Andererseits bin ich immer schockiert, wenn ich sehe, wie oft die Science Fiction meiner Kindheit (also aus den 80er Jahren) sich verdammt nah an der Realität unserer heutigen Zeit bewegt. Sowohl technisch als auch soziologisch - und vor allem im letzteren Bereich...
SF stellt die Frage "Was wäre wenn" (und nicht etwa: "Was wird sein" wie die Futurologie. Sie sollte deshalb vielleicht besser "Speculative Fiction" genannt werden.
Die SF der 80er Jahre war stark vom "Cyberpunk" geprägt und in der Tat bewegt sich die Welt seitdem in eine ähnliche Richtung, wie sie z. B. William Gibson damals dargestellt hat - weniger, weil Gibson die Zukunft richtig "hochgerechnet" hätte - gerade da, wo er es wirklich tat, liegt er ziemlich "daneben" . Die Spekulationen des Gibsonschen "Cyberpunk" beruhen auf zwei Grundvoraussetzungen 1. Was wäre wenn der Staat (die Staaten) von großen Konzernen kontrolliert würden, die die staatliche Monopol-Macht für ihre Zwecke instrumentalisieren. 2. Was wäre wenn praktisch die gesamte Kommunikation und alle ökonomischen Transaktionen in einem weltweiten, nicht hierachischen Datennetz ablaufen würden.
Weil diese Annahmen sich als richtig erwiesen haben, treffen auch andere Elemente der Cyberpunk-Romane zu - einfach, weil der Autor sich um eine plausible Geschichte mit glaubwüdigen Protagonisten bemüht.
Von der ersten Folge der "2057"-Reihe bin ich übrigens - trotz nicht allzu hoch gespannter Erwartungen - enttäuscht. Sie macht - als SF-Literatur / Film gesehen- den Fehler, die "Lieblingsideen" der herangezogenen Forscher sozusagen in die Zukunft zu verlängern, ohne darauf zu achten, ob sich ein schlüssiges, plausibler Gesamtszenario ergibt. Da paßt einiges nicht bruchlos zusammen.
Aus der Sicht der Futurologie macht sie den Fehler, Trend der Gegenwart einfach zu "verlängern" bzw. hochzurechnen. Weswegen auch diese "Zukunftsvision" mehr über die Zeit, in der sie entstand, als über die Zeit, von der sie berichten will, verrät. Die aktuellen Themen sind "Zweiklassenmedizin" und "Totalüberwachung des Bürgers". Ob sie in ein paar Jahren noch in dieser Form relevant sein werden, ist durchaus fraglich.
Jedenfalls habe ich mich dauern gefragt, was wohl Erler aus dem Stoff gemacht hätte. (Zwei Dinge gewiss: er hätte sein Szenario näher an der heutigen Zeit angesiedelt - und eine weniger konstruierte Story erzählt.)
Das Krankenversicherungssystem mit Platinkarte usw. ähnelt
verdächtig dem beim Cyberpunk-Rollenspiel "Shadowrun". Wobei "Doc Wagon" bei Shadowrun aus gutem Grund keine medizinische Totalüberwachung seiner Kunden betreibt: 1. weil der betriebene Aufwand in keinem Verhältnis zu den eingesparten Kosten durch Aufdeckung minimaler "Gesundheitssünden" steht, 2. weil eine solche allgemeine Überwachung immer nur mit Unterstützung der staatliche Autorität machbar ist (und "staatliche Autoriät" gibt es in Shadowrun kaum noch), 3. weil es durchaus Alternativen und damit wirksame Konkurrenz zu den Diensten von Doc Wagon gibt - vor allem auf dem "Grund- und Notversorgungslevel" - bis hin zu einem medizinischen Schwarzmarkt. Was heißt - wem die Überwacherei zu weit geht, der kann "aussteigen", ohne das der Ausstieg gleich lebensgefährlich wird. Weshalb es in "Shadowrun" so eine "Gesundheitspolizei" nicht gibt.
Das Szenario in "2057" ähnelt einer Kombination der Nachteile eines privaten und eines staatlichen Krankenversicherungssystems, und das noch verbunden mit einer massiven (und medizinisch kaum zu rechtfertigen) "Vorsorge-Ideologie". Es ist also eine Verlängerung der heutigen Misstände im deutschen und französischen Gesundheitssystem. Als Kritik vielleicht gut - aber im "Erler-Ansatz" wäre sie m. E. weitaus wirksamer.
