und von dem nicht weit entfernt, was man selber immer anklagt.
Ich halte tatsächlich nichts davon, immer in Superlativen und/oder Alarmismus herumzuschwelgen, die dann irgendwann ganz schnell abstumpfen. Wenn man im Jahre 2007 vom grössten Justizskandal des Jahrtausends spricht, ist dieser Ausspruch derart dumm, dass man grosse Teile der Leute, die man mit solchen Artikeln gewinnen könnte, abstumpft. Wenn man diesen Einwand als "Erbsenzählerei" abtut, spricht das Bände. Aber immerhin stellen Sie sich dieser Kritik.
Wenn jemand immer wieder "Feuer" ruft, wenn nur irgendwo zwei Kerzen brennen, dann hört man auf ihn nicht mehr, wenn es wirklich einmal brennt.
Danke!
Für mich persönlich will ich ergänzen: "Partei ergreifen" heißt für mich nicht automatisch, dass "meine" Seite im Recht und die "Anderen" die "Bösewichte" sind. Das Ideal der Ausgewogenheit ist m. E. nicht zu verwirklichen, deshalb strebe ich es gar nicht erst an. Ich versuche aber "fair" zu sein.
Außerdem trägt die Überschrift meines Blogs nicht von ungefähr den Untertitel: "Freiraum ist der Raum zwischen den Stühlen". Weil ich oft erlebt habe, wie eindeutige Parteinahme "für die gute Sache" einengt, Kritik und Selbstkritik unmöglich macht.
Zu den (überspitzten) Beispielen im "Sexualstrafrecht"-Artikel: sie enthalten eine weitere Prämisse, die ich für unrealistisch halten, nämlich die, das "öffentliche Moralempfinden" so zu verändern, dass es dem in den Staaten des "Bible Belt" der USA entspricht. Ja, das Vorbild für den Gesetzentwurf stammt aus den USA, und dass es übernommen wurde, entspricht der Vorliebe vieler deutschen Politiker für autoritäre Maßnahmen, der Popularität, die Politiker, die "hart durchgreifen" bei weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit genießen, und nicht zuletzt der "Musterknaben"-Mentalität bzw. dem deutschen Perfektionismus: Nur ja keine Gesetzeslücke lassen, nur ja nicht ermöglichen, dass nur ein "Kinderschänder" sich "rausredet".