Ja, ich meinte genau William Gibson und auch das Spiel "Shadowrun", dessen erste Version ich als 14jähriger mit großer Begeisterung gelesen und gespielt habe. :)
Was Gibson betrifft, so trifft allerdings eher die Bridge-Trilogie als die ursprünglichen Neuromancer-Bücher die Entwicklung, wie ich sie selbst erlebt habe - der Unterschied ist meiner Ansicht nach Schmutz vs. sterile Sauberkeit als Grundstimmung, und wir landen da doch eher bei letzterem.
Ja, das ist eben die Natur der "Science Fiction"
Die SF der 80er Jahre war stark vom "Cyberpunk" geprägt und in der Tat bewegt sich die Welt seitdem in eine ähnliche Richtung, wie sie z. B. William Gibson damals dargestellt hat - weniger, weil Gibson die Zukunft richtig "hochgerechnet" hätte - gerade da, wo er es wirklich tat, liegt er ziemlich "daneben" . Die Spekulationen des Gibsonschen "Cyberpunk" beruhen auf zwei Grundvoraussetzungen 1. Was wäre wenn der Staat (die Staaten) von großen Konzernen kontrolliert würden, die die staatliche Monopol-Macht für ihre Zwecke instrumentalisieren. 2. Was wäre wenn praktisch die gesamte Kommunikation und alle ökonomischen Transaktionen in einem weltweiten, nicht hierachischen Datennetz ablaufen würden.
Weil diese Annahmen sich als richtig erwiesen haben, treffen auch andere Elemente der Cyberpunk-Romane zu - einfach, weil der Autor sich um eine plausible Geschichte mit glaubwüdigen Protagonisten bemüht.
Von der ersten Folge der "2057"-Reihe bin ich übrigens - trotz nicht allzu hoch gespannter Erwartungen - enttäuscht. Sie macht - als SF-Literatur / Film gesehen- den Fehler, die "Lieblingsideen" der herangezogenen Forscher sozusagen in die Zukunft zu verlängern, ohne darauf zu achten, ob sich ein schlüssiges, plausibler Gesamtszenario ergibt. Da paßt einiges nicht bruchlos zusammen.
Aus der Sicht der Futurologie macht sie den Fehler, Trend der Gegenwart einfach zu "verlängern" bzw. hochzurechnen. Weswegen auch diese "Zukunftsvision" mehr über die Zeit, in der sie entstand, als über die Zeit, von der sie berichten will, verrät. Die aktuellen Themen sind "Zweiklassenmedizin" und "Totalüberwachung des Bürgers". Ob sie in ein paar Jahren noch in dieser Form relevant sein werden, ist durchaus fraglich.
Jedenfalls habe ich mich dauern gefragt, was wohl Erler aus dem Stoff gemacht hätte. (Zwei Dinge gewiss: er hätte sein Szenario näher an der heutigen Zeit angesiedelt - und eine weniger konstruierte Story erzählt.)
Das Krankenversicherungssystem mit Platinkarte usw. ähnelt
verdächtig dem beim Cyberpunk-Rollenspiel "Shadowrun". Wobei "Doc Wagon" bei Shadowrun aus gutem Grund keine medizinische Totalüberwachung seiner Kunden betreibt: 1. weil der betriebene Aufwand in keinem Verhältnis zu den eingesparten Kosten durch Aufdeckung minimaler "Gesundheitssünden" steht, 2. weil eine solche allgemeine Überwachung immer nur mit Unterstützung der staatliche Autorität machbar ist (und "staatliche Autoriät" gibt es in Shadowrun kaum noch), 3. weil es durchaus Alternativen und damit wirksame Konkurrenz zu den Diensten von Doc Wagon gibt - vor allem auf dem "Grund- und Notversorgungslevel" - bis hin zu einem medizinischen Schwarzmarkt. Was heißt - wem die Überwacherei zu weit geht, der kann "aussteigen", ohne das der Ausstieg gleich lebensgefährlich wird. Weshalb es in "Shadowrun" so eine "Gesundheitspolizei" nicht gibt.
Das Szenario in "2057" ähnelt einer Kombination der Nachteile eines privaten und eines staatlichen Krankenversicherungssystems, und das noch verbunden mit einer massiven (und medizinisch kaum zu rechtfertigen) "Vorsorge-Ideologie". Es ist also eine Verlängerung der heutigen Misstände im deutschen und französischen Gesundheitssystem. Als Kritik vielleicht gut - aber im "Erler-Ansatz" wäre sie m. E. weitaus wirksamer.
Was Gibson betrifft, so trifft allerdings eher die Bridge-Trilogie als die ursprünglichen Neuromancer-Bücher die Entwicklung, wie ich sie selbst erlebt habe - der Unterschied ist meiner Ansicht nach Schmutz vs. sterile Sauberkeit als Grundstimmung, und wir landen da doch eher bei letzterem.